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Geschwister von Hohenfels

Verfasst: Montag 19. September 2005, 15:08
von Anara von Hohenfels
Endlich hielt Anara den Brief ihres Bruders in Händen.
Ungeduldig hatte sie schon darauf gewartet und in Gedanken mehrfach die Vorbereitungen für seine Hochzeit durchgespielt.
Nun las sie seine Zeilen.

„Meine geliebte Schwester!

Verzeih, dass meine Antwort ein wenig länger auf sich warten ließ. Doch zunächst musste ich mit meinem Freund Rafael sprechen, denn Du konntest ja nicht wissen, dass ich ihm im Wort stehe.
Mit meinem Ehrenwort hatte ich ihm vor längerer Zeit versprechen müssen, dass ich mich von der jungen Heilerin, Angelina Hill, fern halte. So muss ich Dir mitteilen, dass es mir unmöglich ist, sie zu heiraten.
Rafael vertraute mir an, dass er diese Frau liebt und auf Dein Ansinnen hin sprach ich nun mit ihm sowie auch mit ihr. Er ist bereit, sie zu ehelichen und ihrem Sohn Antares seinen Namen zu geben. Somit ist für den Schutz des Sohnes des Großritters und dessen Verlobten gesorgt.
Was nun mit der Grafschaft der Falkenburgs geschieht, obliegt Deinem Ermessen, Anara.
Leon von Falkenburg hat sich als Diener Temora’s von allen weltlichen Gütern losgesagt und soweit mir bekannt ist, wird das Gut der Falkenburgs von einem Verwalter bewirtschaftet.

Ich weiß, dass Dir der Stand der Dinge nicht wirklich gefallen wird, hoffe aber, dass Du die Ehe von Rafael de Arganta und Angelina Hill befürwortest. Mein Freund Rafael liebt diese junge Frau wirklich und sie scheint ihm auch zugetan zu sein. Den Jungen will Rafael ausbilden und versuchen, ihm den Vater zu ersetzen.

Liebe Anara, ich hoffe, dass es Dir gut geht und Du und die Kinder gesund sind. Ich würde mich freuen, wenn ich Dich in Bälde wieder im meinem Hause begrüßen dürfte.


Es umarmt Dich Dein Bruder

Adrian“

Aufseufzend legte Anara den Brief auf den Tisch und trat an das Fenster. Ihr Blick schweifte über den Garten bis hinüber zu den Wipfeln der Bäume des angrenzenden Waldes.
Sie sah die Schönheit der Natur in der warmen Nachmittagssonne nicht wirklich. Zu sehr waren ihre Gedanken mit ihrem Bruder und dem, was er geschrieben hatte, befasst.

„Also keine Hochzeit“, ging es ihr durch den Kopf und sie verspürte Enttäuschung.
„Da war doch wieder jemand schneller...“ Sie seufzte erneut auf.

Lange noch stand die junge Königin am Fenster. Als sie sich an ihren zierlichen, privaten Schreibtisch setzte und das Antwortschreiben an ihren Bruder verfasste, war ein Entschluss in ihr gereift… und den wollte sie Adrian persönlich unterbreiten.

Verfasst: Freitag 23. September 2005, 13:33
von Anara von Hohenfels
Sie hatte an Deck gestanden, ihren Umhang gegen den frischen Wind fest um sich gezogen, und das wundervolle allabendliche Schauspiel bewundert. Doch sie fand, nirgends war es so eindrucksvoll wie auf See, wenn der rote Feuerball ganz langsam im Meer versank.

Mit ihrer kleinen Eskorte verließ Anara von Hohenfels das Schiff in Bajard, nachdem sich schon die Dunkelheit über das Land gesenkt hatte. Eine Flaute, hatte der Kapitän erklärt, war daran schuld, dass sie mit einigen Stunden Verspätung im Hafen einliefen.

Die junge Königin wollte kein Aufsehen, so war es ihr gerade recht, dass sie begleitet von ihren Soldaten im Schutze der Dunkelheit unerkannt das Schloss ihres Bruders in Varuna erreichte.
Sie freute sich auf ihren Bruder.
Die Bediensteten hatte sie angewiesen, ihn nicht zu informieren über ihre Anwesenheit.
Mit einem verschmitzten Lächeln erklärte sie dem Butler, dass sie den Grafen beim Frühstück überraschen wolle.

Verfasst: Montag 3. Oktober 2005, 12:47
von Anara von Hohenfels
Nachdenklich sah Anara auf das leere Pergament vor sich und strich immer wieder mit dem weichen Ende der Schreibfeder über ihre Lippen.

Das Gespräch mit dem alten Grafen de Arganta ging ihr durch den Kopf.
Er hatte so sehr auf die Einhaltung der alten Gebräuche bestanden und sie hatte ihm nicht widersprochen… Sicher, der Brauch, die Tochter durch einen Handel mit dem Bräutigamsvater gewinnträchtig unter die Haube zu bringen, hatte immer noch seine Gültigkeit. Auch sie selber war ja so verheiratet worden. Doch in diesem Fall sollte offenbar der Sohn dem Vater Besitz und Gold einbringen.
War es nicht eher die Ausnahme, wenn die auf diese Weise vermählten Eheleute dann wirklich in Liebe zueinander fanden?
Von ihrem Bruder Adrian hatte Anara gehört, dass der Sohn des Grafen, Rafael de Arganta, in Liebe zu der jungen Heilerin Angelina Hill entbrannt war und sie ehelichen gedachte.
Doch nun bestand sein alter Herr darauf, dass er eine junge Frau heiraten sollte, der er wohl seit früher Jungend zugetan war, jedoch unter keinen Umständen als Gemahlin wollte.
Adrian wusste selbst keinen Rat, um seinem Freund zu helfen… und sie, Anara, die Königin, durfte sich nicht so weit einmischen, dass sie dieses Versprechen, das sich die Väter gegeben hatten, als ungültig erklärte. Die alte Tradition hatte immer noch ihre Gültigkeit.

Anara seufzte auf.
Ihre Pläne schienen auf der Ganzen Linie durchkreuzt.
Adrian berief sich nach wie vor auf sein Ehrenwort, das er seinem Freund gegeben hatte und somit als Ehemann für Angelina ausschied. Sie hatte zwar den Verdacht, dass ihr Bruder grundsätzlich nicht heiraten wollte, doch musste sie ihm beipflichten, dass ein Ehrenmann zu seinem Wort stand.
Dennoch wollte sie den Sohn Angelina’s und Kelan’s, ihrem einstigen Großritter, versorgt wissen. Der Junge musste unbedingt eine gesicherte Ausbildung erhalten, sollte das Erbe seines Vaters antreten können, auch wenn Kelan es nicht mehr geschafft hatte die Mutter zu heiraten und Antares als seinen Sohn und Erben anzuerkennen.
Es blieb ihr nur eines zu tun.
Anara tunkte die Feder in das kleine Tintenfässchen und begann mit einer schwungvollen Handschrift einen Brief an Leon von Falkenburg zu verfassen.

„Am 03. Goldblatt 248 zu Varuna

Werter Bruder Leon von Falkenburg!

In einer besonderen Angelegenheit wendet Eure Königliche Hoheit Anara von Hohenfels sich an Euch.
Da es Mir ein Anliegen ist, Euren Neffen Antares versorgt zu wissen und Ihr das Erbe Eures Bruders Kelan von Falkenburg sowie den damit verbundenen Titel ausgeschlagen habt, beabsichtige Ich, die Grafschaft Falkenberg mitsamt dem Gut Eurer Familie, Gut Falkenburg, als Lehen zu vergeben.
Der Titel des Grafen soll auf Euren Neffen mit Vollendung des 20. Lebensjahres übergehen.
Der von Mir vorgesehene Lehensmann Rafael de Arganta wird sich der Treue zur Königin verpflichten müssen, sowie die Ausbildung und Vorbereitung Eures Neffen Antares auf das Leben als Grafen gewährleisten.
Es ist Mein Wille, dass Euer Neffe als Erbe des zukünftigen Ritters de Arganta eingesetzt wird. Da Ihr hingebungsvoll Eurer Berufung als Templer folgt, ist er der einzige Blutsverwandte, der hierfür in Frage kommt.
Somit tritt dann der Sohn meines Großritters Kelan von Falkenburg das Erbe an, das ihm sein Vater zugedacht hatte.
Solltet Ihr, Bruder Leon jedoch Eure Meinung hinsichtlich des Erbes wider Erwarten geändert haben, so ersuche Ich Euch im Rahmen einer Audienz vorzusprechen.
Ansonsten hoffe Ich, dass diese Regelung Eure Zustimmung findet, da auch Ihr sicher den Willen Eures teuren Bruders erfüllt sehen wollt.

Eure Königliche Hoheit
Anara von Hohenfels“


Die junge Königin versiegelte das Schreiben eigenhändig und ließ durch ihren Sekretär einen Boten beauftragen, die Depesche unverzüglich zum Orden zu bringen.

Zufrieden sah Anara aus dem Fenster in den Park des Schlosses. Sie hatte getan, was sie tun konnte.
Die junge Heilerin tat ihr leid. Doch für sie konnte sie nichts tun… hatte Angelina doch die Möglichkeit, ihren Sohn nachträglich für ehelich und die Ehe mit Kelan als vollzogen erklären zu lassen, ausgeschlagen.
Sie konnte nur zu Temora beten, dass diese gnädig auf die junge Frau herabsehen würde und ihr doch noch ein Leben mit der Erfüllung ihrer Liebe schenken möge.
Traditionen waren gut und wichtig… aber manchmal…
Anara seufzte und wandte sich wieder dem Schreibtisch zu.

Verfasst: Donnerstag 6. Oktober 2005, 16:31
von Leon von Falkenburg
Alleine des Briefes welchen Leon in Händen hielt erregte seine gesamte Aufmerksamkeit. Das Königreich? Der Brief war eindeutig an ihn adressiert, und so nahm er die kleine Sichel von seinem Robenbund um den Brief zu öffnen und auf seinem Schreibtisch aufzubreiten. Seine Kinnlade fuhr noch einmal deutlich nach unten als er zuvorderst die Unterschrift las: Anara von Hohenfels. Die Königin? Was könnte se von ihm, einen einfachen Klosterbruder wollen? So rasteten seine Augen nicht lange und zügig tasteten sie das Schreiben ab. Als der Jungtempler es beendet hatte, lehne er sich zurück, den Blick an die Decke gerichtet. Rafael sollte Lehnsherr von Falkenburg werden? Sicher er kam Leon bisher wie ein verlässlicher Mann vor zumal war zwischen ihm und Angelina, ihrem Sohn Antares ein Band der Liebe gewachsen welches der innerlich geschundenen Frau erneut halt in ihrem Leben gab. Ein gemeinsames Leben auf dem Gut Falkenberg wäre für Angelina und Antares das Beste, und das es den beiden Gut ging war auch der letzte Wunsch Kelans, desto mehr wuchs die Idee der Königin zu einer guten Idee heran. Doch gab es etwas um das Leon sein och bitten musste. Schnell holte er eines der besseren Pergamente und verfasste in gut leserliche Schrift einen Brief welchen er das Klostersiegel aufdrückte und so einem Boten mitgab.

“Das Kloster der Temora Zum 3. Goldblatt im Jahre 248

eure Exzellenz, ihre Majestät, Hoheit Anara von Hohenfels,

mein ehrlich empfundener Dank möchte ich eurer Hoheit aussprechen für die Einsicht in ihrer Pläne. Der Entscheidung um die Grafschaft Falkenberg und das Gut meines Vaters möchte ich in keinerlei weise wiedersprechen. Doch liegt mir am Herzen ihre Hoheit demütig zu bitten, zwei weitere Kondition an das übergeben des Gutes und der Grafschaft zu legen:

1) Das Übernehmen und beibehalten Josephs, dem Verwalter meines Vaters, und der gesamten
Belegschaft des Guts Falkenburg.

2) die einvernehmliche Zustimmung der Bewohner der Insel Falkenberg.

so ihre Hoheit sich in der Lage sähe jene Konditionen mit einzubeziehen, wäre ich ihr abermals zu ehrlichem tiefen Dank verpflichtet.


Möge Temoras Zuspruch stets in euren Taten und ihr Segen stets auf eurer Präsenz liegen.

Leon von Falkeburg
Jungtempler des Klosters der Temora“