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...doch mein Herz bleibt frei - In den Kerkern Rahals
Verfasst: Montag 16. Juni 2008, 00:56
von Tithus Hemmel
Tag Eins:
Der Abend begann recht friedlich. Obgleich es ein Ärgernis gab, nämlich der neue selbsternannte Retter Bajards, Saldor Fankenau, wie er sich nannte, war es für den Dicken nach einiger Zeit schon wieder vergessen.
"Du kannst es nicht allen recht machen, Titus. Lass die Dinge sich entwickeln"
Ihm war es so als spräche Horteras selbst mit seinem herzen, doch was war Horteras auch anderes als der kleine mann im Ohr der einem gute Ratschläge erteilte. Viele nannten es Gewissen, viele nannten es Schicksal oder eine glückliche fügung. Doch Horteras war weit mehr.
Er war der Gott der am wenigsten aktiv ins geschehen der Welt einschritt, und so wie die Seefahrer den Sternen folgten um ihr rechtes Ziel zu erreichen, so war Horteras der Stern der ihnen den Weg weisen würde. Es war den Menschen freigestellt zu entscheiden ob sie dem "Wink des Schicksals" folgen würden oder nicht. In diesem Fall musste Titus abwarten.
Doch gleichwohl, war der Abend trotz allem friedlich. Die letzten Sonnenstrahlen fielen auf seinen Hut herab während im Westen die Sonne versank - und Titus selbst war glücklich damit, die Enten im Teich zu füttern, diese dummen Vögel die keine Sorgen zu haben schienen und dankbar die Krumen aufpickten.
Akron kam hinzu und setzte sich neben Titus. Es gab ein kurzes Gespräch. dann verschwand er wieder.
Dann jedoch kamen sehr seltsame Besucher - Männer und Frauen aus Rahal die ihn recht rasch einkreisten. Sie sprachen von einer Einladung in "die Heilige Stadt", wo er den Rahalern vom Sternenvater erzählen sollte. Was für ein Unsinn war das nun wieder?
Titus erhob sich und da kam auch schon die Letharin mit der Titus Tage zuvor sich einen kleinen Scherz erlaubte. er erinnerte sich an das disharmonische Kätzchen das unter seinen Achseln gezappelt hatte und seinen Schweißgeruch einatmen musste. Doch das war noch nicht einmal das Schlimmste an der ganzen Sache für sie gewesen. Er wollte sie tatsächlich segnen. Titus wusste nicht was die katze war, aber die Disharmonie im Lied gefiel ihm nicht, und letztendlich waren es solche "Späßchen", welche wohl am ehesten beweisen sollten, dass Horteras der Lehrer war, und ein praktischer Gott - genauso wie Titus selbst, der dem Sternenvater seit seiner Bekehrung so hingebungsvoll gefolgt war.
"Pass gut auf, Stenrnjünger Titus. Du schwebst in großer Gefahr!" Die Stimme in seinem Kopf war deutlich - und - ob es nun Tatsächlich Horteras oder nur sein Instinkt war - als Schwerter gezogen wurden war es sofort klar - sie wollten ihn nach Rahal zwingen!
Titus blieb keine andere Wahl. Seine zwei Wächter, Geister der Lüfte waren sie, stellten sich - als sie Gestalt annahmen in form zweier Staubteufel, um seinen Körper zu schützen.
Doch weder Schwert noch Schild können Materielle Gestalten auf ewig hinhalten. Und ehe titus durch einen Schwertschlag auf dem Kopf mit der flachen Seite voran zu Boden ging sah er noch wie sie sich in die Winde verstreuten.
Kassius der noch versuchte, Titus da rauszuholen sah er nicht mehr - und bewusstlos wurde der Fleischberg nach Rahal geschleift.
Die Freiheit ist das wertvollste Gut des Menschen, und du bist dazu ersehen, sie zu bewahren und in den herzen der Menschen wachzurütteln, Bruder titus. Sei Frei im Herzen und im Geiste und Horteras wird mit dir sein.
Verfasst: Montag 16. Juni 2008, 18:38
von Tithus Hemmel
Das Erwachen war schrecklich.
Titus fühlte sich komplett Verkatert - und sein erster Gedanke war "Joh mey, i hätt nit so vui sauf'n soll'n."
Bis ihm klar wurde dass seine Gliedmaßen gefesselt waren und er in seiner Rüstung fortgeschleift wurde. Ob der Abnutzungen war die Bauchseite seiner Robe abgenutzt - doch eine Handvoll mannen schleiften ihn offenbar in eine Höhle. Es war noch dunkel, sodass der dicke Priester Horteras' nicht wirklich sagen konnte wo er war.
In den Höhlen keuchte er erstmals auf. "Keucht nicht. Wenn es jemandem zusteht, dann mir, der Euch den Weg hierhergeschleift hat", fauchte ihn ein Gardist an.
Man brachte ihn in eine Zelle, tief unten in den Höhlen, suchte seinen Körper nach Waffen ab, welche der Dicke nicht bei sich trug.
Nur seine Umhängetasche war da, und man entnahm ihm auch nur die Glasphiolen. Großzügigerweise ließ man ihm Pfeife und Wildkraut, sowie seine Flachmänner mit Schnaps - immerhin großzügig, so dachte Titus.
Die Letharin die ihn anstarrte nahm sein Angebot, doch mal vom Schnaps zu kosten, nicht an - vielmehr noch meinte sie lediglich "Ihr solltet dankbar sein, die Gelegenheit bekommen, zu bereuen."
Na welch Dankbarkeit. Titus, ein priester der Freiheit war gefangen, tief in den Höhlen irgendwo bei Rahal, wie er vermutete.
"Verzage nicht, Titus. Dein Körper mag gefangen sein, doch dein Herz bleibt frei. Entsinne dich dem, was du dereinst gelernt hast.
"Sternvota, i weysz nit, wia es weytargeh'n soll. Wohrscheynlich wird des gonze no ziemlich bös' end'n."
"Ich wünschte, ich könnte dir den Schmerz ersparen, doch wisse, dass du nicht allein bist. Die Macht Horteras' durchdringt jeden Stein, und auch wenn du den Sternenhimmel nicht sehen magst, in deinem Geiste sind sie noch alle da, und die Freiheit, zu denken und die Freiheit zu fühlen kann dir niemand nehmen."
Nach einer Weile legte sich Titus auf die Steinbank und versuchte Schlaf zu finden. Gleich wie es auch weitergehen sollte - es würde immer einen Ausweg geben.
Was Bruder Titus nicht wusste war, dass Kassius sich ein erbittertes Gefecht geliefert hatte, um Titus aus diesem Schlamassel zu befreien und nun selbst eine Zelle in den Kerkern Rahals bewohnte.
Hätte Titus das gewusst wäre ihm weitaus elender zumute gewesen.
Verfasst: Mittwoch 18. Juni 2008, 03:21
von Tithus Hemmel
Tag Drei
Titus litt diesem Abend ungeheure Schmerzen, Schmerzen die so unnötig waren, doch die Rahaler ließen ihren Blutdurst an den dicken Priester aus und folterten ihn gar ohne Grund.
Die Peitschenhiebe, die Schnitte - und dies zu völlig lächerlichen Fragen. Titus empfand keinen Hass - nur Mitleid. Sie hatten keine Argumente, aber Hauptsache, sie konnten dem Dicken Schmerzen zufügen. Es war eine Qual an sich.
Wie sollte er diese Gefangenschaft überstehen, wenn sein Tod doch bereits feststand? In Titus gingen viele Gedanken umher während er in die Zelle gepeitscht wurde und dort letzten Endes zusammenbrach. Sein Geist war kaum noch da, denn die Erschöpfung nach all der Qual und Anstrengung, beschaut wie wenn er ein Zirkuswesen wäre, lag er am Boden.
"Und i werd meynem Sohn Kanubio nimma seh'n - er wird so frog'n, wos mit miar los is', wos i fiar eynen Schmerz erleyd' - ob er's varkraft'n wird?"
Gräme dich nicht, Titus. Du erlagst nicht dem Zorn, den sie herbeisehnten. Sie werden dich nicht unterkriegen, und ich, nein, meine Macht wird immer bei dir sein.
Gleichwohl ob der Sternenherr selbst mit ihm sprach oder es nur sein Herz war, das für ihn schlug und mit ihm sprach, die Worte spendeten ihm Trost.
"Sternvota - du seyst mey Hirt. Dey Steck'n und Stab spend'n miar Trost, dey Liacht erleychtet meynen Weg - und du führst mi in de Freyheyt. Dey Stern mog erstrahl'n fiar olle, de die freyheyt suach'n - dey Geyst spendet meynem Trust...." - in Gedanken sprach er das Gebet zu seinem Sternenvater, in dessen Namen er lebte, predigte und anderen menschen Trost brachte - doch seiner wird man sich nicht erinnern. Das war denen vorbehalten, die was auf Heldentum gaben. Doch seine eigene Geschichte war erzählt. Er hoffte nur, dass Horteras selbst ihn noch zu sich holen konnte, ehe der finstere Rabe es tat - und in dessen Sternenlicht würde er durch die Zeiten reisen, frei in Geist und Herzen, durch die Unendlichkeeit an ein unbekanntes Ziel, dahin wo der Strahl Horteras' ihn einst leiten mochte.
Höre auf meine Worte, Titus. Ich werde dir die Schmerzen nehmen. Du warst ein getreuer Hüter meines Wissens, du sollst nicht zu Grunde gehen wie ein gepeinigtes Tier. Mein ist die Herrlichkeit, dein ist die Freiheit. Dein herz bleibt frei von Kummer und Qual, mein Licht wird dich trösten.
Vor Titus' inneren Auge erstrahlte ein Stern in der Finsternis der Besinnungslosigkeit und beschien sein Gesicht, seine Seele, seinen Geist.
Er selbst bekam nicht mit wie ein bläuliches Licht seinen ruhenden Körper wie eine Decke umgab, vermutlich dachten die Letharen, dass er selbst diesen Zauber sprach, doch die Macht eines Gottes mochte weit reichen, besonders die Macht eines Gottes, dessen Macht niemand - nicht einmal Titus selbst, auch nur annähernd kannte.
Und in dieser Nacht mochte es dem einen oder Anderen Wanderer gewahr werden, dass ein Stern am Zenit des Nachthimmels besonders hell strahlte - ja und in mancher wandernder Sternenjünger Augen mochte das Licht sich spiegeln wie Edelsteine am Grund eines tiefen klaren Sees.
Vielleicht war es nur Zufall, doch für manche mochte es ein Zeichen sein - ein Zeichen, dass Horteras tatsächlich über einem seiner Getreuen wachte.
Verfasst: Donnerstag 19. Juni 2008, 12:12
von Kanubio Bunjam
Kanubio hatte eine schreckliche Nacht hinter sich, die wohl schrecklichste seit langem. Er hatte nicht einschlafen können und kaum war er in einen unruhigen Halbschlaf gefallen, schreckte er schweißgebadet beim kleinsten Geräusch in seiner Umgebung wieder auf.
Er war gerade eine Stunde zurück von seiner Reise gewesen, als er das Furchtbare erfahren hatte: sein Vater im Kerker von Rahal! Obwohl er immer damit gerechnet hatte, war er doch schockiert, als er die Botschaft vernahm.
Seine Hand tappte nach der Schnapsflasche, die neben dem Bett stand. Er nahm einen tiefen Schluck, nicht den ersten an diesem Abend. Halb benommen schleppte er sich auf den Balkon. Er blickte zum Himmel. Der Stern, der so hell leuchtete … das war nicht normal. Er musste ein Zeichen sein! Ein Zeichen Horteras?
„Bitte, Horteras, lass meinen Vater heil da raus kommen“, flehte er gen Himmel, ohne bewusst mitzubekommen, dass er seine Worte an einen Gott richtete.
Bevor er sich hingelegt hatte, hatte er bereits begonnen, die ersten Vorbereitungen für seinen Besuch in Rahal zu treffen. Immer wieder überdachte er seine Ausrüstung, hatte Angst, das Wesentlichste zu vergessen …
Jetzt war es gut, dass Hans und er damals den Plan geschmiedet hatten, Falk aus dem Rahaler Kerker zu befreien. Er würde es genauso wieder machen. Zumindest den ersten Teil des Planes. Dabei kam ihm zugute, dass er die Gegenstände, die er dazu benötigte, immer noch in einer Truhe hortete.
Falk … Nevyn … er hatte gesehen, in welchem furchtbaren Zustand letzterer war, als sie diesen damals nach seiner Inhaftierung vor die Mauern der Stadt brachten. Ob sie Tithus ebenso behandeln würden? … Und Serendo …
„Verdammt!“ rief er aus und blickte hoch zu dem Stern, der viel heller leuchtete als er es sonst getan hatte. „Horteras, er darf nicht so enden wie Serendo! Nicht er, bitte!“ beschwor er das Gestirn über ihm. Jenes grauenvolle Bild tauchte wieder vor seinem geistigen Auge auf, als sie den Druiden an den Baum gekreuzigt gefunden hatten …
Er beugte sich über das Geländer seines Balkons und kotzte das Letzte aus seinem Magen aus. Ob die grässlichen Bilder jener Nacht die Ursache dafür waren oder der viele Alkohol, der sich in seinem Magen mit dem Haarwuchsmittel nicht vertrug, oder beides?
Getrieben von Sorge begab er sich ins Haus, versuchte zu schlafen, stand wieder auf und durchwühlte immer wieder die Truhen nach Dingen, die für das Unternehmen brauchbar sein könnten, dazwischen an und ab einen Schluck aus der Pulle nehmend. So ging es bis zur Morgendämmerung, die ihn schließlich betäubt vom Alkohol in einen tiefen, unruhigen fiebrigen Schlaf sinken ließ.
Verfasst: Donnerstag 19. Juni 2008, 12:48
von Larissa Feanaro
Es war früher Morgen, als sie den kleinen Zettel von Kanubio fand. Zuerst war sie hocherfreut, als sie die Schrift erkannte, doch je weiter sie las, desto ernster und besorgter wurde sie. Er hatte etwas erfahren, er brauchte Hilfe. Sie mußte zu ihm.
Eilig machte sie sich auf den Weg zu seinem Haus und... erkannte ihn fast nicht wieder.
Optisch war er total verändert, hatte sich die Haare dunkel gefärbt, trug Kleidung, welche überhaupt nicht zu ihm paßte... doch auch der Ausdruck auf seinem Gesicht. Er sah nicht so aus, als hätte er sonderlich viel geschlafen und sie Sorge sprang ihr förmlich entgegen, so daß die Freude, ihn wieder im Lande zu wissen, zurück gedrängt wurde.
So ließ sie sich berichten. Tithus ward im Kerker zu Rahal. Dabei hatte sie noch vor wenigen Tagen mit ihm zusammen in Bajard am See gesessen und sich unterhalten.
Erinnerungen kamen in ihr hoch. Angst... erneut sah sie die Bilder vor augen, welche sie seid Monden jede Nacht heimsuchten. Sie stand in Rahal und mußte zusehen, wie Serendo getötet wurde. Hilflos da stehend, unfähig, dieses zu verhindern... und der letzte Blick Serendos, den er ihr zuwarf... das letzte, was er in seinem Leben tat...
Seiddem hatte sie Rahal nicht mehr betreten. Sie hatte Angst.. Angst vor den Erinnerungen, welche sie auch so schon nicht abschütteln konnte. Und nun saß Tithus dort fest.
Kanubio war fest entschlossen dort hin zu gehen, um ihm zu helfen. Larissa wurde mulmig zumute. Sie konnte ihn doch nicht alleine lassen. Sie konnte nicht zulassen, daß er alleine dorthin ging, sich in Gefahr brachte. Zudem, weil sie wußte, daß er einfach handeln würde. Sie mußte ihn begleiten. Sie hatte Angst, ja. Sie wollte nicht zurück in diese Stadt, in der sie früher sehr gerne gewesen war, bis Serendo...
Sie versuchte diese Gedanken zur Seite zu schieben. Sie hatte doch keine andere Wahl. Sie konnte nicht zusehen, wie Kanubo alleine dorthin ging. Zudem kannte sie sich dort besser aus und kannte dort auch einige Leute. Zum anderen konte sie auch nicht ruhig da sitzen und zusehen, wie Tithus im Kerker saß. Zudem wußte sie, was in diesen Kerkern von statten ging.
Seufzend ging sie nach Hause und begann sich vorzubereiten. Sie suchte Tränke zusammen, manche hängt sie griffbereit an ihren Gürtel, manche verstaute sie sorgfältig in ihrer Tasche... und sie schmeidete Pläne... dies war das wichtigste... sie mußten vorbereitet sein.