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Des Schicksals harte Wege (Ankunft Arthur de Argantas)
Verfasst: Mittwoch 21. September 2005, 08:17
von Rafael de Arganta
Schlaf... wie hätte er Schlaf finden können. Noch immer schallten die Worte seines Vaters in seinem Kopf, brannte die Ohrfeige die Angelina ihm gegeben hatte auf seiner Wange.
Zwar lag sie in seinem Arm doch schien auch sie, aufgewühlt wie er, nicht schlafen zu können.
Trotzdem sprachen sie nicht mit einander hatten die Augen geschlossen, und als Rafael sie leicht streicheln wollte, rückte sei etwas ab, so das er es unterließ.
Seit langem verspürte er wieder eine Verzweifelung in sich, wie er sie lange nicht gekannt hatte. Er würde... er musste auf Temora vertrauen, aber dennoch... die Tatsache das sein Vater auf seine Heirat mit Isabella bestand war nicht einfach fort zu wischen gewesen.
Am Abend waren sie angekommen. Hatten an seine Tür geklopft, und gar geglaubt, Angelina wäre seine Magd.
Welch Hohn als Arthur gar zu Lachen begann und es als guten Scherz empfand, als Rafael sie dann als seine Verlobte vorstellte.
Alles in Allem tat ihm Isabella leid, die in diesem Spiel ebenso einfach nur herumgeschubst wurde, ohne das man sie wohl fragte. Sie waren damals doch nur ... Freunde gewesen. So jedenfalls hatte Rafael gedacht, auch wenn er sie einmal mit auf einen Ball genommen hatte, so war es doch nur weil Roselynn damals nicht wollte.
Wie konnte sein Vater ihn nur einfach so verkaufen... wie IHR Vater?
Er war erstaunlich ruhig geblieben die Ganze Zeit, nur einmal war er kurz davor gewesen seine Beherrschung zu verlieren.
Als sein Vater ihm mitteilte das er sich die Gewohnheit, Bedienstete mit an den Tisch zu nehmen wieder ab zu gewöhnen hätte, und dabei Angelina meinte, hatte er die Hände fest auf den Tisch geschlagen und noch einmal erklärt gehabt. „Sie ist meine Angetraute, Durch mein Wort bei der Heiligkeit besiegelt, Vater!“ Sein Vater hatte seinen Blick gesucht sich ebenso zu ihm vorgebeugt, und mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete gemeint. „Du wirst dich meinem Willen und dem was vor langer Zeit besiegelt wurde nicht wiedersetzen, mein Sohn!“ „ Ich steh ebenso im Worte wie ihr, Vater...“ konterte Rafael aufgebracht und die Stimme seines Vaters wurde noch eisiger. „Dann nimm zur Kenntnis, dass mein Wort schon seit langem gilt und ich bin nicht bereit davon zu zurück zutreten..“
Kurze Zeit trat wieder Stille ein, doch nur weil Angelina beruhigend Ihre Hand an seinen Arm legte.
So setzte er sich neben sie, was sein Vater missbilligte. Erneut versuchte Rafael es, versuchte auf seinen älteren Bruder Michael hin zu weisen, und das man Isabella heiraten lassen solle wen sie wollte und das niemals auch nur Überhaupt über die Möglichkeit gesprochen wurde ihn zu verheiraten.
Die Augen seines Vaters sprachen Bände. „Niemals? Wie auch mit dir, der du Schande über die Familie brachtest und es dann vorzogst dich hier zu verstecken, anstatt nach hause zu kommen!“
Rafael war bei den Worten zusammen gezuckt, zum ersten male etwas zurückgewichen vor der Autorität seines Vaters.
Isabella bat darum etwas an die Luft gehen zu können und Angelina begleitete sie.
Isabella, die immer so verletzbar war als Kind damals, wie sehr musste sie diese Situation kränken. Aber vielleicht war sie froh? Froh das er sie nicht wollte, und sie den heiraten konnte den sie für sich haben wollte.
Sie war eine Schönheit geworden mit blauen Augen die sicherlich zu bezaubern wussten, aber ihn... nein, er empfand Freundschaft für sie, mehr nicht.
Er rückte ihr den Stuhl zurecht als sie sich erhob und mit Angelina das Haus verließ, dann widmete er sich ganz wieder seinem Vater.
Ein Wort gab das Andere. Er erklärte ihm das er erst Rehabilitiert werden wollte, bevor er zurückkehrte, das er ihm von Angelina schrieb, und sein Vater reizte ihn indem er ihm vorwarf unter seinem Stand heiraten zu wollen und das er keinen Brief erhalten hatte.
Schließlich platzte Arthur der Kragen. „Ich habe keinen Brief empfangen, glaubst du..
ich hätte Isabella sonst mitgebracht und sie diesem Possenspiel ausgesetzt?
Ich glaube du verkennst die Lage mein Sohn.. ich bin nicht zum diskutieren hierher gekommen, sondern um die wichtigen Dinge zu besprechen, die deine Ehelichung mit Isabella betreffen!“
Rafael stöhnte auf und versuchte es noch einmal. „Ich... kann sie nicht ehelichen Vater. Bitte, versteht es doch. Alles was ihr wollt, aber ich werde... möchte, .. Angelina heiraten und...“ Arthur unterbrach ihn mit einer unwirschen Geste. „Dies ist was ich will und auch das was ich erwarte und du wirst weder diese Person heiraten noch eine Andere unter deinem Stande! Und nun zeige mir mein Zimmer, ich bin müde von der Reise.“
Rafael war aufgestanden. „ich zeige dir dein Zimmer und wir reden Morgen weiter.“ Meinte er mit fester Stimme und war zur Treppe vorgegangen, deutete darauf, doch sein Vater trat an ihn heran. „Es gibt nichts mehr dazu zu sagen, außer wann du Isabella heiratest und wie die
Feierlichkeiten aussehen werden. Und wenn du dich weigern solltest... werde ich einen Erlass der Königin erwirken, denn mein Wort ist das des Älteren!“
Er war die Treppe hinauf gestiegen und konnte somit nicht mehr sehen wie Rafael blass wurde. Er hatte den Brief der Königin gelesen und wusste das es ihr zu Pass käme wenn nun doch Angelina frei für Adrian wäre.
Ein dicker Klos hatte sich in seinem Hals gebildet, und ausnahmsweise Wortlos führte er seinen Vater in seine Räume wünschte ihm eine gute Nacht und war wieder hinunter gegangen, um auf die Rückkehr Isabellas und Angelinas zu warten.
Verfasst: Mittwoch 21. September 2005, 08:56
von Rafael de Arganta
Es gibt nichts mehr dazu zu sagen, außer wann du Isabella heiratest und wie die
Feierlichkeiten aussehen werden. Und wenn du dich weigern solltest... werde ich einen Erlass der Königin erwirken, denn mein Wort ist das des Älteren!“
Das waren die Worte die Rafael nicht mehr aus seinem Kopf bekam.
Während sein Vater oben wohl selenruhig schlief, durchlitt er hier tiefe Qualen. Wie konnte er der Sache entkommen? Die Heiligkeit .. die Heiligkeit war seine letzte Hoffnung.
Sie würde ihn nicht verheiraten, wenn er nicht wollte, oder Angelina nicht zustimmte.
Gegen sie würde sein Vater nichts machen können... aber was wenn die Königin ihm.. BEFAHL, Isabella zu heiraten? Nein... noch stand er nicht wieder in ihrem Dienst, oder in ihrem Wort. Alyssa jedenfalls würde das letzte Wort behalten, und das beruhigte ihn.
Er war nur froh das Antares diese Nacht bei seiner Großmutter gewesen war, wenn sein Vater auch noch mitbekommen hätte das Angelina einen unehelichen Sohn hatte, würde sie für ihn nicht weiter als eine....“ er war aufgestanden, dachte diesen Gedanken nicht einmal zu Ende.
Die Gefühle in sich vermochte er kaum zu bändigen.
Isabella und Angelina taten ihm leid, Spielbälle in diesem Spiel, über deren Schicksal einfach hinweg entschieden wurde und zu erfragen was sei wollten.
Als Angelina mit Isabella zurückkam, bot sich Rafael an, Isabella hinauf zu bringen, und ihr das Zimmer zu zeigen.
Auf die Frage hin, ob sie noch mit ihm zu reden wünschte, lehnte sie ab, und wollte es auf den Morgigen Tag verschieben.
So führte er sie hinauf, nur kurz redeten sie noch, dann wünschte er ihr eine Gute Nacht und ging wieder hinunter zu Angelina, deren Qualvoller Blick sich tief in sein Herz einbrannte.
Sofort nahm er sie in die Arme, hielt sie fest, ihr Nähe spendend die er in diesem Moment jedoch genauso brauchte. „Sie hat mir den Kampf um dich angesagt.“ Erklärte Angelina mit brüchiger Stimme und Rafael hatte fast ungläubig aufgeschaut, vermochte es kaum zu glauben. „Sie hat was?“ Angelina erklärte es ihm und auch Rafael erzählte ihr von dem festen Entschluss seines Vaters.
Es sah wirklich nicht sehr gut für sie beide aus, doch Rafael wollte nicht einfach aufgeben.
Er hatte so viel gehofft gebetet um Angelina zu der seinen zu machen, er wollte sie nicht verlieren, zumal sie sein Herz besaß... er sie liebte. Wie konnte er da je eine Andere heiraten.
Die Verzweifelung und die Angst sie zu verlieren, ließ ihn einen aberwitzigen Plan vorbringen. In seinem Stande war es gang und gebe, so dachte er nicht wirklich vorher detailliert darüber nach. Einzigst vom Gedanken getrieben, mit Angelina zusammen zu bleiben, schlug er vor, das wenn sein Vater gewinnen würde, sie doch im Nebenhaus wohnen bleiben könne und er könnte doch so immer bei ihr sein.
Ihre Antwort indes... hätte er jedoch Ahnen müssen, hätte er länger über die Hintergründigkeit seines Vorschlages nachgedacht.
Sie gab ihm eine schallende Ohrfeige und war aus dem Haus gestürzt.
Die Hand auf seiner Wange hatte er ihr einen Moment perplex nachgesehen bevor er ihr nach stürzte und sie vor ihrem Haus einholte.
Es dauerte lange und viele Worte, bis Angelina sich beruhigte und einigermaßen verstand welcher Dämon ihn in diesem Moment geritten hatte.
Er wollte sie doch nur nicht verlieren. Doch ihre Worte machten ihm klar das sie nur eines akzeptieren würde, ihre Heirat mit ihm, ansonsten hätte sie verloren.
Erst nach Stunden waren sie in das kleine Haus gegangen, hatten sich auf die kleine Pritsche gelegt, und sich einfach stumm in den Armen gehalten.
Aufgeben... wollten sie nicht, auch wenn Rafael das Gefühl hatte das es ihn so langsam den Boden unter den Füßen fortzog, und er gegen eine Windmühle zu kämpfen schien.
Sein Vater schien Wild entschlossen, so wie auch er selber... nur hatte er selber bereits einmal Schande über die Familie gebracht. Das würde sein Vater kaum ein zweites Mal zulassen. Auch wenn nur er es als Schande sah.
Für Rafael war es das nicht! Er würde eine ehrbare Frau heiraten die er liebte, von anderen Angesehen war.
Einzigst das er dem Worte seines Vaters zuwider handeln würde... ihn so zu einem Wortbruch zwang, war etwas das ihm nicht leicht fallen würde, aber er konnte ... würde Isabella nicht heiraten können.
Angelina war schon zu oft Spielball gewesen und das würde er nicht ein weiteres Mal zulassen können.
Verfasst: Mittwoch 21. September 2005, 11:19
von Angelina de Arganta
Angelina zwang sich ruhig zu liegen. Immer wieder starrte sie an die Decke des kleinen Heilerhauses und der Atem Rafael’s verriet ihr, dass auch er nicht schlafen konnte. Wenn sie die Augen schloss, sah sie das liebliche Gesicht mit den großen blauen Augen von Isabella vor sich. Diese Schlange! Lina riss immer wieder sogleich die Augen auf.
Ihre Gedanken kreisten um Isabella’s Worte, die sie schmerzlich getroffen hatten, während diese junge Frau sie honigsüß anlächelte.
„Nun, Ihr scheint Euer Herz schnell weitergereicht zu haben...“ hatte sie gemeint, nachdem Angelina ihr anvertraut hatte, im welchem Schmerz Rafael ihr beigestanden und ein Freund geworden war. Lina hatte es die Sprache. im ersten Moment verschlagen und die Worte: „Scheint, als hättet Ihr Euren Verlust schnell überwunden“ setzten dem Ganzen die Krone auf.
Genau das waren die Gedanken, die Angelina selbst lange beschäftigt hatten, die ihr das Gefühl gegeben hatten, Kelan zu verraten. Aber wer verstand schon, was sie fühlte… was sie dachte? Sie würde den Vater ihres Sohnes nie vergessen, nie aufhören, sich in Liebe an ihn zu erinnern. Aber er war tot! Er würde nie… nie wieder da sein, mit ihr sprechen, sie in den Arm nehmen… sie nie wieder liebevoll ansehen. Und diese junge Person erdreistete sich, über sie zu urteilen!
Und dann hatte Isabella ihr mit aufblitzenden Augen zugeflüstert: „Ich werde ihn nicht kampflos aufgeben.“
Angelina hatte sich zur Ruhe zwingen müssen. Sich nur keine Blöße geben! Ihr schoss durch den Kopf, was die Heiligkeit zu ihr gesagt hatte.
„Ihr solltet nicht aufgeben und allen zeigen, wer Ihr seid“ hatte diese Lina mit auf den Weg gegeben.
Angelina hatte sich gestrafft, der jungen Frau direkt in die Augen gesehen und leise gesagt: „Ihr könnt diesen Kampf nicht gewinnen.“
Den musternden, scheinbar abfälligen Blick Isabella’s ignorierend schlug sie vor, heimzugehen.
Und dann hatte Rafael ihr dieses unglaubliche Angebot gemacht. Sie war außer sich gewesen, als sie erst seine Worte begriffen hatte. Ihre Hand war von ganz allein zum Schlag in sein Gesicht geflogen und sie hatte im ersten Moment geglaubt, ihn nie wieder sehen zu wollen.
Doch wenn sie nun darüber nachdachte, hier in seinem Arm liegend, wusste sie, dass er es unüberlegt und nur aus dem Wunsch heraus geboren, sie… Angelina… auf keinen Fall zu verlieren, gesagt hatte.
Auf keinen Fall würde sie sich damit arrangieren, als Geliebte bei ihm zu bleiben. Das durfte sie Antares schon nicht antun… und sich selbst auch nicht. Nein… der Vater konnte sich auf den Kopf stellen, sie als Magd bezeichnen und noch so demütigen… es würde sich ein Weg finden, dass Rafe und sie heiraten könnten.
Ihr Kopf schmerzte und sie traute sich nicht zu bewegen, wollte sie doch Rafe nicht wecken oder gar ermuntern, mit ihr zu sprechen. Sie wollte schlafen…
Doch erst als die ersten Vogelstimmen den Morgen ankündigten, fiel sie in einen leichten, unruhigen Schlaf.
Verfasst: Mittwoch 21. September 2005, 12:16
von Rafael de Arganta
Es war noch früh am Morgen als er aufstand. Seine Gedanken... seine Gefühle hatten ihn keinen Schlaf finden lassen, und Angelina schien gerade erst eingeschlafen.
Er zog sich leise seine STiefel an, nahm sein Hemd mit und trat aus dem Haus, wo er sich dann ganz anzog.
Im Haupthaus wo sein Vater und Isabella schliefen, brannte noch kein Licht und Rafael war froh darüber.
Schnell ging er zu seinem Pferd das ihn mit einem freundlichen Schnauben empfing.
Die Zeit ihm einen Apfel hin zu halten nahm er sich noch, dann sattelte er Argos und saß auf.
Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf.
Angelina... er wollte sie nicht verlieren. Ihr war genug weh getan worden, und Isabella?
Sie war sicher zum ersten Male Spielball des Schicksals.
Es tat ihm leid sie entäuschen zu müssen, waren sie doch früher immer gute Freunde... gar Vertraute gewesen.
Sie hatte ihn schon früh vor Roselynn gewarnt und recht damit gehabt.
Sie hatte ihn immer verstanden, so wie er sie. Sicherlich würde sie auch jetzt seine Gefühle verstehen. Verstehen das er Angelina heiraten wollte. Sie musste einfach seine... Verbündete werden in diesem schicksalsträchtigem Spiel. Angelinas Worte über Isabella... sicher er glaubte ihr, aber Isabella kannte Angelina nicht so wie er sie kannte, und würde sich sicherlich nur Sorgen, das er sich so verrannt hatte wie früher schon einmal.
Egal wie... es musste eine Lösung gefunden werden.
Er würde nur Angelina heiraten und sonst niemanden!
Wild entschlossen presste er die Lippen aufeinander. Es missfiel ihm seinem Vater entgegen zu sprechen. Aber er selber würde zu seinem Wort und zu der Frau stehen die er liebte.
Isabella, war hübsch genug ... ihre blauen Augen bestechend genug das sie jeden jungen Mann den Kopf verdrehen konnet, wenn sie nur wollte. Sicherlich würde sie bald einen Mann finden den sie lieben konnte, und der ihr dieses im gleichen Maße zurückgeben konnte.
Entschlossen und im Bewusstsein das der Morgengottesdienst gerade erst begonnen hatte, klopfte er ans Tor.
Die Heiligkeit hatte ihm gesagt sie würde keine Ehe segnen die nicht im Einverständnis aller Beteiligten liegen würde.
Rafael erhoffte sich von ihr Beistand. Sie hatte sich bereit erklärt mit den Beteiligten zu reden.
Und vor ihr... so wusste Rafael mit Sicherheit, würde auch sein Vater Respekt haben.
Verfasst: Freitag 23. September 2005, 14:15
von Der Erzähler
Der alte, aber dennoch stolze Mann war empört!
Hatte es doch die Mätresse seines Sohnes gewagt, in ihrer bürgerlichen Einfältigkeit, ihm einen Krug Milch ins Gesicht zu schütten.
Warum? Weil er sich erlaubt hatte die Wahrheit auszusprechen.
War es nicht so, das sie seinen Sohn nur ehelichen wollte, um ihren kleinen Bastard versorgt zu wissen?
Mit Speck fängt man Mäuse, Milch war definitiv kein Speck und schon gar nicht war er die Maus in diesem Possenspiel!
Und sein Sohn?
Wie ein verblendeter Liebestrottel führte er sich auf.
Allein die aufbrausenden Erwiderungen und der Griff an seinen Kragen wäre wohl ausreichend gewesen um ihn zum Nachdenken, in einen Kerker werfen zu lassen.
Wie auch immer sich die Beiden aufführen würden, er dachte überhaupt nicht daran, sein gegebenes Wort zu lösen.
Es ging hier schließlich auch nicht um Gefühlseseleien, sondern um Sitten, Gebräuche, Gesetze und die Ehre!
Sowie die Königin eingetroffen war, würde er sich auf den Weg zu ihr machen und dafür Sorge tragen, dass die Vorbereitungen beginnen konnten.
Rafaels Magd würde wohl spätestens vor dem Traualtar einsehen müssen, dass das Possenspiel vorbei ist.
Verfasst: Samstag 24. September 2005, 15:48
von Rafael de Arganta
Warum Antares, seinen Vater Onkel nannte verstand Rafael gar nicht, nur das die beiden sich anscheinend gut verstanden... obwohl Arthur bei Angelina als Bastard beschimpfte.
Immer mehr fühlte sich Rafael in eine Sackgasse gedrängt, aus dem es kein Ausweg gab.
Einzigst das Angelina an seiner Seite war beruhigte ihn, gab ihm die Kraft für diese Auseinandersetzung mit seinem Vater.
Immer wieder beharrte er darauf, das er keine Andere heiraten würde, das er sich nicht zwingen ließe und als gar sein Vater Angelina immer wieder als Mätresse bezeichnete, obwohl Rafael es sich ausbat, verlor er die Geduld und packte seinen Vater am Kragen.
Es war das erste mal in seinem Leben das er seinem Vater widersprach, das erste mal das er sich ihm gegenüber so rebellisch gab, doch wollte er etwas das Rafael unter keinen Umständen bereit war ein zu gehen.
Er war sich sicher das Temora ihn und Angelina zusammentreffen ließ, und das das nun eine der Prüfungen war.
Er hatte schließlich abgelassen von seinem Vater, jedoch wohl nur, weil Angelina ihm die Hand auf den Arm gelegt hatte und seine innere Aufruhr damit glättete.
Sein Vater jedoch lenkte seine Worte weiter gegen seine Verbindung mit ihr, und schließlich war es Angelina gewesen die dem Grafen den Krug mit Milch über den Kopf gegossen hatte.
Rafael war genauso schockiert gewesen wie sein Vater, der schließlich Wutschnaubend hinaufging.
Er war so fest in seinem Entschluss... so fest wie Rafael in dem Seinen.
War er nicht alt genug für sich selber zu entscheiden? Konnte sein Vater ihn wirklich zwingen?
Des Grafen Wort war dem Vater Isabellas gegeben, und würde er es brechen, in dem Rafael Angelina heiratete, würde er somit Schande auf den Namen seiner Ahnen laden.
Warum sah sein Vater nicht ein das er niemand anderen wollte. Warum konnte man nicht wie früher, gemeinsam nach einer Lösung suchen.
Er kannte die Antwort.
Weil er das erste Mal gegen ihn aufbegehrte.
Gegen seinen Stand und den alten Sitten und Gebräuchen.
Einer musste nachgeben in diesem Spiel des Schicksals. Einer musste sein Wort zurücknehmen, so hatte die Heiligkeit gesagt.
Erst dann würde sie eine Ehe schließen, und da weder sein Vater bereit war jenes Wort zurück zu nehmen, noch Er selber, standen sie sich nun kämpferisch gegenüber.
Obwohl Rafael das Gefühl hatte mit dem Rücken gegen die Wand zu stehen. Er konnte nicht weiter weichen.
Verfasst: Samstag 24. September 2005, 17:28
von Rafael de Arganta
Das Unheil nahm seinen Lauf, ohne das Rafael viel dagegen tun konnte.
Das ahnte er schon als er sein Haus betrat, und Angelina bereits den Tisch gedeckt hatte, für ihn... Isabella und seinem Vater.
„Ich esse mit Antares in der Küche.“ Hatte sie lapidar erklärt und Rafael damit aufgebracht.
Gerade wollte er ihr erklären das sie nicht klein beigeben würden, als sein Vater das Haus betrat.
Wie ertappt waren er und Angelina auseinandergefahren, und der siegesgewisse Gesichtsausdruck den der Graf zur Schau trug, beunruhigte Rafael tief, das er kaum widersprechen konnte, als Angelina meinte das sie aufgetragen hätte und sich in die Küche zurückzog.
Sofort sah Arthur zufriedene aus. „Ich sehe mit Freuden, dass sie nun zu wissen scheint, wo ihr Platz ist. Das erspart uns weitere Unstimmigkeiten und so können wir dann an die
Vorbereitungen für die Hochzeit mit Isabella gehen.“
Hatte Rafael noch soeben Angelina nachgesehen, so war er jetzt herumgewirbelt.
Doch er beherrschte sich. Ruhig bleibend erklärte er das Angelina als Hausherrin nur noch einiges zu tun hätte.
Er bat sogar seinen Vater an den Tisch, setzte sich ihm gegenüber.
Mit ruhigen Worten würde... musste man weiter kommen.
Erneut fragte er warum nicht Michael diese Ehe einging, und warum man ihn zwingen wollte, und erneut erklärte er das er sein Wort nicht brechen würde, und am Ende Angelina heiraten würde und erreichte damit wieder seinen Vater in Zorn zu versetzen.
„Du irrst!“ meinte er. „Du wirst Isabella heiraten.. daran führt kein weg vorbei.. du hast lediglich die Wahl dich an den Vorbereitungen zu beteiligen, oder mir dies zu überlassen.
Du hast dich mir und meinem Worte nicht zu widersetzen und das weißt du!
Ich war heute bei der Königin ... sie lässt dich grüßen. Auch ihre Hoheit ist nicht bereit mit den Traditionen zu brechen.. sie selbst wurde so einem Manne zugeführt und auch deine Mutter mir, wie du weißt.. so nimm nun endlich Vernunft an und sieh den Tatsachen ins Auge.“
Ein Wort gab das Andere, keiner wollte weichen oder Nachgeben, und die Worte seines Vaters begannen langsam die Sorge in Rafael zu schüren. Er wollte sich nicht mit seinem Vater überwerfen, dennoch schien sein Widersetzen für seinen Vater wie eine Kampfansage.
„Ich weiß das es das erste mal ist das ich mich dir widersetze, doch wirst du mich weder in Ketten vor den Altar schleppen können, noch wirst du mein Wort erzwingen können.“
Des Grafen Augen hatten in einer Art gefunkelt die Rafael noch aus seiner Kindheit her kannte. So hatte sein Vater immer ausgeschaut wenn er sehr Zornig war, auch wenn ihm äußerlich nichts an zu merken war. „Kann ich nicht?“ hatte er gefragt, und unwillkürlich war Rafael ein Schauer über den Rücken gelaufen. „Du forderst mich heraus Rafael?“
Er hielt dem Blick stand.
„Ihr habt es herausgefordert, Vater.“ Hatte er geantwortet, und blieb bei seiner Entscheidung.
Am Ende war Arthur de Arganta aufgestanden und hatte ihm erklärt das er am nächsten Morgen mit den Vorbereitungen beginnen würde. Das er, Rafael nichts dagegen tun könne, und war hinauf gegangen.
Rafael hatte ihm lange nach gesehen, dann hatte er ein zweites Glas Wein eingeschenkt und war zu Angelina gegangen.
Er wollte ihr nicht zeigen, wie mutlos er war, wie aufgewühlt doch konnte er ihr nichts vormachen. Liebevoll sah er sie an, und wusste in jenem Augenblick wieder wofür er sich bei seinem Vater einsetzte.
Ein Leben mit ihr.
Gemeinsam würden sie diese Hürde nehmen, da war er sich sicher.
Man würde ihn nicht zwingen können seine Liebe auf zu geben um jemanden zu heiraten, den er Jahre nicht gesehen hatte.
Er zog Angelina in seine Arme, brauchte ihre Nähe einfach um wieder an Stärke zu gewinnen, doch etwas war anders.
Er konnte ihre Verzweifelung spüren, aber auch ihre Entschlossenheit.
„Rafe..“ meinte sie leise. „wenn er die Vereinbarung nicht löst... dann... dann werdet ihr euch entfremden. Isabella ist doch eine hübsche junge Frau... vielleicht wirst du doch mit ihr glücklich.“
Ihre Worte trafen ihn schlimmer als es ihre Ohrfeige vor Tagen getan hatte. Er blickt auf, sah sie an, in seinen Augen die Bestürzung die er in diesem Moment fühlte. „Ja, sie mag Hübsch sein, aber ich liebe nun einmal dich ... Und hättest du mir nicht vor Tagen noch gesagt das du glaubst mich zu lieben... würde ich fast glauben du meinst deine Worte ernst.“
Er sah sei weiter an und sie nagte an ihrer Unterlippe, die Tränen in ihren Augen vermochte er nicht zu übersehen und sie erfüllten ihn mit einer unbestimmten Angst. „Rafe... ja.. ich liebe dich... und deshalb kann ich es nicht mit ansehen, wie du dich quälst... doch nur, weil du mir dein 'Wort gegeben hast und...“ er ließ sie gar nicht erst ausreden, aus Angst vor den Worten die folgen könnten. Noch vor Tagen hätte er sich gefreut über die drei magischen Worte, die er sich so von ihr ersehnt hatte, und die sie noch nie so ausgesprochen hatte, doch jetzt... er wusste das etwas folgen würde das er nicht hören wollte. „Ich gab dir nicht nur mein Wort, sondern auch mein Herz.“ Antwortete er fast trotzig, und sie lächelte für einen Moment wehmütig. Leise sprachen sie weiter miteinander, doch er konnte das Unheil nicht aufhalten die sie mit den Worten. „Ich liebe dich, Rafe... doch ich werde dich verlassen.“ einläutete.
Ihm war als würde ihm jemand den Boden unter den Füssen fortziehen.
Sie erklärte ihm das wenn sie fort wäre, alles besser werden würde. Er sich wieder mit seinem Vater verstehen würde, und irgendwann sicherlich Isabella lieben und mit ihr Kinder bekommen könnte.
Das Blut rauschte in Rafaels Ohren das er ihre Worte kaum mehr verstand, wohl aber ihre Bedeutung.
Sie wollte gehen. Wollte ihn verlassen.
Wie konnte er weiterkämpfen ohne sie? Verstand sie nicht das er sie brauchte, sie liebte.
Doch Liebe war es auch die sie dazu veranlasste diesen Schritt zu gehen.. um seinetwillen.
Doch genau das war es was er nicht wollte.
Er begriff erst wie ernst es ihr war als sie ihm seinen Ring zurückgab, den er jedoch einfach fallen ließ.
Wie könnte er sie gehen lassen?
Verstand sie nicht? Verstand sie nicht das er verloren war ohne sie? Das er auch so Isabella nicht heiraten würde? Konnte? Wo sie es doch war, die sein Herz mit sich nahm?
Sie glaubte ernsthaft er würde sei vergessen wenn er sie erst einmal nicht mehr sah.
Am Ende weinte sie, und er hatte Tränen in den Augen als sie ihn abwies, als er sie in die Arme nehmen wollte, dann stürzte sie hinaus. Sofort lief er hinter ihr her. Noch einmal erklärte er ihr das er weiter kämpfen würde, doch sie schüttelte nur den Kopf, wies ihn erneut ab, erklärte ihm das es sein müsse, das es keinen Weg geben würde, dann ließ sie ihn alleine.
Voller Wut riß er den vor sich stehenden Stuhl heran, warf ihn gegen die Wand wo er zersplitterte und brüllte voller Zorn. „Ich hasse dich VATER!!“
Dann war er selber auf einem der Stühle zusammen gebrochen.
Es war ruhig im Haus.
Genauso ruhig... tot wie seine Gefühle in sich.
Leer und geschlagen fühlte er sich. Geschlagen vom Schicksal das ein solch Spiel mit ihm Trieb.
War es ein Traum? Dann war es ein sehr bitterer.
Wütend wischte er sich die Träne fort, dann war er aus dem Haus gehetzt, war hinüber zu Angelinas Hütte gerannt und hatte an ihrer Tür geklopft.
Immer und immer wieder.
Das sie da war wusste er, spürte er, doch sie öffnete nicht. Öffnete ihm nicht, bis er schließlich irgendwann aufgab.
Das es regnete spürte er längst nicht mehr, und der Regen der sein Gesicht benetzte, vermischte sich mit den Tränen die aus seinen Augen rannen.
Es war vorbei.
Ein wundervoller Traum gelebt der nun zerbrach.
Ohne wirklich darüber nach zudenken rüstete er sich.
Dann ging er zu einer der Höhlen.
Was hatte Temora mit ihm vor?
War es wirklich ihr Wunsch gewesen das sein Glück zerbrach? Sein Vater würde triumphieren das Angelina aufgegeben hatte, doch er selber ... würde nicht weichen.
Es käme ihm wie ein Verrat vor nun Isabella das Ja Wort zu geben... nein Geben zu müssen.
Aber was blieb ihm übrig?
Gar nicht zu heiraten.
Er zog sein Schwert als das erste ihn Haushoch überragende Untier ihn angriff, wich wie automatisch aus, und schlug zurück.
Irgendwie versuchte er auf diese weise seinen Gefühlen die ihn im Moment fest im Griff hatten zu entkommen, doch sein Geist war nicht frei.
Nicht frei an Gebeten zu Temora und an stillen Hoffnungen.
Verfasst: Sonntag 25. September 2005, 23:30
von Antares von Falkenburg
Er wollte nur für seine Mama einen Fisch fangen um sie zu überraschen, war es Zufall das Tari dort auf Arthur traf? Oder war es das Schicksal welches die beiden zusammen führte? Der fremde Mann war für Tari zu erst etwas seltsam. Machte er den kleinen jungen doch Vorwürfe das er sich einfach davon geschlichen hatte. Doch als die beiden ein Gespräch anfingen, erfuhr Tari das Arthur ein Ritter war, der sogar schon gegen grosse Drachen gekämpft hatten. Völlig fasziniert hing der kleine an den Lippen von Arthur. Jener bot sich dann an ihn nach Hause zu bringen, wäre er bloß nicht darauf eingegangen, denn so nahm das Schicksal seinen Lauf.
Es stellte sich her raus das Arthur der Vater von Rafael war, seine Mutter schien beinahe schockiert Tari und Arthur zusammen zu sehen. Sofort wurde er auch in den Wald geschickt. Jedoch hielt der Junge es dort nicht lange aus und eilte zurück zum Haus. Drinnen schien ein lautes Gespräch zwischen Rafael, Lina und Arthur statt zu finden. Das war jetzt beinahe zwei Tage her.
Die gesamte Situation war viel zu komplex für den 8 Jährigen und er verstand nicht wirklich warum sich die Erwachsenen stritten. Seine Mutter erzählte ihm von einem Vertrag der vor lange Zeit gemacht wurde, dass Rafael eine Frau heiratet die sein Vater für ihn ausgesucht hatte. Also wenn die Erwachsenen solche Verträge machen konnten, konnte er das auch.
Vorsichtig stieg er aus dem Bett so leise wie nur möglich um seine Mutter nicht zu wecken. In dem kleinen Haus suchte er nach einem stück Papier und einer Feder. Nachdem seine Suche von Erfolg gekrönt war, setzte er sich an den kleinen Tisch. Angestrengt kniff er die Augen zusammen, nur der helle Mond war seine Lichtquelle. Tari setzte die Feder auf das Papier und mit viel Mühe gelangen ihn einige völlig enstellten Wörter auf das Papier zu bringen.
„ Lipe Mami, liper Papa
Tari maht auh so en Fertrak vie der Ongel Arthur gmacht hatt. Mami unt Papi soln sih imer lip habn. Unt Papa sol Mami heiratten.“
Mit grossen Buchstaben setzte er dann noch seinen Namen hinunter. Stolz betrachtete er sein Werk. Lina hatte ihn zwar Rechnen und schreiben beigebracht, dennoch fehlte es noch an der Perfektion. Doch für ihn waren es sinnvolle Wörter. Bestätigend nickte er nochmals zu sich selbst. Er faltete den Brief zusammen und legte ihn auf den Tisch. Jetzt mussten Mama und Papa sich daran halten. Davon war Tari fest überzeugt.
Und wenn sie den Vertrag Onkel Arthur zeigte musste auch Onkel Arthur sich daran halten. Lautlos huschte er wieder zurück in das Bett und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange. Er nahm sich fest vor, sobald er mal gross ist würde er es nicht zulassen das jemand seine Mama traurig machte.
Verfasst: Montag 26. September 2005, 13:00
von Angelina de Arganta
Antares war schon angezogen, als sie die Augen aufschlug, und erklärte ihr altklug, dass er zum Frühstück einen Fisch angeln wolle. Verschlafen nickte Angelina und rieb sich die Augen.
„Aber wenn sich in einem Stundenmaß kein Fisch entschlossen hat, auf dem Frühstückstisch zu landen, kommst du wieder heim, Tari.“
Sie stand von dem schmalen Bett auf und der Kleine packte die für ihn viel zu lange Angel, die bei ihr immer in der Ecke stand, um damit aus der Tür zu verschwinden.
„Mach ich, Mama!“
Weg war er.
Nach dem Waschen und Ankleiden setzte Angelina sich an den großen Tisch. Sie wollte noch schnell einige Aufgüsse überprüfen, als ihr der gefaltete Zettel auffiel.
Lange sah sie auf die etwas krakeligen Buchstaben, die sie sofort als Taris Handschrift erkannte. Ihr war zum Weinen zu mute. Schon am gestrigen Abend hatte sie begriffen, wie sehr er an Rafael hing und wie groß ihr Fehler gewesen war, sich von dem Mann, den sie liebte, trennen zu wollen.
Die Heiligkeit hatte Recht gehabt. Das durfte sie auf keinen Fall tun… schon um Antares willen nicht.
Gestern hatte Angelina sich sorgfältig gekleidet, hatte eine Rose mitgenommen und war zu dem Grab von Kelan gegangen. Auf dem Wege dorthin war es ihr im Wald immer wieder so vorgekommen, als ginge jemand hinter ihr her. Doch wenn sie stehen geblieben war, hatte sie keine Schritte mehr hören können. Das Ganze war ihr unheimlich gewesen.
Sie hatte den letzten Brief Kelan’s bei sich und versuchte dort auf dem kleinen Friedhof in stummer Zwiesprache herauszufinden, was er gewollt hätte, das sie tun sollte. Sie war sich so unsicher.
Die Heiligkeit Alyssa führte sie mit einem warmherzigen Lächeln in ihr Büro und forderte Angelina auf, über ihre Sorgen zu sprechen.
Blass und offensichtlich übernächtigt setzte Lina sich. Ihre Anspannung konnte sie kaum verbergen.
Zunächst erinnerte Lina die Heiligkeit an ihr letztes gemeinsames Gespräch und erklärte ihr dann, was sie getan hatte… sich von Rafael getrennt. Auch legte sie der geduldig zuhörenden Templerin ihre Gründe dar, sprach von dem unleidlichen Vater und erzählte auf Nachfrage der weisen Frau auch von den Beschimpfungen. Jedoch die Bezeichnung ‚Mätresse’ brachte Lina nicht über die Lippen. Die Heiligkeit schien dennoch zu verstehen.
Doch dann nahm Angelina den letzten Brief Kelan’s aus ihrer Tasche und bat die Ältere, ihn zu lesen.
Lange hatte Angelina mit sich gerungen, ob sie die Bitte, die sie jetzt vorbringen würde, wirklich aussprechen sollte. Doch was bleib ihr sonst? Rafael’s Familie wollte sie nicht zerstören… und genau das würde sie, wenn sie darauf weiterhin bestände, dass er ihr die Ehe versprochen hatte. Die Heiligkeit hatte doch beim letzten Gespräch selbst gesagt, dass Einer der Beteiligten sein Wort zurückgeben müsse. So hatte sie es getan… auch wenn ihr dabei das Herz brach und sie Rafael kaum ansehen konnte, weil das Leid, das sie ihm zufügte, aus jedem seiner Blicke, jeder Geste sprach.
„Er hat Dich mehr als offensichtlich sehr geliebt.“ Die Heiligkeit legt den Brief zurück auf ihren Schreibtisch. „Doch dies zu bestätigen ist sicher nicht, was du von mir erwartest.“
Angelina stimmte ihr zu und rang vor Aufregung ihre Hände im Schoß.
„Eure Heiligkeit... der Graf zählte mir vor einiger Zeit meine Möglichkeiten auf, die ich hätte... um meinen Sohn zu schützen und ihn und mich versorgt zu wissen. Auch Ihr spracht davon, meine ich mich zu erinnern. Und da ich Rafael sein Wort zurück gab...“ Sie seufzte tief durch und setzte dann neu an.
„Ich wollte Euch fragen... ob es immer noch gilt, dass Ihr die Ehe mit Kelan für rechtmäßig vollzogen erklärt.“
Sie hatte es ausgesprochen. Doch wohl fühlte sie sich dabei nicht. War es nicht so, als würde sie ihre Liebe zu Rafael verraten… so, wie sie einst glaubte, Rafael nicht lieben zu dürfen ohne Kelan zu verraten?
Die Heiligkeit sah sie gütig an und erklärte dann ruhig: „„Dies ist wohl möglich, die Zusprache des Titels obliegt dann jedoch der Königin selbst. Ich gehe davon aus, dass, sollte sie dies für angebracht erachten, der Titel und die Ländereien aber dadurch dem Jungen zugesprochen werden, sowie eine Verwaltung einberufen und ein Vormund für den Jungen bestellt ist. Ich kann nicht sagen, ob Ihr dies sein werdet, das obliegt auch dem Adel.“
„Dem Adel? Wer ist das?... Aber mein Sohn wäre dann ehelich, ja?“ fragte Angelina unsicher nach.
„Du solltest alles überdenken und alle Folgen gut bedenken. Ich will sie Dir gern aufzählen wie ich sie erahne. Euer gemeinsamer Sohn wäre dann ehelich, ja. Wie es dann um seine Erziehung und die Vormundschaft bestellt ist, dies obliegt dann der Königin.
Zum anderen wärest Du den Sitten folgend in Trauer, so dass sich kein Manne Dir nähern dürfte.“
Mit großen Augen hörte Angelina den Ausführungen der Heiligkeit zu und nickte nur immer wieder leicht.
„Auch solltest Du überdenken, ob Du Rafael wirklich vom Herzen freizugeben willig bist.
Die Ehe würde dann bald vollzogen mit Isabella. Ich habe mein Wort gegeben, dass es keine Ehe geben wird, bis ein Wort zurückgenommen wurde.“
Diese Worte trafen Angelina direkt ins Herz. Von Herzen Rafael freigeben?... Wie konnte sie das? Sie liebte diesen Mann! Doch ihre Liebe und ihr Verstand geboten ihr, zurück zu treten. Er sollte von der Familie nicht verstoßen sein… er sollte glücklich sein. Angelina wand sich innerlich und sah die Heiligkeit nach einem Moment durchdringend an.
„Sie kann ihm Kinder schenken, Eure Heiligkeit... er wünscht sich welche... und ich weiß nicht, ob ich noch jemals welche bekommen kann.“
Ihre Wangen brannten vor Aufregung.
„Er wünscht sich Kinder, doch schickte er dich fort, weil Du sie ihm nicht geben kannst?“
„Nein... das hat er nicht... er will mich auch so“ gestand Lina leise.
„Wie kannst Du dann glauben, er wäre glücklicher ohne dich?“
Angelina versuchte noch einmal ihre Beweggründe zu erklären… dass sie nicht der Grund sein wolle, warum Rafael womöglich seine Familie verlieren könne.
Doch die Heiligkeit ging nicht weiter darauf ein. Sie schlug vor, mit Rafael’s Vater zu sprechen.
„Ihr habt ihn nicht erlebt, Eure Heiligkeit, er kann sehr beleidigend sein. Und ich möchte, dass nie wieder jemand meinen Sohn einen Bastard nennt.“
Fast ungläubig hörte Angelina nun den Worten der Heiligkeit zu, die sich neben sie gesetzt hatte und tröstend ihre Hand hielt. Die alte Dame verriet ihr ein Geheimnis und Angelina erkannte, dass die Güte Temora’s sehr viel größer war, als sie bisher zu glauben vermochte.
Doch noch einmal führte Angelina an, an die Zukunft ihres Sohnes denken zu müssen und die weise Templerin hielt dagegen: „Überdenke eine Weile, ob dies wirklich Dein innerster Wille und Wunsch ist…und auch, ob Du Rafael nicht erst dadurch wahrhaft unglücklich machst sowie Dich selbst und den Jungen. Erinnere Dich, manch Weg ist schwer zu finden. Das heißt aber nicht, dass er nicht da ist.“
Erst als Angelina nicht mehr weinte und sich endlich zu einem klaren Gedanken durchringen konnte, fragte sie leise, fast kläglich: „Was soll ich denn tun?“
„Versuche das Herz derjenigen zu gewinnen, die Deine Liebe nicht sehen wollen. Nicht mit Drängen sondern mit Ruhe.“
Nur ganz langsam fasste Angelina durch den Zuspruch der Heiligkeit neue Hoffnung und neuen Mut.
Doch als sie das Kloster verließ, ging sie mit dem von der Heiligkeit zugesprochenen Segen Temora’s und hatte sich fest vorgenommen, sich gegen alle Anfeindungen und Demütigungen des alten Grafen zu wappnen, sie still zu ertragen und Rafael beizustehen. Sie wollte sogleich mit ihm sprechen, wenn sie heim käme.
Auch hatte Alyssa versprochen, den Vater Rafael’s aufzusuchen, um mit ihm über die Tugenden zu sprechen. Der alte Ritter hatte nach Meinung der Heiligkeit auch noch zu lernen.
Doch dann war im Hause Rafael’s alles viel zu schnell gekommen. Kaum war Tari heimgekehrt, da trat auch schon Rafael ins Haus. Bevor Angelina überhaupt ein Wort über den Gruß hinaus mit Rafe sprechen konnte, hatte er dem Jungen, der sich freudig an ihn wandte und ihn mit Papa ansprach, erklärt, dass er nicht sein Papa werden könne.
Das Resultat ihrer Bemühungen, den Kleinen zu trösten und ihm die Wirrungen der Erwachsenenwelt zu erklären, hielt sie nun in ihren Händen.
Tari hatte nun selbst auch einen Vertrag gemacht.
Trotz der Tränen in den Augen musste sie lächeln. Ja… und diesen ‚Vertrag’ würde sie dem alten Herrn unter seinen Frühstücksteller schieben. Er sollte wissen, dass Tari seinen Sohn Rafael liebte, wie ein Kind seinen Vater nur lieben konnte.
Verfasst: Montag 26. September 2005, 19:52
von Rafael de Arganta
„Ich.. wir.. wollten dir sagen dass wir uns alle Mühe geben wollen... zu deinem Vater freundlich zu sein... und wir... wir wollen... bei dir bleiben.“
Angelinas Worte trafen ihn tief. Sie sprachen von Hoffnung und Kampf. Sie wollte wieder bei ihm sein mit ihm gemeinsam durchstehen was vor ihnen lag, aber wollte er das auch?
Alles in ihm schrie JA. Schrie danach sie nun einfach in die Arme zu nehmen und alles zu vergessen was war. Doch mit diesem Gefühl kam die Angst. Angst sie erneut so nah an sich heran zu lassen, zu Hoffen, zu lieben, zu sehnen, nur um dann erneut Abgrundtief zu fallen wenn sie wieder ging.
„Bei mir bleiben?“ fragte er ... die Hoffnung in seiner Stimme jedoch nicht verbergen könnend. „Erklärst du mir das etwas genauer?“
Angelina nickte, kümmerte sich dann aber erst um ihren Sohn der ebenso hoffte in Rafael den Vater zu finden.
Doch Rafael konnte ihm dieses Verspreche nicht machen. Am Ende bat Angelina ihren Sohn vor zu gehen in das kleine Heilerhaus um noch mit Rafael sprechen zu können.
Antares verschwand wie ein Wiesel, und Angelina hatte ihn unsicher angesehen.
So unsicher wie er sich im Moment selber fühlte. „Verzeihst du mir?“ fragte sie dann kaum hörbar, und Rafael trat unwillkürlich einen Schritt auf sie zu. „Was wenn ich nun wieder Hoffe und dann wird doch wieder alles zerstört? Dich noch einmal zu verlieren, damit verlöre ich wohl auch meinen Verstand.“ „Ich weiß nicht.. ob wir uns verlieren.“ Meinte sie fast flehend, „Ich weiß nur, dass ich dich liebe.“ Dieser Satz reichet aus das er sie nun doch an sich zog.
Sie wollten es gemeinsam noch einmal versuchen. Wollten versuchen Arthurs Herz zu erreichen, doch er wusste, würden sie es nicht schaffen, würde Angelina gehen.
Sie sagte es ihm. Sagte ihm das sie keine Ehebrecherin sein könnte und auch Rafael würde das nicht wollen, er wollte Angelina nicht einfach nur als Geliebte ... sonder nur als eigene Ehefrau.
Sie verabschiedeten sich voneinander mit einem ersten vorsichtigen Kuss.
Und dennoch schottete sich Rafael innerlich etwas ab.
Er konnte nicht zulassen das er sich zu sehr in dieser Hoffnung verlor, um dann am Ende erneut so tief zu fallen.
Verfasst: Montag 26. September 2005, 20:43
von Argeon
Der Markt von Varuna war noch nicht lange eröffnet, und Argeon's Männer waren kaum damit fertig den Stand einzurichten. Die Bardin hatte eben erst angefangen ihre Lieder zu singen und Argeon war von ihrer Kunst begeistert, so etwas hatte er nicht erwartet!
Kurz darauf sprach ihn Rafael de Arganta darauf an, was es an diesem Stand wohl zu kaufen gäbe. Und Argeon klärte darüber auf, dass sie Geleitschutz, Leibgarde und ähnliches anbieten. Offen zu sagen, dass sie Söldner waren, konnte er nicht wagen. Zu Unsicher war die Reaktion der Königlichen Garde. Vermutlich würden sie sie vom Markt werfen, oder gar in Ketten legen...
Rafael de Arganta bekundete sein Interesse an den angebotenen Dienstleistungen und kurz darauf wurde der Vertrag mit Handschlag besiegelt.
Nach dem Markt tratt Argeon vor seine Kameraden und gab ihnen die Befehle für die nächsten Tage:
Männer, wir haben einen Auftrag zu erfüllen:
Von heute Abend an wird jeweils einer von Euch die Heilerin Angelina Hill beschützen. Tag und Nacht bis übermorgen zur Mittagszeit. Unser Kunde möchte sicher gehen, dass der Lady in seiner Abwesenheit nichts zustößt.
Der Auftrag wird so unauffällig wie möglich ausgeführt. Sie soll sich von uns nicht verfolgt fühlen. Darum bleibt Ihr wenn möglich außerhalb ihres Blickfeldes. Wenn sie nach den sieben Tagen nicht gemerkt hat, dass sie bewacht wird, dann habt Ihr gute Arbeit geleistet.
Grom fängt an, danach übernehmen dann die anderen im Wechsel. Jeweils 5 Stunden Dienst. Der Wachhabende verlässt seinen Posten erst, wenn der Ersatzmann ihn persönlich ablöst.
Noch Fragen?
Die Männer schütteln die Köpfe und lösen dann ihre Formation auf. Ein weiterer Auftrag wird zur Zufriedenheit des Kunden erfüllt werden.
Verfasst: Dienstag 4. Oktober 2005, 13:26
von Angelina de Arganta
Der Graf schien ausgesprochen beschäftigt zu sein. Aber Angelina war das auch recht, so begegnete sie ihm nicht.
Andererseits wollte sie ihm gern das geschnitzte Kästchen überreichen, wo hinein sie für ihn extra Tabak, eine sehr fein geschnitzte Pfeife, die sie poliert hatte, bis das Holz samtig glänzte, eine Flasche Eiswein, den Besten, den es bei Emma gab, und ein paar Kekse gelegt hatte. Außerdem beinhaltete dieses Kästchen einen kurzen Brief, in dem sie den alten Grafen um Verzeihung dafür bat, dass sie einen Krug Milch aus Zorn auf ihm ausgeleert hatte. Das tat ihr ehrlich leid… sie konnte sich nicht erinnern, dass sie jemals so zornig gewesen war und sich zu Vergleichbarem hatte hinreißen lassen. Dass sie sich dafür mit seiner Herablassung und Arroganz wieder demütigen lassen müsste, erwartete sie und wappnete sich nun schon seit einigen Tagen dagegen.
Doch sie hatte Rafael’s Vertrauen wieder gewonnen und sie standen nun durch ihre Liebe verbunden fest gegen alle Widrigkeiten zusammen.
Mit Isabella sprach Rafe nun endlich, nachdem diese Angelina erneut darüber aufgeklärt hatte, dass sie Rafael liebe und Lina ihn verlieren würde.
Es gelang Angelina ruhig zu bleiben, ja.. sogar mit einem Lächeln sich in die Küche zurück zu ziehen. Als ‚Magd’ war das ja eh ihr Platz.
Wie naiv dieses Fräulein vom Lande doch war. Sie konnte sicherlich besser sticken, als Angelina und hatte vielleicht auch gelernt, wie man sich bei Hofe benahm.. oder wie man auf entzückende Weise ein Taschentuch fallen ließ, damit sich ein Herr danach bückte und es ihr charmant lächelnd überreichte. Doch was wusste sie über die Liebe?
Angelina setzte sich an den Küchentisch und spielte mit den Erdbeeren, die dort auf einem Teller lagen und ließ ihre Gedanken um die junge Frau kreisten, mit der Rafael nebenan sprach.
Irgendwie tat ihr die hübsche Isabella auch leid. Sie schien tatsächlich zu glauben, dass der Mann, den sie seit Jahren nicht gesehen hatte und den sie nur als Knaben und Jüngling kannte, einfach seine Liebe zu ihr, Angelina, ausschalten konnte. So, wie man mit einem Schlüssel eine Truhe zusperrt, seine Liebe zu ihr wegsperren konnte, um dann sie, Isabella zu lieben und zu ehelichen.
Es musste sicher schmerzlich sein, festzustellen, dass man seit Jahren nur einen Jungmädchentraum wach gehalten hatte.
Angelina wollte aber kein Mitleid mit ihr haben und verdrängte die Gedanken. Wenn Rafael und sie jetzt nicht seinen Vater umstimmen würden, dann würden unweigerlich drei Menschen todunglücklich.
Tari’s *Vertrag* lag immer noch ungelesen unter dem Teller des Grafen, der offensichtlich in den letzten Tagen bevorzugte, in einem Gasthof zu Frühstücken. Doch Angelina ließ sich nicht beirren. Jeden Morgen bereitete sie das Mahl für den Grafen aufs Neue, den kleinen naiven Vertrag immer wieder unter den Tellerrand schiebend.
Die Kekse in dem hübschen Kästchen hatte sie nun auch schon dreimal gegen frische ausgetauscht. Sie buk jeden Tag, schon allein weil Tari so ein großer Kuchennarr war.
Angelina wartete auf die Gelegenheit, die sicher kommen würde. Sie wollte unbedingt mit dem Grafen noch einmal in aller Ruhe sprechen.
Verfasst: Montag 10. Oktober 2005, 14:56
von Angelina de Arganta
In ihrer Ratlosigkeit und auch, weil sie so dringend darauf warteten, dass die Heiligkeit mit Rafaels Vater sprechen würde, suchten Anglina und Rafe am Abend noch einmal das Kloster auf. Doch die Heiligkeit hatte sich schon zur Nachtruhe begeben und Bruder Leon von Falkenburg nahm sich ihrer an.
Er führte die beiden Rat- und Hilfesuchenden in seine karge Zelle, wo alle drei Platz nahmen und Angelina zu erzählen begann.
Sie traf nicht nur auf sein Verständnis, nein… Leon freute sich sichtlich darüber, dass Angelina eine neue Liebe gefunden hatte. Er erinnerte an die letzten Worte seines Bruders Kelan und versicherte den beiden Liebenden, dass sie unter dem Schutz der Göttin Temora ständen.Von Rafael ließ Leon sich das Versprechen geben, sich immer gut um sie zu kümmern und sie zu beschützen.
Als sie sich getröstet und mit neuer Zuversicht von Bruder Leon verabschiedeten, erbat sich der Templer noch, dass er gern Antares sehen wolle. Nur zu gern sagte Angelina ihm einen Besuch mit ihrem Sohn, dem Neffen Leons, zu.
Bei dem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen entschlossen sich Rafael und Angelina mit Antares zum Kloster zu reiten. Nachdem der Kleine mit süßer Milch und Kuchen den Tag begonnen hatte, war er voller zappliger Freude, vor Rafael auf dessen großem Hengst reiten zu dürfen.
Wie schon so oft, ging der jungen Mutter das Herz über, wenn sie die beiden zusammen erlebte… wie vertrauensvoll Tari sich an Rafael lehnte und wie liebevoll neckend dieser mit dem Jungen umging. Sie miteinander lachen zu sehen, bedeutete für sie das pure Glück… zumindest für den Moment.
Antares war seine Enttäuschung nur zu gut anzusehen, als er vor dem Kloster von Rafe aus dem Sattel gehoben wurde.
„Och.. wir sind schon da?“ meinte er und fasst seine Muter bei der Hand, als diese hinter Rafael zum großen Tor des Klosters trat. Doch auf das Pochen am Tor wurde nicht geöffnet.
Im ersten Augenblick ein wenig ratlos sahen sich Rafael und Angelina an. Dann machte Rafe den Vorschlag, Tari das Grab zu zeigen. Lina sah unsicher zu ihrem Sohn, rang mit sich, doch stimmt dann zu.
Mit vor Staunen großen Augen zeigte der Kleine sofort auf das Grab mit dem Schild und dem Schwert.
„Mama guck mal… das Schwert ist aber schön!“
Angelina blieb an der Grabstätte stehen und sah ihren Sohn liebevoll an. Mit einem sachten Nicken hockte sie sich vor ihn und legte ihre Hand sanft an seinen Arm.
„Tari... hier liegt dein Papa begraben“ sagte sie mit belegter Stimme. „Und das Schwert, das war sein Ritterschwert.“
Antares schaute nun doch zu seiner Mutter, seine Augen verrieten sein Unverständnis.
„Aber ich dachte immer Papa ist da, wo alle Ritter hinkommen. Wieso ist er nun hier?“
„Hier ist sein Körper in der Erde begraben...“ erklärte sie leise und legte ihre Hand auf ihr Herz. „Aber seine Seele, das.. was einen jeden Menschen ausmacht, die ist bei der Göttin.“
Rafael hielt sich still im Hintergrund. Sein Blick ruhte auf Mutter und Sohn.
Mit einfühlsamem Blick seine Mutter ansehend, legt Antares seine Hand auf ihre.
„Mama, du vermisst ihn, nicht wahr?“ fragte er sanft, für sein Alter ganz untypisch, und Angelina senkte schnell ihren Blick, um nicht erkennen zu lassen, dass ihr seine Frage Tränen in die Augen steigen ließ. Kurz presste sie die Lippen aufeinander und nickte dann bedächtig. Doch statt zu antworten zog sie nun unter ihren Doublet eine Kette hervor, an der ein Medaillon hing.
Sie sah nicht, wie Rafael seinen Blick senkte. Dennoch wusste sie, dass ihn dieser Augenblick schmerzen musste.
Aber jetzt musste sie es endlich tun. Seit so langer Zeit hatte sie schon vorgehabt, ihrem kleinen Sohn die Miniatur seines Vaters zu zeigen. Und nun war der rechte Zeitpunkt.
Durch den Druck an der Seite des Schmuckstückes klappte es auf. Lina hielt es so, dass ihr Sohn die beiden kleinen Bilder darin sehen konnte. Ein Abbild von ihr selbst, als sie noch einige Jahre jünger war und das Bild Kelans. Ein junger dunkelhaariger Mann mit sanftem Blick. Ein fein gestutzter Bart zierte sein Kinn und eine selbst auf diesem kleinen Bildnis zu erkennende Narbe verlief über seine linke Gesichtshälfte.
„So sah mein Papa aus?“ fragte Antares vorsichtig.
„Ja.. Tari.. so sah Dein Papa aus.“
Angelina konnte kaum die Rührung in ihrer Stimme verbergen und so streifte sie die feine Kette über ihren Kopf und hielt dem Kleinen das Medaillon hin.
„Ich vermisse ihn manchmal noch“ erklärte sie dann leise, „aber weil Rafael uns jetzt lieb hat, tut es nicht mehr hier drin so sehr weh.“ Sie legte wieder ihre Hand auf ihr Herz und beobachtete, wie Antares ganz sanft mit seinen nicht ganz sauberen Fingern über das Bild seines Vaters strich. Dann sah er zu dem Grab und meinte, sich an seine Mutter wendend: „Dann wirst du jetzt auch nie wieder traurig sein, weil Papa dich jetzt so lieb hat wie vorher mein anderer Papa?“
Seine Worte zauberten ein stilles Lächeln auf Linas Züge und sie fragte leise, ob Tari das Medaillon gehalten wolle.
Gern wollte er es behalten und versprach auch sofort, immer gut darauf zu achten. Als sie sah, wie ihr Sohn das Schmuckstück ganz fest in seine Hand einschloss, strich sie ihm liebevoll durch das Haar und richtete sich wieder auf. Sie wusste, dass es richtig war, seinem leiblichen Vater ein Gesicht zu geben, Tari die Miniatur anzuvertrauen.
Noch einmal versuchten sie vergeblich beim Kloster Einlass zu bekommen und so machten sie sich wieder auf den Heimweg.
Verfasst: Samstag 15. Oktober 2005, 20:43
von Angelina de Arganta
Nachdem Angelina den Frühstückstisch gedeckt hatte, setzte sie sich an Rafaels Schreibtisch und ergänzte in ihrem Rezeptbuch einige der gesammelten Rezepte. Als sie Schritte auf der Treppe hörte, sah sie auf.
Der Graf kam herunter und sie grüßte freundlich mit einem „Guten Morgen, Herr Graf“, bevor er unten an der Treppe stehen blieb, seinen Blick durch den Wohnraum schweifen ließ, um ihn dann auf Lina zu richten.
Er sah müde und fahl aus, unter den Augen hatte er dunkle Ringe und mit ungewöhnlich leiser Stimme meinte er: „Guten Morgen, Frau Hill.“
Durch sein Aussehen und seine Art zu grüßen veranlasst, betrachtete Angelina ihn genauer.
Was war nur über Nacht mit ihm geschehen? Es schien ihm nicht gut zu gehen und die Art, wie er sie ansah ließ eine von Besorgnis zeugende kleine, steile Falte zwischen ihren Brauen entstehen. *Frau Hill* hatte der Graf sie genannt. Und dass, ohne das jemand zugegen war, vor dem er dem Anstand genüge tun müßte.
Angelina erhob sich und wies einladend mit der Hand zum Tisch hinüber.
„ Das Frühstück habe ich schon für Euch gedeckt.. Herr Graf. Wollt ihr euch setzen?“
Kurz blickte er zum Tisch hinüber, dann zu ihr zurück, um mit einem leichten Kopfschütteln zu meinen. „Nein, danke. Ich bin nicht hungrig.“
Der Graf wirkte ein wenig zittrig, als er sich auf die Kommode neben dem Schreibtisch abstützte, auch wenn er hoffte, dass sie es nicht bemerken würde.
Doch ihr prüfender Blick ruhte auf ihm und leise meinte sie: „Es geht Euch nicht gut, Herr Graf?“
„Ihr habt ein gutes Auge, aber wenn ich mich recht entsinne… entspricht es ja auch Eurer Berufung, nicht wahr?“
„Ja, da habt Ihr recht. Es ist meine Aufgabe, den Menschen oftmals ihre Krankheit schon anzusehen… und bei Euch meine ich Erschöpfung zu erkennen.“
Er lächelte resigniert wirkend.
„Ihr habt weit mehr zu erkennen geglaubt in den letzten Tagen.“
Angelina sah den alten Herrn fragend an und neigte den Kopf ein wenig zur Seite.
„Wollt Ihr darüber sprechen, Herr Graf?“
„Das werde ich müssen, denn obwohl es eine Familienangelegenheit ist... seid ja auch Ihr davon betroffen.“
Angelina nickte sacht und fragte vorsichtig, ob sie sich dazu nicht setzen wollten.
Beinahe dankbar nahm der Graf ihr Angebot an und rückte ihr sogar einen Stuhl am Tisch zurecht, damit sie sich setzen konnte.
Während der Graf ihr gegenüber Platz nahm und fast sanft mit den Fingern über das kleine Kästchen strich, das ihm am vorherigen Abend Rafael von ihr übergeben hatte und das ein Versöhnungsangebot ihrerseits sein sollte… eine Entschuldigung für ihr ungehöriges Verhalten, als sie vor lauter Zorn dem Grafen einen Krug Milch ins Gesicht geschüttet hatte, überlegte sie, was er wohl vorhätte. Gestern noch hatte er offensichtlich ihre Entschuldigung wissentlich missdeutet, so wie er auch den Brief von Antares, mit dem kindlichen Vertrag, ihr zornbebend entgegengehalten und sie verdächtigt hatte, dass sie ihren Sohn missbrauche, um ihn umzustimmen.
Angelina’s Blickt ruhte auf dem Grafen de Argante und sie wartete gespannt, was er ihr zu sagen hätte. Doch sie mahnte sich zur Vorsicht.
Hatte er nicht gestern noch geschickt im Gespräch mit der Heiligkeit sein Versprechen an Isabella’s Vater verteidigt?
Der Gedanke an die Heiligkeit schenkte Lina aufs Neue Ruhe und Gelassenheit und so legte sie ihre Hände in den Schoß.
Als der Graf seine Hände auf den Tisch legte und leise seine Stimme erhob, erinnerte sie nicht mehr an die Kraft, die dem alten Mann sonst zueigen schien.
„Ihr habt die Diagnose gestellt und befunden, dass ich ein alter und ungerechter Narr bin, der
weit davon entfernt ist, zu wissen was wahre Liebe bedeutet. Darf ich Euch fragen, ob und was mein Sohn Euch von seiner Familie erzählt hat?“
Angelina richtete sich ein wenig auf und suchte den Blick des Grafen, als sie leise antwortet: „Rafael... hat nicht viel erzählt….“
Sie erzählte dem Grafen das Wenige, was sie von der Familie de Arganta wusste.
„Nun.. in einer Sache komme ich vielleicht nicht umhin, Euch recht zu geben...
vielleicht bin ich ein alter Narr... und vielleicht bin ich gefangen in dem, was meine Erziehung
ausmachte und den Gepflogenheiten meines Standes… was aber die Liebe betrifft...“ Er schüttelte leicht sein Haupt. „… könnt ihr mir glauben, dass ich weiß, was es heißt, einen Menschen von Herzen zu lieben. Ihr werdet sogar mir bestätigen können, dass sich die Liebe zu einer geliebten Person gegenüber der Liebe zu seinen Kindern unterscheidet.“
Überrascht, durch seine offenen Worte, nickte Angelina nur sacht.
„Ja“ brachte sie gerade hervor.
Ruhig sprach der Graf weiter. Er erklärte ihr, dass er seine Kinder sehr liebe und auch wenn es ihr absonderlich erscheine, dass er dann auf die Vermählung von Rafael und Isabella bestehe. Er erklärte ihr, dass Michael, der älteste Sohn, sehr schwer krank wäre und dass schon mehrere Kapazitäten des Landes versucht hätten, ihn zu heilen.
Mitfühlend erkundigte sich Angelina sogleich nach den Symthomen, bot ihre Hilfe an. Doch dem Grafen ging es darum, ihr verständlich zu machen, dass er damit rechne, dass Michael wohl bald sterben müsse und Rafael dann sein Erbe wäre.
Lina erbat sich dennoch die Erlaubnis, sich nach der schrecklichen Krankheit zu erkundigen und sagte dem alten Grafen, dass sie gern helfen wolle.. allein schon, damit die Hoffnung bestände, dass der Bruder Rafaels geheilt würde und Rafael dann nicht die Nachfolge seines Vaters antreten müsse… somit die Hoffnung noch bestünde, dass er Rafael doch noch erlaube, die Ehe einzugehen, die dieser sich wünsche.
Der Graf sah vor sich auf den Tisch und fuhr fort: „ Das ist.. nicht alles.“
Mit verschränkten Fingern hatte Angelina ihre Ellenbogen auf den Tisch gestützt und presste nun ihre Lippen gegen ihre Finger, den Grafen offen und abwartend ansehend.
„Sollte Rafael Euch zur Frau nehmen...verliert er nicht nur seinen Titel.. er würde die Familienzugehörigkeit verlieren... er würde Unehre über das Haus de Arganta bringen und zudem... würde ihm die Möglichkeit genommen sein… den Ritterschlag zu erhalten.“
Der Graf de Arganta hob den Blick und sah Angelina an. Ihre Gesichtszüge wirkten für einen Moment wie versteinert... vorsichtig und langsam atmete sie tief durch und lehnte sich dann zurück. Ihre Hände legte sie in ihren Schoß und sah ihn fast traurig an.
„Das ist wohl nicht ganz richtig so, Herr Graf“ sagte sie nun leise, bemüht, ganz ruhig zu klingen.
„Einen Titel führt Rafael doch jetzt auch nicht... den hätte er also nicht zu verlieren...
Schande über die Familie bringt er nur, wenn ihr seine Ehe mit mir als Familienschande erklärt... und den Ritterschlag... bekommt Rafael von der Heiligkeit und der Königin zugesprochen... die beide nicht der Ansicht sind, dass ich zu unehrenhaft bin, um von ihm geheiratet zu werden.“
„ Wie ihre Hoheit zu mir sagte, halte auch sie an den Bräuchen fest“ wandte der Graf ein.
„Dazu möchte ich Euch auch etwas von mir erzählen. Das mag durchaus sein, Herr Graf... dennoch achtet sie mich nicht als unwürdig, selbst in die königliche Familie einzuheiraten. Ihrem Wunsch konnte nur nicht entsprochen werden, weil der Graf von Hohenfels Rafael sein Ehrenwort gegeben hatte, sich von mir fern zu halten. Und dann möchte ich Euch noch etwas erzählen...“ Sie beugte sich nun wieder ein wenig vor und sprach leise weiter.
„Der Vater meines Sohnes... der Großritter Kelan von Falkenburg... ist wenige Tage vor unserer Hochzeit ermordet worden. Wäre dieses nach der Eheschließung geschehen, wäre ich jetzt seine Witwe und trüge den Titel der Gräfin von Falkenburg. Ihm war ich auch nicht zu gering, um mich zu lieben... und zu ehren.“
Der Graf holte tief Luft, doch Angelina sprach ungerührt weiter.
„Es liegt also nicht an der Ehe mit mir, dass Rafael dann Schande über Eure Familie brächte, Herr Graf... es läge sicherlich an Eurer Einstellung dazu.“
Ruhig und furchtlos sah sie den alten Herrn nun an, der einräumte, dass er in den vergangenen Tagen seine Höflichkeit ihr gegenüber vergessen hätte, was er offensichtlich bedauerte.
„Um der Offenheit willen werde ich Euch noch den letzten Grund nennen, warum die Ehe
zwischen Rafael und Isabella für die Grafschaft de Arganta heute wichtiger ist, denn jemals
zuvor. Als der Graf von Gravenor und ich uns das Wort gaben, unsere Kinder zusammen zu führen, stand das Gut de Arganta in voller Blüte. Dem ist heute nicht mehr so… durch Michael haben wir viel verloren und durch Rafael ebenso.“
Angelina biß sich auf die Lippe und senkte den Blick vor sich auf den Tisch. Sie ahnte, was er nun erzählen würde und fühlte Mitleid mit dem Manne.
„ Allein die Tatsache, dass der Graf von Gravenor unserer Familie recht zugetan ist.. lässt ihn sein Wort aufrecht halten und die Bitte seiner Tochter, die Rafael in Erinnerung hat, wie er vor vier Jahren verschwand und was sie für ihn empfindet. Kommt diese Ehe nicht zustande..
wird dies die Grafschaft de Arganta an den Bettelstab bringen.“
Hier brach seine Stimme und auch der Rest von ihm glich einem gebrochenen Mann.
Angelina hob den Blick, als sie seine Verzweiflung in seiner Stimme wahrnahm und sah ihn mitfühlend an.
Vorsichtig wählte sie ihre Worte und bot ihm finanzielle Hilfe durch sich und Rafael an.
Doch der Graf wies nur leise auf die Größe der Grafschaft und der Ländereien hin.
Sich ein wenig vorbeugend sagte Angelina leise, aber eindinglich: „Ich verstehe Eure missliche Lage, Herr Graf. Doch wenn Ihr Rafael und mir die Ehe versagt, dann wird doch alles nun noch aussichtsloser.“
„ Wenn Rafael Isabella ehelicht.. geht ein gutes Teil des Vermögens der Grafschaft Gravenors
in die unsere über.“
Angelina konnte seinen Einwand nicht gelten lassen und fuhr fort: „ Mit Eurem Einvernehmen würden wir alles tun, um zu helfen... wenn Ihr jedoch weiterhin auf diese
Ehe zwischen Rafael und Isabella besteht, wird er Euch das nie verzeihen... und ihr werdet Eure beiden Söhne verlieren.. falls Michael nicht wieder gesunden sollte. Ich bitte Euch, Herr Graf… denkt über eine andere Lösung nach, als diese Heirat Rafaels.“
Arthur de Arganta nickte kraftlos und antwortete leise: „ Natürlich… ich hätte wissen müssen...“ Er senkte den Blick. „Euch würde er zuhören... aber ich hätte wissen müssen, dass dies ein zu großes Opfer…“ Er hob den Blick zu ihr und sie konnte in seinen Augen die Verzweiflung erkennen. „Ich bin ein Narr.. verzeiht, dass ich Euch so lange aufgehalten habe.“
Schnell schüttelte Angelina ihren Kopf.
„ Nein.. Ihr wisst es nicht, Herr Graf... aber ich war bereit, dieses Opfer zu bringen... ich war bereit.. Rafael zu verlassen... um ihn freizugeben... doch das war das Schlimmste, was ich
ihm antun konnte.“ Ihre Stimme klang brüchig und sie räusperte sich leise, sah ihn mit großen Augen an. „Ich hatte die Möglichkeit, die Ehe mit Kelan nachträglich durch die Heiligkeit für vollzogen erklären zu lassen... doch ich erkannte, dass ich damit Rafael in Stich ließ... und unsere Liebe verraten hätte. So entschloss ich mich zu ihm zu stehen, auch auf die Gefahr hin, dass ich meinem Sohn nicht wirklich einen guten Dienst tue.. und den Willen Kelans für ihn nicht erfülle. Aber es ist mir wichtig, dass Rafael... also der Mann der lebt und den ich liebe...
glücklich ist.“
Für einen Moment verzog sich das Gesicht des Grafen schmerzhaft und seine Hand zuckte zur Brust. Bestürzt sprang Angelina auf.
Sein Herz! schoss es ihr durch den Kopf. Sofort bemühte sie sich darum, ihm Luft zu verschaffen, öffnete ihm das Hemd und auch die Haustür, so dass ein frischer Luftzug herein wehte. Schwer atmend ließ er sich zurück an die Stuhllehne drücken.
Beruhigend sprach sie auf ihn ein und holte dann eine Arznei, die herzstärkend wirken sollte.
Doch er war nicht im Stande, die Medizin zu schlucken und so sammelte Angelina sich, zwang sich zur Ruhe und legte ihre Hand sanft auf seine Stirn.
Sie suchte das Lied der Schöpferin in sich zu hören. Ganz leise ging ein melodisches, kaum hörbares Summen von ihr aus.
Arthur de Argenta verspürte eine bisher unbekannte Ruhe in sich, sein Herz schien sich unter einer wärmenden Heilkraft zu entspannen und begann wieder normal und kräftig zu schlagen.
Als er die Treppe hinauf stieg, um sich zur Ruhe zu begeben, sah Angelina ihm still nach. Er hatte sich bei ihr bedankt, auch wenn sie diesen Dank gar nicht wollte. Für sie war wieder einmal ein Wunder geschehen, bei dem sie hatte mitwirken dürfen. Sie wusste, dass es nicht an ihr lag, nicht ihre Kraft war… es war eine wundervolle Gabe der Schöpferin.
Verfasst: Sonntag 16. Oktober 2005, 11:42
von Rafael de Arganta
Viel war in der Zwischenzeit geschehen, und Rafael konnte nur noch hoffen.
Selbst das Gespräch mit der Heiligkeit hatte nicht den Ausweg gebracht den man erhofft hatte.
Doch hatte sich sein Vater in ihrer Gegenwart benommen, wurde Angelina gegenüber nicht ausfällig und blieb ruhig in seinen Erklärungen, aber leider auch fest in seiner Entscheidung.
Ein Schlag ins Gesicht war für Rafael die Aussage seines Vaters, das die DAME Hill ja
nicht vom Stande sei und zudem ein Kind in die Ehe bringen würde, welches nicht von seines Sohnes Blute war.
Wie würde er nur reagieren wenn er erfahren würde das Angelina ihm so und so keine Erben mehr schenken konnte.
Nur der Anwesenheit der Heiligkeit war es zu verdanken das das Gespräch ruhig blieb.
Und diese blieb ebenso hart in ihrer Entscheidung, in dem sie erklärte das keine Ehe geschlossen werden würde, egal welche, solange nicht irgendwer sein Wort zurück nehmen würde.
Die Fronten verhärtet, und einfach um einen weiteren Schritt zu versuchen, übergab Rafael seinem Vater das Kästchen, das Angelina für ihn gemacht hatte.
Drin befanden sich Wein, eine Pfeife guter Tabak und ein Schreiben von Angelina in dem sie sich dafür entschuldigte das sie ihn damals mit Milch übergossen hatte.
Sein Vater indes deutete jenes Schreiben erneut falsch.
Glaubte gar sie hätte eingesehen das er Recht hatte, und wolle sich von Rafael zurückziehen.
Doch Angelina erklärte ihm noch einmal mit ruhigen Worten das er mehr darin las als es war.
Die Ganze Zeit über zeigten Rafael und Angelina ihnen wie sehr sie einander zugetan waren.
Mit kleinen Blicken und immer wieder das sie einander Hand hielten.
So gaben sie sich auch gegenseitig Halt und Stärke.
„Es gibt nichts was ihr tun könnt damit ich zu eurem Handel Ja sagen werde“ erklärte Rafael noch einmal bestimmt „Ich werde nur die Frau meines Herzens heiraten, und das ist nun einmal Angelina.“
Es war das erste Mal das Isabella nun ihr Wort erhob. „Es gab schon einmal eine von der du glaubtest sie wäre die Richtige... deine Worte die ihr damals galten waren fast die gleichen wie sie nun deiner Anverlobten gelten.“
Rafaels Zähne malten. „Du kannst Roselynn in keinster Weise mit Angelina vergleichen Isabella.“ Erklärte er mit fester Stimme doch sie erhob nur die Hände.
Als Alyssa dann ging, waren sie um keinen Schritt weiter gekommen.
Einzigst sein Vater ließ ein wenig seine Maske fallen, als er dann fast knurrend meinte. „Ihr seid wahrlich um kein Possenspiel verlegen.“
Rafael hatte sichtlich Mühe ruhig zu bleiben. „Wenn ihr das so seht? Seht ihr nicht wie viele Menschen ihr mit eurer Sturheit ins Unglück stürzt?“ er nahm nun den Brief Taris heraus, den Vertrag den dieser geschrieben hatte, und reichte ihn seinem Vater. „Hier, lies das.“
Fast ungerührt nahm Arthur den Brief entgegen. „Der dritte Akt?“ höhnte er und nahm den Brief entgegen, entfaltete ihn und begann zu lesen. „Nein, V ater.“ Entgegnete Rafael, „Nur der Wunsch eines kleinen Jungen. Du zerstörst das Glück von vier Menschen! Meines, Angelinas, Taris und Isabellas... denn ich werde niemals auch nur die Ehe vollziehen, wenn du es jemals egal wie dazu bringen könntest das ich mein Ja Wort zu dieser
Scharade gebe! Und das... VATER! wird niemals geschehen.“
Die Hand in der Arthur den Brief Taris hielt zitterte unmerklich bevor er wütend seine Stimmer hob. „GENUG! Ich habe mir nun wahrlich lange genug angehört wie du wagst mit mir zu sprechen!“ Rafael trat vor, das Kinn leicht vorgestreckt. „Nimm dein Wort zurück und es gibt keinen Streitpunkt zwischen uns beiden!“ erklärte er und blieb dann wieder ruhig als er Angelinas Hand auf seinem Arm spürte.
Erst jetzt öffnete der Graf den Umschlag, las und man konnte erkennen wie sein Gesicht fahl wurde, dann jedoch Zornesrot als er mit dem Zettel herumfuchtelte. „Ihr... ihr habt mir hier den beweis geliefert.. frei haus.. dass sich euer stand niemals dem unseren vereinigen kann!
Ihr.. seid euch nicht einmal zu schade dafür, einen kleinen Jungen für euer Possenspiel zu benutzen! Euren eigenen Sohn!“
„Du kennst Tari inzwischen, Vater!“ erklärte Rafael ruhig. „Glaubst du wirklich das wir ihn einspannen mussten? Er tat dieses ganz von alleine, Weil er es so wollte.“
Arthur zerknüllte den Brief Taris, steckt ihn einfach in die Hosentasche, „Dieser Streit ist sinnlos, denn ihr werdet mich nicht zwingen können... Ihr verliert mehr... als ihr je gewinnen könntet.“ Meinte Rafael matt, doch sein Vater schüttelte den Kopf. „der Vorhang ist noch nicht gefallen mein Sohn! Ich werde erhobenen Hauptes gehen.. und du wirst an meiner Seite sein.. ebenso wie Isabella. Und vielleicht solltest du dich bei ihr zunächst entschuldigen, sie teil einer Scharade genannt zu haben Ich schäme mich für dich Rafael.“
Mit diesen Worten war er aufgestanden und war dann hinauf gegangen.
Rafael war bei seinen Worten zusammen gezuckt. Hatte sich dann an kurz an Angelina gewandt, bevor er zu Isabella blickte. Sich wirklich für diese Worte entschuldigte.
Ein Gespräch mit ihr das dann folgte, brachte sie auch nicht viel Weiter.
Isabella verstand ihn zwar, doch machte sie ihm klar das sie ihm nicht helfen konnte.
Sie hörte auf das was ihr Vater sagte, und empfand es nicht als Schlimm das man sie in eine Ehe versprach.
Egal wie man die Sachlage anging, sie steckten alle in einer Sackgasse.
Dies alles war geschehen vor seinem Ritterschlag, seither hatte er seinen Vater nicht gesehen der sich ausruhte.
Einen Herzinfarkt hatte er gehabt sagte ihm Angelina, und er dürfte sich nicht aufregen....
Nicht aufregen ...
Das Herz klopfte Rafael bis in den Hals.
Was sollte er denn tun?
Sorge um ihn bereitete sich in ihm aus, auch das alles was er gehört hatte, wühlte ihn tief auf.
Er wusste was seine Pflicht ihm gebieten würde, aber er wusste auch was sein Herz ihm vorgab, und auch das die Heiligkeit auf seiner Seite war.
Er liebte seinen Vater, auch wenn er es im Moment nicht zugeben konnte, aber er liebte auch Angelina.
Wie konnte er weiter seinem Vater widersprechen wenn er sich nicht aufregen durfte.
Das er sich für ihn schämte, hatte ihm einen Stich versetzt. Immer hatte er gewollt das er stolz auf ihn sein sollte und nun ...
Er seufzte tief.
Er würde bei seiner Entscheidung bleiben. Egal was kommen würde. Ruhig aber entschieden würde er ihm weiterhin gegenübertreten, und er hoffte das Arthur vielleicht ein ganz wenig Stolz auf ihn sein würde, nachdem er jetzt den Ritterschlag und ein Lehen erhalten hatte.