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Strebsamkeit - Das Einzige, was zählt
Verfasst: Sonntag 13. Januar 2008, 22:07
von Tarja Lycron
Sie schlug die Augen auf. Dunkle Nacht. Nur die Fackeln an ihrer Wand erhellten das Zimmer schwach. Die Laken auf dem Bett waren durchwühlt, ein Indiz dafür, dass sie schlecht geträumt hatte. "Tu es! Tu es! Tu es!" Immer wieder hallten die Worte in ihren Ohren und sie sah jenes Szenario wieder vor sich. Sie schloss die Augen, kniff sie zusammen, um jene Bilder zu vertreiben. Sie strich sich über die Stirn, rollte sich zur Seite und versuchte krampfhaft, wieder im Land des Schlafes zu versinken. Die Fackeln an der Wand flackerten, obwohl es in ihrem Zimmer windstill war. Die nackten Füße setzte sie auf die kalten Steinstufen, schnell warf sie sich die schwarze Robe über die Schultern und eilte aus ihrem Zimmer hinaus und schlich durch den kalten Flur.
- "TU ES!"
Wieder zuckte sie zusammen, drehte sich um, sah über ihre Schulter. Schnell schloss sie die Tür hinter sich. Aber Gedanken ließen sich nicht durch eine Tür verschließen und auch nicht durch ein eisernes Kopfschütteln vertreiben. Die Füße tauchte sie in das kühle Nass. Ein genußvolles Aufstöhnen drang über ihre Lippen, das kalte Wasser tat gut. Das kalte Wasser vertrieb zeitweise die Gedanken, sperrte die Gedanken vor die Tür. Wieder zuckte sie zusammen, nur sah sie diesmal das Gesicht von Liam, wie er sie zornig ansah und sie am Kragen über den Tisch gezogen hatte. Zorn. War Zorn etwas Gutes? Durch dieses Gefühl konnte man mit Sicherheit töten. Aber war Tod gleich das, was sie wollten?
Grenzen. Sie hatte gelernt, was Grenzen waren. Konnte sie es auch in Worte fassen? Mit den Händen schöpfte sie das Wasser über ihre Beine. Langsam lief es hinab, sie schloss die Augen. Es fühlte sich sogar warm an, wenn sie sich vorstellte, dass jenes nicht Wasser war, sondern Blut. Wieder zuckte sie zusammen. Sie sah den Dolch, sie sah ihre Hand, wie sie nach dem Dolch griff. Sie sah, wie sie sich am Arm eine blutende Wunde bildete. Nicht lebensgefährlich, aber dennoch lief das Blut ihren Arm entlang. Sie sah, wie sie sich setzte und den Arm wegstreckte. Sie sah ihren Gesichtsausdruck. Neugierig, gespannt. Sie sah Finger, eingehüllt in Handschuhe. Sie fühlte etwas warmes, sie sah, wie das Blut weniger wurde und fühlte die Wärme durch die Berührung der Lippen.
- "Tu es!"
Sie schlug die Augen schnell auf, Panik zeigte sich teilweise in ihrem Blick, wieder hatte sie das Bild vor sich und ihr Blick huschte zu der verkrusteten Wunde, die sie sich am Abend selbst noch zugefügt hatte. Sie atmete durch. Sie schöpfte mit den Handflächen immer mehr und mehr Wasser über ihre Beine, als wollte sie alle Gedanken fortwaschen. Als suche sie irgendeine Beschäftigung.
"Ich bin nicht derjenige, der sich davor sträubt, Grenzen zu überschreiten... zu überschreiten... zu überschreiten...!" Die Worte hallten in ihren Gedanken. Mit der nassen Hand strich sie über ihre Stirn, einige dunkelbraune Haare verfingen sich an und um ihre Hand, die sie sich nun wild durchs Gesicht zog. Sie zog die Beine wieder aus dem Wasser, mit dem kleinen Handtuch trocknete sie jene ab.
Grenzen. Wer Grenzen übertrat musste mit den Konsequenzen leben. Sie hatte einiges gelernt durch das Gespräch, welches sie am Tisch vor dem Kamin führte. Vielleicht mehr, als sie anfangs glaubte gelernt zu haben. Sie lernte, was mit Grenzen gemeint war. Etwas, was einem angeboten wurde, war keine Grenze mehr, auch wenn es, wäre es nicht angeboten worden, in jenem Fall eine Grenze gewesen wäre. Aus dem, was angeboten wurde, noch viel mehr herauszuziehen, ging schon wieder in die Richtung Grenzen zu überschreiten. Und sie hatte eine Grenze überschritten. Eine Grenze, die sie sich eigentlich selbst auch gesetzt hatte. Aber es war der Moment, die Provokation.
- "Tu es!"
Wieder wurde sie aus ihren jetzigen Gedanken gleich in die Nächsten gerissen. "Du bist wahrlich bereit, Grenzen zu überschreiten!" Sie hielt sich die Ohren zu, als wollte sie dadurch die Stimmen vertreiben, die sich in ihren Gedanken immer wieder spiegelten. Sie taumelte zurück in ihr Zimmer. Sie musste schlafen, ansonsten würde sie für die heutige Nacht noch total durchdrehen. Immer wieder sah sie Darian vor sich, dann die blutende Wunde an ihrem Arm, die Lippen, die das Blut aufnahmen und die grünen Augen, in die sie blickte. Sie setzte sich auf das Bett, nahm jenes Buch auf ihrem Nachttisch auf ihren Schoß und blätterte darin. >Irgendwann schlief sie ein und ließ einen neuen Tag beginnen. Einen Tag, an welchem sie sich bewusst war, was sie gelernt hatte.
Verfasst: Montag 14. Januar 2008, 02:08
von Darian von Seranyth
War es nur der unbändige Zorn darüber das er glaubte sie hätte ihn an der Nase herum geführt, oder doch eher der Gedanke daran das sich jemand, der so ziemlich alles über ihn wusste, von ihm abwenden könnte, der ihn so reagieren lies?
Er war sich selbst nicht ganz im klaren darüber.
„...ich werde auch an deiner Seite bleiben, aber nicht als das, was ich war.“
Ihre Worte vermochten zwar ihn einigermaßen ruhig zu stimmen, doch ein kleiner Funke dieser „Angst“ lag noch immer in ihm.
Nichts hatte er mehr gefürchtet, als berechenbar zu werden und Tarja war die einzige die genug über ihn wusste um vorherzusehen was er dachte, wie er auf bestimmte Situationen und Dinge reagierte.
Sie hatte es sogar geschafft ihn zu reizen, nicht umsonst hatte er sie, am Kragen der Robe, über den massiven Tisch im Kaminzimmer, gezogen.
Er lies nicht gerne mit sich spielen und diese Frau, sie schaffte es immer wieder ihn in irgendeiner Art und Weise zu reizen.
„Es gilt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren...“
Ja, damit hatte sie wohl recht und das wesentlichste war wohl derzeit der Orden.
Ihr Weg war zwar noch immer der gleiche, denn immerhin verfolgten sie die selben Ziele, aber ob sie ihn je wieder so nah beieinander gehen würden wie einst?
„Manchmal... beginnt man... Dinge aus einer anderen Sicht zu sehen.“
Oftmals unterschieden sich die Sichtweisen zweier Menschen oder wollte er die ihre einfach nicht verstehen? War der Gedankengang dahinter wirklich so verworren das er ihn nicht Verstand?
„Traue niemandem außer dir selbst!“
Seit jeher war er mit dieser Einstellung am besten gefahren. Tarja bildete hierbei, wieder einmal, die große Ausnahme.
Die Zeit würde zeigen ob sein Vertrauen in sie richtig war. Immerhin war der Weg, den sie beide zu beschreiten hatten, noch sehr lang und steinig.
Verfasst: Donnerstag 17. Januar 2008, 14:19
von Tarja Lycron
- Strebsamkeit.
Mit Sicherheit war es etwas, was sich immer auszahlen würde. Wer den richtigen Weg anstreben würde, würde sein Ziel mit genügend Fleiß und vielen Steinen und Umwegen erreichen. Wege, Steine, jaa. Darüber hatte sie sich die letzte Nacht noch eine Weile unterhalten, bevor sie wieder in den Höhlen verschwunden waren. Das Tarja abgemagert und dürr war konnte niemand bestreiten und obwohl sie mittlerweile regelmässig zu Essen hatte und auch daran war, ihre Muskeln aufzubauen wurde sie nicht sonderlich viel breiter. Einzig allein ihre Knochen kamen nicht mehr zum Vorschein, wenn sie aufrecht stand und sich im Spiegel betrachtete. An den Oberarmen zeichneten sich langsam Züge von Muskelsträngen ab, jenes stimmte sie zufrieden.
Sie bemühte sich wirklich, etwas zu erreichen. Es war kein leichter Weg, den sie sich da ausgesucht hatte und sie wusste auch, dass ihr so manche dunkle Nacht noch viel schwärzer erscheinen würde, so schwarz, dass sie womöglich für einen Moment auf die Knie gehen würde.
Der vergangene Tag war merkwürdig gewesen. Sie hatte sich einige Zeit in ihrem Zimmer ausgeruht, sie brauchte die Ruhe einfach für einen Moment. Und als sie aus ihrem Zimmer ging und die Burg verlassen wollte, hörte sie Geräusche aus dem Kerker. Neugierde trieb sie wohl in jene Richtung, irgendwann könnte ihre Neugierde irgendwann noch ihr Tod sein.
Leise schlich sie sich an der schwarzen Wand entlang, die Türe zum Kerker stand auf. Auf dem Boden konnte sie eine Person ausmachen, die da lag, die Beine weit von sich gestreckt. Stirnrunzelnd ging sie näher, den Kopf steckte sie durch die Tür und staunte nicht schlecht, als sie auf Lucan blickte. Was war mit ihm passiert? Ihr Blick huschte über seinen Körper. Blut tränkte seinen Mantel und färbte diesen in ein wunderschönes Dunkelrot. Zu schön, um wegsehen zu können. Aber vermutlich musste er auch einiges an Blut gelassen haben. Sollte sie ihm helfen? Unsicherheit. Das zweite Mal, dass sie mit ihm Unsicherheit in Verbindung brachte. Was half es ihr abzuwägen, sie hatte keine andere Wahl. Natürlich, er hätte es alleine geschafft, wenn Alatar es so wollte. Aber wie sollte sie der Maestra erklären, dass sie da stand und zugesehen hatte, wie er verblutet war? Also tat sie das, wovon sie dachte, dass sie sowas nie tun würde. Sie reinigte seine Wunden mit Alkohol - sie half. Tarja wusste selbst nicht, wieso sie so handeln wollte, zumindest nicht genau. Sie blieb noch einige Zeit da, als sie ihm längst die Wunde gereinigt hatte. Er sah sie nur an. „Was willst du?“ Augen rollend ging sie aus dem Kerker, es war an der Zeit ihn allein zu lassen. „Du weißt, wo du mich finden wirst..“
Sie dachte an ihre Kindheit zurück. Sie sah ihre Mutter, die emotional an einen Mann gebunden war. Sie wurde schwach durch ihre Bindung zu ihm. Sie sah ihre Mutter, wie sie tot vor ihr auf dem Boden lag.
- Schwäche.
Er hatte ihr im Aufenthaltsraum etwas über einen angreifbaren Punkt gesagt. Angreifbar. Durch was wurde man angreifbar? Erst ein Augenblick, dann eine Berührung, eine Umarmung, ein Kuss. Wurde man dadurch angreifbar? Gewiss nicht. Es wurde erst zu einer Schwäche, wenn emotional mehr dahinter steckte und dafür benötigte es nur einen Augenblick. Aber jenes war ihr längst noch nicht bewusst gewesen. Der Diener eines Raben hatte ihm das Leben entzogen und ihm nur so viel gelassen, dass er es überleben konnte. Sie sortierte die Blätter nun schon zum dritten Mal. Würde jenes Rache erfordern?
- Stärke.
Stärke war, zu widerstehen. Also war sie schwach? Sie konnte selten dem widerstehen, was sie vor sich hatte. Sie hatte ihre Grenzen übertreten und mit jenem war auf einmal vieles zusammengestürzt. Die Bindung zu Darian, obwohl sie lang nicht so emotional war, hatte sie gelöst. Eben weil sie sich auf das Wesentliche konzentrieren wollte. Gedanklich verfolgte sie jenen Tag zurück. War es wirklich dieser Grund? Oder war sie unbewusst schon längst auf einer ganz anderen emotionalen Ebene? Ein Kuss, der ihre Lippen besiegelte.
Sie dachte wieder an den Rabendiener. Auch an jenen, mit dem sie sich getroffen hatten um jenen Vorfall zu klären.
„Um es auf den Punkt zu bringen, der Grabstein steht bereit mit eurem Namen darauf!“
Die Hände hinter ihrem Rücken verkrampften sich. Und dennoch behielt sie die Kontrolle über sich. Sie wollte dem Diener des Rabens nicht an die Gurgel, nicht, wegen so einem Ausspruch, der in ihr zwar einiges auslöste, aber dennoch… sie musste ruhig bleiben. Aber wieder hatte sie etwas gelernt. Diesmal: Der angreifbare Punkt und emotionale Schwäche. Jetzt war es an ihr, für die Außenstehenden diesen Punkt zu verbergen. Was innerhalb der eigenen vier Mauern geschah würde kaum einer erfahren, aber würde bekannt werden, dass sie eine Schwäche hatte, konnte man diese Schwäche zu ihrer Ungunst nutzen. Wollte sie das? Nein. Es würde womöglich ein schwerer Weg werden, vielleicht eine Art Prüfung, aber sie würde die Prüfung bestehen.
…
Sie sah auf die flackernde Kerze. Nun war sie wieder allein. Am Abend würde der Unterricht stattfinden, ein anderer Unterricht als den, den sie die Nacht zuvor erhalten hatte. Diesmal würden sie nicht allein sein, diesmal würde sich der Unterricht mit Wichtigerem beschäftigen als mit Foltermethoden und emotionalen Tiefgängen. Tarja sah mit Missmut auf die vergangene Nacht hinab. Sie hatte einiges gelernt, und wie er sagte, nicht jede Schwäche war negativ. Sie musste sich nur daran gewöhnen, dass auch ihr Leben nun von einer Schwäche geprägt war – von einer durchaus mächtigen Schwäche.
Der Blick in die Seele erfüllt die Phantasie, der Rhythmus der Lust war so schön wie noch nie. Willenlos, atemlos, schenk mir die Nacht.
Nicht jede Schwäche war negativ. Mit einem Schmunzeln blickte sie in die Kerze. Sie zuckte nicht mehr unkontrolliert umher. Vielmehr waren es zarte, sanfte Schwingen, die sich zu einer Melodie bewegten, die von ihr ausging. Jede Schwäche beschwor auch Zorn, wenn man jene angriff. Und Zorn verleitete dazu, über Leichen zu gehen. Ein kurzer Blick auf ihre verkrustete Wunde am Arm, die Fingerspitzen gleiten über jene, dann über ihre Lippen, die noch immer benetzt waren von der puren Sünde. Sie lernte etwas ganz wichtiges, was sie zuvor nie gelernt hatte. Sie hatte ein Ziel vor Augen und das würde sie erreichen.
Verfasst: Freitag 18. Januar 2008, 20:23
von Tarja Lycron
Die Nacht hatte sie ruhig geschlafen. Keinerlei Träume suchten sie heim und rissen sie aus ihrem Schlaf. Spät war sie ins Bett gekommen, viel zu spät als das sie schon im Morgengrauen hätte wach sein können. Relativ kurz, zumindest wenn man den Vergleich zu den vergangenen Gesprächen zog, unterhielt sie sich mit Lucan. Doch lange sollte jenes Gespräch nicht von Dauer sein und sie ging wieder in ihr Zimmer zurück. Einige Bücher stapelten sich noch irgendwo auf dem Boden verteilt, die kategorisch in ihr Regal eingeordnet werden sollten.
...
Sie saß schon eine Weile in der Bibliothek an dem großen, schwarzen Tisch, als Lanaya durch die Türe trat. Sofort erhebte sich die junge Schülerin des Ordens, verneigte sich vor ihr und grüßte sie, wie sie es gelernt hatte. Lanaya nickte ihr zu und deutete in einer fließenden Bewegung wieder zum Tisch, an jenem beide wieder Platz nahmen. Einige Minuten verstrichen, bis die halbe Stunde geschlagen hatte, an der eigentlich alle Schüler in der Bibliothek sein sollten. Nach und nach kamen dann auch immer mehr Schüler abgehetzt in den Unterrichtsraum. Und jeder schien irgendwas zu vergessen. Sei es den korrekten Gruß. Nicht "Seinen Segen" wurde an die Elegida gewandt sondern "Seinen Segen, Elegida!". Man nickte ihr nicht nur einfach zu oder tat gar nichts, man verneigte sich vor ihr. Darius war letztendlich nicht in voller Ordenstracht in den Raum gerannt. Nachdem alle ihren Platz eingenommen hatte, richtete Lanaya die Worte an Tarja, sie solle ihren Brüdern und ihrer Schwester erneut erklären, wie sie zu grüßen hatten - wie, war ihr überlassen. Tarja nickte, wandte das Wort an ihre Mitschüler und erklärte erneut, dass man die Maestra, wie auch die Elegida mit der korrekten Anrede im Gruß und einem Verneigen zu grüßen hatte. Um ihre Worte zu verdeutlichen, drückte sie sich vom Stuhl hoch und ging mit ihren Geschwistern die Treppen hinab.
Die Türen zur Folterkammer zog sie auf, lange fackelte sie nicht und griff zu einer der Peitschen. Sie entschied sich für die mehrschwänzige. "Wer möchte zuerst?"
Eine Weile regte sich gar nichts. Lanaya stand hinter Tarja. Dann trat Darian vor. Sie ließ ihn die Arme freimachen und auf den Tisch legen, dann setzte sie drei Peitschenhiebe. Einmal für den Gruß, einmal für das Verneigen und den letzten dafür, die Nerven der Elegida nicht unnötig zu strapazieren. Darius wurde die gleiche Strafe zuteil, nur bei jenem setzte sie einen Schlag mehr an, damit er sich einprägte, in kompletter Ordenskleidung zum Unterricht zu erscheinen. Um Lorghine, die sich schon oben gewehrt und beschwert hatte und eine Rechtfertigung für etwas suchte, was nun eh längst egal war, wurde von der Elegida selbst bestraft. Jene formte eine Peitsche, eigentlich wunderschön anzusehen, aber so wie es aussah waren es höllische Qualen, die nicht nur äußerlich zugefügt wurden, sondern auch dem ganzen Körper die Lebensenergie entzog. Erst, nachdem jeder seine Strafe erhalten hatte, gingen sie wieder nach oben, der eigentliche Unterricht konnte beginnen.
Als erstes kam Lanaya auf die Familie Kerben zu sprechen. Auf jene wollte sie jedoch nicht weiter eingehen, jenes Wissen darüber und im Zusammenhang über Korow sollten sie sich selber aneignen. Das Lied sollte also das erste Thema werden. Jene Eigenschaft dem Lied zu lauschen bezeichnete man auch als Gabe. Würde man diese Gabe nicht schulen, würde sie entweder wieder in Vergessenheit geraten oder aber schlimmere Ausmaße haben indem man es falsch formte. Jeder Mensch, der diese Vorbestimmung in sich trug, kam einmal zu dem Punkt, an dem er anfing, das Lied zu vernehmen und mit jenem zu wirken, wenn auch in kleinstem Maße. Von jenem Zeitpunkt spricht mal als Erwachen. Ein festgelegtes Alter gab es hierfür nicht.
Nach einer Weile schweifte das Thema zu Elementar-, Illusions-, Beschwörungs- und Kampfmagie. Die Illusionsmagie befasst sich damit, dass sie sich im Geiste abspielt, unwirkliche Dinge, die man sich einbildet und nicht wirklich sehen kann. Die Kampfmagie hingegen zielt darauf, größtmöglichen Schaden oder größtmögliche Verletzungen beim Gegner auszuüben, wenngleich nicht auch den Tod. Beschwörungsmagie, wie jene Magie schon sagt, befasst sich mit dem Beschwören von Elementen, herbeirufen von Kreaturen und das beeinflussen jener. Die letzte Magie, die Elementarmagie, befasst sich mit den vier Elementen. Es ist die Ausformung der nutzbaren Klangformen des Liedes. Auf Fuachtero herrscht beispielsweise Kälte, dort sollte es einem möglicher sein, einen Eispfeil zu zaubern. Auf Menek'Ur hingegen dürfte eine Feuerwand oder ein Feuerball viel einfacher zu zaubern sein als eine Giftwand oder einen Eispfeil. Während dem letzten Teil des Unterrichtes hatte sich auch Lucan eingefunden, der sich auf den Platz ihr gegenüber setzte.
Jede Bewegung im Blick gebannt
versteckte Blicke bleiben unerkannt
Nachdem sie sich noch weiter über die Magie und das Lied unterhalten hatten, beendete Lanaya die erste Stunde für die vier mit einer Aufgabe. Sie sollten mehr über den Fluch Eluives herausfinden.
Lanaya verließ den Raum, die Schüler lehrten sich untereinander noch über Korow und Kerben, dann trat Stille ein. Immer wieder verirrte ihr Blick sich zu Lucan, welcher letztendlich die Stille unterbrach und sich verabschiedete. Sie sah ihm nach. Wo er wohl hinwollte? Recht zügig verließ sie ebenso den Raum, war die Stille dort unerträglich für den Moment. Sie würde sich nun um ihr Pferd kümmern. Irgendwann musste sie es ja lernen, mit diesem umzugehen.
In den Stallungen des Ordens angekommen trat sie durch den Torbogen. Tausende Gedanken schwirrten in ihrem Kopf herum. Warum war Lucan so schnell verschwunden? Und warum machte er nicht auch eine Andeutung, dass sie ihm folgen sollte? Wie auch immer, es war an der Zeit für sie, sich um ihr Reittier zu kümmern. Sie sah ihn an. Mit ihm hatte sie hier nicht gerechnet, er wiederum rechnete fest damit, dass sie diesen Abend noch ihr Reittier aufsuchen wollte, welches sie sich nach einer Weile von der Stallmagd an den Zügeln übergeben ließ. Nach Lucans Kommentar ob des Sattels und seiner Unlust, ihr jenen wohl zu bringen, nahm sie das Ganze wohl selber in die Hand. So sattelte sie das Pferd, schickte Lucan nach draußen, schließlich wollte sie sich ja nicht vor ihm die Blöße geben. Der erste Versuch scheiterte kläglich, sie hatte wohl zu wenig Schwung um auf das Pferd zu kommen. Beim zweiten Versuch hatte sie zu viel Schwung und segelte auf der anderen Seite wieder hinunter. Ein dumpfer Schlag und ein Aufschrei ließen Lucan wohl erahnen, was im Stall vorgefallen war. Dennoch zog sie sich auf das Pferd und führte es irgendwie nach draußen. Neben Lucan kam sie zum stehen, nicht lange. Sie wollte gerade wieder vom Pferd absteigen, als er jenes verneinte und dem Pferd einen ordentlichen Klapps auf den Hintern gab. Aus dem Stand heraus galoppierte die Stute los, Tarja hatte gerade noch so viel Reaktionsvermögen, dass sie sich krampfhaft am Hals des Tieres festhalten konnte.
"ICH BRINGE DICH UUUUUUUUUUUM!"
Der Schrei hätte vermutlich die ganze Arkoritherinsel umhüllen können, wobei sie beide sowieso alleine dort waren. Sie würde ihn umbringen, ihn braten, rösten, in kleine Scheibchen schneiden und den Schülern zur Vorspeise servieren. Irgendetwas in dieser Art. Wie sehr verfluchte sie diesen Kerl gerade. Das Pferd galoppierte weiter über die Insel, ein paar Mal um die Burg, steuerte auf Lucan zu und schoss an ihm vorbei.
"ICH HASSE DIIIIICH!"
Der Wind zog ihre Worte nach, als sie an ihm vorbeischoss, die Haare peitschten im Wind und sie hing einfach nur noch schief im Sattel. Es musste ein köstliches Schauspiel für ihn gewesen sein, wie er sie da so in dem Sattel hängen sah. Aber irgendwann war auch der Schreck des Tieres verschwunden und sie brachte das Tier vor ihm zum Stehen. Sie ließ sich auf der Seite des Tieres auf den Boden hinabgleiten und funkelte ihn an. "Irgendwann räche ich mich dafür...!" Das Tier brachte sie dann wieder zur Stallmagd zurück, hatte sie für heute keine weitere Lust mehr, sich um das Tier zu kümmern. Nicht nach diesem Nahtoderlebnis.
In der Burg zurück saß sie mit Lucan im Aufenthaltszimmer. Sie unterhielten sich über den Unterricht, auch darüber, dass Tarja ihren Ordensgeschwistern auf die Sprünge helfen musste, wie man die Elegida richtig anspricht. Immer wieder schweifte sie jedoch mit ihrem Blick zur Kerze und versank darin. Es fiel ihr so verdammt schwer, sich in jenem Moment auf etwas anderes zu konzentrieren. Sie wurde unruhig. Die grünen Augen brannten förmlich auf ihrer Haut. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Immerzu im Kreis. Nichts anderes. Er löschte die Kerze. "Entzünde sie!" Erst sprangen ein paar Feuerfunken um die Kerze, bis sie letztendlich in einer Stichflamme aufging. Sie lernte. Sie lernte wirklich. Wenngleich auch nicht alles sofort so funktionierte, wie sie wollte.
Sie konnte ihn nicht ansehen und das machte ihn wütend, ebenso wie ihr auf und ab gehen im Raum. Sie spürte die Kälte in sich, sie spürte, wie ihre Glieder schwächer wurden und sie sich letztendlich nicht mehr bewegen konnte. "Schön, nun hast du deinen Willen also tu, was du tun willst!" Er sah sie nur an, er wollte nur eine Antwort, was sie so beschäftigte. "Ist es so schwer, mir zu antworten?" Seine Hand berührte ihre Wange, sein Daumen strich mit sanftem Druck darüber.
Ich folge dir tief, tief in die Nacht
Bis in den Abgrund deiner Seele steige ich hinab
"Schau in das Spiegelbild, welches dir die See schenkt und du wirst wissen, was mich beschäftigt. Ich bin deine Schülerin, du bist mein Lehrer." Mit den Worten verließ sie die Halle, an der Treppe kam sie zur Ruhe. Die Wut, den Zorn, die Gefühle die sich tief in ihr verbargen konnte sie nicht freilassen. Sie wollte gegen die Wand schlagen, um Blut an ihrem Gelenk zu sehen, aber das "Warte" hatte sie aus ihren Gedanken gerissen. "Für mich bist du nicht nur meine Schülerin!" Und mit diesen Worten ging er davon.
Ich verirre mich - nichts ist mehr klar
Ich bin da wo vor mir keiner war
Sie wusste nicht, was sie geritten hatte, als sie ihre Worte erhob. "Bleib hier." Sie machte eine kurze Pause, sah ihm nach, doch sah sie nur seinen Rücken. "Bitte." Eine Bitte, sie war selbst über sich verwundert, dass sie ihn gebeten hatte zu bleiben. Lucan selbst schien ebenso überrascht wie sie. "Du überraschst mich immer wieder...!" Es war ihr für den Moment egal, sie wollte ihn nicht so gehen lassen, schon gar nicht an einem Tag, der so gut für sie verlief. Sie zog ihn mit sich.
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Ihre Lippen benetzten sich wieder mit der Sünde. Die Sünde, die seinen auf den ihren zu spüren. Beide dunklen Gestalten zogen sich in die Kellergewölbe zurück. Ein Biss, ein wohlwollendes Grinsen, ein Wort, ein Satz, ein weiterer Biss. Blut benetzte ihre Lippen, der Geschmack verteilte sich auf ihrer Zunge und die Gier packte sie. Wieder ging sie an Grenzen, die sie nicht durchbrechen wollte. Wieder überraschte er sie dadurch, dass er ihr eine Seite an ihr zeigte, die sie so nicht kannte. Eine Seite, die zu verbergen galt, ansonsten wäre jenes das Urteil zu ihrem eigenen Tod. Nicht durch die Brüder oder Schwestern des Ordens, aber jeder würde wissen, wie angreifbar sie sein konnte. "Schlaf gut..." Sie schloss die Augen. Und wieder prasselten tausende von Gedanken auf sie nieder. In seinen Armen sollte sie ruhen... bis zum Morgengrauen.
Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 01:37
von Tarja Lycron
"Lauf, Lauf!" Abgehetzt rannte sie durch die Straßen. "Lauf, lauf!" Irgendetwas verfolgte sie, sie wusste nicht, was es war. "Lauf, lauf, Mädchen, Lauf!" In der Dunkelheit war sie verloren, hastig versuchte sie, all das abzuwälzen, was hinter ihr rannte.
Den Abend verbrachte sie in der Taverne in Rahal - zunächst. Dort traf sie wieder auf Joren. Ein Fremder, bei dem Tarja sich nicht ganz sicher war, wie sie ihn einzuschätzen hatte. Sie hatte ihn am Vorabend schon einmal in der Taverne getroffen und er hatte sie zu einer Sinfonie seiner Bratensoße eingeladen, - oder wie auch immer. Hunger hatte sie auf jeden Fall keinen gehabt zu diesem Zeitpunkt. Oder eher wollte sie sich den süsslich-leckeren Geschmack, den sie noch auf ihrer Zunge schmeckte nicht nehmen lassen. Irgendwann wurde die Taverne zu voll und Tarja wie auch Joren machten sich auf den Weg Rahal zu erkunden. Er hatte einige Plätze dort noch nicht gesehen. Sie zeigte ihm die ruhigeren Plätze Rahals, die Arena, das Labyrinth des Glaubens und natürlich auch den Tempel, in jenem sie Alatar kurz ein Dankesgebet schenkte. Ein Lethar, ein Kind Alatars, ein Gesegneter hielt die beiden einen Moment auf, stellte Fragen, die nicht wirklich von Nutzen waren. Zumindest wollte Tarja den tieferen Sinn dahinter nicht verstehen, sollte doch gerade ein Lethar wissen, dass man nicht jedem sein wahres Gesicht zeigte. Als sie mit ihrer Rundführung fertig war, setzten sie sich beide wieder in die Taverne, wobei ihr Ordensbruder Marcos mittlerweile auch dort war und sie sich zu ihm setzten. Nach einigen kurzen Floskeln fragte Tarja ihn, ob er den Magister Linari heute schon gesehen hatte. Marcos nickte nur. Wohl am Morgen hatte er ihn gesehen, allerdings hatte er es sehr eilig. Etwa fünf Minuten später ging die Türe auch schon auf und Lucan trat ein. Gedankenübertragung? Sie verstrickte sich weiter in das Gespräch mit Joren, um einiges mehr über ihn herauszufinden. "Zuhause" wartete schon einmal niemand auf ihn. Auf seine Gegenfrage hin umging Tarja die Antwort. Was sollte sie ihm auch sagen? "Natürlich, es gibt jemand, der auf mich wartet!"? - Garantiert nicht. Warten... würde sowieso niemand. Und wenn doch, würde es Joren schon gar nichts angehen. Aber dennoch, sie verneinte die Frage nicht. Immerhin hielt sie nichts von Lügen. Aber sie musste ja auch nicht die direkte Wahrheit sagen. Nach einer Weile verabschiedete sie sich und machte sich auf den Weg zurück zur Burg.
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In der Bibliothek war sie zuerst, danach ging sie in ihr Zimmer und als Lucan zurückkam war sie eigentlich gerade auf dem Weg um Luft zu schnappen. Er sprach ein Lob aus, ihre zwiegespaltene Zunge konnte sie wohl noch weit bringen. "Kommst du?" Sie folgte ihm ins Innere der Burg. In der Bibliothek fragte sie ihn über den Fluch der Eluive aus. Adeptus Ip Yratha hatte sie lange nicht mehr gesehen, obwohl sie ihn hätte fragen sollen. Also blieb ihr nichts anderes übrig als Lucan zu fragen und er erklärte es ihr. Vor einiger Zeit war es also so gewesen, dass ein Fluch auf dem Orden lag, den Eluive selbst hervorgerufen hatte. Durch jenen Fluch konnte der Orden keine größeren Elementaren Kräfte nutzen. Feuerbälle konnten sie durch das Lied formen, Feuerelementare oder Mauern hingegen nicht. Eluive wollte dem Orden das Kontrollieren des Liedes gänzlich verbieten wegen der grauenvollen Taten und der Vergangenheit des Ordens, ihre Kraft reichte jedoch nicht aus und so gelang es ihr nur, die Elementarmagie den Ordensmitgliedern zu versperren. Ihre Kraft war nicht stark genug, weil sie unter dem Meer genug Kraft aufbringen musste und immer noch muss, um diese unsere Welt nicht auseinanderbrechen zu lassen. Für den Bruch des Fluches mussten ferne Orte aufgesucht werden, um von dort die reinsten Elemente zu bekommen. Auf Menek'Ur holten sie den feinsten Sand in der Wüste. Auf Fuachtero das reinste Wasser, wiederum auf Lameriast die seltensten Federn von den Ureinwohnern und Lava von dem Ort, an dem Alatar zuletzt zum letzten Arkorither sprach. Es wurde ein Pentakel vorbereitet, die Elemente wurden dazu in die dazugehörigen Zacken verteilt, die genau bestimmt waren. Mit Hilfe der Magie entfernten sie alles an ihnen, welches die vollkommene Reinheit störte. Die reinen Elementarteilchen wurden zusammengeführt und ein Elementar von unglaublicher Stärke entstand. Dadurch wiederum entstand eine Kettenreaktion, die den Fluch brechen ließ und seither war es dem Orden möglich, Elementarmagie zu wirken.
Sie nickte und hoffte, dass sie sich alles merken konnte. Nach einer Weile ging sie aus der Bibliothek, nachdem Isabella ihnen beiden schon einige neugierige Blicke zugeworfen hatte. Rasch ging sie in die Eingangshalle, er folgte ihr und näherte ihr sich gefährlich Nahe, als wäre sie Beute. Sie setzte ihren Weg nach einer Weile in den Aufenthaltsraum fort, in welchem sie die Stille und die Nacht ausklingen ließ. Die Sonne sollte schon fast den Morgen erahnen lassen, als sie sich auf ins Bett machte. "Hast du...?" Ja, natürlich hatte sie. Sie wusste, wie der Satz enden würde. Zumindest hoffte sie zu wissen. "Ansonsten muss ich durch die Nacht nach Hause..!" Gewiss nicht. Die Treppen gingen sie hinunter, ein wenig Schlaf sollte beiden doch noch zuteil werden. Man wusste ja auch nie, was der nächste Tag so mit sich brachte.
Verfasst: Dienstag 22. Januar 2008, 14:01
von Tarja Lycron
- Geduld ist eine Tugend.
Wie recht er damit doch hatte. Ohne Geduld sollte gar nichts funktionieren. Es benötigte Geduld um Magie zu wirken und das Lied formen zu können. Und es bedarf Geduld in jeglichen anderen Hinsichten.
- Was tust du nur mit mir.
Nicht immer war es leicht, obwohl sie selbst zugeben musste, dass sie bisher recht selten an ihre Grenzen gestoßen war. Es fiel ihr nicht schwer ihren Geschwistern gegenüber absolut emotionslos zu sein. Natürlich schmunzelte sie. Natürlich belebten Hoch- und Tieflagen ihre Stimme die darauf schließen ließen, ob sie sich freute, verärgert war oder gar gelangweilt. Darian kannte sie vielleicht noch ein wenig anders, er konnte teilweise ihre Gedanken lesen, konnte sie verstehen, bemerkte, wenn etwas nicht stimmte. Er wusste, wenn sie etwas beschäftigte. Wenngleich die zwischenmenschliche Bindung zwischen den Beiden etwas ganz anderes gewesen war. Er war jemand, der ihr unter Umständen gefährlich werden konnte. Und doch wusste Darian, dass auch sie gefährlich werden konnte. Sehr gefährlich sogar. Es war ein Spiel mit dem Feuer, doch genau mit dem Feuer spielte sie doch so gerne.
Lucan. Er war der Einzige, der ihr immer näher kam, selbst wenn sie es noch so sehr versuchte ihn auf Distanz zu halten, was ihr nicht immer erfolgreich gelang. Als sie auf dem Balkon standen, mitten in der Nacht, war ihr bewusst geworden, dass sie sich entscheiden musste. Sollte sie ihn an ihrem Leben intensiver teilhaben lassen oder nicht? Sie wich zurück. Anfangs waren es viel zu viele Fragen. Wollte er sie prüfen? Suchte er einen Grund, um sie bestrafen zu können? Zweifelte sie nun wirklich? Er sah sie an, fragte, warum sie ihm ausweichen wollte.
- Was tust du bloß mit mir?
Er streckte ihr die offene Handfläche entgegen. Sie musterte jene einen weiteren Moment recht kritisch. Was hatte er vor? Zögernd legte sie ihre Hand in seine. Zufrieden nickte er. "Gut." Dann nahm er seine Hand zurück und wollte den Balkon verlassen. "Macht und Stärke."
Die Fackeln an der Wand fingen an unkontrolliert zu zucken. Es machte sie wütend, dass er sie hier einfach so stehen lassen wollte. Das er einfach so ging und sie mit ihrem Missmut alleine lies.
- "Ja?"
Sie hatte keine Lust nur sein Spielball zu sein. Er hielt inne, drehte sich aber nicht zu ihr. Sie sagte ihm, dass sie keinen Bedarf daran hatte, sein Spielball für irgendwelche Launen zu sein. "Ich habe nie mit dir gespielt... und habe es auch nicht vor!" War es das, was sie hören wollte?
Ein letzter Kuss besiegelte die Nacht.
...
Lanaya rannte Tarja fest um, sie schien sehr in Eile. Gerade einen Gruß, mit dem Tarja erst gar nicht gerechnet hatte, brachte sie über ihre Lippen. Dann war die Elegida auch schon verschwunden. Sie trat in den Aufenthaltsraum. Bruder Darius war dort. "Wer wohl zu Besuch kommen mag?" Woher sollte Tarja das denn wissen? Sie konnte das Lied vernehmen, es teilweise formen, hellsehen jedoch blieb ihr verwehrt. "Kannst du etwas erkennen?"
- "Wenn du so neugierig bist, sieh doch einfach nach?" Aber allzu lange mussten sie nicht mehr auf die Antwort warten. Seine Heiligkeit, der Alka, stattete dem Orden einen Besuch ab. Tief verneigte sich Tarja vor ihm, gesehen hatte sie ihn sonst immer maskiert und trotzdem, an den edlen und einzigartigen Stoffen erkannte man ihn von Weitem. Das erste Mal, dass sie ihn sprechen hörte und ihm näher stand als einen Schritt. Ein komisches Gefühl, aber keinesfalls ein schlechtes. Sie wagte jedoch nicht ihn anzusehen, erst nach seiner Aufforderung blickte sie auf. Lange blieb seine Heiligkeit jedoch nicht auf der Burg der Arkorither. Und so erklärte Tarja Darius den Fluch der Eluive. Lanaya, die auch wieder zu ihnen gestoßen war, nickte ihr zu. Lucan hatte gerade den Raum betreten, als Lanaya sich verabschiedete. Er setzte sich zu ihnen. Irgendwann kam auch noch Darian dazu, doch lange schien jener nicht zu verweilen und letztendlich saß sie mit Lucan alleine da. Wiedermal. Nicht, dass sie das als schlecht empfinden würde. Sie musste sich in der Anwesenheit der Anderen schon immer deutlich zusammenreissen, dass sie ihn korrekt ansprach und ihm nicht zuviele eindeutige Blicke schenkte. Es waren zwar ihre Geschwister, aber alles mussten sie auch nicht wissen. Sie stand vom Tisch auf. Lucan sah zu ihr. "Du willst schon ... gehen?" Sie ging auf ihn zu. "Sollte ich denn?"
- "Nicht, wenn es nach mir ginge..."
Ihre Hand verirrte sich in seinem Nacken und sie strich mit den Fingerspitzen darüber. "Setz dich!" Sie setzte sich zu ihm.
Sie unterhielten sich eine Weile. Über ihr Pferd, über Amael, über alles mögliche. Ihr wurde die Ehre zuteil, dass sie sich an der Leiche ihres Ordensbruders austoben durfte. Lucan würde ihr dabei natürlich auf die Finger sehen, was ihr klar war. "Bin ich so berechenbar?"
- Nein, das war er nicht. Und genau das beschäftigte sie so. Er war nicht berechenbar. Sie wollte nie Sicherheit in ihrem Leben haben und mittlerweile flehte sie förmlich darum. Konnte sie ihm trauen? Konnte sie ihm VERtrauen? Sie verstand ihn auch nicht immer, das musste sie offen zugeben. Einmal war er wirklich liebevoll zu ihr, sie hatte sogar Momente erlebt, die sie kaum glauben wollte, und dann war er auf der anderen Seite wieder so kühl. Fragen, tausende. Fragen, Millionen. Und keine Antworten darauf. Er stand hinter ihr, beugte sich zu ihr hinab bis hin zu ihrem Ohr. Sein Atem kitzelte die feinen Härchen ihres Nackens und streichelte über ihre rotbraunen Haare. "Die Zeit wird so manches offenbaren - Geduld ist eine Tugend." Er schenkte ihr einen langen, innigen Kuss. Gefährlich, mitten im Aufenthaltsraum, jederzeit konnte jemand hereinplatzen. Und dennnoch: Beide liebten die Gefahr. Er verabschiedete sich.
"Lass die Tür offen..."
- "Sie steht dir immer offen."
Sie ging in ihr Zimmer. Und wie sie es sagte, die Tür blieb für ihn offen. Nur für ihn. Er würde den Weg zu ihr finden, wenn er sie oder ihre Nähe, ihre Zuwendung oder einfach nur die pure Anwesenheit ihres Geistes vermissen würde. Irgendwann würden sich ihre Gedanken klären. Und die Entscheidung? Die hatte sie längst getroffen, auch wenn sie vor den Anderen geheim gehalten wurde.
Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2008, 12:57
von Tarja Lycron
Die zweite Stunde sollte bei Lucan stattfinden. Tarja wusste vorher schon, dass es sich um die Elementarmagie handeln würde. Sie war sich sicher, dass es einiges gab, was man darüber erzählen konnte. Mit den geschickten Fragen und den unterschiedlichen Zusammenhängen, die sich im Kopf zusammensetzen konnten. Sie hatte sich zuvor noch nicht mit dem Thema befasst, zumindest nicht sehr. Ihr war klar, dass sich die elementare Magie aus den sekundären Energien zusammensetzte und man nur durch diese sekundären Energien in Form von den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde elementare Magie wirken konnte. Sie war zuversichtlich, was den Unterricht betraf. Nicht, dass sie alles wissen würde, sie konnte gar nicht alles wissen - noch nicht. Viel mehr war sie sich sicher, dass sie alle von Lucan einiges lernen würden. Sie hatte zuvor schon bemerkt, dass er ein hervorragender Lehrer war, immerhin hatte er ihr viele ihrer Fragen schon beantworten können.
Tarja lauschte den Worten Lucans genau. Sie versuchte sich all das zu merken, was er ihr erklärte. Darius und Lorghine folgten dem Unterricht ebenso aufmerksam. Er berichtete über das Elementar des Feuers. Für das Feuer stand das Symbol des Dreiecks und jenem Elementar konnte man Mut, Antrieb und die Verstärkung aller aktiven Gefühle wie Begehren, Wut, Hass und Zorn zuschreiben. Wie bekannt ihr das doch vor kam. In ihrer Wut und ihrem Hass hatte sie ein Haus niedergebrannt. Ebenso hatte das Feuer bisher immer ihre Gefühlsregungen verraten, die sie Lucan entgegenbrachte. Sie tat sich schwer, ihre Gefühle und Emotionen ihm gegenüber zurück zu halten. Und doch, manchmal schaffte sie es.
Das Element des Wassers, sein Symbol waren zwei Wellenlinien und jenem Element wurde Intuition, Feinfühligkeit und Spiritualität zugesprochen. Es war das Element der geistigen Eigenschaften, auch würde jeder Elementarist, der sich diesem Element verschrieben hat eine gewisse Stille und Tiefgründigkeit ausstrahlen, eben wie das Element auch etwas Geheimnisvolles ausstrahlt. Das Element der Erde wiederum sollte für Stärke, Standhaftigkeit, Entschlossenheit, Schwerfälligkeit und Starrsinnigkeit stehen. Jenem Element wurde der Kreis zugesprochen, welcher den Kreislauf des Lebens wiederspiegeln soll. Aus der Erde erwächst das Leben, wie ein Baum und nach dem Tod zerfällt man wieder zu Erde und kehrt zurück. Oftmals wurde das Element der Erde für Heilzauber verwendet. Das letzte Element war das Element der Luft. Sein Symbol war die Spirale und es stand für Rastlosigkeit, Lockerheit, Kontaktfreudigkeit und auch für Nervosität und Unruhe. Tarja ließ sich die Worte nochmals durch den Kopf gehen. Lucan erklärte ihnen, dass sie durch die Willenskraft in der Lage sein konnten die Klänge zu formen und zu bündeln. Keine leichte Aufgabe, wie sich später noch rausstellte. Man konnte die Hand als Fixpunkt zur Hilfe nehmen, genauso gut sollte es aber auch ohne die Handfläche gehen, wenn man einen Punkt hatte, auf den man sich mental konzentrieren konnte. Elementarmagie war ein ausgesprochen umfangreiches Thema und es war auch recht viel auf einmal, was sie sich durch den Kopf gehen lassen mussten, nichts desto trotz verstand Tarja.
Als der Unterricht vorbei war ging Tarja gemeinsam mit Lucan und Darius auf den Balkon. Sie sollten sich noch praktischen Übungen unterziehen, die recht gut klappten. Tarja transportierte die Energie für ihren Feuerball zunächst von den Fackeln an der Wand. Ein kreisrunder, kleiner flammender Feuerball tanzte in ihrer Hand. Lucan war währenddessen mit Darius beschäftigt, so konnte sie selbst erst einmal ein wenig probieren. Erst als Lucan Darius befohlen hatte ihn anzugreifen erlosch der Feuerball in Tarjas Hand. Sie blickte zu beiden, wollte sie sich das doch nicht entgehen lassen. Darius' Feuerball kroch auf Lucan zu. Und man konnte wirklich sagen, dass er sich zu ihm schleichen wollte, war der Feuerball nicht unbedingt schneller als Schrittgeschwindigkeit. Tarja hätte am liebsten breit grinsen wollen, sie ließ es aber. Immerhin war sie vermutlich selbst auch gleich an der Reihe und wer schadenfroh war, hatte meist nicht unbedingt mehr Erfolg.
Lucan sah sie an. "Greif mich an!"
Sie konnte ihn doch nicht angreifen. Sie war für den ersten Moment perplex und fast schon überfordert, als er zügige Schritte auf sie zumachte. Wieder kam in ihr dieses mulmige Gefühl auf, wieder war es Wut, Angst, Verunsicherung die sie in eine abwehrende Haltung trieben und sie spürte, wie sich die Klänge um sie herum verformten und sich vor ihr zu bündeln schienen. Sie konnte nicht schnell genug schauen, da flog der Feuerball aus ihren Händen auch schon zu ihm herüber. Das Misstrauen, welches sie wieder an den Tag legte lies sie zurückweichen und sich selbst verteidigen. Lucan fing den Ball mit der Hand ab und nickte.
...
Es klopfte an der Tür. Tarja war gerade dabei in ihrem Zimmer für Ordnung zu sorgen. "Ist offen." Es konnten nicht viele sein. Entweder war es Darian oder es war Lucan, wobei sie eher zweites vermutete. Sie blickte zur Tür und sie hatte sich nicht getäuscht. Kurz sprachen sie über den Unterricht, er sagte ihr, dass er überrascht davon gewesen war, was sie wusste. Sie hatte sich nicht vorbereitet, nicht mehr als sonst. Sie hatte nur das wiedergegeben, was sie wusste. Dann kamen sie kurz auf ein anderes Thema zu sprechen, wobei wirklich anders war das Thema erst nicht. "Doch andere Absichten oder warum hast du dein Augenmerk während des Unterrichts auf sie gelegt?" Erst durchzog Stille den Raum.
- "Hättest du denn ein Problem damit?"
Ja, hätte sie. Aber das musste sie so nicht zugeben, also sagte sie ihm, dass es ihr nicht zustand, ihn einzuschränken. Es war sein Leben, er war dafür verantwortlich und wenn er etwas anderes wollte, sollte er es tun. Sie blieb ruhig - zu ruhig. Sie verdrängte das, was mit ihr innerlich geschah. Es war ihr zuviel. Er nickte nur, als würde er diese Aussage für gut heissen. Am liebsten hätte sie ihn umgehend vor die Tür gesetzt, stattdessen schwieg sie. Er ging durch den Raum. Sie hatte wieder einmal mit sich zu kämpfen. Sie trug eine Maske vor ihrem Gesicht, selbst wenn sie keine aus Leder anhatte. Sie verbarg sich hinter ihrer Hülle des Körpers und versuchte alles zu unterbinden, was nicht dem absolut Bösem glich. Liebe, was war das schon. Zeitverschwendung, absolut unsinnig... und man wurde dadurch angreifbar. Sie wollte nicht lieben, nicht emotional von einem Menschen so abhängig sein, dass sie sich ohne weiteres für ihn opfern würde. Ihr Leben würde sie nur für eine Sache geben und das war der Orden. Und dennoch, ihr wurde bewusst, dass sie ihn bis aufs Blut verteidigen würde. Das wurde ihr eigentlich schon zu dem Zeitpunkt bewusst, als sie vor dem Rabendiener standen und er ihm sagte, dass sein Grabstein mit seinem Namen drauf längst bereit stand.
"Was ist?" Seine leisen Worte durchdrangen den Raum. Was sollte schon sein? Sie sah ihn an für einen Moment, dann ging sie zu ihrer Badewanne und starrte ins Wasser. Er wollte also wissen, was los war. Dann sollte er es erfahren. Ja, sie hätte ein Problem damit, würde er sich auf eine Andere fixieren. Ja, sie hatte ein Problem damit, dass er in ihre Welt eingedrungen war und sich dort breit machte. Ja, sie hatte ein Problem damit, sich ihren Gefühlen hinzugeben. "Du bist zu verspannt, Tarja!" Ja, das wusste sie. Sie wusste es und doch hatte sie Angst. "Wovor hast du Angst? Das ich dir zu nahe komme? Das ich dich verletze, dir schaden möchte? Das ich ... gewaltsam gegen dich vorgehe?" Ja, auch das waren zum Teil ihre Ängste. Sie hatte Angst, dass er ihr das Herz aus der Brust reissen wollte. Ihre Seele hatte sie dem Orden geschenkt - gerne geschenkt. Ihr Herz besaß sie noch, wenn es auch nur noch schwer zum Schlagen gebracht werden konnte.
Jede Nacht schau ich auf zu dir, meine Sünde so tief in mir.
Deine Schönheit macht mich blind, solange wir zusammen sind.
Hab dich schon tausendmal verflucht, deinen Duft in der Nacht gesucht.
Hast mich verführt mit meinem Leid, fand mich bei dir in der Ewigkeit.
Reiß mir mein Herz aus meiner Brust.
Sie sah ihn an. Immer wieder musste sie ankämpfen gegen etwas, was sowieso längst geschehen war. Wozu also länger quälen, wenn ihr Entschluss längst gefasst war? Sie würde ihn in ihre Welt lassen, mit allen Konsequenzen. Sie konnte nicht sagen, ob es für die Ewigkeit war, aber immerhin für vermutlich eine längere Weile. Was die Anderen wohl sagen würden, wenn sie es irgendwann herausfanden? Die gleiche Frage stellte er sich wohl auch..
Er legte die Arme um sie, hob sie hoch um sie aufs Bett zu tragen. Sie war zu müde, um sich noch lange wach zu halten und so schlief sie eine weitere Nacht in seinen Armen ein.
Den nächsten Tag verbrachte sie damit, ihr theoretisches Wissen in den Höhlen zu schulen. Es dauerte eine Weile, bis sie die Feuerbälle formen und direkt auf die Wesen steuern konnte. Aber sie merkte, sie musste schnell sein. Anfangs rannte sie mehr davon als das sie irgendwelche Klänge für sich mentalisieren konnte. Aber irgendwann klappte es, zumindest ein wenig. Nach einigen Stunden gingen sie zurück zur Burg, wobei ihr Training allerdings noch nicht vorbei war. Lucan erwartete sie im östlichen Teil der Insel, sie sollte ihre Muskeln aufbauen, denn das Wirken von Magie war nicht alles. Sie hüllte ihren Körper in Gargoyleleder und ging nach draußen. Wie lange sie letztendlich geübt hatten war ihr gar nicht wirklich bewusst. Sie spürte nur ihre schmerzenden Glieder und die Wunde an ihrer Schläfe. Nachdem sie beide außer Atem waren und er sie immer wieder provoziert hatte zum weitermachen, ließen sie es bleiben und gingen hinein, die blutverschmierten Gesichter waschen. Im Badezimmer angekommen verformte Lucan die Klänge so, dass sie seine Wunden heilten. Schweißperlen standen auf seiner Stirn, als er sie wieder ansah. Die Wunde jedoch war verschlossen. Sie spürte, wie sich die Klänge um sie herum auch verzerrten und in das Lied eingriffen. Ihr Körper bebte, war das Gefühl absolut neu für sie. Die Wunden begannen unsagbar zu schmerzen, sie drohte innerlich bewusstlos zu werden vor lauter Schmerzen. Schweißperlen mischten sich mit dem verkrusteten Blut auf ihrer Haut. Kraftlos sank sie in sich zusammen, als der Schmerz aufhörte und die Wunden geschlossen waren.
Irgendwann begaben sie sich zu Bett. Es war spät, die Nacht war bald vorbei und der nächste Tag würde erneut einige Kräfte benötigen.
"Ich will dich für mich... für mich ganz alleine!"
- "Ich bin ganz dein."
Erschöpft ließ sie sich in seine Arme sinken. Nur wenige Minuten später schlief sie in seinen Armen wie jede der vergangenen Nächte.
Verfasst: Sonntag 27. Januar 2008, 14:31
von Darian von Seranyth
Eigentlich hatte er nur vor gehabt in aller Ruhe ein Glas Wein zu trinken, doch wie immer wenn er solche Gedanken hegte, machte ihm etwas einen Strich durch die Rechnung. Diesesmal in Form von Tarja. Nicht das er sich über Gesellschaft nicht gefreut hätte, nein, doch war es für ihn leider nicht leicht zu übersehen das sie wiedermal etwas bedrückte, was nicht nur allein am merkwürdigen Flackern der Kerzen lag, sobald sie länger den Blick auf diese haftete.
Etwas beschäftigte sie, gab ihr keine Ruhe und das führte bei ihr unweigerlich zu schlechter Laune.
Sein Mundwinkel hob sich, während er sie teilweise ein wenig amüsiert betrachtete.
Man unterhielt sich, als Darius hinzukam, eine Zeitlang über die gestellten Aufgaben und wie man sie am besten anging, doch galt sein Interesse viel mehr einer Person in diesem Raum.
Das Weinglas welches die Wirtin Lidia ihr brachte war noch immer unberührt, zumindest was dessen Inhalt betraf. Gedankenverloren spielte sie bereits eine Weile damit herum.
Irgendwann war es an der Zeit, das auch Darius die Runde wieder verließ und er nutzte den Augenblick um sie genauer ins Auge zu fassen.
„Dich beschäftig etwas....“
Stellte er nüchtern fest und das es sich dabei nur um ihre Ausarbeitung drehte glaubte er ihr nicht ganz, was sich durch ihren schnellen Themenwechsel nur noch mehr bestätigte.
Er zog die Stirn ein wenig Kraus, was wollte sie verheimlichen?
Sein Blick viel abermals auf die Kette, die sie seit neuestem um den Hals trug. Ein schönes Stück, filigran gearbeitet, es musste sicherlich eine Menge gekostet haben. Doch woher nahm sie das Gold dafür?
„Sie war in einer Truhe, die ich auf einer Jagd fand als ich Lucan begleitete.“
Lucan? Er horchte auf, war es nicht so, das der Magister nicht mit seinem Vornamen angesprochen wurde? Zumal sie ihn noch nie bei diesem nannte. Versuchte sie etwas vor ihm zu verheimlichen?
Das graue Augenpaar haftete weiterhin aufmerksam auf ihr, um sich keine ihrer Regungen entgehen zu lassen. Wieder war ihr Blick auf die Kerzen gerichtet, die, wie er mit aus den Augenwinkeln feststellte, deutlich zu flackern begannen.
„Es würde mir mit Sicherheit einige Goldstücke einbringen, würde ich sie verkaufen, aber dazu...“
„...Ist sie mir zu wertvoll.“
Sein Mundwinkel hob sich zu einem schiefen lächeln an. Ja, er war sich sicher das sie mehr bedrückte als nur ihre Ausarbeitung. War es wegen Lucan?
Er betrachtete sie wieder eine Weile. Es schien als wäre sie wiedermal in ihrer eigenen Welt versunken, Gedanken die sie plagten und nicht mehr los ließen. Zu viele Gedanken können einen in den Wahnsinn treiben, doch schien sie das nicht verstehen zu wollen. Stattdessen sah sie ihn verwirrt an. Lag es denn nicht auf der Hand was er damit meinte?
Irgenwann konnte man sie einfach nicht mehr Ordnen, auch wenn dies immer von ihrem Hintergrund abhing. Zwar hatte er diesen noch nicht heraus gefunden, aber so schnell gab er nicht auf. Er musst einfach wissen was es war.
„Versuchst du dich etwas im Hellsehen..?“
„Manchmal... vielleicht.“
„und... klappt es denn?“
Nein, es gelang ihm nicht immer, aber zum Teil offenbarten sich doch einige Interessante Dinge, Kleinigkeiten, aber auch diese konnten ein Bild ergeben, sofern man sie nur richtig zusammensetzen konnte. Nur war er sich noch nicht ganz sicher wie er das Bild, das er sich bisher zurecht gelegt hatte, deuten sollte. Zum wiederholten male sah er sie genauer an. Sie war nicht mehr die Tarja, die sie vorher einmal war. Sie war nicht mehr ganz so zierlich und mager wie sie es Anfangs war. Auch ihre Haltung war... anders, strahlte sie doch etwas geheimnisvolles aus.
„Wie kommst du voran?“ - Er zog die Stirn verwirrt kraus. Wie er voran kam? „... achja... ich vergaß. Es fehlt dir ja noch eine Stunde.“
Hatte sie bemerkt das er ihr langsam auf die Schlichte kam? Deshalb ihr versuch sich daraus zu flüchten, um sich weitere Fragen zu ersparen?
„Wir werden sehen, ob L.. Magister Linari Zeit findet.“
Da war es wieder. Weshalb dieses ständige hin und her? Der Magister hatte etwas damit zu tun, das wurde ihm langsam klar. Doch in wie weit war ihm noch immer ein Rätsel.
Wieder wechselte sie schnell das Thema, erzählte ihm von ihrem Zimmer, welches sie offenbar endlich eingerichtet hatte und das er es sich gerne einmal ansehen könnte.
Ein schiefes lächeln zog sich über seine Lippen. Warum also nicht gleich? Oder hatte sie etwas zu verstecken? Ihr langes zögern auf die Antwort lies ihn stutzig werden, war es ihr in diesem Moment wohl gar nicht recht.
„... gut.“
...
Sie öffnete vorsichtig die Tür, spähte durch den schmalen Spalt hindurch, es wirkte fast so als hätte sie Angst vor dem was dahinter lauern könnte, ehe sie es wagte sie gänzlich zu öffnen.
Aufmerksam lies er den Blick durch den Raum schweifen.
Ja, es war wirklich wohnlicher geworden. Ein Schreibtisch, ein Becken indem man sich waschen konnte... doch zog etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich, als Tarja, auf dem Weg zu ihre Bücherregal stolperte.
Der Schrecken war ihr förmlich anzusehen, als sie noch versuchte die Schwertscheide hastig hinter ihrem Rücken zu verstecken.
Wollte sie ihn für dumm verkaufen?
„Nun gut... du hast wohl genug gesehen. Wenn du nun... mein Zimmer verlassen würdest?“
Nachdenklich sah er sie an. Das Muskelspiel seines Kiefers zeigte deutlich das ihn etwas beschäftigte. Er sah ihn ihr herab, sein Augenmerk heftete sich auf den Arm, welchen sie hinter ihrem Rücken versteckt hielt.
Er begann langsam zu begreifen. Diese Schwertscheide, es gab nur einen den er damit in Verbindung brachte. Die Worte welche sie ihm damals sagte, ergaben für ihn nun mehr und mehr einen Sinn. Nur ein paar Schritt trennten sie voneinander und mit jedem Augenblick der verging, kam er ihr näher, bis er sich schließlich zu ihr neigte.
„Du solltest nicht vergessen.... ich - kenne - dich.... und das besser als dir vielleicht Lieb ist.“
Ja, es war eine Drohung, sie hatte recht. Doch nun hatte er etwas womit er sich absichern konnte. Sie würde sich sicherlich nicht gegen ihn stellen, ohne Fürchten zu müssen das etwas von dem, was er über sie wüsste, bekannt wurde.
Zwar kannte sie ihn mindestens ebenso gut, doch lies er sich davon in diesem Moment nicht beeindrucken. Er würde ihr kleines Geheimnis verwahren, sofern sie nicht auf die Idee kommen würde, unliebsame Dinge über ihn hinaus zu tragen. Etwas wovor er sich schon die ganze Zeit über gefürchtet hatte...
Verfasst: Montag 28. Januar 2008, 12:53
von Tarja Lycron
Äste peitschten in ihr Gesicht. Die Angst machte sich innerlich breit. Die laute und hektische Atmung war kaum zu überhören. Immer wieder durchzog das Knacken der Äste die Stille, bis die leise Stimme immer und immer wieder auftauchte. "Lauf! Lauf - lauf, Tarja, lauf!" Immer wieder sah sie zurück und in die Dunkelheit. Es war nichts und niemand hinter ihr und doch wurde sie verfolgt. "Lauf, Tarja, Lauf. Lauf davon, lauf!" Und auf einmal begann sie zu fallen, als würde sie bewusstlos zusammensacken und metertief in einen Abgrund stürzen.
Sie schlug die Augen auf und suchte die Orientierung in ihrem Zimmer. Lucan lag neben ihr, so friedlich war sein Blick, wenn er schlief. Ihr Puls kochte, ihr Herzschlag raste. Immer wieder riss sie dieser Traum in den letzten Tagen aus dem Schlaf. Sie schob die Decke zurück und setzte ihre nackten Füße auf die Treppenstufen, das Laken um ihren Körper gehüllt angelte sie nach der Robe, die sie über ihren mageren Körper warf. Noch einmal sah sie über ihre Schulter zurück. Kurz zuckten ihre Mundwinkel. Manchmal konnte man meinen, dass sie stink normale Menschen waren. Zumindest, wenn sie ihn so ansah, sah sie nichts abgrundtief Böses in ihm. Nach ein paar weiteren Augenschlägen stand sie letztendlich auf und setzte sich an den Schreibtisch. Sie wollte mit ihren Ausarbeitungen beginnen.
Irgendwann jedoch sah sie zurück zum Bett. Genau zu dem Zeitpunkt, als er anfing, unverständliche Worte im Schlaf zu murmeln und sich hin- und her zu wälzen. Das ganze Bett hatte er mittlerweile eingenommen und das war wirklich nicht wenig Platz. Sie drückte sich vom Stuhl hoch, ging zurück zu ihm ans Bett. Plagten ihn die gleichen schlechten Träume? Es war mitten in der Nacht, auch wenn es in den Räumlichkeiten einfach nur dunkel war hatte sie dennoch ein gutes Zeitgefühl. Seine Haare hatten sich wirr über sein ganzes Gesicht verteilt. Mit einem sachten Schmunzeln sah sie ihn an, wenngleich jenes auch im nächsten Moment wieder verstarb. Die Haare streichelte sie ihm aus dem Gesicht. So schön war er anzusehen, so wunderschön. So unberechenbar und so düster waren seine Gesichtszüge zum Teil und doch spiegelte sich in ihnen mittlerweile etwas, was sich vorher nicht dort versteckt hatte. Er erwachte. "Guten Morgen..."
- Guten Morgen, schön wärs. Es war mitten in der Nacht, was sie ihm auch erklärte. Daraufhin fragte er sie, was sie denn zu so später Stunde noch wach hielt. Sie erzählte ihm von den Träumen, davon, dass sie ihren Schreibtisch geordnet hatte. Er fragte sie, ob sie eine Vermutung hatte, warum sie solche Dinge träumte. Sie nickte. Natürlich. Entweder hatte sie Angst sich selbst zu verlieren oder zu versagen. Vor irgendwas hatte sie fürchterlich Angst. Er zog sie zu sich und auch die Zeit zog weiter. Sie unterhielten sich noch eine Weile, auch über Flüche und deren Auswirkungen. Letztendlich war es an der Zeit, schlafen zu gehen und dennoch hielt sie sich ihm zuliebe noch ein wenig wach.
"Was hältst du davon, wenn du mit mir in jenes Haus in Rahal ziehst?" Ungläubig sah sie in an.
- "Ich soll... mit... in... das... Haus... in Rahal? Willst du mich testen?" Es konnte nichts anderes sein, natürlich wollte er testen ob sie schwach war. Alles andere konnte nicht sein Ernst sein.
Doch er sah sie an, flüsterte. "Ich meine es ernst, Tarja... doch ist es deine Entscheidung!"
Er verwunderte sie immer wieder. Er meinte es ernst? Er wollte, dass sie mit ihm in dem Haus lebte. Sicherer war es allemal, wenngleich es auch vermutlich sehr verwunderlich war, wenn sie Nachts nicht mehr in ihrem Zimmer aufzufinden war.
- "Du verwunderst mich immer wieder... Wenn du es wirklich möchtest... Ja.!
Ein Schmunzeln machte sich auf seinem Gesicht breit. "Schön!"
...
Sie hatte sich selbst verraten. Darian kannte sie viel zu gut, als das er nicht wusste, dass etwas mit ihr passiert war. Sie war nicht mehr ganz so mager, wie sie es am Anfang war. Auch ihr Gesicht strahlte etwas ganz anderes aus, etwas Kühles, etwas Geheimnisvolles. Er stellte eindeutig zu viele Fragen und als er auch noch eine verräterische Entdeckung machte, konnte sie es nicht mehr leugnen. Sie konnte nur hoffen, dass er seine Schnauze halten würde. "Ich hoffe es für dich, ansonsten werde ich dafür Sorge tragen, dass dir die Zunge herausgeschnitten wird!" Aber Darian schmunzelte nur, er entgegnete nur, dass sie das eh nicht könne. Da hatte er recht, sie konnte es vielleicht wirklich nicht. Sie nicht. Aber Darian wusste auch, mit wem er sich noch anlegen würde. Lucan. Und er würde. Und wie er würde...
Sie unterhielt sich noch eine Weile mit Darian, dann aber schickte sie ihn aus seinem Zimmer. Sie musste alleine sein, ein Stück der sicheren Mauer, die sie um sich beide aufgebaut hatte, war gebröckelt. Und sie wusste wieviel auf dem Spiel stehen konnte. Es war nichts Verbotenes, was sie tat. Und dennoch, es mussten nicht zuviele wissen. Umso mehr es sich rumsprach, umso mehr Möglichkeiten gab es, sie anzugreifen. Mal ganz abgesehen von den Dingen, die ihnen dann vorgeworfen werden konnten. Eine Schülerin, die gut im Unterricht ist. Das kann nicht an ihrem Bildungsstand liegen, wenn sie mit ihrem Lehrer schläft. Allerdings war das auch eine lustige Vorstellung. Natürlich gingen sie nebenher den Unterrichtsstoff durch, sie hatten ja sonst nichts besseres zu tun. Die Ironie war kaum zu verkennen. Sie hatte es nicht nötig, sie selbst stellte Lucan so wenig Fragen wie es nur ging. Und wenn es Fragen waren, dann über das, was in seinem Kopf vorging.
Nach dem Unterricht, den Lucan für Darian erneut abhielt wartete Tarja in der Eingangshalle. Worauf sie wartete wollte Lucan wissen. Auf was sollte sie wohl warten, vermutlich um ihn. Sie wusste letztendlich gar nicht mehr genau, warum sie auf einmal angefangen hatten, sich zu streiten. Sie wusste nur, dass sie heute alles mögliche falsch verstand. Er murmelte irgendwas von Fehler, Tarja sah darin, dass er sie als Fehler ansah. Einen weiteren Fehler sollte er also nicht machen. "Du zählst nicht zu jenen Fehlern...nichts, was mit dir zu tun hat.... nichts was war.. nichts was ist." Sie blickte über die Schulter zurück, deutete ihm an, er solle stehenbleiben, als er sich ihr nähern wollte. Seit Tagen dachte sie über diesen Kerl nach, seit Tagen spürte sie diese Bindung, die sie zu ihm hatte. Sie spürte, wie er ihr von Tag zu Tag wichtiger wurde. Sie ließ ihn an ihrem Leben teilhaben, an ihren Gedanken - und er verschloss sich vor ihr. Jedes Mal bekam sie entweder gar keine Antwort oder eine, mit der sie nicht viel anfangen konnte. Es machte sie wütend. Sie ging. "Tarja... ich bereue nichts..." Sie spürte die deutliche Unsicherheit in seiner Stimme, etwas, was sie selten an ihm erkennen konnte. Was glaubte er eigentlich wer sie war? Was dachte er sich dabei, so auffällig über etwas nachzudenken und ihr die Gedankengänge zu verwehren?
Sie knallte die Türe hinter sich zu und ging zum Bücherregal. Buchtitel konnten ja so spannend sein, sie konnte nicht einmal einen aufzählen von denen, die sie da anstarrte. Aber sie musste irgendwas fixieren um Ruhe zu bewahren. Er trat hinter sie. "Denkst du, dass ich dir kein Vertrauen schenke?" Ja, das dachte sie. Genau das. Er war in ihrem Leben, er war ihr Leben - aber sie war weder in seinem noch seines. Eine dunkle Erkenntnis, wie sie fand. Sie spürte die Hand auf ihrer Schulter, doch schlang sie nur ihre Arme um ihren Oberkörper. Wäre sie nicht vollkommen leer für den Moment, hätte sie am liebsten ein paar Tränen über ihre Wangen rollen lassen. Aber was brachten ihr diese verfluchten Emotionen? Die wenigen Emotionen, die sie noch aufbringen konnte, waren schon zuviel. Dann spürte sie, wie er sie einfach in seine Arme zog, die Arme fest um ihren Körper legte, als würde er sie festhalten, weil er Angst davor hatte, sie jeden Moment verlieren zu können. Innerlich durchzog sie ein Gefühl, ein merkwürdiges Gefühl. Er hauchte ihr etwas ins Ohr. Etwas, das klang wie drei Worte, drei bedeutende Worte. Sicher war sie sich nicht und irgendwo doch. Ihr Herz schlug bis zu ihrem Hals. Sie drehte sich langsam um. "Wiederhol das nochmal...!" Sie sah, wie seine Lippen sich bewegten, wie er schluckte, wie er mit sich kämpfte, ihr die gleichen Worte erneut zu sagen. Und doch, er sagte ihr erneut, dass er sie liebte. Und die Unsicherheit kehrte in seinen Blick zurück. Er ließ sie los, sie wiederum legte seine Arme um ihn. Tagelang hatte sie mit sich gekämpft und er hatte ihr das nun gesagt. Sie schloss die Augen und lehnte ihren Kopf einfach an sein Schlüsselbein. "So friedlich..."
Nachdem sie sich wenige Minuten später erneut gezankt hatten und auch diesen Streit mit einem Kuss besiegelten, schlief Tarja wieder in seinen Armen ein. Es war ein ganz anderes Gefühl an diesem Abend in seinen Armen einzuschlafen. Sie freute sich auf den morgigen Tag, allein aus dem Grund, weil an jenem Tag der Umzug anstehen sollte. Kurz sah sie nochmal zu ihm, prüfend, aber er war längst eingeschlafen. So orientierte sie sich an seiner Atmung und seinem Herzschlag und auch sie suchte dann Eintracht im Land der Träume, in der Hoffnung, dass sie nicht von jenen bitteren Träumen erneut aus dem wenigen Schlaf gerissen wurde, der ihr noch blieb.
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2008, 14:07
von Tarja Lycron
Eigentlich hatte sie sich einen Spaß aus allem machen wollen.
Eigentlich wollte sie nur Lucans entsetztes Gesicht sehen.
Eigentlich wollte sie ihn nur ein wenig ärgern.
Was sie eigentlich nicht alles wollte?
Sie hatte sich einiges an Kleidung zugelegt. Immerhin hatten sie nun ein Haus. Vielmehr Lucan hatte eines, in welchem sie mit ihm nun wohnte. Das Zimmer in der Burg behielt sie trotzdem. Es war praktisch, wenn sie einmal keine Lust hatten von der Burg aus nach Hause zu laufen. Mit den Rucksäcken und Beutel in den Armen sperrte sie die Türe zu Lucans Haus auf. Er musste zuhause sein, um diese Zeit auf jeden Fall. Ob er schlafen würde wusste sie nicht, sie konnte nur hoffen. Immerhin war sie auf sein Gesicht gespannt.
Die Tür ließ sie hinter sich ins Schloss fallen. Lucan stand am Kamin. Achjaa, das Haus war bis jetzt noch soo spärlich eingerichtet. Aber irgendwann sollte sich auch das ändern. Aber jetzt musste sie erstmal ihren Plan wahrmachen und Lucan schockieren. Irritiert sah er zu den Sachen, die sie in ihren Armen hielt.
"Mhhh, ich war einkaufen.. man kann ja nie genug haben, nicht wahr, Liebling?" Das letzte Wort betonte sie durchaus. Sie musste sich ein Schmunzeln so sehr verkneifen. Und dennoch schmunzelte er, während er ihr eine Tasche abnahm. Es schockierte ihn also nicht, so musste sie weitermachen. Sie ging ihm nach und im träumerischen Tonfall philosophierte sie weiter.
"Weisst du ...
... ich hab mir überlegt ...
... Es sollte schon schön eingerichtet sein hier ...
... wenn wir hier wohnen ..."
Bedacht setzte sie eine etwas längere Pause ein. Dann sprach sie in diesem gleichen Tonfall weiter, wenn sie auch Mühe hatte, sich zu beherrschen und nicht in gehässigem und schallenden Gelächter auszubrechen.
"Und unsere Kinder irgendwann um uns herumtollen werden!"
Ihm fiel die Tasche aus der Hand, die nun die Treppe hinunterpolterte. Er sah sie an. "Kinder?" Seine geweiteten Augen sprachen Bände. Verdammt, so sehr musste sie sich schon lange nicht mehr das Lachen verkneifen.
"Du ... erwartest doch nicht ... etwa? ... Ein ... Balg?"
Oh ja, sie hatte den Trumpf in der Hand. Langsam streichelte sie über ihren Bauch. "Natürlich... nicht!" Das letzte Wort jedoch zögerte sie eine Weile hinaus. Erleichtert drehte er sich um und ging die Treppen hinauf, wobei sie nun aber deutlich spürte, wie sehr er über das Thema nachdachte. "Du willst doch nicht etwa...?"
Was sie wollte und was möglich war, waren zwei unterschiedliche Dinge. Kinder hatten in ihrem Leben nichts zu suchen. Und dennoch, es führte zu langen, aberlangen Diskussionen vor dem Kamin auf den Kissen. Gemeinsam saßen sie vor dem Kamin, er hinter ihr, die Arme um sie gelegt. Als wären sie ganz normale Menschen, die ein ganz normales Leben führten. Im Grunde waren sie ja normal und dennoch waren sie anders. Es war schlimm genug, dass sie für ihn dieses eine bestimmte Gefühl empfand, welches man auch Liebe benennen wollte. Lange saßen sie so da, lange blickte sie einfach nur ins Feuer. Aus Spaß konnte sehr schnell Ernst werden. Zumindest das Thema behandelten sie für den Rest der Nacht mit einem gewissen Maß an Ernst. Und dennoch...
"Wahrscheinlich werden wir das nie herausfinden!"
Verfasst: Freitag 1. Februar 2008, 23:21
von Tarja Lycron
- Wut.
Ohja, wütend war sie so oft auf sich selbst. Sie lehnte sich in den Stuhl ihres Schreibtisches zurück. Normalerweise blieb sie neuerdings in Lucans Haus. Aber jenem fehlte eindeutig an Einrichtung. Sie sah an die Wand. Die Kerzen flackerten dort wild hin und her. Sie hasste diese Gefühlsregungen. Es war ja nicht so, dass sie kalt durch den Verlust ihrer Seele wurden. Kalt war sie zuvor schon gewesen. Und dennoch, sie fühlte. Und das allein machte sie wütend, wenngleich es auch ihre persönliche Herausforderung war, ihre Gefühle zu unterdrücken - zumindest vor den anderen.
- Hass.
Sie schloss die Augen. Wieder musste sie an ihre Eltern denken, an ihre Familie. Wie schwach sie doch alle gewesen waren. Ihre Mutter, die sich von ihrem Mann totschlagen ließ, weil sie ihn so sehr geliebt hatte. Ihre Schwester, die sich gegen ihren Vater nicht wehren wollte. Ihre beiden anderen Schwestern, die sich gegenseitig umbrachten. Den Hass, den sie innerlich auf ihre Familie hatte, ließ sie frei. Schon damals. Und dennoch, sie spürte es gerade sehr deutlich.
- Liebe.
Sie blickte in ihre eigenen Augen, sie sah ihr eigenes Spiegelbild. Vor ein paar Wochen noch strahlten die Augen nichts aus. Sie waren leer. Doch mittlerweile? Sie strahlten nicht, das konnte man nicht sagen. Abgesehen von der beissenden und stechenden Farbe ihrer Augen. Aber etwas anderes, etwas Geheimnisvolles lag in ihnen.
"Wir dürfen das nicht!" - Allzu oft dachte sie an ihre eigenen Worte. Er war ihr Lehrer, sie seine Schülerin. Und doch, irgendetwas hatte dieser Mann an sich, was sie dazu brachte, die Finger nicht von ihm lassen zu können. Diese Art, die ihn umgab. Das Auftreten, die Ausstrahlung, dieses.. Dunkle und Bösartige, was er durchaus an den Tag legen konnte.
Sie erinnerte sich an den Abend in der Burg, als sie sich gestritten hatten. Als sie jedes Wort von ihm auf die Goldwaage gelegt hatte, weil es längst zu spät war. Sie erinnerte sich an das Gefühl, als sie vor ihm stand, den Blick zur Wand gerichtet und er sie in seine Arme schloss, ihr leise Worte in ihr Ohr flüsterte. Worte, die sie kaum glauben konnte und Worte, mit denen sie nie im Leben gerechnet hätte. Und doch, das Gefühl, welches sie bei seinen Worten empfand, brachte sie um den Verstand. Es durchzog ihren ganzen Körper. Er hatte vor ihr, von Angesicht zu Angesicht, zugegeben...
... sie zu lieben?
- Gewissheit.
Ja, damit hatte sie Gewissheit. Gewissheit über seine Gefühle. Und dabei hatte sie gerade ihn anders eingeschätzt. Gerade er hatte ihr doch anfangs etwas davon erzählt, dass Frauen ... aber es war egal. Sie ließ die Gedanken noch einmal zurückschweifen zum Abend, an dem sie die erste Grenze überschritten hatte. Was hatte sie da nur geritten? Ein Schnitt, das Blut lief über ihren Arm und sie hielt ihm den Arm hin. Sie wollte auch dort Gewissheit haben. Gewissheit, dass er sich nicht den Lügen bediente. Und er hatte nicht gelogen, keinesfalls. Er legte seine Lippen an ihren Arm, leckte und saugte das Blut der Wunde auf. Sie hatte noch nie jemanden freiwillig auch nur die Möglichkeit gelassen, irgendetwas mit ihrem Blut anzustellen. Und doch ... sie hatte ohne mit der Wimper zu zucken zugesehen, wie er sich darüber her machte. Danach folgte der Kuss. Sie wusste nicht, was es war, was sie dazu verleiten ließ, ihre Lippen auf seine zu legen. "Tu es!" - Und ja, sie hatte es getan. Sie hatte ihre Begierde erfüllt.
- Leidenschaft.
Sie hatte sich ihm fortan hingegeben. Wenngleich sie auch nicht damit gerechnet hätte, dass es nach diesem einen Kuss weitergehen würde. Die Leidenschaft, die er in ihr entfachte, war alles andere als normal.
Sie schloss die Augen. Ihr fehlte der Duft, der Geschmack, die Aura - alles um und mit ihm. Sie strich sich über die Augen. Ja, sie liebte diesen Menschen. Und dennoch zweifelte sie immer und immer wieder, schließlich wollte sie ihr Studium niemals außer acht lassen. Weder für ihn, noch für etwas anderes. Aber wer sagte, dass man das musste? Es konnte ihr auch zugute kommen. Was konnte es schon besseres geben? Sie konnte so einiges von ihm lernen, was sie vorher noch nicht einmal ansatzweise kannte.
- Angst.
Die Angst, die sich mit der ganzen Euphorie mitzog legte sich hauptsächlich darauf, dass jemand erfahren würde, was sie verband, bevor es an der Zeit war, jenes offiziell bekannt zu geben. Ob dieser Zeitpunkt überhaupt irgendwann kommen würde war ihr bisher noch nicht bewusst. Sie hatte keine Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Er war ein mächtiger Magier und er wusste, wie er seine Mächte einsetzen konnte. Sie sah die grünen Augen vor sich, sein Lächeln und dann wieder seinen weltfremden Blick. Gewiss, viele kannten ihn so nicht. Nicht in dieser Form. Tausende Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Ändern konnte und wollte sie ihre Situation nicht, sie konnte nur das Beste daraus ziehen. Sie legte die Schreibfeder auf die Seite und klappte das Buch zu. Es war spät, zu spät. Sie musste "nach Hause".
Verfasst: Sonntag 10. Februar 2008, 19:42
von Tarja Lycron
- Ehre den, dem Ehre gebührt.
Diesen Satz hatte Tarja schon recht lange in ihrem Kopf. Irgendwann einmal, als sie kleiner war, hatte sie ihn in einem Buch aufgeschnappt und er hatte sich in ihren Kopf quasi gebrandmarkt. Ehren konnte man nur jemanden, der sich die Ehre verdient hatte. Alatar beispielsweise. Ihn ehrte sie. Ihm schenkte sie ihren Glauben und für ihn beschritt sie ihre Wege. Ihn fragte sie um Rat, wenn sie nicht mehr weiter wusste. Die Frage nach der Ehre, Darian beantwortete sie und so war es wohl auch besser. Tarja hätte sich diesen Spruch sonst nicht verkneifen können. Wobei sie sich sicher war, dass nur Lucan verstanden hätte, was sie wirklich damit sagen wollte. Wer wusste schon davon, dass Tarja wusste, was so einige andere wussten? Schon ein unbeschreibliches Gefühl.
Ja, nun saß sie da. Sie hatte den ersten Unterrichtsblock hinter sich gebracht, ihr Referat über die Symbole in der Magie gehalten und auch, wenn Lythiana sie korrigiert hatte, Tarja war sich recht sicher, dass sie dennoch zu einem Teil Recht hatte. In dem Fünfeck im Pentagramm hatte man, wenn es drauf ankam, Schutz. Die vier Elemente flossen von einem zum anderen über durch die sich verbindenden Linien, der Geist des Magiers wirkte mit und konnte in dem Fünfeck durchaus gebannt oder geschützt werden. Je nachdem, um was es sich eben handelte. Also war ein Pentagramm sehr wohl ein Schutzsymbol. Vielleicht würde sie sich noch einmal dran machen und sich wieder und wieder über die Bücher setzen, um sich das Ganze noch einmal durchzulesen. Aber was machte es schon für einen Sinn, sich mit der Maestra anzulegen? Das Einzige, was passieren konnte, war, dass die Maestra beschloss, Tarjas Leben auszulöschen oder festzustellen, dass sie, auch wenn es nicht der Wahrheit entsprach, trotzdem Recht hatte - sinnlos also. Bald also sollten die Prüfungen von statten gehen.
"Adepta Thyrmon, klingt gut, wie ich finde."
Ja, es würde mit Sicherheit gut klingen. Aber sie zweifelte ein wenig. Natürlich, Zweifel prägten ihr Leben. Immerhin zweifelte sie auch an, was aus Lucan und ihr werden würde.
Der Umzug war mittlerweile so gut wie hinter sie gebracht. Das Zimmer in der Burg behielt sie weiterhin, wenngleich man sie dort nur noch selten sah. Ob es jemand bemerkte? Es war ihr egal. Das Haus war so gut wie komplett eingerichtet. Ein nützliches und dennoch bequemes und heimisches Schlafzimmer, ein Badezimmer, die Küche mit einem ruhigen, schönen Plätzchen vor dem Kamin. Und doch war irgendwo etwas, was sie störte. Irgendwas beeinflusste sie so, dass sie sich ihm in der letzten Zeit gänzlich verwehrte und sich mehr distanzierte, als sie sich ihm näherte. Hatte sie Angst? Ein paar Mal schon musste sie einfach raus aus dem Haus, weg von seiner Nähe, weil es einfach zu beklemmend für sie war. Sie musste frische Luft um sich herum haben, um ihre Gedanken zu klären und die Wogen zu glätten. So oft hatte sie die Türe einfach hinter sich zugeknallt.
Was störte deinen Traum, als du an meiner Seite liegend schliefst?
Was trieb dich in die schwarze Nacht?
So dass du schließlich ohne Kleid und Schuhe in die Kälte liefst, was hat dich nur dazu gebracht?
Leise flüsterte er ihr sanfte Worte in ihr Ohr. "Ich will die Wut wieder in die sehen... das Feuer in dir spüren." und ein sachtes Lächeln zierte seine Lippen. "Scheint das Feuer denn so schwach?" Kurz benetzte er ihre Lippen nach ihren Worten mit einem kurzen Kuss. "Momentan? - Ja."
Ja, das Feuer war momentan nur ganz gering vorhanden. Sie spürte es selber. Sie spürte, wie sich ihre Kehle zuschnürte, wie sie empfindlicher wurde. Sie gingen gemeinsam zum Kamin hinab und sie schmiegte sich in seine Arme, während sie so vor dem prasselnden Feuer saßen. Schöne vertraute Zweisamkeit, etwas, das sie schon lange nicht mehr hatten. Aber irgendwie, sie konnte sich in seinen Armen nicht gehen lassen. Begierde, ja, darüber sprachen sie. Sie sagte ihm, dass ihre Begierde nur ihm gehören sollte, was auch so war. Nur ihn hatte sie im Sinn, niemand sonst. Das, was sie für ihn empfand, hatte sie vorher noch nie empfunden. Sie war verblendet gewesen als sie dachte, dass sie mit Darian etwas tieferes verbinden würde. Es war eine Freundschaft, eine Verwandtschaft der Seelen, die sie verbunden hatte. Aber die Seelen wurden ihnen genommen und damit starb ein Stück von dem, was die beiden verband. Sie hatte ihn nie geliebt, Lucan wiederum liebte sie - von ganzem Herzen. Und das wurde ihr wieder und wieder bewusst. Und dann, dann kam der Moment, an dem Tarja sich wünschte einfach irgendwo anders zu sein. Eine Nachricht, die ihr den Wind aus den Segeln nahm. Verlobt soll er also schon gewesen sein? Sie schloss die Augen kurz. Konnte jemand auf dieser verdammten Welt nachvollziehen, wie es ihr nun in diesem Moment ging? Sie setzte sich aufrecht hin, doch zog er sie wieder in seine Arme zurück - zumindest versuchte er es. "Es ist Vergangenheit..."
Sie schluckte. Innerlich bebte sie, aber sie hielt es vor ihm versteckt. "Ich bin auch nicht dein erster..."
Was wusste er schon. Von was hatte er überhaupt eine Ahnung? Hatten sie jemals, jemals auch nur ansatzweise über so etwas gesprochen? Woher nahm er sich das Recht heraus, dass er nicht ihr erster war?
"Was macht dich da so sicher?"
Er begründete es damit, dass sie selbst gesagt habe, dass es jemand gäbe, der mehr wisse über sie als andere. Natürlich. So war es auch. Aber hieß das gleich, dass sie auch mit ihm geschlafen hatte, oder gar verlobt war und eine solche Bindung wie zu ihm hatte? Es schien ihn zu verwundern. "Es war eine starke Verbindung, weil wir einen langen Weg gemeinsam gegangen sind, aber es war nie im Leben so eine beding..!" sie stockte kurz. "Nein, es war nicht so."
Er nickte, er nahm es für sich auf und dennoch sagte er ihr, dass es für die Gegenwart nichts ändern würde. Nichts ändern? Natürlich nicht, nein. Für ihn vielleicht nicht. Sie jedoch verstand ganz gut. Sie verstand nun, warum er so komisch reagiert hatte, als sie sich den Scherz mit der Familie erlaubt hatte, wenngleich dieser Scherz zu Ernst geworden war und sie lange darüber gesprochen hatten. Aber sie verstand, sie verstand Stück für Stück immer mehr. Man verlobte sich nur mit einem Menschen, wenn man sich sicher war, dass man mit ihm den Rest seines Lebens verbringen wollte und man tat es nur, wenn man ihn wirklich aufrichtig liebte. Am liebsten hätte sie ihn angebrüllt, ihm gesagt, dass er sie sonstwo kann, dass sie ihn in ihrem Leben nicht mehr wiedersehen wollte. Aber was sollte das schon bringen? Sie machte sich damit nur lächerlich. Stattdessen schmunzelte sie aus einem völlig merkwürdigen und uneinsichtigen Grund heraus. "Du musst sie sehr geliebt haben!" Sie streichelte ihm über die Wange und setzte ienen Kuss auf diesen, er suchte ihren Blick während der Berührung, die sie ihm entgegenbrachte. Aber ihm blieb ihr Blick verwehrt, stattdessen stand sie auf. Wieder einmal hatte sie das Gefühl, als würde ihr jemand die Luft zum atmen nehmen, als würde sie in eine Ohnmacht fallen. "Wo willst du hin?" Sie wusste es nicht, sie musste nur raus, das sagte sie ihm auch so. Sie musste ein paar Schritte gehen um ihre Gedanken zu ordnen. Die Kapuze zog sie in ihr Gesicht. "Du willst mich hier alleine zurücklassen?" Sie sagte darauf nichts weiter, bis auf die Tatsache, dass sie ein paar Schritte gehen musste. Sie ging zur Tür, doch er sprang auf und folgte ihr. Er legte seine Arme um ihren Bauch, zog sie in seine Arme und drängte sich sanft an sie heran. "Ich brauche dich.."
"Es ist nicht so, dass ich dich nicht auch brauchen würde..." setzte sie an zu sprechen. Er sah sie an, fragend. "Was dann?"
"Ich liebe dich - von ganzem Herzen. Ich hab so etwas nie gespürt und ich weiss, dass es bei dir nicht so sein wird." Eine ernüchternde Erkenntnis, aber es war die Richtige. Sie selbst saß noch vor ihm, als er sie so schroff angesprochen hatte und auf den Stuhl im Zimmer zurückgedrängt hatte und brüllte ihm ins Gesicht, er sei ein Blödmann, sie würde nicht einmal mit den Wimpern zucken und mit ihm sofort vor den Altar schreiten im Tempel. Seine Reaktion, oder eher die ausgebliebene Reaktion darauf sprach Bände. "Und wenn es doch so gekommen ist?"
Natürlich, was sollte so gekommen sein? Gut, vielleicht liebte er sie. Vielleicht hatte er sie wirklich in sein Herz gelassen. Aber was erwartete er nun von ihr? Das sie himmelhochjauchzend im Raum stand und ihm um den Hals fiel mit einem "Wie schön, dass du schon verlobt warst! Muss jeder einmal mitgemacht haben!" ? Natürlich. Männer, dachten die eigentlich nie über irgendwas nach? "Mach dir selber nichts vor, so eine Liebe, wie du sie empfunden hast, überkommt so schnell nichts." Er faselte irgendwas von Zeit, er würde auf sie warten. Auf sie warten? Worauf wollte er warten? Er hatte sie. Er hatte ihr Herz, er hatte alles von ihr, bis auf ihre Seele, die hatte sie dem Orden gegeben. Was wollte er also mehr. Alles. Er wollte alles? Er hatte alles. Mehr konnte sie ihm nicht geben, mehr konnte sie ihm nicht zu Füßen legen. Warum sie dann gehen wolle. Sie brauchte Ruhe. "Es tut weh, dass sie etwas hatte, was ich nie haben werde." Und ja, das tat weh. "Wer sagt, dass du es nicht besitzen wirst? Oder es nicht schon tust?" Sie musste raus hier. Nein, sie hatte es nicht. Die bedingungslose Liebe seinerseits, diese 'Lass-uns-gemeinsam-alt-werden'-Liebe, die gab es zwischen den beiden nicht. Sie flüchtete sich in den Tempel, sie musste ihre Gedanken ordnen, ihre Worte an Alatar richten. Der Tempel war leer. Sie betrat ihn, die Schritte hallten auf dem kalten Gestein. Die Maske nahm sie sich ab, die Kapuze blieb in ihrem Gesicht. Tausend Gedanken schossen durch ihren Kopf. "Warum sie? Warum nicht ich?" Tausend Fragen, die sie niemals beantworten konnte. Natürlich, sie hätte weinen können, hätte sie es gewollt, aber sie wollte nicht. Ja, sie hatte keine Seele mehr, aber trotzdem, sie hatte noch ein Herz. Und sie spürte, dass es weh tat. Sie stand wieder auf, nachdem sie auch im Tempel nicht zu einer weiteren Sichtweise kam als die, die sie in sich trug. Sie musste aufwachen, sie musste beginnen, das Feuer in sich wieder zu entfachen. Sie durfte sich nicht von ihren Gefühlen, von ihrer Liebe leiten lassen. Von ihrer Begierde und ihrem Drang, ihren Fortbestand zu sichern. Sie ging nach Hause, aber kaum hatte sie die Türen hinter sich geschlossen, schossen wieder tausende von Gedanken um ihren Kopf. Gedanken daran, wie er wohl um ihre Hand angehalten hatte. Sie ging in die Küche, wollte nach einer Flasche Wein greifen. Es war sinnlos. Was sollte sie schon groß mit einer Flasche Wein außer ihre Sinne benebeln und vermutlich dann ihre Wut aussprechen? Sie musste sich damit auseinander setzen, dass sie nie soweit gehen durfte. Wie sagte er doch, er sei vorsichtiger geworden. Vielleicht hätte er damals einfach besser aufpassen sollen, denn vielleicht war sie diejenige, die ihn nicht von heute auf morgen sitzen lassen würde. Innerlich kochte sie. Innerlich hätte sie vermutlich ganz Rahal niederbrennen können. Aber stattdessen unterdrückte sie es und ging die Treppen hinauf, in der Hoffnung, dass der Abend doch noch einigermaßen ruhig verlaufen würde ...
Sie würde einen Weg finden, einen Weg für sich alleine. Einen Weg, um sich von dem zu befreien, was ihr für den Moment so auf den Schultern lag. Vielleicht würde sie ihm letztendlich alles sagen, was sie wirklich beschäftigte. Vielleicht... war er aber auch selber schlau genug um zu merken, dass sie innerlich ein wenig gebrochen war, auch, wenn sie es nicht wirklich zeigen wollte. - Spüren konnte er, gerade er, es allemal.
Was trieb dich in die schwarze Nacht?
Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2008, 16:07
von Tarja Lycron
Hausfrau. Sie und eine Hausfrau. Sie dachte an einen schlechten Scherz. Kochen sollte sie für ihn? Sie sollte, sie musste nicht. Aber sie war keine Hausfrau. Sie wusste zwar, wie man Essen köstlich zubereiten konnte, aber viel mehr bedarf es auch nicht. Und nun sollte sie kochen? Letztendlich blieb ihr keine andere Wahl als zu kochen. Ansonsten wäre ihre Ehre und ihr Stolz deutlich angekratzt gewesen. Also bereitete sie das Essen zu. Ein wenig Fleisch, ein wenig Gemüse und Brot. Und dennoch, dafür sollte er büßen. Das Brot sollte also vergiftet werden. Es gelang ihr die kleine Flasche mit dem betäubenden Gift unter das Essen zu mischen, welches sie ihm dann vorsetzte. Er aß. Zuerst von dem Fleisch, dann griff er zu dem Brot um sich die fettigen Finger dort abzuwischen. Dann legte er es wieder zur Seite. Ihr Plan war nicht aufgegangen. Und dann: Er aß davon.
Nur wenige Sekunden später sackte er in sich zusammen und rutschte vom Stuhl auf den Boden, der dumpfe Aufschlag auf dem Boden klang schmerzhaft. So war das nicht gedacht, er sollte nur ein wenig benommen sein und nicht gleich ohnmächtig werden. Blut verteilte sich auf dem Boden. Wie sollte sie es nun erklären, wenn er das nicht überleben würde? Tarja, nächstes Mal einfach nachdenken.
Doch er schlug die Augen wieder auf. Sie kniete noch immer neben ihm, strich ihm die Haare aus dem Gesicht. "Was hast du dir dabei gedacht?" herrschte er sie an. Ja, was hatte sie sich dabei gedacht. Es war nur eine Art Rache gewesen. Rache für die Hausfrau, Rache für den Rest. Ein Test, wie weit sie gehen konnte. Eine Prüfung für sich selbst, für ihn. Vielleicht wollte sie sich auch ein wenig Respekt verschaffen. Auf einmal spürte sie, wie ihr die Luft wegblieb. Es fühlte sich an, als habe sie Schlingen um ihren Hals. Sie hatte es provoziert, sie hatte sich ihm gegenüber aufgebaut und ihn noch weiter gereizt. Sie ringte um Luft, was ihr nicht sonderlich gelang. Seine Worte nahm sie nur verschwommen wahr, hatte sie vielmehr Mühe, sich bei Bewusstsein zu halten. Nach einer Weile bekam sie langsam wieder Luft, wobei ein surrendes, röchelndes Geräusch aus ihrem Rachen drang. Immer wieder japste sie nach Luft um die fehlende Luft aufzuholen. Nach einigen nervenaufreibenden Diskussionen, welche die Beiden führten ging Lucan die Treppen hinauf. Ob sie wüsste, was er fühlte, er habe ihr vertraut wie niemand anderem zuvor. Und ja, sie wusste was er fühlte. Es musste eine bittere Enttäuschung sein. Die gleiche Enttäuschung und Wut, die auch in ihr ruhte. Er hatte wieder nicht verstanden, was sie belastete. Sie konnte mit ihm reden, er verstand es nicht. Sie war innerlich in einem Gefühlszustand, den sie so nicht kannte. Jeder, der ihr blöd kam, musste der Gefahr ins Auge sehen, in Flammen aufzugehen. Selbst eine der beiden Katzen wollte sie längst fritieren. Im letzten Moment ließ sie jedoch von ihnen ab. Hatte er eine Ahnung? Überhaupt nur ein kleines bisschen? Ja, es erwischte immer die Falschen. Er hatte sich mit der Falschen verlobt. Ansonsten wären sie nun wohl noch zusammen. Warum die Andere und nicht sie? Wenn man gemeinsam das Leben bestreiten wollte tat man sowas, zumindest dann, wenn man sich sehr liebte. Welch ernüchterndes Gefühl, dass nicht sie diejenige war. Es war ein beschissenes Gefühl. Sie würde ihre Sachen packen. Der Abend war zuviel für sie gewesen. Und dennoch, sie sprachen miteinander. Sie redeten, wenngleich sie auch nicht wusste, was sie ihm noch sagen sollte. Er verstand eh nicht. Sie wollte nur noch schlafen. Sie blieb, allerdings bat sie ihn darum, in der Nähe des wärmenden Feuers zu schlafen. Innerlich war sie kalt, innerlich konnte sie im Moment nichts trösten geschweige denn wärmen. Sie wollte nur noch ihre Augen zu machen und schlafen und den Tag vergessen. Den Umhang hüllte sie um sich, die Kissen schob sie zueinander und legte sich auf diese. Den Kopf bettete sie darauf und ihre Gedanken verschwommen in den Flammen. Sie liebte diesen Kerl ungemein, ansonsten wäre sie längst gegangen. Und ja, zum ersten Mal in ihrem Leben verstand sie ihre eigene Mutter, wie sie so schwach sein konnte und bei jemandem blieb, der sie bedroht hatte. Seufzend schloss sie die Augen. Irgendwann in der Nacht jedoch wurde sie wach, sie spürte, dass irgend etwas um sie war. Sie blickte zur Seite und sah ihn, Lucan, wie er neben ihr lag, eine Hand auf ihre Hüfte gelegt. Er schlief wie ein kleines Kind. Wenige Minuten sah sie ihn an, kurz zuckten ihre Mundwinkel hinauf. Auch, wenn sie getrennt eingeschlafen waren, ihre Verbindung bestand weiterhin und das er sich zu ihr gelegt hatte, mitten in der Nacht, konnte unter Umständen einiges bedeuten. Seufzend schloss sie die Augen und schlief weiter.
Verfasst: Donnerstag 21. Februar 2008, 00:06
von Tarja Lycron
Das schwarze Kleid umhüllte ihren Körper, jede einzelne Rundung zeichnete sich unter jenem ab. Sie raffte den Saum des Kleides ein Stück nach oben. Die grünblauen glatten Haare fielen in langen Strähnen über ihre Schultern hinab. Ihre Hände umfassten den Stab. Sie hatte die erste Stufe gemeistert, sie war Adepta. Es war ein wahnsinnig schönes Gefühl, ein Gefühl von Ruhm und ansteigender Macht, welches sich in ihr breit machte.
Lucan konnte und sollte nicht anwesend sein, vielmehr lag es an ihr, ihn zu überraschen. Aber war er so überrascht davon, dass sie es geschafft hatte? Immerhin glaubte er an sie.
Manchmal glaubte sie, zwischen ihnen war etwas, was niemand so wirklich verstehen konnte. Auch, wenn sie sich oftmals wegen nichts und wieder nichts in den Haaren hatten. Am Abend zum Beispiel, als Tarja so lange mit Ailana in der Taverne saß. Sie wusste nachher nicht, was Lucan von ihr wollte. Er herrschte sie in einem Tonfall an, obwohl sie nichts weiter getan hatte. Sie führte eine Unterhaltung und sie hatte ihren richtigen Namen nicht verschwiegen und Ailana war nicht so dumm wie andere, sie hatte verstanden, dass Tarja und Lucan mehr verband als nur der Orden und die gemeinsamen Stunden, die sie dort verbringen mussten. Aber sie verstand nicht. Sie versuchte zu verstehen, aber Tarja blieb jeglicher Gedanke fern, was sie falsch gemacht hatte. Sie gab es auf, vermutlich würde sie diesen Mann nie verstehen.
Der Keller war mittlerweile auch ziemlich eingerichtet, eine Wand sollte die Räume voneinander trennen, die vorderen Räume sollten mit einem Alchemieraum und ähnlichem ausgestattet werden, wobei der hintere Raum ein weiteres Schlafzimmer bergen sollte. Ruhe, einfach nur Ruhe.
[img]http://img204.imageshack.us/img204/1687/0e9b96965422fbafnm8.jpg[/img]
Und wenn ich träume dann bin ich allein
und wenn ich weine dann bin ich allein.
Doch dies gehört nun zur Vergangenheit
denn du bist nun für immer Mein.
Engelsblut - Reise
Sie packte die Rüstung ein, die sie, wie gewünscht, zur Burg bringen sollte. Sie sah ihn, Lucan, wie er vor der Burg stand, doch gerade, als sie auf ihn zutreten wollte, vernahm sie Schritte von hinten, welches selbst das Lächeln auf ihrem Gesicht sterben ließ. Es war Darius, der sich gleich bereit machen durfte, um ein paar Runden zum Aufwärmen um die Burg drehen musste. Fünf an der Zahl. Gerade hatten sie ihn losgeschickt, da trat Lucan auf sie zu, sie übergab ihm die Tasche und drückte ihr einen Kuss auf, als Darius auch schon wieder um die Ecke bog. Und dennoch, Lucan und Tarja taten beide so, als wäre nichts weiter gewesen. Ob er es wirklich mitbekommen hatte war unklar, immerhin hatten sie sich so schnell wieder voneinander gelöst. Wie auch immer, früher oder später würde es eh herauskommen. Immerhin war sie nun Adepta. Und das Gefühl war nun nicht mehr ganz so schlimm für sie, dass er ihr „Lehrer“ war. Immerhin verband sie mittlerweile soviel mehr, ein Haus, eine Liebe, ein Leben.
Verfasst: Donnerstag 21. Februar 2008, 17:34
von Lucan Linari
Lange saß er schon da, an seinem Schreibtisch und überlegte, überlegte, was in der letzten Zeit geschehen ist, wie das Leben sich wandelte. Schon einige Wochen wohnte er nun in Rahal und schrieb regelmäßig einige kleine Texte, die einem Tagebuch gleich kamen.
Die Fenster waren weit geöffnet, durch welche er zum Mond hinaufsah und in seinen Gedanken versank…
Silbernes Licht floss in den Raum, in dem er saß und nur der Schein der Kerze, durchbrach jene Farben mit einem gelblichen Ton. Immer wieder schweifte er ab, musste er doch seine Gedanken ordnen und den weiteren Unterricht vorbereiten. Die Augenlider sanken langsam herunter, als er doch plötzlich erschrak, nachdem eine der Katzen über den Schreibtisch lief und sein Tintenfass umgestoßen hatte. Das Blau drang über das gesamte Pergament, auf jenes er einige wenige Worte bannen konnte, die nun aber völlig übermalt wurden.
Fluchend scheucht er das kleine Vieh beiseite, während kleine Flammen an seinen Händen sich entlang züngeln, doch hält er für einen Moment inne… einen Moment mit Gedanken bei einer Frau, weswegen die Flammen wieder erlischen und er die Katze noch einmal davonkommen lässt. Eine Seite seiner Oberlippe hebt sich an, während er ihr einen abwertenden Blick zuwirft und sich wieder den Pergamenten widmet.
Langsam streckt er dem Fleck seine ausgestreckte Hand entgegen und wie von Zauberhand, beginnt die Tinte sich wieder zu bewegen, als würde man mit einem Magneten die kleinen Quecksilberperlen beeinflussen und diese zusammenführen. Die Flüssigkeit wandert wieder in das kleine Tintenfass zurück, aus dem es kam, doch sind nun auch die Buchstaben verschwunden, welche einst das Pergament zierten. Ein leises Seufzen entfuhr ihm, die Hand ließ er wieder hinabsinken. Die Gedanken schweiften ab, einige Sekunden lang starrte er nur so in die endlose Leere… Sekunden vergingen als wären es Stunden…
Lange Zeit wütete eine Kälte in ihm, die Stille trieb ihn an den Rande des Wahnsinns… absurde Gedanken wurden in seinem Kopf gestrickt, Fantasien in seinem Kopf hervorgerufen, welche andere als Perversion abtun würden, das Bunte verblasste… alles war in einen Grauton gehüllt und das einzige, was herausstach war das Blut… das Blut seiner Opfer, sein eigenes Blut… ob Mensch oder Tier, ob er oder die Anderen… es war ihm egal, wer leben - und wer sterben würde… bis vor kurzem.
Noch bevor er zuließ, dass eine Person, eine Frau sein Herz erwärmte. Es war seltsam, aber diese Faszination drängte sich immer mehr in den Vordergrund.
Ihr Wesen – sie teilten so viele Gedanken miteinander ohne es auszusprechen.
Ihr Geist – welcher so wach und ausgeprägt war, dass er versteckte Reize in sich barg
Ihre Augen, in denen man einfach nur versinken konnte…
Das Miauen der Katzen unterbrach seinen Gedankenfluss, er hob sogleich seinen Kopf von der Tischplatte – er hatte nicht gewusst, dass er ihn abgelegt hatte, doch schüttelte nur den Kopf und griff nach einer Feder um diese mehrere Male in das Tintenfass zu tunken.
Die immer schmaler und breiter werdenden Linien formten langsam einige Worte und er begann mit einem Eintrag:
Kalt war es an jenem Abend, an dem ich zu Hause saß und meine Hand immer wieder über das Haupt der Katze streichelte, welche es sich auf meinem Schoß bequem gemacht hatte. Anfangs empfand ich es als keine Gute Idee sich solche Tiere ins Haus zu holen, doch langsam verstehe, was Tarja antrieb, warum sie sie mitgebracht hatte…
Die Stille in dem Haus wurde lediglich von den Tieren und dem knisternden Kamin unterbrochen, während ich auf ihre Rückkehr wartete. Die Stunden vergingen, ein unwohles Gefühl stieg in mir hoch… Wut bis zum Hass… Resultat von was? Eifersucht? Angst?
Also entschloss ich mich dazu, in die Stadt zu gehen, wobei ich an der Taverne Rahals vorbeikam - einige laute Stimmen drangen schon aus den offenen Fenstern, die sie wahrscheinlich geöffnet hatten, damit die schwitzenden, stinkenden Menschen sich nicht gegenseitig verpesteten. Doch da…ich weiss nicht, was es war, aber eine gewisse Verwunderung wurde in mit breit, als ich eine schwarze Kapuze erkannte. Mein Herz klopfte hinauf, tausend Gedanken schossen mir in den Kopf, doch als ich die Tür durchtrat wusste ich, dass ich Haltung annehmen musste. Ja – niemand sollte auch nur eine Regung von mir deuten können. Das wäre zu gefährlich für mich und vor allem für Tarja…
Da saßen sie: Zwei Söldner, eine Frau und Tarja. Doch was bewegte sie dazu, hier zu sein, obwohl sie wusste, dass ich auf sie wartete. Wir gesellten uns an einen größeren Tisch, damit auch ich Platz finden würde. Einer diese großen Kampftiere setzt sich direkt vor mich auf den Platz neben Tarja, den ich mir schon ausgesucht hatte. Die Wut kochte in mir auf, doch war es sein Glück, dass sich neben ihr sich noch ein Stuhl befand – er hätte sie nur anfassen müssen. Ich hätte für nichts garantiert…
Doch hätte dieser Ausfall mehr verraten können – was hätte ich damit aufs Spiel setzen können? Viel und doch… wäre es mir im Nachhinein egal. Sollen sie’s doch alle wissen, was zwischen uns ist, aber nicht in dieser Ordenskleidung. Steht der Orden doch für Härte und Skrupellosigkeit – nicht für Liebe. Dieser Mythos musste erhalten bleiben. Ich konnte auch so mein Auge auf das Geschehen haben.
Lange Zeit unterhielt ich mich mit den Männern am Tisch – es schienen gar großartige Krieger zu sein. Sie würden Alatar sehr dienlich sein können, wenn sie sich uns anschließen würden. Ich würde es begrüßen. Ein Schwertarm mehr auf der Seite des Herrn ist nie verkehrt.
Als ich mich erhob, hoffte ich, dass Tarja diese Geste richtig deuten würde und mir folgen würde, doch da erhob Ailana das Wort. Sie wolle bei uns wohnen und dafür das Haus in Ordnung halten. Was glaubte sie, wen sie da vor sich hat? Die einzigen Personen, welche einen Schlüssel zu meinem - zu unserem Haus bekamen, haben sich mein Vertrauen schwer verdienen müssen, wobei… es nur zwei Schlüssel gibt. Ich verschwand hinaus in die dunkle Nacht, welche sich um meine Robe legte und mit ihr verschmolz.
Endlich Daheim und es brauchte nicht lange bis Tarja hinter mir stand – sie hatte den Deut verstanden.
Hmm Tarja… welch ein wohlklingender Name…
Jedenfalls verbrachten wir die Nacht im Keller, den wir zuvor gerade erst eingerichtet haben. Diese Nacht werde ich so schnell nicht vergessen…
Die letzten Buchstaben brauchten ein wenig länger um sie auszuschreiben. Immernoch an Gedanken hängend, hob er seine Mundwinkel, legte die Feder beiseite und drückte sich von seinem Platz hinauf. Ein paar Fältchen, welche sich auf seine Robe schlichen, strich er glatt und wanderte zurück zu seinem Bett. Er schlüpfte unter die Bettdecke, doch die Gedanken schweiften immer noch umher doch würde er warten ehe er einschliefe, denn die Schlafstörungen, die lange Zeit seine Nächte bestimmten, wurden in letzter Zeit immer weniger oder sollte man besser sagen – angenehmer.