Der Weg Arenvirs
Verfasst: Donnerstag 8. Mai 2008, 16:41
Langsam blickte er sich im Raum um und nickte zufrieden. Alles war mehr oder weniger ordentlich aufgeräumt, die Raummitte seines erlesenen Gasthauszimmers leer. Einen letzten Blick warf er auf den Boden und lächelte. Anfangs hatte es ihn geärgert, da der Holzboden zu uneben war, um darauf ordentlich zeichnen zu können. Also war er auf den Marktplatz gegangen und hatte eine Marmorplatte mit einer Kantenlänge von einem Meter und einem halben erstanden, um auf diesem arbeiten zu können.
Eben jene Marmorplatte stand nun sauber poliert in der Mitte des Raumes und er ging vor ihr in die Knie, raffte den Saum seines Mantels, da es für die Robe schlichtweg ein zu heißer Tag war und begann, mit einem Kreidestift ein Pentagramm zu zeichnen. Dazu benutzte er ein langes Linial, das er seinen Schreibutensilien entnommen hatte, um die Linien gerade und sauber zu halten. Als der Fünfstrahlige Stern schließlich fertig war, kniff er die Augen zusammen und nickte sachte. Alles war, wie es sein sollte. Auf die richtige Art der Bannkreisrichtung achtend, fügte er auch diesen langsam hinzu, verwischte an einer Stelle den Kreidestaub und zeichnete den Bogen erneut, bis er erneut nickte. Alles war bereit.
Während er sich im bequemen Schneidersitz (im Bannkreis befindlich) hinsetzte, trat ein kurzes Bild vor sein geistiges Auge. "Das müsst ihr wohl noch üben", hatte seine Meisterin, wenngleich auch mit einem Lächeln auf den Lippen gesagt. Er verdrängte den Gedanken mit einem Schmunzeln, denn genau dazu saß er jetzt hier. In die Stille des Raumes mit den geschlossenen Fensterläden, die nur difuses, abgeschwächtes Licht hineinließen, lauschte er auf seinen langsamen und gleichmäßigen Herzschlag. Dann öffnete er die Hände, die Handflächen nach außen in Richtung des Pentazentrums und öffnete sich seiner ureigenen Verbindung zu Eluives Lied. Spinnen waren ihm seit jeher verhasst und gerade deshalb war das Wesen, das er heute beschwören würde, eben einer dieser achtbeinigen, haarig schaurigen Krabbler. In seinem Geiste formte er das Abbild einer Art mit langen, dicken Beinen, deren Leib etwa auf die Größe eines menekanischen Granatapfels kam, einem seiner Meinung nach besonders wiederlichen Exemplar dieser Familie, wenngleich es da natürlich auch noch die großen und die ganz großen Brocken gab.
Leicht fiel es ihm nicht, mit dem Ausschweifen seiner Gedanken aufzuhören, die sich noch dazu in immer unangenehmere Bahnen erstreckten, doch mit vorhandener und in der Akademiezeit durch seine Magister geförderter Mentaldisziplin schaffte er auch dieses Hindernis.
Langsam und sanft, so sanft wie er bei seiner Geliebten zu Rande gegangen wäre, öffnete er unter Aufbietung eiserner Konzentration einen Spährentunnel und sandte seine magischen Fänge durch jenen, um zu ziehen und zu ziehen bis schließlich ein Exemplar auf dem Plan erschien, das seine Kriterien von Widerwärtigkeit und Ekel bestens erfüllte. Als er den Tunnel wieder versiegelt hatte, fixierte er sein Auge auf die Spinne.
Still! Du gehorchst meinem Willen und tust nichts ohne meinen Befehl. Du beugst dich allein mir. peitschte er seinen Willen auf die Spinne ein. Als hätte sie seine Worte verstanden, zitterte die Spinne aufgeregt mit den Beinen und wandte sich ihm zu, um an Ort und Stelle zu verharren.
Arenvir biss die Zähne zusammen, am liebsten hätte er sich abgewandt oder das Tier zertreten. Obwohl es gar nicht so leicht fallen dürfte, dieses große Biest zu zertreten, dachte er bei sich. Diesesmal jedoch ließ er den Fokus seiner Gedanken auf der Spinne und als er ihr einige Kommandos erteilte, folgte sie Gehorsam. Mit jedem weiteren Befehl zeigte das Tier sich gefügiger. Soweit so gut.
Langsam erhob er sich aus dem Schneidersitz und ging auf die Spinne zu. Sie zu berühren brachte er zunächst nicht über sich, es nicht zu tun, war jedoch nicht Teil seines Vorhabens. Krabble langsam auf meinen Arm, bleib auf dem von Stoff bedeckten Teil! Da er jedoch nicht sicher war, ob die Spinne verstehen würde, was er mit Stoff meinte, streckte er den Arm so hin, das sie nur geradeaus zu laufen und zu klettern hatte. Er erschauerte, als sie sich langsam und elegant an seinem Arm hinauf hangelte, der Schweiß auf seiner Stirn wäre nun niemandem mehr verborgen geblieben und sein Herz schlug wummernd und dumpf in seiner Brust, rauschte in seinen Ohren wie Kriegstrommeln. Dort bleib und rühr dich nicht!, "herrschte" er sie an. Konnte die Spinne seine Angst spüren? Nein, das war unmöglich, denn dieses Tier war ohne Verstand sagte er sich selbst.
Wie auch immer, sie gehorchte und so näherte er langsam, mit leise knirschenden Zähnen und berührte die Spinne am Abdomen, dem Hinterleib um mit den Fingern langsam nach vorn zu fahren. Er wollte schon wie elektrisiert mit den Fingern zurückzucken, unterdrückte den Impuls jedoch brutal und zwang sich, weiterzumachen. Als er die Lippen schließlich öffnete, atmete er tief und etwas zittrig ein und Aus um seine schmerzenden Lungen (er hatte nicht bemerkt, das er die Luft angehalten hatte) zu besänftigen. Über die schwarzen und grauen Augen der Spinne fuhr er nicht, das hätte sie sicher zum Angriff verleitet, doch er berührte einen der Tastfühler. Die Spinne veränderte ihren Stand ein wenig, doch richtete sie sich nicht zum Biss auf. So ist es Recht, ich werde dir nichts tun! mahnte er wohlmeinend. Er schob den Tastfühler unendlich langsam zur Seite, bis die Spinne ihm die Arbeit abnahm, da sie sich offenbar gestört fühlte, und den Blick auf die eine Chelizere (die "Fänge" der Spinne) freigab. Schwarz und gebogen mit einer etwas helleren Spitze. Es steckte äußerste Kraft hinter diesen eigentlich recht kleinen Zähnen, das wusste er leider nur zu gut. Doch er unterbrach seine Gedanken, da die Spinne zu zittern anfing. Moment, das war sein Arm, nicht die Spinne. Los runter, ja genau da hin! Er schluckte mühsam, deutete mit zitternden Händen Auf das Pentagramm und öffnete den Spährentunnel um die Spinne unter Zuhilfenahme des magischen Liedes wegzuschicken...
Als ihre Präsenz endlich verschwunden war, ging er reichlich blass, reichlich geschafft, verschwitzt, aber fast platzend vor Stolz zum Tisch.
Dort schenkte er sich erstmal einen großzügigen Klaren ein. Den, hatte er nun sicher verdient.
Es war noch ein gutes Stück arbeitet mit der Spinnerei, doch wenigstens hatte es ihm die Möglichkeit gegeben, den Willen einer Kreatur unter verschärften Bedingungen zu überwältigen. Wenngleich das auch nicht an ihrem Willen, sondern seinem Widerwillen lag.
Kurz schob sich ein Lächeln auf seine Lippen, dann jedoch ruckte sein Kopf schlagartig herum. Hatte hier etwas gekrabbelt? War da etwas?
Er erhob sich vom Stuhl, spähte kurz durch den Raum und setzte sich dann wieder. Diesmal jedoch auf die Tischplatte, die Füße stellte er auf die Stuhllehne, ehe er ein weiteres Glas einschenkte, und die nächste Viertelstunde damit verbrachte, auf Geräusche zu lauschen...
Eben jene Marmorplatte stand nun sauber poliert in der Mitte des Raumes und er ging vor ihr in die Knie, raffte den Saum seines Mantels, da es für die Robe schlichtweg ein zu heißer Tag war und begann, mit einem Kreidestift ein Pentagramm zu zeichnen. Dazu benutzte er ein langes Linial, das er seinen Schreibutensilien entnommen hatte, um die Linien gerade und sauber zu halten. Als der Fünfstrahlige Stern schließlich fertig war, kniff er die Augen zusammen und nickte sachte. Alles war, wie es sein sollte. Auf die richtige Art der Bannkreisrichtung achtend, fügte er auch diesen langsam hinzu, verwischte an einer Stelle den Kreidestaub und zeichnete den Bogen erneut, bis er erneut nickte. Alles war bereit.
Während er sich im bequemen Schneidersitz (im Bannkreis befindlich) hinsetzte, trat ein kurzes Bild vor sein geistiges Auge. "Das müsst ihr wohl noch üben", hatte seine Meisterin, wenngleich auch mit einem Lächeln auf den Lippen gesagt. Er verdrängte den Gedanken mit einem Schmunzeln, denn genau dazu saß er jetzt hier. In die Stille des Raumes mit den geschlossenen Fensterläden, die nur difuses, abgeschwächtes Licht hineinließen, lauschte er auf seinen langsamen und gleichmäßigen Herzschlag. Dann öffnete er die Hände, die Handflächen nach außen in Richtung des Pentazentrums und öffnete sich seiner ureigenen Verbindung zu Eluives Lied. Spinnen waren ihm seit jeher verhasst und gerade deshalb war das Wesen, das er heute beschwören würde, eben einer dieser achtbeinigen, haarig schaurigen Krabbler. In seinem Geiste formte er das Abbild einer Art mit langen, dicken Beinen, deren Leib etwa auf die Größe eines menekanischen Granatapfels kam, einem seiner Meinung nach besonders wiederlichen Exemplar dieser Familie, wenngleich es da natürlich auch noch die großen und die ganz großen Brocken gab.
Leicht fiel es ihm nicht, mit dem Ausschweifen seiner Gedanken aufzuhören, die sich noch dazu in immer unangenehmere Bahnen erstreckten, doch mit vorhandener und in der Akademiezeit durch seine Magister geförderter Mentaldisziplin schaffte er auch dieses Hindernis.
Langsam und sanft, so sanft wie er bei seiner Geliebten zu Rande gegangen wäre, öffnete er unter Aufbietung eiserner Konzentration einen Spährentunnel und sandte seine magischen Fänge durch jenen, um zu ziehen und zu ziehen bis schließlich ein Exemplar auf dem Plan erschien, das seine Kriterien von Widerwärtigkeit und Ekel bestens erfüllte. Als er den Tunnel wieder versiegelt hatte, fixierte er sein Auge auf die Spinne.
Still! Du gehorchst meinem Willen und tust nichts ohne meinen Befehl. Du beugst dich allein mir. peitschte er seinen Willen auf die Spinne ein. Als hätte sie seine Worte verstanden, zitterte die Spinne aufgeregt mit den Beinen und wandte sich ihm zu, um an Ort und Stelle zu verharren.
Arenvir biss die Zähne zusammen, am liebsten hätte er sich abgewandt oder das Tier zertreten. Obwohl es gar nicht so leicht fallen dürfte, dieses große Biest zu zertreten, dachte er bei sich. Diesesmal jedoch ließ er den Fokus seiner Gedanken auf der Spinne und als er ihr einige Kommandos erteilte, folgte sie Gehorsam. Mit jedem weiteren Befehl zeigte das Tier sich gefügiger. Soweit so gut.
Langsam erhob er sich aus dem Schneidersitz und ging auf die Spinne zu. Sie zu berühren brachte er zunächst nicht über sich, es nicht zu tun, war jedoch nicht Teil seines Vorhabens. Krabble langsam auf meinen Arm, bleib auf dem von Stoff bedeckten Teil! Da er jedoch nicht sicher war, ob die Spinne verstehen würde, was er mit Stoff meinte, streckte er den Arm so hin, das sie nur geradeaus zu laufen und zu klettern hatte. Er erschauerte, als sie sich langsam und elegant an seinem Arm hinauf hangelte, der Schweiß auf seiner Stirn wäre nun niemandem mehr verborgen geblieben und sein Herz schlug wummernd und dumpf in seiner Brust, rauschte in seinen Ohren wie Kriegstrommeln. Dort bleib und rühr dich nicht!, "herrschte" er sie an. Konnte die Spinne seine Angst spüren? Nein, das war unmöglich, denn dieses Tier war ohne Verstand sagte er sich selbst.
Wie auch immer, sie gehorchte und so näherte er langsam, mit leise knirschenden Zähnen und berührte die Spinne am Abdomen, dem Hinterleib um mit den Fingern langsam nach vorn zu fahren. Er wollte schon wie elektrisiert mit den Fingern zurückzucken, unterdrückte den Impuls jedoch brutal und zwang sich, weiterzumachen. Als er die Lippen schließlich öffnete, atmete er tief und etwas zittrig ein und Aus um seine schmerzenden Lungen (er hatte nicht bemerkt, das er die Luft angehalten hatte) zu besänftigen. Über die schwarzen und grauen Augen der Spinne fuhr er nicht, das hätte sie sicher zum Angriff verleitet, doch er berührte einen der Tastfühler. Die Spinne veränderte ihren Stand ein wenig, doch richtete sie sich nicht zum Biss auf. So ist es Recht, ich werde dir nichts tun! mahnte er wohlmeinend. Er schob den Tastfühler unendlich langsam zur Seite, bis die Spinne ihm die Arbeit abnahm, da sie sich offenbar gestört fühlte, und den Blick auf die eine Chelizere (die "Fänge" der Spinne) freigab. Schwarz und gebogen mit einer etwas helleren Spitze. Es steckte äußerste Kraft hinter diesen eigentlich recht kleinen Zähnen, das wusste er leider nur zu gut. Doch er unterbrach seine Gedanken, da die Spinne zu zittern anfing. Moment, das war sein Arm, nicht die Spinne. Los runter, ja genau da hin! Er schluckte mühsam, deutete mit zitternden Händen Auf das Pentagramm und öffnete den Spährentunnel um die Spinne unter Zuhilfenahme des magischen Liedes wegzuschicken...
Als ihre Präsenz endlich verschwunden war, ging er reichlich blass, reichlich geschafft, verschwitzt, aber fast platzend vor Stolz zum Tisch.
Dort schenkte er sich erstmal einen großzügigen Klaren ein. Den, hatte er nun sicher verdient.
Es war noch ein gutes Stück arbeitet mit der Spinnerei, doch wenigstens hatte es ihm die Möglichkeit gegeben, den Willen einer Kreatur unter verschärften Bedingungen zu überwältigen. Wenngleich das auch nicht an ihrem Willen, sondern seinem Widerwillen lag.
Kurz schob sich ein Lächeln auf seine Lippen, dann jedoch ruckte sein Kopf schlagartig herum. Hatte hier etwas gekrabbelt? War da etwas?
Er erhob sich vom Stuhl, spähte kurz durch den Raum und setzte sich dann wieder. Diesmal jedoch auf die Tischplatte, die Füße stellte er auf die Stuhllehne, ehe er ein weiteres Glas einschenkte, und die nächste Viertelstunde damit verbrachte, auf Geräusche zu lauschen...