Wechselbäumchen
Verfasst: Samstag 12. April 2008, 17:51
„Wach auf… Mal’fegora.. wach auf…. Wach auf, du dämliche Hure!“
Panisch nach Luft schnappend schnellte die dürre Gestalt nach vorn. Da war was gewesen, eine Stimme. Undefinierbar aber bekannt – mit gewohnt dezenter Unfreundlichkeit. Nun hatte sie getan was die Stimme wollte, aber da war nichts mehr. Einige Minuten krallten sich die Finger in das Laken, während die junge Frau darüber nachdachte ob das nun ein schlechter Scherz war. Sicherlich musste er das sein, denn da war ja niemand. Es brauchte einige Zeit, dann hob sie die schweren Glieder an. Alles war so mühsam, aufstehen, laufen, den Weg finden…
Als sie sich den Weg in den Baderaum gebahnt hatte, rutschte sie auf den Fliesen aus. Ein leises Fluchen quittierte die Situation, ehe die Hände nach dem Tischlein griffen und sich daran hochzogen. Die dämliche Pfütze undefinierbarer Flüssigkeit – und sie wollte nun lieber nicht überlegen was das war, denn die böse Ahnung reichte ihr vollkommen – hatte ihr einfach den Boden unter den Füßen weggezogen. Wenn der Tag so anfing, dann konnte er nicht mehr gut werden. Ja, eigentlich war es Zeit schnell wieder in das schäbige kleine Bett zurückzukriechen, und auf den nächsten Tag zu warten. Aber es half nichts, nun hatte sie es ja immerhin schon bis hier her geschafft. Lustlos lies der Kopf sich in die Wasserschüssel fallen und kleine Spritzer jenen Wassers umherfliegen. Die schwarze Haarpracht rutschte langsam hinterher, bis sie selbst im Wasser trieb, welches nun durch das monotone Geblubber der unter Wasser ausatmenden unruhig aufbrauste. Bevor sie sich selbst zu ertränken drohte, wurde der Kopf wieder in den Nacken geworfen. Unbeholfen und bar jeder Eile suchte die Rechte ihren Weg gen des Spiegels, der entweder beschlagen oder blind war. Ein nachlässiges Wischen schließlich, brachte die Erkenntnis dass es sich nur um den üblichen Wasserdampf handeln musste, so streckte die Gestalt ihren Kopf gen des freigewischten Spaltes und schaute direkt in ein Paar geröteter Augen nebst rekordverdächtiger Augenringe.
„Scheiße…“
Das leise Patschen blanker Füße auf alten Holzdielen kündete die kurze Wanderung vom Bad in die Küche an. Einen Moment lang musste sie sich an den Türrahmen lehnen, dann ging es wieder. Die letzten Tage hatten Spuren hinterlassen. Sie stutzte. Verdammt – hoffentlich beeilte sich der fette Seemann den sie gefragt hatte mit ihrer Bestellung. Den plötzlichen Schrecken, gar die Angst die nächsten Wochen nicht überstehen zu können, galt es erst einmal zu überwinden.
Zum Glück tat sie viele Sachen aus Gewohnheit, sodass alles in allem der Tagesablauf verhältnismäßig reibungslos laufen würde. Reibungslos, gemessen am Maßstab der üblichen Katastrophen, die im Gesamtbild ihr Leben darstellten.
„Wie auch immer…“, raunte sie leise und blickte ins Rauminnere.
Und das war jetzt der Augenblick, in dem jeder Schrecken berechtigt war.
„Du!“, keuchte sie.
„Ich…“, murmelte die süffisante Stimme des jungen Herrn, der bequem zurückgelehnt auf ihrem Stuhl saß und keinerlei Anstalten machte sie anzuschauen. Die gleiche Stimme die sie so liebevoll geweckt hatte, natürlich, wie hatte sie vergessen können wem sie gehörte. Den Rücken zugekehrt schaukelte er vor sich hin, und bediente sich der Pfeife die zuvor noch auf dem Tisch gelegen hatte. Im Bruchteil von Sekunden warf sich Mal’fegora unterwürfig auf den Boden, die Hände vorgestreckt und das Haupt gesenkt.
„Mein Herr…“
„Braves Mädchen.“
Panisch nach Luft schnappend schnellte die dürre Gestalt nach vorn. Da war was gewesen, eine Stimme. Undefinierbar aber bekannt – mit gewohnt dezenter Unfreundlichkeit. Nun hatte sie getan was die Stimme wollte, aber da war nichts mehr. Einige Minuten krallten sich die Finger in das Laken, während die junge Frau darüber nachdachte ob das nun ein schlechter Scherz war. Sicherlich musste er das sein, denn da war ja niemand. Es brauchte einige Zeit, dann hob sie die schweren Glieder an. Alles war so mühsam, aufstehen, laufen, den Weg finden…
Als sie sich den Weg in den Baderaum gebahnt hatte, rutschte sie auf den Fliesen aus. Ein leises Fluchen quittierte die Situation, ehe die Hände nach dem Tischlein griffen und sich daran hochzogen. Die dämliche Pfütze undefinierbarer Flüssigkeit – und sie wollte nun lieber nicht überlegen was das war, denn die böse Ahnung reichte ihr vollkommen – hatte ihr einfach den Boden unter den Füßen weggezogen. Wenn der Tag so anfing, dann konnte er nicht mehr gut werden. Ja, eigentlich war es Zeit schnell wieder in das schäbige kleine Bett zurückzukriechen, und auf den nächsten Tag zu warten. Aber es half nichts, nun hatte sie es ja immerhin schon bis hier her geschafft. Lustlos lies der Kopf sich in die Wasserschüssel fallen und kleine Spritzer jenen Wassers umherfliegen. Die schwarze Haarpracht rutschte langsam hinterher, bis sie selbst im Wasser trieb, welches nun durch das monotone Geblubber der unter Wasser ausatmenden unruhig aufbrauste. Bevor sie sich selbst zu ertränken drohte, wurde der Kopf wieder in den Nacken geworfen. Unbeholfen und bar jeder Eile suchte die Rechte ihren Weg gen des Spiegels, der entweder beschlagen oder blind war. Ein nachlässiges Wischen schließlich, brachte die Erkenntnis dass es sich nur um den üblichen Wasserdampf handeln musste, so streckte die Gestalt ihren Kopf gen des freigewischten Spaltes und schaute direkt in ein Paar geröteter Augen nebst rekordverdächtiger Augenringe.
„Scheiße…“
Das leise Patschen blanker Füße auf alten Holzdielen kündete die kurze Wanderung vom Bad in die Küche an. Einen Moment lang musste sie sich an den Türrahmen lehnen, dann ging es wieder. Die letzten Tage hatten Spuren hinterlassen. Sie stutzte. Verdammt – hoffentlich beeilte sich der fette Seemann den sie gefragt hatte mit ihrer Bestellung. Den plötzlichen Schrecken, gar die Angst die nächsten Wochen nicht überstehen zu können, galt es erst einmal zu überwinden.
Zum Glück tat sie viele Sachen aus Gewohnheit, sodass alles in allem der Tagesablauf verhältnismäßig reibungslos laufen würde. Reibungslos, gemessen am Maßstab der üblichen Katastrophen, die im Gesamtbild ihr Leben darstellten.
„Wie auch immer…“, raunte sie leise und blickte ins Rauminnere.
Und das war jetzt der Augenblick, in dem jeder Schrecken berechtigt war.
„Du!“, keuchte sie.
„Ich…“, murmelte die süffisante Stimme des jungen Herrn, der bequem zurückgelehnt auf ihrem Stuhl saß und keinerlei Anstalten machte sie anzuschauen. Die gleiche Stimme die sie so liebevoll geweckt hatte, natürlich, wie hatte sie vergessen können wem sie gehörte. Den Rücken zugekehrt schaukelte er vor sich hin, und bediente sich der Pfeife die zuvor noch auf dem Tisch gelegen hatte. Im Bruchteil von Sekunden warf sich Mal’fegora unterwürfig auf den Boden, die Hände vorgestreckt und das Haupt gesenkt.
„Mein Herr…“
„Braves Mädchen.“