Seite 1 von 1

*Düstere Gedanken*

Verfasst: Samstag 12. Januar 2008, 22:52
von Marya Mordan
Die Abendsonne schimmert am Horizont. Ein Wechsel aus hellen und dunklen Wolken durchschneidet das himmlische Spektakel. Ein leichter Wind vom großen Strom des Südens durchkämmte ihr gelocktes Haar.
Sie blickte zum Himmel hinauf ein glückliches Lächeln huschte immer wieder auf ihren Lippen. So glücklich war sie noch nie gewesen.
Immer wieder blickt sie flüchtig zu Tyrius der neben ihr friedlich schlief, als sie sah das er leicht zitterte schloss sie wieder das Fenster und legte sich zu ihm sanft angekuschelt. Ihre Gedanken an ihre Vergangenheit vergaß sie fast als sie ihn anblickte doch wusste sie nicht wie sie es ihm sagen sollte. Wie sollte sie ihm nur erzählen können, dass sie ein weiteres großes Problem hatte. Ein Problem mit dem Aufnehmen von Nahrung. Leicht schüttelt sie den Kopf und schloss ihre Augen wieder.
Und was würde er sagen oder tun, wenn er davon wüsste?`
Sicherlich würde er sich viele Sorgen um sie machen... wollte sie dies? War es das was sie ihm zumuten wollte?
'Nein ich mach das ich werde nicht neben ihm essen oder geschweige den danach fragen er weiß schon soviel von mir und es war immer so traurig.'
Ihre Augen wieder geöffnet blickte sie zur Zimmerdecke hinauf. Diese Gedanken ließen sie nicht schlafen. Immer wieder musste sie daran denken wie ihre Zukunft aussehen würde und wie schön sie doch werden könnte. Doch über allem schwebte ihre Angst, wieder einmal etwas falsch zu machen und wieder einmal etwas ihr wichtiges zu verlieren oder das ihrem Glück etwas passieren könnte.

Verfasst: Sonntag 13. Januar 2008, 00:57
von Marya Mordan
Langsam öffnete sie die Tür des Schlafzimmers und trat in den Wohnraum ein.
Sie hatte ihn erst nicht bemerkt gehabt, weil er an der Küchenzeile beschäftigt war und ihre Augen erst zum Feuer gewandert waren, das leise im Ofen knisterte.
Er hatte ihr am Abend zuvor erzählt gehabt, dass er Abends zu einer Jagd wollte und obwohl er ihr gesagt hatte sie solle sich nicht unnötig Sorgen machen, war sie erst in den frühen Morgenstunden eingeschlafen.
So war sie zudem noch überrascht, als sie ihn nun in der Küche stehen sah.

Als er die Tür hatte gehen hören hatte er sich umgedreht und den Lappen, den er in den Händen gehalten hatte auf die Anrichte gelegt und sich erschöpft auf die Bank sinken lassen.
Sie ging dann langsam auf ihn zu und setzte sich auf sein Schoß.
Doch kaum hatte sie gesessen, da war von ihm die Frage gekommen, über welche sie die Nacht nachgedacht hatte.
Die eine Frage, die sie ihm nicht beantworten wollte, ja die sie ihm nicht aufzwingen wollte.

„Schatz, hast du überhaupt schon etwas gegessen?“, hatte er sie gefragt gehabt.

Was sollte sie ihm nun antworten?... Die Angst kroch ihr förmlich den Rücken hinauf und blockierte ihre Gedanken. Was sollte sie tun? Er durfte es nicht erfahren, wenn er es täte, was wäre dann?

So verbrachte sie einige Moment mit Schweigen und geradezu als hätte er ihr Schweigen als eine Antwort gedeutet hob er sie dann hoch und setzte sie auf einen Stuhl am Tisch.

„Warte dort Schatz, ich mache dir etwas..“, waren dabei seine Worte gewesen und er hatte damit angefangen Essen hervorzukramen und es auf die Kochstelle zu stellen.

Was sollte sie tun?
Wenn er ihr das Essen geben würde und dabei wäre… sie müsste hinaus.. raus aus dem Haus.. eine Begründung.. ja .. die müsste sie finden und das schnell…

Langsam breitete sich der Duft des Essens in dem kleinen Haus aus und das klappern mit den Sachen hinter ihrem Rücken wurde zu einer wahren Qual für sie.
Was sollte sie tun? Immer wieder stellte sie sich diese Frage.
Würde sie essen würde sie sich übergeben.. es würde geschehen ganz von allein.

Eine Weile war sie mit diesen Ängsten sich selbst überlassen, bis er dann schließlich von der Kochstelle einen Topf Tomatensuppe auf den Tisch stellte, sowie einen kräftigen Eintopf.
Mühsam blickte sie auf die Sachen, die er ihr darbot und nahm ihm dann widerwillig den Löffel ab, den er ihr hin hielt.
„Aber du musst mir helfen Schatz, sonst schaffe ich das nicht…“, sprach sie leise zu ihm und so schien es ihr am besten, wenn er auch beschäftigt wäre und würde vielleicht nicht so sehr auf sie achten.

Sie nahm also ihren Löffel und füllte etwas der Suppe dort drauf und pustete dann sachte.
Dann hielt sie ihm den Löffel vor den Mund. Und mit einem sanften Lächeln konnte sie sehen, dass er brav den Mund öffnete und dann die Suppe vom Löffel aß.

‚Soweit so gut,.. ich muss ihn nur die ganze Zeit füttern… dann bemerkt er es nicht‘, schoß es ihr durch den Kopf. Doch wieder tat er etwas womit sie nicht gerechnet hatte.
Und zugleich tadelte sie sich dafür ihn gefüttert zu haben, denn er hatte das selbe nun mit ihr vor..
Er hielt ihr den Löffel bereits vor dem Mund, als sie zögerlich diesen gegen ihren Willen zu öffnen begann.
Die Suppe rann in ihren Mund und sammelte sich dort.
Ein leichtes Zittern lief ihr über den Körper als sie sich mit viel Überzeugung und Kraft zum Schlucken zwang. Das Schlucken hatte jedoch zugleich etwas krampfhaftes an sich und..
Sie erschrak zutiefst.. er hatte es bemerkt gehabt..
Was sollte sie tun?... Weiteressen… genau.. das würde sie nun tun müssen…
Also ergriff sie ihren Löffel und begann den nächsten Löffel in ihren Mund zu schaufeln, wieder diese Anstrengung und Überzeugung aufbringend.
‚ Schlucken! Schlucken!‘, schoß es ihr dabei durch den Kopf.

„Schatz? Schmeckt es dir nicht?“, seine Worte hallten in ihren Ohren wieder.
Er dachte es würde ihr nicht schmecken.. nein so war es doch nicht.. es war etwas ganz anderes… aber wie sollte sie ihm das erklären?
Wie nur? Sie durfte es nicht.. Weiteressen… das würde helfen…
„Doch Liebling es schmeckt mir…“, ihre Worte hatten nicht halb so überzeugt gewirkt, wie sie es hatte rüberbringen wollen und wieder musste sie schwer einen Löffel hinunter schlucken. Mit gesengtem Kopf, di e Augen starr auf das Essen gerichtet schaufelte sie nun Löffel um Löffel in den Mund. Doch nach dem zehnten Löffel etwa tauchte ein Arm in ihrem Blickfeld auf, der das Essen beiseite Schob.

„Schatz… du quälst dir das Essen doch nur rein… Wenn es nicht daran liegt das es nicht schmeckt.. woran bei Alatar liegt es dann? Bitte Schatz.. was ist los?“, seine Worte klangen weich und sanft, doch zugleich hatten sie etwas an sich, was ihr Tränen in die Augen trieb und so senkte sie den Blick schnell wieder. Er flehte sie an ihm etwas zu sagen.
Er flehte.. Wie lang würde sie diesem Widerstehen können?

Der rettende Einfall?
„Schatz, wann wolltest du denn zu der Jagd? Und wolltest du dich nicht um die Tiere kümmern?“, das war ihr letzter Ausweg. Er musste weg… sonst würde er es sehen..
Ein flaues Gefühl hatte sich in ihrem Magen bereits zusammengebraut und schüttelte sie leicht.
Nicht mehr lange würde sie es schaffen…

„Dir geht es offensichtlich nicht gut.. die Tiere können auch noch einen Moment warten,.. und die Jagd? Hrm… da muss ich erst spät hin…“, hatte seine Antwort gelautet.

‚Nein!‘ ein innerer Aufschrei kroch durch ihren Leib. Er musste weg.. wenn er nicht weg ginge müsste sie halt gehen. Sie stand also auf.
„Schatz ich muss mal nach den Tieren sehen..“, dann packte er sie am Arm.
„Erst will ich wissen was mit dir ist… bist du krank?..“, wieder diese Besorgnis und dieses Flehen in seiner Stimme. Die blaugrauen Augen sahen sie weich und sanft an.
Sie merkte wie ihr wiederstand zu bröckeln begann..
Sie hatte es noch niemandem erzählt.. sie wollte ihn nun nicht damit belasten..
Warum sie.. warum musste ihr dies passieren..
„Aber Schatz ich muss hinaus zu den Tieren..“, flehentlich hatte sie darum gebeten und er reagierte, wenn auch wieder nicht so wie erhofft oder erwartet.
Er hielt sie am Arm fest und ging mit.

‚Nein!‘ wieder ein solcher Aufschrei. Ihr Magen begann sich nun leicht zu krümmen. Es würde nicht mehr lang dauern.
Er durfte nicht mit hinaus.. er würde es sehen..

Doch kraftlos folgte sie, wie eine Marionette seinem Arm und wurde so hinaus geführt.
Er stieg an der Tür in seine Stiefel.. ohne sie loszulassen.. also war auch diese Chance vertan..

Dann waren sie draußen.. die frische, kalte Luft schoß in ihre Lunge und füllte diese.
Das Gefühl im Magen verstärkte sich beinahe schlagartig und mit einer schier unglaublichen Kraftaufwendung, die er ihr nicht zugetraut hatte, gelang es ihr sich loszureißen und sie rannte.. rannte gen Osten, an dem nächsten Haus vorbei…
‚Dahinter! Bitte noch dahinter!‘ doch soweit kam sie nicht.

Als hätte er auch dies erwartet gehabt war er ihr so schnell gefolgt, dass er sie dann von hinten am Arm packte und sie schließlich von hinten festhielt, die Arme um sie gelegt.
Seine Wärme an ihrem Rücken spürend und seine Arme sanft auf ihrem Bauch liegend, aber doch einen gewissen Druck ausübend, die ihr sagten, dass diesmal kein entkommen möglich wäre ließen ihre Gegenwehr sinken und sie lehnte sich nun gefügig an ihn und wartete auf das unvermeidliche.

Langsam löste sich der Griff um ihren Bauch ein wenig und er begann sie herum zu drehen.
‚Nein, tu das nicht.. bitte tu das nicht.. sonst siehst du es so genau..‘, Gedanken huschten durch ihren Geist.

Doch dies sprach sie nicht aus.. sondern sie stand bereits ihm zugewandt, ihren Kopf an seine Schulter gelehnt und ihren Körper an ihn geschmiegt.
Etwas hatte dieser Mann, dass sie nicht kannte.. etwas geheimnisvolles, etwas seltsames…
Sein Spürsinn für das, was er nicht sah, war seltsam.. es war als würde er nicht nur wissen dass sie etwas bedrückte sondern er schien auch zu wissen was..
Woher nahm er diese Kenntnis? Doch um dieses bange Gefühl zu zerstreuen sprach sie es schließlich aus.

„Schatz… ich.. ich kann nichts bei mir behalten…“, zögerlich sprach sie es aus und wartete auf die Reaktion die sie erwartet hatte.

Sie wartete und wartete…

Dann seine Stimme..

Schatz?
Ja?
Hörst du mein Herz?
Ja..
Dann konzentrier dich darauf.. Wie schlägt es?
Aber..
Bitte..
Schnell…
Schatz?
Ja?
Sieh mich bitte an..

Sie hob den Blick und seine blaugrauen Augen trafen auf die ihren und sie spürte seinen Blick in ihrem Innern.

Wie machte er das.. ein Gefühl kroch ihr über den Rücken, als würde er sie kennen.
Mehr kennen, als das was sie ihm erzählt hatte.
Als würde er erkennen warum sie nichts bei sich behielt und wie das alles zusammenhing, obwohl sie davon nichts gesagt hatte…
Wie machte er das?

Schatz?
Ja?
Konzentrier dich nun auf meine Augen.. was siehst du?
Deine Augen..
Welche Farbe haben sie?
Die Farbe, die ich so sehr liebe… das dunkle blau des Meeres…
Lausche auf mein Herz und sieh in meine Augen, suche nach einer Antwort.. Warum liebe ich dich?

Wie konnte er nun so etwas von ihr verlangen? Sie war im Begriff sich übergeben zu müssen und er stellte ihr diese Frage.
Was dachte er sich dabei?

Sie war überrumpelt und perplex.

Ich weiß es nicht..

Ihre Sorgen sich nicht zu übergeben, übermannten sich und sie bekam nichts anderes heraus.
Und er begann zu erzählen.

Während er ihr aufzählte und erzählte was er an ihr liebte und warum er sie liebte, ließen ihre Gegenwehr nun letztlich vollends brechen und wärme breitete sich in ihrem Körper aus.
Dieser Mann hatte etwas, dass ihr fremd war.
Er verstand ihre Gefühle, ihre Empfindungen, ihr Benehmen und ihren Geist.. Er laß in diesen wie in einem Buch.
Er hatte sie komplett durchschaut, ihr Verhalten ihre Angewohnheiten, all dies hatte er erkannt und zu ihrem Bild zusammengefügt…

Woher wusste er all dies…
Die anderen mussten es ihm erzählt haben…

Aber er kannte ja nur Kanubio und Simon vorher hatte er ihr gesagt gehabt…
Und seitdem sie bei ihm war, hatte er die beiden nicht allein getroffen…
Woher sollte er es also wissen?

Erneut brach eine Welle über sie hinein, aber diesmal war es eine Welle der Erleichterung und diese Erleichterung schaffte es sogar ihre Bauchbeklemmnis hinweg zu spülen.
Er hatte es tatsächlich geschafft.

„Schatz, wir schaffen das.. wir bekommen das in den Griff…. Gemeinsam… es ist nicht DEIN Problem sondern UNSERES!“.. seine Worte drangen wie fern an sie heran und doch hörte sie sie in ihrem Herzen.

Er war anders,…
Das hatte sie von Anfang an gewusst, … sie hatte es gespürt…
Er war anders,…