Ein besonderes Stück Handarbeit
Verfasst: Dienstag 12. Februar 2008, 16:44
Mit einem leisen Klacken schloss der kleine, verletzbar wirkende Mann die Türen seiner Stube. Mit einem kleinen sorgsam mit Tuch umwickelten Päckchen unter dem Arm, liess er, wie immer, wenn er sein Haus betrat, den Blick zufrieden über den gemütlich eingerichteten Raum schweifen.
Mit einem leisen Schnurren strich Neli um seine Beine, um sich ihre tägliche Portion Streicheleinheit abzuholen.
"Nit jetz, Mensch."
Deutlich, aber nicht brutal, schob er die verschmuste Katze beiseite und trat nun vollends in den Raum, um zielstrebig auf seine Arbeitsecke zuzusteuern. Er umsteuerte den Färbebereich, der durch die vielen Benutzungen der einzelnen Pulver und Flüssigkeiten auf der Tischplatte bereits eine sehr abstruse, schillernde Erscheinung gewonnen hatte.Einmal umrundet, konnte er sich auf seinen wohl im ganzen Haus meistbenutzten Platz setzen - in die Schneiderecke.
Das Paket wurde auf den Tisch gelegt, und als wäre es aus Eiern, erlöste er Dieses mit seinen zarten Fingern von dem Tuch. Darunter präsentierte sich ein kleines, unscheinbares Kistchen. Ein leises Klicken begleitete das Öffnen ebenjener, und dem Betrachter, in diesem Falle also wohl dem so manchem etwas merkwürdig anmutenden Schneidersmanne, eröffnete sich der Anblick eines kleinen Seidenkissens, auf dem gebettet ein winziger Edelstein lag.
Er funkelte, je nach Lichteinstrahlung mal mehr, mal weniger vehement, jedoch stets in einem leichten, hellen schimmernden Blau.
Der Stein, ein bearbeiteter Diamant, glich seinem als Abbild bereits vorhandenden Vorgänger geradezu perfekt. Der Juwelier hatte ganze Arbeit geleistet.
Zufrieden mit dem Ergebnis schüttete Bearnaud sich ein Klas Kirschsaft ein und nahm die Schwertscheide, die bereits begonnen auf der Arbeitsbank lag, zur Hand.
Ein musternder Blick offenbarte ein Stück Schneiderskunst, welches den allgemein bei den hiesigen Nutzern zu Sehenden Schwertscheiden nur in seinem Nutzen glich:
Der Tragegurt war doppelt gefaltet, jedoch in seiner Breite nicht dem allgemeinen Standart entsprechend. Er war dünner, jedoch würde man ihn dennoch kaum an der Schulter, dem größten Druckbereich neben der Hüfte, spüren. Bearnaud hatte, nachdem die doppelte Lage des weich bearbeiteten Leders an beiden Kanten mit einem filigranen, wie eine verschlungene Pflanze wirkenden Muster vernäht wurde, im gesamten Tragebereich eine eigens dafür zusammengesponnene dünne Polsterfläche verwoben, welche dem Träger den nötigen Scheuerschutz geben sollte, ohne sichtbar zu sein.
Bearnaud zog es vor, den gesamten Gurtbereich der Schwertscheide ohne extra eingefügte Materialien zu ornamentieren. Zu diesem Zwecke, vor allem wohl, um neben der besonderen Charakterisierung des Stückes gesamt eine überproportional protzig erscheinende Wirkung zu vermeiden, beschränkte er sich darauf, auf sein Repertoire an Brandeisen zurückzugreifen.
Gerade das Brandieren von Leder erforderte ein genaues fachliches Wissen, eine perfekte zeitliche Einteilung und ruhige Hände. Die Gefahr bestand ansonsten, dass das Leder durchbrennen würde oder die gewünschte Farbe des Brandes zu stark oder zu schwach erschien. Bearnaud nahm sich viel Zeit für diese Aufgabe und beschränkte sich ob seiner Musterwahl vor allem auf dünne, feine Linien, welche er durch den gesamten Gurtbereich zog. Sie waren ineinander verschlungen und bildeten in sich ein verwobenes Muster, welches sich jeder Gleichmässigkeit entzog und dennoch in sich geschlossen wirkte. Genau auf Brusthöhe, dem Punkt des Gurtes, der im Allgemeinen als erstes vom Betrachter, ob bewusst oder unbewusst, blicklich erfasst wurde, jedoch liess er eine kleine Fläche frei, welche von dem Muster umwoben wurde.
Auf diese Fläche gehörte eine ganz besondere Darstellung, die alleine gereicht hätte, die Schwertscheide besonders zu personalisieren und zu individualisieren.
2 Tage hatte Bearnaud dafür gebraucht, immer wieder die feinen Brandeisen anzuheizen, die Zeit abzustimmen, um jene dann auf das Leder zu führen und die Linien zu ziehen, die jene Darstellung vervollständigen würden. Besonders der Kopfbereich und das Nachziehen der Muskelkonturen erforderten seine ganze Handwerksfähigkeit. Die Darstellung sollte in sich so genau und detailreich wie möglich sein, um den Ansprüchen des Auftraggebers gerecht zu werden. Zuletzt noch wurden die Hufflächen ausgebrannt, um einen Kontrast zu den Konturen des Tieres zu bilden.
Gerne erinnerte sich der Schneider an diese 2 Tage, wagte er sich in jenen doch an dieses Meisterstück schneiderischer Darstellung, auf welcher sogar die kleinen Brauenhaare, der Glanz der Nasenlöcher und die verschiedenen Tonnuancen in den Augen des Tieres zu erkennen waren. Er konnte stolz auf sich sein, erreichte er damit wohl ein Niveau seiner Arbeit, welches er getrost als einmalig und besonders bezeichnen konnte.
In der Tat - dieses Tier, umwoben vom filigranen Bändermuster, allein würde die Blicke auf sich ziehen.
Nun, an diesem Tag, würde er sich den Scheidebereich vornehmen. Nicht ohne Grund hatte er den Juwelier zur Eile angeregt. Gerade diesen Auftraggeber sollte man besser nicht warten lassen, insbesondere mit dem Hintergrund der Aussicht, die ihm dieser gestellt hatte...
Bevor er die Scheide an beiden Seiten geschlossen vernäht hatte, würde auch hier der Innenbereich gefuttert, um die Klinge zu schonen. Die verstärkten Aussenbänder wurden doppelt belagert, um die Haltbarkeit der Scheide auf ein Maximum zu erhöhen.
Bearnaud hatte an beiden Seiten ein gleichmässiges Karomuster verwendet, eine Nähtechnik, die zugleich Festigkeit und Belastbarkeit mit einem nicht zu verachtenden optischen Wert verband.
Jenes Karomuster eignete sich indes auch ganz hervorragend dafür, die vom Auftraggeber erhaltenen feinen Smaragde angemessen einzuarbeiten. Auch hier zählte Genauigkeit und vor allem eine sorgfältige Verarbeitung, sollte die Schwertscheide nicht nur gut aussehen, sondern auch von Nutzen sein, denn was half die tollste Scheidenumrandung, wenn bei jeder Berührung nach und nach alle Steine abfielen?
Jeder der Steine war vom Juwelier im unteren Bereich bebohrt worden. So begann Bearnaud nun damit, einzeln Stein für Stein mit einer feinen Pinzette aus dem Beutel zu nehmen, um den dünnen, aber gerade ob der Lederbeschaffenheit und Aufgabe sehr starken Faden durch die Öse des Steines zu ziehen. Danach plazierte er jeden dieser Steine genau in der Mitte des jeweiligen Karos, um die Stichlöcher mit der Nadel zu setzen. Anschliessend zog er jenen Faden jeweils durch jene Stichlöcher, nur um auf der anderen Seite der Scheide einen weiteren Stein an den Faden zu führen. Es war sehr filigrane Arbeit, die seinen feingliedrigen Fingern abverlangt wurde, als er nun Steinpaar für Steinpaar am Rande der Scheide entlang vernähen musste.
Wie sich gezeigt hatte, kam die Anzahl der Steine, die sein Auftraggeber ihm an jenem so bedeutsamen Tage vor nunmehr 2 Wochen gegeben hatte, genau aus, um seinen Plänen zu entsprechen, abgesehen von jenem einen Diamanten.
So konnte er aus den Steinen, die nach der Umrandung der Scheide übriggbleiben würden, vom Juwelier ein Steinband fertigen lassen. Die Smaragde wurden zu diesem Zweck auf einen haardünnen Draht gespannt, der zwar stabil, aber gut verformbar war. Der Draht indes war nachher nicht mehr zu sehen.
Nun galt es, die geeignete Stelle für die Verwendung dieses Bandes zu finden.
"Mhmmm... doch eher direcht unter den Parierstangn, oder solltick det eher weeter inne Mitte ansetzn?"
Letztendlich entschied Bearnaud sich dafür, im Oberen Drittel der Scheide anzusetzen. Wieder kam es auf detailgenaue und millimetergenaue Arbeit an. Eigens zu diesem Zweck nutze er seine Stofftube, in welcher sich ein zuvor angemsichter Kleber befand. Die Düse war die Feinste, die sich in seinem Besitz befand, schliesslich sollte man den Kleber nach Vollendung der Arbeit nicht sehen.
Wie zuvor an Gurt, zog er die Konturen des vom Auftraggeber bestimmten Tieres nach. Gleichmässig führte er die Tube über das Leder, leichten Druck ausübend, um die angemessene Menge Kleber auf das Leder zu bringen. Waren die Konturen gezogen, galt es, keine Zeit zu verschwenden. War der Kleber einmal getrocknet, könnte einem womöglich der Himmel auf den Kopf fallen, und dennoch würde sich das befestigte Material dortdran nicht lösen.
Schnell griff Bearnaud nach dem Steinband, um es sorgfältig entlang der mit dem Kleber gezogenen Kontur festzudrücken.
Alles war zu seiner Zufriedenheit. Was nun kam, waren die letzten Züge, um das Werk perfekt zu machen: Die beiden Diamanten, der eigens bestellte sowie der vom Auftraggeber, würde die Augen des Tieres darstellen, und genau so positionierte Bearnaud sie mit 2 Tupfern Kleber auch. Die Augen, stellte er fest, kontrastierten Ideal in ihrem Blauen Schimmer mit der grünen Umrandung des Smaragdbbandes.
Auch hier musste jedoch Muskelkonturen, Hufe und Nase alternativ dargestellt werden. Griffbereit lag die Spule feinen Golddrahtes, den er sodann ein einzelne, verschieden lange Abschnitte zerteilte und mit einer kleinen, eher bei Feinschmieden wohl zu findenden Schmuckzange in Form brachte. So bekamen Hufe, Nase und Muskelkonturen Gestalt. Mit einer Hakennadel und nur bei nahem Hinsehen bemerkbarem Befestigungsfaden wurden jene Einzelstücke dann in die Tiergestalt eingearbeitet.
***
Der Kirschsaft war leer, als Bearnaud die fast fertige Schwertscheide nun hochhob und genauestens studierte. Womöglich waren Fehler in der Verarbeitung auszubessern, oder das Erscheinungsbild wurde durch einen non-linearen Part gestört....
"Na bei alln Göttern, wenn det man nit ne ordntliche Sache is!"
Bearnaud legte die Schwertscheide wieder auf die Arbeitsbank und griff nach dem Glas. Es war natürlich immernoch leer. MIt einem leisen In-den-Bart-Gegrummel stellte er es wieder ab und griff nach der Messingschnalle. Nachdem er jene über den noch geöffneten Gurt zog und mit starkem Faden fest vernähte, wurde auch der Gurt geschlossen, um die Festigkeit zu prüfen.
Das polierte Messing blitze unter dem flackernden Schein des Feuers, denn mittlerweile war es Spätabend geworden.
In der Tat - dieses besondere Stück Handwerksarbeit konnte sich sehen lassen. Und besonders die beiden springenden Hirsche.. der gebrannte auf dem Gurt, der stilisierte auf der Scheide, hatten es ihm angetan. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Auftraggeber damit nicht zufrieden sein würde.
Er würde dieses Stück morgen zum Schloß bringen. Jetzt aber widmete er sich ersteinmal seiner Katze, deren Forderung nach Streicheleinheit das Maß überstieg, welches Ignoranz noch möglich machte...
Mit einem leisen Schnurren strich Neli um seine Beine, um sich ihre tägliche Portion Streicheleinheit abzuholen.
"Nit jetz, Mensch."
Deutlich, aber nicht brutal, schob er die verschmuste Katze beiseite und trat nun vollends in den Raum, um zielstrebig auf seine Arbeitsecke zuzusteuern. Er umsteuerte den Färbebereich, der durch die vielen Benutzungen der einzelnen Pulver und Flüssigkeiten auf der Tischplatte bereits eine sehr abstruse, schillernde Erscheinung gewonnen hatte.Einmal umrundet, konnte er sich auf seinen wohl im ganzen Haus meistbenutzten Platz setzen - in die Schneiderecke.
Das Paket wurde auf den Tisch gelegt, und als wäre es aus Eiern, erlöste er Dieses mit seinen zarten Fingern von dem Tuch. Darunter präsentierte sich ein kleines, unscheinbares Kistchen. Ein leises Klicken begleitete das Öffnen ebenjener, und dem Betrachter, in diesem Falle also wohl dem so manchem etwas merkwürdig anmutenden Schneidersmanne, eröffnete sich der Anblick eines kleinen Seidenkissens, auf dem gebettet ein winziger Edelstein lag.
Er funkelte, je nach Lichteinstrahlung mal mehr, mal weniger vehement, jedoch stets in einem leichten, hellen schimmernden Blau.
Der Stein, ein bearbeiteter Diamant, glich seinem als Abbild bereits vorhandenden Vorgänger geradezu perfekt. Der Juwelier hatte ganze Arbeit geleistet.
Zufrieden mit dem Ergebnis schüttete Bearnaud sich ein Klas Kirschsaft ein und nahm die Schwertscheide, die bereits begonnen auf der Arbeitsbank lag, zur Hand.
Ein musternder Blick offenbarte ein Stück Schneiderskunst, welches den allgemein bei den hiesigen Nutzern zu Sehenden Schwertscheiden nur in seinem Nutzen glich:
Der Tragegurt war doppelt gefaltet, jedoch in seiner Breite nicht dem allgemeinen Standart entsprechend. Er war dünner, jedoch würde man ihn dennoch kaum an der Schulter, dem größten Druckbereich neben der Hüfte, spüren. Bearnaud hatte, nachdem die doppelte Lage des weich bearbeiteten Leders an beiden Kanten mit einem filigranen, wie eine verschlungene Pflanze wirkenden Muster vernäht wurde, im gesamten Tragebereich eine eigens dafür zusammengesponnene dünne Polsterfläche verwoben, welche dem Träger den nötigen Scheuerschutz geben sollte, ohne sichtbar zu sein.
Bearnaud zog es vor, den gesamten Gurtbereich der Schwertscheide ohne extra eingefügte Materialien zu ornamentieren. Zu diesem Zwecke, vor allem wohl, um neben der besonderen Charakterisierung des Stückes gesamt eine überproportional protzig erscheinende Wirkung zu vermeiden, beschränkte er sich darauf, auf sein Repertoire an Brandeisen zurückzugreifen.
Gerade das Brandieren von Leder erforderte ein genaues fachliches Wissen, eine perfekte zeitliche Einteilung und ruhige Hände. Die Gefahr bestand ansonsten, dass das Leder durchbrennen würde oder die gewünschte Farbe des Brandes zu stark oder zu schwach erschien. Bearnaud nahm sich viel Zeit für diese Aufgabe und beschränkte sich ob seiner Musterwahl vor allem auf dünne, feine Linien, welche er durch den gesamten Gurtbereich zog. Sie waren ineinander verschlungen und bildeten in sich ein verwobenes Muster, welches sich jeder Gleichmässigkeit entzog und dennoch in sich geschlossen wirkte. Genau auf Brusthöhe, dem Punkt des Gurtes, der im Allgemeinen als erstes vom Betrachter, ob bewusst oder unbewusst, blicklich erfasst wurde, jedoch liess er eine kleine Fläche frei, welche von dem Muster umwoben wurde.
Auf diese Fläche gehörte eine ganz besondere Darstellung, die alleine gereicht hätte, die Schwertscheide besonders zu personalisieren und zu individualisieren.
2 Tage hatte Bearnaud dafür gebraucht, immer wieder die feinen Brandeisen anzuheizen, die Zeit abzustimmen, um jene dann auf das Leder zu führen und die Linien zu ziehen, die jene Darstellung vervollständigen würden. Besonders der Kopfbereich und das Nachziehen der Muskelkonturen erforderten seine ganze Handwerksfähigkeit. Die Darstellung sollte in sich so genau und detailreich wie möglich sein, um den Ansprüchen des Auftraggebers gerecht zu werden. Zuletzt noch wurden die Hufflächen ausgebrannt, um einen Kontrast zu den Konturen des Tieres zu bilden.
Gerne erinnerte sich der Schneider an diese 2 Tage, wagte er sich in jenen doch an dieses Meisterstück schneiderischer Darstellung, auf welcher sogar die kleinen Brauenhaare, der Glanz der Nasenlöcher und die verschiedenen Tonnuancen in den Augen des Tieres zu erkennen waren. Er konnte stolz auf sich sein, erreichte er damit wohl ein Niveau seiner Arbeit, welches er getrost als einmalig und besonders bezeichnen konnte.
In der Tat - dieses Tier, umwoben vom filigranen Bändermuster, allein würde die Blicke auf sich ziehen.
Nun, an diesem Tag, würde er sich den Scheidebereich vornehmen. Nicht ohne Grund hatte er den Juwelier zur Eile angeregt. Gerade diesen Auftraggeber sollte man besser nicht warten lassen, insbesondere mit dem Hintergrund der Aussicht, die ihm dieser gestellt hatte...
Bevor er die Scheide an beiden Seiten geschlossen vernäht hatte, würde auch hier der Innenbereich gefuttert, um die Klinge zu schonen. Die verstärkten Aussenbänder wurden doppelt belagert, um die Haltbarkeit der Scheide auf ein Maximum zu erhöhen.
Bearnaud hatte an beiden Seiten ein gleichmässiges Karomuster verwendet, eine Nähtechnik, die zugleich Festigkeit und Belastbarkeit mit einem nicht zu verachtenden optischen Wert verband.
Jenes Karomuster eignete sich indes auch ganz hervorragend dafür, die vom Auftraggeber erhaltenen feinen Smaragde angemessen einzuarbeiten. Auch hier zählte Genauigkeit und vor allem eine sorgfältige Verarbeitung, sollte die Schwertscheide nicht nur gut aussehen, sondern auch von Nutzen sein, denn was half die tollste Scheidenumrandung, wenn bei jeder Berührung nach und nach alle Steine abfielen?
Jeder der Steine war vom Juwelier im unteren Bereich bebohrt worden. So begann Bearnaud nun damit, einzeln Stein für Stein mit einer feinen Pinzette aus dem Beutel zu nehmen, um den dünnen, aber gerade ob der Lederbeschaffenheit und Aufgabe sehr starken Faden durch die Öse des Steines zu ziehen. Danach plazierte er jeden dieser Steine genau in der Mitte des jeweiligen Karos, um die Stichlöcher mit der Nadel zu setzen. Anschliessend zog er jenen Faden jeweils durch jene Stichlöcher, nur um auf der anderen Seite der Scheide einen weiteren Stein an den Faden zu führen. Es war sehr filigrane Arbeit, die seinen feingliedrigen Fingern abverlangt wurde, als er nun Steinpaar für Steinpaar am Rande der Scheide entlang vernähen musste.
Wie sich gezeigt hatte, kam die Anzahl der Steine, die sein Auftraggeber ihm an jenem so bedeutsamen Tage vor nunmehr 2 Wochen gegeben hatte, genau aus, um seinen Plänen zu entsprechen, abgesehen von jenem einen Diamanten.
So konnte er aus den Steinen, die nach der Umrandung der Scheide übriggbleiben würden, vom Juwelier ein Steinband fertigen lassen. Die Smaragde wurden zu diesem Zweck auf einen haardünnen Draht gespannt, der zwar stabil, aber gut verformbar war. Der Draht indes war nachher nicht mehr zu sehen.
Nun galt es, die geeignete Stelle für die Verwendung dieses Bandes zu finden.
"Mhmmm... doch eher direcht unter den Parierstangn, oder solltick det eher weeter inne Mitte ansetzn?"
Letztendlich entschied Bearnaud sich dafür, im Oberen Drittel der Scheide anzusetzen. Wieder kam es auf detailgenaue und millimetergenaue Arbeit an. Eigens zu diesem Zweck nutze er seine Stofftube, in welcher sich ein zuvor angemsichter Kleber befand. Die Düse war die Feinste, die sich in seinem Besitz befand, schliesslich sollte man den Kleber nach Vollendung der Arbeit nicht sehen.
Wie zuvor an Gurt, zog er die Konturen des vom Auftraggeber bestimmten Tieres nach. Gleichmässig führte er die Tube über das Leder, leichten Druck ausübend, um die angemessene Menge Kleber auf das Leder zu bringen. Waren die Konturen gezogen, galt es, keine Zeit zu verschwenden. War der Kleber einmal getrocknet, könnte einem womöglich der Himmel auf den Kopf fallen, und dennoch würde sich das befestigte Material dortdran nicht lösen.
Schnell griff Bearnaud nach dem Steinband, um es sorgfältig entlang der mit dem Kleber gezogenen Kontur festzudrücken.
Alles war zu seiner Zufriedenheit. Was nun kam, waren die letzten Züge, um das Werk perfekt zu machen: Die beiden Diamanten, der eigens bestellte sowie der vom Auftraggeber, würde die Augen des Tieres darstellen, und genau so positionierte Bearnaud sie mit 2 Tupfern Kleber auch. Die Augen, stellte er fest, kontrastierten Ideal in ihrem Blauen Schimmer mit der grünen Umrandung des Smaragdbbandes.
Auch hier musste jedoch Muskelkonturen, Hufe und Nase alternativ dargestellt werden. Griffbereit lag die Spule feinen Golddrahtes, den er sodann ein einzelne, verschieden lange Abschnitte zerteilte und mit einer kleinen, eher bei Feinschmieden wohl zu findenden Schmuckzange in Form brachte. So bekamen Hufe, Nase und Muskelkonturen Gestalt. Mit einer Hakennadel und nur bei nahem Hinsehen bemerkbarem Befestigungsfaden wurden jene Einzelstücke dann in die Tiergestalt eingearbeitet.
***
Der Kirschsaft war leer, als Bearnaud die fast fertige Schwertscheide nun hochhob und genauestens studierte. Womöglich waren Fehler in der Verarbeitung auszubessern, oder das Erscheinungsbild wurde durch einen non-linearen Part gestört....
"Na bei alln Göttern, wenn det man nit ne ordntliche Sache is!"
Bearnaud legte die Schwertscheide wieder auf die Arbeitsbank und griff nach dem Glas. Es war natürlich immernoch leer. MIt einem leisen In-den-Bart-Gegrummel stellte er es wieder ab und griff nach der Messingschnalle. Nachdem er jene über den noch geöffneten Gurt zog und mit starkem Faden fest vernähte, wurde auch der Gurt geschlossen, um die Festigkeit zu prüfen.
Das polierte Messing blitze unter dem flackernden Schein des Feuers, denn mittlerweile war es Spätabend geworden.
In der Tat - dieses besondere Stück Handwerksarbeit konnte sich sehen lassen. Und besonders die beiden springenden Hirsche.. der gebrannte auf dem Gurt, der stilisierte auf der Scheide, hatten es ihm angetan. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Auftraggeber damit nicht zufrieden sein würde.
Er würde dieses Stück morgen zum Schloß bringen. Jetzt aber widmete er sich ersteinmal seiner Katze, deren Forderung nach Streicheleinheit das Maß überstieg, welches Ignoranz noch möglich machte...