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Aus der Vergangenheit...in eine Zukunft?
Verfasst: Montag 12. Mai 2008, 22:47
von Aion Astarioth
Nachdenklich blickte ich aus dem kleinen Fenster des Zimmers, welches ich mir in einem Gasthaus zur Miete genommen hatte. Kurz nachdem Yuna, meine Schwester, verschwunden war, hatte ich das kleine Haus in Varuna verlassen, wo wir zu Gast gewesen waren. Ich hatte die junge Schneiderin damals gebeten, sich während meiner Abwesenheit um Yuna zu kümmern, und als ich dann zurück kehrte, wurde ich ganz selbstverständlich mit in das Haus aufgenommen. Doch nun, wo Yuna fort war, erschien es mir falsch, dort zu bleiben.
Wieso ging ich nicht nach Yuna auf die Suche? Was hielt mich davon ab? Im Herzen wusste ich es. Ich konnte nicht immer ihr Schutz sein, der einzige sichere Hafen für sie. Deswegen war sie gegangen, so war ich mir sicher. Sie wollte ihr Leben auf ihre Weise bewältigen, oder etwa nicht? Und ich, ich vergrub mich in meine Studien. Ich hatte zwar die Prüfung zum Discipulus an der Academie bestanden, doch wusste ich, wenn ich wirklich etwas erreichen wollte, musste ich all mein Bestreben hineinlegen.
Oftmals saß ich abends nach einem praktischen Lehrausflug müde und geschafft auf der Bettkante und dachte nach. Über all jene Menschen, die in mein Leben getreten waren...
Die Baroness Isabelle von den Silberloren, die mich als Berater und Schreiber in ihren Dienst genommen hatte. Sie, die mich mit erfrischender Ehrlichkeit und Freundlichkeit überrascht und überzeugt hatte.
Reika, die Leiterin der Akademie... eine wundervolle Frau und Lehrerin mit einem erfrischenden Humor.
Arenvir, ein Mitstudent, immer zu einem Scherz aufgelegt, und stets hilfsbereit.
Und dann Seodra, ebenfalls eine Mitstudentin. Sie hatte ich erst später kennen gelernt und allmählich bereitete mir diese Frau wahrlich Kopfzerbrechen auf die ein oder andere Weise...
Wie war es geschehen, dass ich, der ich doch sonst so eigenbrödlerisch war, plötzlich von so vielen Menschen umgeben war? Und der einzige Mensch, der je etwas für mich bedeutet hatte, war nun fort...
Müde streifte ich die Kleider ab und ließ mich ins Bett sinken. Die Zukunft hatte definitiv eine Wende genommen. Ob zum positiven, das blieb noch fraglich...
Verfasst: Donnerstag 15. Mai 2008, 17:15
von Aion Astarioth
Und wieder war eine weitere Woche vergangen. Allmählich wusste ich wirklich nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Auslöser dafür gewesen war eigentlich, so seltsam es auch klang... eine Spinne! An jenem schicksalhaften Abend hatte saß ich mit Seodra in der Taverne. Bald gesellte sich auch Arenvir zu uns, und so waren die Discipuli der Academie wohl komplett. So manches Wortgefecht heizte den Abend auf, bis dann schließlich besagte Spinne auftauchte. Nun wussten wir natürlich von Arenvirs panischer Angst vor Spinnen und fanden das ganze eher amüsant. Arenvir sprang auch sogleich auf den Tisch und warf seinen Weinkelch nach dem armen Tierchen. Leider jedoch traf dieser dann wen wohl? Natürlich mich. Als ich dann auch noch Seodras Tee ab bekommen hatte, wurde es mir zu bunt und ich wollte die Spinne tot treten um weiteren Lebensmittelduschen zu entgehen. Am Ende noch der Eintopf des Wirten, der sowieso aussah, als könne er Löcher in den Boden brennen, nein danke!! Gerade jedoch, als ich meinen Fuß auf die Spinne senken wollte, löste sich diese im Nichts auf. Was jedem Magiekundigen nun naütlich sofort einfallen würde: Das verdammte Biest war beschworen worden, was sonst! Ich wusste, ich war es nicht gewesen, Arenvir ebensowenig, der hatte ja panische Angst davor gehabt. Blieb also nur noch Seodra, die gerade auch noch passender weise aus vollem Halse am Kichern war. Ein Blick zwischen Arenvir und mir, ein nicken. Gesagt getan, schlenderten wir auf sie zu und griffen sie an Armen und Beinen und trugen sie aus der Taverne. Das Zappeln und Zetern ignorierten wir, bis wir an der Bucht standen. "Eins" kam es von mir, dann ein erstes schwingen. "Zwei" ein zweites schwingen. "Drei" gerade wollten wir loslassen und Seodra zu einem erstklassigen Bad im Bajarder Hafenbecken verhelfen, als eine Stimme erscholl. "HALT!" Unsere Körper waren wie gelähmt. Und dann trat auch schon Reika aus den Schatten zu uns und rettete Seodra aus unseren Fängen. Das hätten wir uns eigentlich auch denken können, dass solch ein Streich nur von ihr kommen konnte.
Unser lustiges Techtelmechtel wurde jedoch rasch unterbrochen von dem Ruf: "Ein Feuerelementar ist in Bajard, rette sich wer kann!" Reika und Arenvir eilten sogleich vorwärts, während ich Seodra an der Hand packte und hinter mich schon. "Bleib hinter mir." mit diesen Worten trat auch ich vorsichtig näher. Diese Tat allein hätte mich eigentlich schon stutzig machen müssen. Wieso stellte ich mich schützend vor sie. Mal abgesehen von dem Fakt, dass sie im Umgang der Magie mindestens so gewand war wie ich, wieso tat ich das?! Nunja, dazu später mehr. Mit dem Feuerelementar machte Reika kurzen Prozess, wie sollte es auch anders sein bei der Leiterin der Academie.
Da ich immernoch mit Arenvirs Wein und Seodras Tee durchtränkt war, beschlossen wir kurzerhand, uns auf den Weg zu einem See zu machen, wo wir den Abend gemütlich ausklingen lassen wollten und ich mein Hemd würde auswaschen können. Ich hatte Seodra noch nie so sehr erröten sehen, als in dem Moment in dem ich mein Hemd zum Waschen auszog. Verdammt, hatte sie denn etwa noch nie einen Mann mit freiem Oberkörper gesehen? Stirnrunzelnd schüttelte ich nur den Kopf. Als meine Kleider schließlich sauber und trocken waren, begab ich mich zu den beiden. Eine weile scherzten wir darüber, dass Seodra es niedlich fand, wenn ich mich in einen Affen verwandelte, und spontan tat ich dies dann auch. Seodra begann sogleich, meine Affengestalt an Kopf zu kraulen. Beim Feuer der Höllen, wusste diese Frau denn nicht, was das bei einem Mann anstellte?? Solche Unschuld gehörte schon unter Naturschutz gestellt. Scheinbar war sie sich dessen wirklich nicht bewusst, denn unverdrossen kraulte sie weiter den Kopf des für sie "niedlichen" Affens. Wie nun entgeht ein Mann einer solchen Situation? Ich meine, ich hatte mich selbst in diesen Schlamassel hineinmanövriert, also musste ich auch irgendwie wieder da heraus. Und wieder stellte sich mir die Frage: Wieso brachte es meine Sinne derart durcheinander, wenn die Finger dieser Frau meinen Nacken entlangfuhren?? Nach einer Weile nahm ich einfach Reissaus, was sollte ich auch sonst tun, und schwang mich auf den nächsten Baum. Was währe wohl naheliegender für einen Affen? Zurückverwandelt und wieder in normalen Kleidern blickte ich dann zu den beiden herüber. Soviel ich erkennen konnte, gab Arenvir Seodra gerade ein paar Inspirationen zu leidenschaftlichem Aussehen. Leidenschaftlich? Nicht noch mehr... dachte ich bei mir.
Auf ein mal machte sich Sedora auf den Weg zu mir herüber. Als sie unter "meinem" Baum stand, ließ ich mich vom Ast gleiten und landete direkt vor ihr. Etwas erschrocken wich sie zurück, doch dann fragte sie mich, was ich von ihrem Kleid halte. "Du bist eine bezaubernde Frau, Seodra" erwiderte ich, was ich ihr auch heute Mittag schon vergeblich glaube zu machen versucht hatte. Diesmal jedoch akzeptierte sie meine Worte. Sie senkte verlegen den Kopf und ich hob die Hand, um ihr Kinn sacht anzuheben. Ihr Blick, der mich traf, verzauberte mich. All die Gedanken die mir durch den Kopf schwirrten, all die "Warum's", sie waren plötzlich wie weggeblasen. Ihre sanften Augen blickten mich unsicher an, die sachte Röte ihrer Wangen, umspielt von ihrem goldenen Haar verlieh ihr ein feengleiches, zerbrechliches Aussehen. Vorsichtig neigte ich den Kopf zu ihr herab, und als sich unsere Lippen trafen, hätte ich sie am liebsten eng in meine Arme gezogen. Mir ihrer Schüchternheit bewusst, legte ich ihr jedoch sanft den Arm un die Hüfte und zog sie nur leicht in meine Richtung. Diese bezaubernde Frau, lag sie hier wirklich in meinen Armen, unter dem Sternenhimmel und dem strahlenden Vollmond, der unser zweisames Treffen beschien? Ich wünschte, dieser Moment würde nie vergehen, doch allzuschnell lösten sich ihre Lippen wieder von den meinen, und ach, welch eine Süße lag in ihrem Blick. "Darf ich dich nochmal küssen?" raunte ich ihr sacht zu, und sie nickte. Diesmal zog ich sie enger in meine Arme und küsste sie mit all dem Gefühl, dass meine Sinne verwirrte. Lange standen wir so umschlungen, ehe wir uns auf den Weg zurück machten. Bis an die Türe des Gasthauses brachte ich sie. Doch was hatte ihr Blick zu bedeuten, den sie mir schenkte? Hatte ich sie für mich gewonnen? War es mir gelungen, das Herz dieser Frau zu gewinnen? Was dachte sie nun? Sacht schüttelte ich zu mir selbst den Kopf. Nicht heute... nicht hier. Antworten würden zur rechten Zeit kommen.
Verfasst: Donnerstag 15. Mai 2008, 19:39
von Seodra Iola
Leichter Nieselregen tropfte Seodra aufs Gesicht, doch sie störte sich nicht daran. Die Tropfen liessen kleine Kringel auf dem Teich zurück und wurden vom Wasser verschluckt, sie sah eine Weile dem Schauspiel zu und hing ihren Gedanken nach.
Sie stand an jenem Teich, sogar unter jenem Baum wo es passiert war. Was hatte sie nur dazu bewogen? Und warum dachte sie seid her immer wieder an ihn?
Ihr Wangen röteten sich leicht, denn ihre Gedanken waren wieder beim Kuss und dabei wie sie in Aions Armen lag.
Wie hatte es nur so kommen können, die junge Magierin hatte es nicht geplant, es hatte sie völlig überrascht.
Alles hatte mit dem Affen angefangen, Seodra konnte nichts dafür, sie fand dieses grosse Pelzkneuel einfach niedlich und es lockte sie es zu kraulen. Sie hatte sich nichts dabei gedacht, auch wenn sie im Hinterkopf wusste das Aion hinter der Verwandlung stand, hatte sie ihn gekrault. Er hatte ihr aus der Hand gefressen, ob er das auch in normaler Gestalt tun würde?
Aion und sie waren Freunde, und mehr hatte sie auch nie erwartet. Eigentlich hatte jemand anderes ihre Träume beflügelt, doch dieser Mann war unerreichbar für sie und das wusste Seodra auch. Deshalb hatte sie auch nicht erwartet, dass jemand Anderes sich so in ihre Gedankenwelt drängen könnte.
Doch nun war es passiert, ihr erster Kuss und Seodra war neugierig geworden, neugierig auf mehr. Wollte wieder in seinen Armen liegen und sich an ihn anlehnen.
Mit weichen Knien wendete sie sich vom Teich ab, denn sie hatte noch anderes zu erledigen, ausser in Gedanken an ihn zu versinken.
Verfasst: Mittwoch 21. Mai 2008, 17:05
von Aion Astarioth
Wieviele Tage war es nun her, dass ich Seodra das letzte mal gesehen hatte? Drei, vielleicht auch vier... In meinem Kopf herrschte nurmehr Chaos statt der gewohnten kühlen Ordnung. Zudem mürbte die Sorge um meine Schwester an meinen Gedanken. Gut, sie hatte sich alleine auf eine Reise begeben, doch nun war es schon Mondumläufe her, und sie war immer noch nicht zurück. So langsam begann ich, mir wirklich Sorgen um sie zu machen. Mit all diesen Dingen im Kopf, wie sollte ich mich da noch auf die elementaren Dinge des Lebens konzentrieren? Matt schloss ich die Augen und rieb mir über die Schläfen. Ich musste etwas tun, so konnte es nicht weitergehen. Doch was...? Wie als Antwort darauf lief mir ein Schaudern über den Rücken. Ein kalter Lufthauch? Nein, das Fenster war geschlossen. Ich hob eine Hand und griff mir in den Nacken. Meine Fingerspitzen fuhren über die Tätowierung zwischen meinen Schulterblättern. Das Auge in Kreis und Dreieck. Wie lange war diese vergangene Reise nun schon hin, in Folge derer ich dieses Bildnis auf meiner Haut erhalten hatte? Tief in mir fühlte ich einen Kern dieses inneren Friedens, den mir die damaligen Erkenntnisse gebracht hatten. Kurz vor meiner Aufnahme in die Academie war das geschehen. War das des Rätsels Lösung? Sollte ich erneut eine Reise an jenen idyllischen Ort antreten, der mir Herzensfrieden brachte? Kurz entschlossen griff ich mir Pergament und Feder und setzte eine Notiz an die Academie zu Händen von Reika auf.
Werte Arcovenefica,
Wichtige Dinge ziehen mich für einige Tage ausser Lande, daher möchte ich mich für eine Weile an der Academie Arcana abwesend melden. Natürlich werde ich die in dieser Zeit verpassten Stunden sobald wie möglich nachholen.
Wissen und Weisheit!
Nachdem ich diesen Brief versiegelt hatte, setzte ich einen zweiten an die Baroness auf.
Werte Baroness Isabelle von den Silberloren,
Wichtige Dinge ziehen mich für einige Tage ausser Lande, daher möchte ich mich für diese Zeit als euer Berater und Schriftführer abwesend melden. Sobald ich wieder in den Landen bin, werde ich mich zurück melden.
Untertänigst verbleibend,
Zu guter Letzt dann setzte ich noch eine Notiz an Seodra auf.
Liebste Seodra,
Ich muss für einige Tage verreisen. Also sorge dich nicht, weil ich nicht zu finden bin. Derzeit möchte ich noch nichts über Grund und Ziel meiner Reise sagen, da es noch nicht sicher ist. Jedoch sei dir gewiss, ich werde bald wieder in den Landen weilen.
Wissen und weisheit mit dir
Auch diesen Brief versiegelte ich, und vertraute beide dann einem Boten zusammen mit einigen Goldmünzen an. "Bringe diese Briefe sicher an ihr Ziel, Junge, und eile dich!" mit diesen Worten wandte ich mich ab und begann, ein Reisebündel zu packen. Schon wollte ich meine Bücher hinzutun, ehe ich sie mit einem Kopfschütteln wieder weglegte. Wie sollte ich so meinen Kopf frei kriegen? Zudem würde diese Reise mich geistiger Natur lehren, nicht an Hand von Büchern. Ich warf mir das Bündel über die Schulter und schritt zielstrebig gen der Stallungen des Gasthauses. In wenigen Minuten hatte ich mein Pferd gesattelt und schwang mich auf. In vollem Gallopp ging es zum Hafen von Bajard, von wo aus mein Schiff in Richtung Heimat ablegen würde. Vielleicht würde ich auf dieser Reise Spuren meiner Schwester finden... hoffentlich.
Verfasst: Donnerstag 29. Mai 2008, 19:51
von Aion Astarioth
Gerade mal seit einem Tag war ich nun wieder in den Landen... und wollte sogleich wieder fort. Nachdenklich strich ich mir die langen schwarzen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Was hatte ich mir da blos für eine Idee in den Kopf gesetzt? Doch sie hatte so einsam, so verloren ausgesehen, wie sie dort am Fenster stand. Mein erster Weg nach meiner Rückkehr hatte mich nach Varuna geführt, wo ich mich bei der Baroness Isabelle von den Silberloren zurückmelden wollte.
Doch ich hätte nie gedacht, dass dieser Besuch so enden würde... Hatten meine Worte sie dazu bewogen, sich mir so ehrlich zu zeigen? Doch der Blick in ihren Augen... ich kannte ihn. Kannte ihn aus meinen eigenen Augen. Einsamkeit... und Unsicherheit. Natürlich würde ich dies niemals jemandem eingestehen, doch mein Herz war einst von eben solcher Unsicherheit befallen gewesen, wie das ihre es wohl sein mochte. Ich weiss nicht, was mich dazu gebracht hatte, diese Worte auszusprechen, doch plötzlich begann ich, zu erzählen. Ich erzählte ihr von einer Reise, infolge deren meine Mutter den Tod gefunden hatte, von den Händen meines Vaters. Meine darauf folgende Zerissenheit, Unsicherheit... das Gefühl, sich niemandem offenbaren zu können, welches stetig in mir gewachsen war und mich wie ein undurchdringlicher Kokon umhüllt hatte. Dann erzählte ich ihr von jenem Ort, den ich auf meiner Heimreise gefunden hatte. Der Weg durch die Höhle der Kristalle hinab ins Tal. Dieses kleine beschauliche Tal, welches mir meinen Seelenfrieden wiedergegeben hatte. Den Seelenfrieden, der nun wieder beachtlich ins Wanken geraten war. Dann sagte ich ihr, ich wolle ihr diesen Ort eines Tages zeigen. Ich sagte ihr, ich wolle, dass sie den selben Frieden spüren könne wie ich. Was hatte mich nur zu solch informellen, dreisten Worten getrieben? Ihr trauriges Antlitz?
Vielleicht hatte ich die Ohrfeige, die ich mir damit eingehandelt hatte, ja verdient... aber das danach? In Tränen aufgelöst hatte sie vor mir gestanden, ratlos... hilflos. Ich kannte diese Einsamkeit nur zu gut. Und dann, dann hatte sie sich hilfesuchend an mich gewandt, wie an eine Insel im Sturm. Mein Entschluss war gefasst... ich wollte ihr diesen Ort zeigen, wollte ihr zeigen, was die kleinen Dinge im Leben ausmachen konnten... ich wollte sie, meine Herrin, lächeln sehn. Nicht unter einer Maske, ein gezwungenes Lächeln, sondern ein wahres. Diese Frau, die so viel für ihr Volk tat, sich aufopferte und alles gab, sie war mir inzwischen zu einer liebgewonnenen Freundin geworden, ohne dass ich es selbst bemerkt hatte. Und ihre Worte... sie sagte, sie wolle jenen Ort mit mir besuchen, wolle sich auf mich verlassen, diese Worte hatten mich dazu bewogen, ihr meinen ganzen Schutz geben zu wollen.
Und nun stand ich hier am Hafen und war dabei, die Reise für uns zu buchen, die ein so ungewisses Ende vor sich hatte. Würde diese Reise für sie zum Vorteil verlaufen? Würde sie ein wenig ihrer Einsamkeit verlieren, und ein wenig ungezwungener lächeln? Ich hoffte es... hoffte es wahrlich.
Verfasst: Donnerstag 29. Mai 2008, 23:02
von Isabelle von Silberloren
Der große Raum füllte sich ganz allmählich mit warmen, wohlrichenden Dampf, während Plätschern und Summen hindurch hallte.
Isabelle saß in der großen Badewanne und hatte sich sehr entspannt zurück gelehnt. Es war lange her, sehr lange her, das sie so entspannt gebadetet hatte.
Das Wasser roch angenehm nach Lavendel und Jasmin, leichter Schmaum kräuselte sich auf ihrer Haut wenn sie sich bewegte. Fahrig glitt sie mit der schlanken Hand über die Wasseroberfläche und schloss die Augen, den Kopf an den Beckenrand lehnend und seufzte.
Was war dort eigendlich passiert?
Aion hatte ausgesprochen was sie lange wusste. Was sie tief in ihrem Herzen mit sich trug. Sie war schrecklich einsam. Die neue Stadt, das neue Land, Freunde hatte sie hier keine - allenfalls Bekannte, ihre Familie war weit fort und Haldur war schon seid mehreren Monden tod und im Mausoleum seiner Familie begraben.
Eigendlich hatte sie sich nie so jemandem zeigen wollen. Sie representierte ein stolzes Volk. Ein Volk das auf 250 Jahre Geschichte zurück blickte und stets nach Vorn gegangen war. Diese 250 Jahre flossen in ihren Adern, in ihrem Blut. Sie hätte weiter mit erhobenem Haupt und freundlichem Lächeln weitergehen müssen oder sollen...
Aber es ging nicht.
Aion hatte sie viel zu leicht durchschaut. Er hatte ihren Panzer geöffnet wie ein gewiftes Eichhörnchen eine Nuss. War es wirklich so offensichtlich gewesen was ihr fehlte?
Oder hatte er einfach Glück mit seiner Annahme gehabt?
War es etwa das er wirklich wusste was sie empfand?
Hatte er das selbst durchgemacht?
Nachdem was Isabelle von Aion wusste, konnte sie sich das vorstellen. Seine Geschichte war eine ganz andere als ihre. Eigendlich hätte sie in seiner Gegenwart garnicht klagen dürfen. Sie hatte eine wunderschöne Kindheit, eine erfüllte Jugendzeit gehabt. Sie hatte sich dem Opfer der Zwangsheirat ergeben und doch einen Ehemann bekommen den sie zwar nicht liebte, aber den sie ihren Freund hatte nennen können.
Es gab eigendlich nichts wesshalb sie plötzlich soviele Tränen vergoss.
Es war sehr lange her, dass sie soviel geweint hatte. Doch irgendwie brach das alles aus ihr herraus um so mehr sie sich Aion anvertraute. Um so mehr sie ihm versuchte verständlich zu machen wie schrecklich Einsam und ungeliebt sie sich fühlte. Sie wollte doch nur das was alle Frauen wollen...
"Und was wollen alle Frauen..?" hörte sie kurz Aions Stimme in ihren Gedanken und musste schmunzeln.
Er war so ratlos. Es war beinah amüsant wie hilflos er vor ihr gestanden hatte. Aber als er endlich den Mut fand seine Gedanken zu ordnen da waren die Worte die er an sie richtete warmer Balsam.
Warmer Balsam auf ihrer Seele. Genauso wie die Umarmung in der sie sich findergefunden hatte. Seine Hand die durch ihr Haar strich und seine Arme die sie schützend hielten. All das waren Gefühle und Empfindungen die sie sich selbst lange verwehren hatte müssen und die letzten Ereignisse hier in Hohenfels hatten alles nicht leichter gemacht.
Natürlich wusste sie auch, dass das was dazwischen kam an Unschicklichkeit kaum zu überbieten war. Als ihre Lippen seine trafen. Selbst wenn sie wollte, konnte sie sich nicht beantworten warum sie ihn geküsst hatte. Es war einfach passiert. Aber es war ein schönes Gefühl gewesen. Wie eine süsse Erlösung.
Mit einem seeligen Seufzen griff sie sich an die Brust und sah an die Zimmerdecke. Was im Moment in ihr vorging, kannte sie trotz ihrer jungen Jahre gut. Sie wusste genau was dieses Pochen in ihrer Brust und das Kribbeln in ihrem Bauch zu bedeuten hatte. Auch wenn das nicht unbedingt Ratsam war, so wehrte sie sich nicht dagegen. Nein...sie wollte nicht einsam sein. Alleine sein war etwas das sie nie gekannt hatte und das sie schnell....schnell...wieder vergessen wollte.
Aion blieb bei ihr...für immer...wie er sagte. Das hörte sich in ihren Ohren irgendwie seltsam an. War das Treuebekundung eines loyalen Dieners?
War das Zuneigung eines Freundes? Oder Interesse eines Mannes?
Sie wusste es nicht...
Dennoch...
Hatte sie ihm ein ganz besonders Geschenk gemacht - von den Beiden Küssen abgesehen -. Das Kissen an dem sie gearbeitet hatte, seid sie die Silberloren verlassen hatte. Ein Bezug aus feinstem Roten Samt. Darauf ein Geflecht aus Ranken und Blättern in wunderschöner Präzision und Detail, darin mehrere große Rosenblüten und hübschem Rosé.
Es war etwas besonders...und dieses Besondere hatte sie ihm geschenkt.
Vielleicht machte sie damit einen großen Fehler. Vielleicht auch nicht...
Sie wusste es nicht.
Was sie aber wusste war, das sie jemanden wollte der sich um sie kümmerte. Der sie festhielt wenn sie weinen musste. Der sie zärtlich in den Arm nahm. Der sie verstand und verstehen wollte. Der sie ansah und ihr sagen konnte wie hübsch sie war. All jene Dinge die für einen normalen Menschen so selbstverständlich erscheinen.
Doch für eine Baroness und Freiherrin sind diese Dinge nicht selbstverständlich.
Langsam stieg sie aus dem Wasser und trocknete sich ab. Ob er wirklich kam und sie entführte wie er sagte?...
Mit einem Schmunzeln wartete sie darauf was geschah..
Verfasst: Donnerstag 29. Mai 2008, 23:17
von Aion Astarioth
Sorgsam sattelte ich die beiden Pferde und schlang die Zügel einmal durch die Halteringe. Dann betrat ich das Anwesen der Baroness, leise, denn immerhin sollte das ganze schon etwas lustig werden. Während ich auf leisesten Sohlen durch den Salon schlich, um sie nicht vorzuwarnen und das Holz nicht zum knarren zu bringen, dachte ich nochmal über heute nachmittag nach. Als sie mir plötzlich die Arme um den Hals geschlungen und mich geküsst hatte. Warum hatte sie das getan? Ein Freundschaftsbrauch war das bei ihrem Volk wohl kaum, den Gedanken hatte ich sogleich verworfen. Vielleicht war sie einfach nur verzweifelt gewesen... ja das vielleicht schon eher. Sie hatte mich gefragt, ob ich ihr böse deswegen sei. Ich verneinte, denn wie könnte ich ihr böse sein für etwas, dass ich selbst gut genug verstand. Trotzdem... verwirrt hatte mich ihre Tat alle male. Doch ich hatte beschlossen, Gras über die Sache wachsen zu lassen, und ihr weiterhin als ein Freund und treuer Diener entgegen zu treten. Also schlich ich leise die Treppenstufen hoch und spähte über den Rand des Geländers. Dort stand sie, am Fenster, hinausblickend. Leise und behende schlich ich mich näher, welch ein Glück, dass ich darin noch geschult war, bis ich direkt hinter ihr stand. "Folgt mir ohne Widerstand, Milady, denn ihr seid nun Gefangene des düsteren finsteren und gar schrecklichen Aion Astarioth" grummelte ich mit übertrieben gruseliger Stimmung, um der Reise schonmal einen spaßigen einstieg zu geben. Was würde sie wohl tun? Mir eine verpassen, weil sie mich für einen Eindringling hielt? Lachen? Oder gar mir eins mit einem der vielen Bücher überziehen, die hier herumstanden?
Verfasst: Donnerstag 29. Mai 2008, 23:26
von Isabelle von Silberloren
In wallende Seide gehüllt stand sie oben am Fenster und sah auf die Stadtmauer hinaus. Dort gingen die Wachen träge ihrem langweiligen Wachgang nach. Manchmal blieb eine stehen und Isa glaubte das sie zu ihr hinüber sah. Vielleicht war das auch bloß einbildung.
Ihr Haar war immernoch leicht feucht, doch sie hatte die letzte Stunde damit verbracht es wieder zu kämmen. Das dauerte immer sehr lange und sie ging ihrer Schönheitspflege mit sehr viel Gewissenhaftigkeit nach.
Ihre Gedanken schweiften immernoch um Aion und das was Heute passiert war, ehe....
Sie ziemlich heftig erschrack und deutlich zusammen zuckte als Aion plötzlich hinter ihr gestanden hatte und sie in diesem Düsteren Tone anraunte. Beinah hätte sie ausgeholt um ihm eine Ohrfeige zu geben, doch stattdessen drehte sie sich schlussendlich um, sah ihn an und begann fröhlich zu lachen.
"So gebe ich mich auf Gedeih und Verderb wohl in die Obhut meines Entführers..." erklang dann ihre Stimme in betont lieblichem Klang und sie schmunzelte über das ganze Gesicht während sie ihm die Hand reichte.
Neugierde schwelte in ihren Gedanken was immer er ihr zeigen würde und ein innerer Drang den sie auszusprechen nicht wagte....
Verfasst: Donnerstag 29. Mai 2008, 23:40
von Aion Astarioth
Bei ihren Worten musste ich lachen. Isabelle hatte wahrlich Humor... Flink führte ich sie zu den Pferden, und sobald wir Varuna verlassen hatten, ging es im gestreckten Gallopp zum Hafen. Einige Worte wurden rasch mit dem Kapitän gewechselt, ehe die Pferde unter Deck geführt wurden und wir mitsamt dem Schiff ablegten. Ich hatte uns zwei Kabinen unter Deck reservieren lassen, denn wir würden frühestens morgen Mittag an unseren Bestimmungsort gelangen. Nachdenklich musterte ich sie eine Weile. Ich hatte eine Reise auf einem einfachen Schiff gebucht und war mir nicht so ganz sicher, ob sie nicht besseres gewöhnt war und seekrank werden würde. Doch dann kam mir in den sinn, dass sie wohl stärker war, als es den Anschein hatte. "Kommt, ich führe euch zu eurer Kabine, dann könnt ihr euch noch etwas zur Ruhe legen, damit wir uns morgen frisch und wach auf den Weg machen können" mit diesen Worten öffnete ich die Kabinentür und deutete hinein. "Falls ihr etwas benötigt, ich nächtige in der Kabine nebenan. Ohne meine Aufmerksamkeit kommt keiner bis zu eurer Kabine vorbei, zudem kenne ich den Kapitän, und ich versichere euch, er ist vertrauenswürdig" Kurz grübelte ich nach. Hatte ich etwas vergessen? "Achja... ausserhalb dieses Reiches behaltet ihr euren Titel lieber vorerst für euch, das ist sicherer." Mit einem beruhigenden Lächeln wünschte ich ihr eine Gute nacht und wandte mich gen meiner Kabine. Ich würde die Nacht hindurch meditieren und ruhen, nicht jedoch schlafen. Ich hatte geschworen, auf sie aufzupassen, und das würde ich auch tun.
Verfasst: Donnerstag 29. Mai 2008, 23:51
von Isabelle von Silberloren
Es war eine etwas seltsame Entführung, denn Isabelle hatte bereits eine Tasche gepackt die sie Aion angereicht hatte als sie das Haus verliessen.
Den Ritt über schwieg sie und nickte immer wieder einer Wache mit freundlichem Lächeln zu als jene sie grüsste.
Am Schiff angekommen hatte sie ihren Siegelring vom Finger genommen und an ihre Halskette gehangen um jene unter ihrem Kleid zu verbergen.
Das Schiff war natürlich im Vergleich zur Abendstern ein müder Kahn der sich über Wasser hielt, aber das machte ihr nichts aus. Sie brauchte diesen Luxus jetzt nicht unbedingt. Es war ein Abenteuer dem sie sich ergab und sie ging gerne darauf ein.
Warum vertraute sie Aion nur?...Er hätte sie genauso gut genau nach Rahal führen können. Für die Erbin der Silberloren hätte er sicherlich einen gewaltigen Preis herraus handeln können. Doch sie glaubte nicht das er soetwas jemals tun würde. Sie wollte vertrauen.
Langsam führte er sie unter Deck. Die Kabine war natürlich mehr als spartanisch und das Bett sicher weit unter ihrer Würde, dennoch sie klagte nicht. Kein einziges Mal, stattdessen lächelt sie unentwegt.
Ein wenig war das natürlich gespielt, denn nervös war sie schon und eine innere Unruhe man könnte ihr jenes Abenteuer zur Anklage machen liess sie einfach nicht los.
Wie musste das aussehen wenn eine junge, schöne Baroness - einflussreich durch ihre beiden Lehen - sich von ihrem Leibwächter und Berater entführen liess auf eine Reise ins ungewisse. Es hatte ein wenig von den Liebesgeschichten die sie früher so gerne und oft gelesen hatte.
Sie wurde kurz rot bei dem Gedanken und als Aion sich schon umwante, griff sie ihn am Umhang.
"Bleibt noch etwas bei mir Aion...ich..bin noch nicht müde." Log sie, denn müde war sie sicherlich.
"Nur ein wenig..es muss ja keiner wissen und niemand weiss wer ich bin...
Bitte..."
Ihre flehenden Augen trafen ihn wieder während sie hoffte er würde sich erweichen lassen. Sicher plagten ihn die selben Zweifel die auch in ihrem Kopf ständig die Runde machten.
-Ich bin eine Baroness...er ein Discipulus..mein Diener...-
Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 00:04
von Aion Astarioth
Als ihre Hand nach meinem Umhang griff, wandte ich mich erstaunt um. Bleiben? Bei ihr? Sacht zog ich die Augenbrauen zusammen. Dann jedoch ließ ich mich von ihr ins innere der Kabine ziehen. "Legt euch ruhig etwas hin, ich werde noch bei euch sitzen bleiben, bis ihr eingeschlafen sein..." sprach ich, während ich auf das wenigstens halbwegs gemütliche Bett klopfte. Und tatsächlich ließ sie sich auch auf jenem nieder. Ich setzte mich auf die Bettkante. "Macht eure Augen zu, Isabelle" sprach ich leise. Vage neugierig schloss sie die Augen, und ich legte federleicht meine Hand über jene. Ich atmete einmal tief durch und begann dann, ihre Liedstruktur zu beeinflussen. Ich ließ Müdigkeit durch ihre Glieder streifen, samtige Dunkelheit, Wärme, Geborgenheit. Als ich ihre leisen, regelmäßigen Atemzüge vernahm, hob ich die Hand ganz sacht von ihren Augen. Ich hatte mein Ziel erreicht, Isabelle war eingeschlafen. Es war ein langer, harter Tag für sie gewesen, sie hatte diese Ruhe wahrlich verdient. "Schlaft, Milady..." murmelte ich, ehe ich mich mit einem leisen ächzen vom Bettrand erhob. Die vergangenen Reisetage zu Pferd und Schiff hatten wahrlich an meinen Reserven gezehrt und nun schmerzte mich jeder Knochen im Körper. Behutsam zog ich eine Decke über Isabelle und wandte mich gen Türe. Als diese hinter mir leise ins Schloss fiel, konnte ich mich endlich in meiner einenen Kabine auf das Lager sinken lassen. Wie gerne würde ich ebenso in samtige Schwärze abgleiten, doch ich wusste, noch konnte ich mir dies nicht erlauben. Also lehnte ich mich an die Schiffswand hinter mir und vertiefte mich in meine Meditation. Morgen würde Isabelle hoffentlich verstehen, dass sie ihren Schlaf brauchte. Ich dachte über ihre Worte nach. "Bleibt noch etwas..." und vergrub das Gesicht in den Händen. Ich hoffte nur, sie würde es morgen nicht bereuen, sich nach solchen worten mit mir auf Reisen begeben zu haben. Morgen würde sie es vielleicht verstehen...
Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 00:31
von Isabelle von Silberloren
Sie war glücklich gewesen als Aion mit ihr in die Kabine ging und gerne hatte sie sich niedergelegt. Seine Hand die sich federleicht auf ihr Gesicht legte empfand sie als sehr angenehm. Wenngleich sie ein wenig Scham verspührte ob der gesamten Situation.
Seine Nähe tat ihr gut. Das Wissen das er neben ihr auf der Bettkante saß, das sie heute nicht alleine einschlief. Die Müdigkeit übermannte sie jedoch erstaunlich schnell. Viel schneller als sie es sich gewünscht hatte, wollte sie doch noch ein wenig diese Nähe und Zweisamkeit geniessen.
Der letzte Gedanke der durch ihren Kopf schoss bevor die süsse Dunkelheit sie verschlang war: "Dränge ich mich ihm auf?..."
Sie schlief die Nacht über traumlos, ruhig und tief. Es war ein Schlaf den sie sich sicherlich redlich verdient hatte und den ihr junger, zarter Körper auch brauchte.
Das Kreischen von Möven am Morgen machte sie wach und sie erhob sich aus ihrem Lager. Das Kleid hatte sie immernoch an. Das war etwas ungewohnt, aber Aion hatte die Decke behutsam über sie gelegt. Es zauberte schon gleich nach dem Aufstehen ein Lächeln auf ihre Lippen.
Während sie aus dem Bullauge blickte kämmte sie ihr ewiglich langes Haar in gewohnt gleichmässigen Strähnen.
Das Meer rauschte vor sich her und in der Ferne konnte man schon Land entdecken. Ein paar Möven zogen an ihrem Fenster vorbei und flogen weiter richtung des Festlandes während das Schiff im Seegang schaukelte.
Schifffahren war sie gewöhnt, es machte ihr nichts aus. Auch wenn es noch so sehr hin und her schaukelte.
Die Bürste weglegend zog sie das zerknitterte Kleid aus und griff in ihre Tasche um ein neues hervor zu ziehen. Ein leichtes Sommerkleid, das sie in den Silberloren getragen hatte bevor sie nach Hohenfels aufgebrochen war. Bei dem warmen Wetter war es genau das Richtige.
Wieder gewandet und herrausgeputzt verliess sie ihre Kabine und klopfte an Aions Zimmer um gleich weiter hinauf zu gehen. Sie wollte auf Deck um sich das Meer anzusehen...
Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 16:17
von Aion Astarioth
Halb erschrocken fuhr ich auf, als es an der Zimmertüre klopfte. "Verdammt" fluchte ich leise, denn scheinbar war ich in der letzten Stunde vor Sonnenaufgang doch eingedöst. Ruckartig stand ich vom Bett aus und angelte mit der Linken nach meiner Hose, die ich über den Stuhl geworfen hatte. Das Hemd fand ich halb unter dem Bett und die Stiefel... tja, wie waren die Stiefel in die andere Ecke der Kabine gekommen? Meine Schwester würde nun wieder über die typische unordentlichkeit der Männer schimpfen... naja, recht hatte sie. Bei mir lag der Fall da allerdings etwas anders. Alles was mit meinen Studien zu tun hatte, wurde penibel geordnet und sortiert. Aber weltliche dinge wie Kleidung, Schuhe, und das ganze, das versank im Chaos. Gerade war ich also dabei auch noch mein rechtes Bein in die Hose zu kriegen, was bei einem schaukelnden Schiff einbeinig garnichtmal so einfach ist, als es erneut klopfte. Wie als hätte das Schicksal es gewollt, brach in genau diesem Moment eine Welle am Bug und das Schiff wippte. Mit lauten Krachen setzte ich mich auf meinen Allerwertesten, die ganzen Bücher, die ich auf dem kleinen Tisch gestapelt hatte, fielen zu Boden und eins landete mir zu meinem Verdruss auf dem Kopf. "Himmel nochmal!" rief ich fluchend aus und rappelte mich auf. Mit einem Ruck zog ich die Hose hoch, das Hemd über und eine Robe über den Kopf. Mit der linken rieb ich mir den Kopf, wo sicherlich eine Beule entstehen würde. Dann trat ich an die Türe und setzte ein etwas gequältes... naja nennen wir es grinsen, auf. Denn man sollte den Tag doch mit einem Lächeln beginnen. Ich öffnete die Türe und lächelte Isabelle, wie ich hoffte, freundlich zu, die linke an der Beule, die rechte am Türrand, um den Blick in das dank meiner Unachtsamkeit im Chaos versunkene Zimmer eher minder erfolgreich zu verbergen. Meine Güte, sie hatte mich doch wohl nicht etwa fluchen gehört, so laut wie ich gewesen war... oder etwa doch?
Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 16:34
von Isabelle von Silberloren
Sie hatte gerade ein paar Schritt im Gang gemacht als das seltsame Gepolter in Aion`s Kabine begann und sie stehen blieb.
Erst dachte sie es währe einfach nur etwas runter gefallen und wollte schon weiter gehen, doch das Gerumpel in dem Zimmer hörte nicht auf.
Da drehte sie sich doch wieder um und blickte unschlüssig auf die Türe.
Das Rumoren wurde noch lauter als scheinbar irgendetwas in sich zusammen brach und auf den Boden fiel.
Gleich darauf Aions Stimme: "Himmel nochmal!"
Einen Moment blinzelt sie die geschlossene Türe an, ehe sie kichern musste, konnte sie sich langsam vorstellen was darin wohl vor sich ging.
Es dauerte noch einen kleinen Augenblick, gepaart mit dem klirren von Gürtelschnallen und dem Rascheln von Stoffen - das Isabelle sehr gut kannte. Dann ging die Tür auf und Aion kam mit einem seltsamen Grinsen aus der Tür, sich den Kopf haltend. Seine Robe hatte er - so glaubte sie, falsch herrum angezogen. Vermutlich auf Links...
"Guten Morgen, Aion. Wie ich sehe habt ihr mehr oder minder tief geschlafen. Tut mir leid wenn ich euch erschreckt habe..."
Einen kurzen Moment beobachtete sie ihn ehe sie weiter sprach und das schmunzeln so gut es ging verbarg.
"Habt ihr euch weh getan? Soll ich einmal nachsehen?"
Ihn nicht wirklich zu einer Antwort kommen lassend, trat sie schon auf ihn zu und besah sich die anschwellende Beule die sich an seinem Kopf langsam bildete und seufzte leise mit einem Kopfschütteln.
"Ich hole einen kalten Lappen, ihr wartet hier auf mich!"
Mit den Worten eilte sie wieder in ihre Kabine und tränkte eines ihrer Taschentücher - die viel zu teuer für sowas eigendlich waren - mit kaltem Wasser und kam wieder zurück. Haar und Kleid wehten dabei leicht hinter ihr her.
Mit einem lieblichen Lächeln hielt sie ihm das Tuch hin.
"Hier..geht es wieder?...ich wollte mir eigendlich das Meer ansehen und dachte ihr kommt mit. Ich konnte ja nicht ahnen das das Gefährlich sein würde..." Neckte sie ihn weiter und ihr Lächeln intensivierte sich noch.
Verfasst: Freitag 30. Mai 2008, 16:45
von Aion Astarioth
Sprachlos starrte ich ihr hinterher. Diese Frau war definitiv schnell. Und sie hatte mich in einem verdammt peinlichen Moment erwischt... Wie sollte man denn da seine würde als berater und beschützer halten? Ehe ich auch nur irgend etwas anderes tun konnte, kam sie zurück und drückte mir ein nasses taschentuch in die Hand. Mit resignierendem Seufzen legte ich mir dieses auf die Beule und plazierte meine Linke darauf. "Also, wollt ihr frühstücken?" fragte ich sie, um sie von meiner misslichen Lage abzulenken. Als sie nickte, griff ich einen Beutel hinter mir vom Tisch und winkte ich sie mit mir auf Deck. Dort begann die Morgensonne gerade, den Himmel zu erklimmen und tauchte das Meer in goldenes glitzern. Mit einem freundlichen Nicken gen des Kapitäns begab ich mich mit Isabelle an den Bug des Schiffes, wo derzeit kein Matrose zu finden war. Flink war mein Umhang auf den Planken ausgebreitet und ein einfaches frühstück darauf serviert. Ein Laib Brot, etwas Wurst und ein Schlauch mit Wasser. Isabelle war ein solch karges Frühstück sicher nicht gewöhnt, mal sehn was sie davon halten würde... Im Laufe unserer Reise würde sie noch viel von der Natur und dem Leben darin zu sehen bekommen, dies war mal ein guter Einstieg. Mit einem zufriedenen Seufzen ließ ich mich auf dem einen Ende des Umhangs nieder und klopfte mit der Rechten auf das andere Ende, es ihr als Sitzplatz anbietend.