Wandel
Verfasst: Mittwoch 30. Januar 2008, 16:41
"Der übliche, missratene jünste Sohn - das passt doch ganz wunderbar ins Bild, nicht? Das Leben kann so einfach sein..!" Ich schrie und meine Stimme klang sogar in meinen eigenen Ohren zu schrill, gleichzeitig bitter und überdreht. So als hätte ich völlig den Boden unter den Füssen verloren. Und das war ja auch der Fall - wie sehr schien mein Gegenüber nicht zu ahnen. Immerhin antwortete er mir mit eiserner Ruhe, auch wenn ihn das offensichtlich Überwindung kostete, seine Fingerknöchel waren weiss, wo meine Wangen vor Hitze rot sein mussten.
"Es ist nie so einfach, das habe ich mittlerweile gelernt Valerian. Trotzdem .. Du weisst, was ein guter Name in diesen Zeiten wert ist. Und nun soetwas. Was hast Du Dir gedacht? Was für ein Getuschel werden wir zu hören bekommen - die eitlen Gecken werden sich das Maul zerreissen und wir alle werden gute Miene machen müssen."
Ich senkte den Kopf. Eigentlich wollte ich nichts mehr sagen, kein Wort. Es war genug gesagt worden - sein Bild von mir mochte durch Vaterliebe gefiltert werden, trotzdem sah er mich genau so wie ich es eben ausgesprochen hatte. Als den missratenen jünsten Sohn. Vielleicht war es ihm selbst nicht bewußt.
"Vater, das hat jetzt alles keine Relevanz mehr. Sie ist tot, es ist heute Morgen geschehen. Und ich .. gehe wohin Du mich schickst, damit sich die Wogen erst einmal glätten können."
Die Haltung meines Vaters straffte sich, irgendetwas in seinem Gesicht verschloss sich - diesen harten Zug an ihm kannte ich in dieser Weise kaum. In den Augen seines Vaters fand sich Verbitterung. Woher sie rührte, wusste ich nicht und mir wurde klar, dass er auf gewisse Weise sogar Recht tat mit seinem Urteil über mich - ja ich war jung und vielleicht verzogen. Gab zu wenig auf das, was mein Vater und meine Brüder für unsere Familie erreicht hatten und empfand den neuen Titel unserer Familie als einengend, bei dem Leben das ich mir zu führen wünschte.
Ich konnte fühlen wie meine Wangen sich röteten, diesmal vor Scham und Schuldgefühl, die Tränen versuchte ich indes zurückzuhalten. Sie gehörten nicht hierher.. und es gab keinen anderen Ort mehr dafür, da Sie nicht mehr da war um sie zu trocknen. Mit einem Blinzeln verwandelte sich Wut in Rauch und Trauer in Kälte - und mein Gegenüber sah es. Beinahe hätte ich gelacht, in der vorbeihuschenden Impression in einen Spiegel zu blicken. Was hat er veroren? Wann? Wieso weiss ich nichts davon? Die Frage musste warten und seinen nächsten Worten weichen..
"Valerian, ich bin nicht aus Stein. Es tut mir leid für Dich, dass es so gekommen ist.. aber Du hast Recht. Ich denke es ist nicht gut, wenn Du bleibst. Das heisst nicht, dass Du nicht zurückkehren kannst. Wolfenfels ist Deine Heimat, wie es meine ist. Lass ein Jahr vergehen, werde erwachsen, falls Du es nicht schon geworden bist in den letzten Tagen und kehre zurück, wenn Du es wünschst. Solange schicke ich Dich fort. Und damit Du weisst, dass es keine Strafe ist, wirst Du zu Yarin gehen. Du bist ein Wolfenfels und Du sollst wenn schon in der Fremde nicht allein sein. Ich werde sogleich ein Schreiben aufsetzen, da Du den Raum verlässt. Aber zuerst, berichte mir alles - was muss ich wissen, wenn ich den Fragen der Bürger von Wolfenfels begegne?"
Ein Atemzug, so tief dass er schon schmerzte - so stellte ich mir den ersten Atemzug eines neugeborenen Kindes vor und in gewisser Weise fühlte ich mich ebenso. Als hätte ein ganz neues Leben eben begonnen. Eines, das ich mir nicht ausgesucht hatte. All meine Pläne und Träume hatten sich über Nacht in Staub verwandelt. Dann nickte ich und berichtete.
Die erste Frage, die er stellte, als ich eine Pause machte um meine Gedanken zu sammeln war jene: "Und, hast Du es ehrlich gewonnen oder falsch gespielt?" Und diesmal lachte ich, aus voller Kehle, bis sich das Lachen in das Aufheulen eines vom Pfeil getroffenen Wolfs zu verwandeln drohte und senkte rasch den Kopf.
"Ich bin jung und vielleicht auch unbedarft, aber scheinbar nicht so ein Dummkopf wie Du denkst.."
"Es ist nie so einfach, das habe ich mittlerweile gelernt Valerian. Trotzdem .. Du weisst, was ein guter Name in diesen Zeiten wert ist. Und nun soetwas. Was hast Du Dir gedacht? Was für ein Getuschel werden wir zu hören bekommen - die eitlen Gecken werden sich das Maul zerreissen und wir alle werden gute Miene machen müssen."
Ich senkte den Kopf. Eigentlich wollte ich nichts mehr sagen, kein Wort. Es war genug gesagt worden - sein Bild von mir mochte durch Vaterliebe gefiltert werden, trotzdem sah er mich genau so wie ich es eben ausgesprochen hatte. Als den missratenen jünsten Sohn. Vielleicht war es ihm selbst nicht bewußt.
"Vater, das hat jetzt alles keine Relevanz mehr. Sie ist tot, es ist heute Morgen geschehen. Und ich .. gehe wohin Du mich schickst, damit sich die Wogen erst einmal glätten können."
Die Haltung meines Vaters straffte sich, irgendetwas in seinem Gesicht verschloss sich - diesen harten Zug an ihm kannte ich in dieser Weise kaum. In den Augen seines Vaters fand sich Verbitterung. Woher sie rührte, wusste ich nicht und mir wurde klar, dass er auf gewisse Weise sogar Recht tat mit seinem Urteil über mich - ja ich war jung und vielleicht verzogen. Gab zu wenig auf das, was mein Vater und meine Brüder für unsere Familie erreicht hatten und empfand den neuen Titel unserer Familie als einengend, bei dem Leben das ich mir zu führen wünschte.
Ich konnte fühlen wie meine Wangen sich röteten, diesmal vor Scham und Schuldgefühl, die Tränen versuchte ich indes zurückzuhalten. Sie gehörten nicht hierher.. und es gab keinen anderen Ort mehr dafür, da Sie nicht mehr da war um sie zu trocknen. Mit einem Blinzeln verwandelte sich Wut in Rauch und Trauer in Kälte - und mein Gegenüber sah es. Beinahe hätte ich gelacht, in der vorbeihuschenden Impression in einen Spiegel zu blicken. Was hat er veroren? Wann? Wieso weiss ich nichts davon? Die Frage musste warten und seinen nächsten Worten weichen..
"Valerian, ich bin nicht aus Stein. Es tut mir leid für Dich, dass es so gekommen ist.. aber Du hast Recht. Ich denke es ist nicht gut, wenn Du bleibst. Das heisst nicht, dass Du nicht zurückkehren kannst. Wolfenfels ist Deine Heimat, wie es meine ist. Lass ein Jahr vergehen, werde erwachsen, falls Du es nicht schon geworden bist in den letzten Tagen und kehre zurück, wenn Du es wünschst. Solange schicke ich Dich fort. Und damit Du weisst, dass es keine Strafe ist, wirst Du zu Yarin gehen. Du bist ein Wolfenfels und Du sollst wenn schon in der Fremde nicht allein sein. Ich werde sogleich ein Schreiben aufsetzen, da Du den Raum verlässt. Aber zuerst, berichte mir alles - was muss ich wissen, wenn ich den Fragen der Bürger von Wolfenfels begegne?"
Ein Atemzug, so tief dass er schon schmerzte - so stellte ich mir den ersten Atemzug eines neugeborenen Kindes vor und in gewisser Weise fühlte ich mich ebenso. Als hätte ein ganz neues Leben eben begonnen. Eines, das ich mir nicht ausgesucht hatte. All meine Pläne und Träume hatten sich über Nacht in Staub verwandelt. Dann nickte ich und berichtete.
Die erste Frage, die er stellte, als ich eine Pause machte um meine Gedanken zu sammeln war jene: "Und, hast Du es ehrlich gewonnen oder falsch gespielt?" Und diesmal lachte ich, aus voller Kehle, bis sich das Lachen in das Aufheulen eines vom Pfeil getroffenen Wolfs zu verwandeln drohte und senkte rasch den Kopf.
"Ich bin jung und vielleicht auch unbedarft, aber scheinbar nicht so ein Dummkopf wie Du denkst.."