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Der Angriff der Letharen - und elfische Antworten

Verfasst: Dienstag 19. Februar 2008, 19:00
von Lamentinu Celebren
Fassungslos blickte sie auf das leere Kinderbett. Schlaflos und unruhig wandt sie sich in ihrem Laken... nach alldem, was geschehen war, konnte sie nicht schlafen. Es hatte friedlich begonnen... sie hatten sich versammelt, beraten, wollten Shalaryls Jährung der Melodie feiern. Sie hatten mit Rilya verstecken gespielt... und da war diese Dissonanz. Ein Beben, ein Knall... und kurz darauf die Pantherkinder im Tal. Und das ungute Gefühl in ihr: Wo war Rilya? Befürchtungen wurden zur Gewissheit, als sie die Melodie des Sterbens vernahm... und dann dieser verzweifelte Kinderschrei: "Nana!" Ihre Tochter rief nach ihr, und sie war in Gefahr. Die Letharen hatten sie gefunden... und ergriffen. Sie versuchte ihre Brüder und Schwestern zu bewegen, ihr beizustehen, sie freizukämpfen... doch jene waren in jener Situation von mehr Vernunft gesegnet als sie. Sie warteten, bis die Druiden ihrem Ruf folgten und mit ihnen gemeinsam die Letharen angriffen. Jene, die hinterrücks ins Tal eingedrungen waren, die Harmonie untergraben, die Sicherheit zerstört. Sie kam sich nutzlos vor... verzweifelt... und so tat sie das, was sie am besten konnte: sie spielte auf ihrer Harfe. Zunächst, um sich selbst zu beruhigen, ihre Emotionen zu beherschen, Rilya ein Zeichen zu geben, dass sie nicht fern war... doch dann, um die Drachen um Hilfe zu rufen. Um die eigenen REihen zu stärken, die Letharen zu verwirren... sie spielte, spielte, spielte... und um sie herum tobte der Kampf. Schwerter schlugen aufeinander, Elementarwesen warfen sich den dunklen SChlächtern entgegen, Pfeile surrten... eine einzige Klage des sonst so ungestörten Tals. Eine Gruppe der Letharen brandschatzte und wüstete... erst die Drachen brachten ihnen schließlich Einhalt, als sie Lamentinus musikalisches Rufen vernahmen und ihm schließlich folgten. Die Letharen wurden zurück getrieben... zurück durch jenen Keller, jenes Loch in der Erde, durch welches sie gekommen waren. Und doch... ihr Herz blutete. Jeder Schrei von ihrer Tochter durchfuhr sie wie ein spitzer Dolch: Ihr Kind, in der Hand des Schattens... und sie war nicht fähig, es in diesen Momenten zu schützen. Sie schleppten sie fort... und zurück blieb nicht nur dieser dumpfe Schmerz des Verlustes... vielmehr das Gefühl, versagt zu haben... sie hatte ihr Allerheiligstes nicht schützen können. Doch nicht nur sie war angeschlagen... ihre Finger waren blutig von Spiel, ohne dass sie es auch nur gemerkt hatte. Shalaryl war am Kopf verletzt, Lu'araiel blutete... sie konnte immer noch nicht fassen, was geschehen war.
Doch morgen... morgen würden sie Rilya zurück holen. Sie mussten... es ging nicht anders.

Verfasst: Mittwoch 20. Februar 2008, 09:11
von Rilya
Panisch sah sie sich um. Was war das? Wer war das? Wo war sie hingebracht worden? Diese Wesen, ähnlich in Gestalt wie sie, doch mit bauer Haus, das Verhalten so anders, als das, was sie gewohnt war... stießen sie Worte hervor, so hatte sie das Gefühl, ihr Kopf würde bersten...

Es ward so schön gewesen. Sie hatte den ganzen Nachmittag mit Halethfinwe gespielt, nach dieser seltsamen Versammlung der Großen, zu denen sie wieder einmal nicht mit durfte, waren auch diese dazu gekommen. Es war sehr schön...und dann... sie hatte etwas vernommen, eher gefühlt denn gehört, doch sie hatte nicht sagen können, was dies war. Halethfinwe hatte sich verändert, auf einmal, und sie hatte nicht sagen können, warum. Er war auf einmal ernst, mitten im Spiel. Hatte sie hinter sich gedrängt, an die Hecke...hatte sein Schwert gezogen. Hatte ihr gesagt, daß wahrscheinlich nichts wäre...doch sie hatte ihm nicht geglaubt. Sie war in diesem Tal aufgewachsen, kannte nichts anderes als dieses und noch einen Teil des Nebelwaldes. Sie kannte ihr Volk. Und sie kannte die Vorsicht.
Sie hatte ess mit der Angst zu tun bekommen. Hilflos da stehend, der Dinge harrend, die da kommen würden.
Dann war es geschehen. Diese... ja.. was waren es? Sie wußte es immer noch nicht.... diese waren heran gekommen. Sie hatte sie noch nie gesehen, nicht im Nebelwald und erst recht nicht in ihrer Heimat. Dunkel gekleidet, blaue Haut, stürmten sie auf sie und Halethfinwe zu. Dieser hatte sie etwas fester in die Hecke gestoßen, auf daß sie nicht entdeckt würde. Dort hatte sie gekauert...und alles mit angesehen. Sie waren näher gekommen... immer näher... sie hatten angegriffen... der elfische Krieger hatte gegen sie gekämpft. Er hatte sie, Rilya, verteidigt. Starr hatte sie dies mit angesehen, bis...

Was war geschehen? Ein Pfeil... ja, das hatte sie mitbekommen. Aber es schien kein normaler Pfeil gewesen zu sein, denn so etwas hatte si schon gesehen. Doch der Pfeil, der den Elfen getroffen hatte...

Bei diesem Gedanken wischte sie sich die Tränen ab. Er hatte aufgehört zu kämpfen. Direkt nachdem er getroffen wurde. Und er war zusammen gesackt. Sie war zu ihm gerannt, hatte ihn geschüttelt...hatte ihn angeschrien, er solle die Augen öffen..solle mit ihr reden. Und in diesem Moment hatten Klauen nach ihr gegriffen. Dieser Griff war hart, er schmerzte. In dem Versuch sich zu wehren, frei zu bekommen, hatte sie sich in dem Griff gewunden, was nur dazu führte, daß sie Tritte bekam, so daß sie in sich zusammen sank. Und immer wieder diese Laute, die in ihrem Kopf dröhnten, dieser zu zerbersten drohte. Die Melodie schien zerrissen zu werden.

Sie verstand nicht, was dort geschehen war. Diese...Wesen... sie hatten sie gefangen, Halethfinwe rührte sich nicht mehr, sie wußte nicht, warum. Als sie sich von den Tritten wieder etwas erholt hatte und sich, noch immer in dem festen Griff gefangen, umsah, bemerkte sie, daß ein Kampf entbrannt war. Sie sah die Elfen des Waldes und sie sah die Elfen des Tales. Zusammen standen sie dort uund kämpften gegen diese Wesen. Auch waren Rundohren dabei, woch welche, dies vermochte sie nicht zu sagen und es war ihr auch egal. Der Schmerz des Griffes bohrte sich in ihre kleinen Schultern, Angst stieg in ihr hoch. Was sollte dies alles?

Dann hörte sie das Spiel der Harfe und es macte ihr Mut. Erneut begann sie, auf das Wesen neben ihr einzuschlagen und zu treten. Die Rüstung und ihre mangelnde Kraft verhinderten, daß diese Schläge etwas nützten, doch ihr Volk kämpfte..verteidigte sich. Auch sie mußte dies tun. Ein weiterer Tritt, ein Schlag ins Gesicht und erneut sank sie zusammen. Das Tal drehte sich vor ihren Augen und sie bemerkte, daß sie zur Seite geschliffen wurde, direkt zu einer Häuserwand. Dort wurde sie gegen gedrückt und als sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, fühlte sie etwas metallisches an ihrem Hals. Ihr Blick ging hoch und sie sah...

ein blaues Gesicht... mit einem Ausdruck darin, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. sie wußte nicht, was dies für Wesen waren, doch sie wußte, daß dieses Wesen sie am liebsten sofort getötet hätte. Still stand sie da, Panik stieg in ihr hoch. Den Dolch am Hals traute sie nicht nicht, auch nur eine kleine Bewegung zu tun, geschweige denn, sich weiterhin zu wehren. Mit großen Augen hatte sie auf das Geschehen gestarrt. Der Kampf war im vollen Gange, doch sie verstand dies alles nicht. Sie hatte doch nur gespielt...

Die Panik wuchs, doch dann hörte sie erneut das Spiel der Harfe und eine Stimme in ihrem Kopf. Sie erkennte die von Shala darin. "Vertraue mir und Deiner Nana." Sie wußte nicht, wieso sie dies hörte, durch den Lärm des Kampfes hindurch, doch sie machte sich auch keine Gedanken darum. Der Klang der Harfe und diese Worte schafften es, ihre Panik etwas zu mildern. Bis zu diesen neuen Lauten. Sie veruschte sich die Ohren zuzuhalten, doch dies brachte nicht viel. Dieser Laut schien ein Befehl gewesen zu sein, denn wieder wurde sie grob gepackt und weiter geschliffen, um die Häuser herum und in eines hinein, dort in den Keller und von dort aus... diese Loch in der Wand war neu. Die hatte in diesem leer stehenden Haus schon oft gespielt. Nun klaffe ein großes Loch in der Wand des Kellers, groß genug, um ohne Probleme hindurch zu gelangen.

Da der Dolch nun nicht mehr an ihrem Halse war, begann sie erneut sich zu wehren, und nach ihrer Nana zu rufen. Doch es brachte nichts. Grob wurde sie mitgezerrt und jeder Versuch sich zu wehren, brachte ihr nichts als Schläge und Tritte ein.
Die Flucht ging weiter, durch das Loch, in einen weiten Tunnel hinein, über Stufen, die in den Fels geshlagen wurden, durch kleine Höhlen hindurch.... seltsame leuchtende Steine standen dort und erhellten den Weg. Wäre sie auf eine andere Art und Weise hier, hätte sie gewiß dort gestanden und diese bestaunt doch nun wurde sie einfach grob daran vorbei gezerrt, bis sie durch ein weiteres Loch traten und in eine Raum kamen, von dem eine Tür und weitere Gänge abgingen.

Wieder diese Laute, anscheinend sprachen diese Wesen miteinander. Dnan wurde sie durch die Tür gestoßen, große, kräftige Metalltüren. Dahinter ein Raum. Stühle...ein Wasserbecken. Kurz hatte sie versucht sich umzuschauen, doch schon wurde der Griff um ihre Shcultern gelockert und ein weiterer Griff ging zu ihren Haaren. Sie hatte geschrien vor Schmerzen. Dann wurde sie nieder gedruckt, ihr Kopf in das Wasser, in dort gehalten. Immer und immer wieder. Immer wieder diese Laute und dann hörte sie Worte, die ihr bekannt vor kamen. Dieses Wesen sprach mit ihr. In der Sprache der Edain. Sie verstand diese komsiche Sprache kaum. Genug um grob zu sagen, was sie wollte, aber nicht wirklich gut. Wieder wurde sie unter Wasser gedrückt, die Luft auf ihrem Körper scheinbar heraus gequetscht. Sie hatte das Gefühl zu zerspringen, als würde ihr Körper zerrissen. Alles schien sich sehr langsam abzuspielen, die Zeit still zu stehen. Nach einer Weigkeit bemerkte sie, wie sie erneut aus dem Wasser gezogen wurde und wieder wurde dieses Wort gefragt, welches sie nicht kannte. Stockend hatte sie gefragt. udn dies war das einzige Mal gewesen, daß sie dort in der Sprache der Edain gesprochen hatte. Auch wenn sie diese noch sehr oft hören sollte, während sie dort verweilte.

Name....sie wollten ihren Namen wissen... Wieder wurde sie unter getaucht, wieder konnte sie nicht antworten. Die Angst wurde größer, Panik...was sollte sie tun? Was konnte sie tun? Was würde mit ihr geschehen?

"Rilya...." stammelte sie, als sie erneut aus dem Wasser gehoben wurde.
Ein Nicken war die Antwort und wieder ging es ins Wasser. Doch zum letzten Male. Triefend und voller Angst wurde sie aus dem Raum heraus gestoßen, durch die Gänge hindurch, über eine Brücke hinweg, unter der eine flüssige, rote und heiße Masse floß. Unter anderen Umständen wäre auch dieses gewiß interessant gewesen, doch der Griff an ihrem Haar hatte nicht nachgelassen und sie wurde weiter mitgeschliffen.
Durch weitere Gänge hindurch bios zu einem weiteren Raum. Mit einem Gitterkäfig. Die Tür von diesem wurde aufgerissen, sie so fest hinein gestoßen, daß sie auf den harten Steinboden fiel. Als sie aufschaute, daß sie in dieses blaue Gesicht. Es wurde mit ihr gesprochen, doch sie vertsand noch nicht einmal die Hälfte. Ihre Angst war zu groß um sich auf diese sehr seltame Sprache, mit der sie sowieso große Probleme hatte, zu konzentrieren, zudem sprach sie diese kaum. Dauerte ihr Unterricht darin doch noch nicht wirklich lange.
"Schmerz...Alatar...Leiden....morgen...endgültig." Diese Worte drangen bis in ihr Bewußtsein vor, nicht wirklich wissend, was er gesgat hatte, doch ihre Fantasie ersetzte die fehlenden Wörter recht schnell.

Dann war sie alleine. Sie saß zusammen gekauert in der Ecke der Zelle. Kälte... Schmerz..Angst... ohne es zu wissen hatte sie zu wimmern begonnen. Was sollte dies alles? Sie verstand es nicht.
Sie wußte nicht, wie lange sie dort so gekauert hatte, als auf einmal die Tür erneut geöffnet wurde. Ein Griff, Schmerz... wieder wurde sie and en Haaren mit gezogen. Sie schrie auf, was jedoch nicht viel mehr als Belustigung hervor rief.

Wieder ein Becken. Rote Flüssigkeit. Und wieder wurde sie hinein gedrückt. Wieder und immer wieder. Immer, wenn sie das Gefühl hatte, es wäre vorbei, wurde sie wieder heraus geholt. der Griff an ihren Haaren lockerte sich, ihre Hand wurde genommen. Ein fester Griff. Immer fester. Sie wurde gedrückt. Wieder diese Schmerzen. Dazwischen ein weiteres Untertauchen in diese rote Flüssigkeit. Es knackte in ihrer Hand. Einmal..zweimal..dreimal... sie bemerkte es nicht, fühlte nur den Schmerz und das Unverständis. Hilflosigkeit.

Die Umrisse verschwanden, alles lief nur noch schemenhaft ab. Feuer. Hitze...keine Luft... der Tisch, auf den sie gelegt wurde.... Glut...die heiße Waffe... ihre Haut zerschnitten... verbrannt. Die Erinnerung schwand. Sie wollte nichts mehr sehen.. nichts mehr fühlen. Es sollte nur noch vorbei sein.
Ketten... hängen... der Lederriemen... die riesige Schlange... Die Sinne schwanden ihr, der Schmerz wurde zu viel. Ihr Körper schien abzuschalten und die in das gnädige Dunkel abgleiten zu lassen, in dem sie nichts mehr wahrnahm außer.... Ruhe.

Verfasst: Mittwoch 20. Februar 2008, 22:32
von Lamentinu Celebren
Mit den ersten Sonnenstrahlen schreckte sie hoch. Ihr Blick fiel erst auf ihren blutigen Arm, dann auf die neben ihr noch schlafende Shalaryl… und sogleich waren die Erinnerung wieder da, plastisch, als wäre sie wieder mitten im Geschehen. Leise glitt sie aus dem Bett und schlich auf nackten Füßen zu Rilyas Bett. Ja, sie lag dort… ihr Kind war wieder daheim… doch in welchem Zustand? Tränen bahnten sich abermals den Weg über die zarten, goldenen Wangen. Wahrlich, in so einem Zustand hatte sie noch nie einen der Ihren gesehen… zusammengeschlagen, verbrannt, Knochenbrüche. Was hatten sie ihr nur angetan? Und schon wanderten die Gedanken an den Vortag zurück.
Nach einer kurzen Besprechung waren sie aufgebrochen... durch den Tunnel, welche die Letharen zu ihnen gegraben hatten, bis hin zu deren Unterschlupf. Sie hatte sich beklommen gefühlt… eine Umgebung, so fremd wie sie nur für sie sein konnte. Orks fungierten als Wächter über diese unwirkliche, karge Umgebung… schnell waren sie überwunden, als Hochelfen, Waldelfen und Druiden gemeinsam vordrangen. Und dann.. deutlich spürte sie die Dissonanzen.. sie waren angekommen in einem Vorraum des Unterschlupfes. Gemeinsam mit den anderen drückte sie sich instinktiv eng an die Wand… darauf hoffend, nicht von den Blauhäuten bemerkt zu werden. Nhariel spähte aus, die Situation zu sondieren. Ihre Augen ruhten auf ihm, angespannt, während sie in gewohnten Handgriffen die Harfe aus dem schützenden Stoff befreite und ihre Finger auf das sorgsam verzierte Holz des Rahmens legte. Ein Zeichen von ihm… und es begann. Zunächst leise, doch mit zunehmender Intensität begann ihr Spiel, sich in der Höhle zu entfalten. Sie spürte, wie sich auch die Konzentration Shalaryls neben ihr aufbaute und eine Verbindung mit dem ihren Spiel einzugehen begann… ein vertrautes Gefühl, was ihr Sicherheit gab und gleichzeitig ihr auch umso mehr die Bedeutung des Augenblickes bewusst machte. Langsam zog Nebel auf… Lu’ariels Werk. Wie die Letharen reagierten, vermochte sie nicht auszumachen… nunmehr galt all ihre Konzentration ihrem Spiel. Sie würden verändern, etwas Neues schaffen, um etwas Bestehendes zu erretten. Vom Erfolg dieser Aktion hing das Leben ihrer Tochter ab… schmerzhaft war es ihr bewusst und all ihre Emotion ließ sie in ihr Spiel und ihre Stimme übergehen, als sie jene erhob:

Süß und voller Anmut
Nun herrsche Harmonie
Umschlossen von aus Herzblut
Gewebter Melodie.
Im Schauer mag erzittern,
wen Dissonanz umgibt.
Die Kraft der Herzens wittern,
wenn eine Mutter liebt.


Sie spürte, wie jene Eindrücke noch vervielfacht, verstärkt wurden durch Shalaryls Wirken. Doch nun begann erst der Teil, der ihnen die meiste Konzentration abverlangen würde: Die Eroberung der Höhle durch die Natur.

Tränen rinnen nieder,
voll Traurigkeit gesäht.
Spiegeln all das wieder,
was aus dem Walde weht.
Veilchen hier entspringen,
gefüllt mit Lieblichkeit.
Maiglöckchen erklingen,
ein Geläut zur neuen Zeit.


Veilchen und Maiglöckchen begannen zu sprießen… mit den Klängen der Harfe entwickelte sich ein wahres Blumenmeer in dem Letharenunterschlupf. Erster Kampfeslärm drang an ihr Ohr… doch sie achtete nicht darauf. Sie hatte eine andere Aufgabe in diesem ungewöhnlichen Spiel.

Licht entspringt dem Schatten,
vertreibt die Angst der Nacht.
In den Sternenmatten
der Frühling ist erwacht.


Unter zarten, harmonischen Klängen begann sich mit Hilfe von Shalaryls Wirken der Raum zu erhellen… ein mildes, warmes Licht. Ein Gefühl von Sicherheit durchströmte sie, sie nur mehr noch motivierend, nunmehr den nächsten Schritt im Gewebe zu flechten. Die Kämpfe schienen ihr unwirklich, fern… auch wenn ein Lethar bereits recht nah an sie herangekommen war, mit einem direkt neben ihr stehenden Druiden sich duellierend.

In der Höhle Mitte
Ein Baum sich sacht erhebt.
Auf dass jener kitte,
was dissonant erbebt
und stört den holden Frieden,
der eh‘mals herrschte hier.
So dass des Hasses Sieden
Weicht mit der Mordesgier.


Aus den Augenwinkeln nahm sie wahr, wie sich auf Shalaryls Stirn Schweißperlen bildeten, als in der Höhlenmitte sich der Baum zu manifestieren begann und in rasender Geschwindigkeit heranwuchs. Sie bekam leichte Kopfschmerzen… die Verbindung von Musik und Lied war eng gewoben und sie solches Wirken absolut nicht gewöhnt. Ihr Körper zeigte bereits erste Anzeichen von Schwäche… sie begann mehr und mehr zu zittern. Und doch glitt ihre Hand in gewohnt routinierten Griffen über das Instrument und kein Schwächeln erlaubte sie ihrer Stimme auch bei der nächsten Strophe. Die nahe Gegenwart des Letharen stachelte dazu an, nur mehr ihrer Trauer und Schwermut noch in die nächste Strophe fließen zu lassen, um in der darauf folgenden umso fester und entschlossener zu klingen.

Wenn meine Arme schließen
Erneut sich um das Kind,
mein Klang sich neu ergießen
allhier dann wird im Wind.

Hass wird niemals siegen,
denn süßer Harmonie
wird jener stets erliegen
und weichen Blasphemie.


Der Druide war gestürzt.. nunmehr ungeschützt stand sie vor dem Letharen, der sie trotz des Nebels als neues Ziel für seine Angriffe auserkor – nur wenige Schritt trennten sie. Und doch brauchte Rilya Hilfe…. Sie begann, auf die Wurzeln des Baumes einzuwirken, in dem sie Shalaryl musikalisch zu jenen leitete, damit sie dem einen oder anderen Feind ein Bein stellen mochten.

Wächter, wahre was verloren
und im Dunkel fort schien schon.
Deine Kraft, so tief geboren
In dem Grund, vertreib den Hohn.


Kaum hatte sie ihren Text vollendet, durchzog ein stechender Schmerz ihren Arm… kaum gelang es ihr, das Spiel aufrecht zu erhalten… doch es durfte, es konnte nicht abbrechen… sie musste spielen, spielen, spielen… ihre Fingerkuppen waren bereits aufgeplatzt, die Saiten der Harfe färbten sich rot, und so auch von ihrer Schulter herab der linke Arm… der Arm ihrer Spielhand. Der Dolch hatte sich tief ins Fleisch gebohrt. Nur mühsam gelang es ihr, weiterzuspielen, mehr strich sie in schnellen Bewegungen über die Harfe, als dass sie sorgsam geplante Notenfolgen spielte… kreidebleich wurde sie und all ihre Willenskraft wurde nötig, um nicht vom Spiel zu lassen. Doch jene nunmehr wenig geordneten Klänge führten auch Shalaryl… das Resultat war ein wild um sich schlagender Baum, weder Feind noch Freund beachtend und bedenklich schwankend. Ein Pfeifen in der Luft… und sie spürte einen starken Zug nach hinten, der ihr für einen Moment die Kehle zuschnürte, als der auf sie zufliegende Rabenschnabel durch ihren Umhang fetzte, ihre Robe streifte und sie damit nur knapp verfehlte. Nur dem Nebel war es wohl zu verdanken, dass jener nicht stattdessen in ihrer Brust steckte… Angst stieg in ihr auf, wurde mit ihrer Willenskraft bekämpft und gebändigt wie auch ihr Spiel. Die Tonfolgen wurden wieder geordneter, der Baum beruhigte sich. Und sie spürte, dass sie diese Kontrolle nicht mehr ewig aufrechterhalten konnte… zumal sich noch etwas Weiteres schleichend in dem geschwächten Leib ausbreitete: Gift. Wie lange würde es noch dauern? Nhariel musste Rilya bald freikämpfen… ihr Spiel würde ihn nicht mehr lange schützen können. Erneut ließ sie all die Klänge noch einmal aufleben, als Ahnungen, wechselnd Blumen, Licht und Baum stärkend. Der Lethar hatte seine Angriffe eingestellt… was dazu führte, vermochte sie nicht zu sagen und sie verschwendete auch keine weiteren Gedanken daran: Sie brauchte all ihre Konzentration für ihr Spiel. Schließlich: Nhariel, Edraith, Rilya… bekannte Antlitze. Jemand rief zum Rückzug auf… Erleichterung machte sich in ihr breit, als sie zur letzten Strophe ansetzte.

So mahnen wird und klagen
In alle Ewigkeit,
auf dass wird niemand wagen
zu stör’n die Lieblichkeit.

Noch ein kleines Nachspiel, ehe sie die Klänge im zarten Winde dort verwehen ließ.. doch nicht gänzlich. Sie ließ die Harfe sinken… und dank Shalaryls Wirken begann nunmehr ihr Lied erneut mit den ersten Tönen. Es würde ewig dort klingen… bis mächtige Magie das Wirken aufhob. Elfische Magie… und wohl keiner von ihrem Volke würde jenes herbeiführen wollen. Erschöpft sackte sie auf die Knie. Sie spürte die Schmerzen, den Klang des Giftes in ihrem Körper… doch zu schwach war sie, jenen aus eigener Kraft wieder zu bannen. Nur ein dumpfes Plock war schließlich zu vernehmen, als sie das Bewusstsein verlor und rücklings auf den kalten Höhlenboden kippte.

Eine Weile kreisten wirre Gedanken… gespenstisches Zischen, Fauchen, der Geruch von Blut und Schweiß, doch dann… der Klang gleich einer zarten Quelle im Nebelwald… an jenem wollte sie sich laben. Sie folgte jenem mit ihrem Geiste… und langsam führte jener sie zu ihrem Bewusstsein zurück, nunmehr sich im Schoße Lu’araiels befindend, Shalaryls Hand lag matt auf ihr. Und mit dem Bewusstsein trat auch ein weiterer Gedanke in den Vordergrund: Rilya.
Sie blickte sich um, fand sie auf dem Arm von Edraith… ein zitterndes, wimmerndes Bündel nur. Nicht die Kraft findend, sich aufzurichten, kroch sie auf allen Vieren zu ihr… wohl der unwürdigste Anblick, den sie in ihrem ganzen Leben abgegeben hatte. Sie streckte die Arme nach der Kleinen aus, Edraith ging in die Hocke, ihr die Gelegenheit gebend, sich mit allen Sinnen zu überzeugen, dass sie lebte, auch wenn ihr Zustand erbärmlich war. Tiefe Trauer und sogar eine Spur von Wut und Verachtung gegenüber der Letharen prägten bei jenem Kontakt zwischen Mutter und Kind ihr Gemüt.
Der Aufbruch schien endlos zu dauern. Wunden wurden notdürftig versorgt, sich gegenseitig gestützt und getragen… mit all ihrem Stolz musste sie brechen und sich gar von einem Menschen stützen lassen. In jeder anderen Situation wäre dies vollkommen undenkbar gewesen… doch sie hatte keine andere Wahl. Endlose Minuten vergingen, bis sie schließlich in ihrem Haus angekommen war… und Rilya noch einmal herzen konnte, ehe sie neben Shalaryl in kürzester Zeit in tiefen Schlaf fiel… lediglich aus der ruinierten Kleidung und der Rüstung schlüpfend.
Sie begann zu frösteln… wohl eine Weile hatte sie vollkommen unbekleidet vor dem Kinderbettchen gestanden, als all jene Erinnerungen wieder auf sie einprasselten. Behutsam gab sie der Schlafenden einen Kuss auf die Stirn, ehe sie sich wieder zurück ins Bett legte… denn sie war nach wie vor vollkommen ausgelaugt. Auch wenn der Morgen bereits dämmerte… ihr Tag würde wohl erst spät beginnen.

Verfasst: Freitag 22. Februar 2008, 18:13
von Shalaryl Di'naru
Zwei Tage brauchte es, bis sie sich tatsächlich wieder wie sie selbst fühlte.
Zwei Tage mit so alltäglichen, simplen Dingen wie Essen, Trinken, Waschen
und sehr, sehr viel Schlafen.

Guten Morgenabend, der Gruß würde ihr noch lange nachhallen.

Endlich war sie wieder gekräftigt genug, um zumindest Lamentinus Hand
wieder herzustellen und ihr dann im Haushalt zu helfen. Normalität, dieses
vage Empfinden wieder zurückzurufen war jetzt von entscheidender Wichtig-
keit und die beiden gaben sich alle Mühe. War sie je zuvor so lange in Ered
Luin geblieben? Sicher nicht... .
Als Lamentinu sich schließlich um die zerschlissenen Kleider kümmern wollte,
blieb die Waldelfe als Rilyas Nachtwache zurück, zweckentfremdete ein Kopf-
als Sitzkissen. Der Marmorboden bereitete ihr doch noch immer Schwierig-
keiten.
Dann, schleichend und ohne es wirklich zu merken, verfiel sie wieder in
tiefen Schlaf, die Beine noch immer auf dem Kissen hockend, den Kopf
gestützt von den Händen auf dem Kinderbett, ein grüner Punkt inmitten
der blau-weißen Pracht des Hauses.

Unheil der Lethare

Verfasst: Sonntag 24. Februar 2008, 13:09
von Edraith
Die ganze Nacht über hat Edraith am Bett von Rilya gesessen bis Lamentinu, ihre Mutter, ihn am Morgen ablöste. Ständig hat er in Gedanken, beim Anblick, gesessen was nur mit dem kleinen elfischen Mädchen geschehen sei.

Als die verachteten Brüder Alatar’s den Abend zuvor durch einen Tunnel in Ered Luin eingedrungen sind haben sie sich Rilya geschnappt. Es war ein große Überraschung wie es ihnen nur möglich war in das heilige Tal der Edhil ein zu dringen. Die anwesenden Elfen wollten eigentlich feiern. Ein weiteres Jahr von Shalaryl wollten sie mit Schmaus und Trank beenden. Doch standen plötzlich die Letharen vor ihnen. Ein Alder schickte Edraith noch an die Druiden, sicher damit bedacht ihnen schnell zur Hilfe zu eilen. Doch schienen Selbst diese noch nicht zu genügen um mit Lamentinu’s feinem Gesang, dem tanzenden Schwert Nhariel’s und dem Wirken aller anderen sie zurück zu schlagen. Erst als die Drachen, die im Berge Ered Luin’s hausen, Seline und ihr Sohn Selim durch den Gesang gerufen wurden konnten sie die Letharen zurück drängen. Leider war in deren Gewahlt Rilya ...

Das weinen der Mutter mochte nicht Enden. Voller Ehrgeiz das kleine Mädchen wieder zurück zu holen beschlossen sie am Folgenden Abend in den Unterschlupf zu wandern. Durch genau diesen Gang durch den die Lethare es geschafft haben in Ered ein zu dringe. Erst musste das Siegel, das zum Schutz über den Eingang gelegt wurde, wieder gelöst werden bevor die Edhil, Lindhil und die zur Hilfe gerufenen Druiden schließlich den langen gang in Richtung der Höhle in den Rilya gefangen gehalten wurde erreichten. Schließlich befanden sie sich in einem Raum, in dem angefangen wurde der Tunnel zu graben. Nah mussten die Lethare sein, ihr Missklang im Lied war deutlich zu vernehmen. Lu’arail und Edraith machten sich sogleich an ihr Werk. Sie schufen aus den vorherrschendem feuchten Nass eine Nebelwand zu schaffen das ihre Anwesenheit verdecken und den direkten Blick der Lethare hintern sollte. Das erklingen von Lamentinu’s Gesang benebelte so gut es ging den Geist der blauen Brüder. So war es Shalaryl die etwas grün in die Höhle brachte und mit der zeit versuchte den feinen Gesang fest zu setzen und es für die Brüder des Alatar unerträglich zu machen. So war es Nhariel der vom Sang beflügelt sich leicht schwingend im Tanz zur Melodie sich mit seinem Schwert nach vorne kämpfte. Dicht gefolgt von den Druiden die versuchten den Weg frei zu halten begab sich Edraith mit nach vorne, sich dort um Nachschub des Nebels zu kümmern und Nhariel mit einem schützendem Klang zu umgeben. Er musste extrem aufpassen das es nicht um ihn geschah. Doch als Edraith nahe des Altars wahr und Rilya darauf liegen sah, wie sie zusammen geringelt und völlig verstört darauf lag, nutze er ein sicherlich unachtsamen Augenblick und die Verwirrung, die jene kleine Elfe stiftete in dem sie irgend welche wirren und Chaotisch ungeordneten Klänge veränderte aus ihrer Angst das ein schützendes Lied sie umhüllte, des Letharen der in dem Moment vermutlich irgend welche weitere schlimmen dinge über sie bat. Das kleine Elfenmädchen wurde schützend in die Arme genommen im ganzen Getümmel, und schleunigst aus der Höhle heraus getragen. Schließlich zogen die Letharen sich von den für sie krausamen Klänge der Bardin zurück alle kehrten mehr oder wenniger schwer angeschlagen in den ersten Raum zurück. Als sie diesen dann, gestützt miteinander, Verliesen war es nur ein kleiner Schups den man der Höhlendecke gab um den Tunnel zum Einsturz zu bringen und für immer unbrauchbar zu machen.

Als sie wieder in Ered Luin ankamen war es eine sichtliche Erleichterung für alle Beteiligten.
Das Kind wurde in sein Bett gelegt, Edraith vermochte über sie zu wachen, doch war es schließlich eine schwere Bürde ihre Mutter zum Schlaf zu überreden. Schließlich hat sie dessen Abend viel geleistet und sich gar ihrer Kräfte im Klang und Körper verausgabt. Doch sollte sie dem kommenden Morgen wieder ihre Tochter in die Arme schließen dürfen, sofern dies möglich war, den der Kleinen mag die ganze Geschichte stark zugesetzt haben....

Verfasst: Dienstag 26. Februar 2008, 20:47
von Q´in
Nur ein Spiel

Q’in war unzufrieden. Ein Umstand, der sich selten offen zeigte, auch, weil er fast allgegenwärtig zu sein schien. Es gab so viele Dinge, die den Lethrixoren störten, ihn in seinen gefährlichen Überzeugungen bestärkten, und sei es nur der Aufgang der Sonne und das Glitzern der Sterne. Viel weltlicher war dieses Mal jedoch das Empfinden von Unzufriedenheit: Er durfte eine Elfe nicht töten. Für die Überzeugungen eines perfekt konditionierten Schlächters ein Widerspruch, der sich einfach nicht erklären ließ. Wie auch? Eine ewige Feindschaft führte sich auf diese Art und Weise äußerst ineffizient.

Widerspruch blieb trotzdem aus. Über dem Denken stand der Gehorsam – und dieser war absolut.

Die gegebene Aufgabe war eine Prüfung des eigenen Fachwissens. Irgendwann einmal hatte sicherlich jeder junge Letharf die Lust am Schmerz entdeckt. Nun, nach über einem Jahrhundert des Wirkens, war das Interesse gesunken und hatte einer etwas aufgeklärteren Herangehensweise an die Zerstörung Platz gemacht. In Q’ins Gedankenwelt hätte man die ihm angediehene Aufgabe eher einem Jüngling geben sollen, statt ihm.

Q’in kannte die Anatomie der Seuchen in- und auswendig.

Die Auflagen, die jedoch mit der ungewohnten Aufgabe einhergingen, sollten erklären, warum gerade er mit dieser filigranen Arbeit bedacht wurde: Keine bleibenden Makel. Keine sichtbaren. Dies verlangte nach einer meisterlichen Geschicklichkeit, nach einer virtuosen Kunstfertigkeit mit dem Fleisch. Der Lethrixor wusste, dass man einzig ihm diese Qualitäten zusprach.

Ach, wie schlecht, dass ich nicht weiß…

„Lautfolge.“ Begriffsstutzig. „Lautfolge.“ Geistig scheinbar nicht einmal in der Lage, ein Wort zuzuordnen. War die Basis der Letharen, der Ursprung, so unvollendet wie alles andere auch, das nicht unter dem Segen des Gottvaters stand? Allem Anschein nach ja. Es hätte das Herz des Lethrixor traurig gestimmt, wäre da nicht dieser brennende Hass, der sich im Unterbewusstsein wie ein Raubfisch unter der Oberfläche räkelte, um jeden Moment aufzusteigen, die dünne Hülle der Vernunft – nein: des Gehorsams – zu durchbrechen.

„Rilya!“ Endlich ein Erfolg, der erste, dem noch einige in vielen Momenten des altehrwürdigen Handwerks folgen würden. Schmerz war für Ungläubige Folter. Es schwächte sie und benebelte den Geist, statt ihnen die Süße eines wunderbaren Reiches näherzubringen. Dies war einerseits Beweis für eine der zahlreichen Theorien Q’ins, der darin die Abneigung des Gottvaters gegenüber den Nichtletharen sah, andererseits zeigte es die Unmöglichkeit des Bekehrtwerdens. Perfekte Gründe, auch das jetzige Opfer nicht am Leben zu lassen.

Kammerpsalme

Die Schreie waren nun schon seit Stunden verstummt, es blieb lediglich ein gebrochenes Wimmern. Ein Geräusch, das seltsam dumpf durch die Ignoranz des Lethrixoren drang, welcher sich an seinem Arbeitsplatz auch sein Mittagslager zurechtgemacht hatte. Ein Halbschlaf lullte die bucklige Gestalt ein, als jene auf der Streckbank saß, zusammengesackt und schief. Alles war wie immer. Wie immer, versüßt durch die jammernden Früchte seines Tuns. Und doch war da dieses Gefühl, diese Ahnung, die den Schlaf – für Q’ins Verhältnisse – seltsam unruhig werden ließ. Etwas stimmte nicht. Etwas passte nicht in die Disharmonie seines pervertierten Seins. Aber was konnte im Herzen des letharischen Reiches falsch sein? Ein Gedanke, welcher allein im Entstehen bereits reine Blasphemie war. Schon erfasste lauernde Spannung seine Gliedmaßen, die sich in brennender Gier erwärmten für das Unbekannte, das Alarmierende – doch das Wimmern beruhigte Q’in wieder. Es war für dieses Wesen wie Balsam, wie schwerer, junger Wein, den der Letharf schon lange Zeit als einen seiner liebsten Rebensäfte auserkoren hatte.

Verfasst: Mittwoch 27. Februar 2008, 00:56
von Velvyr´tae
Erhebend.


Das Blut in ihrem sehnigen, nur den Gesetzen der Pragmatik unterworfenen Körpers, rauschte wild. Es glühte, heiss und intensiver als der köstlichste Wein, versetzte sie in einen Rauschzustand. Wie herrlich, wie erhebend war es, dem Hass freien Lauf zu lassen, alle Grenzen zu sprengen. Hier an diesem Ort, der den Klängen des Liedes auf so harmonische Weise angepasst war, dass er den Letharen wie eine Wüste dem Verdurstenden erschien. Feuer fraß sich an allem empor, was Leben in sich trug. Die gerüsteten Kinder des Panthers strebten ihrem Ziel entgegen, leise, gefährliche Raubtiere. Sie waren hier um eine simple Aufgabe zu erledigen, einen Befehl auszuführen.

"Zerstört, was unsere verblendeten Geschwister errichtet haben. Tötet, was aus dem Wirken der Weltenhure entstand. Tränkt diesen verfluchten Boden mit Blut und Leid."

Der fremde, so feindliche Boden schien die Letharen zurückzustossen, doch ihr Rausch gellte über die Harmonie dieses Ortes hinweg. Sie konnte die Gier und die Vorfreude ihrer Geschwister beinahe körperlich spüren, ihre Haut prickelte im Echo dieser schrankenlosen Verbindung. Nur knappe Befehle drangen durch das Chaos der Geräusche an ihr Ohr. Wo immer, wann immer - der Ton der Autorität fand seinen Weg. Der Rest dieser Nacht verschwamm in vereinzelte Bilder.

Das Kind. So rein, so unschuldig. So..perfekt.

Der Widerstand. Die Drachen. Die Niederlage.

Erst als die vertrauten, so wunderbar disharmonischen Klänge der letharischen Heimat sie umfingen, klarte sich ihr Blick. Ihr Atem war nicht mehr als ein Keuchen, ein heiseres Ringen um den notwendigen Sauerstoff. Der Zorn der Überlebenden, ihrer Geschwister, war greifbar und tränkte die stickige Luft.

Nur das größte Opfer führt zum Sieg.

Die Stimmung war gedrückt. Die Höhlen, unterhalb der Heiligen Stadt von Lava durchflutet, waren immer von erhabener Stille erfüllt. Doch nun hatte diese Ruhe etwas angespanntes, nagte an Geist und Verstand. Warum hatten sie versagt? Zweifel schlichen hinterhältig und boshaft umher, hauchten ihre verräterischen Worte in viele Ohren. Und doch boten die Höheren Halt. Die Lethyren und Templer hüllten sich in ihre Autorität, vermittelten den geschwächten Letharen Gelassenheit und Zuversicht. Was war ein verlorener Kampf gegen die hinterlassene Zerstörung? Es war nur ein Vorgeschmack auf den Krieg, und diesen würde man unweigerlich gewinnen. Und das Kind, dieses Wesen voll Unschuld und Verkörperung aller Werte, würde der Grundstein dieses Krieges werden.

Dann hielt das Chaos Einzug. Nebel kam auf, Klänge durchzogen das Höhlensystem, vielfach verstärkt vom Echo der niederen Wände. Und wieder begann der Hass zu pulsieren. Wie konnten diese verkommenen Geschöpfe es wagen, sie hier anzugreifen?! Hier, in diesem Heiligtum des AllEinen, in seinem Sanktum?! Nur die gnadenlos peitschenden Befehle hielten die Kinder des Panthers zurück oder trieben sie vorwärts, den Kampf eröffnend und jeden Schritt mit Blut erkämpfend. Die Klänge verstärkten sich, rangen miteinander. Dieser Kampf fand auf höherer Ebene statt, Harmonie rang mit Disharmonie, schraubte sich in einer gnadenlosen Spirale empor. Aus dem leblosen Höhlenboden spross Grün, Wurzeln durchdrangen die Höhlendecke und senkten sich wie lautlose Racheengel auf die Letharen herab.

"RÜCKZUG!" Die Stimme des Lethorax durchdrang den wilden Kampf, die steigende Verzweiflung klar wie scharfer Stahl. "Rückzug! Wir geben diesen besudelten Boden auf. Der Eine wünscht es, befiehlt es!" Auch der Lethyr peitschte die Letharen rückwärts. Sie wichen zurück, geordnet, doch bebend vor mühsam zurückgehaltenem Hass. Was notwendig war, musste getan werden, was Ballast war, musste geopfert werden.

"Der Eine wird uns den Weg weisen. Ich sehe es." Eine hellere, weibliche Stimme, vor Fanatismus getränkt. Das heimatlose Volk beugte sich dem Willen seines Schöpfers. Ob dieser Weg in Fortschritt oder Untergang mündete, war nicht weiter wichtig. Sie würden ihn gehen, begleitet vom leisen Geräusch der klickenden Pantherkrallen.

Verfasst: Freitag 29. Februar 2008, 03:07
von Syrr'ael
Wieviel hatte man verloren, wieviel gewonnen?
Am Ende lief alles auf diese simple Schlussrechnung hinaus, geschrieben in Blut und Schweiß.
Ein toter Lethar? Ein Opfer im Dienste Vaters.
Ein toter Elf? Ein guter Anfang.

Hass und Schmerz, vermischt mit dem Gefühl des Triumphes ein exquisiter Cocktail.


Die absolute Vernichtung Ered Luins war vielleicht fehlgeschlagen, vereitelt durch das Eingreifen der widerlichen Silberdrachen - aber wie grandios war es zu wissen das alles, was die bleiche Elfenbrut seit dem vollbracht hatte dem Willen des Panthers dienlich war?
Man hatte die alte Heimat wie ein Stück abgenutzte, besudelte Haut abgestreift und sie anschließend im heißen Blut der Erde ertränkt - um dann, getrieben von der Vision der jungen Lethoryx den Zugang zu einer neuen Heimat zu finden die man schon lange verloren geglaubt hatte. Ein Ort der fast so alt war wie die ersten Sieben selbst, ein Ort dessen Gänge und Hallen eine Geschichte aus Blut und Leid erzählten.

Leth'Axorn - die alte, neue Heimat.
Heimgekehrt, um das Volk der Vergifter in eine neue Ära, eine neue Phase ihres Schaffens, zu führen.
Hier in diesem Turm, der schon den ersten Lethyren als Zentrum ihres Wirkens gedient hatte und dessen Wände noch immer das leise Echo der hier gewirkten Macht wie ein stilles Versprechen raunten, würde er beginnen - und schlussendlich hatte das Eingreifen der Silberdrachen auch sein Gutes gehabt.
Blut war doch so ein herrlich potentes Reagenzium und das Ding, dessen Werden in den Gedanken langsam an Gestalt annahm, würde voller Verlangen danach gieren...

Verfasst: Mittwoch 5. März 2008, 09:51
von Rilya
Bilder suchten sie heim..Bilder, die die wohltuende Dunkelheit durchdangen. Nein... nicht...Feuer.. Blut..Schmerz.... Angst... Einsamkeit.. Hilflosigkeit und... Hass.

Immer wieder tauchte sie aus der Dunkelheit auf, hinauf aus der Ruhe, nach der sie sich gesehnt hatte. Sie wollte nicht zurück, wollte in den verborgenen Tiefen ihrer Seele bleiben.
Sie warf sich hin und her, nur um dann wieder zu versinken, in eine Art des Schlafes, welcher aber nicht erholsam war.
Und wieder tauchte sie auf, schreckte hoch...

Sie wußte nicht, wie lange es so ging. Sie wußte nicht, wo sie war. Wenn sie weit genug auftauchte, um die Augen zu öffnen, dann sah sie nicht wirklich. Verschwommene Bilder nahm sie wahr, unfähig wirklich zu erkennen. Es war hell.... weiß... sie lag weich, nicht mehr auf Fels... verschwommene Gestalten an ihrer Seite...
Doch bevor sie mehr erkennen konnte, versank sie wieder. Sie wollte nichts sehen, nichts hören... doch die Bilder kamen, jagten sie in den Tiefen ihrer Träume. Feuer.. Blut..Schmerz.... Angst... Einsamkeit.. Hilflosigkeit und... Hass.

Zusammenfassung, Xyr erinnert sich

Verfasst: Sonntag 9. März 2008, 19:56
von Xyrvassidar Ryn´dhor
Die letzten Vorkehrungen waren getroffen, die Dolche, die sich schon seit Tagen nicht mehr in seinem Besitz befanden, klimperten wieder in seiner Robentasche.
Obwohl es sich zweifelsohne um die Dolche handelte, die er dem Rabendiener übergeben hatte,
erschienen sie dem Lethyrenschüler vom ersten Moment an befremdlich.
Eine unbekannte Macht durchströmte sie, füllte das blutgehärtete Metall.
Eine Macht, die er weder verstand, noch zu beherrschen wusste,
doch deren Nutzen er bald miterleben würde.
Seine Beine trugen ihn die letzten Meter, bis der wohltuende Schatten, in den der Unterschlupf gehüllt war, über ihn kam. Der Großteil seiner Geschwister hatte sich dort bereits eingefunden und wartete mehr oder minder geduldig auf die Ankunft Syrr'aels.
Dieser kam schließlich wie schon öfter vom an der Oberfläche liegenden Feld,
auf dem er und Xyrvassidar schon mehrfach perverse Riten veranstaltet hatten,
zu ihnen hinab. Es wurde keine weitere Zeit verschwendet, bestehende interne Konflikte durch seine Autorität noch im Keim erstickt. Die Einteilung in zwei Gruppen war die erste Anweisung, die seinen Mund verließ und wurde daraufhin rasch von den betreffenden Lethrixoren,
vor allem aber dem Lethorax ausgeführt. Theoretisch geteilt, doch bis zur eigentlichen Aktion noch zusammen machten sie sich dann auf; Syrr'ael blieb zurück.
An ihrem Ziel, dem von Sklaven gegrabenen Tunnel tief ins Erdreich, angelangt,
wurde ein Halt eingelegt, um eine letzte Taktikbesprechung zu vollziehen,
aber auch um dem Erhabenen Zeit zum Aufholen einzuräumen. Doch kam er diesmal nicht allein.
In seinem Schatten, ganz in Grau, folgten zwei Rabendienerinnen,
die von der blauen Versammlung mit unterschiedlichen Reaktionen empfangen wurden.
Während einige nicht scheuten, ihren Argwohn nach außen zu tragen,
wurden sie von anderen wie beispielsweise Xyrvassidar zunächst ignoriert.
Viel wichtiger war der Fortschritt ihrer Mission und, wie Xyr wusste,
würden sie gleich das erste Hindernis aus dem Weg räumen müssen.
Als Velvyr schließlich bestätigte, dass alle Vorkehrungen getroffen seien,
begab sich der blaue Schwarm hinab in den Tunnel, dessen spärliche Beleuchtung
die Pupillen aller weiten ließ. Er war nicht zum ersten Mal hier unten und so gehörte er zu denjenigen, die weniger überrascht von der Wand aus Licht waren,
die sich am Ende des Tunnels vor ihnen auftat. Doch spätestens als sich jedes Augenpaar
an den plötzlichen Lichtwechsel gewöhnt hatte, erkannte jeder, dass es sich nicht um Licht, sondern um Marmor handelte, aus dem die Mauer geformt war. Die spiegelglatte, reine Oberfläche,
die inmitten des Erdreichs freigelegt worden war, reflektierte das Licht der Fackeln,
die in ihrer direkten Nähe aufgestellt waren, derart, dass sie dazu im Stande war,
die anrückende Gesellschaft zu blenden. Im Vordergrund der Mauer und alsbald alle Aufmerksamkeit auf sich ziehend, wartete das Werkzeug, den Marmor zu durchbrechen.
Es war ein recht grobes Konstrukt und bestand im Grunde nur aus links und rechts aufgestapelten Fässern, die vereinzelt mit Leder- und Stoffbündeln verbunden waren.
Die eigentliche Raffinesse befand sich aber im Innern des Holzgeflechts:
eine hochexplosive Mischung aus einer Vielzahl von verschiedenen Substanzen.
Es hatte Wochen gedauert, bis er endlich alle nötigen Materialien zusammen hatte,
noch einige mehr, um sie zu verknüpfen und den Sprengsatz zu konfigurieren.
Vor seinem inneren Auge sah er sich noch einmal Wasserratten fangen,
winzigste Flechten von Steinen kratzen und den Kot diverser Reptilien sammeln.
Er sah sich noch einmal, die Fässer füllen und sie vor Flammen hüten,
denn sollten diese erst jetzt zum Einsatz kommen.
Beide Konstrukte, rechts und links, mündeten in einer Zündschnur,
die sich wie Schlangen über den Boden zu wälzen schienen.
Ihrer nahmen sich schließlich Velvyr und Xyrvassidar, jeweils mit einer Fackel bewaffnet, an.
Aufeinander abgestimmt, führten sie die Flammen dann hinab, bis erste Funken die Zündschnur erfassten und beide schließlich nahezu gleichzeitig zu brennen begannen.
Während die anderen Geschwister längst in einiger Distanz Aufstellung genommen hatten,
stießen die beiden erst jetzt zu ihnen. Im Wissen, wie viel Zeit ihm blieb,
beeilte sich Xyrvassidar dabei aber keineswegs. Pünktlich, kurz nachdem er sich dem Sprengsatz wieder zugewandt hatte, detonierte dieser dann mit unvorstellbarer Lautstärke.
Sein Trommelfell vibrierte, schmerzte zu Beginn. Darüber hinaus schnürte ihm die Druckwelle für einen Moment die Kehle zu, machte jeden Atemzug zu einer Qual.
Der aufgewirbelte Staub tat sein Übriges, brannte in den Augen und kratzte im Hals.
Doch als er sich allmählich gelegt hatte und der Erfolg, das Loch in der Wand,
sichtbar wurde, war alles vergessen, verursachter Schmerz bereits dem entbrennenden Hass beigefügt. Die Mauer war durchbrochen, der Weg in die Stadt ihrer verhassten Geschwister geebnet.
Nun würden sie allem Zorn freien Lauf lassen, gar noch mit Elfenblut schüren können.
Eilig zwar, aber trotzdem nicht unvorsichtig bahnten sich die ersten dann ihren Weg
über Schutt und Asche hinein in den marmorlastigen Raum hinter der Wand.
Ein Kellergewölbe, dunkel und verlassen. Das einzige Licht fiel durch den Vorhang,
der den Ausgang verdeckte. Jenem wandten sie sich schließlich zu,
erstiegen die Treppen auf leisen Sohlen. Ein flüchtiger Blick hinter den Stofffetzen,
dann ergoss sich der blaue Strom aus dem Keller an die Oberfläche,
dort sofort aus dem Haus hinaus. Ein Barde kreuzte draußen ihren Weg,
erhielt aber keine Zeit zu reagieren, sofort traf ihn eine der von Hass geführten Klingen.
Blut drang aus den geöffneten Arterien, Elfenblut. Xyrvassidar hielt sich im Hintergrund,
wartete bis die prügelnde Meute seiner Geschwister über den Leichnam hinweg gezogen war.
Erst dann griff er nach einem der präparierten Dolche und rammte ihn ohne Umschweife
in den Leib des toten Elfen, so wie man es ihm erklärt hatte. Die Klinge verharrte einen Moment im Fleisch, dann zog er sie wieder heraus. Noch bevor er sie wieder in seiner Tasche wusste,
regte sich der Elf von Neuem. Zwar hatte der Blutfluss geendet, dennoch schien sich wieder Leben in ihm auszubreiten. Von gespenstischen Fäden gezogen, erhob er sich wieder,
ein Stöhnen, ein Röcheln machten deutlich, um welche Art von Leben es sich handelte.
Als er das lebendige Fleisch Xyrvassidars roch, fuhr er herum, fixierte den Letharen aus rot untersetzten Augen. Die Zähne gefletscht und wiederum wie von Geisterhand geführt,
schnellte er heran, stoppte jedoch, bevor er ihn erreichte.
Xyr hatte nicht bemerkt, wie sich hinter ihm die beiden Rabendiener hinzu gesellten.
Ihnen war der untote Diener untergeben, ihnen würde er folgen,
gehorchen darin, wen es anzugreifen galt und sich dadurch erst als nützlich erweisen.
Ein flüchtiges Nicken galt jenen Grauberobten, bevor sich Xyr auch schon weitermachte,
dem blutigen Pfad, den seine Geschwister zogen, folgend.
Wann auch immer eine weitere Elfenleiche fand, zückte er einen neuen Ritualdolch und
wiederholte den Prozess, um sie wieder auferstehen zu lassen. Die Rabendiener indes lasen die irrenden Untoten auf und lenkten sie dorthin, wo sie gebraucht wurden. Sieben waren gefordert, sieben Seelen würde der Rabe erhalten. Während der Lethyrenschüler seine Aufgabe erfüllte,
konzentrierten sich die Kämpfe an zwei Punkten. Im Südosten, dort wo sich schließlich auch Xyrvassidar einfand, hielt der Lethorax mit seiner Schar die Stellung.
Hier gelang es ihnen, eine erste Geisel zu nehmen. In den Händen von Velvyr gab sich das Mädchen alle Mühe, wieder zu entkommen, doch vergebens. Im Norden hingegen entbrannte ein anderer Kampf: Syrr'ael samt seiner Begleiter gegen einige angerückte Druiden.
Doch ganz gleich wo – überall traf Stahl auf Stahl, überall floss Blut und überall hallten Schreie in der Luft. Was für die Letharen ein Genuss war, trieb die Elfen rasch voran,
die Umgebung mit harmonischen Klängen zu füllen. Davon irritiert und gar direkt geschwächt,
schmolz der Raum, den die Letharen für sich erkämpft hatten, bald allmählich dahin.
Als Xyrvassidar schließlich den ersten Elfenkrieger, der die Reihen durchbrochen hatte,
vor sich sah, stand fest, dass sie unterliegen würden. Immer weiter wurden sie zurückgedrängt
und selbst sein aus vor Wut verkrampften Händen geworfener Funkenregen vermochte nichts daran zu ändern. Der entscheidende Schlag kam dann ganz plötzlich. Zu erst glaubte er daran,
den Schatten der Pranke seines Vaters über den Wolken zu wähnen.
Doch stellte es sich rasch als Irrtum heraus, als das geflügelte Ungetüm durch die Wolkendecke brach. Im freien Fall sauste der Drache herab, in seinem Schatten folgte ein weiterer.
Sie hatten nicht die Gruppe um Xyrvassidar im Fokus und landeten stattdessen hinter den Häusern,
wo sein Meister gekämpft hatte. Sofort schlugen Flammen empor,
während Blitze sich vom Himmel herab schlängelten – ein nicht enden wollendes Getöse.
Erst als Syrr'ael floh, die Schwingen hinter sich ließ, flachte es etwas ab.
Zugleich war damit aber auch der Befehl zum Rückzug gesprochen worden
und jeder war gewillt, ihn schleunigst auszuführen. Die enge Gassen hindurch bahnten sie sich ihren Weg zurück in das Haus, aus dem sie kamen. Dort angelangt, ging es sogleich hinab in den Keller, Xyrvassidar gehörte zu den Ersten. Darauf bedacht, nur Geschwister sowie die beiden Rabendiener hinab zu lassen, hielt er an der Treppe Wache. Kaum war der Letzte die Stufen herunter gestolpert,
begannen sie damit, den Weg zu verbarrikadieren. Das spärliche Mobilar wurde auf die Stufen gestellt und mit mit allem, was die Letharen entbehren konnten, verstärkt.
Xyrvassidar, ohne Scham, spendete augenblicklich seine Robe, nachdem er das Wichtigste aus den Taschen geborgen hatte. Nachdem ein ansehnliches Häufchen entstanden war,
löste sich ein Funke aus den Händen des Lethyren und entfachte alles zu einem Wall aus Flammen,
der ihnen den Rückzug sicherte. Erschöpft und ausgemergelt, dazu noch mit diversen Verletzungen traten sie zurück in den Tunnel und waren bald wieder in heimischen Gefilden.
Die Niederlage stand allen ins Gesicht geschrieben,
Wut und auch Zweifel erreichten ihren Zenit. Sie hatten zahlreiche Tote hinter sich gelassen,
brachten neben einer Gefangenen auch etwas Drachenblut mit. Doch der Kampf war noch lange nicht vorbei..

..Was sie noch nicht ahnten, war, dass der Gegenangriff nur wenige Stunden auf sich warten lassen würde..

Am nächsten Tag - die Sonne sandte gerade ihre letzten Strahlen über die Oberfläche -
liefen die Vorbereitungen zur Opferung des gefangenen Elfenmädchens auf Hochtouren.
Als der Abend gekommen war, sollte es gewaschen und für die Zeremonie hergerichtet werden.
Doch noch bevor es den Altar erreichte, waren ihre Retter zur Stelle.
Gerade zog sich Xyrvassidar in die hinteren Gewölbe des Unterschlupfs zurück,
wobei er unweigerlich den Eingang zum Tunnel passierte, da fielen ihm die harmonischen Klänge in diesem auf. Bevor er jedoch einen Blick hinein werfen konnte, stürmte schon der erste Elfenkrieger aus der Finsternis. Ihm blieb nur der Rückzug. Zurück beim Altar überbrachte er die unvorstellbare Nachricht. Nach und nach traf der Rest seiner Geschwister ebendort ein,
während gleichzeitig weitere Elfen ihren Weg aus der Finsternis des Tunnels fanden.
Mit ihnen kam ein undurchdringlicher Nebel, der ihre Ankunft sogleich zu verschleiern suchte.
Die Luft knisterte, der Hass und die damit verbundenen Disharmonien,
welche die Lethyren verursachten, schaukelten sich ins Unermessliche.
Dann ging alles ganz schnell. Die Lethrixoren griffen zu ihren Klauen und preschten voran,
bis der Nebel sie umfing. Metallisches Knirschen und Scheppern hallte in der Höhle wieder.
Funken sprühten, nach dem unsichtbaren Feind trachtend. Es dauerte einen Moment,
da zeigte sich einer von ihnen außerhalb des grauen Vorhangs.
Ihm entgegen traten die zurückgebliebenen Lethraen und hackten zu dritt auf ihn ein.
Doch vergebens, sie waren der Kampfkunst nicht gewachsen,
sodass er bald in Reichweite Syrr'aels kam, der noch völlig handlungsunfähig vom plötzlichen Schock dem Schwerthieb nichts mehr entgegen bringen konnte. An der Schulter getroffen, taumelte er zurück. Xyrvassidar sicherte unterdessen das auf dem Altar aufbewahrte Artefakt,
die Flamme Mael'Rayats, dessen disharmonische Kraft auf ihn über ging.
Gerade deswegen konnte er es nur einen Augenblick aufbewahren,
denn sein Meister hatte es im Moment nötiger, die Kraft zu absobieren.
In Windeseile überbrachte er es ihm, legte es ihm in die bereits danach fordernde Hand.
Als Xyrvassidar danach wieder einen Blick in Richtung des Nebels warf,
traute er seinen Augen nicht. Überall um sie herum sprossen Pflanzen aus dem Boden.
Ranken versuchten, der Letharen Beine zu fassen. Übertroffen wurde das Naturschauspiel einzig durch die baumartige Kreatur, die astschwingend aus dem Nebel trat.
Wieder schien alles verloren, wieder -war- alles verloren.
Syrr'ael reagierte prompt und sandte seinen Schüler aus, ihre Geschwister zurückzutreiben.
Der Ruf zum Rückzug hallte daraufhin durch die Höhle und nach und nach folgten die Blauen ihm.
Zerschunden traten die Lethrixoren wieder aus dem Nebel, gefolgt von Harmonie.
Die Brücke über den Lavafluss diente als Sammelpunkt. Hier wurden rasch ein paar Worte gewechselt, die Entscheidung zur Zerstörung des Unterschlupfes, wie sie ihn seit jeher kannten,
gefällt. Seine beiden Schüler an den Händen gefasst, begann Syrr'ael umgehend damit,
seine Kraft zu konzentrieren und machte sich dabei auch des Hasses seiner Schüler zunutze.
Die Umgebung verschwamm, haarfeine Blitze entluden sich in der Luft.
Schließlich trieben sie Risse in die Felswände, lösten das Gestein.
Doch erst als die Lava über das Ufer zu treten begann, unterbrach Syrr'ael das Ritual.
Ausgezehrt, alle Kraft den destruktiven Energien gewidmet, verließen sie den Schauplatz dann endlich.

Die Nacht hatte ihr Heim gefordert, trieb sie an die Oberfläche.
Aber selbst jetzt fanden sie keine Ruhe. Stattdessen schloss sich unmittelbar die Suche nach einem neuen Unterschlupf an. Wieder unter der Erde, in Gängen, die vom Zerstörungswahn unbeschadet blieben, würden sie schlussendlich finden, wonach sie suchten.
Wenn Alatar ihnen weiterhin wohlgesonnen war...