Beginn an der Wurzel – das Land, aus dem Angur kam
Verfasst: Donnerstag 27. März 2008, 20:45
Das Fleckchen Land war schon in den Wintermonaten auserkoren worden. Es war unbebaut, verlassen, doch so reich an Rohstoffen, dass es den meisten Anguren die Sprache verschlug. Teils lehmiger Boden, reichlich Bäume und fischreiche Gewässer sofort in der Nähe. Weit abseits des wirren Trubels in den Städten. Jener Ort, dies stand schon seit der ersten Erkundung fest, sollte vorläufig das Volk der Anguren ernähren, schützen und wohl auch repräsentieren. Schon in den ersten eindeutig warmen Tagen – demnach, wenn die Anguren sich schon für den Frühling kleideten – hatte Jall eine kleine Vorhut in die Weiten des Landes geschickt, um erste Vorbereitungen zu treffen.
Man gehorchte ihm, denn er war Mimir. Das bedeutete leider kein Wohlwollen, keinen Respekt, wie er ursprünglich im Volk für die Seinen vorherrschte. Als MacAgrona kreidete man vor allem ihm den harten, tödlichen Winter Fuachteros an, gab ihm die Schuld für das Leid und die Zerstörung. Das Unwissen des Clans über den Bau einer Siedlung, das fehlende handwerkliche Geschick, ließ keinen der „Blaukilte“ in einem besseren Licht stehen. Als Kriegerclan waren sie es gewesen, die sonst andere Anguren aus ihren Dörfern vertrieben und sich einzig damit begnügten, verlassene Bauten neu zu beziehen. Das Wissen eines MacAgrona beschränkte sich auf Flickarbeiten am Bau.
Nun galt es, aus Bäumen und Lehm, aus ein wenig Gestein und starken Seilen, mit den Werkzeugen eines Handwerkers, eine Bleibe zu errichten.
Gemeinsam.
Vielleicht war dies die größte Hürde für manche Clans: Der Stolz gebot die natürliche Annahme der Überlegenheit gegenüber allen anderen Anguren und sowieso gegenüber dem Rest der Welt. Diese Gedanken waren es, die in den ersten Tagen immer öfter zu Rangeleien der wieder erstarkenden Kerle und Weiber führten, denn zu einem effizienten Vorankommen. Statt eines Lagerfeuers, gab es auf dem gesamten Baugrund verstreut an den ersten Abenden dutzende kleiner Feuerkuhlen, an denen sich nicht selten nur zwei oder drei Arbeiter die starken Pranken wärmten. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Blutslinien waren eindeutig. Ein anderes Muster auf dem Kilt reichte, um selbst in dieser Ausnahmesituation die Stimme verstummen, jede Hilfsbereitschaft ersterben zu lassen.
An den Feuern wurde gemurmelt, voller Misstrauen ob der Nähe fremder Anguren. Insbesondere die MacAgrona hatten sich in ihrem Grüppchen abseits scheinbar damit abgefunden, nach erfolgreichen Prügeleien am Tage einfach fern der anderen am Wasser zu hocken und sich die eigenen Zähne und Kiefer zu befühlen. Worte aus dem Munde eines MacAgrona-Mimir waren wenig überzeugend für einige der Anguren aus der Hafenstadt Andraste oder gar aus Ith. Selbst dem symbolischen Exil Jalls maßen sie wenig Bedeutung bei, wenn er sich völlig alleine an seine eigene Kuhle setzte. Schließlich war es dann nur eine Stimme unter vielen, ob Kerl, ob Frau, das konnte der Alte nicht mehr sagen, die dem unwirklichen Schweigen ein Ende bereitete.
„Da stand’r nu, da stand’r nu!“
Mehr war nicht nötig, denn diese Worte, klar und laut gesungen, schienen jede Mauer zwischen den einzelnen Lagerstätten einzureißen. Es war diese Stimme, die das Schweigen hinfortfegte, denn schon im nächsten Moment donnerte es aus dutzenden Kehlen weit über die Ebenen:
„So groß, so stark, ein Bild von Mann!
Hob des Schwert, hob’s, schlug zu!
So fest, wie’s nur der Angur kann!“
Ohne es bemerkt zu haben, hatte auch Jall in den Gesang eingestimmt und schien sich bereits im jugendlichen Eifer mit den Kehlen anderer Anguren messen zu wollen. Die steinernen Gesichter bröckelten, das erste Mal seit ewigen Zeiten lachten sie. Kinder, Greise, Frauen, Kerle. Grimmig die Zähne zeigend, stellten sie sich der ungewissen Zukunft.
„Kommt her, zeig uns ‘nen Gott, denn
Wir warten schon auf euch!
Bringt uns die blinden Bekloppten!
Auf dass unser Gesang se alle verscheuch!“
Schon einen Abend später waren es nicht mehr die ausgeschlagenen Zähne, die man stolz aufzählte, sondern gefällte Bäume. Was über Wochen stillstand, wuchs nun mit jedem Tag. Eine andere Art von Wettbewerb entstand aus dieser einen Nacht der Einigkeit und so verwunderte es kaum, dass die ersten Grundlagen für Hütten und Befestigungen bereits wenige Tage später stur in den blauen Himmel ragten und fast schon anmaßend frech das Überleben der Anguren verkündeten.
Sie waren noch lange nicht am Ende.
Man gehorchte ihm, denn er war Mimir. Das bedeutete leider kein Wohlwollen, keinen Respekt, wie er ursprünglich im Volk für die Seinen vorherrschte. Als MacAgrona kreidete man vor allem ihm den harten, tödlichen Winter Fuachteros an, gab ihm die Schuld für das Leid und die Zerstörung. Das Unwissen des Clans über den Bau einer Siedlung, das fehlende handwerkliche Geschick, ließ keinen der „Blaukilte“ in einem besseren Licht stehen. Als Kriegerclan waren sie es gewesen, die sonst andere Anguren aus ihren Dörfern vertrieben und sich einzig damit begnügten, verlassene Bauten neu zu beziehen. Das Wissen eines MacAgrona beschränkte sich auf Flickarbeiten am Bau.
Nun galt es, aus Bäumen und Lehm, aus ein wenig Gestein und starken Seilen, mit den Werkzeugen eines Handwerkers, eine Bleibe zu errichten.
Gemeinsam.
Vielleicht war dies die größte Hürde für manche Clans: Der Stolz gebot die natürliche Annahme der Überlegenheit gegenüber allen anderen Anguren und sowieso gegenüber dem Rest der Welt. Diese Gedanken waren es, die in den ersten Tagen immer öfter zu Rangeleien der wieder erstarkenden Kerle und Weiber führten, denn zu einem effizienten Vorankommen. Statt eines Lagerfeuers, gab es auf dem gesamten Baugrund verstreut an den ersten Abenden dutzende kleiner Feuerkuhlen, an denen sich nicht selten nur zwei oder drei Arbeiter die starken Pranken wärmten. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Blutslinien waren eindeutig. Ein anderes Muster auf dem Kilt reichte, um selbst in dieser Ausnahmesituation die Stimme verstummen, jede Hilfsbereitschaft ersterben zu lassen.
An den Feuern wurde gemurmelt, voller Misstrauen ob der Nähe fremder Anguren. Insbesondere die MacAgrona hatten sich in ihrem Grüppchen abseits scheinbar damit abgefunden, nach erfolgreichen Prügeleien am Tage einfach fern der anderen am Wasser zu hocken und sich die eigenen Zähne und Kiefer zu befühlen. Worte aus dem Munde eines MacAgrona-Mimir waren wenig überzeugend für einige der Anguren aus der Hafenstadt Andraste oder gar aus Ith. Selbst dem symbolischen Exil Jalls maßen sie wenig Bedeutung bei, wenn er sich völlig alleine an seine eigene Kuhle setzte. Schließlich war es dann nur eine Stimme unter vielen, ob Kerl, ob Frau, das konnte der Alte nicht mehr sagen, die dem unwirklichen Schweigen ein Ende bereitete.
„Da stand’r nu, da stand’r nu!“
Mehr war nicht nötig, denn diese Worte, klar und laut gesungen, schienen jede Mauer zwischen den einzelnen Lagerstätten einzureißen. Es war diese Stimme, die das Schweigen hinfortfegte, denn schon im nächsten Moment donnerte es aus dutzenden Kehlen weit über die Ebenen:
„So groß, so stark, ein Bild von Mann!
Hob des Schwert, hob’s, schlug zu!
So fest, wie’s nur der Angur kann!“
Ohne es bemerkt zu haben, hatte auch Jall in den Gesang eingestimmt und schien sich bereits im jugendlichen Eifer mit den Kehlen anderer Anguren messen zu wollen. Die steinernen Gesichter bröckelten, das erste Mal seit ewigen Zeiten lachten sie. Kinder, Greise, Frauen, Kerle. Grimmig die Zähne zeigend, stellten sie sich der ungewissen Zukunft.
„Kommt her, zeig uns ‘nen Gott, denn
Wir warten schon auf euch!
Bringt uns die blinden Bekloppten!
Auf dass unser Gesang se alle verscheuch!“
Schon einen Abend später waren es nicht mehr die ausgeschlagenen Zähne, die man stolz aufzählte, sondern gefällte Bäume. Was über Wochen stillstand, wuchs nun mit jedem Tag. Eine andere Art von Wettbewerb entstand aus dieser einen Nacht der Einigkeit und so verwunderte es kaum, dass die ersten Grundlagen für Hütten und Befestigungen bereits wenige Tage später stur in den blauen Himmel ragten und fast schon anmaßend frech das Überleben der Anguren verkündeten.
Sie waren noch lange nicht am Ende.