Seite 1 von 3

Die Reifeprüfung

Verfasst: Donnerstag 13. März 2008, 23:16
von Yaewiel
Ein neuer Auftrag also, ein neuer Beweis ihrer Zuverlässigkeit, diesmal für die Herrin. Den Herrn zu überzeugen war ihr schon gelungen, die Herrin schien eine nochmalige Hürde zu sein. Sie wirkte nicht, als liesse sich ihr Vertrauen mit ein paar netten Worten erringen.

Nun gut, letztendlich war auch diese Aufgabe leicht zu lösen. Das Hafenviertel war schliesslich ihr zu Hause gewesen, auch wenn sie nicht gern daran zurück dachte. Sie wusste, wo die sie die Art Männer finden würde, die gebraucht wurden. Ebenso wusste sie, welche Knöpfe zu drücken waren um aus ihnen folgsame, zuverlässige Hündchen zu machen. Natürlich musste niemand wissen, dass Stillschweigen zwar gefordert würde, aber nicht zwingend notwendig war, da sich mit durchgeschnittener Kehle eben sowieso nicht mehr gut plaudern liesse. Verächtlich die Lippen verziehend, begann sie ihre "Dienstkleidung" auszuwählen.

Ein wenig Bein zeigen erwies sich oft als Vorteil, aber dort, wo sie hin wollte, konnte es sich auch als gefährlich erweisen.. Also würde es auch anders gehn, ein toter Diener ist ein schlechter Diener... so hiess es doch immer. Auch wenn die Frage, wer am Ende ein toter Diener wäre, offen blieb.

Sie musste sorgsam auswählen... Zu dumm durfte der "Auserwählte" auch nicht sein, schliesslich sollte er ein recht heikle Aufgabe ausführen. Bestimmte Informationen aus einer fremden Baronie zu beschaffen war zwar nicht sehr schwer, erforderte aber ein Mindestmass an Geschicklichkeit...

Ihre Gedanken kreisten um die Aufgabe, die vor ihr lag, während sie sich zurechtmachte. Als sie fertig war und abschliessend einen letzten Blick in den Spiegel warf, nickte sie sich selbst zufrieden zu.

Die Herrin würde zufrieden sein, so der Allvater es wollte. Sie würde jedenfalls ihr Bestes geben.

Verfasst: Dienstag 25. März 2008, 21:07
von Sephira von Tecklenstein

Vorbereitungen


Geht immerhin - denn eure Tat ist euer -
Und widerruft, was einst das Herz gebot;
Und kauft, wenn dieser Preis euch nicht zu teuer,
Dafür euch in der Heimat euer Brot!

Ich aber kann des Landes nicht, des eignen,
In Schmerz verstummte Klagen mißverstehn;
Ich kann die stillen Gräber nicht verleugnen,
Wie tief sie jetzt in Unkraut auch vergehn. –


[Auszug aus Theodor Storms „Abschied“]



Unruhe....diese innere Unruhe ließ sie einfach nicht los. Sie hatte sich zu viele Fehler erlaubt; zu sehr begann sie, zu zweifeln und zu zaudern. Jedes Gesicht, jede Mimik erschien ihr wie eine aufgesetzte Maske, der sie begegnete in einem bizarren Schauspiel. Jedes gesprochene Wort, jeder Laut, der den Mund verließ, war für sie voller Falschheit und Lügen. Sie versteckte sich hinter sich selbst; traute niemandem mehr.

Das Mädchen, was Gillian mit angeschleppt hatte...wirklich, sie war nett anzusehen und besonders das Augenpaar war ihr aufgefallen. Diese Wachheit, diese Aufmerksamkeit und dieser unbewusste Stolz. Sie war nicht dumm, die Kleine, das hatte sie schnell gemerkt. Manches Wort hatte sie mehr oder minder bewusst gewählt, um sie wohl für sich zu gewinnen...Vertrauen? Trauen? Was war falsch, was richtig?
Yaewiel, ein wirklich interessanter Name. Sie schien wohl aus der Gosse zu kommen; aus den Vierteln, in denen man jemanden wie sie, eine Blutgeborene, wohl sofort ausgeraubt und massakriert hätte. In jenem ähnelten sich die Armen mit dem verdammten und verseuchten Hudligern der Göttinnen: Sie handelten in dem gleichen Maße, mit der gleichen Verlogenheit und Skrupellosigkeit; auch wenn der eigentliche Grund dafür wohl ein anderer war.
Die feinen Härchen im Nacken stellten sich auf, als sie daran dachte. Varuna...ein zum Untergang geweihter Ort; den sie erst wiedersehen wollte, wenn die Stadt in Ruinen liegen würde. Zu viele Augenpaare hatten sie dort bereits erblickt, sodass es nur noch möglich war, aus der Ferne zu deligieren. Doch die Gedanken, die Pläne mussten zunächst auf wichtigere Dinge fokussiert werden. Tecklenstein...geliebte Heimat, zu der sie wieder werden sollte.

Es würde ein Test sein, ob man dem Mädchen vertrauen könnte. Sie würde sich natürlich von den Leuten, die das junge Dinge aussuchte, noch einmal ein genaues Bild machen wollen; sie würden sich einigen Fragen aussetzen müssen, bis man sie losschicken würde. Man würde einiges an Gold aufbringen müssen; diese dreckigen Gestalten konnten sich sicher nicht die Überfahrt leisten.
Was sie wissen wollte? Ihr war bekannt, dass das Heer vergrößert wurde; Thyralos hatte es ihr berichtet nach seiner Flucht in die heilige Stadt. Sie kannte die Baronie; alte Karten waren sicher von Hehlern zu besorgen. Taktische Angriffe? Nein, sie würde es zunächst im Kern des Reiches versuchen. Sie musste die Namen der Menschen in Erfahrung bringen, die höhere Positionen inne trugen. Armee, Politik, Handel... einige waren nach ihrer Gefangennahme entdeckt und hingerichtet worden. Es galt, neue Verbündete zu entdecken und für sich zu gewinnen. Doch würde man noch weitere Informationen einholen müssen. Das Volk war immer eine gute Nährquelle der Unzufriedenheit und jene ließ sich mehr und mehr nähren, wenn man nur den Samen entdeckte.
Und noch ein Gedanke schwebte in ihr umher. Jener hatte weder taktisches Gemüt, noch grundlegende Wichtigkeit und doch wollte sie den vertrauensvollst erscheinendesten Menschen damit beauftragen: Er sollte in die Residenz vorstossen, in das Anwesen Schloss Bergstein. Sie brauchte einen Verbündeten innerhalb der Mauern des Schlosses, nicht nur davor. Es gab sicher den ein oder anderen Diener, der überdrüssig war vom Geschwafel des Vaters. Sie fragte sich gern, wie es den Eltern wohl erging in der Zeit, in der ihnen mehr und mehr bewusst wurde, dass ihre Tochter sie hasste.
Ein Lächeln huschte über die schmalen Lippen.
Ja, der Gedanke des Hasses nährte wirklich und gab neue Kraft.
Das musste sie sich eingestehen....

Verfasst: Freitag 28. März 2008, 16:40
von Sephira von Tecklenstein
Das Kaminfeuer prasselte ruhig in dem sonst nur spärlich beleuchtetem Raum. Die Flammen des Feuers warfen seltsame Schatten an die steinernen Wände und auf das müde Gesicht des alten Mannes. Bereits seit ein paar Stunden saß der graubärtige Mann nun in dem gepolstertem Sessel und sah sinnierend vor sich her. Monate waren es nun schon, seit dem die Baronie Zeit gefunden hatte, wieder zur Ruhe zu finden. Wichtige Posten waren neu besetzt worden und die Verräter hingerichtet. Ein Ziehen durchzog den alten Ritter bei dem Gedanken. Verrat...
Er hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommen würde. Die eigene Tochter das heiß geliebte Blut... Selbst heute noch hatte sich tief in seinem Inneren ein Gefühl der Erleichterung festgesetzt, als sie damals fliehen konnte.

Sie ist jung und voller fehlgeleiteter Motivation. Man muss ihr nur wieder die Augen öffnen; es ist noch nicht zu spät...

Ein schweres Atmen folgte und dumpf wurde die Luft wieder ausgepresst. Wann immer sie reuemütig zurückkehren würde, er würde ihr vergeben. Sie war letztendlich seine Tochter; ein Kind der Liebe. Er erinnerte sich noch an das frühere Lachen der Kleinen, wenn sie durch den Garten tollten. Sie sahen so unschuldig aus und nie hätte er gedacht, dass es mal so weit kommen würde. Mit Wehmut dachte er an den Sohn... die Spuren hatten sich verloren; nur hier oder dort hörte man Gerüchte, doch keiner konnte beweisen, dass Gillian noch lebte.

Hoffnung, sie stützt und erhält uns. Temora, Tugendbringerin und Göttin, die Licht ins Dunkel bringt, erhelle die Geschöpfe und führe sie zurück.

Hoffnung, ja, die hatte Saran noch. Erst vor wenigen Tagen waren die Wachposten wieder minimiert worden. Späher und Informanten hatten kund getan, dass derzeit keine Gefahr vor Angriffen zu fürchten sei. Gerüchte hatten sich auch umrankt um eine weitere Festnahme der Tochter. Bei jenen Worten des Wächters hatte sich jede Faser des kräftigen Körpers angespannt und das Blut schien zu gefrieren. Nein, mochte sie noch so voller dunkler Samen sein, der Tot wäre keine Lösung. Worte...ja Worte würden sie wieder besinnen. Es war einer seiner Schwächen, die er sich wohl oder übel einzugestehen hatte: Er glaubte auch im schlechtesten Menschen noch an das Gute und dass man es wieder hervorholen könnte.
Ein Klopfen unterbrach die Gedankengänge des alten Mannes. Nach einem Seufzen rief er den Dienstboten herein, der sich nach einer tiefen Verbeugung dem Hochgeboren näherte.

„Hochgeboren von Tecklenstein? Wir fanden draussen vor den Toren einen jungen Mann. Der Regen hat ihn vollkommen durchnässt und frieren tut der wie sonst was. Er fragte nach euch, wollte mit euch reden. Anscheinend hat man ihn hier hergeschickt für Arbeit. Hat auch ne Rolle mit Pergamenten bei gehabt, keine Ahnung, was drin steht...“


Ein weiterer Bückling folgte und die Rolle mit den Pergamenten wurde übergeben. Eingehüllt in einer Lederummantelung wurden zwei Schreiben vor dem Regen geschützt. Die blaugrauen Augen des Ritters glitten langsam über die Zeilen. Ruhig verharrte der Dienstbote, wusste er doch, wann es Zeit war, etwas zu sagen oder nicht. Ein Schreiben von einem Kaufmann, ausserhalb der Baronie...man habe nur gutes gehört von dem Anwesen und diene treu dem Lehen. Erinnerungen an Handel traten auf und lobende Worte über den Herrn und seine Gemahlin. Die Unterschrift zierte den ganze Schrieb, ebenso wie ein Siegel eines der Handelshäuser. Kurz zogen sich die buschigen Brauen des alten Mannes zusammen. Er würde den Mann ein paar Tage hier behalten, prüfen, wie gut seine Fähigkeiten wirklich sind, bevor ein klärendes Gespräch folgen würde...

Unterdessen:

Ein Mann, der sich in Decken hüllt und dessen nasses, struppiges Haar strähnenweise ins Gesicht fällt, sitzt in einer Kammer und kritzelt eilig einige Zeilen auf ein Pergament, ehe er jenes in seinem Hemd versteckt. In den nächsten Tagen wird er sich darum bemühen, jemanden zu finden, der den Schrieb gen Gerimor bringen wird und nach Bajard, wo man es abholen könnte...

Die Ratte hat sich eingenistet...um den schlafenden Kater zu beobachten.

Als Adressat steht der Name drauf, den Yaewiel dem Mann wohl genannt hat.

Verfasst: Montag 21. April 2008, 00:17
von Sephira von Tecklenstein
Erste Schritte

Ein Mosaikspiel; kleine Teile, Stücke in verschiedenen Formen, die zusammengefügt werden und sich langsam zu einem Gebilde, zu einem Meisterwerk entwickeln. So musste es ihr wohl vorkommen, als sie nach und nach die neuen Informationen aus Teilen der Baronie zusammentrug.

Der Winter war aussergewöhnlich hart; die Ernte aus dem letzten Jahr würde wohl kaum ausreichen, bis das Wetter sich besserte. Die Felder lagen brach, die Bäume kahl im kalten Norden der Bergregion. Man hoffte auf Reserven aus der Hauptstadt und der Nachbarländern, vor allem aus Weylenstein. Unwillkürlich schlich sich ein Lächeln über die Lippen, als sie daran dachte. Sie würde so zwei Klappen mit einer schlagen. Eine Farce im Gegensatz zu sonstigem, aber vielleicht würde es eine Falte mehr auf der Stirn des so ‘ehrenwerten‘ Richters hervorrufen. Man hatte ihr gesagt, dass ein Treck unterwegs sei in eines der Dörfer; es wurden bereits Informationen zurückgeschickt zu ihren Getreuen, die dafür sorgen würden, dass die Sachen niemals ankommen würden.
Der Hunger würde die Köpfe für anderes frei machen: Hass, Zorn, Frustration. Genau der richtige Zeitpunkt, um die richtigen Gedanken zu streuen und das Volk gefügiger zu machen.
Sie sollten hassen, sollten wütend sein; auf die falschen Götter, die sie hungern ließen...auf die falschen Regenten, die sie unterjochten; auf den Lehnsherrn, der sie ignorierte.

Einen Moment schloss sie die Augen und sog die Luft tief ein. Einen Templer konnte sie wohl kaum in die Baronie schicken, zu groß war die Gefahr der Enttarnung und einer Verurteilung. Sie konnte nur einen bitten, auch wenn es ihr schwer fiel: Gillian. Man hatte ihn bereits für tot erklärt, so hatte man es hergetragen durch die Informanten.

Auch kamen nach und nach Dinge aus dem Anwesen des ehemaligen Heims an ihr Ohr.
Vater blieb wohl nun öfter in der Residenz, kaum noch ließ er den Dienst außerhalbs zu. Man sah ihn meist im Büro, hinter dutzenden von Schreibpapieren, hinter denen er sich versteckte. Gram, sagten die Diener...Angst dachte sie sich selbst.
Ein kurzer Stich durchfuhr ihr Herz und ließ sie in den Sessel nahe des Kamines sinken. Nein, sie hatten sie zu lange getäuscht, zu lange belogen. Kein Mitleid, kein Gefühl durfte geduldet werden. Sie musste den Weg des Einen beschreiten, komme, was wolle.
Es gab Pläne...Pläne gegen die eigene Mutter, gegen die Frau, die sie zur Welt gebracht hatte. Wer weiß, vielleicht wollte gar Gillian es sich nicht nehmen lassen, auch jenes zu übernehmen...

Sie wartete zum Glück nicht lange auf ihn an diesem Abend. Die Tür knarrte kurz und die schweren Schritte in der Rüstung zwangen sie noch nicht einmal, den Kopf umzuwenden, als sie zu sprechen begann:

„Gillian...ich muss dich um etwas bitten...“

Verfasst: Montag 21. April 2008, 00:43
von Gillian von Tecklenstein
Die Tür fiel nach ihm ins Schloss, ihre Worte waren klar und deutlich und wie konnte er ihren Wunsch abschlagen, war es doch auch der Seine..
Endlich würde er die Möglichkeit haben sich zu bedanken für diese vorzügliche Erziehung die er die Jahre genossen hatte..
Viele Habseligkeiten hatte er nicht, brauchte er auch nicht viel um diesen Auftrag zu erfüllen, Gold Proviant, ein paar dunkle Kleider..Einen Zettel schrieb er noch Yaewiel, das sie sich nun völlig Sephiras Befehlen fügen sollte, bis er wieder im Reiche war.

Dann schwang er sich in den Sattel, seines treuen Rosses und blickte nochmals auf das gigantische Anwesen, sie hatten viele Pläne, viele Ideen die noch unausgearbeitet in den Köpfen herumschwirrten und einer nach dem anderen sollte nachgegangen werden..
Mit der kühlen Nachtluft trabte er durch die Stadt Alatars richtung des Hafens und schon bald stach es in See, er roch die Heimat schon..
Die See war stürmisch und so würden sie sicherlich länger als einen Tag unterwegs sein..
Man würde sehen..

Verfasst: Montag 21. April 2008, 17:52
von Gillian von Tecklenstein
Während der Schifffahrt mag man den Gläubigen vor seinem Bette knien sehen, leise bilden seine Lippen die Worte eines Gebets:


Zeit meines Lebens war ich frei und gehorchte nur mir allein. Nun diene ich und finde Erfüllung darin.

Ich bin Diener und Gläubiger. Ich diene dem Allmächtigen und glaube mit jeder Faser meines Körpers an seine Herrlichkeit. In seinem Wesen habe ich die Herrlichkeit und Grausamkeit der Natur wiederkannt, sie kann Leben geben und Leben nehmen, so wie Er Hoffnung und auch Verdammnis bringen kann. Sein Wesen ist das Wesen der Geschöpfe dieser Welt und Seine Gestalt ist Schönheit und Kraft die ihr innewohnen. Der Glaube an Ihn, ist der Glaube an die Wahrheit. Die Wahrheit zu verbreiten ist meine Pflicht.

Ich bin Gläubiger und Prediger. Den Glauben an Ihn zu verbreiten, ist meine Aufgabe, ihn zu lobpreisen mein Tageswerk. Den Menschen vom Blendwerk der anderen Götter zu befreien, das gelobe ich. Seine Lehren in die Welt zu tragen und sie zu leben in allen Zeiten hebt den wahren Gläubigen vom gemeinen Volke ab. Ich werde hinaus gehen, durch mich und meine Brüder wird er zu den Unwissenden sprechen. Er wird ihnen den Weg weisen und ihren gekerkerten Geist befreien. Lug und Trug wird von ihnen abfallen und sie werden die Wahrheit erkennen. Und eine wohlige Wärme wird ihre Herzen erfassen. Ihr Geist wird erfüllt sein von Gedanken, welche sie nie zuvor hatten. Und jene die falsch Zeugnis reden, werden gerichtet.

Ich bin Prediger und Richter. Durch meine Hand und meine Klinge, werden Ketzer und Ungläubige gerichtet werden. Sein Wille wird ihn mir zur Tat und sein Zorn wird mein Richterspruch. Ich werde die Allmächtigkeit des Herrn mit allen Mitteln verteidigen und die Reinheit seiner Lehren schützen.

In mir vereinen sich Diener, Gläubiger, Prediger und Richter. Mein Geist und mein Körper, mein Wort und mein Schwert sind seine demütigen Diener. Ab jetzt für immerdar.


Ich glaube an die Unantastbarkeit des Herrn.
Ich glaube an seine Allmacht.
Ich glaube an Seine Lehren und Seine Worte.
Ich glaube an die Gerechtigkeit in seinen Taten.
Ich glaube an Seine alleinige Macht.

So gib mir die Weisheit, Deine Lehren zu verstehen, und die Worte, sie zu verbreiten und die Kraft, sie zu verteidigen.

Verfasst: Dienstag 22. April 2008, 14:44
von Gillian von Tecklenstein
Gestern hatte das Schiff angelegt, bekannte Gerüche, bekannte Menschen und nichts hatte sich verändert, fast nichts..
Er sah wie sie bettelten auf der Straße, wie kleine kranke Kinder in Gassen lagen und Tote im Wasser schwammen.
Der Hunger machte den Bewohnern zu schaffen.

Er zog die Kapuze noch ein Stück weiter in das Gesicht und trat flüsternd durch die Massen.." Der Baron wollte die Steuern erhöhen, er will neue Steuern einführen und Lebensmittel verteuern.."
Ein Mann nahe Gillian schrie auf, das konnte er nicht mit ihnen machen, wusste er nicht, wie arm sie schon waren, sollte er ihnen nicht helfen aus der Not? " Temora ist nicht mehr in diesem Lande zuhause..", somit wandt er sich um schwang sich auf den Rücken seines Pferdes und machte sich auf den Weg zum Anwesen der Eltern..

Ein Stück abseits, band er das Pferd an, schon früher hatte er alle Wege in und aus dem Anwesen gekannt, musste er doch oft mal raus aus dem Stress der Baronie. Somit war es kein Hinderniss in den Anwesensgarten zu gelangen, schon bevor er darin war hörte er die Stimmen seiner Mutter und ihrer Zofe, noch immer war es deren Tradition zum Morgen sich in den Garten zu setzen und dort das Frühstück zu genießen bei den ersten Sonnenstrahlen..
Wieso hatte sich bei ihnen nichts verändert aber er war ein vollkommen anderer geworden?

Er trat aus dem Schatten der Bäume heraus und lächelte seiner Mutter versonnen zu, er war für Tot erklärt worden und sein Auftreten war natürlich Schock und Freude zugleich für die Frau des Hauses.
Noch bevor sie bei ihm ankam um ihn zu umarmen, trat er vor und stieß sie zu Boden.
Ein Pfeil sirrte von der Mauer und stieß der Zofe in den Hals, sie konnte nicht einmal begreifen was passierte bevor sie starb.

"Ruf ihn..!", sprach er ruhig zu ihr, die Arme vor der Brust verschränkt. Die dunklen, geheimnissvollen Augen lagen auf ihr, während sie laut nach dem Mann des Hauses rief..

Dann stand er auf dem Balkon, blickte er grimmig nach unten. Warum störte sie ihn auch bei seiner Arbeit, besonders so früh am Morgen. Dann entglitten seine Gesichtszüge als er seine Frau am Boden sah und den Fremden, nein kein Fremder, den totgeglaubten Sohn vor ihr. Wie eine Statue stand er da und der Vater musste nicht fragen was passierte, all das zeichnete ein gut erklärendes Bild..

" Lass deine Mutter aus dem Spiel, sie ist hilflos, sie ist deine Mutter, sie hat dir das Leben geschenkt, lass sie gehen..", flehte und zeterte er..
Doch das Lächeln auf den Lippen seines Sohnes ließ ihm einen kalten Schauer über den Rücken entlanglaufen..

"Ich habe keine Mutter, keinen Vater..", er ging in die Knie und zog eine Phiole hervor, mit der anderen Hand griff er um ihren Kiefer diesen öffnete er gewaltsam.Geschickt löste er den Stöpsel und schüttete die Tinktur in ihren Rachen um dann sofort ihren Mund zu zudrücken
Wollte er doch verhindern das sie das kostbare Wasser ausspuckte, erst als sie gar keine Wahl mehr hatte schluckte sie..

"Du hast genau noch 10 Minuten dich von ihr zu verabschieden, aber ich denke kaum das sie dich noch hören kann.."

Mit diesen Worten wendete er sich um und verschwand aus dem Garten und ließ den verzweifelten, seelisch zerschmetterten Baron zurück..

Ein Gift welches langsam jede Funktion des Körpers einstellte. Wollte Gillian doch, das sein Vater ihre Schmerzensschreie hören sollte bis zum Allerletzten.

Verfasst: Mittwoch 23. April 2008, 00:35
von Sephira von Tecklenstein
Wer mit dem Feuer spielt...

Wem ein Geliebtes stirbt...

Wem ein Geliebtes stirbt, dem ist es wie ein Traum,
Die ersten Tage kommt er zu sich selber kaum.
Wie er's ertragen soll, kann er sich selbst nicht fragen;
Und wenn er sich besinnt, so hat er's schon ertragen.
(Friedrich Rückert)


„Die Baronin von Tecklenstein ist tot. Mitten am Tag soll es geschehen sein!“, das Getuschel, das Geraune unter den Menschenmassen wollte nicht verebben. Man hielt sich bedeckt innerhalb des Anwesens Schloss Bergsteins; kaum eine Information drang nach draussen. Nur ab und an deutete eine Magd, ein Diener etwas an.

Der alte Ritter hatte nicht handeln können und musste zusehen, wie seine Frau gewaltsam starb. Gewaltsam! Ein Mord und das am hellichten Tage! Wie grausam! Wie fürchterlich! Saran, der Baron, ein seelisches Wrack. Erst der Verlust der Kinder, die Tochter abtrünnig und eine Reichsverräterin; der Sohn verschwunden und wahrscheinlich tot und nun die geliebte Frau, die ihm Halt gegeben hatte...man sah ihn nur noch selten in den Fluren der Residenz. Fahl soll er sein, die Miene hart und dieses unerträgliche Schweigen! Sein Herz ist kalt geworden...

Immer abstruser, immer fabuloser wurden die Gerüchte, je weiter man sich außerhalb der Hauptstadt Niederstauffenbach umhörte. Der Baron würde jeden Mann im Volk als Täter sehen; deswegen die neuen Steuern, deswegen keine Lebensmittel! Er lässt die aushungern, die ihm sein Liebstes nahmen! Unruhe, ein Brodeln entstand. Es war nun die beste Zeit für die Informanten, die neuesten Sprüche in die Köpfe der Bürger einzupflanzen: „Der Baron darf nicht so mit euch umgehen; ihr habt das Recht auf einen gerechten Führer. Temora hat euch verlassen...sie hat sich abgewendet von dem Baron mit dem Herzen aus Stein und seinen Getreuen. Sie straft euch mit Hunger, mit Krankheit, mit Kälte und Tod... wenn sie euch missachtet, missachtet doch auch sie. Sie hat es nicht anders verdient!“ Welch armer Tor, welch dummer Kopf ahnte denn, dass die Trecks aus Weylenstein nie ankamen, weil die angeheuerten Söldner ihre Arbeit nur allzugut verrichteten? Welch Bürger ahnte, dass die Fäden gesponnen wurden und sich langsam zu einem Netz woben, dass den Glauben des Einen näher und näher bringen sollte. In den kleinen Orten wurde man mutig, sprach bereits im Flüsterton von dem Einen.... Sät und ihr werdet ernten. Erntet, was gut ist für euch und zerstört, was schädlich. Die ersten Keimlinge waren gesetzt und mussten nun gepflegt, genährt werden.

Die Situation verschärfte sich in der Baronie. Spannung lag in der Luft. Die Berater hatten ihn gewarnt; den alten, von Härte getroffenen Mann. Die Gesichtszüge ausdruckslos, fast kraftlos; die Haltung, seine Statur, nur noch ein Schatten seiner selbst. Man verlangte Entscheidungen von ihm. Das Blut war kaum erkaltet, die Lippen kaum erblasst und schon erwartete man von ihm, von seiner Position und seinem Stand, dass er entscheiden solle. Wie konnte er die richtigen Gedanken nur genau in jener Zeit finden? Wie konnte er entscheiden, wenn er nicht fähig war, morgens zu entscheiden, ob er aufstehen oder sterben wollte?
Die Hand fuhr sich einmal langsam über das Gesicht, die blaugrauen Augen sahen müde und erschöpft einmal durch den Raum, ehe er seinigen auf den Sekretär festigte. Ein gedehntes Nicken, fast, als müsse er sich dem ganzen ergeben, folgte.
„Also gut, setzt das Schreiben auf, ich werde es unterschreiben. Doch kein Wort nach draussen. Wir wollen nicht noch mehr Unruhe hervorrufen!“

Eilends wird man das Schreiben sodenn an den Kronrat weiterleiten, von einem Boten der Familie Tecklenstein, gezeichnet in den Wappenfarben der lichten Seite. Der Bote wird auf die Dringlichkeit hinweisen, ehe er das Schreiben übergibt und sich zurückzieht. Nach Brechen des Siegels findet sich folgender Inhalt wieder:

Unter den Schwingen der Tugend und Lichtbringerin, sowie unter der gütigen Herrschaft unseres Truchsesses und seiner Hoheit, entbiete ich meinen Gruß, hochedle Mitglieder des Kronrates!

Nach eingehender Besprechung mit meinen Diplomaten und Beratern wähle ich diesen Schritt, um das Reich Alumenas von der derzeitigen Situation zu unterrichten. Die Baronie Tecklenstein befindet sich derzeit in einer Zeit der tiefsten Trauer. Man nahm mir auf die widerlichste und brutalste Weise das Weib, entriss mir so eine Stelle meines Herzens, welche ewiglich wohl leer bleiben wird. Einzig der Glaube an die Tugenden gibt mir die von Temoras gegebene Kraft, weiterzumachen. Wäre nicht sie, ich würde wohl den Verstand verlieren. Doch sollen die Zeilen nicht ausschweifen zu Ufern, welche für euch sicherlich nicht für Belang sind. Mit diesem Schreiben wird folgendes bekannt gegeben: Die Tat des Meuchelmordes an der Baronin von Tecklenstein, geborene van Finsterna, wurde von dem tot geglaubten Gillian Luca von Tecklenstein verübt. Die Erkenntnis, dass mein Sohn nicht verstorben ist, würde mich unter anderen Umständen wohl wesentlich mehr erfreuen. Doch im Zusammenhang mit jenem Geschehen wird dem Kronrat unterrichtet, dass mit jener Tat der Antrag gestellt wird, den Reichsbann über Gillian Luca von Tecklenstein auszustellen, sowie bei seiner Ergreifung, ob nun innerhalb der Baronie oder in anderweitigen Gefilden, ihn aufgrund des Mordes und dem so inbegriffenen Verrat an das eigene Lehen, der sofortigen Gerichtsbarkeit überzustellen; das weitere Prozedere sei bekannt.

Möge die Lichtbringerin uns bessere Zeiten schenken und unsere Herzen wieder mit Wärme füllen!


Melanos Hegbert,
Berater seiner Hochgeboren von Tecklenstein,
welcher die Worte seiner Hochgeboren verschriftlichte;
handelnd im Sinne seiner Hochgeboren und
der Baronie von Tecklenstein


*darunter prangt das Siegel der Familie von Tecklenstein, das Pergamentende ist geziert von der Unterschirft des Ritters*

Saran von Tecklenstein

Verfasst: Mittwoch 23. April 2008, 00:53
von Sephira von Tecklenstein
Intermezzo:

Schwindel....alles drehte sich, wurde rasend vorm inneren Auge und wollte nicht enden. Lichter, Farben schwirrten, konturenlos. Übelkeit schoss in ihr auf und ein elender Schmerz zog durch die Brust. Die Luft wehrte sich aus der Lunge, wollte nicht hinein...Luft!

Schweißgebadet fuhr sie hoch, das Gesicht vor Panik weiß. Einzelne Tropfen perlten auf der Stirn, gaben dem Ausdruck des Unwohlseins die kaum notwendige Untermalung. Die Übelkeit drang weiter hoch, deutlich spürte sie das eklige Gefühl im Rachen und am Gaumen. Mehr wankend als wirklich laufend hastete sie gen Fenster und zog die Läden auf, die kühle Nachtluft begierig einziehend. Der Blick des dunklen Augenpaars schien weit und nicht wirklich anwesend, das seidenschwarze Haar hing wirr und strähnenweise ins Gesicht. Hätte man sie um jene Stunde erblicken können, so hätte man eher ein Gespenst denn wirklich die junge Blutgeboren vermutet.
Die Knie zitterten ihr und langsam ließ sie sich auf den Boden sinken, den Rücken gegen die kalte Wand stützend. Die Augenlider schlossen sich und noch immer lag die Konzentration anscheinend auf das unregelmäßige und stoßweise Atmen, als würde es nichts anderes geben.

Eine Ewigkeit schien es, dass nichts weiter geschah. Erst als sich das dunkle Augenpaar wieder langsam öffnete, stieg wieder diese widernatürliche Übelkeit in ihr auf; ließ sie nach unten hasten und in den hinteren Garten flüchten, wo sie sich übergab. Zitternd und hilflos sank das junge, zierliche Ding auf die Knie und einzelne Tränen schossen ihr in die Augen.

Dieser Traum, was hatte er nur mit ihr gemacht?
Dieser verfluchte Traum....!

Mutter, was wolltest du mir damit sagen?

Verfasst: Donnerstag 24. April 2008, 22:16
von Gillian von Tecklenstein
Die dunklen Augen schlossen sich gaben ihm einen Moment ruhe und stille um ihn herum.. Die Nacht war er schlaflos, der üble Geruch aus dem Lagerraum des Schiffes und das Gebrülle der Mannschaft ließen ihn nicht die verdiente Ruhe bekommen.

Er hatte sie getötet, mit eigenem Willen und eigener Hand ist sie gestorben, jene Frau die ihm das Leben geschenkt hatte, unter deren Obhut er die ersten Worte lernte und aufwuchs.. Jene Hure welche ihn seit er klein war in ein Netz von Lügen einspann..

Er schüttelte jenen Gedanken für immer von sich, fühlte es sich gut an was er getan hatte, gab ihm Sicherheit und Zuversicht..Er hatte für einen Moment Macht über das Schicksal eines Menschen gehabt und es genutzt..

Er handelte nicht im Sinne seiner Schwester, sondern im Sinne Alatars.

Verfasst: Samstag 28. Juni 2008, 17:43
von Sephira von Tecklenstein
Hunger und Misstrauen. Diese Gefühle schlichen mehr und mehr unter die Menschen in der Baronie. Der Baron hatte sie ignoriert, hatte die stummen Schreie nicht gehört, die versteckten Augen der Bedürfnis nicht erblickt. Diese Menschen, die durch die Dörfer zogen brachten etwas neues. Hoffnung...Wärme und Wut. Unglaubliche Wut auf Niederstauffenbach und den Baron von Tecklenstein. Verbarrikadiert hinter seinen steinernen Mauern des Anwesens ließ er es zu, dass sich unsichtbar die Saat des wahren Herrschers ausbreitete.
Diese Fremden...diese Menschen, die für ihre Worte bezahlt wurden von der Blutgeborenen, sie hatten Geduld bewiesen. Eine unglaubliche Geduld und Ruhe, bis die ersten Erfolge zu verzeichnen waren.
Die ersten Kirchen begannen zu brennen, die ersten Menschen, die den nun falschen Glauben trugen, mussten ihr Leben lassen. Der Glaube, dass es nur besser werden könnte, gab Kraft, gab dem einfachen Mann Stolz. Die ersten Siedlungen hatten sich abgewandt vom Baron. Es war an der Zeit, die kleinen Gruppen zu einer zu formieren.

Auf vielerlei Wege erreichte ein Brief die heilige Stadt und letztendlich die Hände der Blutgeborenen. Wenige Zeilen wieder, so rätselhaft wie eh und je, um fremde Blicke zu täuschen:

Liebste Freundin!
Die Menschen erfreuen sich der Besserung, dank der richtigen Medizin. Bald wird die Krankheit gänzlich besiegt. Erste Vorkehrungen zu einem Feste sind bereits geplant und wir hoffen, Ihr könnt jenem beiwohnen oder etwas beisteuern, teure Freundin...


Wie so oft glänzt keine Unterschrift unter den wenigen Zeilen und doch wusste sie sofort, von wem sie stammten. Einer der Männer, die für das Gold so fleißig ihren Dienst getan hatten in der Weite, in dem Land, welches sie bald wieder Heimat nennen wollte. Die schlanken Finger knüllten rasch das Papier zusammen und überließen es der hitzigen und hungrigen Glut des Kaminfeuers.
Die Männer brauchten Rat, brauchten ein strategisches Geschick oder...mehr Leute. Nachdenklich schritt sie im Zimmer auf und ab, während sie sinnierte. Mehr Leute....wie sollte sie jene beordern? Schön und gut, die Dörfer schienen sich langsam zu besinnen, sodass man langsam dafür sorgen musste, die Versorgung zu jenen wieder zuzulassen. So konnten sich die Männer stärken und gleichzeitig jenes als Geschenk des Einem ansehen. Rasch setzte sie sich an den alten Sekretär, holte Pergament und Feder heraus, um einige Notizen anzufertigen.

Mein lieber Freund!

Nur allzu hoch schlug mein Herz, als ich eure Zeilen sah. Die Sorge um die Menschen lag wohl doch einen Deut zu sehr an meinem Leib, als ich es eingestehen wollte. Nur zu gern wird man Sorge dafür tragen, dass euer Fest nie vergessen und etwas ganz besonderes wird. Ihr sollt nicht an Speis und Trank sparen, sodass ihr sicher bald mit einigen Trecks rechnen könnt. Für die Hauptstadt werde ich auch natürlich einiges vorbereiten, so dass man hoffentlich auch dort wieder bald mit Gesundheit und lachenden Gesichtern rechnen kann...


Bald....bald war die Zeit gekommen.

Verfasst: Mittwoch 30. Juli 2008, 12:24
von Sephira von Tecklenstein
Liebste Schwester, hochverehrte Baronin,

die Zeiten sind düster hier, besonders für die Menschen von Niederstauffenbach..Einige Tage bin ich schon hier und wir haben Pläne entworfen und morgen werden wir losziehen.
Die Ausrüstungen sind gestern vollendet worden und nun wurden die tapferen Recken darauf vorbereitet wie sie sich in der Schlacht zu verhalten haben..
Ich bin optimistisch das wir den Sieg über die Ländereien nach Hause tragen..

Ich weiß nicht wie lange diese Schlacht dauern wird, bis die Grundfesten abgebrannt sind, ich hoffe bald wieder in Rahal zu sein um dir den Beweis meiner Treue zu erbringen..

Ich hoffe dir geht es gut, möge der Alleinzige dich schützen..

dein dich liebender Bruder
Unruhig glitten die Augen über das Pergament, während sie im Zimmer auf und abging. Das Blut pulsierte in den Adern, ließ das Herz schneller schlagen und das Adrenalin in die Höhe schiessen. Die Zunge benetzte die Lippen, das Pergament wurde zur Seite gelegt, während sie sich gen Fenster begab. Bald...
Sie dachte nicht an Kindertage, dachte nicht an die Zeit der Lügen oder Konstrukte, die einst das waren, was man ihr als Zuhause vorgegaukelt hatte. Nein, es war an der Zeit, endlich das Land zu befreien, die Lügen zu beseitigen und die Wahrheit mit all seiner Macht ans Tageslicht zu bringen. Eine Reinigung bis in die Grundfesten musste stattfinden.
Langsam tauchte ein Bild auf; ein Bild eines alten Mannes, stolz und voller Kraft ihr entgegentretend. Die feinen Härchen an ihrem Unterarm stellten sich auf, als sie ihren Vater so vorm inneren Auge sah. Sie hatte bereits ihre Mutter verloren und nun...ein weiterer Verlust war unausweichlich. Er hatte ihr so viel geschenkt damals und doch...war es stets nur zu Gunsten der falschen Göttin gewesen. Erbarmen? Nein, kein Mitleid durfte auftauchen, kein Zweifel aufkommen.

Allein der Zweifel der Ferne beschäftigte sie. Wie konnte Gillian das alles organisieren? Wie zwei Siedlungen auf einmal befehligen? Er brauchte Hilfe, ganz gleich, wie schuldig er sich noch fühlte, ganz gleich, wie sehr er glaubte, er hätte den Willen dafür.
Schon bald, in den Abendstunden, sah man die junge Baronin ein Schiff besteigen, in einfachen, reisetauglichen Kleidern und einer einfachen Flechtfrisur. Eine Taube war bereits am frühen Mittag losgesendet worden, auf den langen Weg gen Tecklenstein, um das Lager Gillians anzusteuern.
Wenige Worte würden sich darauf finden nur:

Die Schlacht wird siegreich....und wir werden beide jenen Sieg genießen.
Warte auf mich...

Verfasst: Mittwoch 30. Juli 2008, 13:08
von Gillian von Tecklenstein
Rechtzeitig vor dem Aufbruch, landete die Taube vor seinen Füßen und der gerüstete Krieger nickte als er die Worte seiner Schwester las..Einen Tag mehr oder weniger würde nicht schaden, so übte er mit den Männern noch und wartete schließlich am Abend am Hafen auf die Ankunft seiner Schwester..

Verfasst: Donnerstag 31. Juli 2008, 01:01
von Sephira von Tecklenstein
Es war spät, dunkle Wolken hingen über dem Horizont und prophezeiten einen Wechsel. Es würde bald regnen, man roch es geradezu in der salzigen Luft, die in einem heftigen Wind durch ihre Kleider und Haare hindurchfegte. Die Männer der Mannschaft waren geschäftig in ihrem Tun, ließen das junge Mädchen ausser Acht, wie es die Schiffsplanken verließ und sich umsah.
Sie war bereits einmal an jenem Hafen, vor einer Weile. Damals hatte sie gedacht, sie würde hier sterben. Kurz versteifte sich der Rücken, an dem sie wie elektrisiert die Narbe spürte bei dem Gedanken. Bilder von Ketten, von Hunger und Durst...von Resignation und Hoffnungslosigkeit tauchten auf, ließen die Züge hart und ernst werden. Nein, sie war nun freiwillig hier hergekommen; endlich sollte befreit werden, was lange gefangen war und unter einer Lüge lebte.

Krieg...die Stimme im Wind flüsterte es, das Rauschen des Blattwerks schien mit jedem Zug „Revolution“ zu heischen. Man würde befreien und richten. Das Blendwerk jenes „Lichten Pantheons“ musste ausgemerzt werden und die Köpfe des einfachen Mannes frei gemacht werden für das Wahre, den Einen und seine Gebote.
Langsam glitt der Blick des dunklen Augenpaares über den Steg, bis er an einer Gestalt hängen blieb. Ein Lächeln zauberte sich auf die Lippen, ehe sie ihren Schritt aufnahm; in Richtung ihres Bruders....und einer neuen Ära.

Verfasst: Montag 4. August 2008, 00:23
von Gillian von Tecklenstein
Seine Schwester empfang er gebührend, sie gingen dann gemeinsam zu den Kommandantenzelten und er erklärte ihr die Pläne, sie wollten Niederstauffenbach von den handelsrouten abschneiden, also entweder würde dies ein Belagerungskrieg werden, wo sie früher oder später kapitulieren mussten aufgrund der Knappheit der Vorräte oder sie stellten sich auf dem offenem Feld dem Gefecht.
Er zeigte ihr die Katapulte die sie nach einem Plan erbauten, aus welchem auch jene in Rahal erbaut wurden.
Gillian wusste nicht genau ob sie mit in den Krieg ziehen wollte, er würde es ablehnen, aber er wusste er konnte in seinem momentanen Zustand ihr nichts mehr verbieten.

Das Bataillon wurde in zwei Kompanien geteilt um so gezielt von beiden Seiten anzugreifen..Gillian hatte noch nach Söldnern geschickt und am letzten Abend vor der Schlacht trafen mit zwei Schiffen 100 fähige Soldaten ein.
Am Abend zuvor saßen sie noch gemeinsam am Feuer mit dem Kommandant der anderen Kompanie und genossen die Ruhe vor dem Sturm..

Dann kam der Morgen und die Sonne trank das Land in einen blutroten Schein, es war wie ein Fingerzeig..