Versprochen ist versprochen
Verfasst: Mittwoch 26. März 2008, 16:22
Ein Familientreffen stellt man sich meistens recht harmonisch vor; man sieht sich, umarmt sich, man tratscht über alte Zeiten und freut sich den anderen wiederzusehen. Leicht verwirrend wird es dann, wenn statt der Umarmung nur ein kühler Blick folgt, anstelle des Getratsche Vorwürfe und Beschimpfen und anstatt der Wiedersehensfreude einfach nur der Wunsch vorherrscht den anderen so schnell nicht wiederzusehen. Was das alles mit dem jüngsten Mitglied der Familie Nair, Cynthia ihr Name, zu tun hat, kann erklärt werden doch sollte man hierfür etwas zurückblicken, nämlich exakt einen Tag.
Bajard, ein kleines Fischerdorf und ein verschlafenes Nest, jedenfalls hatte Cynthia sich erhofft dass es hier ruhig zugehen würde, doch zu ihrem eigenen Leidwesen musste sie feststellen dass es in diesem kleinen Fischerdorf wilder zuging als in jedem Lazarettzelt dass sie bisher besucht hatte. Die junge aufstrebende Feldärztin war aber auch nicht hier um sich Arbeit zu suchen, jedenfalls noch nicht, sondern um ein sehr altes Versprechen einzulösen; sie sollte nach ihren beiden Schwestern sehen, namentlich genannt: Kyra und Tajara Nair.
Dass es auf einem riesigen Landkontinent wie Gerimor sehr schwer war zwei Leute zu finden von denen sie nur das Gesicht von vor elf Jahren im Kopf hatte und sonst rein gar nichts über die beiden wusste, gestaltete sich die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen sicher einfacher als dieses Unterfangen aber versprochen war nun einmal versprochen. Sie begann also sich durch die Gasthäuser um Bajard zu fragen aber die meisten konnten ihr auf die Namen der beiden nichts sagen. Nur bei der Erwähnung Tajaras hatte ein Mann ziemlich aggressiv gebrummt und eine junge schwarzhaarige Frau hatte ihr gesagt sie solle ihr bloß mit dem Namen wegbleiben, es schien sich soweit immerhin nichts großartig geändert zu haben; niemand mochte Tajara.
Da jedoch trotz allem nicht mehr an Informationen zu finden waren galt ihre Reise nun der nächstbesten Stadt und die fiel mit Varuna deutlich groß aus. Cynthia hatte beinahe schon vergessen wie riesig diese Städte werden konnten, nun sie war es nicht mehr gewohnt in solchen Ortschaften umherzustreunern aber auch hier wussten die meisten nur ein Schulterzucken als Antwort zu geben auf die Frage hin, ob man denn eine Tajara oder Kyra kenne.
Vielleicht war es glücklicher Zufall, dass sie letztendlich aus Verzweiflung an einer Haustür eines recht hübsch gebauten Hauses ausserhalb der Stadtmauern klopfte. „Von Elbenau“ beschrieb das Schild und wenn Cynthia noch alles richtig im Kopf hatte war das „von“ definitiv adelig und die Wachen die sie misstrauisch beäugten sprachen ebenfalls für diese Tatsache. Nervös klopfte sie und mahlte sich aus was passieren würde, wenn sie nun eine der eher grantigen Adligen erwischt hatte, im besten Falle würde sie einfach nur rennen müssen, im Schlimmsten würde sie sicher eine Menge Ärger kriegen. Nichtsdestotrotz hatte sie sich vorgenommen hier zu fragen, denn Adlige kannten bekanntlicherweise eine Menge Menschen und vielleicht kannte man die beiden ja hier. Zur Erleichterung der jungen Feldärztin öffnete keine knurrige Adlige sondern eine freundliche Bedienstete die tatsächlich Auskunft geben konnte. Man verwies Cynthia auf eine Insel, welche per Schiff zu erreichen sei, dort solle sie nach einem Hofe der „Gefährtinnen“ fragen, freundlicherweise gab ihr diese Bedienstete sogar noch das nötige Gold für die Überfahrt, besser konnte die Suche nicht verlaufen.
Auf der Überfahrt reflektierte sie noch einmal das Gesagte. „Gefährtinnen“ … in Bajard hatten einige gesagt „Waldweiber“ und irgendwie passte dass in Cynthias Augen recht gut zu Tajara. Die wenigen Dinge die sie über ihre Schwester noch wusste waren unter anderem dass sie sich immer wie ein Kerl benommen hatte, und Cynthia war sich sicher dass ihr sehnlichster Wunsch gewesen wäre, dass sie einmal wirklich mit einem Glied zwischen den Beinen aufwachen würde. Dass sie nun mit einer Horde Frauen irgendwo im Wald lebte passte zu dieser Erinnerung recht gut, aber sie würde sich selbst ein Bild machen, wenn sie auch nicht sonderlich erpicht darauf war, Tajara wiederzusehen.
Eigentlich hätte man meinen können Cynthia wäre froh um die Tatsache gewesen die ältere Schwester wiederzusehen, aber dem war nicht ganz so wie man vielleicht erwartet hätte. Sicherlich, sie wollte wissen wie es ihr geht aber sie war letztendlich doch nur hier um ihr altes Versprechen einzulösen dass sie ihrer Muttergab. Ansonsten wäre sie wohl niemals auf dem Weg auf diese Insel, Lameriast.
Cynthia hatte nie einen guten Draht zu Tajara gehabt. Die ältere Schwester hatte sich immer verschlossen gegeben, und mit ihrem Verschwinden damals, hatte sie es nicht besser gemacht. Cynthia war sieben Jahre jung als ihre Schwestern beide fortgegangen waren und sie und ihre Mutter alleine gelassen hatten. Ab und an hatte Tajara sich mal blicken lassen, aber selbst da wirkte sie mehr wie eine Fremde denn wie eine Schwester die sich freute einen wiederzusehen.
So war es doch gewesen, sie war sich sicher, auch wenn die Erinnerungen an früher trübe waren und durch ihre Ausbildung teils auch verdrängt wurden. Aber nun würde sie Tajara wieder ins Gesicht blicken, oder auch nicht, es hing nur davon ab ob sie ihre Schwester finden würde.
Als das Schiff anlegte fand sie sich auch schon in Neuhaven wieder, wo besagter Hof der Gefährtinnen stehen sollte. Schnell wurde danach gesucht und tatsächlich; sie fand einen Bauernhof vor welchem gerade zwei Frauen mit Holzwaffen zu trainieren schienen, es passte zumindest sehr gut zur Beschreibung die sie bekam und als man ihr dann auch noch zusicherte, Tajara würde hier sein und sie könne gerne warten, wusste sie immerhin dass es nur eine Frage der zeit wäre bis sich die beiden Geschwister letztendlich wiedersehen würden.
Und tatsächlich, nicht einmal lang musste sie warten als die Tür sich öffnete, eine große, blauhaarige Frau eintrat, welche Cynthia fassungslos anstarrte.
„Was machst du denn hier?“
„Ja ich freu mich auch dich wiederzusehen …“ und so trafen die beiden nach elf Jahren wieder aufeinander.
Bajard, ein kleines Fischerdorf und ein verschlafenes Nest, jedenfalls hatte Cynthia sich erhofft dass es hier ruhig zugehen würde, doch zu ihrem eigenen Leidwesen musste sie feststellen dass es in diesem kleinen Fischerdorf wilder zuging als in jedem Lazarettzelt dass sie bisher besucht hatte. Die junge aufstrebende Feldärztin war aber auch nicht hier um sich Arbeit zu suchen, jedenfalls noch nicht, sondern um ein sehr altes Versprechen einzulösen; sie sollte nach ihren beiden Schwestern sehen, namentlich genannt: Kyra und Tajara Nair.
Dass es auf einem riesigen Landkontinent wie Gerimor sehr schwer war zwei Leute zu finden von denen sie nur das Gesicht von vor elf Jahren im Kopf hatte und sonst rein gar nichts über die beiden wusste, gestaltete sich die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen sicher einfacher als dieses Unterfangen aber versprochen war nun einmal versprochen. Sie begann also sich durch die Gasthäuser um Bajard zu fragen aber die meisten konnten ihr auf die Namen der beiden nichts sagen. Nur bei der Erwähnung Tajaras hatte ein Mann ziemlich aggressiv gebrummt und eine junge schwarzhaarige Frau hatte ihr gesagt sie solle ihr bloß mit dem Namen wegbleiben, es schien sich soweit immerhin nichts großartig geändert zu haben; niemand mochte Tajara.
Da jedoch trotz allem nicht mehr an Informationen zu finden waren galt ihre Reise nun der nächstbesten Stadt und die fiel mit Varuna deutlich groß aus. Cynthia hatte beinahe schon vergessen wie riesig diese Städte werden konnten, nun sie war es nicht mehr gewohnt in solchen Ortschaften umherzustreunern aber auch hier wussten die meisten nur ein Schulterzucken als Antwort zu geben auf die Frage hin, ob man denn eine Tajara oder Kyra kenne.
Vielleicht war es glücklicher Zufall, dass sie letztendlich aus Verzweiflung an einer Haustür eines recht hübsch gebauten Hauses ausserhalb der Stadtmauern klopfte. „Von Elbenau“ beschrieb das Schild und wenn Cynthia noch alles richtig im Kopf hatte war das „von“ definitiv adelig und die Wachen die sie misstrauisch beäugten sprachen ebenfalls für diese Tatsache. Nervös klopfte sie und mahlte sich aus was passieren würde, wenn sie nun eine der eher grantigen Adligen erwischt hatte, im besten Falle würde sie einfach nur rennen müssen, im Schlimmsten würde sie sicher eine Menge Ärger kriegen. Nichtsdestotrotz hatte sie sich vorgenommen hier zu fragen, denn Adlige kannten bekanntlicherweise eine Menge Menschen und vielleicht kannte man die beiden ja hier. Zur Erleichterung der jungen Feldärztin öffnete keine knurrige Adlige sondern eine freundliche Bedienstete die tatsächlich Auskunft geben konnte. Man verwies Cynthia auf eine Insel, welche per Schiff zu erreichen sei, dort solle sie nach einem Hofe der „Gefährtinnen“ fragen, freundlicherweise gab ihr diese Bedienstete sogar noch das nötige Gold für die Überfahrt, besser konnte die Suche nicht verlaufen.
Auf der Überfahrt reflektierte sie noch einmal das Gesagte. „Gefährtinnen“ … in Bajard hatten einige gesagt „Waldweiber“ und irgendwie passte dass in Cynthias Augen recht gut zu Tajara. Die wenigen Dinge die sie über ihre Schwester noch wusste waren unter anderem dass sie sich immer wie ein Kerl benommen hatte, und Cynthia war sich sicher dass ihr sehnlichster Wunsch gewesen wäre, dass sie einmal wirklich mit einem Glied zwischen den Beinen aufwachen würde. Dass sie nun mit einer Horde Frauen irgendwo im Wald lebte passte zu dieser Erinnerung recht gut, aber sie würde sich selbst ein Bild machen, wenn sie auch nicht sonderlich erpicht darauf war, Tajara wiederzusehen.
Eigentlich hätte man meinen können Cynthia wäre froh um die Tatsache gewesen die ältere Schwester wiederzusehen, aber dem war nicht ganz so wie man vielleicht erwartet hätte. Sicherlich, sie wollte wissen wie es ihr geht aber sie war letztendlich doch nur hier um ihr altes Versprechen einzulösen dass sie ihrer Muttergab. Ansonsten wäre sie wohl niemals auf dem Weg auf diese Insel, Lameriast.
Cynthia hatte nie einen guten Draht zu Tajara gehabt. Die ältere Schwester hatte sich immer verschlossen gegeben, und mit ihrem Verschwinden damals, hatte sie es nicht besser gemacht. Cynthia war sieben Jahre jung als ihre Schwestern beide fortgegangen waren und sie und ihre Mutter alleine gelassen hatten. Ab und an hatte Tajara sich mal blicken lassen, aber selbst da wirkte sie mehr wie eine Fremde denn wie eine Schwester die sich freute einen wiederzusehen.
So war es doch gewesen, sie war sich sicher, auch wenn die Erinnerungen an früher trübe waren und durch ihre Ausbildung teils auch verdrängt wurden. Aber nun würde sie Tajara wieder ins Gesicht blicken, oder auch nicht, es hing nur davon ab ob sie ihre Schwester finden würde.
Als das Schiff anlegte fand sie sich auch schon in Neuhaven wieder, wo besagter Hof der Gefährtinnen stehen sollte. Schnell wurde danach gesucht und tatsächlich; sie fand einen Bauernhof vor welchem gerade zwei Frauen mit Holzwaffen zu trainieren schienen, es passte zumindest sehr gut zur Beschreibung die sie bekam und als man ihr dann auch noch zusicherte, Tajara würde hier sein und sie könne gerne warten, wusste sie immerhin dass es nur eine Frage der zeit wäre bis sich die beiden Geschwister letztendlich wiedersehen würden.
Und tatsächlich, nicht einmal lang musste sie warten als die Tür sich öffnete, eine große, blauhaarige Frau eintrat, welche Cynthia fassungslos anstarrte.
„Was machst du denn hier?“
„Ja ich freu mich auch dich wiederzusehen …“ und so trafen die beiden nach elf Jahren wieder aufeinander.