Topf und Deckel, die Dualität und alte Traditionen
Verfasst: Dienstag 22. Januar 2008, 04:05
Noch nie hatte er jemanden so geliebt wie Rebecca. Noch nie war er so glücklich gewesen! Doch Kanubio hatte Rebecca verloren, dessen war er sich ganz sicher. In jenem Moment, als er sich von Tyrius provoziert fühlte, war ihm alles egal. Ja, es hätte ihm absolut nichts ausgemacht, bei dem Kampf draufzugehen. Der Priester wollte den Kampf – also sollte er einen bekommen.
Bitterböse saß Rebecca mit am Tisch in der Wohnstube von Tyrius und Marya. Ihr Gemütswandel, wie sie die Geschehnisse der letzten Tage darstellte, sowie unfähig und machtlos, etwas dagegen zu unternehmen, trieben Kanubio immer weiter in eine gefühllose, innerliche Leere. Rebecca stand plötzlich auf, wollte gehen – glaubte er.
„Verdammt, du magst die Thyren!“ fauchte sie. „Gut, kannst du haben!“
Er konnte mit diesen Worten nichts anfangen. Die Thyren? Was hatten die nun wieder damit zu tun, dass er am Vortag von einem der Soldaten in Varuna wegen einer Schwertscheide angepflaumt worden war? Während er noch versuchte, seine gelähmten Gehirnwindungen in Gang zu bringen, stürzte sich Rebecca auf ihn und prügelte auf ihn ein. Er war völlig überrascht, doch verstand er nun und musste trotz ihrer Hiebe lachen. Ohne ihr weh zu tun, wehrte er ihre Angriffe ab, wünschte nebenbei Marya und Tyrius, die sich in den Schlafraum zurückzogen, eine gute Nacht – was sich als schwerer Fehler herausstellte. Seine Unaufmerksamkeit ausnützend, zog Rebecca ihm einen Tonkrug über den Schädel.
Dermaßen motiviert genoss er die Prügelei weiter, wobei das Hauptaugenmerk weniger auf den Erhalt der Einrichtung oder den ungestörten Schlaf etwaiger Nachbarn lag. Sein Schrei, als sie ihm mit einem vermeintlichen Dolch über den Nacken fuhr, muss ziemlich weit zu hören gewesen sein.
Nein, er spürte kein Blut an seinem Hals. Was hatte sie da in Händen? Eine Feder! Die Frau war wahrhaftig gefährlich!
Als er sie aufs Küchenregal hinauf beförderte, musste er unabsichtlich an den Schrank mit dem Geschirr gestoßen sein. Tyrius und Marya würden da am nächsten Morgen ganz schön ins Leere greifen, denn sein gesamter Inhalt zerschellte am Boden.
Als er Rebecca da oben auf dem Regal sitzen und fröhlich mit den Beinen baumeln sah, wusste er, dass sie ihn mehr verstand, als er geglaubt hatte. Er hob sie vom Regal und nahm sie behutsam in die Arme. Ach ja, er war ihr in Varuna etwas schuldig geblieben! Inmitten der Trümmer einer ehemaligen Wohnstubeneinrichtung holte er den ersten zaghaften Kuss nach.
„Ich hab daheim noch irgendwo einen Krug Met versteckt … komm doch morgen vorbei“, lachte Rebecca.
Sie hatte sich eine der Traditionen der Thyren gemerkt: Sie streiten sich, sie prügeln es aus, danach gibt’s warmen Met und die Sache ist aus der Welt.
Glücklich blickte er sich in der verwüsteten Wohnstube um. Sie räumten gemeinsam noch so weit auf, dass sich Marya und Tyrius am nächsten Morgen nicht verletzen würden. Ein großer Tisch zerstört, dazu einige Stühle angeschlagen, die Speisen und Getränke gleichmäßig im Raum verteilt, ein Blutfleck an der Wand, das Geschirr zerschlagen, auch der Brotkorb blieb nicht an Ort und Stelle. Sein Inhalt vermengte sich am Boden mit den 15 Kuchen, der Erdbeermilch, dem Tee sowie einer Unmenge von Holzsplittern und Scherben. Als der Tisch unter Kanubio zusammengekracht war, hatten die Trümmer tiefe Kerben in den Bodenbrettern hinterlassen. Um Holz für's Kaminfeuer brauchten sich die beiden morgen nicht zu sorgen.
Kanubio schätzte den Schaden auf 12 Kronen, die er den beiden liebend gerne geben würde – tausend mal lieber, als zwei Kronen an die Wache in Varuna.
Eines wunderte ihn allerdings: Wie konnten Tyrius und Marya friedlich im Nebenzimmer bei so einem Lärm schlafen? Oder hatten sie gar gelauscht?
Bitterböse saß Rebecca mit am Tisch in der Wohnstube von Tyrius und Marya. Ihr Gemütswandel, wie sie die Geschehnisse der letzten Tage darstellte, sowie unfähig und machtlos, etwas dagegen zu unternehmen, trieben Kanubio immer weiter in eine gefühllose, innerliche Leere. Rebecca stand plötzlich auf, wollte gehen – glaubte er.
„Verdammt, du magst die Thyren!“ fauchte sie. „Gut, kannst du haben!“
Er konnte mit diesen Worten nichts anfangen. Die Thyren? Was hatten die nun wieder damit zu tun, dass er am Vortag von einem der Soldaten in Varuna wegen einer Schwertscheide angepflaumt worden war? Während er noch versuchte, seine gelähmten Gehirnwindungen in Gang zu bringen, stürzte sich Rebecca auf ihn und prügelte auf ihn ein. Er war völlig überrascht, doch verstand er nun und musste trotz ihrer Hiebe lachen. Ohne ihr weh zu tun, wehrte er ihre Angriffe ab, wünschte nebenbei Marya und Tyrius, die sich in den Schlafraum zurückzogen, eine gute Nacht – was sich als schwerer Fehler herausstellte. Seine Unaufmerksamkeit ausnützend, zog Rebecca ihm einen Tonkrug über den Schädel.
Dermaßen motiviert genoss er die Prügelei weiter, wobei das Hauptaugenmerk weniger auf den Erhalt der Einrichtung oder den ungestörten Schlaf etwaiger Nachbarn lag. Sein Schrei, als sie ihm mit einem vermeintlichen Dolch über den Nacken fuhr, muss ziemlich weit zu hören gewesen sein.
Nein, er spürte kein Blut an seinem Hals. Was hatte sie da in Händen? Eine Feder! Die Frau war wahrhaftig gefährlich!
Als er sie aufs Küchenregal hinauf beförderte, musste er unabsichtlich an den Schrank mit dem Geschirr gestoßen sein. Tyrius und Marya würden da am nächsten Morgen ganz schön ins Leere greifen, denn sein gesamter Inhalt zerschellte am Boden.
Als er Rebecca da oben auf dem Regal sitzen und fröhlich mit den Beinen baumeln sah, wusste er, dass sie ihn mehr verstand, als er geglaubt hatte. Er hob sie vom Regal und nahm sie behutsam in die Arme. Ach ja, er war ihr in Varuna etwas schuldig geblieben! Inmitten der Trümmer einer ehemaligen Wohnstubeneinrichtung holte er den ersten zaghaften Kuss nach.
„Ich hab daheim noch irgendwo einen Krug Met versteckt … komm doch morgen vorbei“, lachte Rebecca.
Sie hatte sich eine der Traditionen der Thyren gemerkt: Sie streiten sich, sie prügeln es aus, danach gibt’s warmen Met und die Sache ist aus der Welt.
Glücklich blickte er sich in der verwüsteten Wohnstube um. Sie räumten gemeinsam noch so weit auf, dass sich Marya und Tyrius am nächsten Morgen nicht verletzen würden. Ein großer Tisch zerstört, dazu einige Stühle angeschlagen, die Speisen und Getränke gleichmäßig im Raum verteilt, ein Blutfleck an der Wand, das Geschirr zerschlagen, auch der Brotkorb blieb nicht an Ort und Stelle. Sein Inhalt vermengte sich am Boden mit den 15 Kuchen, der Erdbeermilch, dem Tee sowie einer Unmenge von Holzsplittern und Scherben. Als der Tisch unter Kanubio zusammengekracht war, hatten die Trümmer tiefe Kerben in den Bodenbrettern hinterlassen. Um Holz für's Kaminfeuer brauchten sich die beiden morgen nicht zu sorgen.
Kanubio schätzte den Schaden auf 12 Kronen, die er den beiden liebend gerne geben würde – tausend mal lieber, als zwei Kronen an die Wache in Varuna.
Eines wunderte ihn allerdings: Wie konnten Tyrius und Marya friedlich im Nebenzimmer bei so einem Lärm schlafen? Oder hatten sie gar gelauscht?