Seite 1 von 1

Ein besonderes Stück Handarbeit

Verfasst: Dienstag 12. Februar 2008, 16:44
von Bearnaud Samtschneider
Mit einem leisen Klacken schloss der kleine, verletzbar wirkende Mann die Türen seiner Stube. Mit einem kleinen sorgsam mit Tuch umwickelten Päckchen unter dem Arm, liess er, wie immer, wenn er sein Haus betrat, den Blick zufrieden über den gemütlich eingerichteten Raum schweifen.
Mit einem leisen Schnurren strich Neli um seine Beine, um sich ihre tägliche Portion Streicheleinheit abzuholen.
"Nit jetz, Mensch."
Deutlich, aber nicht brutal, schob er die verschmuste Katze beiseite und trat nun vollends in den Raum, um zielstrebig auf seine Arbeitsecke zuzusteuern. Er umsteuerte den Färbebereich, der durch die vielen Benutzungen der einzelnen Pulver und Flüssigkeiten auf der Tischplatte bereits eine sehr abstruse, schillernde Erscheinung gewonnen hatte.Einmal umrundet, konnte er sich auf seinen wohl im ganzen Haus meistbenutzten Platz setzen - in die Schneiderecke.
Das Paket wurde auf den Tisch gelegt, und als wäre es aus Eiern, erlöste er Dieses mit seinen zarten Fingern von dem Tuch. Darunter präsentierte sich ein kleines, unscheinbares Kistchen. Ein leises Klicken begleitete das Öffnen ebenjener, und dem Betrachter, in diesem Falle also wohl dem so manchem etwas merkwürdig anmutenden Schneidersmanne, eröffnete sich der Anblick eines kleinen Seidenkissens, auf dem gebettet ein winziger Edelstein lag.
Er funkelte, je nach Lichteinstrahlung mal mehr, mal weniger vehement, jedoch stets in einem leichten, hellen schimmernden Blau.
Der Stein, ein bearbeiteter Diamant, glich seinem als Abbild bereits vorhandenden Vorgänger geradezu perfekt. Der Juwelier hatte ganze Arbeit geleistet.

Zufrieden mit dem Ergebnis schüttete Bearnaud sich ein Klas Kirschsaft ein und nahm die Schwertscheide, die bereits begonnen auf der Arbeitsbank lag, zur Hand.
Ein musternder Blick offenbarte ein Stück Schneiderskunst, welches den allgemein bei den hiesigen Nutzern zu Sehenden Schwertscheiden nur in seinem Nutzen glich:
Der Tragegurt war doppelt gefaltet, jedoch in seiner Breite nicht dem allgemeinen Standart entsprechend. Er war dünner, jedoch würde man ihn dennoch kaum an der Schulter, dem größten Druckbereich neben der Hüfte, spüren. Bearnaud hatte, nachdem die doppelte Lage des weich bearbeiteten Leders an beiden Kanten mit einem filigranen, wie eine verschlungene Pflanze wirkenden Muster vernäht wurde, im gesamten Tragebereich eine eigens dafür zusammengesponnene dünne Polsterfläche verwoben, welche dem Träger den nötigen Scheuerschutz geben sollte, ohne sichtbar zu sein.
Bearnaud zog es vor, den gesamten Gurtbereich der Schwertscheide ohne extra eingefügte Materialien zu ornamentieren. Zu diesem Zwecke, vor allem wohl, um neben der besonderen Charakterisierung des Stückes gesamt eine überproportional protzig erscheinende Wirkung zu vermeiden, beschränkte er sich darauf, auf sein Repertoire an Brandeisen zurückzugreifen.
Gerade das Brandieren von Leder erforderte ein genaues fachliches Wissen, eine perfekte zeitliche Einteilung und ruhige Hände. Die Gefahr bestand ansonsten, dass das Leder durchbrennen würde oder die gewünschte Farbe des Brandes zu stark oder zu schwach erschien. Bearnaud nahm sich viel Zeit für diese Aufgabe und beschränkte sich ob seiner Musterwahl vor allem auf dünne, feine Linien, welche er durch den gesamten Gurtbereich zog. Sie waren ineinander verschlungen und bildeten in sich ein verwobenes Muster, welches sich jeder Gleichmässigkeit entzog und dennoch in sich geschlossen wirkte. Genau auf Brusthöhe, dem Punkt des Gurtes, der im Allgemeinen als erstes vom Betrachter, ob bewusst oder unbewusst, blicklich erfasst wurde, jedoch liess er eine kleine Fläche frei, welche von dem Muster umwoben wurde.

Auf diese Fläche gehörte eine ganz besondere Darstellung, die alleine gereicht hätte, die Schwertscheide besonders zu personalisieren und zu individualisieren.
2 Tage hatte Bearnaud dafür gebraucht, immer wieder die feinen Brandeisen anzuheizen, die Zeit abzustimmen, um jene dann auf das Leder zu führen und die Linien zu ziehen, die jene Darstellung vervollständigen würden. Besonders der Kopfbereich und das Nachziehen der Muskelkonturen erforderten seine ganze Handwerksfähigkeit. Die Darstellung sollte in sich so genau und detailreich wie möglich sein, um den Ansprüchen des Auftraggebers gerecht zu werden. Zuletzt noch wurden die Hufflächen ausgebrannt, um einen Kontrast zu den Konturen des Tieres zu bilden.
Gerne erinnerte sich der Schneider an diese 2 Tage, wagte er sich in jenen doch an dieses Meisterstück schneiderischer Darstellung, auf welcher sogar die kleinen Brauenhaare, der Glanz der Nasenlöcher und die verschiedenen Tonnuancen in den Augen des Tieres zu erkennen waren. Er konnte stolz auf sich sein, erreichte er damit wohl ein Niveau seiner Arbeit, welches er getrost als einmalig und besonders bezeichnen konnte.

In der Tat - dieses Tier, umwoben vom filigranen Bändermuster, allein würde die Blicke auf sich ziehen.

Nun, an diesem Tag, würde er sich den Scheidebereich vornehmen. Nicht ohne Grund hatte er den Juwelier zur Eile angeregt. Gerade diesen Auftraggeber sollte man besser nicht warten lassen, insbesondere mit dem Hintergrund der Aussicht, die ihm dieser gestellt hatte...
Bevor er die Scheide an beiden Seiten geschlossen vernäht hatte, würde auch hier der Innenbereich gefuttert, um die Klinge zu schonen. Die verstärkten Aussenbänder wurden doppelt belagert, um die Haltbarkeit der Scheide auf ein Maximum zu erhöhen.
Bearnaud hatte an beiden Seiten ein gleichmässiges Karomuster verwendet, eine Nähtechnik, die zugleich Festigkeit und Belastbarkeit mit einem nicht zu verachtenden optischen Wert verband.
Jenes Karomuster eignete sich indes auch ganz hervorragend dafür, die vom Auftraggeber erhaltenen feinen Smaragde angemessen einzuarbeiten. Auch hier zählte Genauigkeit und vor allem eine sorgfältige Verarbeitung, sollte die Schwertscheide nicht nur gut aussehen, sondern auch von Nutzen sein, denn was half die tollste Scheidenumrandung, wenn bei jeder Berührung nach und nach alle Steine abfielen?
Jeder der Steine war vom Juwelier im unteren Bereich bebohrt worden. So begann Bearnaud nun damit, einzeln Stein für Stein mit einer feinen Pinzette aus dem Beutel zu nehmen, um den dünnen, aber gerade ob der Lederbeschaffenheit und Aufgabe sehr starken Faden durch die Öse des Steines zu ziehen. Danach plazierte er jeden dieser Steine genau in der Mitte des jeweiligen Karos, um die Stichlöcher mit der Nadel zu setzen. Anschliessend zog er jenen Faden jeweils durch jene Stichlöcher, nur um auf der anderen Seite der Scheide einen weiteren Stein an den Faden zu führen. Es war sehr filigrane Arbeit, die seinen feingliedrigen Fingern abverlangt wurde, als er nun Steinpaar für Steinpaar am Rande der Scheide entlang vernähen musste.
Wie sich gezeigt hatte, kam die Anzahl der Steine, die sein Auftraggeber ihm an jenem so bedeutsamen Tage vor nunmehr 2 Wochen gegeben hatte, genau aus, um seinen Plänen zu entsprechen, abgesehen von jenem einen Diamanten.
So konnte er aus den Steinen, die nach der Umrandung der Scheide übriggbleiben würden, vom Juwelier ein Steinband fertigen lassen. Die Smaragde wurden zu diesem Zweck auf einen haardünnen Draht gespannt, der zwar stabil, aber gut verformbar war. Der Draht indes war nachher nicht mehr zu sehen.

Nun galt es, die geeignete Stelle für die Verwendung dieses Bandes zu finden.
"Mhmmm... doch eher direcht unter den Parierstangn, oder solltick det eher weeter inne Mitte ansetzn?"
Letztendlich entschied Bearnaud sich dafür, im Oberen Drittel der Scheide anzusetzen. Wieder kam es auf detailgenaue und millimetergenaue Arbeit an. Eigens zu diesem Zweck nutze er seine Stofftube, in welcher sich ein zuvor angemsichter Kleber befand. Die Düse war die Feinste, die sich in seinem Besitz befand, schliesslich sollte man den Kleber nach Vollendung der Arbeit nicht sehen.
Wie zuvor an Gurt, zog er die Konturen des vom Auftraggeber bestimmten Tieres nach. Gleichmässig führte er die Tube über das Leder, leichten Druck ausübend, um die angemessene Menge Kleber auf das Leder zu bringen. Waren die Konturen gezogen, galt es, keine Zeit zu verschwenden. War der Kleber einmal getrocknet, könnte einem womöglich der Himmel auf den Kopf fallen, und dennoch würde sich das befestigte Material dortdran nicht lösen.
Schnell griff Bearnaud nach dem Steinband, um es sorgfältig entlang der mit dem Kleber gezogenen Kontur festzudrücken.
Alles war zu seiner Zufriedenheit. Was nun kam, waren die letzten Züge, um das Werk perfekt zu machen: Die beiden Diamanten, der eigens bestellte sowie der vom Auftraggeber, würde die Augen des Tieres darstellen, und genau so positionierte Bearnaud sie mit 2 Tupfern Kleber auch. Die Augen, stellte er fest, kontrastierten Ideal in ihrem Blauen Schimmer mit der grünen Umrandung des Smaragdbbandes.
Auch hier musste jedoch Muskelkonturen, Hufe und Nase alternativ dargestellt werden. Griffbereit lag die Spule feinen Golddrahtes, den er sodann ein einzelne, verschieden lange Abschnitte zerteilte und mit einer kleinen, eher bei Feinschmieden wohl zu findenden Schmuckzange in Form brachte. So bekamen Hufe, Nase und Muskelkonturen Gestalt. Mit einer Hakennadel und nur bei nahem Hinsehen bemerkbarem Befestigungsfaden wurden jene Einzelstücke dann in die Tiergestalt eingearbeitet.


***


Der Kirschsaft war leer, als Bearnaud die fast fertige Schwertscheide nun hochhob und genauestens studierte. Womöglich waren Fehler in der Verarbeitung auszubessern, oder das Erscheinungsbild wurde durch einen non-linearen Part gestört....
"Na bei alln Göttern, wenn det man nit ne ordntliche Sache is!"
Bearnaud legte die Schwertscheide wieder auf die Arbeitsbank und griff nach dem Glas. Es war natürlich immernoch leer. MIt einem leisen In-den-Bart-Gegrummel stellte er es wieder ab und griff nach der Messingschnalle. Nachdem er jene über den noch geöffneten Gurt zog und mit starkem Faden fest vernähte, wurde auch der Gurt geschlossen, um die Festigkeit zu prüfen.
Das polierte Messing blitze unter dem flackernden Schein des Feuers, denn mittlerweile war es Spätabend geworden.
In der Tat - dieses besondere Stück Handwerksarbeit konnte sich sehen lassen. Und besonders die beiden springenden Hirsche.. der gebrannte auf dem Gurt, der stilisierte auf der Scheide, hatten es ihm angetan. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Auftraggeber damit nicht zufrieden sein würde.




Er würde dieses Stück morgen zum Schloß bringen. Jetzt aber widmete er sich ersteinmal seiner Katze, deren Forderung nach Streicheleinheit das Maß überstieg, welches Ignoranz noch möglich machte...

Verfasst: Samstag 16. Februar 2008, 14:03
von Adrian von Hohenfels
Neugier, ja dieses Wort beschrieb es wohl. Ebenso Vorfreude und Interesse auf das Werk, welches er ausreichend beschrieben hatte, dem Schneider eine ungefähre Vorstellung zu geben, was er in Auftrag gab, doch vage genug, des Schneiders eigene Vorstellungen und Ideen einfliessen zu lassen. Nun, da der Mann vor ihn geführt wurde, mit dem hergestellten Objekt, war er sehr interessiert, welch Ergebnis dessen Werk erbracht hatte.

Mit Erstaunen über die mehr als offensichtlichen Fingerfertigkeiten, hatte er den Schwertgurt schliesslich gründlich betrachtet. Eleganz, filigranes Schneiderhandwerk, gepaart mit wahrem Einfallsreichtum. Der Gurt würde seiner Trägerin gewiss mehr als gerecht werden. Seine Vorfreude mehrte sich nun auf ihr Gesicht, sollte er ihr diese Scheide sodann präsentieren. Sein Dank an Herrn Samtschneider, zeigte seine Begeisterung über dessen Arbeit deutlich auf. Er hatte sich den Titel Schneider des Hofes deutlich verdient mit seinem Werke.

Den Meister seiner Zunft für den Augenblick ausbezahlend und umschwenglich unter weiterem Dank verabschiedend, kreisten seine Gedanken bereits um das "Wo und Wie" der Übergabe dieses Prunkstückes handwerklicher Arbeit. Am Haus abgeben, wie so manches seiner Gaben vorher? Nein! Dieses wollte er persönlich übergeben. Ihr Gesicht studieren, besehen, ob es ihr gefiel. Möglicherweise gar ihre Freude darin geniessen. Es ihr persönlich umlegen, sie zu überraschen. Ja, das war durchaus passender. Blieb die Wahl des Ortes zu führen. Daheim? Nein, zu viele Augen, er wollte ihren Blick allein geniessen. Unter dem Baum? Nein, nicht eben wirklich ein Ort der unbekannt genug war, dass sie dort ungestört wären. Das Arbeitszimmer, das gesamte Schloss, ohnehin kaum in Betracht zu ziehen.

Seine Gedanken kreisten und blieben schließlich bei den Schreinen hängen. Sie besucht hatte er in der Vergangenheit bereits, es mochte Zeit verstrichen sein, doch er entsann sich der Orte. Betrachtete einen jeden vor seinem inneren Auge. "Mitgefühl" - der Schrein lag fernab in grünenden Wäldern, nahe des Elfengebirges. Ein abgelegener Ort, man durfte gewiss vermuten, dass sie dort ungestört sein würden. Zudem die edel gearbeitete Bodenplatte, das Symbol des Herzens tragend. Ein passender Ort, wahrlich. Er musste schmunzeln und war doch gleichzeitig froh, in diesem Moment keinen weiteren Gast willkommen zu heissen. Er musste sein Schmunzeln nicht auch noch erklären müssen.

Schon bald darauf, sann er darüber nach, wie er Darna dezent dorthin bitten konnte. Eine Nachricht, hinterlegt in ihrem Briefkasten. Nur wie sollte er es formulieren. Unzählige Anläufe, unzählig verworfen, verbrauchtes Papier, mancher mochte vielleicht sagen verschwendet, bis er schliesslich recht zufrieden auf den kleinen Reim sah. Nicht sonderlich talentiert, aber doch bemüht.

"Wo Bäume grün stehen,
die Sorgen vergehen
das Wasser sich windet in wirren Bahnen,
mag man Mitgefühl erahnen,
moegen Gedanken sich winden,
wo magst du mich finden?

Suche mich..
erwarte dich!"


Erneut überflog er die Zeilen, mühte sich, nicht selbst über die Zeilen zu lachen. Nun gut sie beschrieben den Platz zumindest ausreichend. Sie würde es wissen, daran zweifelte er nicht.

Alsbald war Mirage aufgezäumt, der Mann der kurz darauf das Schloss verliess, erneut der Graf der nicht erkannt werden wollte. Jeder Gardist kannte die unscheinbare Robe und stellte schon keine Fragen mehr. Die Nachricht fand ihr Ziel, jene Briefbox vor Darna's Anwesen. Er selbst machte sich auf den Weg zum Schrein, bewusst er würde warten müssen. Er wartete.. es wurde Abend... er sah es ein, Zeit heimzukehren. Vertane Chancen.. es würde sich ein anderer Tag finden.

Ein anderer Tag, späte Stunde..

Verstohlene Blicke.. der Abend verrann. Gespräche, gemeinsames Mahl.. Himmel, es konnte kaum schlechter laufen, die Herzogin willkommen zu heissen. Die nächsten Tage mussten erfreulicher verlaufen! Schliesslich, der Augenblick, der herbeigesehnt war. Die illustre Gesellschaft ging ihrer Wege. Ihm blieb nur noch wenig zu tun. Ein Vorbeistreichen an Darna, ihr leise einzig das Wort "Briefkasten" zuflüsternd und erneut einer Bediensteten auftragend, man möge Mirage satteln, schritt er gemächlich zurück in das Arbeitszimmer, um sich kurz darauf von Rafael in Erstaunen versetzen zu lassen, dessen einzige Erwiderung auf seine Ankündigung eines abendlichen Ausrittes, die Bemerkung war, er würde schon auf sich achtgeben. Wo war die altbekannte Glucke geblieben, die nun minutenlang über eine Begleit-Armee verhandelt hätte. Nun letztlich konnte es ihm nur recht sein.

Geraume Zeit später, am Schrein verharrend, sowohl den Transportbehälter der Schwertscheide, als auch den Korb für eine kleine "Weinprobe" zu seinen Füßen stehend, lauschte er den nahenden Geräuschen. Hufe auf weichem Gras.. sie hatte hergefunden! Der Abend versprach erfreulich zu werden, hier fern aller Blicke, fern aller Ohren, in Erwartung ihres Gesichtes.

Erneut Minuten später...

Sie stand vor ihm, die Schwertscheide lag in seiner Hand, ihre Augen waren geschlossen und er musste nun neckisch Schmunzeln.

"Links oder rechts?" Ihre Frage wiederholend, mit welcher sie ihn vor einigen Tagen konfrontiert hatte, als er glücklicherweise wohl den kleinen Korb mit Milch gewählt hatte, anstatt des Schneeballes.
"Hm, sollte ich die Augen schon mal schließen, weil ich gleich eingeseift werde? Wobei, hier liegt kein Schnee." Ihre Stimme klang amüsiert.

Er konnte nicht umhin, leise aufzulachen. Nun ihre Wahl fiel auf rechts. Er sah auf die linke Hand, in der die Schwertscheide ruhte und wechselte diese unbemerkt in die rechte Hand und hielt sie ihr entgegen. "Du darfst die Augen nun öffnen." Blinzelnd blickte sie auf die Schwertscheide, betrachtete sie von allen Seiten und machte aus ihrer Freude über die Gabe keinen Hehl. Er konnte nicht mehr als sie mit erfreutem Lächeln betrachten. Viel zu wertvoll erschien ihr dieses Werk, wusste sie denn nicht, sie war so viel mehr Wert? Sonnenstrahl, Lebensspenderin, es tat gut sie lächeln zu sehen.

"Kneifst du mich?" Leise hauchend durchbrach sie die Stille, die entstanden war, während sie die Schwertscheide bewundernd betrachtete.
"Vergib mir, dies wäre doch zu unsanft."

"Ich kann aber eigentlich nur träumen. Vor ihrem Symbol des Herzens ein Ritter in glänzender Rüstung. So ein liebevoller Blick... und alles gilt mir."

"Weil du dies alles verdienst, nur gekniffen zu werden nicht. Es kann zudem kein Traum sein, würde sie dich gewiss zu wecken wissen."

Langsam wanderte ihr Blick zu der symboltragenden Bodenplatte. Ihr Blick bekam etwas nachdenkliches. Er verharrte, ihre offensichtlichen Gedankengänge einige Augenblicke ununterbrochen belassend, bevor er die entstandene Stille doch beendete, sie leise ansprach:

"Zehn Grafschaften für deine Gedanken."

Ihre Antwort erklang ebenso leise, während ihr Blick weiterhin auf dem Symbol ruhte:

"Als ich die Rüstung der Adlerritter trug, sprach ich einige Male mit Lucenius. Und er schien sich fast schon vor mir recht sicher darüber zu sein, dass Temora willens wäre, mir die höchste ihrer Ritterwürden zu verleihen. Deutete Zeichen, die sie mir gab. An einem der Abende kam ich mir vor wie einer dieser Esel, die man wohlmeinend erst zum Wasser führen und mit der Schnauze noch hineinstubsen muss, damit sie die Geste begreifen. Ich komme mir gerade wieder so vor."

Er indess begriff die Bedeutung nicht, noch nicht:

"Warum denkst du so von dir? Du bist kein solcher, du bist viel mehr der Stern der einem Esel die Wassserstelle zeigte."

Behutsam trat er hinter sie, zog die metallenen Handschuhe aus und legte ihr die Hände auf die Schultern. Eine Geste der Beruhigung, nicht mehr hatte es sein sollen, während sie ihre Worte wieder aufnahm:

"Es liegt so nahe... so offensichtlich, so rein, so willkommen... als deuten zwanzig Wegweiser auf ein und dieselbe Stelle und ich frag noch immer zögerlich, ob das der richtige Weg ist." Etwas selbstkritisches klang in ihrer Stimme mit, während sie weitersprach und sich langsam zu ihm umwandte. Ihre Stimme klang nun sehr leise, als fürchte sie sich, die nahen Bäumen könnten ihnen lauschen:
"Und wohin soll sie mich noch führen, als nicht hier und jetzt zu wissen...?"

Behutsam, zärtlich lag ihre Hand an seiner Wange, als sich ihre Lippen seinen näherten, mehr als offensichtlich in dem Wunsch eines Kusses. Er begann zu verstehen und doch schlugen seine Gedanken Alarm... "Ehrenwort" Dieses eine Wort und all seine Bedeutung fuhr wie ein Blitz durch seine Gedankenwelt. Er.. sie.. sie beide durften nicht..! Er musste angespannt schlucken und schloss die Augen, ihre Lippen so nah vor den seinen...! Die kommenden Worte ebenso, mehr in die Stille gehaucht:

"Sei dir deines Willens sicher, wenn du diesen Kuss nimmst.. er wäre Wortbruch oder Wort zugleich. Wenngleich nichts mich mehr sehnte... als dein Wort."

Verfasst: Samstag 16. Februar 2008, 20:09
von Darna von Hohenfels
"Dann weißt du, worüber ich nachdachte." Sanft und entschlossen küsste sie ihn.

Was brauchte sie noch? Sie stand in einem Bilderbuch, es war alles perfekt. Gerade sein letztes Zögern, sich ihrer eher zu verwehren, als sein Wort vor ihrem Vater zu brechen, gab eine letzte Gewißheit. Vor ihr stand Sir Adrian, ein Ritter. Die Zeichen seiner Würde tragend und ausfüllend. Die Rüstung stand ihm unheimlich gut, und schmunzelnd stand sie inzwischen zu dieser Schwäche, dergleichen nun mal attraktiv zu finden.
"Es ist ja nicht allein die Rüstung..."
Mit unglaublichem Charme hatte er die letzten Tage und Wochen mit dem Werben um sie gefüllt, sie mit Aufmerksamkeiten überschüttet, in dem kleinen Schränkchen stapelten sich die Briefe, die von Sehnsucht und Bewunderung erzählten, gar Poesie - ausgerechnet von ihm, der vor geraumer Zeit vor dem Theater sich nicht mehr als einen holprigen Dreizeiler hatte abwürgen können. Die kleine Nachricht, die sie hergeführt hatte, nach dem Schema "Reim dich, oder ich fress dich!" verfasst, doch für ein "Ich erwarte dich am Schrein des Mitgefühls" erneuter Liebesbeweis genug, sich selbst bei solchen Kleinigkeiten etwas Mühe um eine angenehme Form zu geben. Sie war dem Deut der Verse nur zu gern gefolgt.
"Es sind ja nicht allein die Gedichte..."

Der Anblick der Schwertscheide raubte ihr den Atem.
Ihren Hals schmückte die goldene Kette mit dem so grazil gearbeiteten Hirschanhänger, er hatte ihr so viele Dinge geschenkt, vom kleinen Frühstückskorb als Einladung bis hin zu Geschmeide, bis hin zu... dem hier...
Das sollte für sie sein?! Ihre Augen wanderten die verschlungenen Ornamente hoch und blieben an dem eingebrannten Hirschen hängen, verfingen sich im Glänzen der Diamanten, die durch das Kerzenlicht funkelten, die geringen Lichtunregelmäßigkeiten ließen das Bild des Tieres lebendig wirken, die Muskeln spielen, er sprang fort zum Spiel, zur Jagd, in den Wald, den die Smaragde als Rahmen gaben... und nicht nur dort die waldgrünen Edelsteine. "Das ist viel zu teuer", brachte sie atemlos hervor, als sie die Menge erfasste. "Antarian bringt mich um. Kippt tot vom Stuhl."
"Bitte es freut mich, wenn du sie trägst. Wie könnten diese Edelsteine schöner geehrt sein?" - sie hörte seine Worte nur wie entfernt, gebannt von der Kunst vor ihr. Das alles sah so fein, so fragil aus... übervorsichtig wagte sie es, den Gurt in die Hände zu nehmen.
"Die kann man ja kaum tragen, die fallen doch..." Im gleichen Moment versicherte ihr Adrian bereits, daß sie keine Sorge zu hegen brauche, daß die Steine abfielen. Ganz zaghaft tippte sie gegen einen und erforschte die Verarbeitung noch näher. Wie hielten die? Da schien ein Faden. Eher überzeugte die Sorgfalt, mit der die haltenden Elemente verborgen worden waren, als daß dicker prangender Zwirn sie hätte überzeugen müssen. "Du liebe Güte..." Sie schluckte. "Wer hat das denn...", sie suchte nach einem Wort, "geschaffen?" Ja, "erschaffen" war ein richtiger Ausdruck. Sie hielt ein Kunstwerk in Händen. "Elfische Arbeit?"
"Hm, es könnte beinahe so anmuten", stimmte Adrian nachdenklich zu, "Ich denke, damit hat er sich den Titel Hofschneider wohl verdient..."
"Du sagst mir den Namen nicht? Aber wird er Hofschneider, krieg ich ihn raus." Sie hatte keine Lust, nachzubohren. Es hätte den Moment zerstört. Mit geweiteten Augen und leichtem Kopfschütteln begutachtete sie die Schulterpolsterung. Selbst für perfekten Sitz gesorgt. "Das ist ein Kunstwerk, fast viel zu schade..."
"Empfindest du es als zu schade, ziere die Hauswand damit", schmunzelte er ihr entgegen. "Hauswand", wiederholte sie vorwurfsvoll und musste das Bild verscheuchen, die Schwertscheide wie ein Karrenrad draußen an die Wand zu hängen. "Ich sagte nicht, die äußere", lachte Adrian nun leise, "Niemand entrüstet sich, Bilder an Wände zu hängen - und du besiehst dies wie ein solches."
Sie blinzelte. Ja, ein Mißverständnis, und doch kam es ihr unangemessen vor, daß das hier... an einer Wand hängend einstaubte... egal, ob Shaya gründlich im Staubwischen war oder nicht.
"Ein Meisterstück der Schneiderkunst für die edelste der Damen."
Sie sah ihn an, der Satz spülte wie wohliges Feuer durch ihren Körper, die Worte tatsächlich ihr geltend, dabei gehörten sie doch in Märchen, in die Romanzen, die sie verständnis- bis hoffnungslos bei anderen beobachtete - es war zu perfekt, und es sollte tatsächlich ihr gelten? Sie hätte ihm um den Hals fallen mögen.
"Wie ein mit Schmuck bestochenes Mädchen. Gekauft? Hat er dich gekauft?"
"Nein, es ist doch bei weitem nicht allein der Schwertgurt..."


Sie wusste, warum er den Schrein gewählt hatte, die ansprechend schöne Umgebung, fern aller Augen, Ohren und tuschelnden Zungen. Gleichsam lag ihr nichts ferner, als diesen heiligen Ort zu nicht mehr als einem "romantischen Plätzchen" herabgewürdigt zu sehen... der flüchtigste Argwohn, er könnte so denken, wurde einzig von dem Gedanken beantwortet, daß sie ihn dann gehörig Sitten lehren und fortjagen würde.
Aber sie brauchte ihn nur zu erblicken. Wie er dort gestanden hatte, der Glanz der Kerzen ließ das goldene Metall an ihm schimmern. Sein Blick zu ihr liebevoll, sein ganzes Wesen lebendig - nein, er gehörte hier her, und er hatte zur Herrin zurückgefunden, vor ihr stand wieder lebender Glaube. Lebende Selbstverständlichkeit, ein Ritter, kein an sich selbst und dem Schicksal verzweifelter, reuender und in sich selbst gekehrter Griesgram. "Ich will keinen Schwächling." Er stand nicht als solcher vor ihr. "Ich will dich nicht aus Mitleid lieben." Ausgerechnet hier... erwies sich diese Sorge als fortgewischt. "Wie bezeichnend. Eines deiner dezenten Zeichen, Göttin?"
Es war alles so perfekt, fast zu schön, um wahr zu sein. Dezent?? Es war alles wie ein harmonisches Bild gemalt geworden, von dem Moment an, in dem sie sich ihm näherte und doch die Prioritäten wahrte, indem sie an dem Schrein der Göttin die erste Ehre erwies, und hätte Adrian zehn mal dort gestanden.
"Laß warm und still die Kerzen heute flammen..." Ihr betenden Worte mehr zu spüren, als zu hören.
"Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen..." Es war perfekt. Vom ersten Moment. Harmonie, wie als die Welt entstand, sie war spürbar.
"So lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang."


Er hier vor ihr. Ein goldenes Herz erhellt von Temoras Licht. Mit-gefühl... oh ja. Ja, sie fühlten gleich, auch dies war Teil der Liebe, von der die Welt durchdrungen sein sollte? Es schien ihr nicht ein golden strahlendes Herz hier zu sein, sondern drei. "Das war nicht seine Absicht, oder? Keine Berechnung." Nein, der Blick in seinen Augen, die nicht zielgerichtete Hoffnung nur auf ihre Nähe, auf ein Lächeln von ihr, es sprach eine andere Sprache. "Was brauchst du noch, damit es vollkommen wird? Was soll dich noch hindern?"

Silvan.

Ein Gedanke, Wissen, ein Schaudern. Bedauern. "Zu spät. Vielleicht sogar noch früh genug, es zu enden. Es wäre vergebens, ich habe mich entschieden, will mich entscheiden und es nicht ändern, nichts mehr offen halten - ich will ihn nicht springen lassen, um an Adrian noch heranzureichen. Vielleicht war es bislang möglich, nun wäre es schäbig. Nein. Und... vielleicht kann ich es ihm erklären. Vielleicht... und...
wie erklär ich das Vater?"

Es wurde alles nebensächlich. Es musste irgendwie gehen, dies hier konnte nicht falsch sein. Es konnte etwas so reines nicht falsch sein. Sein Ehrenwort hielt ihn, hatte ihn die vergangenen Tage so sehr von ihr zurückgehalten, daß es sie beide schmerzte. Sie ersetze es und besiegelte ein neues. "Ich liebe dich."