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Die Familienartefakte

Verfasst: Dienstag 20. Mai 2008, 12:46
von Milya-Renyla Menuette
Das satte, grüne Gras schien die schlanke Gestalt regelrecht in sich aufnehmen zu wollen. Die Kelche der Blumen reckten sich schier in ihre Richtung, und immer wieder flogen Vögel nahe ihrer Beine heran. Das helle Klimpern der silbernen Glöckchen an ihrem Becken, lockte auch den ein oder anderen Blick eines vorbeigehenden, geschäftigen Händlers an. Doch länger als ein kurzer Blick kam nicht zu Stande. Eilig war das Treiben um sie herum, doch auf ihrer Insel - der grünen Wiese, abseits der staubigen Straße - herrschte Ruhe und eine Ausgeglichenheit, wie man sie ihrer Meinung kaum mehr in der heutigen Gesellschaft finden würde.

Während ihr Korsett, verziert mit vielen Rüschen und Stickereien, langsam die leichte Feuchtigkeit des Grases auf sog, betrachtete sie aufmerksam mit den grünen, matt schimmernden Augen das Pergament in ihren Händen. Alt und vergilbt war es, und ein jeder wohl hätte Angst, dass es noch in den Händen selber zu Staub zerfällt. Ihre Finger hielten es zärtlich, regelrecht besorgt und sobald ein leichter Windzug auf kam, hielt sie die zweite Hand schützend davor. Interessierten glitt der Blick wieder und wieder über das gezeichnete Artefakt hinweg. Die Hand, welche während jener Zeichnung - in den damaligen Zeiten - den Kohlestift hielt, konnte eine perfekte, gerade Linie ziehen ohne auch nur ein Anzeichen des Zitterns darin zu bergen. Von wem die Zeichnung stammt? Es war nicht nachvollziehbar, wusste man doch nicht einmal wer die drei Artefakte das erste Mal in den Händen hielt. Das feuerrote Haar, schien mit dem grünen Gras langsam eine Einheit zu bilden, sich anzuschmiegen und einzunisten. Hie' und da krabbelte ein neugieriges Insekt über die bloßen Arme, der am Boden liegenden Frau. Ehe die flinken Füßlein den klitzekleinen Körper wieder zurück in seine Welt lenkten, zurück auf den feuchten Erdboden, gut geschützt unter den hohen Halme des Wiesengrases.

"Drei Artefakte sind es, die ich wieder in unsere Tradition bringen möchte. Die Armspange, der Ring und zu guter Letzt das Medaillon an der feinen Kette", wieder und wieder glitt ihr jener Gedanke durch die Finger, und immer wieder verlor sie jeglichen Anhaltspunkt. "Die Mutter meiner Oma, sie hielt die Armspange in ihren Händen und übergab sie noch vor ihrem Tod meiner Mutter...", und dann rissen die Spuren ab. Die Armspange ging verloren während eine Auftrittes unter den großen Menschenmassen der Stadt. Und die beiden anderen Artefakte? Die Kette befand sich noch nie im Besitz der nahen Familie Milyas, niemand wusste mehr darüber, als die Zeichnungen die in den alten Büchern hinterlassen wurden. Lediglich der Ring war es, den die Großmutter stolz an ihrem kleinen Finger trug. Er wurde gestohlen und achtlos geschmolzen, um das pure Gold verkaufen zu können und wieder unter das zahlende Volk zu bringen. Selbst dieser bittere Gedanken, ließ das schier unerschütterliche Lächeln nicht aus den strahlenden Zügen der jungen Frau weichen. Sie würde sich bemühen, alle drei Geschmeide wieder in den Familienbesitz zu bringen. Irgendwann würde ihre älteste Tochter voller Stolz die Geschmeide ihrer Mutter annehmen und weiter vererben, voller Ehre und Dankbarkeit würden die Glücksbringer der Familie von Hand zu Hand gereicht werden.

Ohne die Hände als hilfreiche Stütze zu nutzen, hob Milya ihren Oberkörper aus dem Gras empor. Immer noch eilten die emsigen Händler mit ihren Fuhrwagen, oder schweren, geschulterten Rucksäcken an 'ihrer Insel' vorüber. Die Musterung der neugierigen, stets interessierten grünen Augen wurde mit nicht mehr als einem flüchtigen Seitenblick bedacht. Thancred war der ruhende Pol gewesen, den sie gestern aufgesucht hatte. Diesem meisterlichen Schmied merkte man die Unruhe der Bevölkerung nicht an, er nahm sie Zeit, hörte ihre Worte, erkannte ihr Bitten. Würde er auch durch die Handelsstraßen eilen, wie diese fleißigen Handwerker? Die untergehende Sonne, ließ die eingeflochtenen, goldenen Fädchen in dem feuerroten Haar aufglimmen und mehr Blicke wurden dem jungen Mädchen, in dem hohen Gras entgegen gebracht. Gierige Blicke, neugierige Blicke, lüsterne Blicke - was hatte sie nicht schon alles erlebt.

Das Geschmeide wurde geschaffen aus reinem Gold, reines Gold welches schmale Fädchen zu einer Spirale verlaufen ließ. An den etwas dickeren Stellen, wurden mit feinen Meißeln Schriftzeichen aus einer unbekannten Zeit, aus einem unbekannten Land eingraviert. Es schien als würde sich dieses familiäre Artefakt den Armen des Trägers anschmiegen, regelrecht eine unlösbare Vereinigung eingehen. "Ein jedes Artefakt trägt nicht selten einen besonderen Namen, meinte er. Lebensspirale? Ja, vielleicht hätte es diesen Namen auch verdient. Doch es sind schlicht die Glücksbringer unserer Familie." Fetzen des Handelsgespräches drängten sich zurück in ihr Bewusstsein. Er hatte sie verstanden, das fühlte sie. Ob er wohl ähnliche Dinge besaß, die ihm einst Familienangehörige hinterließen? Wer sonst würde ein derartiges Anliegen verstehen können und ihren Wunsch in die Tat umsetzen?

Die Reproduktion der Artefakte lag in besonderen Händen, sie lag in den Händen des meisterlichen Schmiedes mit dem größten Herzen, das Milya seit ihrer Ankunft in den Gefilden, kennenlernte: Thancred.

Verfasst: Dienstag 20. Mai 2008, 21:26
von Thancred
flackernd blakte das Talglicht und ließ Falten und Knitter des alten Pergamentes zu einer fiktiven Berglandschaft werden mit scharfen Schlagschatten,... lichtbeschienenen Hängen und vielgestaldten Tälern,..
doch kein Baum , kein Strauch wuchs dort auf jenem Land,.. nein!
Von feinem Graphitstift gezogen, der bald kaum mehr als zu erahnen war, wanden sich Linien über Berg und Tal. Jene verbanden sich zu einander umtanzenden Spiralen; mal breiter und mal schmäler werdend, wie einer unhörbaren längst vergessenen Melodei wohl folgend und sich in ihrem spiele windend.

.... Jährlanc will diu Linden .. sich winden,.. unt wäh-helven..

brummte der alte Zausel eine Waise, und sann Stund um Stund beim Schein der Lichter über der Zeichnung die ihm diese quirlige und dann doch wieder ernsthafte Person übergeben hatte,..
eine Geschmeidespange wars das sie begehrte.. aye wohl !
und da trafs sich gradwohl dass er just zu dieser Zeit seine eingerosteten Knochen wieder einmal in minniglichem Tanze üben wollte,.. auf dass er nicht allzusehr wie ein Tölpel daherkam auf der Hochzeit,..
der Sternenebel würde die Braut wohl in aller Munde bringen Luciana und Alliestra,.. und ja ein alter Zausel die brachten mit deres Bähren hülf doch ab und zu etwas zuwege,..und des Bären Wohlwollen würd auch dieses Stück wohl brauchen,.. verwoben war diese Spange beweglich in sich und doch mit Gravuren in seltsamer Schrift versehen die er nicht kannte,..
was jene Glyphen wohl bedeuten?,
Das wusst nicht einmal das junge Feuerhaar zu sagen.
Haarfein gesponnen und umschlungen waren die einzelnen Drähte, die sich gegenseitig umwanden, aus der Ferne besehen gar wie ein Schlangenlaib wirkten und glitzerten. Auf den grössren Schuppen jene Zeichen tragend.
er versuchte einige Webspiele mit dem goldnen Draht, doch das Ergebnis war nicht steif genug, sich um einen zarten Arm zu legen und zu halten.. etwas fehlt.... etwas habe ich übersehen.. wo steckt des Bären Kern

KERN !

bei Cirmias !



Nicht allein ! Ha ! Nicht allein !

die ganze Zeit hatt er das Lied gesummt


kein Lied ohne takt,.... kein lied ohne melodei
umtanzend braucht das eine des andren Nähe
allein ist beides schal und leer,..
doch mitsammen mehr
als das mere Aug erspähe


Eifer überkahm ihn nun, und mal zufrieden brummend, mal hinterhältig knurrend,..fertigte er eine Kette von elyptischen Perlen welche jedoch
sogleich versteckt wurden ,.. umsponnen in dem Kokon der Goldfäden
unsichtbar, doch diesen zu Stand und Richtung verhelfend nur dei grössten dieser Elypsoide.. oder waren es Eier? umwob er nicht ganz
nein einer Eingebung folgend trugen diese nun die Plaketten der Symbole
und waren Stütze im verborgenen,.. umwoben und doch frei, sichtbar und umhüllt in Einem,...wer diese Geschmeide ersann... war ein Fuchs
DAS WOHL !
erschallte es in den frühen Morgenstunden aus der Werkstatt

Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 18:55
von Milya-Renyla Menuette
Der Kohlestift glitt wie verständlich über das Papier, jede Linie, jede noch so kleine Windung erschloss sich ihr aus unerklärbaren Gründen bis in das letzte Detail. Wirbel, böenartige Spiralen, Wellenlinien und noch unerklärbare Zeichen liefen in filigranen, feinen Linien über die goldene Armspange. Am Rand dieser Spange waren alle mit einer schlichten, geraden Linie verbunden. Es gab nur ein Zeichen, welches sich mit einem anderen überschnitt und eines der unbekannten Symbole überdeckte. Wie nur konnte sie die Gravuren in jeglicher Finesse wissen, ohne je diese Spange in den eigenen Händen gehalten zu haben?

Der Schmied schien recht fasziniert von den Zeichnungen der Rothaarigen zu sein, so dass seine Augen mit einem stetigen Murren immer wieder die Zeichen und Symbole betrachtete. Seine zu lobende Arbeit war beinahe vollständig, doch gab er offen zu, Probleme mit den fremdartigen Emblemen zu haben - so schien es auch ihr, als er die Frage stellte ob sie diese Zeichen nicht malen können. Doch die Inution, verlieh ihr eine Sicherheit .. die Sicherheit gab ihr das Wissen und plötzlich wusste sie: Die Zeichen der Armspange erschlossen sich ihr in Form, Anordnung und Gestalt.

War es ein Gefühl der familiären Liebe und Geborgenheit was sich in ihre Brust schlich als sie die grünen Augen neugierig über die Spange wandern ließ? Mit Sicherheit ging eine Art Vertrauen von diesem Familienartefakt aus, bald schon würde es sich wieder in den Händen der Familie Menuette befinden. Der erste Glücksbringer, der drei ständigen Begleiter. Einen Wochenumlauf und die unbesorgten Schritte der jungen, rothaarigen Frau würden begleitet werden von dem ersten Teil der familiären Amulette.

Die flackernde, brodelnde Esse in der Schmiede Berchgards ließ beinahe zeitgleich die feinen, goldenen Fädchen in ihrem Haar mit dem puren Gold der Armspange aufschimmern - Verbundenheit, im tiefsten Inneren der eigenen Seele..

Verfasst: Sonntag 8. Juni 2008, 16:11
von Thancred
lange Zeit hatte er sich in der Werkstatt vergraben,.. keinen anden Auftrag angenommen und war kaum zum Essen heraufgekommen, seltsam verschlungen waren diese Zeichen die ihm diese junge, quirlige Frau aufgezeichnet hatte, wo er vermutete dass zwei der Symbole verbunden waren,.. so genau war das auf jenem, von der Zeit vergilbten Pergament
nicht mehr ersichtlich wusste sie wohl deren drei teilweise anmutig sich einander umschlingend aufzuzeichnen.
Kreischend und zirpend tat der Diamantgriffel seine Arbeit, und sang leise, doch deswegen nicht weniger eindringlich das Loblied des Gottes der Handwerker, geführt von der pratzenartigen, für solch feines Werkzeug viel zu gross erscheinenden Hand des Schmiedes, in der es bis auf eine kleine funkelnde Spitze beinah verschwand, doch jene Spitze war es, die umflochten und umwoben, Linien und Muster auf die Plaketten der Spange sang. sie ins gold grub und dabei Schneeflocken aus lichtfunkeln gebar, die bald wie ein feiner teppich von Staub zu Füssen und am Tisch des Zausels lagen.
Was sie wohl bedeuten jene Zeichen und Symbole?
das konnt ihm die Rothaarige auch nicht sagen,
oder wollte sie es nicht?
Soche Gedanken gingen im Kopf des Schmiedes um in jenen Stunden
"Sie haben meiner Familie immer Glück gebracht..."
und doch gingen jene Stücke verloren, nun, er beschloss es in Cirmias Hand zu legen... würde sein Können ausreichen jenes Stück zu vollenden?