Auf ewig vereint - das Ende von Tea Mante
Verfasst: Dienstag 1. Juli 2008, 06:08
"Du weisst also, was du zu tun hast, Shessidyr."
"Sicherlich, Meister. Das Mädchen wird Euch bald nicht mehr belästigen."
Eine Tür fiel ins Schloss. Schnelle Schritte von Stiefeln folgten. Stille.
Einmal mehr ging die Sonne auf und tauchte Lameriast in ein unwirklich-diffuses rotgoldenes Licht.
Einmal mehr wachten die ersten Menschen und Tiere aus ihrem Schlaf auf und machten sich an ihr gewohntes Tun.
Einmal mehr machte sich die Giftschlange des Fürsten daran, ein Leben mit perverser Freude zu beenden.
Und sie wusste schon ganz genau, wie - die Bauarbeiten im Keller der Eisenwart waren noch nicht ganz beendet und noch immer werkelten einige Arbeiter und Steinmetze dort unten eifrig herum. Es würde kaum auffallen.
Sie ging die Stufen hinab. Jedoch bar jeglicher Eile. Mehr wie eine hochnäsige Königin stolzierte sie das Treppenhaus der Eisenwart hinunter, bis sie vor dem Kellerzugang stand.
Kalte, steinstaubgeschwängerte Luft drängte sich aus dem Keller hervor und erinnerte sie an eine Gruft. Ironischerweise sollte der Keller auch bald als etwas derartiges dienen.
Nach nur wenigen Stufen kam sie an einem abgedeckten Gebilde vorbei. Unter der schweren Decke befand sich ein herrlicher Tisch, der bald schon Aufenthaltsort und Büro für die Lagerverwalterin und Ehefrau dieses unausstehlichen Mikhail Kalveron - Kajol Kalveron - dienen sollte.
Nach einigen Stufen nach oben offenbarte sich auch vor ihr die volle Pracht des neuen Untergeschosses der Eisenwart:
Ein Hochweg, geschmückt von kunstvollen Säulenbögen, zu dessen Seite sich bald die Bibliothek und die kleine Kapelle zu Ehren des Fürsten Deslon befinden werden. Ja, das wäre es. Geweiht mit Furcht, Angst und Hilflosigkeit wäre diese Kapelle sicherlich ihrer Bestimmung würdig.
An den Wänden hingen einige schwach glimmende Fackeln, die die wundersame Eigenschaft hatten, sich zu entzünden, sobald man sie berührte und nach wenigen Minuten wieder zu erlöschen. Schon bald hing ein Wandhalter leer an der steinernen Wand und eine Gestalt entfernte sich mit dem nun sanft brennenden Inhalt der Halterung in die dunkle Kapelle hinab und kam nur wenige Minuten später mit einem teuflischen Grinsen auf den Lippen wieder herauf und setzte ihren Weg fort in den Kerkertrakt - den Teil des Untergeschosses, welcher als erster fertig gestellt wurde.
Sie kam an den Zellen vorbei. Unfassbar, wie alt und verwittert Metall nach nur wenigen Wochen unter Tage aussehen konnte. Doch das sollte sie nicht weiter kümmern. Das, was sie suchte war greifbar nahe...
Dort lag das Mädchen. Tea Mante.
Die langen schwarzen Haare wirkten abgestumpft und ohne Glanz. Der ohnehin bereits zierliche Körper abgemergelter als zuvor. Das, was Aventius und die anderen mit ihr angestellt hatten muss wahrlich kräftezehrend gewesen sein. Sehr schön, dann würde sie nun weniger Arbeit als erwartet haben.
In der Ecke lag bei den Ketten und Fesseln auch ein längeres Seil. Wobei Seil untertrieben war... man konnte es schon fast ein ganzes Tau nennen. Mit der Last unter dem rechten Arm begab sie sich zurück zu Teas kleiner Zelle und sperrte diese mit der linken Hand auf.
Die Gefangene hatte eine Kämpfernatur und war bereits wach, als Shessidyr ihre Zelle betrat, doch hatten Folter und Befragung ihren Tribut gefordert und eine ausgelaugte Hülle hinterlassen.
"Was willst du von mir?" kam leise und deutlich aggressiv hervor.
"Du wirst bald sterben, Mädchen" war die Antwort und bevor Tea groß reagieren konnte, hatte ein gezielter Schlag mit dem Ellenbogen ihr bereits die Sinne geraubt.
Jemanden zu fesseln war eine von Shessidyrs leichtesten Aufgaben - selbst wenn die Person sich wehrte. Doch eine Bewusstlose zu verschnüren grenzte schon fast an Langeweile - wäre diese Maßnahme ob der unbezähmbaren Natur der Gefangenen nicht zwingend notwendig gewesen. Die Hände gefolgt von den Unterarmen, dieses mit dem Bauch verbinden, danach die Füße fest zusammen binden, das Seil um die Bindung herum schlingen und am Ende alles am Rücken mit einem mehrfachen Knoten zusammenfassen - dabei noch ein großzügiges Stück "Leine" übrig lassend.
Denn auch wenn Shessidyr hinterlistig und verschlagen sein mag, stark war sie noch nie. Und so schleifte sie das fest verzurrte Bündel mit Mühen durch den Kerker und über die Stufen und Kanten des Hochweges hinter sich her, immer der Kapelle entgegen bis sie von einem harsch gebellten..
"HALT, STEHENBLEIBEN!!!"
aufgehalten wurde. Vor lauter Konzentration auf das ziehen und zerren der sinnesberaubten Gefangenen übersah sie völlig den Wachmann der Frühschicht, der nun mit gezogenem Kurzschwert und Fackel vor ihr stand, dieses, das Schwert natürlich, jedoch gleich wieder scheidete als er erkannte, was er zu riskieren im Sinne war.
"Frau Shartir! Was um alles in der Welt macht Ihr um diese Uhrzeit hier unten? Und was ist... das?"
Es benötigte nicht viele Erklärungen und Worte um den Wachmann zu überzeugen, dass er die gefesselte Tea schultern und Shessidyr folgen sollte, was dieser dann auch sogleich tat - ein Widerspruch wäre auch äusserst unklug gewesen - und nur wenige Schritte später fanden sich beide vor einer halb zugemauerten Nische in der Kapelle der Eisenwart wieder.
"Wirf sie da hinein... und dann mauere den Abschnitt bis oben hin restlich zu, Legionär!"
"Das... ist nicht Euer Ernst! Ihr wollt nicht wirklich...!"
"Was? Mich dem Willen des Fürsten widersetzen? Überlege deine nächsten Worte gut, Legionär... ich denke nicht, dass du möchtest, dass ich Meldung wegen Befehlsverweigerung machen muss... oder?"
Wie immer funktionierten die giftigen Worte. Anscheinend war nur dieser Trottel Leon nicht dafür empfänglich. Aber das würde sie ihm schon noch austreiben. Doch tat das nichts zur Sache, denn der bei ihr stehende und "funktionierende" Legionär war bereits eifrig dabei, seinen Befehl auszuführen.
Obwohl? Wo in Alatars Namen war er hin? Als sie die Augen wieder öffnete, war der Legionär fort und die Wand vor ihr bis oben hin zugemauert, wie es ein gelernter Maurer mit den vorhandenen Mitteln nicht besser hinbekommen hätte. Sie muss einmal wieder in Gedanken versunken sein und dieser Waschlappen von Legionär hatte wohl nichts besseres zu tun als so schnell wie möglich das Weite zu suchen.
Für seinen Teil hatte er schon recht. Vielleicht wäre ihr ja noch etwas eingefallen, wie sie sich mit ihm etwas die Zeit vertreiben könnte... und es wäre garantiert unangenehm für ihn ausgefallen.
Doch sicher nicht so unangenehm wie die Strafe für den Fall, dass der Legionär plaudern sollte, was hier unten zu früher Morgenstunde vorfiel. Er würde garantiert daran denken und niemandem etwas davon berichten.
Davon, wie hier unten ein junges Mädchen bei lebendigem Leibe eingemauert wurde.
Davon, wie hier unten eine Kapelle mit dem höchsten aller Opfer eingeweiht wurde.
Davon, wie die Eisenwart ihren rechtmässigen Besitz ein für alle Male heim holte.
Denn mit der schwindenden Lebensenergie und den ungehörten Schreien Tea Mantes wird auch eine kleine, von vielen vermutlich bereits vergessene Unterschrift auf dem blauschwarzen Gildenstein schwinden. Die Unterschrift, die Tea Mante vor langer Zeit leistete, als sie den Reihen Eisenwarts beitrat.
"Ewige Treue dem Burgherren und der Legion bis in den Tod"
Auf ewig vereint mit der Eisenwart - das Schicksal einer jungen Kriegerseele.
Doch galt es nun nicht, sich lange Gedanken zu machen. Etwas weitaus wichtigeres stand nun an.
Der Fürst hatte befohlen, dass die Legion sich zur Nachmittagsstunde in der Taverne Lameriasts sammeln sollte - hoher Besuch stand an.
Graf Adrian von Hohenfels, Truchsess Varunas und der Grafschaft Hohenfels würde noch an diesem Nachmittag auf Lameriast eintreffen...
"Sicherlich, Meister. Das Mädchen wird Euch bald nicht mehr belästigen."
Eine Tür fiel ins Schloss. Schnelle Schritte von Stiefeln folgten. Stille.
Einmal mehr ging die Sonne auf und tauchte Lameriast in ein unwirklich-diffuses rotgoldenes Licht.
Einmal mehr wachten die ersten Menschen und Tiere aus ihrem Schlaf auf und machten sich an ihr gewohntes Tun.
Einmal mehr machte sich die Giftschlange des Fürsten daran, ein Leben mit perverser Freude zu beenden.
Und sie wusste schon ganz genau, wie - die Bauarbeiten im Keller der Eisenwart waren noch nicht ganz beendet und noch immer werkelten einige Arbeiter und Steinmetze dort unten eifrig herum. Es würde kaum auffallen.
Sie ging die Stufen hinab. Jedoch bar jeglicher Eile. Mehr wie eine hochnäsige Königin stolzierte sie das Treppenhaus der Eisenwart hinunter, bis sie vor dem Kellerzugang stand.
Kalte, steinstaubgeschwängerte Luft drängte sich aus dem Keller hervor und erinnerte sie an eine Gruft. Ironischerweise sollte der Keller auch bald als etwas derartiges dienen.
Nach nur wenigen Stufen kam sie an einem abgedeckten Gebilde vorbei. Unter der schweren Decke befand sich ein herrlicher Tisch, der bald schon Aufenthaltsort und Büro für die Lagerverwalterin und Ehefrau dieses unausstehlichen Mikhail Kalveron - Kajol Kalveron - dienen sollte.
Nach einigen Stufen nach oben offenbarte sich auch vor ihr die volle Pracht des neuen Untergeschosses der Eisenwart:
Ein Hochweg, geschmückt von kunstvollen Säulenbögen, zu dessen Seite sich bald die Bibliothek und die kleine Kapelle zu Ehren des Fürsten Deslon befinden werden. Ja, das wäre es. Geweiht mit Furcht, Angst und Hilflosigkeit wäre diese Kapelle sicherlich ihrer Bestimmung würdig.
An den Wänden hingen einige schwach glimmende Fackeln, die die wundersame Eigenschaft hatten, sich zu entzünden, sobald man sie berührte und nach wenigen Minuten wieder zu erlöschen. Schon bald hing ein Wandhalter leer an der steinernen Wand und eine Gestalt entfernte sich mit dem nun sanft brennenden Inhalt der Halterung in die dunkle Kapelle hinab und kam nur wenige Minuten später mit einem teuflischen Grinsen auf den Lippen wieder herauf und setzte ihren Weg fort in den Kerkertrakt - den Teil des Untergeschosses, welcher als erster fertig gestellt wurde.
Sie kam an den Zellen vorbei. Unfassbar, wie alt und verwittert Metall nach nur wenigen Wochen unter Tage aussehen konnte. Doch das sollte sie nicht weiter kümmern. Das, was sie suchte war greifbar nahe...
Dort lag das Mädchen. Tea Mante.
Die langen schwarzen Haare wirkten abgestumpft und ohne Glanz. Der ohnehin bereits zierliche Körper abgemergelter als zuvor. Das, was Aventius und die anderen mit ihr angestellt hatten muss wahrlich kräftezehrend gewesen sein. Sehr schön, dann würde sie nun weniger Arbeit als erwartet haben.
In der Ecke lag bei den Ketten und Fesseln auch ein längeres Seil. Wobei Seil untertrieben war... man konnte es schon fast ein ganzes Tau nennen. Mit der Last unter dem rechten Arm begab sie sich zurück zu Teas kleiner Zelle und sperrte diese mit der linken Hand auf.
Die Gefangene hatte eine Kämpfernatur und war bereits wach, als Shessidyr ihre Zelle betrat, doch hatten Folter und Befragung ihren Tribut gefordert und eine ausgelaugte Hülle hinterlassen.
"Was willst du von mir?" kam leise und deutlich aggressiv hervor.
"Du wirst bald sterben, Mädchen" war die Antwort und bevor Tea groß reagieren konnte, hatte ein gezielter Schlag mit dem Ellenbogen ihr bereits die Sinne geraubt.
Jemanden zu fesseln war eine von Shessidyrs leichtesten Aufgaben - selbst wenn die Person sich wehrte. Doch eine Bewusstlose zu verschnüren grenzte schon fast an Langeweile - wäre diese Maßnahme ob der unbezähmbaren Natur der Gefangenen nicht zwingend notwendig gewesen. Die Hände gefolgt von den Unterarmen, dieses mit dem Bauch verbinden, danach die Füße fest zusammen binden, das Seil um die Bindung herum schlingen und am Ende alles am Rücken mit einem mehrfachen Knoten zusammenfassen - dabei noch ein großzügiges Stück "Leine" übrig lassend.
Denn auch wenn Shessidyr hinterlistig und verschlagen sein mag, stark war sie noch nie. Und so schleifte sie das fest verzurrte Bündel mit Mühen durch den Kerker und über die Stufen und Kanten des Hochweges hinter sich her, immer der Kapelle entgegen bis sie von einem harsch gebellten..
"HALT, STEHENBLEIBEN!!!"
aufgehalten wurde. Vor lauter Konzentration auf das ziehen und zerren der sinnesberaubten Gefangenen übersah sie völlig den Wachmann der Frühschicht, der nun mit gezogenem Kurzschwert und Fackel vor ihr stand, dieses, das Schwert natürlich, jedoch gleich wieder scheidete als er erkannte, was er zu riskieren im Sinne war.
"Frau Shartir! Was um alles in der Welt macht Ihr um diese Uhrzeit hier unten? Und was ist... das?"
Es benötigte nicht viele Erklärungen und Worte um den Wachmann zu überzeugen, dass er die gefesselte Tea schultern und Shessidyr folgen sollte, was dieser dann auch sogleich tat - ein Widerspruch wäre auch äusserst unklug gewesen - und nur wenige Schritte später fanden sich beide vor einer halb zugemauerten Nische in der Kapelle der Eisenwart wieder.
"Wirf sie da hinein... und dann mauere den Abschnitt bis oben hin restlich zu, Legionär!"
"Das... ist nicht Euer Ernst! Ihr wollt nicht wirklich...!"
"Was? Mich dem Willen des Fürsten widersetzen? Überlege deine nächsten Worte gut, Legionär... ich denke nicht, dass du möchtest, dass ich Meldung wegen Befehlsverweigerung machen muss... oder?"
Wie immer funktionierten die giftigen Worte. Anscheinend war nur dieser Trottel Leon nicht dafür empfänglich. Aber das würde sie ihm schon noch austreiben. Doch tat das nichts zur Sache, denn der bei ihr stehende und "funktionierende" Legionär war bereits eifrig dabei, seinen Befehl auszuführen.
Obwohl? Wo in Alatars Namen war er hin? Als sie die Augen wieder öffnete, war der Legionär fort und die Wand vor ihr bis oben hin zugemauert, wie es ein gelernter Maurer mit den vorhandenen Mitteln nicht besser hinbekommen hätte. Sie muss einmal wieder in Gedanken versunken sein und dieser Waschlappen von Legionär hatte wohl nichts besseres zu tun als so schnell wie möglich das Weite zu suchen.
Für seinen Teil hatte er schon recht. Vielleicht wäre ihr ja noch etwas eingefallen, wie sie sich mit ihm etwas die Zeit vertreiben könnte... und es wäre garantiert unangenehm für ihn ausgefallen.
Doch sicher nicht so unangenehm wie die Strafe für den Fall, dass der Legionär plaudern sollte, was hier unten zu früher Morgenstunde vorfiel. Er würde garantiert daran denken und niemandem etwas davon berichten.
Davon, wie hier unten ein junges Mädchen bei lebendigem Leibe eingemauert wurde.
Davon, wie hier unten eine Kapelle mit dem höchsten aller Opfer eingeweiht wurde.
Davon, wie die Eisenwart ihren rechtmässigen Besitz ein für alle Male heim holte.
Denn mit der schwindenden Lebensenergie und den ungehörten Schreien Tea Mantes wird auch eine kleine, von vielen vermutlich bereits vergessene Unterschrift auf dem blauschwarzen Gildenstein schwinden. Die Unterschrift, die Tea Mante vor langer Zeit leistete, als sie den Reihen Eisenwarts beitrat.
"Ewige Treue dem Burgherren und der Legion bis in den Tod"
Auf ewig vereint mit der Eisenwart - das Schicksal einer jungen Kriegerseele.
Doch galt es nun nicht, sich lange Gedanken zu machen. Etwas weitaus wichtigeres stand nun an.
Der Fürst hatte befohlen, dass die Legion sich zur Nachmittagsstunde in der Taverne Lameriasts sammeln sollte - hoher Besuch stand an.
Graf Adrian von Hohenfels, Truchsess Varunas und der Grafschaft Hohenfels würde noch an diesem Nachmittag auf Lameriast eintreffen...