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Verschiedene Schreiben werden aus dem Harem gesendet...

Verfasst: Mittwoch 26. März 2008, 20:03
von Nasira Masari
Die Sonne stand hoch am Zenit und legte die Stadt in einen Zustand der Ruhe. Zu heiß war es, um die Übungen auf dem Kasernenplatz auszuüben, zu heiß, um seinem Tagewerk nachzugehen. Die kühlen Wände des Harems waren ihr in dieser Stunde zumindest willkommen, um den wohltuenden Schatten auszukosten. Trotz der Ruhe und dem Flüstern, welches sie in den Räumen vernahm, konnte sie die eigenen Glieder nicht zur Ruhe zwingen. Eine innere Unruhe hatte sich in ihr eingenistet, wie es wohl so viele zu jenen Zeiten betraf.
Überall hörte man nur die Wörter über Politik, über das Üben der Truppen. Zu sehr steckte noch die Angst in den Gliedern der Menschen; zu frisch schien noch der Angriff auf das stolze Volk der Menekaner.
Zhenzrael hatte ihr einst gesagt, es sei genug, wenn sie mit ihrem handwerk helfen würde; noch immer verstand sie es nicht, schien es ihr immer noch belanglos. Vielleicht würden einige Worte auf Papier ihre Unruhe ein wenig mindern; huschten die gesichter, die eigentlich so bekannt sein sollten, doch zu oft nur noch an ihr vorbei.
So sieht man am späten Nachmittag mehrere Wachen aus dem Palast treten, welche verschiedene Richtungen aufsuchen.

Ein Wachmann wird ein Schreiben bei Zhenzrael Yazir abgeben.
Das Pergament wurde sorgfältig zusammengerollt und mit einer Bastschnur zusammengebunden. Doch nicht nur das Pergament wird ihm gereicht, auch wird er eine Blüte erhalten, die in einem unschuldigem Weiß erblüht, die Form eines Sternes gleich und der Duft gar unauffällig süßlich.
Beim Öffnen der Rolle finden sich nur folgende Worte in feiner, verschnörkelter Schrift:

Wenn rechts und links bricht Unheil in die Welt,
und vor und hinter Feu´r vom Himmel fällt,
nimm dir nur Gradheit vor und sei getrost;
denn viele sind zu deinem Schutz bestellt.
Weil keinem du das Herz gekränket hast,
bleibt ungekränkt dein Herz von aller Welt...


Am Ende des Pergamentes findet sich jedoch eine rasche Notiz, als hätte der Verfasser sie eilig niedergeschrieben; fast, als wolle man einen Gedanken festhalten:

Erinner dich an den Abend, an dem wir die Sterne sahen und halte an der Hoffnung fest.

Ein weiteres Schreiben wird zu dem Hause von Ishaaq und Raniya Bashir bestellt. Eine feine Schrift verrät wohl, dass das Schreiben an den geliebten Cousin ergeht. Auch hier wurde das Pergament fein und säuberlich zusammengerollt und mit einer Bastschnur zusammengebunden. Sobald das Pergament auseinandergerollt, wird Ishaaq nur folgende Worte auffinden:

Sprich nichts, was zu hören weh dir täte:
Weizen erntet nicht, wer Gerste säte!
Weislich hat gesprochen ein Brahman:
Deine Ehre tust du selbst dir an.
Wo du fluchest, wird man dich nicht segnen;
was du ausgesandt, wird dir begegnen.


Eine weitere Pergamentrolle wird zu dem Hause Khalidas, aus dem Hause der Yazir zugetragen. Auch hier wurde das Pergament zusammengerollt in der weise wie die anderen. Und an jenem Pergament befindet sich auch eine Blüte, deren Pracht jedoch nicht vollends erstrahlt, ist die Knospe doch noch fast gänzlich geschlossen. Ein bläulicher Schimmer verteilt sich über die zarten Blätter und auch von jener Blüte wird ein süßlicher Duft verströmt. Sobald die bastschnur gelöst, wird sie folgende Worte in verspielter Weise lesen können:

Ich fragte: "Wie lang währt das Leben der Rose?
Die Knospe vernahm es und lächelte nur.


Das letzte Schreiben wird von dem Wachmann gen der Hände Farooq Masaris gereicht werden. Gewissentlich wird er den Auftrag ausfüllen, und wenn er dafür auch in die Siedlung reiten müsste, um die Eltern zu finden.
Auch hier wurde das Pergament fein zusammengerollt und verschnürt. Beim Öffnen erkennt man, dass der Verfasser sich rechtlich Mühe gab, die Buchstaben klar zu lassen und leichter zu lesen:

Wissen erwerben in der Kindheit ist wie eine Inschrift,
gemeißelt in Stein,
aber Wissen, das man im Alter erwirbt,
ist auf Wasser geschrieben.


Und auch hier lässt sich ein kleiner Zusatz finden:

Eluive schenke uns Hoffnung, schenke uns Frieden...ich liebe euch,
wisset das immer...


Keines der Pergamente enthält eine Unterschrift und nur dem, dem die Schrift allzu bekannt, sollte sie zuordnen können...