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Hasse dich selbst!

Verfasst: Donnerstag 13. März 2008, 12:07
von Qyl´zaox
Hasse dich selbst!

Qyl atmete schwer. Das dumpfe Aufprallen des Wesens, welches er gerade niedergestreckt hatte, hallte in der Höhle nach, dann war die Atmung des Letharfs das einzige Geräusch in dieser dunklen Höhle. Seine violetten Augen hielten wachsam Ausschau nach weiteren Gegnern, doch war sein Blick getrübt, verschwamm etwas und er musste häufig blinzeln.
Seine Hand konnte kaum noch die Klinge halten, seine Knie kaum noch sein Gewicht tragen. Er war der vollkommenen Erschöpfung nahe und es war offensichtlich, dass der vollkommene Kollaps seines Leibes nicht mehr weit entfernt war.
Zitternd hob er die Klinge wieder etwas an und auch das Schild fand fast wieder in seine alte Position zurück. Er wollte nicht versagen, er wollte nicht weichen. Seine Augen zwang er zu einem klaren Bild und seine Beine zu festem Stand, denn er fühlte förmlich die Blicke, die sich in seinen Rücken bohrten wie ein Dolch. Diese Ablehnung seiner Existenz, konnte er in jedem dieser Blicke sehen, in jeder Bewegung und in jedem Wort gerade zu schmecken. Er war minderwertig, war schwach, war es nicht würdig dem Herren zu dienen.
Zorn flammte in ihm auf und er machte langsam einen Schritt nach vorne, schleppte sein Gewicht tiefer in die Höhle. Fest entschlossen, diese Blicke abzuschütteln und seiner Existenz einen Sinn zu geben trat er dem nächsten Gegner entgegen. Erschöpft wäre noch geschmeichelt gewesen, doch sollte man ihn trotzdem nicht unterschätzen, denn das Leben das er hinter sich hatte, war hart und es hatte ihn geschult. Auch wenn er noch lange nicht am Ende seiner Ausbildung war, doch war er selbst müde noch ein ernst zu nehmender Gegner.
Der Kampf war hart und Qyl war nicht in der Lage ihn schnell zu beenden, konnte aufgrund seiner verschwimmenden Sicht den Gegner nicht richtig Einschätzen, die Beine versagten ihm den gewohnten Dienst und die Arme nahmen ihm die Schlagkraft. Es kam wie es kommen musste und der Letharf sah sich zu Boden gehen.
Er fiel langsam, unerträglich langsam. Ein Herzschlag, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam, wie eine Erlösung. Sofort bestrafte er sich für seinen Gedanken und biss sich mit letzter Kraft auf die Unterlippe.
Er spürte den Hass auf sich selbst, auf sich und seine Schwäche. Er spornte ihn an und ließ wieder etwas Kraft in die müden Glieder Qyls kriechen. Gerade noch rechtzeitig um seine Klinge zu erheben, zum Schutz vor sich zu strecken, als sein Gegner ihm den Gnadenstoß verpassen wollte. Dieser konnte nun auf eine stark blutende Bauchwunde hinabschauen und brach erstaunt zusammen. Nebeneinander lagen nun die beiden Besiegten. Die eine durch eine Klinge, der andere durch sich selbst.

Einige Stunden später erwachte der junge Letharf aus seiner Bewusstlosigkeit und drückte sich langsam und schwerfällig hoch. Seine Rüstung war verdreckt, an seiner Klinge prangte das geronnene Blut von vielen Feinden, doch am schlimmsten war es um sein Gemüt bestellt.
Er scheidete die Klinge und machte sich auf dem Weg zurück in den Unterschlupf. Jeder Schritt der ihn näher an diesen Ort brachte, schürte das Feuer der Wut, des Zornes und des Hasses auf ihn selbst.
Hass war der Weg, der ihn zum Ziel bringt. Er würde ihn härten, seine Schwäche auslöschen und ihn zu dem formen, wofür er geboren wurde. Niemand würde ihn zurückhalten können und niemand würde es wagen sich ihm in den Weg zu stellen. Er hatte sich dieses Ziel gesetzt und er würde es erreichen!
Sein linker Fuß setzte sich nun in den Unterschlupf. Er war fast erstaunt, dass er schon angekommen war, denn er war so in Gedanken versunken gewesen, dass er seine Umgebung nicht mehr wahrgenommen hatte. Schnell huschten seine Augen umher und er kontrollierte, ob niemand ihn gesehen hatte, ob eventuell jemand seine Schwäche bemerkt haben könnte.
Niemand war zu sehen.
Also drückte er seinen Rücken durch, klopfte seine Rüstung etwas ab, ließ sein Gesicht zu einer ernsten Maske erstarren und betrat vollends die Gefilde seines Volkes.
„Niemand wird meine Schwäche erkennen, Niemand! Ich selbst werde sie tilgen und mein Dienst an Ihm wird mich formen. Und nichts wird mich von diesem Weg abbringen."