Begegnungen der widernatürlichen Art
Verfasst: Sonntag 20. April 2008, 22:21
Verlier nicht den Vestand! Reiß dich zusammen! Bleib bei Sinnen! Rief leise die Stimme in ihrem Hinterkopf. Es war so anstrengend ihr zu gehorchen, während jede Faser ihres Körpers danach schrie, aufzugeben, sich fallen zu lassen, nicht mehr aufzustehen, nicht mehr zu denken. Nicht mehr erinnern!
Es sollte ein Jagdausflug werden, zu dem sich die vier Frauen aufmachten. Sie hatten gehört von einer bislang unbekannten Berghöhle mit einem schönen See.
Guter Dinge waren sie aufgebrochen und alles schien sich zu fügen, bis.. ja bis sie sich dem alten Anguren gegenüber sahen. Auf einem Terrain wo es kein Entkommen gab, als sich ihm zu stellen, in welcher Weise auch immer. Es war nicht viel übrig von dem gütigen Alten, den sie vor so langer Zeit kennen gelernt hatte. Lange vor der Entführung nach Fuachtero, lange vor der Ankunft der Anguren auf dem Festland.
Gehässigkeit schlug ihnen entgegen, wie er ihnen eröffnete, sich des ungeborenen Kindes Rafaels und Felicitas angenommen zu haben und das Versprechen gab, sich den Rest auch noch zu holen.. und mehr.
Reines Entsetzen ließ Savea ihm die Worte, er sei eine Ausgeburt eines unehrenhaften Eisinslers, entgegen rufen. Dann mußten die vier Frauen zusehen, wie sich vor ihren Augen der Alte wandelte. In ein Wesen, welches nichts menschliches mehr hatte und auch einem Tier kaum ähnelte.. nur entfernt etwas von einem Bären aufwies.
Selissa versuchte ihn zu warnen: „Gib acht was du tust Angure!“
Die riesige Pranke fegte die mutige Knappin zur Seite, an die nächste Wand.
Savea schoß mit zitternden Händen Pfeile in seine Richtung, Shaya tat es ihr gleich.
Jeder Treffer schien das Untier noch anzuheizen, statt zu stoppen.
Als zwei der Hiebe seiner Pranken Savea trafen wurde es Nacht um sie und die nächsten beiden Hiebe bekam sie schon nicht mehr mit. Ebenso wenig wie Shaya zu Boden ging.
Einzig Zoe hatte sich aus seinem Blickfeld retten können. Sie war es schlußendlich, die allen wieder auf die Beine half. Der vor Wut und Haß rasende Alte war fort.
Angeschlagen fanden sie Heim, spät in der Nacht.
Am Nachmittag des nächsten Tages nutzten Shaya und Savea die Stunde vor der königlichen Audienz Sir Rafael zu berichten, was sie in der letzten Nacht schon Milady erzählt hatten.
Bei der öffentlichen Audienz selbst trat Savea vor den Truchsess, um ihn zu befragen, was er gegen die Anguren zu tun gedenke. Mit der Antwort konnte sie sich zunächst einigermaßen zufrieden geben.
Am frühen Abend beschloß sie einen Spaziergang zu machen, den Kopf frei zu bekommen.
Nicht unweit des Klosters auf Reichsgebiet ging sie Gedanken verloren durch das kleine Waldstück. Es fiel ihr zunächst nicht auf, dass es stiller dort war als sonst. Erst als einige Vögel aufgescheucht hoch flogen und protestierend zwitschernd ihrem Unmut freien Lauf ließen, vernahm auch sie die eher Wald untypischen Geräusche, gefolgt von einem lauten Schrei.
Reflexartig griff sie Richtung Schulter und.. ins Leere. Sie war ohne den Bogen losgezogen, schließlich wollte sie ja nicht weit fort vom Anwesen.
Ehe sie einer weiteren Reaktion fähig war, schoß der Alte in Gestalt des fast widernatürlichen Wesens zwischen den Bäumen hervor, direkt auf sie zu.
War sie zunächst wie erstarrt stehen geblieben, wich sie seiner Pranke dann erfolgreich aus.
Dies gelang ihr genau zweimal. Mit einer Geschwindigkeit, die man dem Koloß nicht zutrauen würde, war er ihr auf den Fersen und der nächste Griff fand sein Ziel.
Sein Maul so riesig, dass ein Kopf normaler Größe ohne Probleme hinein passen würde, ragte aufgerissen vor ihrem, vor Entsetzen starren, Blick auf. Sein nichts menschlich habendes Gebrüll vermischte sich mit dem angstvollen, gellenden Schrei Saveas.
Sein Griff um ihre Taille preßte ihr fast die Luft aus dem Körper, sie merkte es nicht.
Wie aus dem Nichts tauchte ein junger Mann auf, der dem Ungetüm mit Schwert und Schild Einhalt gebieten wollte. Es gelang ihm gar, dem Riesen einen Schwertstich beizubringen, was diesen dazu veranlaßte, sich nun dem jungen Krieger zuzuwenden, Savea fest im Griff behaltend.
Hatte der junge Mann zuvor Saveas Zurufe zu fliehen, oder Hilfe zu holen in den Wind geschlagen, sah er sich nun gezwungen, die Flucht anzutreten.
All ihre eigenen Bemühungen sich seines Griffes zu entwinden waren kläglich gescheitert und ihrer Kräfte beraubt hing sie wie eine Puppe in seinem Arm.
Als sich sein riesiges Maul wieder ihrem Gesicht näherte, wünschte sie sich lediglich noch ein schnelles Ende. Die eisblauen Augen fixierten sie und etwas, was nur ganz entfernt an ihren Namen erinnerte entrang sich seiner Kehle.
Alle Dämme brachen und der Tränen der Verzweiflung, die schier überkochte, derer schämte sie sich nicht. „Warum?“
Weitab aller rationaler Gedanken beobachtete sie wie aus der Ferne, den inneren Kampf den der Alte mit dem Wesen in sich, ausfocht. Sah sie in eisblaue Augen erkannte sie den Alten, der sich mit einem Aufbrüllen die Pranke an den eigenen Kopf hielt.. sah sie in gelbe Augen mußte sie damit rechnen, dass das sich ihr nähernde weit aufgerissene Maul diesmal zubiß.
Minuten die zu einer Ewigkeit verschmolzen, mit der stummen Bitte es enden zu lassen.
Plötzlich fühlte sie sich fallen gelassen.. fast weggestoßen. Sie rollte zweimal auf dem vom Regen getränkten Waldboden herum und kämpfte sich auf Hände und Füße.
Sie versuchte sich im fort krabbeln aufzurichten. Unkoordiniert schoß sie vorwärts, ohne sich umzudrehen. Erst als sie sich hinter einem Baum verbarg, am Ende ihrer Kräfte, blickte sie zurück. Der Alte in Gestalt des Ungetüms machte der dort stehenden Birke den Garaus.
Leute näherten sich. Die „Kreatur“ floh... und auch sie hielt hier nichts mehr.
Sie lief und lief, ohne nachzudenken. Zum Anwesen. Niemand dort. Zum Schloß.
Erst als sie im Flur anhielt und der Richter sie ansprach, sie wegen ihrer Aufmachung tadelte, kam sie halbwegs zu sich. Natürlich.. unangemessen gekleidet.. der Mantel stand vor Dreck, so konnte sie nicht... sie mußte fort.
Verlier nicht den Vestand! Reiß dich zusammen! Bleib bei Sinnen!
Dabei wäre es schön, sich fallen zu lassen, nicht mehr zu denken, sich nicht mehr zu erinnern...
Es sollte ein Jagdausflug werden, zu dem sich die vier Frauen aufmachten. Sie hatten gehört von einer bislang unbekannten Berghöhle mit einem schönen See.
Guter Dinge waren sie aufgebrochen und alles schien sich zu fügen, bis.. ja bis sie sich dem alten Anguren gegenüber sahen. Auf einem Terrain wo es kein Entkommen gab, als sich ihm zu stellen, in welcher Weise auch immer. Es war nicht viel übrig von dem gütigen Alten, den sie vor so langer Zeit kennen gelernt hatte. Lange vor der Entführung nach Fuachtero, lange vor der Ankunft der Anguren auf dem Festland.
Gehässigkeit schlug ihnen entgegen, wie er ihnen eröffnete, sich des ungeborenen Kindes Rafaels und Felicitas angenommen zu haben und das Versprechen gab, sich den Rest auch noch zu holen.. und mehr.
Reines Entsetzen ließ Savea ihm die Worte, er sei eine Ausgeburt eines unehrenhaften Eisinslers, entgegen rufen. Dann mußten die vier Frauen zusehen, wie sich vor ihren Augen der Alte wandelte. In ein Wesen, welches nichts menschliches mehr hatte und auch einem Tier kaum ähnelte.. nur entfernt etwas von einem Bären aufwies.
Selissa versuchte ihn zu warnen: „Gib acht was du tust Angure!“
Die riesige Pranke fegte die mutige Knappin zur Seite, an die nächste Wand.
Savea schoß mit zitternden Händen Pfeile in seine Richtung, Shaya tat es ihr gleich.
Jeder Treffer schien das Untier noch anzuheizen, statt zu stoppen.
Als zwei der Hiebe seiner Pranken Savea trafen wurde es Nacht um sie und die nächsten beiden Hiebe bekam sie schon nicht mehr mit. Ebenso wenig wie Shaya zu Boden ging.
Einzig Zoe hatte sich aus seinem Blickfeld retten können. Sie war es schlußendlich, die allen wieder auf die Beine half. Der vor Wut und Haß rasende Alte war fort.
Angeschlagen fanden sie Heim, spät in der Nacht.
Am Nachmittag des nächsten Tages nutzten Shaya und Savea die Stunde vor der königlichen Audienz Sir Rafael zu berichten, was sie in der letzten Nacht schon Milady erzählt hatten.
Bei der öffentlichen Audienz selbst trat Savea vor den Truchsess, um ihn zu befragen, was er gegen die Anguren zu tun gedenke. Mit der Antwort konnte sie sich zunächst einigermaßen zufrieden geben.
Am frühen Abend beschloß sie einen Spaziergang zu machen, den Kopf frei zu bekommen.
Nicht unweit des Klosters auf Reichsgebiet ging sie Gedanken verloren durch das kleine Waldstück. Es fiel ihr zunächst nicht auf, dass es stiller dort war als sonst. Erst als einige Vögel aufgescheucht hoch flogen und protestierend zwitschernd ihrem Unmut freien Lauf ließen, vernahm auch sie die eher Wald untypischen Geräusche, gefolgt von einem lauten Schrei.
Reflexartig griff sie Richtung Schulter und.. ins Leere. Sie war ohne den Bogen losgezogen, schließlich wollte sie ja nicht weit fort vom Anwesen.
Ehe sie einer weiteren Reaktion fähig war, schoß der Alte in Gestalt des fast widernatürlichen Wesens zwischen den Bäumen hervor, direkt auf sie zu.
War sie zunächst wie erstarrt stehen geblieben, wich sie seiner Pranke dann erfolgreich aus.
Dies gelang ihr genau zweimal. Mit einer Geschwindigkeit, die man dem Koloß nicht zutrauen würde, war er ihr auf den Fersen und der nächste Griff fand sein Ziel.
Sein Maul so riesig, dass ein Kopf normaler Größe ohne Probleme hinein passen würde, ragte aufgerissen vor ihrem, vor Entsetzen starren, Blick auf. Sein nichts menschlich habendes Gebrüll vermischte sich mit dem angstvollen, gellenden Schrei Saveas.
Sein Griff um ihre Taille preßte ihr fast die Luft aus dem Körper, sie merkte es nicht.
Wie aus dem Nichts tauchte ein junger Mann auf, der dem Ungetüm mit Schwert und Schild Einhalt gebieten wollte. Es gelang ihm gar, dem Riesen einen Schwertstich beizubringen, was diesen dazu veranlaßte, sich nun dem jungen Krieger zuzuwenden, Savea fest im Griff behaltend.
Hatte der junge Mann zuvor Saveas Zurufe zu fliehen, oder Hilfe zu holen in den Wind geschlagen, sah er sich nun gezwungen, die Flucht anzutreten.
All ihre eigenen Bemühungen sich seines Griffes zu entwinden waren kläglich gescheitert und ihrer Kräfte beraubt hing sie wie eine Puppe in seinem Arm.
Als sich sein riesiges Maul wieder ihrem Gesicht näherte, wünschte sie sich lediglich noch ein schnelles Ende. Die eisblauen Augen fixierten sie und etwas, was nur ganz entfernt an ihren Namen erinnerte entrang sich seiner Kehle.
Alle Dämme brachen und der Tränen der Verzweiflung, die schier überkochte, derer schämte sie sich nicht. „Warum?“
Weitab aller rationaler Gedanken beobachtete sie wie aus der Ferne, den inneren Kampf den der Alte mit dem Wesen in sich, ausfocht. Sah sie in eisblaue Augen erkannte sie den Alten, der sich mit einem Aufbrüllen die Pranke an den eigenen Kopf hielt.. sah sie in gelbe Augen mußte sie damit rechnen, dass das sich ihr nähernde weit aufgerissene Maul diesmal zubiß.
Minuten die zu einer Ewigkeit verschmolzen, mit der stummen Bitte es enden zu lassen.
Plötzlich fühlte sie sich fallen gelassen.. fast weggestoßen. Sie rollte zweimal auf dem vom Regen getränkten Waldboden herum und kämpfte sich auf Hände und Füße.
Sie versuchte sich im fort krabbeln aufzurichten. Unkoordiniert schoß sie vorwärts, ohne sich umzudrehen. Erst als sie sich hinter einem Baum verbarg, am Ende ihrer Kräfte, blickte sie zurück. Der Alte in Gestalt des Ungetüms machte der dort stehenden Birke den Garaus.
Leute näherten sich. Die „Kreatur“ floh... und auch sie hielt hier nichts mehr.
Sie lief und lief, ohne nachzudenken. Zum Anwesen. Niemand dort. Zum Schloß.
Erst als sie im Flur anhielt und der Richter sie ansprach, sie wegen ihrer Aufmachung tadelte, kam sie halbwegs zu sich. Natürlich.. unangemessen gekleidet.. der Mantel stand vor Dreck, so konnte sie nicht... sie mußte fort.
Verlier nicht den Vestand! Reiß dich zusammen! Bleib bei Sinnen!
Dabei wäre es schön, sich fallen zu lassen, nicht mehr zu denken, sich nicht mehr zu erinnern...