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Ein schwarzer Tag im Namen Alatars

Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2008, 18:29
von Madeleine de Fouquet
Oh, er hatte gut begonnen, dieser Tag. Die klirrende Kälte wurde von dumpfer, moddriger Luft abgelöst, die sie in einer der unzähligen Gänge umfieng.
Früh in den Morgenstunden waren sie aufgebrochen, mit allem bepackt und gerüstet, was man für einen langen Tag brauchte, den man der Jagd widmen wollte.
Doch schon gegen Mittag kam alles anders. Mehrere Titanen machten ihr und Gerard schwer zu schaffen, und obgleich sie alle dieser Kreaturen bezwungen hatten, hieß es, den Heimweg anzutreffen.

Doch der nächst gelegene Ausgang, den sie fanden, mündete in eine Höhle in einer ihr völlig unbekannten Gegend.
Sei's drum, man würde eine Kutsche auftreiben und die ermüdeten Füße schonen.
Wenn... ja, wenn da nicht Madeleines Neugier gewesen wäre.
Ein Hügelgrab, nur wenige Schritte entfernt hatten ihr Interesse geweckt.
Nur kurz wollte sie sehen, ob es überhaupt zugänglich ist, während Gerard draußen warten wollte.

Ja - es war durchaus zugänglich.
Aber nicht unbedingt als leer zu bezeichnen. Nungut, es war genug. Unwillig musste Madeleine sich eingestehen, das die Blüte ihrer Jahre eben doch schon etwas überschritten war, und so blieb ihr nichts, als sich wieder dem Ausgang zuzuwenden.
Und nun galt es, sich zusammen zu reißen, sich nichts von dem Schrecken anmerken zu lassen, der sie durchfuhr.
Gerard stand umringt von zwei Wachhunden der Varunesen und einem ganzen Trupp berchgarder Wachen - ah, nun klärte sich auch, wo sie sich befanden - die nicht gerade die freundlichsten Gesichter trugen.
Nicht weiter verwunderlich beim Anblick einer Rahaler Gardeuniform, zugegeben.

Aber wie zum Henker kam man auf die Idee, sie könnte zu diesem Mann gehören?
Mit keiner Geste, keiner Aussage hatte sie Anlass zu einer solchen Vermutung gegeben.
Und nun wurde gar eine Ähnlichkeit festgestellt, sie als Schwester Gerards dargestellt.
Na, es müssen Geister der höheren Sphären gewesen sein, die diesen beiden Varunesen gewisse Namen einflüsterten, waren MAdeleines sarkastische Gedanken dazu.
Sie für ihren Teil sah, dass sie Gerard nicht behilflich sein konnte und machte sich auf den Weg zur Kutsche.

Weit gefehlt.
Wollte heute denn auch gar nichts gelingen?
Nicht weit kam sie jedenfalls. Und es erging der Befehl, nach Varuna mit zu kommen.
Nicht, dass Madeleine sich etwas zuschulden hatte kommen lassen, nein, es galt angeblich, lediglich ihre Zugehörigkeit zu klären.
Varuna war eine Stadt der Idiotie, und was wollte man mehr von deren Wachhunden erwarten.
Gut.
"Lasst und aufbrechen. Ich habe nicht ewig Zeit für Eure Scherze"
Einem Befehl gleichkommend, übernahm Madeleine das Kommando, und so blieb ihren beiden "Wächtern" nichts übrig, als ihr wohl oder übel hinterher zu trappen...
Alte Gewohnheit, es hatte eine jede Ratte nach ihrer Pfeife zu tanzen, daran gab es nun einmal nichts zu rütteln.

Und auch in Varuna sollte sich zeigen, dass obgleich sie objektiv in doch eher schwacher Position, Madeleine nichts von ihrem Stolz einbüßte.
Egal, welche Anweisung erging, es bereitete ihr nur zu große Freude, es stets so hinzudrehen, als habe sie eine Entscheidung übernommen oder einen Befehl gegeben.

Und nein - sogar der ehrenwerteste Graf persönlich tanzte an, um einen Richtspruch von sich zu geben.
Erst war Gerard an der Reihe... sie verharrte hinter Gittern, nach und nach ungehalten, doch als sie ihren Gatten einige Zeit später wieder zu Gesicht bekam, war sie beruhigt.
Stünde ihm etwas schlimmes bevor, hätte er es sie merken lassen.

Nun sie.
"Ich nehme an, es geht hier entlang?"
Und wieder war sie es, die erhobenen Hauptes voran schritt, sich nicht führen ließ wie eine Gefangene, sondern mit dem ihr eigenen Stolz die beiden Varunesen zu ihrer persönlichen Leibgarde degradierte.

Vor ihr der Graf... nunja, vermutlich auch nur einer, der auf sein Recht pochte, das ihm angeblich zustand, ohne, dass er jemals etwas dafür geleistet hatte.
Sei's drum. Ein Mann im Dienste des Königreiches, und... er tat ihr schon fast leid.. Oberster der Stadt Varuna.
Nein, schlimmer konnte einen das Schicksal kaum treffen.

Das 'Verhör' nun... ihr Name: Kadija. Wie stets. Der Name der ihr bei Morden und anderen Verbrechen stets gute Dienste geleistet hatte, wenn es darum ging, ihre Identität zu verschleiern.

Ihr Ansinnen: kein Bestimmtes, was ging es andere an, was sie in Wald und Wiesen trieb...

Nun wurde nicht einmal mehr gefragt, ob sie jenen Mann kenne.. na, auch das hätte sie nicht beantwortet... oder zumindest nicht wahrheitsgemäß.
Doch nun hatten die Herrschaften anscheinend genug von Madeleines arroganten und großspurigen Kommentaren, sie wurde zur Kutsche geleitet.
Fast!
Wenn sie dem Herrn Grafen nicht noch den großzügigen Rat erteilt hätte, er solle sich doch besser um seine Truppen kümmern, da diese in berchgard auf den Befehl eines einzelnen Varunesen allesamt ihren Posten verlassen hatten.
Eine interessante Schwachstelle im Übrigen, die es sich zu merken lohnte.

Nun war das Ziel nicht mehr Rahal, und noch weniger die nächstgelegene Kutschenstation, sondern das Kloster der lichten Hure... Na wunderbar!
Sie, Madeleine sollte unterrichtet werden, was es bedeutet, einem rechten Wege zu folgen.
Gut auch eine Madeleine de Fouquet lernt nie aus, und was ist schon nützlicher, als sich das Geschwafel der Feinde anzuhören, wenn man dadurch noch etwas mehr Einblick gewinnt...

Doch im Kloster angekommen, umgeben von abscheulichen Zeichen und temorageweihten Gegenständen bröckelte ihre Fassade allmählich.
Die Priesterin, so überzeugt von ihrem lichten Geschwätz, versuchte ihr weis zu machen, dass Licht und Liebe im Herzen Sinn machen würden.
Na, nur zu! In Madeleines Augen führte nur eines zum Ziel:
Alatars Herrschaft.
Und sie hatte die letzten 15 Jahre nichts anderes getan, als SEINE Herrschaft auszubauen, zu bekehren, zu morden und zu foltern, wo es nötig war.
Dies alles erzählte sie der Priesterin freimütig.
Jene hatte ihr zugesagt, dass ihr nichts geschehen würde, dass ihre Erzählungen vertraulich behandlet würden...

...nicht, dass Madeleine dies auch nur eine Sekunde lang geglaubt hatte, aber sie hatte keine Lust, sich das Gewäsch der Priesterin anzuhören, lieber erzählte sie, was Sache war.
Doch die augenscheinlich etwas zart besaitete Priesterin lies nach.. als die Sprache auf den Kindermord kam, den Madeleine nicht nur befohlen, sondern auch selbst ausgeführt hatte - was waren schon ein paar hundert Kinder von Ungläubigen wert, wenn es darum galt, einen Aufstand gegen den Glauben an Alatar nieder zu strecken - war es genug.

Und Madeleine wusste nur zu genau, was folgen mochte.
Die ehrenhaften Lichten brachen.
Sie bröckelten, wie eine verfallende Mauer.
Nicht lange dauerte es, bis sie in den Kerker der Streiter abgeführt wurde. Ein Folterkeller... nein, es ängstigte sie nicht.
Schon mehrere Foltern hatte sie über sich ergehen lassen müssen.

Und wer weiß... so sie überleben sollte, würde sie womöglich noch neue Methoden lernen.

Verfasst: Sonntag 17. Februar 2008, 09:51
von Madeleine de Fouquet
Wieder 'zu Hause' ...
Noch spät in der Nacht hatte sie sich zurück nach Rahal gekämpft und sich sogleich auf die Suche nach einem Heiler gemacht. Sie wollte sogleich ihre Wunde versorgen lassen um das Schandmal wenn möglich gänzlich verheilen zu lassen.
Auch wenn das wohl mehr als illusorisch war.... zur Not, das schwor sie sich in ihrer Wut, würde sie es heraus schneiden lassen.
Ungeachtet der noch größeren Narbe, die dadurch entstehen würde.

Der Folterkeller, ein wahrlich gemütlicher Ort, an dem das Verhör nun statt fand.
doch eine Überraschung... auch diesen Mann kannte sie schon, er war ihr erst vor wenigen Tagen an der Grenze zwischen Varuna und Rahal begegnet... sehr geschickt, so würden sich die Aussagen von damals mit ihren heutigen decken.
Fragen über Fragen...
Wieder von Neuem, immer wieder die gleichen Fragen...
Ihr Name: Kadija.
Ihr Beruf: keiner... Händlerin... Heimatlos Umhertreibende...
Ihr Wohort: mal hier, mal da...
Ihre Bekannten: ja.. gib es... nicht viele, einige Handwerker, wenige Gardisten
Namen: nein.. kennt si enicht, klar, die großen, namhaften Leute wie die N'yota oder so...


Name Kadija Beruf Händlerin Wohnort kein fester

Erneut prasselten die Fragen auf sie ein, doch stets gab sie die gleichen Antworten. Nein, um sie aus der Reserve zu locken, musste man sich anders anstellen.

Und ihr kam wieder und wieder zugute, dass sie shcon einmal diese Fragen auf gleiche Weise beantwortet hatte und erst recht, dass augenscheinlich keine Zeit war, um Rücksprache mit der Priesterin zu halten.

Dieser Gedanke war der einzige, der Madeleine wirklich beunruhigte, würde auch nur eine der Taten zur Sprache kommen, die sie da eingestanden, ja, gar vor sich hergetragen hatte, wie ein stolz im Winde wehendes Banner, bedeutete diese umgehend ihren Tod.
Selbst bei diesen lichtumstrahlten Möchtegernheiligen, die doch nichts anderes waren, als kranke, umnachtete Fanatiker...

Eine kurze Storung im Keller, und schon war ihr der Name des zweiten Mannes bestätigt worden. Sehr gut.
Silberhand
Sie hatte recht - es war der hohe Herr persönlich, der sich hier um sie kümmerte.

Nur kurze Zeit später stand das Urteil fest. Sie galt als unbelehrbar.
Ein Brandmal sollte ihre Strafe sein, zur Kennzeichnung.

Auch diese Kunde nahm Madeleine ruhig und gefasst zur Kenntnis.
Eine Hand wurde aus den Fesseln gelöst, sie mit dem gesicht zur Wad gewendet und sogleich wieder in die eiserne Schellen gelegt.
Hundsfott Vadebor machte sich am Brandeisen zu schaffen.
Ihre Fingerknöchel stachen scharf und weiß hervor, als sich ihre Fäuste um die Ketten krallten, sie die Zähne aufeinander biss, um den Schmerz zu empfangen.

Eine dichte Qualmwolke von stinkendem, verbranntem Fleisch umhüllte kurz ihr Gesicht, als das Eise sich kurz aber tief in ihren Hals brannte.
Und dieser stechende, tief in sie eindringende Schmerz ließ für diesen Augenblick die innere Spannung brechen.
Laut und gequält stöhnte sie auf, einem heiseren Aufschrei gleich.
Wütend fauchend, wie eine wilde Katze Silberhand anfunkelnd, zuckte sie mit dem Kopf zu ihm herum.

Was hatte sie von sich gegeben? Nun, da sie wieder bei Sinnen war, aus dem unheiligen Keller entkommen und der Schmerz nachgelassen hatte, wusste sie es nicht mehr.
Vermutlich ungezügelte Beschimpfungen oder Drohungen.

Soch als sie zur Grenze geleitet wurde, ließ sie es sich nicht nehmen, trotz aller Schande mit hocherhobenem Haupt davon zu stolzieren.
Einer Gräfin würdig, die von nun an alles in Bewegung setzten würde, um Rache zu üben.