Unwiderruflicher Abschied von einem Mistkerl
Verfasst: Sonntag 11. Mai 2008, 18:13
Wie oft hatten sie ihre messerscharfen Zungen gewetzt, die verbalen Klingen aufeinander schlagen lassen, bis Funken sprühten? Herr Zyran Mondin und sie, Savea? Unzählige Male. Wieder und wieder.. einmal bis aufs sprichwörtlich zweite Blut, welches floß, den Verbalattacken zufolge. Und auch als vieles ausgesprochen, eine stille, gegenseitige Akzeptanz eingetreten war, machte es ihnen insgeheim Vergnügen die alten Zungensäbel ab und an wieder aufleben zu lassen... fast als wäre es ihr beider Weg den sie gefunden hatten, miteinander umzugehen und... auszukommen.
Nun lag er auf der kleinen Lichtung vor ihr.
Das ewig bockende Vieh dieses Mistkerls hatte vor dem Anwesen gewartet und als sie kam, um für Shaya etwas Suppe zu kochen, zeigte sich der Hengst weniger bockig, aber seltsam aufgebracht. Er scharrte mit den Hufen, schnaubte laut und folgte ihr, als hätte sie Speck in den Taschen, als sie ins Haus wollte.
Bei genauerer Betrachtung fiel ihr das Blut auf, welches mit dem einsetzenden Regen von der Pferdedecke tropfte. Es war kein Pferdeblut und der alte Gaul, der ihr seinen Namen verdankte, scharrte und schnaubte ohne Unterlaß. Erst als Savea sich davon überzeugt hatte, dass Zyran nicht verletzt im Haus war, verstand sie, dass der Gaul wollte, dass sie ihm folgte.
Kaum saß sie auf ihrer Stute, preschte der Hengst in vollem Galopp davon, dass die Stute fast Mühe hatte zu folgen. Abrupt endete das Trommeln aufschlagender Hufe, oben am Wald, nahe des Wegekreuzes. Eine kleine Schneise führte durchs dichte Unterholz zu einer kleinen Lichtung.
Sie sah ihn sofort, rutschte aus dem Sattel und kniete sich neben ihn. An der Seite ein tiefer Schnitt, aus dem nur langsam Blut floß, getrocknetes Blut auf der Kleidung und im Gras, der Bart verklebt und verfärbt, der linke Arm verdreht unter seinem Rücken liegend, das Gesicht voller Staub, bis auf den hellen, getrockneten Streifen vom rechten Auge aus über die Wange, die Augen starr gen Himmel gerichtet.
Sie preßte ihr Ohr auf seinen Brustkorb.. sie vernahm keinen Herzschlag.. sie kramte einen kleinen Handspiegel aus der Tasche, hielt ihn ihm vor Nase und Lippen.. der Spiegel beschlug nicht, blieb klar.
Nach allem was in der letzten Zeit geschehen war, wollte sie das nicht auch noch wahr haben, riß an seiner linken Hand, suchte den Puls.. vergebens.
Wut, Erschöpfung und Trauer wallten in ihr hoch und sie schrie ihn an, mit beiden Fäusten auf seinen Brustkorb trommelnd. „Ihr seid ein verdammter Mistkerl Herr Mondin!“
Er hörte es nicht mehr.
Sein Kopf rutschte zur Seite, seine starren Augen blickten sie an und sie schloß seine Lider sanft. Irgendwie schaffte sie seinen leblosen Körper auf den alten Hengst, der tatsächlich ruhig stehen blieb, als würde er verstehen und band ihn fest.
Keine Zufriedenheit, keine Boshaftigkeit, sondern Bitterkeit und Wehmut klangen in ihrer Stimme.
„Euer letzter Ritt Herr Mondin, auf dem alten Scheusal, welches so gut zu Euch paßte.“
Langsam führte sie die Stute, den Hengst und Zyran zum Kloster, Bruder Cassian bittend, sich seiner anzunehmen, ihn bereit zu machen für das Begräbnis in der kleinen Kapelle.
Sie brachte frische Sachen zum Kloster, auf dass er zur letzten Feier entsprechend gekleidet werden konnte.
Das sonst so widerspenstige Vieh Zyrans wich ihr nicht mehr von der Seite. Beide Pferde brachte sie zum Anwesen und versorgte sie. Silbersturm, wie der Gaul wegen seines Temperaments und seiner in der Sonne wie Silber schimmernden Narben damals getauft wurde bekam seine edel bestickte Decke zurück, nachdem es Savea gelungen war Dreck und Blut fast gänzlich heraus zu waschen. Er mochte keinen Sattel.
Auf dem kleinen Regal der Bibliothek, wo so lange Zeit Zyrans Bett stand, befand sich nun eine hölzerne Statue. Sie wußte nicht, ob er sie selbst geschnitzt hatte, oder was sie ihm bedeutete, allein die Tatsache, dass sie ihm gehörte und offenbar die Einzige war, die sich in seinem Nachlaß befand, reichte ihr, sie dort gut sichtbar aufzustellen.
Alle anderen Dinge tat sie in eine Tasche. Viel hatte er nicht besessen, fiel ihr dabei auf.
Sie würde das Wenige was blieb der Schwester Zyrans zukommen lassen.
„Ruhet wohl in den Armen der Gütigen.. Mistkerl.“
Nun lag er auf der kleinen Lichtung vor ihr.
Das ewig bockende Vieh dieses Mistkerls hatte vor dem Anwesen gewartet und als sie kam, um für Shaya etwas Suppe zu kochen, zeigte sich der Hengst weniger bockig, aber seltsam aufgebracht. Er scharrte mit den Hufen, schnaubte laut und folgte ihr, als hätte sie Speck in den Taschen, als sie ins Haus wollte.
Bei genauerer Betrachtung fiel ihr das Blut auf, welches mit dem einsetzenden Regen von der Pferdedecke tropfte. Es war kein Pferdeblut und der alte Gaul, der ihr seinen Namen verdankte, scharrte und schnaubte ohne Unterlaß. Erst als Savea sich davon überzeugt hatte, dass Zyran nicht verletzt im Haus war, verstand sie, dass der Gaul wollte, dass sie ihm folgte.
Kaum saß sie auf ihrer Stute, preschte der Hengst in vollem Galopp davon, dass die Stute fast Mühe hatte zu folgen. Abrupt endete das Trommeln aufschlagender Hufe, oben am Wald, nahe des Wegekreuzes. Eine kleine Schneise führte durchs dichte Unterholz zu einer kleinen Lichtung.
Sie sah ihn sofort, rutschte aus dem Sattel und kniete sich neben ihn. An der Seite ein tiefer Schnitt, aus dem nur langsam Blut floß, getrocknetes Blut auf der Kleidung und im Gras, der Bart verklebt und verfärbt, der linke Arm verdreht unter seinem Rücken liegend, das Gesicht voller Staub, bis auf den hellen, getrockneten Streifen vom rechten Auge aus über die Wange, die Augen starr gen Himmel gerichtet.
Sie preßte ihr Ohr auf seinen Brustkorb.. sie vernahm keinen Herzschlag.. sie kramte einen kleinen Handspiegel aus der Tasche, hielt ihn ihm vor Nase und Lippen.. der Spiegel beschlug nicht, blieb klar.
Nach allem was in der letzten Zeit geschehen war, wollte sie das nicht auch noch wahr haben, riß an seiner linken Hand, suchte den Puls.. vergebens.
Wut, Erschöpfung und Trauer wallten in ihr hoch und sie schrie ihn an, mit beiden Fäusten auf seinen Brustkorb trommelnd. „Ihr seid ein verdammter Mistkerl Herr Mondin!“
Er hörte es nicht mehr.
Sein Kopf rutschte zur Seite, seine starren Augen blickten sie an und sie schloß seine Lider sanft. Irgendwie schaffte sie seinen leblosen Körper auf den alten Hengst, der tatsächlich ruhig stehen blieb, als würde er verstehen und band ihn fest.
Keine Zufriedenheit, keine Boshaftigkeit, sondern Bitterkeit und Wehmut klangen in ihrer Stimme.
„Euer letzter Ritt Herr Mondin, auf dem alten Scheusal, welches so gut zu Euch paßte.“
Langsam führte sie die Stute, den Hengst und Zyran zum Kloster, Bruder Cassian bittend, sich seiner anzunehmen, ihn bereit zu machen für das Begräbnis in der kleinen Kapelle.
Sie brachte frische Sachen zum Kloster, auf dass er zur letzten Feier entsprechend gekleidet werden konnte.
Das sonst so widerspenstige Vieh Zyrans wich ihr nicht mehr von der Seite. Beide Pferde brachte sie zum Anwesen und versorgte sie. Silbersturm, wie der Gaul wegen seines Temperaments und seiner in der Sonne wie Silber schimmernden Narben damals getauft wurde bekam seine edel bestickte Decke zurück, nachdem es Savea gelungen war Dreck und Blut fast gänzlich heraus zu waschen. Er mochte keinen Sattel.
Auf dem kleinen Regal der Bibliothek, wo so lange Zeit Zyrans Bett stand, befand sich nun eine hölzerne Statue. Sie wußte nicht, ob er sie selbst geschnitzt hatte, oder was sie ihm bedeutete, allein die Tatsache, dass sie ihm gehörte und offenbar die Einzige war, die sich in seinem Nachlaß befand, reichte ihr, sie dort gut sichtbar aufzustellen.
Alle anderen Dinge tat sie in eine Tasche. Viel hatte er nicht besessen, fiel ihr dabei auf.
Sie würde das Wenige was blieb der Schwester Zyrans zukommen lassen.
„Ruhet wohl in den Armen der Gütigen.. Mistkerl.“