Seite 1 von 1
Manchmal kommt es anders als man denkt
Verfasst: Sonntag 18. Mai 2008, 17:25
von Rivkah Yazir
Leise musste sie lachen als der Käfer immer wieder auf den Rücken zurück rutschte obwohl er sich sichtlich bemühte. Vorsichtig wurde die Hand ausgestreckt um dem kleinen Kerl zu helfen. Seine Füße kitzelten auf ihrem Finger und als er erbost mit den Fühlern wackelte, nachdem er wieder festen Stand hatte, musste sie erneut auflachen. Aiwa, ihre Tage waren zur Zeit wahrlich wechselhaft. Himmelhochjauchzend und voller Sorge würde es vermutlich treffen. Manchmal machte man sich das Leben wirklich schwierig. Aufmerksam huschte der Blick zur Seite und an dem Festländer empor. Wie lange stand er da schon und gaffte? Verärgert zog sie die feinen Brauen zusammen und murmelte etwas auf Menekanisch in sich hinein ehe sie sich zu ganzer Größe aufrichtete und ihn mit einem freundlichen Lächeln willkommen hieß. Handel war etwas erfrischendes wenngleich er die Tage seltsame Formen bekleidete.
Rasch vergingen die kommenden Stunden zwischen Kleidern, Kleidern und noch mehr Kleidern. Eigentlich war es recht amüsant etwas passendes zusammen zu stellen und zu sehen wie es an ihm wirkte. Offenbar zufrieden verabschiedete er sich sodann. Rivkah selbst begann damit die restlichen Muster und Kleider wieder zu versorgen und mit jedem Handgriff verblasste das Lächeln. Am gestrigen Abend war sie fortgelaufen, erschrocken über all das was hätte passieren können. Ob sie wohl..? Neda! Denk nicht einmal daran! Energisch schärfte sie sich die Worte wieder und wieder ein. Diese Entscheidung lag nicht bei ihr und in wie weit man den eigenen Fadrim um den Finger wickeln konnte würde sich zeigen. Zumindest Raniya schien sehr überzeugt das ihr dies mühelos gelang. Hatten seine Worte noch bestand? Würde sie selbst wählen dürfen oder würde die Abneigung gegen die Yazir ein Versprechen brechen lassen.
Unruhig sah sie sich um. So zumindest würde es kein Ende nehmen. Vielleicht sollte sie ein weiteres Schreiben senden. Aiwa, es wäre eine Möglichkeit. Vorerst jedoch musste sie sich mit diesen Datteln befassen. So weit war es also schon das sie die Shoka bestochen hatte um gewisse Dinge im Verborgenen zu lassen. Im Grunde wäre es unnötig gewesen wenn sie nicht gewisse Worte angemerkt hätte. So oder so... es gab derweil keine schlimmere Vorstellung als viele kleine Shoka's die in der eigenen Familie großgezogen wurden. Brrr, neda das würden selbst ihre Nerven nicht verkraften. Drei volle Schüsseln wurden pünktlich abgeliefert und Amira's Grinsen sprach wahre Bände. Rivkah selbst musste breit Grinsen bei dem Ausdruck der folgte als die Schüsseln übergeben wurden. Wenn nur jeder so einfach zufrieden zu stellen wäre. Bereits auf dem Weg nach Hause schwand ihr Lächeln und sie beschloss sich dem Schrieb direkt anzunehmen.
Salam geliebter Fadrim,
vieles geschah die Tage jenes deine Aufmerksamkeit haben sollte. So mögest du dich eingeladen fühlen zu einem Essen bei mir. Sicherlich finden sich hier die richtigen Worte um die Sorge von deinem Herzen abzuwenden.
Mögest du stets Wasser und Schatten finden.
Rivkah
Bewusst wurden die wenigen Zeilen im Haus des Bruders zurück gelassen. Er würde sie finden sobald er am Tisch vorbei kommen sollte. Ein wenig erleichtert hoben sich ihre Mundwinkel unter den Schleiern an und sie wandte sich der Türe zu. Unbewusst wurde hierbei ein Brief verloren der nur für ihre Augen bestimmt war. Natürlich hatte sie die Zeilen bei sich getragen, gut verborgen in einer Tasche nahe ihres Herzens. Nun jedoch fanden sie sich unbeachtet auf dem Boden in Fuad's Haus vor dessen Türe wieder. Rivkah schloss die Türen ohne zurück zu blicken und eilte in südöstlicher Richtung davon. Vielleicht war es gut noch einmal mit der Shoka zu sprechen.
Verfasst: Freitag 23. Mai 2008, 13:35
von Rivkah Yazir
Unauffindbar war die Shoka an diesem Abend. Nach Hause eilend beschloss die junge Menekanerin sich erst einmal etwas zu Essen zu machen und schob nach der Vorbereitung einen würzigen Braten in den Ofen. Ziegenkäse, scharfe Gewürze und als Beilage die mehligen Fladen der Insel. Gerade als sie den Braten nach der Garzeit aus dem Ofen holen wollte pochte es so sehr an der Türe das sie zusammenfuhr. Sorgsam wurden die Schleier vor das Gesicht gezupft ehe sie die Türe öffnete und in zwei rehbraune Augen blickte. Kurz sah man sich an dann trat er auch schon in das Haus und hielt ihr mit ausgestrecktem Arm einen Brief unter die Nase.
Nun nimm ihn schon!
Diese Worte holten sie ein wenig unsanft in die Wirklichkeit zurück und hastig nahm sie den Brief an sich. Wie ein kostbarer Schatz wurde er eilig wieder bei sich verstaut. Wohl hat sie aus dem gerade offen gelegten Fehler noch nicht gelernt oder aber die Zeilen erschienen einfach zu kostbar. Lange blieb ihr nicht darüber nachzudenken denn die Stimme des Bruders verlangte ihre Aufmerksamkeit. Nachdem er seine Feststellungen bekundet hatte ließ er sich gerne zum Essen einladen. Ihr Abendessen aufteilend würde es sicherlich für die Geschwister reichen. Sonderlich zu schmecken schien es der jungen Menekanerin allerdings nicht. Das Gespräch verlegte sich von etwaigen, anstehenden Verpflichtungen die noch zu besiegeln oder zu ignorieren waren auf ein wesentlich unangenehmeres Thema.
Bald schon entbrannte hierbei ein heftiger Streit. Energisch legte sie ihm da wie er sie bei seinem Versuch der Hilfe darstellte und prallte gegen eine große, dicke Mauer. Es spitzte sich zu die Worte wurden lauter und im Zorn wagte sie als Frau dem Mann entgegen zu halten. Schneidend wurde ihr das Wort verboten und mit wachsenden Zorn sah sich durch ihren Fadrim hindurch dem Vortrag folgend. Es gehörte viel dazu die junge Menekanerin zu reizen. In ihrer Vergangenheit hatte sie zuviel schmerzliches erlebt um sich nun in der richtigen Gesellschaft einfach gehen zu lassen. Obwohl er die Ohrfeige in diesem Moment verdient hätte ballte sie lediglich die Hände zu Fäusten und bemerkte hierbei nicht einmal das die Fingernägel in die Haut schnitten. Endlich war er zu Ende und gestattete ihr zu sprechen. Tief Luft holend war sie ihm einiges an den Kopf.
Warum rennst du dann zu ihr? Glaubst du ich sei nicht fähig mich dem anzunehmen - oder würde mir zu lange Zeit lassen das Herz des Erhabenen zu erfreuen? Warum fragst du sie wenn sie es doch nicht wissen konnte da wir uns erst später trafen – warum also?
Im Heer hilft man sich gegenseitig....
Hierbei bekam sie die restlichen Worte nur unzureichend mit. Sie war nicht im Heer und gab der Leidenschaft der Ifrey's nur selten nach um sich mit ihrer Armbrust davon zu stehlen. Verstand er denn nicht wie sehr er sie mit diesem Verhalten kränkte? Ganz zu schweigen von seinem Verhalten gegenüber der Esra. Aiwa, sie war beschämt – schämte sich für ihr eigen Fleisch und Blut und noch mehr für sich selbst. Sollte sie ihm nicht Freude schenken und ihn stolz machen? Glaubte er wirklich das sie nicht konnte was man ihr auferlegt hatte? Die Enttäuschung nagte an ihr und in einem Gefühlstumult mit dem sie bisher nie etwas zu tun hatte stürzte sie aus dem Haus. Was sollte es ändern wenn er ohnehin so zu denken schien. Sollte sie sich weiter anhören das alle Frauen gleich seien, sich gegen ihn verschworen hatten? Neda! Besser erschien es ihr dem Ganzen aus dem Weg zu gehen.
Im Harem sank sie an der Wand herunter und kauerte sich eng in den Schatten. Fest umschlangen die Arme ihre an sich gezogenen Beine während die Stirn auf den Knien ruhte. In sicherer Einsamkeit hielt sie die Tränen nicht zurück und verbrachte Stunden mit den quälenden Fragen. Erst als der Tag anbrach massierte sie sich die schmerzenden Glieder und schnappte sich ein unfertiges Hemd. Stunden zogen sich dahin der Morgen wich dem Mittag und sie verlegte ihre Arbeit in das Kontor. Amira gesellte sich dazu und holte sich ihr Mus ab. Worte wurden gewechselt, sie erzählte irgendetwas von einem Troll und noch immer hielt Rivkah selbst den Blick auf ihr Hemd gesenkt. Nähte wurden aufgetrennt.... Nähte wurden doppelt gesetzt sie schaffte es an den falschen Stellen den Stoff zusammen zu bringen und bemerkte es nicht einmal. Irgendwann sie hatte irgendetwas gesagt traf sie aus heiterem Himmel ein Schwall eiskaltes Wasser. Ohne nachzudenken griff sie nach der nächstbesten Schüssel und bedankte sich indem sie das Mus über dem Kopf der Shoka verteilte.
Während sich die Frauen anstarrten wurde ihr klar was sie hier soeben angerichtet hatte und hastigt hörte man sie blumige Entschuldigungen stammeln. Amira war fassungslos und hakte nach was bei Eluive sie denn so sehr ablenken würde. Der Wortschwall nahm kein Ende und Rivkah hörte auch schon lange nicht mehr zu. Schließlich konnte sie mit Nadel und Faden umgehen – zumindest das bekam sie hin! Energisch wurde zum dritten Mal eine Naht an der selben Stelle angebracht dann zog die Shoka sie unsanft hoch. Mit festem Griff am Arm würden sicherlich einige Flecke zurückbleiben und ohne sich zu wehren ließ die Schneiderin es über sich ergehen.
Was hatte Amira gesagt? Sie wolle einen Troll einladen?
Ich ertränke dich im Meer!
Heee! Ich habe zu arbeiten!
Mit einem verblüfften, unwissenden Blick stemmte sie sich erfolglos gegen den Griff und wurde nach einem lautstarken Gerangel einfach weiter gezogen. Noch immer hatte sie keine Ahnung worüber die Shoka gesprochen hatte und schließlich knallte man einer Menekanerin nicht einfach eiskaltes Wasser in das Gesicht. Sich keiner Schuld bewusst ging es recht hitzig die Straße entlang... und dem Meer entgegen.
Verfasst: Sonntag 25. Mai 2008, 16:51
von Amira
Sie hätte sich ebenso mit einem Lama unterhalten können, es hätte wohl kaum einen Unterschied gemacht. Rivkah war mit ihren Gedanken an einem anderen Ort, sie bekam nicht einmal mit das sie das Hemd, an welchem sie nähte, völlig verunstaltete.
Selbst auf ihr drängen hin gab sie nicht mehr preis, außer ein paar kurzen und wirren Antworten.
Sie hörte ihr kein Stück weit zu. Ihre Worte schienen nicht bis zu ihr vor zu dringen.
Vielleicht half es ja wenn sie versuchte Rivkah in die Wirklichkeit zurück zu holen – so zumindest war ihr Plan gewesen. Mit der Reaktion auf den schwall Wasser, den sie Rivkah in das Gesicht schüttete, hatte sie jedoch nicht gerechnet. Noch ehe sie überhaupt reagieren konnte fand sich eine ganze Schüssel Dattelmus über ihrem Kopf wieder.
Es dauerte eine Weile ehe Rivkah begriff was sie soeben getan hatte, der Schrecken stand ihr in das Gesicht geschrieben.
Noch ehe sie sich versah, wurde Rivkah am Arm ergriffen und auf die Füße gezogen.
Amira hatte nicht erwartet, das der Weg bis zum Meer so lang sein konnte. Rivkah stemmte sich zwischenzeitlich immer wieder gegen sie. Meist jedoch genügt ein kräftiger Ruck um sie weiter voran zu treiben.
Zwar wollte sie Rivkah nicht wirklich ertränken, aber vielleicht würde der schrecken allein genügen, wenn sie sie vom Steg stieß.
Eluive schien ihr an diesem Tag jedoch nicht hold zu sein.
Zeternd und Streitend schlugen sich die beiden durch die Straßen, doch als sie Rivkah in einem weiteren Anflug von Zorn vorwarf sie hätte das Dattelmus versalzen, schien sogar sie es begriffen zu haben. Es gelang ihr sich loszureißen und einen Wimpernschlag später war sie auch schon los gerannt.
Gefolgt von einer aus sich geratenen Amira, die sich fluchend auf den Weg machte um sie wieder einzufangen...
Verfasst: Montag 26. Mai 2008, 07:50
von Fuad Ifrey
Verschworen hatten sie sich... Allesamt gegen ihn...
Und würde der gestandene Mann nichts unternehmen würde er vor seinem Bezwinger knien müssen.
In diesen Tage wäre ihm jeder Kampf gegen einen anderen Krieger, als der Kampf, welche unverhofft aus heiterem Himmel sich auf Menek'ur entwickelte.
Aus Fuads sicht war es einfach. Die Frauen lehnten sich auf.
Im guten wollte er sein zu Tun schenken, um die Erwägungen Menek'urs voran zu bringen.
Mit mildem Lächeln, sich den gesitteten Bitten Fuads widersetzend und dem aufwiegeln anderer Frauen fühlte sich der Janitschar mehr und mehr, wie ein wildes Tier, in die Ecke gedrängt.
Doch was macht ein Wildes Tier.
Keinesfalls würde jener Ifrey zulassen, dass man ihm in der Ecke den Gnadenstoß schenkt. Fuad würde von seinem Standpunkt in all den Vorfällen, die dieser Tage auf Menek'ur sein Unwesen treiben, nicht nachgeben.
Schmerzlich sah er den Verlauf seines Handelns.
Und gestand er sich dennoch, dass der größte Verlust, jener Verlust der stets zweifelsfreien Liebe und das zweifelsfreie Vertrauen zwischen ihm und seiner geliebten Schwester, ihm mehr bebwegte als er nach außen zugeben kann.
Er hoffte innig, dass all dies am besten im Stillen wieder abklingt...
Verfasst: Mittwoch 28. Mai 2008, 15:45
von Rivkah Yazir
Unsanft zog sich ihr Magen bei dem schmerzlichen Stich zusammen den Amira's Worte hervorriefen. Wütend hatte sie sich dem Griff entwunden und war ihr flink davon gelaufen. Die Shoka erschien etwas langsam doch kam es der jungen Menekanerin nur zu Gute. Rivkah hatte nicht vor sich fangen zu lassen und schneller als man sich umsehen konnte war sie um drei Häuserecken verschwunden und floh buchstäblich über die Dächer der Stadt. Jeder Wüstendieb hätte der Flinkheit einen bewundernden Blick geschenkt und schließlich versteckte sie sich an einem Ort an dem man sie kaum erwarten würde. Zwischen zwei Säulen auf dem Kasernenplatz kauerte sie im Schatten und war für flüchtige Beobachter nicht einmal auszumachen.
Selbst hier konnte man Amiras Gezeter noch hören. Einmal schien sie sogar ganz in der Nähe und schrie in die Stadt hinaus das sie die Flüchtige nun nicht nur ertränken, sondern sie auch im Sand eingraben würde. Hatten denn die Tage alle zuviel Sonne abbekommen? Seufzend ruhte die Stirn auf den fest umschlungenen Knien. Sie wollte nichts hören, nichts sehen und im Grunde wünschte sie sich gerade weit fort. Es war das erste Mal seit sie in der Sicherheit der Stadt verweilte das sie sich in die Wüste zurück wünschte. Erschrocken verwarf sie den Gedanken wieder. Bei Eluive! Sie sollte der Göttin auf Knien danken das sie nicht länger die Grausamkeiten einer Sklavin erdulden musste. Hatten die Monate in der Stadt sie denn so sehr vergessen lassen? Aiwa, sie war gewachsen doch vielleicht in eine Richtung die ihrem Fadrim bedrohlich erschien. Dabei waren sie sich ähnlicher als es beide derweil erfassten.
Seufzend schob sie sich am Pfosten hoch und klopfte den feinen Sand von den Kleidern. Lauschend wurde der Kopf zur Seite geneigt dann flüchtete sie in die Sicherheit des Harems. Dort im Garten des Erhabenen fand sie endlich die Zeit in aller Ruhe nachzudenken. Amira schien eine böse, böse Frau zu sein die nun ihr wahres Gesicht zeigte. Hatte ihr Fadrim recht – mit allem? Neda! Auch er war die Tage wie ein verstocktes Lama. Stur, stolz und darauf bedacht alles richtig zu machen. Mit einem leisen Laut des Erschreckens schlug sie die Hände vor die Lippen und senkte den Kopf ab als hätte sie die Gedanken ausgesprochen. Hier nun wurde ihr klar das sie ihm nicht länger blind vertraute, ihn nicht länger lieben konnte ohne das diese Liebe von dem Gedanken der Enttäuschung überschattet wurde. Er trieb sie in eine Richtung und sie floh. Dummerweise war es recht erfolglos vor einem Mann wie Fuad zu fliehen denn er konnte seine Schritte nahezu in jede Richtung lenken die ihm in den Sinn kam. Tage später war es die Esra die ihr andere Möglichkeiten aufzeigte. Gerade noch war sie davon gelaufen, das zweite mal die Tage, diesmal jedoch aus einem ganz anderen Grund.
Aber ich will ihn nicht sehen!
Das musst du auch nicht, hör zu... es gibt viele Wege jemanden nicht zu sehen. Wenn...
Eine ganze Weile tauschten sich die Frauen aus und in ihren Ohren klangen die Worte zwar einleuchtend in Bezug auf ihren Fadrim aber gänzlich falsch. Sollte es wirklich so enden? Es gehörte sich nicht Andere an derlei Familienangelegenheiten teilhaben zu lassen. Im Grunde waren sie so verboten wie der Grund selbst, man sollte nicht darüber sprechen. Dennoch öffnete sie zwei Menschen ihr Herz. Sprach davon wie es für war und wie sie die Dinge sah ohne das sie jene Worte bislang dem eigenen Fleisch und Blut gegenüber heraus brachte. Weitere Tage verstrichen in denen sich die Geschwister nicht über den Weg liefen. War es Zufall oder mieden beide jene Orte an denen man Gefahr laufen konnte einander zu begegnen? Sicher war sich die junge Menekanerin hier nicht. Wahrlich hatte sie sich genug aufgehalst und die einzige Entscheidung getroffen die man stillschweigend hinnehmen würde. Hier würde sie sich fügen und ihm geben was er haben wollte.
Ob es sie hierbei innerlich zerriss und sie dem Kommenden mit mehr als Sorge entgegen sah schien kaum jemand zu bemerken. Sie tat ihre Arbeit, lächelte wie man es gewohnt war und begegnete den Menschen wie man es erwarten würde. Nach einigen Tagen der Übung gelang es ihr als wäre nie etwas gewesen. Einzig der junge Menekaner der bei ihrer Familie um sie gebeten hatte war wie Balsam in diesem ganzen Durcheinander. Er brachte sie zum Lachen und ließ die dunklen Augen vor Glück strahlen. Am Abend jedoch, wenn sie alleine war fand sie kaum Schlaf. Zu sehr wog all das was am Tage keinen Platz finden durfte.
Verfasst: Sonntag 29. Juni 2008, 07:21
von Rivkah Yazir
Tage verstrichen und sie war nicht sie selbst. Ganz gegen ihre Art zeigte sie eine Beharrlichkeit die im Sinne des Zweckes unangenehm ankreidete. Die Geschwister übten sich derweil in der Schauspielkunst und legten in der Öffentlichkeit ein säuselndes Geplänkel zu Tage das bestenfalls diesen komischen Festländer zu täuschen wusste. Innerlich jedoch war sie noch immer mit der Enttäuschung zu Gange und strafte Fuad mit dem was sie erst kürzlich erfahren hatte.
...du kannst jemanden ansehen ohne ihn wirklich zu sehen. ...
...Blicke können schlimmer sein als jede Waffe und tiefer gehen als jede Wunde – vergiss das nicht...
Aiwa sie war aufmerksam gewesen. Sehr aufmerksam und es gab ihr eine Möglichkeit dem eigenen Kopf zu folgen ohne den Stolz zu kränken der sie hinderte. Er jedoch fand die Lösung nicht, wollte seinen Fehler nicht sehen und dann... dann war er verschwunden. Tage strichen dahin, niemand wusste etwas über den Verbleib und sie fragte sich ob die Zeit des Auftrages gekommen war von dem er vor geraumer Zeit gesprochen hatte. Ein Auftrag der sie unweigerlich trennen würde denn dorthin konnte sie ihm nicht folgen. Wie ein Tier im Käfig tigerte sie durch den Palast, das Kontor und über den Basar. Lauschte an Ecken und verbliebt im Schatten um gierig etwaige Gesprächsfetzen aufzuschnappen die auf irgendetwas hindeuten könnte. Hmpf, nichts neda nicht einmal eine Ahnung. Langsam aber sicher siegte die Sorge über den Stolz.
Noch immer schlief sie schlecht und wenig, hatte etwas von der sehnigen Geschmeidigkeit verloren die sie als Tänzerin erlangt hatte und war mager. Doch die andere Seite der Münze war schillernd, voller Fröhlichkeit, Akzeptanz und Hoffnung. Hier und da war sie im Auftrag des Kontors unterwegs und schloss die ersten, eigenen Handelsbeziehungen mit verschiedenen Höfen ab. Irgendwie war es seltsam über dieses feste Gras zu laufen wenn man den Sand der Wüste gewohnt war. Gleichzeitig war es auch eine schrecklich dreckige Angelegenheit. Zu dem Leid ihres Begleiters war begeistert in die erste schlammige Pfütze gestampft worden die sie in ihrem Leben gesehen hatte. Spritzend war der Schlamm bis hoch zum Knie auf den weiten Kleidern gelandet von dem schmatzenden Geräusch das die Stiefel die nächste Stunde verursachten ganz zu schweigen. Schnell musste sie feststellen das man diesen Dreck nicht einfach wie Sand abklopfen konnte. Neda, dieses Ekelzeugs haftete überraschend gut und sie musste an Khalidas Worte zurück denken. Zurück auf Menek'Ur wurden die Handelsabkommen verzeichnet und schließlich war wieder einmal erledigt was erledigt werden musste und sie verharrte einen Moment.
Unweigerlich begann sie nachzudenken und wurde aus den Gedanken heraus an ihre Vergangenheit erinnert. Bilder tauchten vor ihrem inneren Auge auf und ließen sie sichtlich Schaudern. Oftmals wurde die Luft angehalten sie sah sich hastig um und flüchtete an Orte die viel Licht oder Gesellschaft boten. Tage schlug sie sich damit herum wurde gründlich daran erinnert was sie einst hatte, verloren hatte und schließlich wieder fand. Wollte sie dies wirklich ihrem Stolz und Starrsinn opfern? Was wog mehr? Zu wissen das man im Recht war und darauf zu pochen um das Gefühl bestätigt zu haben welches man vermisste oder zu wissen das man im Recht war und darauf zu verzichten um nicht zu verlieren was einem wichtig war. Nach weiteren Tagen siegte endlich der ausgeprägte Familiensinn und sie hatte sich entschieden. Schließlich wusste sie es an anderen Stellen bestätigt womit es nur der Ehrgeiz war der es auch vom eigenen Fadrim gehört haben wollte. Dafür gab man nicht auf was man so lange vermissen musste – soviel hatte sie die Tage gelernt. Dummerweise jedoch blieb der Mann den sie so lange nicht hatte treffen wollen verschwunden. Woher sollte er auch wissen das sich etwas geändert hatte?
Wochen strichen dahin ohne das die innere Unruhe nachgelassen hätte. Wenn ihm etwas passiert war hätte sie es dann nicht wissen müssen? Irgendein inneres Gefühl das ihr sagte es war etwas nicht in Ordnung? Sagte man nicht das sei so wenn derjenige einem nahe stand? Fragen über Fragen die sich immer wieder einmal ablenkend einschlichen und energisch wieder verdrängt wurden. Wahrlich Geduld war nicht ihre Stärke, ganz und gar nicht. Dann endlich stand er vor ihr. Vollkommen unvermittelt um sich in ein Gespräch einzubringen das sie mit einem ihrer Cousins gerade geführt hatte. Zufrieden wusste sie die Nähe zu genießen die der Platz neben ihr mit sich brachte und war dem Cousin einen dankbaren Blick zu als er sie alleine ließ. Vermutlich hatte ihr geliebter Fadrim die folgende Entschuldigung eher von einem Lama erwartet als von ihr. Lange saßen sie zusammen, sprachen endlich miteinander um sich dann an diesem öffentlichen Platz einige, lange Momente in den Armen zu liegen. Es tat gut und es war ihr gleichgültig was sie dafür geopfert hatte denn in diesem Moment wäre es alles wert gewesen. Warum nur hatte es nicht anhalten können? Krieg, aiwa – für den Emir. Jegliche Abneigung dagegen käme einem Zweifel gleich und somit blieb es die folgenden Bekundungen tapfer zu ertragen. Wie viele andere Menekanerinnern würde sie für jene die ihr am Herzen lagen zu Eluive beten und hoffen alle wieder wohlauf zu erblicken – ganz so wie es sein sollte.
Verfasst: Sonntag 29. Juni 2008, 10:46
von Fuad Ifrey
Sichtlich genoss Fuad den Augenblick des Wiedersehens.
Der Erhabene machte ihm ein schmerzliches Geschenk.
Er gewährte Zeit für den Abschied. Schon lange deutete Aasim Großes an. Großes was Fuad für vermeidlich den Tod im Dienste seine Aufgabe schenken könnte.
Die Reise zum alten Dorf, seiner längst verstorbenen Eltern war lang und beschwerlich. Ebenso die Rückreise in die goldene Stadt.
War sie begleitet von einem plötzlich aufkommenden Sandsturm. Diesen abzuwarten suchten sie den Schutz von nahe liegenden Felsvorsprüngen.
Bis es endlich soweit war. Die Karawane durchquerte endlich wieder seine geliebte Heimat.
All die Zeit seiner Reise nutzte Fuad, um mit sich wieder ins Reine zu kommen.
Man könnte es gar als menekanische Eigenheit ansehen, dass menekanische Männer Streitigkeiten mit Abwesenheit Belohnen. War es doch so am einfachsten auf sein Recht zu bestehen. Sollen die anderen doch merken, was sie ohne einen sind.
Noch immer war wohl Fuad zu stolz, als dass er ein „Es tut mir Leid“ herausbringen könnte.
Er begriff jedoch eines. Um seine Lebensaufgabe weiter verfolgen zu können, sein Volk mit Hingabe zu schützen und die Liebe wieder in seinem Herzen aufkommen zu lassen, musste auch er zurückstecken können und Nachsicht zeigen.
So war es endlich soweit. Fuad trat seiner über allem geliebten Fidah entgegen. Zurückhaltung war an jenem Abend jedoch nicht bei ihm zu sehen. Ihre warmen Hände wollte er in den seinen spüren.
Die Liebe einer kleinen Schwester wieder erfahren. Kein Streit sollte diesen Augenblick ein Ende schenken.
Die Entschuldigung Rivkahs nahm er stillschweigend hin. Brauchten dazu keine weiteren Worte mehr gesprochen werden.
In all der Zeit begleiteten Fuad stets die Worte des Erhabenen. Worte des Todes, in der Pflichterfüllung einer Leibwache. Kein Streit sollte somit das lange ersehnte Wiedersehen zu nichte machen.
Und kam es zum Abschluss des Abends wahrhaft anders als man es erdacht hatte. Nahezu das gesamte Haus Ifrey fand sich jenem Abend im Kontor Menek’ur ein.
Fuad erfühlte es mit mehr als nur Freude und Stolz all seine Brüder und Schwestern an einem Ort erblicken zu dürfen. Auch wenn seine beiden üblichen problemschen es wieder einmal versuchten, den Abend mit einigen Unstimmigkeiten zu beschenken, genoss er diesen Augenblick zusehends. Zeigte er gar unverblümt seinen Platz an Sharie, seiner stillen Liebe und Leidenschaft.
Es wurde Zeit, denn auch der Erhabene rief nach ihm…
Verfasst: Donnerstag 24. Juli 2008, 11:55
von Fuad Ifrey
Sie war weg.
Tareef sagte er sie würden früh morgens aufbrechen sie zu suchen.
Fuad selbst begann seine Suche bereits im Schatten der Nacht und der Gassen in der Stadt. Doch fand er nichts.
Es war des Fardrim’s eigene Schuld. Fuad musste sich dies eingestehen.
Dieser Mann veränderte sich zusehens, zu einem kalten, gar herzlosen Menekaner. Der nur noch eines scheinlichst sah. …
Die Wahrung des Stolzes und der Ehre seiner selbst und die des Hauses Ifrey.
Doch was für ein Preis würde auf ihn zu kommen. Was für ein Preis würde das Haus, aufgrund seiner strickten unnachgiebigen Linie zahlen.
Hat er es überhaupt noch hinter sich?!
Schenkte ihm gar überhaupt noch jemand Achtung? Oder sind es die Ängste, die es veranlassen, dass die Mitbürger das sachte Neigen des Körpers als scheinheiliges Zeichen der Achtung schenken.
Fuad fand dieser Nacht keine Ruhe.
Droht ihm das zu verlieren, was ihm am teuersten in diesem Leben war. Das letzte was ihm in seiner reinen Blutlinie noch halt geben konnte.
Kein Vater, keine Mutter und kein Eheweib. Einzig seine über alles geliebte Schwester, Rivkah.
Viele Fragen plagten das Oberhaupt.
Die Fragen, die er jedoch niemals offen aussprechen würde. So groß ist wohl der Stolz und das leidliche Gefühl des Schwächezeigen.
Der morgen brach schließlich an. Und es wurde Zeit die Reittiere zu besatteln.
Sollte all dies gar bereits der Emir in seiner Vision gesehen?
Sprach er von Dschins in einer Zeit Unruhen im Volke…
Nur Eluive könnte dieser Tage wohl eine Antwort darauf geben.
Verfasst: Freitag 25. Juli 2008, 16:25
von Rivkah Yazir
Aiwa, der Kaktusschnaps war ihr keinesfalls verborgen geblieben. Er führte sich auf wie einer dieser Feuergargoyle wenn er von Amira mit Eis geplagt wurde. Verletzend warf er ihr Worte an den Kopf die selbst sie nach geraumer Zeit aus dem Raum trieben. Noch nie in ihrem Leben war sie so sauer gewesen. So sauer das sie den Worten tatsächlich glauben schenkte, den zweiten Aspekt jedoch unter den Tisch fallen ließ und ihre Sachen zusammen packte. In der Wüste hatte sie kaum etwas Gutes erlebt und dennoch schien sie ihr gnädiger als der eigene Fadrim. Leya redete auf sie ein, wollte mit ihm sprechen und mit gesträubten Gefühlen hatte sie bis zum Morgen gewartet. Nur eines der Tore von Menek'Ur war unbewacht. Normalerweise wählten die Karawanen einen anderen Weg doch wollte sie nicht das man sie sah.
Ihr Tier schonend ging es nur langsam voran. Unterwegs nahm sie mit sich was die Wüste zum Überleben bot und machte erst nach vielen Stunden Rast. Viel weiter brachte sie die 'Wanderung' auch gar nicht. Beide Brüder im Nacken war sie rasch gestellt und lieferte sich hier mitten in der Pampa einen Schlagaustausch der sehr gewagt war. Am Erstaunlichsten erschien ihr jedoch das sie tatsächlich als 'Siegerin' daraus hervor ging. Er war bereit sie hinter Shakir herziehen zu lassen und eilig stürmte sie die Treppe des verlassenen und verwitterten Hauses hinunter. Ein dumpfes Sirren das sie schlagartig an etwas erinnerte dann prallte etwas mit Wucht gegen ihren Kopf und zog einen schmerzhaften Striemen. Das kullernde Geräusch des Steines der am Boden davonrollte bekam sie schon nicht mehr mit. Schwärze umfing sie und ließ sie zu Boden sinken. Wie die Brüder sie einfach aufhoben und zurück in die Stadt schleiften bekam sie ebenfalls nicht mit.
Später weckte man siem mit genügend Wasserm auf und mit Erschrecken stellte sie fest sich in einem wohl vertrauten Haus zu finden. Es hagelte Verbote, moralische Fesseln wurden fest geknüpft und am Ende war sie froh als der Bruder 'floh'. Mit einem Mal war ihr Halbbruder wieder freundlich, schmeichelnde Worte die sie aus dem Zustand locken sollten für den alleine die Beiden die Schuld trugen prallten an einer Mauer aus Schweigen und Ignoranz ab. Aiwa, sie konnten ihr verbieten und verweigern was sie vermutlich glücklich gemacht hätte aber Verständnis? Neda – das würde sie ihnen nicht schenken. Seit dem Zeitpunkt sprach sie weder mit ihrem Bruder noch mit ihrem Halbbruder ein Wort. Ob er sich noch an das Versprechen erinnerte das er ihr auf den Hafenplanken gegeben hatte als sie zusammen die Sterne musterten? Damals hatte sie ihm geglaubt, jedes Wort das seinen Mund verließ hatte merklich Gewicht und wurde geachtet. Inzwischen hatte er nicht nur einmal sein Wort gebrochen – für das Wohl der Familie natürlich, aiwa... Solche Angst zu verlieren was er so lange verloren glaubte und nun war er es selbst der sie immer weiter und weiter fort trieb.
Noch waren Treue und Verbundenheit so tief verankert das die Drohung ohne größere Mühe ihre Wirksamkeit zeigte. Groß war der Käfig wirklich in den er sie gesperrt hatte. Eine ganze Stadt und sie hätte jedes kleine Kellerloch vorgezogen wenn sie es dafür hätte teilen dürfen. Immer wieder dachte sie über das Angebot der Yazir nach. Ein Angebot das vieles vereinfacht hätte. Doch war das junge 'Paar' rasch zu dem Schluss gekommen das die Folgen und der damit kommende Bruch innerhalb der Familien zu vermeiden war. Beide stellten das Wohl ihrer Häuser über das Eigene, sprachen davon von einer Verbindung abzusehen. Sollten sie wirklich des Frieden willens nachgeben. Aufgeben weil zwei Kampfhähne die entsprechendes Fressen genossen hatten sich die Flügel stutzten? Forschend musterten ihre rehbraunen Augen den jungen Mann dicht vor sich. Bereits als das Verbot ausgesprochen worden war, war ein Teil ihrer selbst gestorben und in einem Sumpf der Enttäuschung vergraben worden. Mühsam nur folgte sie den Worten die dicht vor ihr aufklangen. Aiwa sie liebten sich, soviel war offensichtlich. Selbst da es nun eine verbotene Liebe war konnte niemand sie zwingen das Gefühl von einem Tag zum Anderen zu verlieren.
Wären sie ihren Familien nicht so sehr verbunden gewesen wie man es nur unter Menekanern findet wären sie längst zusammen fortgelaufen. So jedoch waren sie gebunden und dem Wohl des Ganzen verpflichtet. Gewiss würde es schmerzlich werden doch schließlich hatte ihr Fadrim gewusst was er ihr antat und würde selbst sehen ob sie es irgendwann überwand oder an dem Verbot zerbrach. Immerhin gab er sie nicht einfach einem ihrer Cousins um die Sache 'sauber' zu beenden. Ein bitteres Lachen bei diesem Gedanken. Sollte sie darüber wirklich dankbar sein? Es würde mehr dazu gehören sie wieder zu binden wie es einst der Fall gewesen war und bislang erreichten die Beiden sehr elegant und energisch das genaue Gegenteil. Frauen waren wirklich ein Part für sich und immer dann unberechenbar wenn man es nicht erwartete.