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Menekanische Tradition und angurisches Unheil.

Verfasst: Sonntag 30. März 2008, 12:32
von Jahwarah Bashir
Es hätte ein so schöner Tag werden können! Die letzten Vorbereitungen für den großen Basar waren getroffen und Jahwarah wollte den Abend für ein familiäres Beisammensein nutzen. Eine wohlschmeckende Gaumenfreude durfte hierbei natürlich nicht fehlen und so führte ihr Weg sie zielstrebig zum Hafen, wo sie bei Jaafar frischen Fisch aus den Gewässern Menek’Urs erstehen wollte. Wäre sie diesen Weg doch niemals angetreten, hätte sie sich doch lieber für etwas Einfaches wie Dattelmus und Bananenbrot entschieden! So kam es, dass sie geradewegs in die Arme zweier Fellberge marschierte, die sich unter lautem Husten und Ächzen vom gerade angelegten Schiff herab auf den Steg schoben. Tauschen wollten sie, handeln. So blieb es an ihr die beiden schwitzenden Riesen mit sich zu nehmen, hinein in die Stadt, jedoch nicht ohne vorher einen flehenden Blick gen der menekanischen Wachen zu werfen. Dass man sie bloß nicht alleine ließe mit diesen Ungetümen, bei deren Anblick einer kaum höher als 1 ½ Schritt groß gewachsenen Menekanerin durchaus Angst und Bange werden konnte. Was ein Glück, dass die Riesen betonten, dass sie nichts totmachen wollten! Na, welch’ Trost!

Dass dieser Handel kein leichtes Unterfangen werden würde, das bahnte sich bereits in den ersten unheilvollen Minuten der Begegnung an und das nicht alleine aufgrund der sprachlichen Barriere. Das phantasievolle angurische Kauderwelsch von Handelssprache stellte sich wahrlich als noch das kleinste Problem heraus im Vergleich zu dem, was diese zwei Nordmänner und Menekaner im Allgemeinen unter einem zivilisierten Dasein verstanden. Ein Bad in voller Montur im Meer gehörte nach Jahwarah’s Auffassung definitiv nicht dazu, was den einen, älteren Anguren jedoch nicht davon abhielt es dennoch zu tun. Gewaltige Wasserspritzer stoben nach allen Seiten, das „Platsch“, als sich die Masse zwischen das kühle Nass drängte, war sicher bis weit in die Stadt hinein zu hören. Zuerst schien es als wolle das Meer den Alten nicht mehr freigeben, doch dann klatschte eine Hand auf den hölzernen Steg, die zweite kam postwendend nach. Einem begossenen Riesenpudel gleich kämpfte sich der Fellberg aus dem Wasser heraus. „Bess’r!“, war alles was er zu seiner Verteidigung zu sagen hatte.

Einige Minuten und einige Pfützen später befand man sich im Handelskontor der Wüstenstadt. Und auch hier war alle Hoffnung auf Benimm und Anstand vergebens, dicke Winterstiefel trampelten gnadenlos über feinen handgeknüpften Teppich hinweg, der ob dieser ungebührlichen Behandlung regelrecht aufzuschreien schien. Und auch das Aquarium mitsamt seinen Fischen, Stolz der Menekaner, wurde nicht verschont. Im Gegenteil, es erwies sich regelrecht als Magnet für angurische Aufmerksamkeit und das dünne Glas wurde mit nordmännischer Vorstellung von „sanftem Klopfen“ bearbeitet. Das Glas schon bersten sehend, gelang es Jahwarah mit Mühe und Not das Augenmerk der Beiden auf sich zu lenken und sie in einer Mischung aus gesprochener Erklärung und bildlicher Darstellung dazu zu bewegen, sich ihrer Schuhe zu entledigen. Ein Fehler, ein großer Fehler, denn auch die Vorstellungen von Körperpflege unterschieden sich bis auf Äußerste! Während die Menekanerin hinter ihrem Schleier einen Würgereiz ob des wohltuenden Duftes zu unterdrücken versuchte, fanden die beiden Riesen Spaß daran ihre Füße zu vergleichen, von der Länge der Zehennägel bis zur Anzahl der Hühneraugen. Als diese ausgiebige Betrachtung dann endlich ein Ende fand und Jahwarah sich in das andere Ende des Zimmers geflüchtet hatte, beschäftigte man sich dann mit etwas, was ansatzweise den Hauch von Zivilisiertheit mit sich brachte, der Nennung der Namen. Die beiden Fellberge stellten sich als Jall von den MacAgrona und Kinneth von den MacDraig vor. Immerhin ein Anfang! Die menekanische Auffassung von Gastfreundschaft wollte es, dass auch diesen außergewöhnlichen Gästen das Angebot von Speis’ und Trank nicht verwehrt wurde und so nutzte Jahwarah diese Gelegenheit außerhalb des Blickfeldes der Anguren zu verschnaufen.

Bei Eluive, was habe ich mir damit nur angetan?!


Mit einem leisen Rascheln fiel der schwere seidene Vorhang herab und verwehrte ihr die Sicht. Eine Sicht, auf die Jahwarah gut und gerne hätte verzichten können. Schnell führten ihre Schritte sie in die Küche des Kontors, wo sie mit einigen Handgriffen zwei Krüge Dattelsaft und eine Schale mit Bananenstücken vorbereitete. Je schneller sie alles hinter sich brachte umso schneller würden diese Anguren sie von ihrem Anblick und Gehabe befreien.

Doch natürlich sollte es nicht ganz so einfach werden! Als Jahwarah zurückkam, hatte das Aquarium längst wieder die Aufmerksamkeit der Anguren auf sich gezogen, doch diesmal begnügten sie sich nicht mit Schauen alleine, beide hatten ihre Pranken in das Wasser hineingetaucht und griffen fröhlich nach den völlig verschreckten Fischleins! Aus dem von dichtem Bart umrandeten Mund Jall’s lugte noch eine zuckende Schwanzflosse heraus, die schnell mit einem „Schluup“ eingesaugt wurde. Diese Barbaren! Eine leidenschaftliche Predigt schwoll hinter dem menekanischen Schleier an, Hände wurden in die Hüften gestemmt in dem Versuch sich vor zwei Riesen aufzubauen. Vielleicht war es die Tatsache, dass Jahwarah in die Sprache ihrer Heimat verfallen war, vielleicht aber auch, dass die Anguren das Gepoltere der kleinen Frau nicht für voll nahmen, auf jeden Fall zeigten sie sich unbeeindruckt und bleckten unter einem unschuldigen Lächeln ihre Gebisse. Und doch, immerhin, ließen sie von den verbliebenen Fischen und dem Aquarium ab.

Doch nur für Zeit des Handels. Salz war das Begehr der Fellmassen und sie boten neben Goldmünzen und Edelsteinen betont wertvolle angurische Zahlungsmittel an. Jahwarah’s Versuch ihnen zu erklären, dass sie lediglich für die Münzen und das Geschmeide Verwendung hatte, endete mit einem beleidigten Brummen der Beiden. Schnell entschied sie sich also anders, akzeptierte den angurischen Tand und hoffte damit dem Ganzen ein Ende setzen zu können.

„Un was woll’n d’für hab’n?!“, zerstörte es donnernd ihre Hoffnungen, der alte Nordmann wollte tatsächlich das Aquarium kaufen! Die Augenbrauen zu einem ungläubigen Tanz in die Höhe gezogen, verriet ein Blick in die eisblauen Augen Jall’s, dass er es durchaus ernst meinte und gedachte seinen Willen durchzusetzen.

„Bring mir einen Haufen Eis und Schnee nach Menek’ur, so viel wie das Aquarium groß ist! Dann soll es euch gehören, mitsamt dem Wasser und den Fischen!“. Sich innerlich für diese Finte schon die Hände reibend, wähnte sie das Begehr um das Aquarium ein für allemal vernichtet. Als der alte Angure sich dann auch noch auf diese Forderung einließ, fiel es ihr schwer ein triumphierendes Lachen zurückzuhalten. Vom leichten Gefühl des Sieges beflügelt, blickte sie einige Zeit später dem Schiff der Anguren hinterher.

Bis zum nächsten Wiedersehen würde viel Zeit vergehen…und der Gedanke an den Handel im Eis Fuachteros erfroren sein. Und wenn nicht, dann würde er wenigstens unter den scheiternden Bemühungen erstickt sein.