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Torjan - Taverneng'schichterln eines Heilers

Verfasst: Donnerstag 3. April 2008, 09:10
von Torjan Eichental
Leuteln, stellt’s euch vor, was mir da gestern g’scheh’n is!
Zerst hab i den Hof g’macht und wie der fertig war, bin i im Land rumg’rennt. Alle waren’s irgendwo, keinen hab i troffen. Also bin i zum Haus von der Lili ... dem Drachen. Wohl is’ hoch geboren, also am Felsen ob’n.
Aber die war a net z’Haus. Also hab i mir a Stückerl Fisch aus der Truhen g’nommen, und hab den g’essen, während i am Bankerl dort g’sessen bin … oder bin i am Bankerl g’sessen, während i den Fisch g’essen hab?
Na egal. Kommen is net, die Lili, dabei hätt’ i gern mit ihr plaudert.

Weil i keinen 'troffen hab, bin i dann nach Bajard. An drei Ecken hab’n sie sich dort gleichzeitig ins Maul g’haut. I hab mi in a Eckerl 'druckt, damit’s mi net a no dazu erwischen und hab g’schaut. Da war einer, a ganz a Dicker, dem haben’s mit aner Axt ane drüberzog’n. Und a zweiter is auch g’legen, glei' daneb’n. I hab mir scho 'dacht: ui, jetzt kannst endlich amal einem helfen, bin vorsichtig näherg’huscht, damit mi die ander’n net bemerk’n und hab die zwei ganz leise ang’redet.

Der eine is’ aufg’wacht, hat si’s Blut vom Hirn g’wischt und is gangen. Is nur der Dicke blieb’n. Wie i da anfangen wollt, mi um den zu kümmern, hat’s auf einmal Puff g’macht – und weg war er!

Naja, manchmal hat ma a Pech!

Verfasst: Freitag 4. Juli 2008, 02:43
von Torjan Eichental
Spät in der Nacht ist es, doch der Torjan kann nicht einschlafen – was wahrlich eine Seltenheit ist. Zu sehr spukt ihm das Erlebte im Kopf herum. Also macht er sich auf zum Wirten am Wegkreuz. Nachdem er an die Türe geklopft hat, muss er einige Zeit warten, bis ihm Piaras, bereits im Nachtgewand, mit der Schlafhaube am Kopf und der Kerze in der Hand, verschlafen öffnet.
„Torjan, was ist passiert? Legen die Bienen keine Eier mehr?“ (Er dürfte den Alten bereits gut kennen.)
„Na na, am Hof is’ alles bestens“, versichert ihm Torjan ernsthaft. „Aber du wirst net glaub’n, was mir heut passiert is'“, sagt der Alte recht aufgeregt.
Um des Friedens willen am Wegkreuz lässt ihn Piaras ein, gähnt herzhaft und macht eine vage Handbewegung gen einen der Stühle. Nachdem sie sich gesetzt haben, beginnt Torjan: „I war heut in Berchgard, im Handelshaus, mir meine 30 Fasserl abhol’n und wer glaubst, hat mir g’holfen, die die steile Trepp'n hinauf zur Bank zu schlepp’n?“ Gespannt blickt Torjan sein Gegenüber an.
„Der Merigo“, rät Piaras brummend, um dem Alten den Gefallen zu tun.
Torjan schüttelt heftig den Kopf.
„Der Thancred?“ Kaum die Augen offen halten könnend, sieht er den Alten an.
„Na, der Rafael!“ verkündet Torjan mit leuchtenden Augen.
„Haben die einen neuen Lehrbuben?“ erkundigt sich Piaras angesichts der späten Stunde völlig daneben.
Torjan seufzt tief.
„Der Arganta, der von und zu!“
„Torjan“, fleht Piaras, „geh die Hund melken und bind’ mir da keinen Bären auf!“
Der alte Mann wird ernst, wie Piaras ihn noch nie gesehen hat.
Mit ruhiger Stimme und einem durchdringenden Blick aus seinen leicht getrübten Augen sagt er eindringlich: „Piaras, glaub mir’s, es is’ wirklich wahr!“

Die Müdigkeit des Wirten ist wie weggewischt. Haarklein muss ihm Torjan bei einem guten Tropfen nun erzählen, wie sich alles zugetragen hat und das tut der Alte gern. Bis in die Morgenstunden sitzen die beiden zusammen, bis Piaras, der doch an den anstehenden Arbeitstag denkt, den Alten freundlich aus der Taverne komplimentiert und abschließend vor der Türe zu ihm sagt: „Also dass der Rafael so sein kann, das hätt’ ich nie von ihm geglaubt!“
„I a net“, sagt Torjan. “Aber es is’ wahrhaftig wahr!”