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Ein neues Leben ... zwei neue Leben ...

Verfasst: Samstag 16. Februar 2008, 14:33
von Kadlin Bunjam
Eine Stunde nachdem Kadlin gegessen hatte, saß sie im Innenhof auf einem der Pfosten des Übungsplatzes. Wie sie da hinaufkam, wusste sie selbst nicht mehr. Seit sie Hochschwanger durch die Gegend lief, war sie nur noch träge, unbeweglich und müde. Andauernd war ihr schlecht und die beiden Welpen in ihrem Bauch versorgten sie mit Tritte, die ihr manchmal die Tränen in die Augen schießen ließen. Man konnte fast meinen sie würden um die Wette treten. „Wer hat als erstes die Rippe von Mah durchgetreten? Oder … Wer kann besser Trampolin auf Mahs Blase springen?“ Das alles fühlte sich so grauenvoll und doch wieder so wunderschön an. Schließlich waren die beiden ein kleines Wunderwerk, das schönste Geschenk, dass Kadlin je von den Ahnen geschickt bekam. Und sie hoffte so inständig, dass beide Welpen gesund das Licht der Welt erblicken.

Der Mond schien ihr ins Gesicht und in der Hand hielt sie ein bedeutungsloses Buch, während sie in den Himmel starrte und ihre Gedanken in ihrer neuen Welt kreisten. Ihre Hand wanderte, wie so oft in den letzten Monden, mit der flachen Hand, liebevoll über den dicken Bauch. „Wie lange lasst ihr beiden noch auf euch warten? Hmm? Langsam wird’s Zeit, ich kann nicht mehr!“ waren ihre Worte, beschwerlich und doch liebevoll mit erwartender Sehnsucht. Sie redete oft mit ihrem Bauch, manchmal kam sie sich schon richtig bescheuert vor. Schwangere sind einfach nicht ganz dicht, was ihr nun endgültig mit der eigenen Schwangerschaft bewiesen wurde. Zu den unmöglichsten Zeiten hatte man Hunger und das auch noch auf die unmöglichsten Sachen und kaum hatte man den Fraß gegessen, kam er sowie er reinkam auch wieder raus. Diese Übelkeit war unerträglich und Zwang sie so oft die Felle zu hüten. An Bogen schiessen bzw. an Jagden war gar nicht mehr zu denken. Leif kümmerte sich rührend um sie, allerdings fragte sie sich oft, wie er es machte, Essen zu beschaffen ohne die Küche zu betreten. Jedesmal wenn sie ihn aufscheuchte Essen zu holen, musste sie insgeheim schmunzeln, aber sie würde wohl nie erfahren, ob er die Küche selbst betreten hat oder ob er Systra, Runa oder wer immer auch gerade da war, aufgescheucht hat.

Dann war da noch die Frage der Namen für die Welpen …
Viele Namen schwirrten ihr im Kopf:
Swen, Úlfhvatr, Isgar, Brandolf, Hagen, Leonhard, Ragin oder ein kleiner Sarolf, der sie an die Geschichte des kleinen Wolfes erinnerte, die ihr ihr Dah immer erzählte … nur für den Fall, dass es kleine Kerle werden.
Dann waren aber noch die kleinen Weibchen, es könnte ja auch möglich sein …
Amalia, Elvira, Fara, Friederike, Ingrun, Irmina, Laila ... es gab so unendlich viele Namen und
die Namensauswahl war wirklich alles andere als leicht.
Und mit Leif konnte man sich auch nicht einig werden. Dieser elendige, sture Trollkopf! Was sie ihm alles an den Kopf werfen musste, als seine schrecklichen Namensvorschläge kamen. Aber einig wurden sie sich dennoch nicht. Aber es wurde Zeit, Evja und Jolinn hatten ihre Welpen bereits, so war es nur noch eine Frage der Zeit. Bald würden ihre eigenen auf der Welt sein und namenslos? Wie sah das denn aus … Sie musste jetzt zu Leif, egal ob er schlief oder nicht, der Name musste endlich geklärt werden!

So rutschte Kadlin entschlossen, dennoch langsam vom Pfosten herunter. Sie rückte ihr Kleid zurecht und wollte gerade in Richtung Halle gehen, als sie mit entsetzen feststellte, dass es um ihre Beine ganz naß wurde. Sie ließ einen panischen Schrei los, der wohl durch das ganze ganze Gelände hallte, wenn nicht sogar bis nach Grimwould selbst. Kadlin fuchtelte mit den Händen, wie wild versuchte sie, das herunterrinnende „Wasser“ aufzuhalten und wickelte ihren Rock um ihr Becken, so gut es ihr aufgrund des dicken Bauches überhaupt möglich war, während sie immer wieder lauthals durch den Hof rief:

„SYSTRAAAAA …. LEEEEIF!!!!!! KOMMT AUF DER STELLE HIERHER!!!!“

Es war ihr nicht möglich das Wasser zu stoppen, Kadlin wusste gar nicht, was ihr geschah.

„Sie konnte doch nicht? Nee, das war unmöglich … sie machte sich doch nicht in den Rock!!!“

Panisch, mit verzweifeltem Gesichtsausdruck und mit hochrotem Kopf stand sie da, wusste nicht was sie tun sollte. Kein Stück bewegte sie sich vom Fleck. Sie stand einfach nur da und sah an sich herab, wieder über den Hof, die Halle … bis die beiden gerufenen endlich auftauchten.

Kurz darauf begann ein heftiges Ziehen im Unterleib und Kadlin wusste, was ihr jetzt blühte.