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Die Rothaarige die einfach nur anders war
Verfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 11:32
von Velya
„Was hast du denn so gelernt?“, „Irgendwie musst du doch Gold verdienen, oder?“, „Andere in deinem Alter sind schon angehende Handwerksmeister“, „Bleib mir bloß vom Leib, Diebin!“
Es war nur ein kleiner Teil von den Sätzen die Velya immer wieder an den Kopf geworfen bekam und die alles andere als ungewöhnlich waren. Sie sah zwar nicht aus wie eine Bettlerin oder ein Strauchdieb, ihre Kleidung war in gutem Zustand und sie sah gut ernährt aus, aber sobald sie mit vielen Menschen etwas länger sprach kam das leidige Thema „Und wie verdienst du dir deinen Lebensunterhalt?“ und von dort an ging das Gespräch meistens in eine recht einseitige Richtung. Ihr wurden Ratschläge gegeben was sie doch alles tun konnte um etwas Gold zu verdienen oder sich Schuhe zu kaufen. Ja, dies war der nächste Punkt, es schienen die wenigsten Menschen akzeptieren zu können dass sie Barfuß umherlief, beinahe wie ein Verbrechen schien es, so oft wie sie darauf angesprochen wurde.
Manchmal fragte sich Velya ernsthaft, ob Gold und das was man tat, das Wichtigste auf Erden war. Das junge Mädchen kam über die Runden, mal so, mal so und es hatte bisher immer geklappt, nie hatte sie einen Beruf gebraucht, sie hätte nicht mal gewusst was tun mit all dem Gold, es war für sie nicht von Belang. In ihrer kleinen Welt wollte sie einfach nur leben und mit den Leuten ihr Spiel spielen, für alles andere, alles Weitere war da wenig Platz, denn lernen wollte sie zwar, aber nicht das was man so einfach lernte … verwirrend für den Einen, simpel für sie.
In diesem Punkt war die sonst offene Velya recht engstirnig, sie sah in vielen Menschen die ihr diese Frage früh stellten nur eines; Spielverderber und Goldinteressierte. Was veranlasste nur so viele Menschen dazu, nach der Herkunft ihres Goldes zu fragen? Auch wenn sie die Antwort nicht kannte, solcherlei Menschen traf sie viele und so war jene eine Begegnung an einem Abend in Berchgard vielleicht glücklicher Zufall oder einfach nur das Ergebnis der richtigen Schritte im großen Tanz der sich Leben nennt aber sie begegnete ihr; Milya. Freilich, als sie die rothaarige Frau mit dem weiten Rock, den Glöckchen an der Hüfte und den Bändern im Haar das erste mal sah, da kannte sie ihren Namen nicht, sie wusste nicht wer sie war und doch war sie fasziniert und begeistert.
Sie ging an ihr vorbei und Velya folgte, ungeniert und aus einem Drang heraus ging sie dieser Frau, die schon so anders aussah und sich auch viel leichtfüßiger und angenehmer bewegte, hinterher.
Sie hatte sie angesprochen, MIlya war aber leider etwas in Eile, hinterließ aber ihren Namen und den Ratschlag dass man sie in Bajard treffen könne und verschwand, das junge Mädchen blieb etwas geknickt zurück, sie wollte mehr über Milya wissen, mehr über … ja über was? Wollte sie wissen was sie für einen Beruf ausübte? Nein. Sie wollte einfach nur mehr über alles wissen, und irgendwie wusste sie, sie würde bei dieser Frau eine Antwort finden, wie diese Antwort aussah, das würde sie dann ja sehen.
Bajard war ihr in der nächsten Zeit nie voller vorgekommen, überall schien sie eine rothaarige Frau gesehen zu haben, überall schien sie aus den Augenwinkeln Milya erspäht zu haben nur um dan festzustellen dass ihre recht lebhafte Fantasie ihrer Vorfreude auf die Unbekannte schon wenigstens in ihrem Geiste etwas besänftigen wollte, was aber nicht annähernd bei der Suche half.
Letztendlich sollte sie jedoch fündig werden, sie traf Milya in Bajard, sie sagte ihr völlig offen heraus dass sie mit ihr reden wolle und dann … wurde sie versetzt. Eigentlich war sie nicht der ungeduldigste Mensch, doch an jenem Abend merkte sie, dass sie es war und noch mehr, sie bemerkte sowas wie Eifersucht.
Denn gerade als Milya mit ihr sprechen wollte, schien jemand aufzutauchen mit dem sie einen Termin hatte, die Rothaarige verschwand, versprach aber wiederzukommen, und so setzte sich Velya stur ins Gras, direkt an der Stelle wo sie stand und warf dem Kerl mit dem sie verschwand böse Blicke zu und besser werden sollte es nicht, denn noch ein weiterer kam dazu der Milya sprechen wollte als sie endlich Zeit fand und aus Ungeduld wurde Trotz und aus Eifersucht wuchs Enttäuschung, aber sie würde warten, sie würde ganz einfach warten … und letztendlich ging dann alles drunter und drüber.
Jener Abend war vorbei, es war viel geschehen. Von aufgedunsenen Wasserleichen die plötzlich durch Bajard torkelten bis hin zu einem Streit zwischen einem Adligen und einem einfachen Mann hatte Velya an diesem Abend viel, nur nicht wirklich in Ruhe mit Milya gesprochen. Schlimm war dies mit der Zeit nicht mehr gewesen, denn schon in ihrer Nähe sein zu können war entspannend und angenehm, sie fühlte sich wohl, denn Milya war all dies nicht, was so viele andere Menschen waren. Sie sprach frei heraus was sie dachte, sie fragte nicht nach Velyas Goldeinkünfte und sie nannte sie nicht Gör, Diebin oder Bettlerin, sie nannte sie ganz einfach „Du“.
Ihren Worten zu lauschen, das war schon eine angenehme Sache und als der Tag gänzlich ausklang war sie zu der Frau gegangen und hatte es ihr ins Ohr geflüstert. Sie hatte ihr gesagt, dass sie von ihr lernen wolle, denn Milya hatte gesagt sie wolle viel lehren, ohne zu sagen was genau und das war es doch was Velya wollte, sie wollte viel lernen … ohne zu wissen was genau. Sie hatten sich anschließend getrennt, denn beide wussten sie würden einander wiedersehen und zum ersten mal seit sie denken konnte hatte sie zwei Dinge; eine Person zu der sie aufschaute und die sie bewunderte und einen Blick in die Zukunft … auch wenn dieser Blick nicht weiter als drei Schritte ging, aber wer wollte schon mehr?
Verfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 14:40
von Kanubio Bunjam
Vom steinigen Weg des Lernens
Lernen wollte er, seit er vor 19 Mondläufen an Land gegangen war.
Aber nur selten hatte sich in dieser Zeit jemand gefunden, der sich seiner angenommen hatte. Freilich war er kein einfacher Schüler gewesen, mit einem Weltbild so groß wie ein Hasenstall und einer Lebenserfahrung an Land, die von jedem Suppenhuhn übertroffen wurde.
Nach vielen missglückten Versuchen einen Lehrer zu finden, hatte er sich mehr und mehr ans Wegkreuz zurückgezogen, bis er diesen bunten Aushang entdeckt hatte. Wieder und wieder war er davor gestanden und hatte ihn gelesen. Besonders das mit den „höfischen Umgangsformen“ reizte ihn. Endlich hatte er sich überwunden und ihr geschrieben. Sie hatte geantwortet, er war zum Treffpunkt gekommen, doch sie war nicht erschienen. Der erste Stein, der sich ihm in dieser Angelegenheit in den Weg legte. Diesmal wollte er nicht aufgeben, also fuhr er am nächsten Abend wieder nach Bajard. Am Dorfeingang traf er Sebastian und fragte ihn, ob er Milya gesehen hätte. Ja … und da kam sie auch schon die Straße entlang.
Natürlich hatte er die stechend bösen Blicke jenes Mädchens bemerkt, das unscheinbar an der Rückwand der ehemaligen Kirche stand, doch kannte er sie nicht und war sich keiner Schuld bewusst, ihr etwas angetan zu haben. Dass Milya zuerst zu ihr ging, verschaffte ihm Aufschub. Noch könnte er fliehen – der Weg aus dem Dorf war frei. Doch plötzlich stand sie vor ihm. Sie kamen gerade so weit, sich einander vorzustellen, da hörten sie Schreie, die den Weltuntergang kündigten … oder … nun ja, zumindest eine Gefahr für Leib und Leben.
Als Kanubio die schleimigen, stinkenden Wasserleichen durch Bajard torkeln sah, ärgerte er sich doppelt. Zum einen unterbrachen sie seinen verzweifelten Versuch, einen Lehrer zu finden, zum anderen hatte er wieder einmal nur die Lederrüstung an. Als er sah, dass Derya in Gefahr war, von einem der modrigen Schlammwesen verschleppt zu werden, zögerte er nicht und packte zu.
Mit gemeinsamen Kräften schafften sie es, Derya dem Wesen zu entreißen, doch wohin war sein Vater verschwunden, den er eben noch an seiner Seite bemerkt hatte? Wohin war Milya verschwunden? Voller Sorge lief er durch Bajard um die beiden zu suchen … fand Tithus ... ins Gespräch vertieft mit zwei Männern. Sie sahen wichtig aus und wie immer, wenn Vater mit wichtigen Leuten sprach, hatte er kein Auge für seinen Sohn. Diesmal war’s Kanubio sogar recht. So konnte er sich davonstehlen und weiter nach Milya suchen.
Als er die Taverne betreten wollte, traf er auf Sebastian. In seiner geradlinigen Art machte dieser Kanubio bewusst, dass er komplett mit Schleim besudelt war und das Zeug bestialisch stinke. Tatsächlich, Sebastian hatte recht. Es stank wie Bilgenwasser.
Jemandem, der höfische Umgangsformen unterrichtete, konnte man nicht völlig verdreckt um Unterricht bitten – das war sogar einem Kanubio klar.
Der wie vielte Stein war dies, der sich ihm in den Weg legte? Kanubio zählte nach. Nicht getroffen … Wasserleiche … Derya … Vater … und nun der Schleim und der Gestank in seinen Gewändern. Kurz entschlossen begab er sich ans Ufer, legte die Kleidung ab, glitt ins Wasser und rubbelte sich das glitschige Zeug und soweit möglich den Mief von der Haut. Gut, dass er immer Ersatzgewand mit sich schleppte. Gerade, als er seine bloßen Hüften aus dem Wasser heben wollte, stand sie am Ufer. Ihr flammenrotes Haar war nicht zu übersehen. Und mit ihr war dieses Mädchen, das ihm die bösen Blicke zugeworfen hatte. Wer war sie? Gehörten die beiden zusammen?
Wenigstens waren beide vernünftige Weiber, die nicht gleich einen Brüllkrampf angesichts eines nackten Mannes im Wasser bekamen. Er wollte nur noch an Land, sich anziehen und das Gespräch fortsetzen, das am Dorfeingang zu Bajard begonnen hatte.
Zum Anziehen kam es noch, dann eine weitere Unterbrechung. Einer, der ihm von den Erkenntnissen seines Vaters berichtete. Der sechste Stein. Natürlich war er an diesen interessiert. Aber nicht ausgerechnet jetzt, wo er gerade dabei gewesen war, die beiden Frauen in sein Haus einzuladen, um in ruhigerer Atmosphäre das Vorhaben zu besprechen! Langsam – ganz langsam – kroch die Wut in ihm hoch. Als derjenige sich endlich verabschiedet hatte und Kanubio Luft holen wollte, trat ein weiterer Störenfried ins Bild. Unbeirrt laberte der los – wolle tanzen lernen - …Als wäre das nicht genug, latschte auch noch ein Untoter um die Ecke. Ausgerechnet jetzt, wo er die verschleimte Rüstung weggepackt hatte, um das frische Gewand nicht gleich wieder zu versauen!
Kanubio hätte brüllen können vor Wut. Doch die ließ er – in Hemd und Stoffhose – erst einmal seinen Zorn an dem Untoten aus. Danach fasste er diesen schwatzenden Störenfried ins Auge, welcher ihn jedoch völlig ignorierte und Milya in Beschlag nahm, als wäre kein anderer da. Ein Magier wäre er – egal! – und Silvan von Dragenfurt wäre sein Name. Klar, ein „Von“, die hielten sich ja für noch was Besseres als die „Sirs“. Kanubio kochte und das Brodeln in ihm steigerte sich zum Überschäumen.
Während Silvan weiterbrabbelte - … „Wozu wollte ein ‚Von’ eigentlich Tanzunterricht nehmen, bekamen solchene diese Kunst nicht schon von ihrer Amme in der Wiege vermittelt?“, fragte sich Kanubio … - stieg mehr und mehr das Bedürfnis in ihm auf, diesen Mann in hohem Bogen samt seinem „Von“ in das brackige Wasser der Bucht von Bajard zu werfen. Tief durchatmend versuchte er, seinen Zorn in den Griff zu bekommen. Sollte er gehen? War dieser 8. Stein auf seinem Weg zu Milya das 8. Zeichen Horteras, den wohl sinnlosen Versuch eines im Denken und Reden nicht sonderlich – und in anmutigen Bewegungen schon gar nicht begabten Kriegers etwas über höfische Umgangsformen und Tanz zu lernen, endlich aufzugeben?
Schon wollte er sich umdrehen und heimgehen, da wendete sich das Blatt. Tatsächlich schafften sie es ans Wegkreuz und in sein Haus. Oh, er würde diesem Silvan schon zeigen, dass ein einfacher Mann aus dem Volke ein guter Gastgeber sein könne und noch dazu, wo er doch rein gar nichts gegen diesen Magier hatte! Sie konnten doch nichts dafür, all diese „Vons“ und „Sirs“, dass man ihnen schon von Kindesbeinen an beibrachte, all jene, deren Namen nur aus einem Wort oder zweien bestand, mit perfekt trainierter Ellbogentechnik aus ihren Wegen zu schubsen.
Man ließ sich das erlesene Mahl munden. Es wurde spät, dabei hätte Kanubio zu gerne gewusst, ob Silvan einen guten Tropfen aus Grimwould würdig zu schlucken imstande wäre.
Milya bestand darauf, das Treffen in selbiger Zusammensetzung zu einem anderen Zeitpunkt weiterzuführen, wogegen Kanubio absolut nichts hatte. Allerdings wäre zuerst sie bis Ende der Woche und dann er für über drei Wochenläufe auf Reisen …. Der 9. und 10. Stein?
Verfasst: Sonntag 25. Mai 2008, 16:25
von Milya-Renyla Menuette
Das amüsierte Grinsen wollte die Lippen nicht mehr verlassen, selbst als sie nun hier saß und sich ihr Schlafgemach für die herannahende Nacht vorbereitete: Heute sollte es die Scheune eines leerstehenden Bauernhofes sein. Die Hände bewegten rasch einige Strohhalme aufeinander, um eine Art Kissen formen zu können als auch schon eine Lage Heu genommen wurde und schutzbietend über den Leib verteilt wurde. Langsam fielen die feuerroten Locken in das goldgelbe Stroh, und gingen eine Verbindung ein. Ja, was war das nur für ein ereignisreicher Tag?
Der Himmel war klar gewesen, keinerlei Lüftchen wehte durch die Gassen von Bajard, als sie wie immer frohen Mutes in Richtung des Teiches ging. Das kleine Gewässer in dem Hafendorf war für sie inzwischen schon eine Art Treffpunkt geworden - viele Menschen kamen und gingen um ihren Geschichten zu lauschen, oder es ihr gleich zu tun indem sie die Natur schlichtweg genossen. Auch heute strebte sie jenen Ort an, wenn gleich der Grund auch ein anderer sein sollte. Sie wollte den nächsten Interessenten für ihren Tanzkurs treffen und all' die Dinge besprechen, die es eben zu besprechen gab. Doch sollte es dabei nicht bleiben, dies war schon bald klar, als die Frau mit den feuerroten Haare bereits am Eingang des Dorfes auf zwei bekannte Gesichter stieß. Sebastian und Velya, das junge Mädchen deren Augen stets mit einer gewissen Art der Bewunderung auf Milya lagen. Was genau das auf sich hatte? Sie wußte es nicht, kannte sie sie doch noch nicht.. doch schien das junge Ding ihr durchaus ähnlich zu sein und gewisse Ansichten mit ihr zu teilen - doch sollte sie das im Moment nicht weiter kümmern..
Der erste Bewerber kam, holte sich die geforderten Informationen und man machte einen Termin für die erste Tanzstunde aus. Schließlich kam auch etwas überraschend der zweite, junge Bewerber: Kanubio war sein Name und er machte auf die so augeschlossene Milya einen tatsächlich sehr schüchternen, zurückhaltenden Eindruck. Der restliche Nachmittag verging recht schnell, wenn gleich auch sehr grotesk und ungewöhnlich: Gespräche. Wasserleichen. Krieger. Gestank. Noch mehr Gespräche. Und schließlich ein neuer Interessent..
Hier stockten die Erinnerungen der jungen Frau und das Grinsen aus dem Gesicht breitet sich aus, ehe die grünen Augen neugierig die Deckenbalken der Scheune fixierten. Der Geruch der frischen Nachtluft zog durch einige Ritzen des Holzbaus und zog ein unangenehmes Pfeifen mit sich, doch nicht so wohl in den Augen Milyas. Der frohe, schier unterschütterliche Ausdruck auf den Gesichtszügen wollte nicht weichen.
Kanubio war wohl tatsächlich nicht gut auf den neuen Interessenten zu sprechen. War es weil er adlig war? Ein Magier? Ein direkter, aufgeschlossener Mann? Sie verstand es nicht und doch amüsierte sie allein die Beobachtung des recht aufgebrachten Kanubio... wie nur kann man Leute nach ihrem Stand in der Gesellschaft bewerten? Ihr war es egal ob er nun ein Bauer, oder Adliger war. Ein Kaiser, oder Bettler. Sein Vorname war ungeprägt, wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Und solange er nicht auf seine Titel bestand und den unbeschriebenen Vornamen nicht belastete? Die Freiheit gehörte ihr, und sie würde es sich nicht nehmen zu lassen auch mit einem 'Von' so zu kommunizieren, als würde sie mit einem Bürger des gemeinen Volkes reden.
Schließlich saßen das junge Mädchen Velya, der magiebegabte Silvan, und die junge rothaarige Frau bei ihrem Gastgeber für diesen Abend: Kanubio. Er hatte es sich nicht nehmen lassen alle zu sich nach Hause einzuladen und mit einem köstlichen Mahl, wie einem edlen Tropfen zu verwöhnen. Die Streitigkeiten schienen wie aus der Welt, und man sprach über dieses und jenes. Immer wieder glitten die grünen, schimmernden Augen neugierig über die Gesichter der Anwesenden hinweg. So unterschiedlich und doch in diesem Moment auf einer Ebene, so war es doch? Ein Mädchen, dass scheinbar noch eine starke, leitende Hand an ihrer Seite sucht .. ein Adliger, der selbst in einer Hütte nah der Wildniss keinerlei Anstalten macht sie von seinen Manieren zu lösen .. ein junger Gastgeber, der so gewillt ist zu lernen und dadurch so einige Sprünge über seinen eigenen Schatten macht .. und sie, sie die alle drei aus offenen, neugierigen Augen beobachtet. Wo nur würde diese Konstellation noch hinführen?
Raschelnd drehte sie den Körper zur Seite und schloß die Augen, ein tiefer Atemzug ließ sie noch ein letztes Mal an diesem Abend die frische Luft, gepaart mit dem eingängigen Geruch des Strohs um sich herum aufnehmen.. sie wollte lehren, und nun hatte sie Menschen gefunden, die bereit waren zu Lernen. Die Muse war bei ihr, die Kreativität wollte sie nicht verlassen und genauso hatte sie Menschen gefunden, mit denen sie ihre Freiheit teilen konnte.
Abermals schlich sich das herzliche Lächeln auf die Lippen und mit eben diesem schlief sie auch ein..
Verfasst: Montag 26. Mai 2008, 18:56
von Velya
Was zeichnete einen Menschen aus, der für einen etwas Besonderes war? In Velyas Fall war das simpel; er war nett, er war anders als all die Anderen und er war offen und ehrlich mit ihr. Es gab wenige Menschen die diese drei einfachen Dinge in sich vereint hatten, natürlich gab es sie, aber sie waren selten. Das junge Mädchen kannte nun seit einigen Tagen eine weitere Person und das war Milya. Es war schwer zu erklären für Velya wieso genau sie immer wieder nach der jungen Frau suchte. Erst hatte sie gedacht, es läge an dem großen, breiten Rock der so imposant war, dann waren es die roten Haare die sie beeindruckten aber je öfter sie neben Milya herlief, neben ihr lag oder saß, desto weniger konnte sie so wirklich eine Antwort auf diese Frage abgeben, sie wusste nur eines und das war die Tatsache dass sie Milya sehr gerne mochte.
Kein Mensch vorher, mal abgesehen von Leonald, hatte so gesprochen wie sie, hatte einfach drauflosgefragt, Sachen eingeworfen und ihr zugehört, sie so gesehen wie sie war und nicht wie sie Velya gerne gehabt hätte, denn das junge Mädchen war sich sehr sicher, Milya würde sie nicht einmal anders sehen wollen als so, wie sie war. Eigentlich redete Velya nicht gerne und oft über ihre Spielerei die sie mit den ganzen Menschen von Zeit zu Zeit trieb, aber der Rothaarigen gegenüber hatte sie es einfach drauflosgeplappert, ihr ihre Ansichten erzählt und alles, was ihr im Kopf herumspukte, sie redete einfach und es schien richtig so zu sein. War dann einmal etwas nicht klar oder Milya wollte etwas einbringen, dann fragte sie nach oder sprach es einfach aus, es gab kein verlegenes Herumgedruckse oder Schweigen, so auch als das junge Mädchen ihr von dem Abend erzählte als Leonald sie damals von Zuhause weggeholt hatte. Milya hatte festgestellt dass es eine Art Entführung gewesen sein musste die sich damals ergab und auch wenn Velya nie wirklich darüber nachgedacht hatte, sie hatte wohl recht, aber sie bekam keine bemitleidenden Worte daraufhin wie sie welche von anderen Menschen bekommen hätte.
In mancherlei Hinsichten waren sich beide gleich und doch fühlte sich Velya von ihrem Wissen, ihren Erfahrungen sehr weit entfernt von Milya, sie blickte auf zu der jungen Frau, sie war so etwas wie ihr Idol, auch wenn das junge Mädchen niemals diese Worte so gebrauchen würde. Und so war es nicht einmal wirklich verwunderlich dass sie sich immer bei dem Gedanken ertappte drüber nachzudenken, was sie grade tat, dass sie Menschen, die sich in ihrer Gegenwart befanden wenn sie miteinander sprachen, erst einmal mit einem eifersüchtigen Blick belegte weil sie kurz Angst hatte dass Milya vielleicht nun woanders hin musste … ein Gedanke der nicht wirklich schön war. Aber gleichzeitig wusste sie auch, Milya würde für sie da sein, und sie würde für Milya da sein, vielleicht nicht für immer aber für eine lange Zeit. Und mit diesem Gedanken führte sie die heutige Suche nach der Rothaarigen fort, hatte sie ihr doch einiges an Neuigkeiten zu berichten …
Verfasst: Mittwoch 28. Mai 2008, 17:59
von Milya-Renyla Menuette
Eine Entführung. Ja, natürlich kam ihr diese Geschichte und diese Unbekümmertheit des Mädchens etwas seltsam vor, doch wieso sollte sie sich weitere Gedanken darum machen? Velya schien glücklich mit der vorherrschenden Situation, es gab keinen Grund sie zu beunruhigen und aus ihrer eigenen, erschaffenen Harmonie zu reißen. Sie war jung, vermutlich kaum älter als 17 Jahre - in diesem Alter machte man sich grundsätzlich noch nicht allzu viele Gedanken über die vergangene Kindheit, man stand ja noch nicht einmal mit beiden Füßen im Leben eines angehenden Erwachsenen. Doch gerade sie, was sollte sie dazu sagen? Negative Gedanken und Sorgen waren das, was sie stets mied. Erfolgreich. Das Leben war unbekümmert, sie war frei ... Freiheit bedeute unbeschwert und ausgeglichen zu sein.
Leise, die seit Kindesbeinen an bekannte Melodie summend tänzelte sie weiter die recht staubige Straße zwischen Varuna und Bajard entlang. Nein, gegen einen Spaziergang an der frischen Luft hatte sie tatsächlich nichts einzuwenden - doch schwer lagen die Gedanken des mangelnden Goldes in ihrem Magen, als wieder einmal eine Kutsche vorbei ratterte und sie nur mit einem schlichten, freundlichen Lächeln in Richtung des Kutschers sah. Gold? Sie wollte keines haben, sie kam noch immer ohne eine prall gefüllte Geldkatze aus, doch diesmal war es anders: Die Kutschfahrten zu all den fernab gelegenen Orten konnte sie sich kaum mehr leisten, so dass sie oftmals heimlich auf die Rückstiegen der Kutsche sprang und als blinder Passagier mit in die Nähe der Stadtmauern fuhr und so mangelte es auch schon bald an den finanziellen Mitteln um an Essen und Trinken zu kommen. Sicher, es gab genug liebe Menschen in ihrem Umfeld die sich um sie kümmerten, es gerne taten und sie immer wieder baten, dass sie sich bei Problemen doch ihnen zu wendete. Doch was sollte dies für ein Leben sein? Freiheit bedeutete unabhängig zu sein - dies würde genau das Gegenteil darstellen.
An der ersten Kreuzung hielt die Frau mit den feuerroten, langen Haaren inne. Mit zwei Fingern stupste sie die neue Mütze aus der Stirn, um einen Blick in Richtung des Himmels zu wenden. Die Sonne hatte bereit seit einiger Zeit ihren Zenit verlassen und ging mehr und mehr der Krümmung nach, um sich langsam den Horizont zu nähern. Bald würde es wieder an der Zeit sein, sich einen Schlafplatz zu suchen.. so hoffte sie, dass der Landwirt das Heu noch nicht aus seiner Scheune geschafft hatte und sie so noch einmal eine laue Nacht innerhalb der schiefen Holzhütte verbringen konnte. Dies wäre nur von Vorteil: Es galt viel zu Planen, wollte sie doch endlich all' die Aushänge fertigen und verteilen, die auf das große Aufeinandertreffen der verschiedensten Kulturen und Gesellschaftsschichten hinwies.
Wild wurden die wirren Locken in die Höhe getrieben, verdeckten den Blick aus ihren grünen Augen und trieben sie wieder an. Das Blatt im Wind, getrieben von den Böen.. mal hie' mal dort.
Verfasst: Montag 9. Juni 2008, 13:15
von Jasmin Duran
Es ist Nacht, ihr Näschen ist wie immer gleich des Weins in ein sanftes Rot gefärbt. Sie liegt in der „Blühenden Weide“ zu Varuna auf ihrem Bett und sieht zur Decke, die Arme hat sich um sich geschlungen und ihr Leib zittert. Ihre goldblonden Haare überdecken mit einigen Strähnchen ihre feinen, filigranen Züge, auf den restlichen Haaren liegt sie.
Wieder schweifen ihre Gedanken durch die Vergangenheit, ihre Verstorbenen, ihre Schreiberin, ob sie noch lebt?
Sie zieht immer wieder die Arme enger um den Leib, als ihr der Rotschopf in die Gedanken kommt, als wolle sie es nicht wahr haben, kämpfe dagegen an. Sie begegnete ihr erstmals flüchtig in der Freien Handelsakademie. Überhaupt das erste Mal sah sie solch rote Lockenpracht, so lang und feuerrot, dass sie sich ganz gleich, wem diese gehörte, darin verlor. Rasch schreckte sie auf, als sie in Gedanken drohte sich wieder vollkommen zu verlieren. Ihr Herz raste, das rote Blut presste es durch die Adern. Anschließend lehnte sie sich an die Wand und zog ihre Knie an den Körper und ihre zarten, von Arbeit verschonten Hände legen sich mit angewinkelten, hängenden Armen darum. Kläglich, ja regelrecht versagend versuchte sie allein schon die Haare zu verdrängen, die sie beim ersten Aufeinandertreffen sah. Wie nur, dachte sie sich, wie?
Das erste Treffen war zufällig, sie wollte nur einige Kleidungsstücke haben und wandte sich an Cassandra, die Schneiderin und erstand auch einige gute Stücke zu wenigen Goldstücken. Sie stellte sich als Milya vor, so kannte sie sie von da an nun auch, oder erkannte?
An der Kreuzung Bajards, die den Weg zur Taverne und zur Bank teilt, trafen sie sich erneut, die Zeit ließ jedoch Wochen verstreichen, eh’ wieder diese Leidenschaft des Haars das junge Mädchen ergriff, staunen und sich durchziehen ließ. Wie wurde ihr nur? Ertappte sie sich, die sie stets begleitende Neugierde offen preiszugeben, einfach herauszuplatzen mit ihren Fragen? So bedacht war sie noch, fragte sie nur vorsichtig, ob sie sich entsinnen könne, wer Jasmin denn sei! Sie wusste es – nach einiger Hilfe.
Milya ist anders, ganz anders als die Anderen, das spürte, das nahm Jasmin wahr nach wenigen Sätzen, doch sollte das nicht genügen. Die kleine Weltfremde, Jasmin, die doch so neugierig ist, verabredete sich mit ihr, doch warum? Waren ihr jene sonst nicht gleich? Woran lag es, dass sie sie wiedersehen will? Sie wusste es selbst nicht, war es doch nur ein Gefühl, das sie nicht zu ergründen wusste, vorerst.
Die Tage vergingen bis zu ihrem nächsten Aufeinandertreffen und Jasmin ging wie immer ihrer Neugierde nach, befasste sich oftmals mit dem Unterricht des jungen Burschen Luca, lernte autodidaktisch den Umgang mit einigen Ingredienzien für Tränke, fragte auch nach, so sie Hilfe bedurfte und gab sich nie zufrieden mit der Erklärung: „Die bewirken das halt.“
Varuna, die „Blühende Weide“, dort saßen die beiden und unterhielten sich. Jasmin fragte neugierig, was sie tue, was ihre Begabung sei, was sie plane, wo sie schlafe, wo sie zu finden sei! Innerlich erschrocken wich ihre offene, lebendige Art, als sie Antworten erhielt und gerade dann, als ihre Gedanken ruhten, spielte ihr Gegenüber wieder mit dem roten Haar, den Locken und den grünlichen Augen. Einerseits sprach sie wie eine Seelenverwandte, ihre Verbundenheit zum Leben, zum Unbekannten, die Art zu denken. Andererseits bewegte und gestikulierte sie wie eine Verruchte Rahals, dachte Jasmin. Dieser Zwiespalt, dieses Für und Wider. War das junge Fräulein Jasmin gar zu weltfremd, dies zu akzeptieren, zu verstehen?
Das Gespräch endete, Milya zog davon, Jasmin widmete sich ihren Krügen zu Abend, nur jetzt einer mehr als gewöhnlich, drei, so dass sie gut einschlief.
Mitten in der Nacht schreckte sie auf, abermals rast ihr Herz, ein Alb raubte ihr letzten ruhigen Moment und sie eilte zu ihrem Pult, öffnete es und zog ein Pergament hervor, das kleine Tintenfässchen und ihre Schreibfeder. Fein säuberlich legte sie den Brief auf das Schreibpult, öffnete das Fässchen und griff elegant mit den Fingerchen nach der Feder und tunkte sie gekonnt hinein und schrieb ihr einen Brief. Was sie dachte? Nichts, gar nichts, so fühlte sie nur und schrieb, was sie fühlte, die innige Freundschaft, die innige Beziehung zu ihr. So war sie die Erste seit langer Zeit, die so sprach und dachte wie sie in vielerlei Belangen, so sollte Milya wissen, wie Jasmin fühlte, dass sie darum hofft, sie nicht zu missen.
Den Brief versiegelte sie mit Wachs, zog sich ihre typische Kleidung in rot, blau und weiß an und nahm in mit. Lohengrin, der Hüter der „Blühenden Weide“ war noch wach, ja natürlich, so schlief er wenig und wachte stets über sein Heim. Jasmin überreichte ihm den Brief und bat darum, einen Boten nach „Milya dem Rotschopf“ suchen zu lassen. Vilika, die Schankmaid goss der jungen Frau noch einen Kelch Wein ein, als Jasmin die Stube betrat, wohl wissend, was sie ersuchte. Sie nippte nur Schluck für Schluck aus dem Glas, saß betreten und nachdenklich wirkend am Tisch. Ihr Blick ruhte auf dem roten Wein und so dachte sie nur an sie, ob sie die stürmische Bekundung ihrer Freundschaft verstehen würde, ob sie nicht falsch Zeugnis darüber ablegen würde. Der Wein half sie zu beruhigen und so schritt sie mit zerzaustem Haar, kaum gerichteter Kleidung wieder zum Bett und schlief wieder, doch nun in ihrer Gewandung.
Es vergingen wieder die Tage, doch dann erhielt sie Antwort. Lohengrin rief ihr zu und überreichte kurzerhand den Brief, den sie im Gehen öffnete und las. Ihre Mundwinkel hoben sich, sie strich mit einer Hand ihr Haar hinter die Ohren und drückte voller Wonne den Brief an ihr Herz, ehe sie in ihrem Raum angekommen, ihn unter Verschluss brachte in ihrem Schreibpult. Wie freute sie sich die stets freundlichen und warmen Züge Milyas wiederzuerblicken!
So zittrig und kalt wie an diesem Tage, wenige Stunden vor dem Treffen, waren ihre Hände noch nie. Bläulich schimmerten ihre Äderchen an den Händen und gar kleine rote Fleckchen als wären sie im Begriff zu erfrieren, zeichneten sich darauf ab. Da stand sie nun vor Varuna und Jasmin schritt auf sie zu mit einem kindlich fröhlichen Ausdruck auf den Lippen. Sie gingen spazieren, suchten sich der schönen Orte viele, sprachen, lachten, waren andächtig. So klärte sich auch der Inhalt des Briefs, der nur freundschaftlich war, nicht mehr, nicht weniger. Die Kleine jedoch verlor sich immer wieder einige Momente im Geläut der Glöckchen, den roten Haaren und den grünlichen Augen. Als wären sie magischer Natur, veränderten sie Jasmins Blick auf Milya oder veränderten sie gar Jasmin? Sie wusste es nicht, nur umwob Milya etwas Geheimnisvolles zu jeder Zeit und so verging der Abend recht schnell, als wären es nur wenige Momente gewesen in diesem prächtig blühenden Garten von Erlebtem.
„Prinzesschen, wir sehen uns wieder. Genieße den anklingenden Abend.“
Im Laufe der Tage trafen die beiden einander immer wieder und immer öfter und Jasmin wankte zunehmendst von Treffen zu Treffen. Sie durchschritt den kleinen Südbrunnen Varunas, nicht anders als Milya es ihr vormachte, ihrem „Prinzesschen“ und es durch gewiefte Rhetorik dazu brachte, selbst hindurchzuwaten. Lieblicher Hohn folgte mit einem Zwinkern Jasmin gegenüber. Ja, sie schmollte, wenn auch nur gespielt, so tat sie es. Was machte Milya mit ihr? War sie die Ausgeburt des Panters? O wie wüsste Jasmin gern, wie ihr geschieht, ist sie stets nervös und doch fröhlich in ihrer Gegenwart, zudem offener und begieriger Neues zu erfahren, zu erleben und so stellt sie sich dem, was kommt.
Dieser Tag sollte auch enden und hinterließ in ihr mehr Fragen, als sie Antworten bekommen sollte, doch auch die zufälligen Störungen ihres ungebremsten Freudentaumels nahmen zu und so auch die Eifersucht.
Zu Abend besuchte sie wieder Vilikas Stube, ertrank ihre emporkommenden Gedanken im Wein. So ist ihre Angst vor Einsamkeit, dem Alleinsein zurück, würde Milya weiterziehen, würde sie ihr genommen. Sie stößt den Kelch um und flieht in ihre Räumlichkeit, zieht sich in die Ecke und kauert sich zusammen, erschrak sie vor sich selbst, als sie erkannte, wie besitzergreifend sie doch war. Ist es falsch, sich Freunde zu wünschen? Ist es falsch, offen und neugierig zu sein, Neues zu probieren? Oh das, gewiss nicht, ist sie stets offen gewesen, doch hat sie es nie probiert, nur theoretisch durchgespielt! Jetzt erlebte sie es wieder und wieder und mit diesen Gedanken entließ ihr Körper und Geist sie in eine ruhige Nacht, die erste ruhige Nacht seit langer Zeit, wohl auch die einzige.
Eine der kommenden Nächte brach an und das Fräulein suchte nur nach einer Antwort:
„Wer bin ich?“
Sie suchte, sie fand doch keine Antwort, trank wieder Wein, öffnete sich für die Antwort, doch fand sie nicht. Wie konnte ihre strenge, korrekte Art, ihre penible und genaue Vorgehensweise so gebrochen werden? Doch brachte es auch geförderte Neugier, einen offeneren Umgang mit Fremden und dem Fremden mit sich, zeigte sie sich an Allem interessiert wie ein Neugeborenes, das keinen Deut der äußeren Welt kennt, nur das Innere der Mutter, wo es geborgen ist, bis es in das Neue gedrängt wird.
Der dritte Krug Wein war leer, sie erhob sich und zog wider der Haltversuche Vilikas los nach Bajard. Als sie dort angelangte, mehr taumelnd als schreitend, sah sie sie und Sebastian, einen ihrer Freunde. Ihre Gedanken waren unsortiert, nicht anders als ihr Gang. Es wurde ein furchtbarer Abend für sie, sie lallte, taumelte, stand deutlich vor dem Erbrechen, doch hielt sie es tapfer, so tapfer sie eben nur konnte. Beide gingen mit ihr und dem Kätzchen, das den Rotschopf begleitete, spazieren. Was sie dachte? Wie konnte ihr das passieren, doch musste es raus. Musste raus, was sie dachte. Sebastian verabschiedete sich bereits und sie plauderte los, doch wurde ihr Alkoholgenuss gestraft mit Ignoranz. Nur einmal achtete der Rotschopf auf sie, ward in Augen Jasmins nur mehr die Ausgeburt des Panters in menschlicher Form, so schickte sie Jasmin weg, widmete sich doch wie die gesamte Zeit über nur dem Kätzchen.
„Jasmin, du solltest tatsächlich nach Hause gehen und dich hinlegen..“
Wo stehe ich, wer bin ich, was bin ich? Dies schoss ihr durch den Kopf, hatte Milya ihr so viel gegeben, gezeigt, war sie ihr so ähnlich und doch so anders. So brauchte Jasmin ein Zeichen, wusste sie nicht, wer sie war, suchte sie nun nach Antworten und sackte daheim in ihr Bett und schlief, schlief die gesamte Nacht und erwachte wissend, was sie sprach, was geschah und dachte an die Rothaarige und den Jungen.
Sie würde beide wiedersehen, so es Eluives Wille ist.
Verfasst: Montag 9. Juni 2008, 15:20
von Therben Masard
Der erste Tanz
Ich hatte mich auf ihren Aushang hin gemeldet, der Tanzstunden versprach.
Nicht, dass ich nicht tanzen konnte, aber vielleicht gab es neue Tänze, die mir auf meinen Reisen verborgen geblieben waren.
Es war wohl Zufall, dass ich sie fand, am äußersten Zipfel Bajards, denn offenbar mochte sie keine festen Zeiten für irgendwelche Treffen.
Ich müßte lügen, wenn ich nicht eingestehen wollte, dass sie eine seltsame Faszination auf mich ausübte.
Jeder Schritt den sie, zu einer für andere nicht hörbaren Melodie, zu tun pflegt, wird begleitet vom hellen Klang kleiner Glöckchen an ihrem Beckengurt.
Ihr Flammen rotes Haar, welches durchwoben mit feinsten Goldfädchen, ihr fast unbezähmbar in die feinen Züge fällt und beinahe die grün schimmernden Augen zu verdecken droht, so dass Mann den Wusch hat sich zu beugen, um sie nicht aus dem Blick zu verlieren.
Die fein geschwungenen Linien ihrer Schultern, bis zu den leicht hervorstehenden Schlüsselbeinen, die den Blick eines Jeden weiter wandern lassen zu ihrem Dekolleté, von dem Mann den Blick wieder nach oben zwingt, Gedanken und Wünsche verdrängend.
Gepaart mit Klugheit und Redegewandtheit und einem Humor, der dem meinen ähnlich, ein rundes Bild, Vorlage für Faszination und dem Wunsch mehr über sie erfahren zu wollen.
An diesem Abend jedoch sollte es bei einem kurzen Bekanntmachen bleiben und einem Tanz.
Die Sonne war bereits untergegangen, als wir uns im Schein einer Fackel zu einer Melodie bewegten, die nur wir beide zu hören schienen.
Zunächst wohlgesetzte Schritte aufeinander zu, sich gegenseitig verneigend, knicksend, langsames Entfernen, die Hände zueinander führend, den Raum des Fackelscheines ausnutzend und in plötzlich seltsamer Vertrautheit den Tanz schneller werden lassend, bis sie fast am Ende sich in meinem Arm bog, keinen Moment dabei die Regeln der Sittsamkeit brechend, hielt ich sie, um sie dann langsamer wieder freizugeben.
Ein Moment von Freiheit, lebendiger Lebenslust, die in ihren und wohl auch in meinen Augen sprühte, als wir außer Atem den Tanz beendeten.
Wenn mir ein Bild im Gedächtnis bleibt, dann das ihres Gesichtes, umrahmt von widerspenstigen roten Locken mit schimmernden Goldfädchen, welche die strahlenden grünen Augen wie in einen Bilderrahmen zwangen, begleitet von einem losgelösten Lächeln im Schein einer Fackel, die für einen Tanz nur für Zwei brannte.
Im Ohr der Klang heller Glöckchen und ihre melodische und aufgewühlte Stimme:
„Es war... wundervoll.“
Die Erinnerung an einen Tanz, der auf Außenstehende gewiß lasziv gewirkt hätte und dennoch in seiner Unschuld einzigartig war.
Verfasst: Mittwoch 11. Juni 2008, 16:23
von Milya-Renyla Menuette
Ein weiterer Blitz schlug krachend irgendwo südlich ihres Sitzplatzes in den Boden ein, um die Landschaft für einen Bruchteil von Sekunden in helles List zu tauchen. Einige Vögel hoben aufgeschreckt von ihren Ästen in die Höhe um unter dem lauten Donnergrollen in Richtung Himmel zu fliegen. Die meisten unter ihnen waren Schwarzgefiedert und ließen die gelben Schnäbel krächzend aufeinander schlagen. Vermutlich saß die Rothaarige hier bereits mehr als zwei Stunden, denn sie hatte sowohl die Sonne untergehen, als auch die weiße Scheibe aufgehen sehen. Das heftige Untwetter musste vor einer halben Stunde begonnen haben, denn der lauwarme Regen hatte die Kleidung bereits völlig durchnässt, so dass sie nun schwer an ihrem schmalen Körper hing.
Nein, die Bäume boten sicherlich keinen Schutz vor den grellen Blitzen, doch bot der Wald mit seinem beruhigenden Grün und dem frischen Geruch die Ruhe, die sie immer häufiger nötige hatte seitdem sie in dieses Land gekommen war..
Dinge veränderten sich und mit der Zeit spiegelte sich die Veränderung auch in und an den Menschen wider. Die einen änderten ihr Äußeres, die anderen ihre Einstellung, Meinung oder Gesinnung. Kein Moment den man erlebte blieb ohne Kosequezen für den Einzelnen. Die einstige Faszination vergeht und hinterlässt einen Haufen von Fragen voller Verwirrung. Eine Freundschaft kann durch einseitige Missintepretation den ein oder anderen in tiefe Abgründe fallen lassen und immer häufiger gibt es Momente während welcher man sich Fehl am Platz fühlt .. ein einziger Tanz, ein einziges Wort - all dies kann so viel verändern.
Die nachdenklich verengten Augen verloren sich in der dunklen Pfütze die sich stetig vor ihren Füßen füllte. Einige Grashalme wurden auf die Oberfläche geschwemmt und taumelten haltlos von den dicken Regentropfen getrieben umher. Wie ein Blatt im Wind ..
.. nannte sie sich nicht einst noch so? Getrieben von der schier unstillbaren Neugierde. Gelockt von vielerlei Erzählungen und letztendlich vernarrt in die Erlebnisse. Es war eine ganze Zeit recht windstill, so dass das rote Blatt nicht weiter fort getrieben wurde. Doch nun spürte sie einen Sturm aufkommen, so stark dass er sie fort treiben würde. Fern aller Gedanken und Sorgen, die ihr so fremd waren.
Jasmin, Silvan, Sebastian und Therben - all diese zu meist hoch geschätzten Leute bereiteten ihr auf die ein oder andere Art Sorgen und Gedanken. Wie kam es dazu? War es die unstillbare Neugierde, welche sie Dinge erfahren ließ die lieber unentdeckt hätten bleiben sollen? Oder war es lediglich eine neue Erfahrung die es zu machen galt? Immer häufiger entglitt ihr die Zunge, so dass ihr regelrecht unangenehme Erwiderungen entkamen. Zynisch, garstig und teilweise sicherlich verletzend für viele Menschen - nicht dass sie es beabsichtige, doch was sollte sie machen? Diese hämisch verzogenen Fratzen in den Gesichtern ihrer Freunde haschten immer wieder nach ihrer inneren Harmonie.
Ein weiterer Blitz schlug, weiter als zuvor von ihr entfernt, in das Gehölz ein und erhellte ihre weichen Gesichtszüge. Die vom Niederschlag feuchten Lippen standen einen Spalt offen und spiegelten neben der leicht schimmernden Augen die schier endlose, ungewohnte Nachdenklichkeit in dem Gesicht der jungen Frau.
Der Sturm würde kommen, schon bald.
[OOC: Näheres dazu auch unter: [url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=32419[/url]]
Verfasst: Samstag 14. Juni 2008, 11:40
von Milya-Renyla Menuette
Es war bereits still in dem Handwerkshaus geworden. Das vorherige rege Treiben der Auszubildenden, Handwerker und Meister ihres Faches hatte stetig, aber sicher abgenommen und zurück blieben die sehr leisen Geräusche der Tiere auf dem Außengelände. Einige der noch nicht schlafenden Pferde wieherten vor sich hin, während die Hühner scheinbar auch schon auf ihre Stangen gesprungen waren, um am nächsten Morgen die Anwohner der kleinen Minenstadt mit ihrem aufgeregten Gegackere zu wecken. Doch bis dahin würden noch mehrere quälende Stunden vergehen, in denen die Dunkelheit Milya umfassen würde wie ein dicker Strick..
Das Zimmer war klein, möglicherweise gerade mal drei auf sechs Schritt. Ebenso hatte es keine Fenster, durch die wärmende Sonnenstrahlen dringen konnten um sie mit der gewohnten Wärme am Morgen zu wecken. Es mangelte bis auf den Teppich zu ihren Füßen an jeglicher Dekoration, so dass nur praktische Alltagsgegenstände in das Zimmerchen gestellt wurde: Ein Bett, ein Nachttisch, ein Schreibtisch und ein etwas größerer Schrank. Und doch war es seit gestern vorerst der einzige Ort der Zuflucht für die Rothaarige. Wer würde schon vermuten, dass sie sich in einer Minenstadt aufhält? In einer Stadt weitab der großen Menschenansammlungen, weitab der sonst so beruhigenden Waldgebiete.
Die nackten Füße baumelten von dem Bettrand herab, als sich ihre grünen, vor Müdigkeit kleinen Augen, langsam begannen an die vorherrschende Dunkelheit im Raum zu gewöhnen. Der Geruch der in dem Gebäude lag, verweilte immer noch in ihrer Nase: Frisches Holz, feuchtes Gras und der beißende Qualm welcher von der riesigen Esse des Schmiedes empor stieg. Es war angenehm, beinahe wie ein eigenes Nest, welches Schutz und Geborgenheit bietet.. ein Geruch, den sie gerne in ihrer Nase hatte und an den sie sich bereits jetzt zu gewöhnen begann. Vermutlich hatte der liebenswerte Schmied tatsächlich Recht: Sie braucht Ruhe und endlich einmal wieder ein weiches Bett unter ihrem Körper. Man sah ihr die Strapazen der letzten Tage an, so war sie doch schier unermüdlich durch die Waldgebiete gestrichen, hatte lediglich hier und da unter einem großen Baum geruht, um dann die Füße wieder weiter zu peitschen. Weiter über Stock und Stein, durch Wasser und Feuer.. Langsam ließ sie den Oberkörper in die weiche Matratze zurückfallen, die Füße vergruben sich unter der wärmenden Decke, welche zur Hälfte den geschundenen Leib der jungen Frau bedeckte. Noch immer ging ein regelrecht unerträgliches Kratzen und Brennen von den vielen, kleinen Schnittwunden aus, welche ihr die peitschenden Äste in den Wäldern zugezogen hatte. Kaum hätte sie den stetigen Schmerz bemerkt, hätte man sie an diesem Tag nicht dreimal auf die Tatsache der Verletzungen hingewiesen. Nun schien es unerträglich. Wohl war es der Schmerz, der sich langsam von Innen nach Außen emporarbeitete, nur um den Menschen zu sagen: Guten Abend. Diese Frau vor ihnen hat während ihrer Reise in das Land Alathair versagt.
Sie rollte sich zusammen und tastete mit beiden Händen rasch nach der Decke, um sie gänzlich über den Körper zu ziehen. Wo war nur die einstige Sicherheit und Überlegenheit geblieben? Beinahe verächtlich ließ sie die Augen soweit es ging über ihre eigene Gestalt wandern. Wer hatte sie dazu gebracht, sich selber regelrecht aufzugeben? Sie ärgerte sich. Maßlos. Und doch konnte sie nichts dagegen unternehmen, Schwäche durchtrieb ihren Körper und ehe sie diese nicht verbannen konnte, würde sie auch nicht an Sicherheit und Stärke gewinnen, die man sonst von der Rothaarigen gewöhnt war.
Milya fiel in einen unruhigen Schlaf, gepeinigten von den fratzenhaften Masken ihrer Freunde. Verlacht von den offen stehenden Mündern und schließlich geweckt von dem metallenen Schlägen des Hammers auf dem Amboss. Guten Morgen Alathair, ein weiteres Mal kommt hier die Frau, die gegen deine Seelengeister kämpft!
Verfasst: Samstag 14. Juni 2008, 12:38
von Jasmin Duran
... und sie gelangte aus dem Südtor heraus aus Varuna. Der Regen peitschte nicht minder als die Worte der roten Fratze, deren Stimme ihr wieder und wieder im Geiste schwebt, tief, als wäre sie dämonischer Natur.
"Meine Arbeit ist das Forschen Jasmin. Dazu gehören auch die Verhaltensweisen der Menschen, sehr wohl. Eine.. gute Bekannte, möglicherweise eine angehende Freundin."
Die Maske ist gefallen, die Fratze gelangt zum Vorschein und als wäre Alatar selbst, der sie auslacht, der diese Fratze gebar, rennt sie, flüchtet vor ihr nach Bajard, steigt auf das nächste Schiff und wirft dem Kapitän achtlos all ihr Gold hin, das sie bei sich trägt.
[img]http://home.arcor.de/asvmeandor/Milya-Fratze.jpg[/img]
Der Himmel ist von tief hängenden Wolken überzogen, der stürmische Regen lässt nicht ab und kaum ein Schiffbesitzer würde den Seeweg noch nehmen, doch das Schiff legt ab, die Wellen peitschen tosend dagegen. Die durch das eng geschnürte Korsett blasse Jasmin lehnt sich an den Rand des Schiffs, ihre Tränen verschmelzen mit dem salzigen Meerwasser, werden eins mit dem Regen aus dem Himmel. Was hatte sie nur getan, solche Worte zu hören, ertragen zu müssen.
Sie war zu naiv, zu jung und dumm, wie Milya es ihr sagte, zu gutgläubig, nur einmal zu gutgläubig.
Das Gefährt schifft über das Meer, sie wusste nicht einmal wohin. Ihre Hände rieben ihre Arme, war ihr kalt, war es ihr unangenehm, obwohl sie die raue See kannte, nicht selten auch auf einem Boot bei schweren Bedingungen fuhr, das wusste sie und doch ängstigte sie die Fahrt.
Ein Knacken, der zweite Mast fällt, Schreie, Tote und wieder dieses schallende Lachen, diese Fratze, die sich immer tiefer in ihren Kopf brennt. Sie reißt die Arme zu ihrem Kopf, schreit, niemand reagiert. Wer ist sie, dass niemand hört, niemand hilft? Wo steht sie? Ist es die Konsequenz dessen, dass sie vertraute, dass sie war, wie sie glaubte zu sein? Weil sie helfen wollte?
Die Schreie werden lauter, ihre, die der Matrosen, das Schiff kentert. Sie versinkt im Meer mit all jenen, die dabei waren, aber nicht bei ihr waren. Die Augen offen haltend taucht sie ins Wasser, wird durch die Wellen hinabgezogen, sieht in der Tiefe wieder nur diese Fratze, das Gelächter.
Ruckartig hob sich ihr Oberkörper, sie keuchte laut, dass gar die benachbarten Anwohner der Zimmer der "Blühenden Weide" es vernehmen könnten. Schweißtröpfchen perlten von ihrer Stirn entlang ihrer Wangen und als großer Tropf fallen sie auf das Bett, in dem sie nur mehr saß. Tränen mischten sich darunter und ihre Gebete richteten sich an Temora und Eluive, erbat sie Schutz vor Alatar, erbat ein Zeichen, wusste sie nicht, wer oder was sie war, nicht im Moment. Es war das erste Mal seit über einer Dekade, dass sie betete.
Der Wind peitschte die Nacht schwer an die Herberge.
Verfasst: Montag 16. Juni 2008, 18:30
von Jasmin Duran
Der Regen versiegte und doch blieb der Himmel verhangen. Der Elf ward gegangen, der ihr Schutz bot vor den Tropfen und sie nur einige Minuten nicht dem Elend des Wetters aussetzte. Schließlich ward auch er fort, die Stimme Eluives, wie sie sie nannte. Gelangte danach der Schreiber des Heeren von Reensdorf an, wie konnte sie ihn nur wirklich beachten? Ihre Gedanken waren doch stets woanders. Schwankte sie nicht zwischen Liebe und Hass, Selbstmitleid und Selbstbewusstsein? Wie war ihr, sie sprach zu ihm, wusste gar nicht mehr, wer er war, er stellte sich doch vor.
Die Fratze ward ihr im Geiste, doch auch das Antlitz des Rotschopfs. Wurde ihr nicht gestern noch gesagt, was Liebe, Freundschaft und Zuneigung seien? Das Eine ist nicht das Andere und doch sind sie nicht so anders, man "fühle" es einfach. Fühlte sie, für wen sie wie fühlte?
Ihr grünes, eng geschnürtes Kleid mit Korsett war nass dort, wo sie sich setzte nach dem Regen und nasser noch der Rest, mit dem sie im Regen stand. Ihr Weg führte sie zurück zur "Blühenden Weide" in die Obhut Lohengrins Heimat. Sie bemerkte wohl den Gardisten, doch nahm sie ihn auch wahr? Das wusste sie selbst nicht mehr, als sie Blumen in den Händen hielt, überreicht von Lohengrin.
"Ho, ist's Euer Verehrer, der um Euch wirbt? Muss aber ein prächtiger Kerl sein, der Euch auserwählt!"
Vehement verneinte sie, woher auch ein Verehrer? Sie konnte es sich nicht ausmalen und doch ahnte sie, woher dies kam. Nahm sie auch den Brief in ihre filigranen Finger und öffnete ihn, las ohne ihn linsen zu lassen. Ihre Augen rutschten von Zeile zu Zeile.
Es sei Euch gedankt Lohengrin... vielen Dank!
Jauchzend, gar hüpfend, eines ihr gar ungewohnten Ablicks entfloh sie seinem Blick und entlang des Gangs zu ihrem Gemach. Herinnen stellte sie den Strauß in den Krug mit Wasser, der sonst unberührt blieb und doch ward das Wasser stets frisch. Sie legte den Brief darnieder, klappernd zog sie den Stuhl zurück und trotz des nassen Gesäß' ließ sie sich nieder und wieder las sie Zeile für Zeile und ihre Mundwinkel hoben sich. Als die letzte Zeile ausgelesen war, schlug sie ihre Lider nieder, griff mit den filigranen Fingern den Brief und herzte ihn an ihren Brustkorb. War es nur ein Missverständnis, war es das Wetter oder Einflüsse, seien sie vergeben, doch auch vergessen?
Sie erhob sich, entkleidete sich und warf sich ihr Nachtgewand über und bettete sich. Diese Nacht sollte ruhig, doch schlaflos sein, überdachte sie das Geschehene seit jenem Punkt in Varuna, seitdem sie sich verstoßen fühlte. Traf sie doch neue Menschen, gar jemanden, der vermochte ihr Vertrauen wider jeder Annahme zu gewinnen und ihr zu erklären, was Freundschaft, Liebe und Gefühle sind. War sie wirklich zu jung und naiv, hatte sie es bis dahin nicht verstanden und falsch ihre Worte gewählt?
Diese Nacht sollte ihr Antworten geben und endgültig ihre Situation klären, ehe sie ihr Leben wieder leben kann.
Spät in der Nacht entschlief sie mit einem halben Diamanten und Milyas Brief in den Händen.
Verfasst: Sonntag 13. Juli 2008, 11:38
von Jasmin Duran
Hörte ich doch zu viele Worte ihres Streits. War es mehr, als ich in Wirklichkeit wissen wollte. Ich erfuhr das, was ich nie hätte wissen sollen. Dieser Therben, immer wann ich ihn sah, immer wann ich an ihn dachte, überkam mich ein tief sitzendes Gefühl, Hass. Es war auch nicht anders während des Zwists zwischen Milya und ihm. Jeder konnte sehen, wie er ihr weh tat und es klang nicht minder nach den tiefen Gefühlen, die verletzt wurden. Ich wusste nur mehr, ich wollte sie schützen davor. Dann? Dann empfand sie doch Mitleid oder Bedauern, jedenfalls schenkte sie ihm derlei Blicke nach ihren harschen Worten. Ich verstand nicht, gar nichts. Wandte mich ab und zog in mein kleines Kämmerchen. Die Nacht? Ich träumte, doch Alben schlichen sich hinein, wieder diese Fratze. Ich weinte. Ich sah den Mond, wie er verheißungsvoll selbst in der Nacht Schatten warf. Wie schön.
Der kommende Tag war trüb, die Sonne wollte nicht ihr Antlitz zeigen. War doch eine grausame Zeit angebrochen. Streit mit diesem Silvan. Hach, würde ich ihn und seinen Untertan doch nur loswerden können. Inoffiziell? Wohl nie. Provozieren! Aye, das wäre es. Wie ich doch sah, bedurfte es nicht mal einer Provokation, verstieß er doch von selbst gegen die Etikette und beleidigte mich, mein Haus und Familie. Irgendwann würden sie ihre gerechte Strafe erhalten - das Henkersbeil sowie das Schwert, würde der Kronrat sich ihrer in tiefster Ehrlichkeit annehmen. Dieser Streit, so auch das Rennen um die Konfliktlösung, als ich diesen Brief las. Botschafter Tilianas, pah! Was dachte sich der Truchsess nur dabei so einen Widerling einzusetzen, ekelhaft. Wie auch immer, lenkte mich dies von Milya ab, von Therben ab, doch nicht...
... davon, dass ich mein Gefolge nun länger nicht sah. Streuner? Wie ärgerten sie mich durch ihre Abwesenheit. Ich brauchte sie, sie waren nicht da, nochmals bedurfte ich ihrer Dienste und wieder nicht zu finden. Allmählich fühlte ich Zweifel, ja Zweifel an ihrer Loyalität. O wie sprachen sie doch alle davon und dann? Sie sind zu sehr beschäftigt, die Boten fanden sie nicht, konnten sie nicht rufen. Aye natürlich, sie wollen üben, üben und üben, doch wann gedenken sie dies umzusetzen? Grausam. Angst? Angst fühlte ich nicht in Bajard, nie obgleich dieser durchaus interessanten Begegnung mit "Valerie". Sie versprach sich den Künsten, ganz nach meinem Geschmack. Es gibt nichts Schöneres als Theater, Lautenspiel und andere Formen der Künste. Sie trug ja eine Laute bei sich, eine kleine. Ha, wie dankbar ich Arenvir bin und zugleich verfluche ich ihn, dass er mir offenbarte, sie sei Sephira von Tecklenstein, Statthalterin Rahals. Meine Gedanken? Ich ward ruhig, lediglich bereit mich zu verteidigen, hob ich die Stichwaffe, doch schritt ich in den sich anbahnenden Kampf nicht ein. Er sprach doch von einer Privatsache. Des Weiteren waren wir auf bajarder Grund. Beleidigungen, wie eh und je des widerwärtigen Kerls, schleimig und ekelhalt, doch auf Niveau des Pöbels. Wäre das Rotzgör nicht dabei gewesen, Luca, keine Zeugen, nur großes Bedauern des Todes Arenvirs. Schade.
Die Begegnung mit der Hochgeboren von Tecklenstein solle nicht die letzte gewesen sein, hoffte ich, doch wird die Zeit Antworten geben.
Wieder vergingen die Nächte und ich entschloss mich, Milya auf ihrem neuen Hof zu besuchen. Therben versprach sich ihr nicht mehr zu nähern, wenngleich ich ihm drohte, er würde sterben. Keinen Deut ist mein unbändiger Hass, zugleich diese Eifersucht gebändigt. Was? Hass? Eifersucht? Was mich erfüllt, erfüllte mich nie bisher und doch war es mir nie negativ aufgefallen.
Ich gelangte auf die Insel, dann zu ihrem Hof. Nein! Nicht Sebastian, dieser kleine, Adligen hassende, beleidigende, stinkende Waldbewohner. Mir wich vorab jede Freude des Besuchs, doch ihretwegen blieb ich. Was ich fühlte, weiß ich nicht mehr, woher auch, sie nahm mir alles und schenkte mir die Wärme einer Freundin, glaubte ich. Fühlte sich so Freundschaft an? Ich hoffe es, wusste ich bisher nicht, wie sie ist.
Nun verlief der Abend angenehm, vor allem als ich die 'Strafe' Milya gegenüber ableisten 'musste'. Abgesehen von den kleinen Beleidigungen seinerseits, war es ruhig. Hach na gut, ich ließ mich herab diesem Vieh die Stirn zu bieten, geistig sowieso, doch auch körperlich. Ich piekte ihm zuletzt in den Hals mit den Fingernägeln, hach, er benahm sich doch wie ein Waschweib, sprang auf und jaulte rum! Er wollte gehen, wies ich ihn auf seine Waffen hin, die er vergaß und dann? Er drohte mir, seine Waffen in den Rücken zu stecken. Mir gingen die Nerven durch, empfand ich auch für dieses Geschöpf nur mehr Abneigung, Hass, bewaffnete mich meiner Stichwaffe, er seiner Forke, doch ließ er ab und ging.
Würde die Freude darüber doch gegeben sein, strafte mich Milya mit vernichtendem Blick. Dieser Blick, die Blicke, die sie sonst aussandte ihrer Freunde gegenüber, wenn ich dabei war. Sie missstimmten mich. Dabei traf ich wieder auf einen Elfen. Diesmal war es eine Elfe, die mir Freude und Wärme schenkte, bevor ich auf Lameriast ankam. Diese Freude blieb nur mehr als Erinnerung an diesen Tag.
"Milya.. das war mein letzter Besuch... ich passe nicht zu deinen Freunden."
Damit verabschiedete ich mich, endgültig. War dies der letzte Besuch, war dies das letzte Treffen und doch war in mir eine Leere, die sich füllte, füllte mit Hass und Verbittertheit. Meine Schritte trieben mich ins Bett und abermals ins Land der Träume. Mir begegnete ein Panter.
Verfasst: Freitag 25. Juli 2008, 16:50
von Milya-Renyla Menuette
Die aufgehende Sonne kitzelte die Nasenspitze der Rothaarigen mit ihren dezenten, doch frohlockenden Strahlen. Selbst die dünnen, orange schimmernden Vorhänge konnten die Dunkelheit nicht länger im Zimmer bewahren. Der sommerliche Morgen kam mit großen Schritten und nichts würde Milya aufhalten auch diesen Tag zu genießen und nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Jede Stunde sollte die schönste Stunde in ihrem Leben sein, an jede einzelne Minute sollte man sich erinnern.
So galt es zu erst das Feld zu bestellen, die Erde zu bewässern und einige der Sträucher zurück zuschneiden. All dies sollte noch im Schatten der Morgensonne geschehen. Danach mussten die Kühe gemolken werden, die Eier und Federn eingesammelt und schließlich würde man Weizen und Körner an die Nutztiere verteilen, auf dass auch diese einen wunderschönen Tag genießen können. Natürlich würde sie an diesem Tag auch den verspielten Fohlen im Pferdegatter ihre Aufmerksamkeit zu kommen lassen: Ausbildung und Erziehung, so dass sie ihrem neuen Besitzer stets nur Freude bereiten. Danach gab es frisches Gras, Weizen und kühles Brunnenwasser. Hier und da wurden die Fohlen und Jungtiere gestriegelt und mit einigen zärtlichen Streicheleinheiten verwöhnt. Sobald all diese Selbstverständlichkeiten erledigt waren, würde sie ein weiteres Mal auf Entdeckungsreise durch Lameriast gehen. Oh, du schönes Leben!
Leicht bewegte sie die nackten Füße von einer zur anderen Seite, bevor sie dann unter einem kurzen Schaudern den kalten Parkettboden berührten. Eine Mischung aus heiß und kalt durchfuhr ihren weiblichen Körper und ließ die Erregung und Freude für diesen wunderbaren Tag nur noch steigern. Eine Steigerung ins schier Unermessliche, und doch gab es immer mehr zu erleben, mehr zu schaffen, mehr zu wünschen und mehr zu lernen. Ein jeder Tag brachte versteckte Überraschungen mit sich, und wie gerade Milya bereits wusste zog ein jeder Tag auch seine Konsequenzen, teilweise Veränderungen mit sich.
So hatte sich auch in den letzten Wochen viel verändert. Ehemalige Freunde gingen nun andere Wege und ließen Milya teilweise achtlos zurück oder hatten andere Prioritäten gesetzt, bei denen ihre rothaarige Bekannte sicherlich nicht an oberer Stelle kam. So nistete sich ihr Kätzchen zwar dann und wann auf dem Hof ein, doch ließ es sich selten blicken wenn Milya auch wirklich die Zeit und Muse für Streicheleinheiten gehabt hätte. Sebastian verschwand einige Tage in den Wäldern und hatte - so Milyas Vermutung - wohl auch eine Liebschaft, die mehr Zeit in Anspruch nahm, als jeder wohl vermutet hätte. Therben, ja, er blieb weiterhin ein Kapitel in ihrem Buch des Lebens für sich. Trat er doch kaum mehr aus Rahal heraus, kehrte seiner Liebsten selten den Rücken um eine ehemals gute Freundin zu besuchen. Einige der Tanzschüler fanden keine Zeit für ihre noch zu absolvierenden Stunden und hinterließen ihrer Lehrerin nicht einmal eine Nachricht. Und schließlich natürlich noch Jasmin, deren Verhalten jeden Tag eine Achterbahnfahrt für die rothaarige Künstlerin war. Lange konnte sie es nicht mehr nur auf das junge Alter schieben, nein, inzwischen war ihr auch bewusst, dass es wohl ein prägender Charakterzug der jungen Adligen war: Eitelkeit und Cholerik. Ob man es so nennen kann? Milya wusste es nicht und schloss doch dieses Kapitel mit diesen beiden Attributen ab. Oh du Leben bist zu schön um dich mit Belastungen wie Beschimpfungen, Streit und Unehrlichkeit zu beladen. Oh Leben, lass dich leben!
Locker band sie nun die unbändigen, schweren Locken zu einem Zopf zusammen, um einen Moment später dann auch schon die große Schürze um ihren Leib zu legen. Auf, auf! Die Sonne frohlockt, das Leben lässt verlauten: Milya, genieße. So führten sie leichte, schwebende Schritte über das Feld. Begleitet von einer herzlich, fröhlichen Melodie die sich in ihrem Kopf bildete und von den Lippen widergegeben wurde, beschritt sie einen neuen Tag voller Erlebnisse, Überraschungen und Konsequenzen.
Verfasst: Donnerstag 7. August 2008, 18:57
von Milya-Renyla Menuette
Kapitel I: Die Langeweile am Abend
Es war langweilig, zu langweilig sich den ganzen Abend in den eigenen vier Wänden aufzuhalten. Die Kühe und Hühner im Gatter schliefen und ließen nur noch vereinzelt einen Ton von sich, während die Fohlen weiterhin beinahe unermüdlich auf der Koppel tollten. Sie selber hatte das Feld zum dritten Mal an diesem Tag bestellt und saß nun auf dem Stuhl in ihrem Esszimmer. Die Augen starr auf der gegenüberliegenden Wand, welche leicht von den vielen flackernden Kerzen beleuchtet wurde und wenig Abwechslung von Minute zu Minute bot. Lediglich das Licht- und Schattenspiel der Kerzen trieb ihr den ein oder anderen interessanten Gedanken in den Kopf, ehe sich dieser aber auch schon wieder davon stahl. „Es muss doch die Möglichkeit geben ...“, murmelte sie leise zu sich, ehe sie auch schon ihren schwarzen Stab packte und sich von dem Stuhl erhob. Sie wollte nicht länger alleine die letzten Stunden des Abends verbringen, spürte sie doch, dass diese Eintönigkeit gefährlich an ihrer eigenen Kreativität nagte.
Leise quietschend schob sie das niedrige Gartentor auf, um in die kühle Nacht zu treten. Es war erstaunlich wie sehr sich die Temperatur mit dem Einzug der Dunkelheit verändern konnte. Zuvor ging sie noch mit nackten Füßen durch das Gras und erfreute sich über die wohltuende Kälte der taufrischen Grashalme, während sie nun den weiten Umhang weiter um ihren Körper zog, um sich genau dieser Kälte zu entziehen. Ein tiefer Atemzug und die frische Luft strömte unbändig in ihre Lungenflügel, es schien als würde sie dadurch zurück in das Leben gerufen werden. Die aufkommende Müdigkeit wurde gleichzeitig mit der Langeweile aus ihren Gedanken getrieben und ließ die Körperhaltung deutlich anspannen. Es war ein weiteres Mal Zeit die Insel zu erkunden, eröffneten sich doch bei jedem Spaziergang neue Ecken und Landstriche die es dringend noch zu erkunden gab um auch das Kapitel Lameriast wohlwollend abschließen zu können. Obgleich die grünen Augen in der Dunkelheit kaum etwas erkannten und die mit den Laternen beleuchtete Straße eine willkommene Hilfe darstellte, verließ die Rothaarige auch schon bald den staubigen Weg um die Füße lautlos in das hohe Gras zu setzen und sich Schritt für Schritt weiter in das Geäst der Insel vorzuwagen. Kein menschliches Geräusch drang mehr an ihr Ohr, wo doch zuvor noch das Geklapper von Geschirr aus einigen Häusern drang, war es nun nur mehr das Wachsen und Gedeihen der Natur, welches sich in ihren Hörgang schlich. Einige Nachtvögel pfiffen leise um die Wette, während sich das Knacken der Äste mit dem leisen Rauschen des Grases zu ihren Füßen vereinte. Wie sehr sie doch diese Stille und Ruhe genoss. Abseits all der gesellschaftlichen Probleme, gab es hier einen Ort der Einkehr der keine neugierigen Blicke mit sich führte. Einige scheue Rehe rannten eilig weiter in den Wald hinein, als sie den ungebetenen menschlichen Gast erblickten. Hier und da stiegen auch einige Eulen in den Himmel, um mit schaurigen Rufen dem Firmament entgegen zu streben.
Die Schritte, welche kein Ziel zu haben schienen, führten die Rothaarige weiter und weiter in den Wald hinein. Möglicherweise hatte sie bereits die Orientierung verloren, als sie zu einer größeren Lichtung kam. Die weiße Scheibe des Mondes beleuchtete einen mit Moos übersäten Platz, der scheinbar ab und zu als Schlafplatz für einige Wanderer diente. Mittig befand sich eine Feuerstelle, umgeben von einigen Kleintierknochen. Am Rande der Lichtung lagen sorgfältig aufgestapelt einige Holzscheite, um das Feuer bei Möglichkeit immer warm und aufrecht zu erhalten. Einen Moment war Milya so überrascht von diesem Anblick in freier Natur, dass sie die Gestalt am anderen Ende der Lichtung nicht wahrnahm. War sie doch auch leicht zu übersehen, wie sie dort zusammengerollt auf einem notdürftigen Bett, gefertigt aus Heu und Blättern, lag. Bedacht leise schritt die Rothaarige neugierig ein wenig näher heran, um die Person nun als Mann auszumachen. Er war gehüllt in zerrissene Kleidung, die bereits vor Dreck stand und hier und da scheinbar Nest für einige Fliegen darstellte. Sein Haar war kurz abgeschoren, hatte aber scheinbar die Farbe eines dreckigen Straßenköters. Erkennbar waren ebenso einige Stoppeln, die einen angedeuteten Vollbart darstellten. Als der strenge Geruch von Schnaps der neugierigen, jungen Frau in die Nase stieg verzog sie das Gesicht angewidert. „Bah“, stieß sie noch leise aus, ehe sie sich auch schon umwendete und einige Schritte von der Lichtung, zurück in den schützenden Wald, nehmen wollte. Das leise Rascheln hinter ihr, warnte sie nicht schnell genug, da spürte sie auch schon den harten, unbarmherzigen Griff an ihrem Oberarm: „Heda! Was hat eine hübsche Frau wie du denn hier verloren?“, klang die raue und deutlich versoffene Stimme des zuvor noch schlafenden Obdachlosen an ihr Ohr heran. Direkt und ohne großartig unfreundlich zu wirken, wollte sie ihrem Arm aus seiner Hand befreien, ehe er den Druck nochmals verstärkte und nur rau zu lachen begann: „Du meinst doch nicht, dass ich dich nun gehen lasse, einfach so? Oh, bestimmt nicht.“ Der Ekel, welcher sich zuvor nur auf Grund des Alkoholgeruches zeigte, weitete sich jetzt bei dem Gedanken an diese Person nur noch mehr aus und ließ ihr Gesicht missmutig verziehen. Es war noch keine Angst die sie spürte, mehr war es die Abscheu gegenüber diesem Mann. „Ich denke doch, der Herr. Ich wollte eure sicherlich wohl verdiente Nachtruhe nicht stören. Mehr nur war es ein Spaziergang der mich an euer Lager führte, verzeiht.“, lies sie sicher ihre melodische Stimme erklingen. Dann wagte sie es den Blick über ihre rechte Schulter zu bewegen, um das Gesicht des Mannes zu erkennen. „Nachtruhe? Ja, ruhig war es wirklich. Aber was jetzt kommt, wird um einiges schöner sein, hrm.“, erst jetzt erkannte Milya diesen undeutbaren Ausdruck in seinen blitzenden, grauen Augen. Manch' andere, erfahrene Frauen hätten diesen Ausdruck in den Augen eines Mannes sehr wohl erkannt: Es war die pure Lust. Hinzu kam, dass dieser Mann wohl nicht mehr Herr seiner Sinne war, und die Lust sich mit einer Art Wahn vereinte. So sah Milya lediglich einen wahnsinnigen, älteren Mann der sie mit purer Kraft am Oberarm hielt. Langsam aber sicher krampften sich ihre Innereien zusammen und Angst griff nach ihr. Sie war viele Kilometer von Neuhaven entfernt, keiner würde sie hören und noch dazu hielt sie nun ein Mann entschlossen fest. Ein weiterer Versuch ihren Arm auf seinem Griff zu befreien, ließ Schmerz durch genau diesen schnellen. Ruckartige drehte der Mann Milya mit einer Hand herum und drückte seinen Leib unsittlich gegen den ihren. „Komm Mädchen, versüße mir meine Nacht und ich werde dich ohne ein weiteres Wort ziehen lassen.“, gerade als er die andere Hand an ihre rechte Brust legen wollte, klangen die Alarmglocken in den so unschuldigen Gedankengängen der Rothaarigen. Rasch schnellte ihre andere Hand in die Höhe, um die breite Männerhand bei Seite zu schlagen, ein knappes aber doch direktes: „Nein!“, war ihre einzige verbale Reaktion auf sein unmanierliches Angebot. Ein raues Knurren war die Reaktion des Mannes, als er zu einem zweiten Versuch ansetzte. Verschreckt spannten sich sowohl die Gesichtszüge, als auch der Körper Milyas an. Mit einer derartigen Aufdringlichkeit wurde sie noch nie konfrontiert, so dass sie nun mehr und mehr in Panik geriet. Die sonst so ruhigen, aufgeschlossenen Augen weiteten sich jetzt und entsendeten einen gehetzten Blick zu allen Seiten. Bäume, nichts als Bäume. Selbst das Wild schien inzwischen die Flucht ergriffen zu haben. Kaum berührten seine schmutzigen Fingerkuppen ihre Brust, riss sie auch schon das Knie in die Höhe um es ihm wuchtig zwischen die Beine zu stoßen. Ein greller Schrei, verbunden mit einem darauf folgenden Gurgeln ließ die dünnen Äste im Umfeld erzittern. Abrupt ließ er von ihr ab und krümmte sich, die Hände an seine Männlichkeit drückend. „Du verdammtes, rothaariges Biest! Komm gefälligst her und verhalte dich wie eine Frau!“, er ließ einen vernichtenden Blick über Milya gleiten, bevor er auch schon wieder versuchte einige, gekrümmte Schritte nach vorne zu setzen. Kleine, bedacht gewählte Schritte führten sie näher und näher an den rettenden Wald heran. Je mehr Bäume sie umgeben würden, umso schneller würde sie ihr Heil in der Flucht finden. Doch so weit sollte es nicht kommen, mit einem mehr tierisch, als menschlichen Knurren machte er einen Satz in ihre Richtung, um sie schroff gegen den Baumstamm in ihrem Rücken zu drängen. Eine Hand ruhte noch immer in seinem Schritt, begann nun jedoch am Knopf der Hose herumzunesteln, während die zweite Hand Milya mehr und mehr an den breiten Stamm hinter ihr drückte. Gerade als sie aus purer Hilfslosigkeit heraus einen spitzen Schrei entlassen wollte, ließ er den rauen Handrücken hart gegen ihr Jochbein prallen, um einen stechenden Schmerz durch ihren Körper zu treiben. „Nun stell dich doch nicht so an, als wenn du nicht wüsstest, was nun gleich passiert.“, abermals entblößte er seine gelb-schwarzen Zähne, während er ihr dreckig entgegen grinste. Schmerz und Angst verbanden sich in ihrem Leib zu einer Kraft, die sie sich nun zu ihrem Eigen machte und mit aller Kraft gegen seinen Körper drängte. Arme, wie auch Beine wurden eingesetzt um ihn weiter und weiter von ihr wegzubewegen und kaum war der Abstand groß genug, wendete sich und umrundete den Baumstamm. Rasche, weitläufige Schritte führten sie in den dichten Wald hinein und wäre da nicht der Schrei des Mannes gewesen, welcher durch Mark und Bein ging, würde sie wohl auch jetzt noch für die Situation langsam das Weite suchen. Es schien gar als hätte sie nicht begriffen, was dieser Mann dort vor hatte und wie viel Glück sie hatte sich von ihm auf diese Art zu lösen. Doch nach diesem Schrei hastet sie so schnell ihre kleinen Füße sie tragen konnten in die entgegengesetzte Richtung, ohne zu wissen ob der Obdachlose die Verfolgung aufgenommen hatte oder nicht. Erst als sie die ersten Lichter der Siedlung wieder erkennen konnte, verlangsamte sie das Tempo nicht aber die Geschwindigkeit des Herzrasens in ihrer Brust. Der Schlag in Richtung ihres Jochbeins hatte einen großen, blauen Fleck hinterlassen der sich pochend in den weichen Gesichtszügen der Rothaarigen etablierte und dort wohl auch einige Tage verweilen würde.
Abermals quietschend öffnete sie das Gartentor ihres Herbstblatthofes, um nun schon wieder gemächlichen Schrittes auf den Vorplatz zu gehen. Einem stummen Beobachter würde sich der Eindruck aufdrängen, dass diese Person weder eine Ahnung hat was genau sie ereignet hat oder ohne Gegenwehr ihrerseits ereignet hätte. So entspannten sich die Gesichtszüge der Rothaarigen wieder und sie schien dieses Erlebnis bereits wieder bei Seite gelegt zu haben. Der Abend war nicht mehr lang und es galt sich auszuruhen.
Verfasst: Sonntag 10. August 2008, 16:05
von Milya-Renyla Menuette
Kapitel II: Traum und Realität zum Greifen nahe
Leise Schritten führten die Person zielsicher durch das kleine Haus. Leise Schritte die der Person ihr Verderben näher und näher brachten. Je nach Einfall des Mondlichts schimmert ein silberner, schmaler Dolch in der rechten Hand der Person und kündigte Unheil auf die ein oder andere Art und Weise an. Die ledernen Schuhsohlen pochten mit dumpfen, aber leisen Schritten auf den Holzboden, während die freie Hand leicht über die Wände auf der linken Seite strichen. Bloß keinen Fehltritt, kein Geräusch! Nicht jetzt und nicht hier. Die schmalen Finger, gehüllt in schwarzes Leder, ertasteten den leicht schwingenden Vorhang welcher Schlafgemach von dem dunklen Gang trennte und schoben ihn ein minimales Stück bei Seite. Arm in Arm lagen sie dort, süß anzusehen und doch konnte dem Betrachter übel werden. „Widerlich!“, spie die Gestalt im Dunkeln des Hauses aus bevor sich der schmale Leib flink durch den Spalt im Vorhang zwängte und nur wenige Schritte vor dem Bett der Liebenden verharrte um die junge Paar ein weiteres Mal zu betrachten. Sie waren nackt, gar konnte man noch den Schweiß auf ihrer Haut von der zuvor stattfindenden Liebesnacht erahnen. Die Haare beider waren ungeordnet, und liefen in feinen Strähnen sowohl auf das Kissen als auch über ihrer beider Stirn. „Ein letzter Akt in diesem Stück, meine Lieben..“, raunte die Person ein weiteres Mal heiser, dann wurde die Musterung abrupt unterbrochen. Schwarz wie die Nacht, kam ihr Unheil. Dunkel wie die Nacht, harrte ihr Unheil. Und grausam wie die Pranke eines schwarzen Panthers stach die Hand mit dem silbernen Dolch zu. Wieder und wieder bohrte sich die blanke Klinge in den männlichen und dann den weiblichen Leib. Gliedmaßen und Haut wurden wie Butter zertrennt, Innereien quollen hervor und das Blut der beiden vermischte sich in Form von Fontänen die aus den Leibern schossen. Gar schien es als würde die Person keinerlei Rücksicht nehmen, selbst als die entgeisterten Blicke der Sterbenden auf ihr ruhte und sie aus weit aufgerissenen Augen vorwurfsvoll anstarrten. Keine Rast, keine Pause, keine Schwäche – nicht jetzt. Das dunkelrote, in der Nacht beinahe schwarze, Blut rann in Strömen über die beiden bleichen Körper und schien ihre Namen für immer auf die weißen Laken schreiben zu wollen. Für die mörderische Person ein grausames und zugleich nötiges Relikt an nicht allzu vergangene Zeit. Ein kaltherziges Lachen hüllte die in Schwarz gekleidete Person ein, als sie eine rote Locke achtlos auf die beiden toten Körper der Schneiderin und des Händlers warf. Ein weiteres Mal vereinte die lange, rote Locke den Körper des Mannes, mit dem Leib der jungen Frau. „Widerlich, wirklich widerlich..“, hauchte die Person nochmals in Richtung der Toten, ehe sie lautlos und rasch das Haus im Hafenviertel Rahals verließ.
...
Keuchend stieß der angespannte Körper der Rothaarigen in die Höhe. Ihr Leib war nass und zitterte unaufhaltsam, während mehr und mehr Rinnsale des Schweißes die Laken unter ihr in Feuchtigkeit tauchten. „Was bei allen ..“, sie atmete schnell und schien sich kaum mehr kontrollieren zu können. Immer wieder krallten sich die Finger der rechten Hand in ihre Brust, knapp oberhalb des Herzens, als wolle sie so den rasenden Herzschlag kontrollieren können. Ihre Gedanken überschlugen sich und versuchten den den gar so wirren Traum zu ordnen. Wer war diese Person gewesen? War es gar sie selber? Doch woher kam die rote Haarsträhne? Die Hand glitt an ihrer Brust empor und legte sich hart auf den Mund, um einen erstickenden Schrei zu unterdrücken. Noch immer am ganzen Körper zitternd, zwang sie sich die Beine aus dem Bett zu bewegen und die Füße sicher auf den kühlen Holzboden zu stellen. Es war finster, nicht einmal das Licht des Mondes schien in ihre Räumlichkeiten, er verwehrte ihr den fahlen Lichtschein der sie sonst durch seine wunderschönen Silhouetten in den Schlaf wog. „Therben, Fräulein Green – umgebracht?“, immer wieder rief sie sich die Gedanken zurück und immer wieder kroch Übelkeit und ein beklemmendes Gefühl in ihren Körper. Es schien als würde die Verkrampfung sich nicht lösen wollen, mehr und mehr spannten sich die Muskeln in ihren Gliedern an und zerrten unaufhaltsam an ihrem Leib. Scheu und mit einer gewissen Spur von Angst glitten die weit aufgerissenen Augen durch das Schlafgemach. Kommode, Schrank und das kleine Nachtkästchen.. der Vorhang wehte leicht im lauen Nachtwind und trug immer wieder wohl bekannte Geräusche des Hofes mit sich hinein. Langsam schien sich der Atem wieder zu beruhigen, auch der Puls pendelte langsam wieder in normale Schläge ein und ließ den angespannten Körper zu Ruhe kommen. Und doch war es Milya die sich widerwillig des eigenen Körpers in die Höhe drückte. „Nein! Es war nur ein Traum, ein Hirngespinst!“, doch egal wie oft sie es sich einredete, sie konnte die grausamen, anbei laufenden Gedanken nicht gänzlich verbannen. Warum träumte sie so etwas? War es gar Realität und der Grund weswegen er nicht kam um sein Versprechen einzulösen? Die nackten Füße bewegten sich leise patschend aus dem Schlafzimmer in den Nebenraum. Auch hier stand alles an Ort und Stelle, keinerlei Ungewöhnlichkeiten die Milya auch noch den letzten Nerv rauben sollten. Ein weiteres Mal begann der nur spärlich bekleidete Körper, diesmal scheinbar auf Grund der kriechenden Kälte, zu zittern. Die kleinen Finger tasteten über ihr Jochbein und ein unbarmherziger Schmerz durchfuhr sie, der zugleich die Gedanken an den verhängnisvollen Abend im Geäst brachten. Die Fingerkuppen strichen vom Jochbein, zu den Schläfen empor, welche sie dann auch sanft zu massieren begannen: „Beruhige dich Milya, so beruhige dich doch.“, murmelte sie gleich einem meditativen Reim vor sich her.