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Tanzende Gedanken - wütende Schatten
Verfasst: Samstag 15. März 2008, 19:02
von Tarja Lycron
Ihr Vater prügelte wieder auf ihre Mutter ein, nur hatte er diesmal weitaus mehr Zorn in den Augen. Er prügelte und prügelte, er schlug sie, bis er irgendwann kraftlos zu Boden sank und den Körper seiner Frau los lies. Wieder beobachtete Tarja das Schauspiel ohne jegliche Regung in ihrem Gesicht. Sie sah, wie der leblose Körper ihrer Mutter auf dem Boden lag und sich das weiße Bärenfell langsam dunkelrot einfärbte. Ihr Vater schrie, sie solle aufstehen, dabei sollte ihm nun bewusst werden, dass sie nie wieder aufstehen würde. Tarja stand weiter regungslos in ihrem Türrahmen. Die beiden eisblauen Augen lagen auf ihrem Vater, der da stand und auf seine Frau – oder besser gesagt ihren Körper – hinab starrte. Erst langsam hob er seinen Kopf, sein Blick ging die Treppen Stufe für Stufe entlang bis sein Blick auf seiner Tochter ruhte. Paranoid und eindringlich war sein Blick, als wäre er bereit für den nächsten Mord. Tarja zog die Schultern hoch und drehte sich auf dem Absatz herum, lies ihre Zimmertür ins Schloss fallen. Sie wusste, sie musste bald handeln. Ansonsten würde sie die Nächste sein, die das Leben lassen würde und sie war nicht so schwach wie die restlichen toten Frauen ihres Hauses.
Sie war gerade dabei, die Treppen hinab zu eilen, der leblose Körper ihrer Mutter lag noch immer auf dem Boden. Ihr Gesicht war aufgequollen und Tarja hatte Mühe, sich das erste Mal in ihrem Leben eine Emotion zu verkneifen – ein Würgen. Der Anblick ihrer Mutter war grauenvoll. Ihr Blick war voller Angst und Panik und doch so hoffnungsvoll, dass sie endlich ihren Frieden fand vor der Tyrannei ihres Mannes. Tarja ging ein paar Schritte auf ihre Mutter zu und strich ihr übers Haar. Das erste Mal in ihrem Leben, an dem sie sich bewusst wurde, dass sie von ihrer eigenen Mutter nicht einmal Liebe entgegen gebracht bekam und doch hatte sie ihre Mutter immer geliebt – bis zum heutigen Tage. Sie spürte, wie sich etwas in ihre rechte Schulter bohrte. Es waren Fingernägel, lange Fingernägel, die sich tief in ihr Fleisch bohrten und einen entsetzlichen Schmerz in ihr auslösten. Langsam blickte sie nach hinten und sah in die hasserfüllten Augen ihres Vaters. Ihre Augen waren vollkommen leer und glanzlos. Sie hatte keinerlei Anreiz ihm auch nur irgendeine Emotion entgegen zu schleudern, nicht einmal ihr Gesicht verzog sie vor Schmerz, obwohl dieser in ihrer Schulter wirklich extrem brannte. Langsam erhob sie sich durch die zuvorkommende Hilfe, die ihr Vater ihr gab. Wieder ging ihr Blick zu ihrer Schulter. Das warme, dunkelrote Blut lief langsam ihre Schultern hinab. Es sah fast schon schön aus, wie sich das Blut auf der blassen Haut den Weg suchte. In drei Bahnen lief es jeweils über den Rücken und auch über ihr Dekolté, wobei die Wärme, die sie dadurch verspürte, Gänsehaut hervorrief. Kurz zuckten ihre Mundwinkel, aber nur für ein paar Sekunden lang, dann wurde sie von ihrem Vater weggestoßen. Sie war eindeutig schwächer als er. Wie sollte sie sich auch gegen einen Mann wehren können, der etwa eineinhalb Köpfe größer war als sie und dazu auch besser genährt als sie?
Sie hob ihren Kopf, der deutlich pochte. Der Tisch hatte den Aufprall nicht überlebt und war unter ihr zusammengebrochen. Aus den Trümmern heraus sah sie ihren Vater an. Zornig und wütend stand er da, die Ader auf seiner Stirn pochte und sie fragte sich, wie viel es noch brauchte bis seine Augen vor Wut aus seinen Augenhöhlen fallen würden. Sie sah aus ihrer Benommenheit heraus, wie er auf sie zutritt. Sie schloss die Augen und auf einmal verschwamm alles um sie herum. Sie fühlte sich in diesem Moment, als wäre sie total weit weg und nicht mehr auf dieser Welt. Sie hörte, wie ihr Vater röchelte und nach Atem rang. Sie öffnete die Augen wieder und fixierte ihn mit ihrem Blick, in dem all ihre Wut und all ihr Hass liegen sollte. Der Hass darüber, dass er ihr das genommen hatte, was für ein Kind am schönsten war – eine behütete Kindheit und das Streben nach Träumen. Von was konnte ein Kind schon träumen, dass durch die Hölle gehen musste? Sie hasste ihn, sie hasste ihn abgrundtief und sie hatte Angst. Angst um ihr eigenes Leben und so konzentrierte sie sich weiter auf ihn. Sie streckte die Hand nach seinem Hals aus und doch berührte sie seinen Hals nicht. Es war die innere Kraft, die sie gesammelt hatte. Sie wusste über ihre Mächte Bescheid, sie hatte Stammbücher ihrer Familie gefunden wie auch genügend weitere Bücher über Magie. Ihr war schon damals klar gewesen, dass sie Magie wirken konnte, als sie in ihrem Zimmer aus Langeweile zwei Feuerkröten herbeizauberte, die sich dann vor ihr zerfleischen konnten. Und jetzt war sie an einem Punkt angelangt, an dem sie durch ihre Wut über zwei Menschenleben entscheiden konnte. Einmal über ihres und durch die Entscheidung für ihr Leben auch über das ihres Vaters. Mit zornigen Augen sah sie ihn an, die Kälte in ihren Augen hatte ihren Höhepunkt erreicht. Und auch sie hatte erreicht, was sie wollte. In seinen letzten Atemzügen sah er sie mit panischen und ängstlichen Augen an. Niemals hätte ihr Vater geglaubt, dass sie zu so etwas fähig war. Aber hier hatte er das Endprodukt seiner verkorksten Familie. Eine junge Tochter, seine einzige über gebliebene Tochter, die ihm selbst das Leben nahm um ihr Leben weiterleben zu können.
Achtzehn Winter hatte sie in diesem Haus verbracht. In dem Haus ihrer Eltern. Eltern, die ihr eigentlich Liebe, Halt und Kraft schenken sollten. Aber ihre Eltern hatten ihr nur Hass, Schwäche und den Tod geschenkt. Tarja rappelte sich auf. Sie spürte jeden einzelnen ihrer Knochen, sie wusste auch nicht, ob etwas gebrochen war. Sie zog die Luft zwischen ihren Zähnen hindurch. Ihr Blick war erhaben, begierig nach Macht. Macht, die sie nun hatte. Macht, die sie nun entfalten konnte. Macht über ihr eigenständiges Leben, welches sie nun in die Hand nehmen konnte. Dem leblosen Körper ihres Vaters schenkte sie keinerlei Beachtung mehr. Anmutig drehte sie sich um und blickte zur Haustür, auf welche sie ohne zu zögern zuging. Alles, was sie jemals hatte, ließ sie zurück. Einzig eines der Bücher hatte sie bei sich. Sie ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen und der eisige Wind drückte sich wie abertausende Nadelspitzen an ihren Körper. Aber was war dieser Schmerz schon gegen den seelischen Schmerz, den ihre Eltern ihr zugefügt hatten? Sie atmete durch und ging den schmalen Weg zum Gartentor entlang und hieß ihr neues Leben willkommen. Sie machte sich auf den Weg ins Unergründliche. Sie wusste noch nicht, was vor ihr lag, aber sie würde es noch erfahren. Noch einmal ging sie zurück, sie hatte das Tor ins Freie schon fast durchtreten, aber dennoch, sie wollte sichergehen. Erst als das Haus lichterloh in Flammen stand konnte sie jenem mit einem zufriedenen Lächeln den Rücken kehren. Die lodernden Flammen zischelten in der kalten Nacht, fast, als würden sie selbst um Hilfe schreien.
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Zitternd angelte sie im Halbschlaf nach ihrer Kleidung. Ihr war kalt, um sie herum war alles eisig kalt. Es fühlte sich an wie abertausende Nadelstiche, die auf ihre Haut niederprasselten. Hatte sie vergessen, die Fenster zu verschließen? Konnte nicht sein, selbst wenn: Es war nie so kalt gewesen in den letzten Nächten. Ihr Blick wanderte an ihrem Körper entlang. Jedes einzelne Haar dort stand senkrecht ab, Gänsehaut hatte ihre komplette Haut belegt.
Seufzend zog sie sich etwas über. Das Bett neben ihr war leer. Der Streit zwischen Lucan und ihr lag noch immer in der Luft. Er hatte ihr das Gefühl gegeben zu versagen – ihr eigener Mann. Und er stellte es sich so einfach vor, das wieder gut zu machen? Nicht auf diesem Weg. Nicht so. Nicht in dieser Form.
Auf leisen Sohlen schlich sie vom oberen Stockwerk in das untere. Die Katzen hatten sich längst auf den Kissen vor dem Kamin zusammengerollt und sie griff im Halbschlaf nach einem Glas, welches sie mit kaltem Wasser befüllte und einen großen Schluck davon nahm. Ihre Haut war blass, blasser als sonst, im Schein des Kamins wurde ihr jenes jedoch nicht bewusst. Sie hatte geträumt, sie hatte einen verwirrenden Traum gehabt, der ihr die Luft genommen hatte. Aber egal, wie lange sie überlegte, sie kam nicht dahinter, was es gewesen war. Sie schlich die Treppen wieder nach oben und huschte in ihr Bett zurück, nachdem ihr wieder einigermaßen warm war. Kraftlos und müde sank sie zurück in ihr Bett – die Nacht war noch so verdammt lange und sie musste Schlaf nachholen. Sie musste schlafen, denn ohne genügend Schlaf konnte sie sich nicht konzentrieren.
Sie blinzelte wieder. Aus den Augenwinkeln heraus sah sie einige Schatten um sich herum huschen. Wie sie diese dämlichen Katzen manchmal verfluchte. Manchmal konnten sie wirklich nervig sein. Es war noch nicht einmal hell, als das ihnen einfallen konnte, etwas zu essen zu wollen. Sie drehte sich vom Bauch auf den Rücken. Normalerweise schlief sie nur auf dem Bauch, sie war es so gewohnt und seitdem Lucan immer neben ihr lag gab es auch keinen Grund mehr, auf dem Rücken zu schlafen. Schließlich konnte er ganz gut auf sie aufpassen. Benebelt von ihren Träumen und mehr im Schlaf als wach zog sie die Decke wieder über sich. Es fühlte sich an als wäre sie in einer Art Ohnmacht und doch war sie noch bei Bewusstsein. Warum nur war um sie herum alles so verschwommen? Sie konnte nicht einmal ihre Umgebung genau einordnen. Sie blinzelte erneut, als sie einen Schatten um ihr Bett huschen sah. Ein leises Flüstern durchzog in einer dunklen Stimme die Stille der Nacht: „Ich bin gekommen um dich zu holen, Tarja!“ Sie riss ihre Augen auf, ehe ein markerschütternder Schrei beim Anblick dessen, was sie sah, über ihre Lippen drang.
Verfasst: Sonntag 16. März 2008, 02:36
von Tarja Lycron
Ein Traum, ein Traum. Ja, vermutlich hatte er recht, wenn er sagte, dass es nur ein sehr lebhafter Traum war. Er hatte die Haustüre verschlossen und er versicherte ihr auch, sich keinen dummen Scherz erlaubt zu haben. Es war also nur ein Traum. Das stimmte sie zufrieden, denn sie erinnerte sich nur noch an die Shilouette und an die Stimme, an die Worte. Worte, die in ihrem Kopf umherspukten, die nicht von dieser Welt waren. Vielleicht war in der letzten Zeit alles zuviel geworden.
Sie schlich ins Bett hinauf, während er ihr das Versprechen gab, auf sie zu achten, nachdem er sich noch etwas zu Essen gemacht hatte. Viel Zeit blieb ihr nicht, da versank sie erneut im Land der Träume. Sie spürte kaum noch, wie er sich neben sie setzte, seine Hand beruhigend auf ihre Seite legte und über jene streichelte. Wieder suchten sie Träume heim, die sie mehr in die Bewusstlosigkeit zogen als sie bei Bewusstsein hielten. Kalter Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn, Schüttelfrost überkam ihren Körper. Einen Träumenden sollte man nie wecken, das war ihm wohl auch bewusst. Und doch, sie riss die Augen wieder auf. "Was willst du hier?" Sie starrte die Shilouette in der Dunkelheit an. "Ich habe dich längst vernichtet, was suchst du hier?" Ihre Stimme bebte, zitterte. Aufrecht saß sie im Bett und doch war dort, wo sie hinsah für niemand sonst etwas zu erkennen ...
Verfasst: Sonntag 16. März 2008, 18:08
von Lucan Linari
Tarja war schon längst die Treppen hinauf entschwunden, als er sich mit einem Brot in der Hand aufmachte. Während er die Stufen emporstieg, kreisten einige Gedanken in seinem Kopf. Was sie wohl damit gemeint habe und doch zweifelte er daran, dass es nur ein Traum gewesen war, der sie heim gesucht hatte. Doch hätte er sicherlich etwas vernommen, wenn ein fremder Mann im Haus gewesen wär. Vor allem stellte er sich die Frage, warum der Mann dann keinerlei Spuren hinterließ.
Oben angekommen, drückte er sich das letzte Stück Brot in den Mund. Er schlenderte langsam zum Bett hinüber, in dem Tarja schon längst schlief. Zu sehr schienen die letzten Tage an ihren Nerven gezehrt haben. Er setzt sich auf das Bett, mit dem Rücken an die Wand gelegt und ausgestreckten Beinen saß er da. Den Blick immer wieder über Tarja und dann wieder durch den Raum schweifen lassend. Nur das Gejaule der Katzen war immer wieder zu hören, ansonsten nichts, was irgendwie auffällig war. Neben ihm wand Tarja sich immer wieder leicht im Schlaf und murmelte etwas leise vor sich hin, was er kaum vernehmen konnte, auch wenn er sich bemühte – kurz darauf gab sie wieder keinen Ton von sich, sondern atmete nur leise wie gewohnt. Er hoffte immer noch, dass es lediglich Träume waren, die vorüber gingen, doch würde er warten… auch wenn es die ganze Nacht dauern würde.
Verfasst: Montag 17. März 2008, 13:17
von Tarja Lycron
Es fühlte sich auf einmal an als würde sie Karusell fahren. Als wäre irgend etwas in sie gefahren und ließ sie drehen. Kurzzeitig verlor sie die Kontrolle über sich. Es fiel nicht weiter auf, sie blinzelte nur und schüttelte ihren Kopf, um die Schatten um sich herum wieder zu verlieren. Die beiden Adepten unterhielten sich weiter, während sie um dieser steinernen Statue standen. "Vielleicht sollte man einen anderen Ort für eine weitere Besprechung aufsuchen." - Die Worte waren deutlich und sie wurden auch vernommen. Darian, Lucan, Darius und Tarja machten sich auf den Weg zum Höhlenausgang. Es drehte sich weiter, als würden ein Dutzend Schatten um sie gleiten und sie von irgendetwas ablenken wollen. Das Zischen um sie herum wurde lauter, die Schmerzen, die sie kurzzeitig verspürte, schlimmer. Die Orken, die um sie herum standen und wie wild auf sie einprügelten nahm sie gar nicht mehr wahr. Sie sah weder ihr Gesicht noch nahm sie sonst etwas um sie herum wahr, sie hielt nur schützend ihre Hände vor sich und versuchte die Schläge zu blocken. "Wir holen dich, wir holen dich, wir holen dich - er hat uns geschickt, um dich zu holen, Tarja!"
Auf einmal war es ruhig. Sie spürte nur, wie sie langsam wieder zu Bewusstsein kam und jemand ihren Namen sagte. Sie spürte die Hand auf ihrer Wange und sie spürte, wie ihr schwindlig war. Sie schlug die Augen auf und sah Lucan, der Rest um sie herum drehte und drehte sich. Sie rollte sich zur Seite und übergab sich. Es gab nun wichtigeres als zu schwächeln. Sie musste sich aufrappeln und mit den anderen zur Burg zurück.
Verfasst: Dienstag 18. März 2008, 12:53
von Tarja Lycron
Eilige Schatten huschten der jungen Arkoritherin hinterher.
Ihre Beine trugen sie von der Arkoritherburg zurück zu ihrem Haus, aber nicht einmal den Weg fand sie zurück. Jenen Weg wollte sie noch nicht zurück finden. Immer wieder rissen die Schatten ab und ließen ihre Hände sinken, die sich nach ihr verzehrten.
"Tarrrrrrrrjaaa..." - Kurz vernahm sie die Stimme hinter sich, komisch nur, dass wie immer niemand hinter ihr war. Kopfschüttelnd setzte sie ihren Weg fort, der sie direkt in die Arme Lucans trieb. Er stand da, kurz vor dem Hafenviertel und wurde mal wieder von einer Wache Rahals aufgehalten. Wann würde es endlich in ihren Schädel reingehen, dass Arkorither sich maskieren durften? Die Schatten hatten ihre Spur verloren, sie stand nun ganz allein vor den Beiden, ihre Angespanntheit wirkte sich deutlich auf ihre Laune aus. Es wurde Zeit, dass sie wieder etwas zu töten hatte. Viel zu lange schon war sie ruhig. Der nächste Gardist würde vermutlich anders lernen, dass die Arkorither sich nicht entblößen mussten. Wie oft mussten sie sich noch von ihnen so behandeln lassen? Langsam verstand Tarja, was Lucan bezüglich der Garde meinte.
Vikko - auch er stand auf ihrer Liste fürchterlich weit oben.
Sie war in der Lage zu töten und auch gewillt dazu. Er hatte eine äußerst amüsante Drohung in einer Kiste verpackt. Lucans Seele würde ihm gehören? Er drohte einem Arkorither mit der Seele? Wusste er nicht, dass jenes eine leere Drohung war? Er konnte ihm mit seinem Leben drohen - aber nicht mit seiner Seele. Tarja ließ enttäuscht die Schultern hängen, zuviel hatte sie sich davon wohl versprochen. Ein Arkorither trug keine Seele mehr unter seinem Herzen. Die Seelen hatten sie dem Orden - der Maestra - dem schwarzen Buch verschrieben. Also sollte Vikko doch mit Lucans Seele machen, was er wollte. Ein leises, irres Kichern überkam ihre Lippen. Vielleicht war er mächtiger zurückgekehrt, aber er hatte eines vergessen. Wenn man mit der Macht nicht sonderlich geschickt umging würde man sehr schnell ins offene Messer laufen und zu gerne würde sie sein Blut doch an ihrer Klinge sehen wollen. Gut, sie gab sich auch mit ihrer Kleidung zufrieden, aber sie wollte ihn ja nicht platzen sehen oder sonstiges, ein Stück sollte er schon bleiben. Immerhin war es an ihr, ihn dann zu zerteilen und in Stücken wieder zu den Rabendienern zu befördern. Sie wollte irgendwem das Augenlicht rauben. Mit kleinen Nähnadeln immer wieder in die Augen pieken. Ihr war egal, wer es war. Jene Frau, die spätnachts durch Rahal schlich und den Fehler begang, Tarja als Mann zu betiteln trag dazu bei, dass der oder die Nächste mit dem gleichen Fehler brennen würde. Vielleicht sollte man den Damen und Herren endlich mal beibringen, dass schwarz Berobte nicht immer nur männlich waren. Und doch, da waren sie wieder. Die Schatten, die sie umringten und ihr Augenmerk auf sich zogen. Schatten, die über Häuserwände huschten, obwohl niemand da war. "Taaaaaaar..." Sie runzelte die Stirn und als Lucan sich umdrehte, waren sie wieder verschwunden. "Was ist? Wonach suchst du?" Für einen Moment überlegte sie, ob sie ihm etwas davon erzählen sollte, aber dann schüttelte sie den Kopf. "Nichts, ich dachte nur, ich hätte etwas gesehen!"
Verfasst: Mittwoch 19. März 2008, 15:05
von Lucan Linari
Dunkelheit… nichts als Schwärze umschlung ihn. Sein Atem wurde immer schnell. Schweissperlen bildeten sich auf seiner Haut. Immer wieder japste er nach Luft, doch schien irgendetwas ihm immer mehr seiner Atemluft zu berauben. Panik durchdrang seinen Leib und kurz bevor er sein Ende kommen sah – kurz bevor die Kraft das letzte bisschen Leben aus ihm rausgeholt hatte…. schlug er die Augen auf. Hastig doch orientierungslos huschten seine Augen durch den ganzen Raum, in dem die Stille eingekehrt war. Nicht einmal die Tiere gaben in jener Nacht einen Laut von sich und das Mondlicht strahle durch die Vorhänge hindurch in das Zimmer, was ihn einige Schemen erkennen ließ. Er blickte neben sich und sah seine Frau dort liegen… um ein Haar hätte er sie verloren. Die Erleichterung ließ seinen Körper wieder zurück in die Kissen sinken. Mit seiner Hand wischte er sich einige nasse, klebende Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Dann drangen einige Erinnerungen des vergangenen Abends wieder in sein Bewusstsein hinauf. Beinahe hätte er sie verloren… und das, weil er ihr eine Information vorenthalten hatte – doch aus Bosheit oder Misstrauen? Nein…er wollte den richtigen Moment nur dafür abwarten… und hatte er ihn verpasst. Die Maestra war ihm zuvor gekommen und dafür verfluchte er sie in dieser Nacht. Oder vielleicht sollte er ihr danken? Immerhin hat ihm dieses Erlebnis wieder einmal vor Augen geführt, wie wichtig sie für ihn geworden war, dass er sogar sein eigenes Leben opfern würde. Er hatte ihr schon das Rapier in die Hand gedrückt – sie hätte nur noch zustechen müssen.
Er legte sich auf die Seite und betrachtete sie – auch diese Nacht schien von einer Unruhe geplagt zu werden. Aber dieses Mal wunderte es ihn nicht. Natürlich war sie verletzt, das Vertrauen erschüttert… er konnte es nachvollziehen. Lag es diesmal mehr als sonst an ihm, ihr zu beweisen, dass sie doch den richtigen Weg mit ihm gegangen ist… ein Umzug stand bevor, welcher vielleicht eine gute Gelegenheit war, um vergangenes ruhen zu lassen.
Stunden verharrte er neben ihr bis die Müdigkeit ihn schließlich doch einholte.
Verfasst: Mittwoch 19. März 2008, 19:28
von Tarja Lycron
Sie war durch halb Rahal gehetzt, weil sie einfach nicht wusste, wo sie hin sollte. Sie wollte einfach nur einen Moment Ruhe haben. Sie zitterte innerlich - sie war wütend, sauer und enttäuscht zugleich. Die Enttäuschung in ihr drohte wirklich überhand zu nehmen. Sie wollte ihn nicht mehr sehen.
- Nie wieder.
Was hatte er sich nur dabei gedacht? Den richtigen Moment abwarten - ja, jetzt war es der undenkbar ungünstigste Zeitpunkt, den er hätte wählen können, denn jetzt - ja, jetzt war es zu spät. Sie hatte anderweitig von Vergangenem erfahren - ganz blöd war auch sie nicht. Selbst wenn sie ab und an einige Dinge nicht sofort für voll nahm. Im Nachhinein musste sie über ihre eigene Dummheit lachen. Natürlich - woher sollte er sonst alles so genau wissen? Woher sollte er sonst wissen, dass sie nicht an Alatar glaubte? Woher sollte er all das sonst wissen?
- Bis das der Tod uns scheidet.
Das konnte er haben. Der Tod würde sie scheiden, aber es würde nicht ihr Tod sein. 'Vikko' würde seinen Spaß an ihm haben und sie war dann endlich wieder frei, konnte ihren Namen wieder tragen und ihr Leben wieder leben. Freiheit. Frei sein. Nicht umgeben von einem Menschen, der sie so belogen hatte. Sie wusste nicht, was er sich dabei dachte. Er verfolgte sie, er wollte sie nicht gehen lassen. Sah er denn nicht, dass es zu spät war? Viel zu spät um noch irgendwas zu retten? Aber nein. Er sah es nicht.
- "Wir haben unsere Sachen verbrannt, die Vergangenheit hinter uns gelassen."
Sicher. Er hatte sie von vorne herein belogen. Das würde sie ihm nicht verzeihen. Der Schlag mit der Handfläche, den sie ihm verpasst hatte, saß. Ihre Hand brannte und den Abdruck ihrer Hand sah man auf seiner Wange. Sie wollte mit dem Stab weiter auf ihn einprügeln, ihn zu Tode prügeln - aber sie besann sich. Sie würde sich ihre Finger nicht schmutzig machen, stattdessen schmetterte sie ihm den Ring entgegen. "Achja, bevor ich es vergesse, der ist wohl eher für jemand anders bestimmt!"
- Es war das Ende.
Sie hielt das Rapier in der Hand. Nur ein Stoß und sie hätte ihn töten können, aber sie konnte nicht. Vermutlich hätte sie jeden Anderen kaltblütig töten können, aber nicht ihn. Ein Neuanfang. Neuanfang - Neuanfang - Neuanfang. Der Hass, die blanke Wut schürte in ihr. Sie würden sehen, was die Zeit brachte. Den Umzug hatte er angeleiert. Vergangenes hinter sich lassen. Was hatte er noch zu verbergen? Das Kratzen ihrer Katze an der Tür machte sie wahnsinnig. Ein Ruck und die Tür flog auf. Eine Bewegung und die Katze brannte. Der Geruch von verbranntem Fleisch durchdrang die Küche.
- Ruhe, Ruhe. Sie benötigte einfach nur Ruhe. Und die Schatten tanzten wieder um sie herum und zogen sie in eine Welt jenseits von dieser.
Verfasst: Donnerstag 20. März 2008, 11:31
von Lucan Linari
Unbequem wurde es langsam, so wie er steif auf dem Boden lag auf einigen kleineren Sitzkissen. Doch wollte er nicht ins Bett gehen – Tarja lag nur wenige Schritte weiter neben ihm in einem beunruhigendem Zustand. Er wusste nicht, was es war und nicht, was er dagegen tun konnte. Helfen ließ sie sich nicht.
Nur wenige Stunden ist es her, dass sie alleine ihr Mahl auf der Terrasse einnahm und einen Wein nach dem anderen ihre Kehle herunter rinnen ließ, während er mitten im Raum stand und immer wieder überlegte, was nun der klügste Schritt sein sollte. Er wusste es nicht…
Doch beunruhigt ihm der Gedanke, dass der Wahnsinn sie tatsächlich bald einholen würde. Ständig sah sie Bilder, sie beide bisher nur als Träume abgetan haben. Jedoch an diesem Abend, geschah etwas, was ihn zum zweifeln brachte. Er war bereit hinauf gegangen, bald wollte er sich zur Ruhe begeben, als er ein Gemurmel von unten vernahm – er drückte sich hinauf und stieg langsam die Treppen hinab, um nur keinen Laut von sich zu geben, doch hätte er vermutlich auch lautstark die Treppen hinunter trampeln können, da Tarja zu der Zeit scheinbar in einer völlig anderen Welt schwebte. Sie sah Dinge, die er nicht begriff und erst recht weiteten sich seine Pupillen, als er sah, wie sie mit einem Messer in der Hand nach etwas zu schlagen begann. Weit hatte sie sich an die Wand gepresst und sprach mit einer Person, die Lucan nicht sah.
Langsam näherte er sich ihr und beobachtete sie eine ganze Weile, um die Situation abzuwägen und nun keinen Fehltritt zu begehen oder sie in einen Schockzustand zu versetzen.
Als sie sich zu beruhigen schien, erhob er das Wort – er versuchte auf sie einzureden, aber ihren Dickkopf hatte sie bis dahin nicht verloren. Sie weigerte sich strickt bis sie schließlich zusammensackte, als wäre sie von hier auf jetzt in eine Traumwelt versunken.
Eine Hand streckte er schon nach ihr aus, um mit der Hilfe des Liedes ihre Klänge zu überprüfen, doch beschloss er sie für das Erste ruhen zu lassen. Sie sollte erst einmal ihren Rausch ausschlafen – Schlaf – ja das war genau das Richtige - für Beide. Hoffentlich würde er für die nötige Genesung sorgen.
Verfasst: Donnerstag 20. März 2008, 16:58
von Tarja Lycron
Oh ja - wie wütend es sie machte, wenn sie wegen jedem einzelnen Schritt Rechenschaft ablegen musste. Hatte er Angst, dass sie ging und nicht mehr zurückkam? Die Angst war wohl momentan berechtigt. Es war alles andere als in Ordnung zwischen ihnen.
Der Umzug, jaa. Sie saß eine Weile auf der Terrasse, ein wirklich schöner Ort. Auch wenn die Aussicht ein wenig grau und groß war. Nichts desto trotz war es ihr gelungen, einiges aus dem kleinen Haus zu machen. Nungut, von klein war nicht die Rede, es war größer als ihr erstes Haus. Die erste Flasche Wein fand den Weg in ihren Rachen, die zweite folgte recht schnell. Aber ihre Ruhe wurde gestört als Lucan sich zu ihr setzen wollte. Sie stand auf und ging in das Innere des Hauses. Sie wollte nicht mehr als nötig mit ihm reden, er sollte merken, was er getan hatte. Er sollte spüren, wie es ist, wenn es innerlich brannte und nicht mehr aufhörte.
Sie war reichlich benommen vom Alkohol, als sich die Schatten auf sie zuschlichen und sie umzingelten. Panisch hob sie ihren Dolch, den sie zuvor wieder in ihren Stiefelschaft geschoben hatte, nachdem sie Lucan damit gedroht hatte. Sie sah in die Augen eines alten Bekannten. "Was willst du hier?"
"Ich bin gekommen, um dich zu holen, Tarja!"
Wild gestikulierte sie mit dem Dolch vor sich umher, um genügend Abstand zwischen sie und ihrem Angreifer zu bekommen. Und es klappte, er näherte sich ihr nicht weiter. "Geh - geh und lass mich in Ruhe!" Ein gehässiges Lachen durchzog den Raum, welches aber nur Tarja vernahm. Sie presste sich an die Wand, Schweiß bildete sich auf ihrer Haut und erneut zuckte sie. Dann war alles vorbei und sie sah sich benommen im Raum um. Lucan stand vor ihr und streichelte ihre Wange. "Lass mich... Lass mich bitte einfach nur allein..." Sie wollte ihn nicht bei sich haben. Sie wollte einfach nur ihre Ruhe - Ruhe. Erneut zuckte ihr Körper und sie sank auf den Boden hinab. Ihr Geist glitt in eine andere Sphäre, weitab von dem jetzigen Dasein und kam allzu schnell auch nicht mehr heraus. In einem tiefen Schlaf ruhte sie auf dem Boden, unruhig schlief sie, die Hetzjagd in ihren Träumen ging weiter - sie hörte nicht auf.
"Egal, wer oder was bei dir war ... wir werden ihn vertreiben."
Verfasst: Freitag 21. März 2008, 18:27
von Lucan Linari
Zitternd schloss er seine Hand um die Decke und krallte sich in jener fest. Er hatte es nicht einmal geschafft sich zu entkleiden ehe er sich in sein Bett legte. Rücklings lag er da und immer wieder flackerten seine Augenlider. Die letzte Berührung, welche er Tarja zuteil werden ließ, hat ihn geschafft. Tausende von Bilder prasselten auf seine Wahrnehmung ein. Sein Kopf brannte – es war zuviel, zuviel auf einmal, zuviel für ihn. Es waren Bilder aus ihrer Vergangenheit… Bilder von Angst, Hass und Gewalt. Er sah alles, was man ihr antat, ihren Schwestern antat und was geschah. Eine jahrelange Sammlung von Erinnerungen, die alles andere als ein gutes Gefühl in einem Menschen weckten – jene Erinnerungen prasselten auf ihn in nur wenigen Minuten ein und noch hat er sie nicht verarbeitet. Sein Gehirn arbeitete selbst im Schlaf weiter, doch wurden dort die Erinnerungen klarer in Alpträume verpackte – er konnte sie fast fühlen, fast schon riechen – so realitätsnahe wurden jene Bilder in seinem Kopf.
Er sah sich – nein sie, oder doch sich? Er sah aus ihrer Sicht, in einer Hand einen Dolch. Ein Mann stand vor ihm, welcher immer wieder meinte, dass er ihn holen würde. Er schlug mit dem Dolch nach jener Person, doch lenkte er den Leib nicht, in welchem er steckte. Er war gefangener in einem unlenkbaren Leib. Angst durchströmte seinen Körper und der Schmerz ließ seinen Körper zittern, bis der Hass in ihm hoch kochte.
Jene Person sah er schon einst in anderen Erinnerungen, welche sie ihm zukommen ließ. Brauchte er doch eine Weile, um ihn zuordnen zu können und plötzlich ist das Goldstück gefallen. Ihr suchte sie immer wieder heim… doch warum? Was hatte es damit aufsich? Unzählige Fragen plagten ihn.
Doch dann – die Luft wurde immer dünner und er schreckte aus dem Traum hinauf. Aufrecht saß er im Bett, sein eigener Schweiss fließt an ihm herab, während er immer wieder rasch Luft holte. Ein Schmerz hatte sich tief in seinen Kopf gefressen, doch quälte er sich hinauf, um zum Bad herüber zu gehen. Er tauchte seine Hände ins Wasser und schlug sich jenes kurz darauf ins Gesicht. Abkühlung musste her. Dann auf einmal – Blut an seiner Hand, aber woher? Dann schmeckte er das Blut an seinen Lippen, es rann ihm aus der Nase herab. Er griff zu einigen Tüchern und hielt es sich an die Nase. Nasenbluten hatte er schon lange nicht mehr. Jene Bilder strapazierten nicht nur seinen Geist, auch seinen gesamten Körper.
Er wankte wieder zurück zum Bett und ließ sich in jenes fallen…immer noch drückte er das Tuch auf seine Nase und schloss seine Augen. Er wünschte sich nur eins, dass diese Bilder ihn wenigstens noch die restliche Nacht in ruhe lassen würde, aber so sollte es nicht sein…
Verfasst: Freitag 21. März 2008, 18:49
von Tarja Lycron
Sie war zurückgekommen. Ja, das war sie. Aber sie machte ihm klar, dass ihre Rückkehr nicht bedeutete, dass alles gleich wieder normal werden würde. Lange saßen sie im unteren Stockwerk und unterhielten sich. Sie stellte ihm Fragen, er antwortete. Sie versuchte zu verstehen, aber teilweise wusste sie nicht einmal mehr, was sie glauben konnte. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!" - wie oft hatte sie diesen Satz früher gehört. Sie war so hin- und hergerissen. Sie war hier zuhause und irgendwo fühlte sie sich doch fremd. Ihre Hände zitterten, wenn sie jene nicht abstützte. Müdigkeit stand in ihren Augen geschrieben, sie verabschiedete sich in die Nacht, nachdem sie ihm gesagt hatte, dass sie die Nacht alleine verbringen wollte.
Aber sie konnte noch nicht schlafen. Irgendetwas hielt sie ab davon. Sie konnte nicht mehr, sie war so schwach, sogar zu schwach um zu schlafen. Die Gedanken, die Visionen, die Erinnerungen, welche sie immer wieder einholten, gingen ihr zu sehr an die Substanz. Es war abends so, immer nur abends wenn sie ins Bett ging. Den ganzen Tag über fühlte sie sich fit und es gab auch Tage, da spürte sie auch am Abend nichts. Als wäre nie etwas gewesen. Aber dann - dann kam es und es zog sie auf den Boden. Und sie hatte keine Ahnung, was es war.
Gedankenverloren setzte sie sich auf die Treppenstufen. Sie wollte in die Badewanne, wollte sich abkühlen, aber sie schaffte nicht einmal mehr das. Sie stützte ihre Stirn in ihre Handfläche und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen. Sie hörte nicht, wie Lucan zur Türe hereinkam und sich neben sie setzte. Sie spürte nicht, wie er sie berührte - zumindest nicht gleich. Erst, als das Gefühl in ihrer Brust leichter wurde, als die Gedanken für einen Moment erstarrten und sie nicht verfolgt wurde in jenen, sah sie ihn neben sich. Sie spürte, wie ihn die Gedanken erfassten, wie er jeglichen Moment ihrerselbst durchlebte. Das ihr bekannte Zucken seines Körpers und der Augenlider verriet ihn. Sie hatte sich mit ihm mit ihrer Rückkehr geöffnet, ihm eine erneute Chance gegeben. Und nun hatte er Zugriff auf ihr Herz.
Abwesend wie sie war löste sie sich von ihm und ging in ihr Bett. Sie sah, wie er aus dem Bad taumelte, vor ihr auf dem Boden in die Knie ging und zitternd versuchte, wieder auf die Beine zu gelangen. Sie verfolgte ihn mit dem Blick, sie sah ihm nach, wie er zitternd und absolut durch den Wind, geplagt von ihrem eigenen Pein, die Treppen hinabstieg. Würde sie diese eine Nacht Ruhe haben? Es war eine schwachsinnige Frage, sie wusste genau, dass ihre Träume sie wieder einholen würden. In welcher Intensität sie jenen Traum erleben würde, war ihr noch nicht bewusst. Aber das würde sie in der nächsten Nacht am eigenen Leib erfahren.
Verfasst: Donnerstag 8. Mai 2008, 01:42
von Tarja Lycron
Ruhe. Diese wunderschöne Ruhe, die sie genießen konnte. Um sie herum war es ruhig, so herrlich ruhig. Womit hatte sie diese grenzenlose Ruhe nur verdient? Langsam stieg sie die Treppen zum Keller hinab, das Rauschen des Wassers durchdrang ihre Ohren und es schmerzte sogar ein wenig. Jedes kleinste Geräusch tat für den Moment in ihren Ohren weh. Sie bildete sich ein, absolute Ruhe haben zu wollen und die hatte sie.
Als sie die Augen wieder aufschlug wusste sie nicht mehr was geschehen war. Sie erinnerte sich daran, in den Keller gegangen zu sein, um etwas zu holen. Und nun lag sie hier auf den kalten Steinstufen, die sie normalerweise zu ihrem Bett brachten? In ihrem Kopf drehte sich alles, sie fühlte sich müde und schlapp. Was war geschehen? Und wieviel Zeit war verstrichen? Einige Wochen waren vergangen in denen sie keinerlei Rückfälle hatte. Sie hatte schon gehofft Lucan hatte ihr wirklich geholfen und jeglichen 'Angreifer' vertrieben. Aber man sollte sich niemals zu früh freuen. Die letzten Tage kosteten sie wieder mehr Kraft, selbst das Aufstehen wurde manchmal zur extremen Bemühung. Die Träume wurden weniger, aber sie waren nicht da. Mal kamen sie heftiger, mal weniger heftig. Waren es Vorboten für irgendetwas, was passieren würde? Tarja hatte keinerlei Ahnung, aber das war ihr für den Moment auch egal. Sie musste sich vorbereiten. Vorbereiten für eine Prüfung, die sie noch mächtiger werden lies. Danach konnte sie sich Gedanken über den Rest machen. Kurz runzelte sie die Stirn und ging wieder hinauf. "Tarja..." Sie drehte sich auf dem Treppenabsatz um. Was wollte Lucan denn jetzt schon wieder? Aber der Raum war leer, ebenso wie das angrenzende Schlafzimmer. "Hmmm..." langsam glaubte sie wirklich, dass sie verrückt geworden war.
Verfasst: Mittwoch 14. Mai 2008, 23:06
von Tarja Lycron
Sie schlug die Augen auf. Kalter Schweiß benetzte ihre Stirn und perlten an den Furchen ab, die sich auf der gekräuselten Stirn gezogen hatten. Ihr war die Luft weggeblieben im Traum, fast so, als wäre sie meilenweit gerannt. Das Laken war nass, klatschnass und als sie sich mit der Handfläche über das Gesicht strich spürte sie diese warme Flüssigkeit und recht schnell war ihr bewusst, dass es Blut war. Blut, welches aus ihrer Nase lief.
Nur schwer konnte sie sich an das erinnern, was sich in ihren Träumen abspielte. Immer wieder versuchte sie die Träume zu rekonstruieren, aber umso mehr sie sich darauf konzentrierte, desto stärker verschwammen die Bilder vor ihrem Kopf. Wo würde es hinführen? Sie schloss die Augen und versuchte ihre Atmung zu beruhigen.
"Lucan? Schatz? Liebster? Bist du da?"
Leise flüsterte sie, wobei sie genau wusste, dass er nicht da war. In letzter Zeit war er oft irgendwelche Dinge am Erledigen. Was genau er plante oder vorhatte wusste sie nicht. Vermutlich heckte er irgendeinen Racheplan für Vikko aus. Schon lange hatte sie aufgegeben ihn danach zu fragen, viel zu verstrickt war er in sein tun. Meist vergaß er sogar seine Frau dabei. Sie war ihm deswegen nicht böse - ganz im Gegenteil. Sie hatte selbst mehr als genug zu tun. Und dennoch konnte sie es nicht leugnen, dass er anders war, seitdem er sie berührt hatte und erlebt hatte, was sie erlebte. Wie ausgewechselt schien er, nachdenklicher, ruhiger. Auch, wenn er ihr bei dem letzten Zusammentreffen nach ihrer Exkursion erneut ein liebevolles Lächeln und einen kurzen Kuss geschenkt hatte. Es zehrte ebenso an seinen Kräften - sie verstand es. Langsam hatte sie sich an die Visionen im Traum gewöhnt. Wenn sie nur wüsste, was sie zu bedeuten haben. "Ich komme um dich zu holen, Tarja." Immer wieder donnerten die Worte durch ihre Gedanken. Mal waren sie nah an ihrem Ohr, dann waren sie wieder weit, weit weg, nahezu ein furchtbar leises Flüstern. Und dann auf einmal war alles wieder still. Nur eines hatte sich verändert. Die Form und Gestalt des Mannes tendierte mittlerweile oftmals zu einer Frau. Tarja seufzte. Sie würde noch vollends durchdrehen, wenn sie nicht bald wissen würde, was dahinter steckte. Ihre Familie war tot, nichts und niemand konnte mehr überlebt haben und ihr Bruder war weit, weit weg. Wahrscheinlich hatte er längst vergessen das er noch eine Familie hatte.
Verfasst: Donnerstag 15. Mai 2008, 18:03
von Tarja Lycron
Sie war an diesem Morgen schon mit einem mulmigen Gefühl aufgestanden. Vielleicht lag es daran, dass sie am Abend einen ihr nur allzu sehr bekannten Vortrag halten musste. Sie wusste, was von dem Vortrag abhängen würde. Lange hatte sie sich mit Lucan über jenes "Wesen" unterhalten. Er hatte ihr die Antworten nicht vorgekaut, aber sie hoffte, dass er sie in eine vernünftige Richtung geführt hatte, so dass jener Vortrag diesmal korrekt war.
Wie jeden Nachmittag verbrachte Tarja ihre Zeit damit, sich den Banditen zu widmen oder anderen Wesen aufzulauern um jenen den Gar auszumachen. Ziemlich erschöpft ging sie nach Hause. Sie sollte dort erst einmal zur Ruhe kommen. Wie gewohnt sperrte sie die Tür zu ihrem Heim auf, als schon ein Bote angewetzt kam und ihr einen Brief übergab. Mit einem Nicken nahm sie ihn entgegen und sah ihn nachdenklich an. Er war an sie adressiert, jedoch noch an ihren Mädchennamen "Thyrmon". Vor einer ganzen Weile hatte sie jenen abgelegt und dennoch, wenn man an die richtigen Leute kam würde man durchaus herausfinden, dass sie einmal diesen Namen trug. Stirnrunzelnd ging sie ins Innere ihres Hauses und öffnete jenes Schreiben. Es war verwunderlich, die Schrift glich ihrer fast auf den kleinsten Buchstaben. Langsam überflog sie die Zeilen in dem Brief und umso weiter sie fortschritt mit dem Lesen, umso deutlicher wurde ihr fassungsloser und ungläubiger Gesichtsausdruck.
Seinen Segen geliebte Schwester ...
du wirst nun sicher überrascht sein, wenn du folgende Zeilen liest. Doch glaube ich, lohnt es sich für dich, diese Worte, die ich dir schreibe zu lesen.
Ich habe Nachforschungen über unsere Familie angestellt, bis ich schliesslich hier in Rahal gelandet bin. Denn aufgrund meiner Nachforschungen trieb es mich regelrecht hierher, denn hier sollte ich mein zweites Gesicht treffen, doch leider war es mir bisher nicht möglich dich gar zu treffen oder gar gänzlich aufzuspüren. Schliesslich möchte ich dich davon überzeugen, dass wir aus ein und demselben Blut stammen, das wir uns gleichen wie ein Spiegelbild. Wobei mein Interesse auch meiner Natur entspricht. Daher würde ich ein Treffen am Rathausplatz in der Taverne vorschlagen, den nächstgelegenen Abend.
Ich werde dort auf dich warten. Ein Erkennungszeichen werde weder ich noch du brauchen. Stimmen jene Nachforschungen, wird unser Erscheinen genügen.
Möge der Alleinzige über Dich wachen...
Überrascht war sie wirklich. Sie überlegte, wer sich wohl einen solchen Spaß erlauben könnte. War es eine Rache von ihrem Ehemann, Lucan, der sich mal wieder einen Spaß mit ihr erlaubte für etwas, was sie einmal verbockt hatte? "LUCAAAAAAAN!" Der laute Schrei ging durch das Haus. Unmöglich jenen zu überhören. Aus dem Keller drang auch schon eine halblebige Antwort und sie stapfte die Stufen hinab. Recht eilig knallte sie ihm den Brief auf den Tisch, den auch er überflog und ihn mit einem fragenden Blick an Tarja zurückgab. "Ich wusste gar nicht, dass du eine Schwester hast." - Wenigstens waren sie sich diesbezüglich einer Meinung. Lucan war es also nicht, der sie versuchte zu veräppeln. War es eine Falle? Vielleicht wollte einer der Krathoris sie in eine Falle locken und gaukelte ihr vor, eine Schwester zu haben. Aber diese identische Schrift ... Kurz schloss sie die Augen und sah sich um, ehe sie den Weg nach oben ging. Beim hinaufgehen kam Tarja ihr letzter Traum in den Sinn. Hatte sich das Geschöpf in dem Traum nicht als Frau verwandelt? Vielleicht war es vorab eine Botschaft gewesen? Aber warum wusste sie nichts von ihrer eigenen Zwillingsschwester? Tausend Fragen schossen der jungen Adepta durch den Kopf. Sie würde zu dem Treffen gehen. Mit aller Vorsicht. Dann würde sie ja sehen, was sie dort erwartete.
"Eine Schwester...!" Tarja verdrehte die Augen und lehnte ihren Kopf an die Hauswand. "Bei Alatar, wenn es wirklich so ist ... warum ist sie nicht mit in dem brennenden Haus gewesen? Das hat mir grad noch gefehlt!"