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War sie es oder war sie es nicht.

Verfasst: Montag 14. Februar 2005, 08:30
von Kelan von Falkenburg
Mit einem Platschen tauchte der Stein ins Wasser ein und die Wellen verbreiteten sich kreisförmig, bis erneut ein Stein ins Wasser eintauchte, und die symmetrische Form störte.
Es war inzwischen Nacht geworden, aber das hatte Kelan noch nicht einmal bemerkt.
Starr blickte er auf die Oberfläche des Wassers und fuhr sich dann mit beiden Händen verzweifelt über sein Gesicht.
Die Woche war anstrengend gewesen. Anstrengend und voller Ereignisse, mit denen er nicht gerechnet hatte.
Es begann damit das Anara ... die Königin ihn zu sich bestellen ließ und dann war alles sehr schnell gegangen.
Der Rat der Königin, die Königin und die Heiligkeit, die Erztemplerin hatten ihn als neuen Großritter eingesetzt.
Er war aus allen Wolken gefallen und Angst hatte ihn beschlichen, dann jedoch hatte er die Wahl angenommen.
Temora würde ihm sicher beistehen so dachte er.
So hatte er als erstes seinem Bruder einen Brief geschrieben, dann war er zu der Königin zurück gekehrt, hatte um eine Audienz gebeten und sich mit ihr beraten.

Erst zwei Tage später war er von ihrem Hof wieder aufgebrochen in Richtung Varuna. Anara hatte ihn gebeten noch mal bei der Garde in Varuna nach dem Rechten zu sehen, bevor er in den nahegelegenen Paladin Hort zurück kehren würde.
Und in Varuna hatte das Schicksal, seine Vergangenheit ich n wieder eingeholt.
Er hatte SIE, Angie gesehen.

Zuerst hatte er geglaubt er würde träumen, einer Illusion ein heim fallen.
Er war nur in das Wirtshaus gekommen um sein Abendmahl ein zu nehmen, als er
Ihr dort begegnete.
Ihre Stimme, erschütterte ihn sofort bis in seine Grundfesten und er konnte nicht anders als sie an zu starren.
Als sie sich dann jedoch umdrehte, verschlug es ihm den Atem.
Sie war es... Angie. Die Frau die vor fünf Jahren seine Verlobte gewesen war, und die ihn so schmählich im Stich gelassen hatte.
Sofort ging er auf sie zu, wobei ihm sein Herz bis hinauf in seine Kehle schlug das er fast meinte sie müsse es hören.
Warum musste er sie gerade jetzt wieder treffen.
Jetzt da er jemanden hatte der ihn alles vergessen ließ.

Er hatte immer gedacht das er längst über diese Liebe hinweg war, doch bewies ihm diese Begegnung wie sehr er sich selber belogen hatte.
Sofort erwachte die Sehnsucht wieder in ihm und ohne nach zu denken, griff er teils erfreut, teil erzürnt nach ihrem Arm.
„Angie ... wo hast du nur so lange gesteckt.“ Meinte er fast atemlos, doch die Frau vor ihm, die seiner Angie so ähnlich sah blickte ihn nur unverständlich an.
Sie wich vor ihm zurück, fragte ihn was er wolle, und das sie ihn nicht kennen würde.

Kelan glaubte an einen Scherz. Niemals glaubte er das jemand haargenau so aussehen konnte wie seine einstiege Liebe.
So versuchte er es noch einmal, doch die Frau vor ihm wich ihm aus, verstand seinen Ärger nicht und floh schließlich fast vor ihm.
Kelan setzte ihr sofort nach.
Er konnte sie doch jetzt nicht einfach gehen lassen. Er verstand nicht das sie ihn mied, wollte ihre Aussage das sie nicht die wäre die er glaubte, nicht akzeptieren.

Sie lief schneller und schneller um schließlich in dem Haus des Heilers zu verschwinden.
Kelan, blieb lange davor stehen. Es hatte das Gefühl das ihn etwas zerriss.
Eine lange nicht mehr gespürte Sehnsucht trieb ihn das er die Sache nicht auf sich beruhen lassen konnte.
Warum verleugnete sie ihn? War sie damals schon gegangen weil sie nichts mehr von ihm wissen wollte?
Entschlossen eine Antwort darauf zu finden, stürmet er fast zu der Tür und schob sie auf um ein zu treten.
Es war ein Heilhaus, öffentlich also. Sie würde ihn nicht verbieten können ein zu treten und vielleicht war sie gar alleine, das er sie zur Rede stellen konnte.

Ihr Blick, ihre Augen mit denen sie ihn erschreckt anstarrte, während sie den Kuchen den sie kaufte, wie einen Schild an sich presste, trafen ihn bis tief in seine Seele.
Sie war es. Sie musste es sein. Diese Augen hatte er nie vergessen.
„Angie ...“ versuchte er es wieder, doch sie fauchte ihn fast an „Ich bin nicht Angie, ihr verwechselt mich, ich heiße Lina.
Wütend stampfte sie mit dem Fuß auf und er versuchte es noch einmal.
„Wo wart ihr vor Sechs Jahren?“ Doch sie schoss zurück. „Das geht euch nichts an!“
Ihre Weigerung versetzte ihn mehr und mehr in Rage.
Und je wütender er wurde, desto ruhiger wurde sie.
„Es geht mich sehr wohl was an. Ihr seid meine Anverlobte, und ich habe das Recht zu wissen warum du damals einfach weggegangen bist. Welches Spiel spielst du hier eigentlich.“
Sie schüttelte ihren Kopf. „Anverlobte.“ Wobei sie fast spöttisch lachte, was ihn wie ein Pfeil ins Herz traf. „Da kann ja jeder kommen und so etwas behaupten. Nein mein Herr so eine Dreistigkeit ist mir noch nie untergekommen. Ihr wisst es vielleicht nicht, aber ihr übertrefft sie alle, und jetzt geht bitte.“
Kelan schüttelte den Kopf. „Ich habe zu lange nach dir gesucht um jetzt zu gehen.
Ich will wissen was los ist. „

„Ich kenne euch nicht, und ich möchte jetzt meinen Kuchen essen und wünsche das ihr geht.“ Er setzte sich einfach ungefragt an den Tisch. „Ich werde nicht gehen, ihr könnt euren Kuchen essen, ich hindre euch nicht, während ihr mir erzählt wo ihr vor 6 Jahren wart.“ Einladend deutete er auf den Stuhl neben sich und bemerkte das sich ihre Augen weiteten.
Sofort stand er auf, kam ihr entgegen, doch sie hatte schon nach einem schweren Kerzenständer gegriffen und ihn nach ihm Geworfen.
Dadurch das er ihr entgegenkam, traf ihn der Gegenstand mit voller Wucht an der Schläfe und er ging erst einmal benommen zu Boden.

Das in diesem Moment ein Mann das Heilhaus betrat, bekam er nicht einmal mehr mit.
Es dauerte einen Moment bis er benommen und noch total verwirrt die Augen wieder aufschlug, und als das erste was er sah Lina war die sich nun doch besorgt über ihn gebeugt hatte, hatte er an einen Traum geglaubt.
Er fühlte sich zurückversetzt in seine Vergangenheit, und ohne wirklich zu überlegen, gab er seiner Sehnsucht nach, legte ihr die Hand in den Nacken und zog sie zu einem Kuss an sich.
Was folgte war ernüchternd.
Sie hatte einen Moment still gehalten, dann jedoch sich gesträubt und schließlich ausgeholt und ihm eine schallende Ohrfeige versetzt. „Raus hier!“ hatte sie gebrüllt, und erst jetzt hatte Kelan den Mann neben ihr wahrgenommen.
Die Hand erst an der Schläfe, nun an der brennenden Wange hatte er von ihr zu ihm geschaut und sich dann aufgerappelt.
„Angie... ich meine... Madam... es... es tut mir leid,“ meinte er nun doch vollkommen verwirrt. Nicht wissend was über ihn gekommen war. „Ist das... eurer Mann?“
Er sah wie die Frau von ihm zu dem Unbekannten schaute um dann zu erklären, das er Kelan sie verfolgen würde.

Der Mann war etwas zurück getreten und hatte dann gemeint. „Ich habe das Gefühl, er sollte eher Angst vor euch haben, Mylady.“ Meinte er und Lina schnaubte fast wütend. „Wie soll ich mich denn gegen einen Mann wie ihn wehren... ich bin ja fast
einen Kopf kleiner“
Kelan dem die Sache nun etwas unangenehm war, versuchte sich ebenso erklären.
Erzählte das sie seien Anverlobte sei die er vor 5 Jahren aus den Augen verlor und während er das sagte spürte er fast körperlich wie sie noch zorniger wurde.
„Wäre er gegangen wäre ihm nichts geschehen. Ich bin nicht verlobt.“
Kelan war vollkommen verwirrt. In ihm tobten die unterschiedlichsten Gefühle und Gedanken. Er wollte erst einmal gehen, um wieder einen klaren Gedanken zu bekommen und so sagte er ihr das auch.
„Ich gehe erst einmal, ich werde aber wiederkommen... das ist ein Versprechen.“
„Eher eine Drohung.“ Konterte sie und er wusste ohne sie an zu sehen wie froh sie war das er ging.
Nein, er konnte das ganze nicht auf sich beruhen lassen.
Er musste wissen warum sie sich so streubte, oder war es wahr? War sie wirklich nicht seine Angie.
Vollkommen verwirrt, alleine mit seinen Gefühlen, war er durch die Stadt gewandert.
Und er hatte gedacht über die Vergangenheit, über ihren Verlust hinweg zu sein.
Aber nein , das war er noch lange nicht, das hatte ihm diese Begegnung gezeigt.

Verfasst: Donnerstag 17. Februar 2005, 16:54
von Kelan von Falkenburg
Das Treffen mit Lina hielt ihn fest. Kaum einen klaren Gedanken vermochte er zu fassen, dann jedoch riss er sich zusammen, er musste den Dingen nachgehen weswegen er hier war.
So machte er sich auf in die Garnison um den Hauptmann zu treffen.
Er Freute sich fast darauf, glaubte der Mann doch beim ersten mal in ihm einen Besucher zu sehen und glaubte wirklich er, Kelan wollte sich nur das Gebäude ansehen.
Noch immer schmunzelte er bei dem Gedanken an ihn.

Voller Elan schob er die Tür auf, klopfte dann an die Tür des Büros des Hauptmannes, und öffnete sie ohne zu warten.
Wahrscheinlich war auf seinem Gesicht genauso Überraschung zu lesen wie auf dem des Hauptmannes. Bei ihm, weil er einfach ohne zu warten eingetreten war, bei ihm... weil dem Hauptmann gegenüber seine Schöne Ungekannte saß.
Nein.. Nicht unbekannt. Lina hieß sie so sagte sie, und in diesem Moment deutete sie mit schreckensgeweiteten Augen auf ihn. „Das ist er, Er war es.“
Seine Überraschung wechselte zu vollkommenen Unverständnis. War sie jetzt zum Hauptmann gegangen weil er ihr gestern gefolgt war?
Der Hauptmann jedenfalls komplementierte ihn sofort hinaus, und noch immer verblüfft, trat er hinaus ohne zu protestieren. Dann erst straffte er sich.
Wer war dieser Hauptmann überhaupt...

Doch schon trat der Hauptmann zu ihm, schloss die Tür und wetterte los.
„Ihr werdet mir ohne Gegenwehr folgen oder ich schleife euch in die Zelle! Ihr seid angeklagt eine junge Frau belestigt zu haben und ihr Gewalt angetan zu haben!“
Kelan sah ihn nun doch etwas mehr als aufgebracht an. „Moment, moment, moment. Wie Bitte ? Gewalt angetan?“ Des Hauptmannes Augen blitzten ihn an. „Bis ihr euch vor einem ordentlichen Gericht verantwortet, werdet ihr mir ohne Gegenwehr in eine Zelle folgen.“
Nun wallte Zorn in Kelan. „Ich denke das wir hier erst einmal etwas zu klären haben HAUPTMANN!“
„FÜR EUCH IMMER NOCH HERR HAUPTMANN, ZIVILIST!“ brüllte der Mann vor ihm ihn nun an. „Und wenn ihr nicht augenblicklich folgt schleife ich euch in die Zelle!“
Kelans Zorn wandelte sich nun langsam in belustigung, und noch bevor der Hauptmann zu reagieren vermochte drückte Kelan ihm den Brief den er mit sich trug in die Hand.
Gesiegelt mit dem Siegel Anaras von Hoehenfels, der Königin. „Hier... Lest das, bevor ihr weiter wettert und euch noch um Kopf und Kragen redet.“ Empfahl er dem Hauptmann, der ihm den Brief fast entriss und noch immer Zornig zu lesen begann.

Doch mit jeder Zeile die der Mann las, wurde er zu Kelans heimlichen Vergnügen blasser.
„Können wir jetzt vielleicht vernünftig miteinander Reden?“ fragte er betont freundlich während er seinen Siegelring erhob. „Ich bin Kelan von Falkenburg, neu eingesetzter Großritter des Ordens der Temora.“
Der Hauptmann sah immer noch blass zu ihm auf und begann zu stottern. „Ich konnte ja nicht.. ich ahnte ja nicht.. Ich konnte ja nicht ahnen dass ihr... verzeiht Sir.“
Kelan winkte ab. „Was die Dame dort angab ist maßlos übertrieben. Ich hatte sie verwechselt und werde mich noch bei ihr entschuldigen.
Der Hauptmann zog den Kopf zwischen die Schultern. „Nun Sir sie ist völlig verängstigt, dass ihr sie möglicherweise wieder aufsucht.“
Kelans Gesichstzüge verhärteten sich bei seinen Worten. Sie fürchtete sich vor ihm. Das war etwas das er nicht wollte. Es tat ihm fast körperlich weh das er ihr Angst machte. „Ist sie das?“ fragte er fast tonlos.
Der Hauptmann nickte sofort. Ja, Sir und ich fürchte sie wird bei allem nötigen Respekt das Vertrauen in die Garde verlieren, so ich ihr nicht jetzt und hier helfe,“
Kelans Wangenmuskeln zuckten. Noch immer setzte er sich mit dem Gedanken und dem
Gefühl auseinander das sie sich vor ihm fürchtete. „und was Herr Hauptmann, gedenkt ihr zu tun um ihren Glauben zu erhalten? Mich einsperren? Seine Stimme klingt fast ein wenig amüsiert dabei, vor allem als der Hauptmann mehr als Eifrig den Kopf schüttelte. „Aber nein Sir, natürlich nicht Sir! Wir könnten so es euch beliebt das Missverständnis vielleicht jetzt und hier aufklären.
Kelan nickte, „Das ist mir sehr recht und ich erfreut das ihr nun nicht mehr gedenkt mich ein zu sperren. Geht zu ihr und sagt ihr das sie nichts mehr zu befürchten hat, dann... lasst un alleine!“
Seine Stimme klang befehlsgewohnt wie immer und der Hauptmann gehorchte sofort.. „Jawohl Sir.“ Meinte er nur, machte kehrt und ging wieder in das Zimmer hinein.

Was er Lina sagte verstand Kelan nicht, doch als er eintrat und sie ihn mit sehr blassem Gesicht ängstlich ansah, versetzte ihm das einen Stich.
Warum konnte sie ihm nicht vertrauen, ihn so sehen wie er war.
Um das Eis zu brechen, bot er Lina an das sie sich setzen könnte, aber sie schüttelte den Kopf, und zog es vor zu stehen.
Kelan entschuldigte sich für die Vorkommnisse am Tage zuvor. Dafür das er sie geküsst hatte, ihr gefolgt war und erklärte das er sie verwechselt hätte.
Verwechselt mit einer Frau die ihm einst sehr viel bedeutet hatte.
Noch während er diese Worte aussprach und sie betrachtete, spürte er in sich erneut die Sehnsucht nach ihr, und er schalt sich innerlich einen Narren.
Lina betonte noch einmal das sie ihn nicht kennen würde, und als er einen Schritt auf sie zu machte, trat sie diesen Schritt zurück und wich ihm aus, so das Kelan sofort stehen blieb.
„Würdet ihr euch vielleicht die Mühe machen es zu versuchen... ich meine mich kennen zu lernen?“ versuchte er es noch einmal.
Ihm war wichtig das sie keine Angst vor ihm hatte.
Fast verständnislos schaute sie ihn an. „Warum Herr Kelan? Ich meine ich bin für jeden da der mich kennen lernen will, aber ... ich will niemanden an meiner Seite, schon gar nicht einen Mann.“
Ihre Augen mit denen sie ihn ansah, erinnerte ihn so sehr an Angie und leise mit sanfter Stimme meinte er dann. „Ich... bedarf der Hilfe, An... Lina. Meine Seele bedarf der Hilfe.“
Erneut trat er einen Schritt auf sie zu doch sie schüttelte den Kopf. „Seelen kann ich nicht heilen, ich bin mehr für den Körper zuständig.“ Meinte sie ausweichend, doch Kelan wiedersprach ihr sofort. „Ihr könnt, Jedenfalls die Meine. Ich bitte euch, gebt mir die Chance, das ihr mich kennerlernt, und ich euch. Damit ich weiß das ihr nicht sie seid.“

Lina schüttelt erneut den Kopf. „Nein, ich kann nicht.“ Meinte sie leise, worauf Kelan sie fast durchdringend ansah. „Warum nicht? Wer hat euch etwas angetan. Warum seid ihr so voller Furcht.“
„Weil ich glaube eure Augen zu kennen.“ Murmelte sie. „Es ist etwas schreckliches damit verbunden.. und ich möchte euch nicht kennen lernen.“
Kelan stöhnte leise auf. „Ich werde euch nicht mehr bedrängen, aber ihr könnt nicht verlangen das ich mich von euch fernhalte.“ Lina senkte den Kopf und meinte dann leise „ Ich kann euch nicht vorschreiben, wo ihr hingeht aber bitte glaubt nicht, dass ich mir eure Bekanntschaft wünsche.“ Kelan nickte, versucht einen Momentlang die Hand nach ihr aus zustrecken. „Vielleicht gebt ihr mir doch eine Chance, mich wenigstens kennen zu lernen. Ich werde euch nicht bedrängen das verspreche ich.“
Lina hob den Blick und er konnte sehen das ihr der Gedanke nicht wirklich gefiel, doch sie sagte darauf nichts mehr.
Fast still verabschiedete er sich von ihr, er konnte sie nicht halten und wollte es im Moment auch nicht. Ihr nicht noch mehr Angst machen.
Noch immer war er sich nicht sicher was er überhaupt wollte.
Er seufzte, wenn er doch nur mit wem darüber reden könnte.

Verfasst: Freitag 18. Februar 2005, 21:20
von Kelan von Falkenburg
Ziellos war er durch Varuna gewandert.
Er wollte diese Frau wiedersehen, wusste jedoch das sie das nicht gutheißen würde.
Sie hatte ihm klar genug gemacht das sie ihn nicht sehen wollte, das sie nicht die war für die er sie hielt.
Spielten ihm denn seine Sinne solche Streiche? Sehnte er sich so nach seiner Angi, das er jetzt einfach zu gerne glauben würde, Lina wäre sie?
Er konnte es nicht glauben.
Vielleicht vor Jahren aber jetzt da er ... er zögert einen Moment in seinen Gedankengängen, da er jemand anderen gefunden hatte, den er zu lieben glaubte, hatte ihn dieses Treffen eines anderen belehrt.

Nein.
Noch immer hielt jene Frau von damals, die er fast geheiratet hätte sein Herz und seine Seele fest in den Händen.
So sehr das er sich jetzt nach einer Fremden sehnte die so sehr der Frau von damals glich.
Es zerriss ihn innerlich, vor allem da er wusste das es sich nicht schickte sie zu bedrängen.
Er stöhnte leise auf, hob seinen Kopf und erstarrte.
So ziellos wie er geglaubt hatte, war er doch nicht gewandert.
Er befand sich vor ihrem Hause.
Fast verblüfft, blickte er auf die Tür die sich jetzt öffnete.
Ein Mann mit einem Verband verließ humpelnd das Haus und hinter ihm erschien sie.
Sofort schlug sein Herz schneller, und er trat unwillkürlich näher.
„Guten Abend.“ Meinte er einfach, weil ihm auf die Schnelle nichts weiter einfiel, dann jedoch fügte er hinzu Ich wollte mich wegen Gestern entschuldigen.

Sie nickte nur und Kelan spürte wie ihm der Hals trocken wurde, und er das Gefühl bekam als würde ein dicker Klos in seinem Hals stecken.
„Was wollt ihr.“ Hielt Lina ihm misstrauisch entgegen, und Kelan folgte seinem Geistesblitz, auch wenn es Lächerlich war, so hob er seine Hand und zeigte ihr seinen linken Zeigefinger, an dem er sich am Morgen beim schleifen seines Schwertes geschnitten hatte.
„Dies ist doch ein Heilhaus, nicht wahr? Ich habe mich geschnitten.“ Meinte er lahm und schaute sie mit gesenktem Blick an.
Fast erleichtert bemerkte er das kurze amüsierte aufblitzen in ihren Augen, wobei sie es schafft sehr ernst zu antworten. „Oh na dann kommt mal mit.“
Er folgte ihr sofort, und sie führte ihn in den Behandlungsraum, wo Bertram ihn argwöhnisch musterte.
Dort bat sie Kelan auf der Liege Platz zu nehmen und holte einen kleinen Flakon vom Tisch nebenan.
Während sie noch seinen Finger betrachtete meinte sie leise. „Das könnte jetzt ein wenig Brennen.“ Und noch bevor Kelan antworten konnte, hatte sie ein paar Tropfen auf den kleinen Schnitt getan.
Heiß fühlte er den Schmerz den Arm hinabbrenne, als hätte man ihm den Finger abgeschlagen und auf den Schmerz nicht gefasst, sprang er aufjaulend auf.
Erst jetzt bemerkte er Linas vergnügte Schmunzeln. „Das habt ihr mit Absicht gemacht.!“ Fluchte er und Lina schüttelt mit einer Unschuldsmine den Kopf. „Aber woher denn... jetzt stellt euch mal nicht so an. Gleich tut’s nicht mehr weh.“ Mit diesen Worten nahm sie seine Hand wieder in die Seine, zog sie an sich heran und band einen Verband um den winzig kleinen Schnitt.
Verlegen schaute Kelan zu Lina, die ihn noch immer lächelnd ansah. „Ja.. sicher war das Absicht... sonst hätte ich die Tinktur ja nicht auf den Finger geträufelt.“ Meinte sie ihn absichtlich missverstehend, worauf Kelan nur knurrte, „Ihr wisst sehr wohl was ich meine.“
Auf ihren Fragenden Blick hin erklärte er kleinlaut. „Mir ist eben keine bessere Ausrede eingefallen, als ich dann doch auf einmal wieder hier vor eurer Tür stand.“
Lina winkte ab, und noch immer sah man ihr an das sie amüsiert war. „Ach was, ich hab hier nur meine Pflicht getan.“

Kelan schnaubte auf. „Eure Pflicht?“ Er schüttelte den Finger weil noch immer die Tinktur die Wunde reizte. „Ihr seht wohl gerne Menschen leiden.“ Brummelte er weiter doch sie schüttelte den Kopf. „Nein... ich sehe niemanden gern leiden Herr Kelan.“
Er verzog das Gesicht. „Ach nein? sagt mir nicht das das euch gerade KEINEN Spass gemacht hat.
Mir das Zeug auf diesen Kratzer zu träufeln... Ihr hättet... ja auch Pusten können.“
Lina lachte auf, und er hörte sie gerne lachen, erfreute sich daran, während sie ihn wieder nach nebenan führte. „Ja wie Mama, oder?“ konterte sie wobei er sich nun ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. „ja... oder einen Kuss.“ Meinte er nun herausfordernd, und zu seiner Freude erschrak sie nicht, sondern blickte noch immer amüsiert. „ich küsse nur ein männliches Wesen... und das seid nicht ihr, Herr Kelan.“
Ein Stich fuhr ihm durchs Herz und sein Blick wird wieder ernst. „Eurer Vater?“ versuchte er es. Doch sie schüttelte erneut nur den Kopf, worauf er leise meinte. „Ich wusste nicht das ihr vergeben seid.“ Erneut lächelte sie, fast geheimnisvoll. „Nein... darüber werde ich euch sicher nicht aufklären.“

Sie deutete auf einen Stuhl während sie sich setzte, und als er sich neben ihr setzte, rutschte sie ein wenig von ihm fort, obwohl er ihr nicht wirklich nah war.
„Bin ich euch so zuwider?“ fragte er sie enttäuscht. Sie zögerte einen Moment bevor sie dann leise meinte. „Warum... seid ihr gekommen doch nicht wegen dem Finger“ Er seufzte während er sie gequält ansah. „Ich sagte es euch doch... doch bitte beantwortet mir meine Frage.“
„Nein.. ihr seid mir nicht zuwider... nicht mehr... als...“ sie zögerte, dann stand sie auf. „Bitte.. Herr Kelan, ich kann darüber nicht sprechen.
Auch er stand auf, schaute sie an als würde er sie mit seinem Blick binden können. „Nicht mehr als wer? Nicht mehr als jeder andere Mann? Was ist mit jenem dem ihr eure Küsse schenkt?“ Fast Fassungslos registrierte er wie sich ihr Blick änderte, ja gar fast verträumt wurde. „Das ist etwas anderes“ meinte sie nur und Kelan vermocht das nicht auf sich beruhen zu lassen. „Aus eurem Blick schließe ich das ihr ihn liebt?“ fragt er brüchig und erntete dafür einen unverständlichen Blick von Lina. „Warum fragt ihr danach? Ich habe keinen Mann.. Das sagte ich doch bereits.“

Kelan seufzte, er verstand ihre Aussage nicht. „Ich sah euren Blick und dieser Blick spricht von... Zuneigung. Vielleicht bin ich neidisch, Lina“ meinte er fast herausfordernd, worauf sie erneut etwas zurückwich, wobei sie jedoch noch immer lächelte „Ihr? Warum solltet ihr?
Er verbiss sich die ehrliche Antwort, stellte eine Gegenfrage die ihn im Moment viel mehr beschäftigte. „Lina, vielleicht klärt ihr mich einfach mal auf. Ihr sagt ihr habt keinen Mann, sagt aber das ihr einem Küsse schenkt.“
Nun wandelte sich Linas Blick doch noch immer lächelte sie. „Ihr seid vor ein paar Tagen in mein leben geplatzt... ich glaube nicht, dass ich euch da Erklärungen schuldig bin.“ Erklärte sie ihm ruhig und er musste zugeben das sie Recht hatte. „Nein wahrlich nicht.“ Meinte er seufzend. „Vor allem da ich nicht gerade sehr zartfühlend war bei unserem ersten Treffen. Verzeiht.“
Fasziniert bemerkte er wie sich ihre Wangen röteten. „Nein, zartfühlend war ich ja wohl auch nicht.“ Meinte sie und er musste nun doch lachen.
Nein, erst der Kerzenhalter und dann die Ohrfeige ... die hatte sich schon ziemlich gewaschen. UFF. Ich denke also wir sind quitt.“
Sie schaut ihn nun wieder an, „Und das ich euch verdächtigt habe, also beim Hauptmann was ich da gesagt, habe das tut mir leid.“
Kelan winkte ab. „Schwamm drüber. Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen als ich ihm den Brief der Königin zeigte.“ Er bemerkte wie Lina ihn nun mit großen Augen ansah. „Ihr kennt sie?“
Nun war Kelan es der etwas herumdruckste, um ihr schließlich von Anara zu erzählen und auch das sie bald herkommen würde, nach Varuna und ob ihrer Aufregung stellte er ihr gar in Aussicht sie einmal zu treffen.

Ihr Gespräch wurde durch das Knurren von Kelans Magen unterbrochen, und so lud Kelan Lina ein ihm zu einem Essen zu begleiten.
Mit Unbehagen bemerkte er ihr zögern und so fügte er leise an „Wäre das so schlimm?“
Sie schüttelte nun den Kopf. „Nein... aber wollt ihr mir nicht sagen, warum ihr überhaupt herkommt?“
Kelan vermochte seine Verlegenheit kaum zu unterdrücken. „Vielleicht möchte ich das ihr mich kennen lernt? Das ich gar nicht so bin wie ihr vielleicht denkt?“
„Warum sollte ich das wissen wollen.“ Hielt sie dagegen und Kelans Antwort viel sehr leise aus. „Vielleicht weil ich möchte das ihr mich mögt?“
Ihr Blick wurde fast mitleidig und entfachte Zorn in ihm. „Kelan, ihr vertut eure Zeit.
Selbst wenn ich euch mögen würde.. kennen lernen würde, ich möchte keinen Mann... und schon gar nicht einen Geliebten.“
Ihre Worte trafen ihn doch er ließ nicht locker „Ich werde euch zu nichts drängen, euch nicht anfassen, nicht küssen, solange ihr es nicht wollt, das verspreche ich euch, doch sagt nicht von vorneherein Nein, Gebt mir die Chance.“ Sie sah ihn mit Unverständnis an. „Und was habt ihr davon? Ich will keinen Mann.“ „Was ich davon habe?“ fragte er leise. „Hoffnung?
Und vielleicht möchte auch ich euch kennen lernen. Sehen wie ihr seid... WER ihr seid.
Ich verlange nichts, außer vielleicht ein wenig Zeit,“

Sie hob abwehrend die Hände. „Das hat doch keinen Sinn. Kelan ihr sucht eure Verlobte in mir und das bin ich nicht. Wohin soll das führen? Ihr solltet akzeptieren das ich euch nicht kenne.“
Er unterdrückte seine kindliche Freude darüber das sie ihn wohl unabsichtlich bei seinem Vornamen genannt hatte. Ruhig jedoch antwortete er ihr. „Ihr habt versprechen Lina... wohin das führen kann... vielleicht zu einer Freundschaft. Und ich akzeptiere ja das ihr mich nicht kennt, aber ich möchte das ändern.“
Bittend schaute er sie dabei an und sie seufzte schliesslich. „Eine Freundschaft? Mit einem Mann?“
Kelan musste Schmunzeln. „Sicher. Ist das denn so ungewöhnlich? Lina seid doch nicht so stur. Ich verlange doch nichts unmögliches,“
„Ich bin gar nicht stur“ meinte sie einfach. „Ich habe einfach meine Gründe warum ich keinen Mann in meinem leben will und ihr... ihr solltet euch eine Gattin suchen... die euch ebenbürtig ist“
Kelan verzweifelte langsam. „Ich will mir keine Gattin suchen, wenn, so glaubt mir müsste ich nicht lange suchen. Vielleicht führt das Ganze hier zu nichts, aber vielleicht findet ihr einen Freund in mir und für mich ... das Wissen das ihr nicht sie seid.“
Er sah wie sie zweifelte, wie sie mit sich kämpfte und endlich nickte sie nicht wirklich glücklich.
„Na gut... vielleicht ist es ja wirklich besser für uns Beide.“ Mit skepsis im Blick sah sie ihn an und Kelan hat Mühe Ruhe zu bewahren. „Ich habe es euch versprochen, ich werde euch zu nichts drängen.“
Erneut nickte Lina und Kelan lenkte das Thema diskret auf andere Dinge, und so unterhielten sie sich über die Königin, über die Verwechselungen und schliesslich taute Lina wieder auf, und wurde wieder fast Sorglos.
Es tat so gut gemeinsam mit ihr zu lachen und Kelan genoss es einfach bei ihr zu sein.
So wie früher, mit Angi... miteinander reden, lachen. Einfach die Nähe spürend.
Auch wenn das hier ... er dachte den Gedanken nicht zu Ende, wollte es einfach nicht.
Und so wurde es doch noch sehr spät bis er sich aufmachte und sich formvollendet von Lina verabschiedete.
Er hatte Hoffnung.
Wenigstens etwas.
Die Hoffnung sie kennen zu lernen, die Hoffnung das sie ihn kennen lernte, und vor allem die Hoffnung das daraus vielleicht etwas werden konnte.

Annäherung?

Verfasst: Freitag 18. Februar 2005, 22:50
von Angelina Hill
Wie fast jeden Abend war Lina in die Taverne gegangen um sich bei Paul einen Kuchen zu kaufen. Er grinste immer schon, sobald er die zierliche Heilerin mit dem kupfernen Haar entdeckte und holte dann die beiseite gelegte Backware. Doch heute war viel Betrieb in der Gaststube. Lina blieb an der Tür stehen und ließ ihren Blick über die vielen Gäste schweifen, deren Stimmen den ganzen Raum mit Gemurmel, Lachen und auch mal lauten Worten erfüllte.
Ihr Herz schien zu stolpern, als sie Kelan von Falkenburg entdeckte. Sofort empfand sie den Impuls, gleich wieder die Gaststube zu verlassen, doch dann meldete sich ihr Stolz. Warum sollte sie heute hungrig schlafen gehen, nur weil der Herr Ritter sich hier zum Abendessen aufhielt? Nein... aber sehen musste er sie nicht unbedingt. Lina drückte sich an ein paar Männern vorbei, die wild gestikulierend aufeinander einredeten und stellte sich ganz am anderen Ende an den Tresen, in der Hoffnung, dass Paul sie bemerken würde... und Kelan, der mit einem Herrn im Gespräch vertieft war... eben nicht.
Mit einem schelmischen Zwinkern kam Paul zur Theke und legte Lina den Kuchen hin, den sie schon fast hastig bezahlte. Nur einen kurzen Gruß murmelnd, schob sie ihr Abendessen in ihre große Hängetasche und wandte sich zum Gehen. Fast wäre sie gegen ihn geprallt... Kelan stand hinter ihr und sah sie mit einem hintergründigen Lächeln an. „Guten Abend“ meinte er leise. Lina seufzte auf. Nun hatte er sie doch erwischt!
Doch sein Hundeblick und sein jungenhaftes Lächeln weichten ihren inneren Widerstand auf. Sie ging mit ihm an seinen Tisch und ließ sich zu einem Glas Wein einladen.
Als sie sich auf den Heimweg machen wollte, erbot Kelan sich, sie zu Ihrem Haus zu begleiten, was sie sogar annahm. Irgendwie hatte er etwas Sympatisches an sich, dem sie sich nicht ganz verschließen konnte. Wenn er nur nicht immer wieder behauptet hätte... sie sei die junge Frau, die mit ihm vor Jahren verlobt gewesen war. Aber er sah so ehrlich dabei aus, dass Lina allmählich Zweifel kamen.
Vor dem Heilerhaus angekommen, zögerte Kelan, als Lina ihn einlud, noch mit hinein zu kommen.
„Na ja... ich sollte mir doch noch einmal die Beule ansehen“ meinte sie und deutete auf seine Schläfe. Sein verlegenes Lächeln berührte sie. Er war wirklich nun sehr zurückhaltend, ganz so, wie er es versprochen hatte.
„Na kommt“ sagte sie mit ruhiger Stimme und ging voraus.
„Bertram! Ich bin wieder da!“ rief Lina und hielt den Vorhang ein wenig beiseite, damit Kelan eintreten konnte.
Sie wies Kelan an, sich auf die Liege zu setzen, trat dann nah zu ihm und beugte sich vor, berührte ganz sacht die geschwollene Stelle an seinem Kopf, die sich nun schon in violett bis gelb verfärbte.
„Tut das noch weh?“ fragte sie langsam, ihren prüfenden Blick auf ihn gerichtet.
„Hmhm.. ja.. ein wenig“ murmelte er und sah sie dabei an.
Ihm gelang es kaum, seine Sehnsucht in seinem Blick zu verbergen, doch sie bemerkte es nicht, legte ihre Hand sanft auf die blaue Stelle und schloss die Augen, während ihr Gesicht einen entspannten, aber konzentrierten Ausdruck annahm.
Er konnte spüren, dass es warm unter ihrer Hand wurde, der Schmerz gänzlich verschwand und schloss die Augen, weil er ihren Duft wahrnahm und ihre Nähe ihn völlig aus der Fassung brachte. Wie gern hätte er jetzt die Arme um sie geschlungen, sie einfach nur gehalten.. und ja... wenn sie es zugelassen hätte... auch mehr.
Lina hatte die Augen wieder geöffnet und sah ihn mit einem Lächeln an. Langsam nahm sie ihre schmale Hand fort und begutachtete noch einmal die Stelle an seiner Schläfe.
Das war zuviel für Kelan.
Er konnte sie so nah nicht länger ertragen... er musste sein Wort halten!
„Es ist jetzt gut“ sagte sie und sofort sprang er auf.
„Ich muss jetzt gehen“ presste er heiser hervor. Verwundert bemerkte Lina, dass in seinen Augen Schmerz stand.
„Aber die Beule.. sie ist fort...“ erklärte sie irritiert und trat zurück.
„Ja.. ich danke Euch.“ Kelan flüchtete zum Vorhang, blieb dann aber stehen, als Lina leise fragte: „Was habe ich falsch gemacht?“
„Nichts! Gar nichts... verzeiht mir“ gab er von sich und schritt durch den Vorhang wieder in das andere Zimmer.
Sie ging ihm nach. Warum war er nur so?
„Gut“ meinte sie dann und sah ihn aufmerksam an. „Ich hoffe.. ich habe Euch nicht erschreckt.. ich wollte nur helfen.“
Kelan fasste sich an seine Schläfe und rieb sich dann mit der Hand über seine Wange.
„Nein.. das habt Ihr nicht... es ist... es ist nicht Eure Schuld.“
Einen Augenblick sah sie ihn noch an. Er schien verwirrt zu sein. Sie fragte sich... ob er es wegen ihr war und senkte seufzend den Blick. Sie hatte ihn berührt... ja. Aber doch nur, um seine Schmerzen zu lindern.
„Dann wünsche ich Euch eine angenehme Nacht“ meinte sie leise, fast wieder schüchtern klingend.
Kelan hob seine Hand, als wolle er sie berühren. Doch sie bemerkte diese Geste nicht, auch nicht, dass seine Hand merklich zitterte.
„Gute Nacht.“
Beim Klang seiner verbissenen Stimme schaute sie auf, doch er hatte sich schon abgewand und ging mit weit ausholenden Schritten zur Tür.
Lina ging ihm nun nach. „Ich wollte Euch nicht verstimmen.. ich bedaure es“ sagte sie zu seinem Rücken.
Langsam wandte er sich um. Seine Stimme klang brüchig, als er ihr erklärte: „ Das hat nichts mit Euch zu tun.. Nein.. falsch! Es hat nichts mit dem zu tun, was Ihr tatet.. sondern damit, was ich beinahe tun wollte.“
Lina begriff mit einem mal und nickte langsam. „Ja.. es ist besser, wenn Ihr nicht wieder kommt“, sagte sie sehr leise. „Ihr quält Euch.“
Kelan fuhr sich mit den Händen über das Gesicht.
„Das kann ich nicht... das kann ich nicht versprechen“ presste er mit zittriger Stimme hervor und trat einen Schritt zurück.
Diesen stolzen Ritter so zerknirscht zu sehen, rührte Lina bis ins Innerste. Sie biss sich auf ihre Unterlippe und senkte ihr Haupt.
„Ich kann Euch nicht helfen“ hauchte sie, ihre Bewegtheit in ihrer Stimme nicht verbergen könnend.
Mit nun flehendem Blick sah Kelan sie an. Er bat sie inständig, dass er sie kennen lernen dürfe... dass sie ihre Zeit mit ihm verbringen möge.
„Ihr könnt mir helfen, Lina... lasst es zu, dass ich begreife, dass Ihr nicht sie seid.“
„Kelan, ihr werdet immer die andere Frau in mir suchen.. und es wird Euch schmerzen“ erwiderte sie mit sanfter Stimme.
Er versuchte ein Lächeln, das misslang.
„Deswegen will ich Euch doch kennen lernen, Lina. Bin ich Euch denn so zuwider?“
Mit einem kleinen Lächeln antwortete sie. „Nein... ihr wisst, was ich tue, wenn mir jemand zuwider ist und mir zu nahe kommt. Ihr schient aber nun doch recht umgänglich zu sein... und ich lerne Euch ja auch kennen... es bleibt nicht aus.“
Er nickte nur kurz und sah sie hoffnungsvoll an.
„Ich komme morgen wieder, ja?.. Und dann erzählt Ihr mir aus eurem Leben...“
Mit einem Aufseufzen bemerkte Lina leise: „Aber Ihr verunsichert mich... und ich weiß nicht, ob ich aus meinem Leben erzählen kann... außerdem... morgen bin ich bei meiner Mutter. Ich werde erst spät wieder heim kommen.“
„Lina, wenn Ihr nicht wollte, dass ich Angie in Euch sehe und Euch für immer belagere, solltet Ihr mir aus Eurem Leben erzählen.“ Er sah sie eindringlich an und als sie ihren Blick an ihm vorbei auf die Wand hinter ihm richtete, konnte er bemerken, dass sie sich wieder vor ihm verschloss.
„Es tut mir leid, Lina“ entschuldigte er sich mit weicher, tiefer Stimme.
Mit Trotz in den Augen sah sie ihn wieder an.
„Ich wünsche Euch eine gute Nacht, Herr Kelan.“

Noch eine ganze Weile starrte Kelan auf die geschlossene Tür, als er das Haus verlassen hatte.

Verfasst: Freitag 18. Februar 2005, 23:10
von Angelina Hill
Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, ließ sie sich mit dem Rücken dagegen fallen und seufzte tief auf.
Sie begriff nicht, was mit ihr geschah...
Warum verspürt sie den Drang, diesen Mann zu berühren.. zu trösten? Warum fiel es ihr plötzlich schwer, was sie die ganzen Jahre mit Leichtigkeit durchgehalten hatte?
Lina stieß sich mit den Schultern von dem Holz ab und ging gedankenverloren nach oben in ihre Wohnung. Sie hatte sogar vergessen, Bertram eine gute Nacht zu wünschen.
Wie in einem Strudel kreisten ihre Gedanken um diesen Mann, den sie vor wenigen Tagen das erste Mal gesehen hatte.

Sie hatte nun zwar keine Angst mehr vor ihm... aber er beunruhigte sie.
Lina warf sich im Bett von einer Seite auf die andere. Wenn es doch nur schon Morgen wäre!
Sie sehnte das Gespräch mit ihrer Mutter herbei und wollte in aller Frühe zu dem kleinen Haus im Wald aufbrechen. Wenn sie an ihren kleinen Tari dachte, hatte sie immer wieder die Augen dieses rätselhaften Mannes vor Augen. Wie konnte das nur sein?
Ihre erste Vermutung, ihren Vergewaltiger vor sich zu haben, hatte sich ja als ziemlich widersinnig erwiesen. Wie peinlich! Was wohl der Hauptmann von ihr gedacht haben mochte?

Am Morgen machte sich Lina wie gerädert auf den Weg. Wie immer nahm sie einen Korb voller Lebensmittel mit, die ihre Mutter nur in der Stadt bekam... oder eben von Lina.
Stürmisch fiel Taris Begrüßung aus und die Zuckerstange, die er sofort in dem Korb entdeckte, fand augenblicklich ihre Bestimmung. Voller Genuss verdrehte der kleine Bengel die Augen. „Lina... ich habe dich ganz doll lieb!“ meinte er mit Inbrunst und drückte ihr mit seinem klebrigen Mund einen Kuss auf die Wange, bevor er nach draußen verschwand.

Aufseufzend aber noch glücklich lächelnd ließ sich die junge Frau auf einen Stuhl fallen. Der Blick ihrer Mutter ruhte auf ihr. „Du siehst müde aus, mein Kind. Hast du so viel Arbeit?“
Die alte Heilerin hatte Tee aufgebrüht und schenkte ihrer Tochter von dem duftenden Gebräu einen Becher ein.

„Ach Mutter...“ Lina nippte an dem Tee, pustete dann darüber, weil er noch zu heiß war zum trinken. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich brauche unbedingt deinen Rat.“
Die alte Heilerin setzte sich nun auch an den Tisch und sah ihre Tochter nur ruhig an, ihren Blick voller Liebe und Aufmerksamkeit auf sie gerichtet.

„Vor ein paar Tagen sprach mich ein Mann an. Er behauptete, dass er mich kenne.. ja... sogar seine Verlobte sei. Doch er nannte mich Angie und wollte mir nicht glauben, dass ich ihn nicht kenne. Er folgte mir bis nach hause und als ich ihn dann im Schein der Kerzen genauer betrachten konnte.. da.. da fielen mir seine Augen auf.“
Verzweifelt sah Lina nun ihre Mutter an und ergriff ihre Hände.
„Mutter.. ich heiße doch Lina.. oder? Du hast mir doch diesen Namen bei meiner Geburt gegeben... ja?“
Die alte Heilerin entzog Lina eine ihrer Hände und legte sie sanft auf die ihrer Tochter.
Mit einem liebevollen Lächeln erklärte sie dann: „ Lina.. war Deinem Vater nicht fein genug, mein Kind. Getauft bist du auf den Namen Angelina.. nur ich habe dich nie so genannt. Verzeih, wenn ich dich darüber im Ungewissen gelassen habe. Es geschah nicht mir Absicht...“
„Angelina? Ich heiße Angelina?“ flüsterte Lina nun und sah ihre Mutter mit vor Bestürzung weit aufgerissenen Augen an. „Heißt das...? Oh Mutter... dann kann es sein, dass er mich doch kennt? Dass er mich Angie genannt hat?“
Sie entzog ihrer Mutter die Hände und schlug sie sich vor das Gesicht. Voller Verzweiflung schluchzte sie auf und ihre Schultern beugten sich.
Beruhigend strich die alte Heilerin ihrer Tochter über den Rücken. „Lina... warum bist du so entsetzt? Was ist denn mit dem Mann? Ist er so schrecklich, dass du ihn nicht kennen willst.. Lina.. nun sag doch schon!“
Mit dem Ärmel wischte Lina sich über die Augen und schüttelte den Kopf.
„Nein... das ist es nicht, Mutter. Er hat Tari’s... nein... Tari hat seine Augen. All die Jahre habe ich geglaubt, dass mir Gewalt angetan wurde und Tari die Frucht der Schande ist....“
Sie wischte wieder die Tränen fort, die ihr den Blick immer wieder aufs Neue verschleierten.
„Aber wenn es stimmt, was Kelan gesagt hat.. und ich.. ich.. wir... heiraten wollten... dann kann Tari nur sein Sohn sein.“
Völlig aufgelöst sah sie ihre Mutter an.
„Kind.. ist das denn so schlimm? Du weißt selbst, dass dir in deiner Erinnerung noch eine ganze Zeit fehlt. Kommt dir denn nichts an ihm bekannt vor? Du wirst ihn doch einmal sehr geliebt haben.“
Lina ließ den Kopf hängen, ihre Gedanken wirbelten wie ein Laubhaufen im Herbstwind durcheinander.
„Mutter.. er ist ein Mann von Adel“ sagte sie dann langsam mit leiser Stimme. „Die Königin hat ihn vor Kurzem in das Amt des Großritters erhoben. Selbst wenn ich ihm nun eingestehen würde, dass ich Angelina bin... es würde nur seinem Ansehen schaden, einen außerehelichen Sohn zu haben... und mich... als seine Verlobte... eine einfache Bürgerin. Das kann ich nicht tun...“
Zärtlich stich die Mutter der jungen Frau über das weiche, kupferne Haar.
„Lina, mein Kind... sprich doch mit ihm. Und wenn du meinst, er würde sich zu seinem Kind bekennen, dann lass es seine Sorge sein. Oder kannst du dir nicht vorstellen, dass er gut zu dir und dem Kleinen ist?“
In Lina’s Gesicht spiegelten sich die unterschiedlichsten Gefühle und Gedanken.
Wollte sie Kelan kennen lernen? Vielleicht lieben lernen?
Er hatte gesagt, dass er keine Gattin suche...
Für eine Liebschaft würde sie ihm aber nie zur Verfügung stehen, da war sie sich sicher.
Er hatte so schon alles durcheinander gebracht. All die Jahre hatte sie den Gedanken an einen Mann, einen Gatten, weit von sich geschoben... hatte nur als Heilerin zum Zwecke der Pflege und Hilfe Männer berührt. Und nie war ihr einer begegnet, bei dem sie den Wunsch verspürt hätte, von ihm in die Arme geschlossen zu werden... bis auf gestern Abend.
Lina seufzte tief durch.
„Ich weiß immer noch nicht, was ich tun soll, Mutter. Er ist gut aussehend... ja. Aber sein Stand kann doch nur hinderlich sein. Und ich kann mich nicht an ihn erinnern... egal, wie sehr ich mein Hirn martere. Ich fühle etwas in seiner Nähe, was ich noch nie bei einem Mann verspürte... aber sollte das ein Grund sein, seinem Drängen nachzugeben? Er bringt mein ganzes Leben durcheinander!“
Die Mutter wollte ihr gerade antworten, als die Tür aufsprang und Tari hereinstürmte.
„Lina! Mama! Schaut mal, was ich gefunden habe!“
Er leerte seine Hände auf dem Tisch und sah die Frauen mit glänzenden, glücklichen Augen an. „Das sind doch Buchheckern, oder Mama?“ Voller Erwartung richtete er seine Augen auf die alte Heilerin. Diese schmunzelte und strich ihm über sein rotes Haar. „Buch... eckern“ belehrte sie ihn liebevoll und nickte. „Ja... die kann man einpflanzen und dann werden daraus ganz große, dicke Bäume. Oder man pult sie auf und kann sie essen. Schau...“
Angelina erhob sich und küsste ihrer Mutter auf die Wange, strich dann zärtlich über den Schopf den Jungen. Als er sie mit seinen braunen Augen lächelnd und voller Stolz ansah, murmelte sie schnell: „Ich muss auch wieder zurück. In der Stadt sind so viele Menschen an Grippe erkrankt...“ Sie versuchte ihre Rührung, die sie ganz plötzlich überfallen hatte, zu verbergen und nahm den großen Korb auf.
Tari winkte ihr zum Abschied und die alte Heilerin nickte ihr mit einem wissenden Lächeln zu.
„Komm gut heim, mein Kind.“

Geständnisse

Verfasst: Sonntag 20. Februar 2005, 00:39
von Angelina Hill
„Angelina...Angelina...“ Immer wieder murmelte sie beim Abfüllen des Sudes ihren Namen. Er war ihr noch so ungewohnt. Leise seufzte sie auf und verkorkte die kleinen Flaschen, die ihr Culann gemacht hatte.
„Er stellt mein ganzes Leben auf den Kopf“ wisperte sie zu sich selbst und schaute schnell zum Vorhang um sich zu vergewissern, dass Bertram noch im Behandlungsraum war und sie nicht hören konnte.
Nach der Eröffnung ihrer Mutter war sie sich nun sicher, dass Kelan von Falkenburg der Vater ihres Sohnes Tari sein musste. Alles was er ihr erzählt hatte passte zusammen. Doch wie sollte sie sich nun verhalten? Sie konnte nicht auf der Vergangenheit aufbauen, so wie Kelan es offensichtlich tat. Und er hatte ihr ganz klar gesagt, dass er keine Gattin suche.
Sie seufzte wieder tief auf und stellte die Fläschchen ordentlich in Reih und Glied in die große Truhe neben ihrem Arbeitstisch.
Was würde geschehen, wenn er wüsste, dass sie doch Angelina ist?
Lina legte ihre Hände in den Schoss und starrte vor sich hin. Sollte sie es ihm sagen?
Nach einer ganzen Weile nickte sie stumm. Ja... das musste sie wohl. Lügen war nie ihre Stärke gewesen und er hatte doch auch ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren.
Nur... dass er einen Sohn hat... das wollte sie verschweigen. Schweigen ist ja nicht lügen, sagte sie sich.
Sie wollte auf keinen Fall, dass Kelan den Jungen als sein Kind anerkannte. Das hätte dann unweigerlich zur Folge, dass Tari mit dem Makel des Bastards aufwachsen müsste. Und Kelan würde dann bestimmt auch darauf bestehen, dass der Kleine schon bald eine Ausbildung genösse. Aber sie würde ihn nicht hergeben... nicht ihrer Mutter, die der Kleine ja für seine Mama hielt, fortnehmen. Nein.. Tari war wohlbehütet bei ihrer Mutter und in ein oder zwei Jahren würde sie beginnen, ihn selbst im Lesen und Schreiben zu unterrichten.
Angelina stand auf und packte ihr Messer in einen kleinen Beutel, befestigte diesen dann an ihrem Gürtel.
„Bertram... ich geh vor dem Abendessen noch einmal in den Wald, Kräuter sammeln!“ rief sie und war schon auf dem Weg zur Tür, als sie Bertrams beifälliges Murmeln hörte.

Vor der Stadt ging sie langsamen Schrittes über die Wiese und schnitt hier und da ein Kraut ab, um es dann vorsichtig in ihrem Beutel am Gürtel verschwinden zu lassen. Ihr prüfender, suchender Blick war immer kurz vor ihre Füße gerichtet, so dass sie fast erschreckt aufblickte, als sie einen Mann in Rüstung nahe dem Wasser bemerkte. Er stand ganz still und starrte in den Fluss.
Angelina’s Herz machte einen Satz.. Kelan!
Sollte sie ihn ansprechen? War sie schon bereit... ihm die Wahrheit zu sagen? Sie ging noch ein Stück näher und sprach ihn leise an.
„Wollt Ihr allein sein?“
Erschrocken fuhr er herum, doch dann lächelte er und verneigte sich leicht.
„Oh.. Ihr seid es Lina... Guten Abend.“
Sie erwiderte nun den Gruß und knickste dabei artig. Ein Lächeln in den Augen ließ ihn ein wenig belustigt erscheinen. „Lina.. das müsst ihr nicht“ meinte er und entledigte sich seiner geschmiedeten Handschuhe.
Sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite und blickte ihn fragend an. „Was meint Ihr?“
„Na.. der Knicks. Das müsst Ihr nicht tun... wir sind doch Freunde, oder?“
Sie schaute ihn eine Weile stumm an.. nickte dann aber.
„Ja.. wenn Ihr es immer noch wollt.“
Kelan wollte es.
Er schnallte seine Rüstung auf und band sie sich auf den Rücken, um dann ihrer Einladung zu folgen, sie bei der Suche nach Kräutern zu begleiten.
Er hatte sich auf einen Stein gesetzt und beobachtete sie, während sie die feinen Stängel von welken Blättern oder Tannennadeln befreite, bevor sie zu den anderen in den Beutel wanderten.
„Das mit gestern... tut mir leid, Lina“ sagte er unvermittelt und sie sah zu ihm auf.
„Was denn?“ fragte sie und wischte ihr Messer im Gras ab, um dann zu ihm zu gehen.
„Dass ich so überreagiert habe... ich wollte Euch nicht erschrecken.“
Mit einem Schmunzeln entgegnete sie ruhig: „Erschrocken wart Ihr doch wohl... oder täusche ich mich?“ Verschmitzt blinzelte sie ihm zu und richtete dann ihren Blick wieder suchend auf den Waldboden.
Sie hörte Kelan neben sich auflachen und ging ein Stück weiter, wobei sie seine Schritte hinter sich hören konnte. Ohne ihn anzusehen bemerkte sie: „ Sicher ist es langweilig für Euch, mich hier zu begleiten.“
„Früher... habe ich das häufiger gemacht“ hörte sie ihn hinter sich.
Erstaunt drehte sie sich um.
Er lächelt sie an. „Angie hat mit sogar einige Pflanzen erklärt und ich habe ihr dann beim Ernten geholfen.... Ginseng war es meist.“
„Ihr könnt die Kräuter auch bestimmen?“ fragte sie verwundert.
„Naja.. nicht alle. Ich habe ihr bestimmt auch oft Unkraut gebracht. Aber sie hat nie ein Wort darüber verloren.“ Sein Grinsen wurde ein wenig verlegen.
Erfreut über seine Kenntnisse und nun auch in keinster Weise mehr verärgert darüber, dass er von Angie erzählt hatte, forderte Lina Kelan auf, mit ihr zu suchen.
Kelan war darauf bedacht, ihr nicht zu nahe zu kommen und trat immer schnell zurück, wenn sie sich vor ihm bückte. Irgendwann fiel es ihr auf und mit einem schüchternen Lächeln fragte sie danach. „Ihr mögt das doch nicht, wenn ich Euch so nahe komme... und ich versprach es Euch doch auch...“
Angelina senkte ihren Blick und nickte.
„Kelan... würdet Ihr mir von Eurer Verlobten erzählen?“ wagte sie sich mit leiser Stimme vor. Er starrte sie an und war zunächst unwillig, wollte nicht Altes wieder hervor holen.
Doch Lina bat ihn und zögernd begann er dann, die Vergangenheit heraufzubeschwören.
Kelan hatte sich ins Gras gesetzt und Lina ließ sich vor ihm nieder, schaute ihn fasziniert an.
Sie lauschte seiner Erzählung und war begierig darauf, etwas über sich zu erfahren.
„... wir verbrachten jede freie Minute miteinander... ich war damals ein kleiner Gardist.“
„Dann wart Ihr glücklich miteinander?“ konnte Lina sich nicht enthalten, zu fragen.
„Nein“ sagte Kelan schlicht und Angelina gab es einen Stich ins Herz. Hatte sie ihn falsch verstanden? Er sah vor sich und sie konnte den versonnenen Ausdruck seiner Augen nicht erkennen.
„Mit Glück lässt sich das schon nicht mehr beschreiben... Sie stand zu mir, obwohl ein Grafensohn ihr einen Antrag machte... Ein Ritter hatte ihr seine Liebe erklärt, aber sie wollte mich.“
Mit erstaunten Augen sah die junge Frau Kelan an.
Ihr wurde schlagartig klar, dass sie diesen Mann einmal über alles geliebt haben musste.
Zögernd stellte sie ihm Fragen, die er bereitwillig beantwortete. Als sie jedoch ein wenig skeptisch fragte, ob er Angie wirklich hatte heiraten wollen, war er schon fast empört.
„Wir wären doch längst verheiratet gewesen... wenn dieser.. dieser Templer nicht dauernd etwas anderes gewollt hätte, bevor er bereit war, uns zu trauen! Erst wollte er fünftausend Goldstücke, dann sollten wir zwei Leumunde bringen, die bezeugen sollten, dass wir den rechten Glauben hätten und untadelig lebten.“
Er schnaufte erbost.
„Aber wir kannten niemanden dort so gut, dass sie akzeptiert worden wären... und noch nicht einmal Ringe konnte man in diesem Nest kaufen.“
Kelan beruhigte sich wieder und erzählte Lina von dem Strohring und wie stolz seinen Angie darauf gewesen war.
„Dann hat sie Euch auch so sehr geliebt, wir Ihr sie...“ stellte sie leise fest.
„Ja, das... denke ich... dachte ich“ sagte Kelan mit gesenktem Haupt und erzählte dann, dass Angie ihn schon einmal verlassen hatte, als sie glaubte, dass er seine Ausbildung zum Ritter aufgeben würde. Um das zu verhindern hatte sie vor ihm verbergen wollen, dass sie schwanger war und behauptet, dass das Kind von einem anderen Mann wäre, damit man es ihr nicht fortnehmen konnte und er, Kelan, sich von ihr abwenden würde. Doch bevor sie den Mann heiraten konnte, hatte sich alles aufgeklärt.
Mit vor Scham geröteten Wangen sah er Lina an.
„Aber sie tat es doch aus Liebe“ stellte sie leise fest.
Sein „ja“ klang ein wenig beschämt.
„Und wo ist Euer Kind jetzt?“ fragte sie mühsam ruhig bei der Vorstellung, dass sie noch ein Kind hatte.
„Die ganze Lügengeschichte flog auf und wir fanden wieder zueinander. Wir wollten dann so schnell wie möglich heiraten.... aber sie verlor das Kind.“
Erschüttert schlug sich Lina die Hand vor den Mund und starrte ihn an. Leise sprach er weiter. „Ich gab dann meine Ausbildung auf und wurde wieder Gardist... ich wollte bei ihr sein.“
Flüsternd fügte er an: „Sie hatte sich so sehr auf das Kind gefreut.“
Erst nach einer Weile der Stille fragte Angelina leise: „Hat sie.. habt Ihr... ?“ Sie nahm sich sichtlich zusammen und räusperte sich um ihre Stimme wieder klar zu bekommen und sah ihm dann in die Augen.
„Habt Ihr mit ihr.. noch ein Kind?.. Ich meine.. ist das möglich?“
Kelan bemerkte ihre Erschütterung und legte kurz seine Hand auf ihren Arm, zog sie jedoch schnell wieder zurück.
Er druckste herum... gab dann doch zu, dass es möglich wäre, auch wenn Angie nie etwas davon verlauten lassen hatte, bevor sie dann aufgebrochen war, um ihre Mutter zu suchen.
Nachdenklich rupfte Lina einen Grashalm ab. „Wäre sie Euch denn nicht wirklich hinderlich bei eurer Laufbahn gewesen?“ fragte sie nachdenklich.
„Sie wäre meine Frau gewesen, Lina... sie hat mir immer Kraft gegeben... und das wusste sie. Sie hat mich einmal von der Schwelle des Todes zurück geholt. Sie war stark... wo ich es nicht war.“
Lina bohrte sachte weiter. Sie hatte so viele Fragen, die sie gern beantwortet gehabt hätte, doch sie war vorsichtig... wollte sich nicht verraten. Was sie jedoch über sich erfuhr, machte ihr das Herz schwer. Dieser Mann hatte sie über alles geliebt, hatte sie zwei Jahre lang gesucht und sie hatte sich mit dem Trauma abgefunden... hatte einfach daran festgehalten, was ihr dieser furchtbare Traum vorgegaukelt hatte. Dabei war ihr kleiner Sohn offensichtlich aus einer abgrundtiefen Liebe entstanden.
Sie mochte ihn schon nicht mehr ansehen und hielt ihr Haupt tief gesenkt, als sie leise erklärte: „Ich war heute bei meiner Mutter. Sie hat mir etwas gesagt... was ich nicht wusste... was ich vergessen hatte.“
Sollte sie es sagen? Sie presste ihre Lippen aufeinander und zupfte nervös an dem Saum ihrer Robe herum. Das Herz schlug ihr vor Aufregung und Furcht bin in den Hals.
Als sie sein „Hmhm“ vernahm, schaute sie auf und begegnete seinem fragenden Blick.
Schnell schaute sie vor sich und versuchte die aufsteigenden Tränen herunter zu schlucken. Ein leises „Ich kann nicht“ konnte sie nur noch flüstern, dann biss sie sich auf die Lippe, dass es schmerzte.
„Was nicht?“ fragte Kelan schnell und ging auf die Knie vor ihr, legte seine große Hand an ihre Wange und sah sie bittend an.
Seine Berührung ließ sie erschaudern und sie schloss die Augen, für einen Moment schmiegte sie sich in seine Hand. Die Tränen waren nun nicht mehr aufzuhalten. Diese zärtliche Geste kannte sie... ein Bild huschte vor ihren geschlossenen Lidern vorüber, war wieder fort, bevor sie es richtig erkennen konnte.
„Lina.. was ist denn? Habe ich etwas falsch gemacht?“ fragte Kelan leise und mit sorgenvoller Miene. Sie schüttelte den Kopf und wischte sich langsam über ihre Wange, von der er seine Hand zurückgenommen hatte.
„Nein.. das habt Ihr nicht... es war nur... wie ein Fetzen... ein Fetzen eines Bildes. Das könnt Ihr nicht verstehen...“
„Nein... wahrscheinlich nicht.“
Er unterdrückte den Impuls, sie einfach in seine Arme zu ziehen. Er wollte sie so gern trösten.
„Kann ich irgend etwas tun?“ blieb ihm nur zu fragen. „Sagt mir doch, was Euch bedrückt.“
Sie atmete tief ein.. und langsam wieder aus. Sie musste sich beruhigen... durfte sich jetzt nicht so gehen lassen!
„Ich heiße Angelina“ flüsterte sie kaum hörbar. Kelan wollte gerade etwas sagen, doch ihm blieb das Wort im Hals stecken... unfähig sich zu bewegen starrte er sie an.
„Ich wusste es nicht“ sagte sie leise. „Meine Mutter nennt mich immer Lina.“
Als er nichts sagte, hob sie scheu den Blick. Wie erstarrt hockte er vor ihr und war kreidebleich im Gesicht.
Plötzlich sprang er auf und fuhr sich mit den Händen durch sein Haar.
„Wie?... Du wusstest es nicht? Angelina.. aber nein... Du hast nichts gesagt... gar nichts!“
Seine Stimme klang kratzig und er schien wirklich nichts zu verstehen, ganz so, wie sie befürchtet hatte. Angelina hob ihr Gesicht zu ihm auf und Unsicherheit und Kummer sprachen daraus. Tränen rannen ihr wieder über die Schläfen.
„Glaubst du mir nicht?“ fragte sie mit bebenden Lippen.
Unsicher auf sie blickend krauste sich seine Stirn.
„Du weißt nichts? Gar nichts?“
Langsam schüttelte sie den Kopf, immer noch zu ihm aufblickend. „Nein... nur Deine Hand an meiner Wange... das war so vertraut.“
Erschüttert sank er vor ihr in die Knie und blickte sie an. Ganz langsam füllten sich seine Augen mit Tränen. „Du hast alles vergessen? Glaubtest gar... ich hätte Dir Gewalt angetan?“ Seine Stimme zitterte und seine Augen quollen über. Er vermochte die Tränen nicht aufzuhalten.
„Angie.. Du warst mein Leben... Du musst dich doch an irgend etwas erinnern... Soviel.. was wir gemeinsam durchgestanden haben...“
Angelina ließ den Kopf hängen, sie konnte die Qual in seinen Augen nicht länger ansehen.
Leise weinte sie und erklärte dann, von kleinen Schluchzern immer wieder unterbrochen: „Ich habe keine Vergangenheit mehr... meine Mutter hat mir vieles erzählt und weil wir immer wieder darüber sprachen... habe ich das Gefühl, mich daran zu erinnern... dass Bilder in meinem Gedächtnis dazu kommen. Aber es fehlt mir noch so vieles... Zeit ohne Bilder.“
„Unsere Zeit?“ fragte er leise.
Sie nickte nur und schluchzte wieder leise auf.
Vorsichtig streckte er die Hand nach ihr aus. „Ich habe Lina ein Versprechen gegeben... doch lass mich Dich in den Arm nehmen... nur das.. bitte.“ Seine Stimme klang rau und sie sah zu ihm auf, wischte sich schnell mit dem Ärmel über die Augen und nickte, ein kleines Lächeln zustande bringend.

Kelan fasste ihre Hand und erhob sich, zog sie langsam zu sich hoch. Voller Erwartung sah Angelina ihn an und als er seine Arme fest um sie schloss, glaubte sie, dass er ihren Herzschlag spüren müsste. Immer wieder wisperte er ihren Namen und als sie sich in seinen Armen nun endlich entspannte, ihre Arme um ihn legte, fragte er leise, voller Zärtlichkeit: „Wo warst Du nur? Ich habe Dich so sehr vermisst... so sehr gesucht.“

Sie hielten sich eine Weile ganz fest. Kelan rieb seine Wange an der ihren und hatte Mühe, den Sturm der Gefühle, der in ihm tobte, unter Kontrolle zu halten. Plötzlich wurde ihm die Vertraulichkeit bewusst.
„Sei mir nicht böse, dass ich Dich halten möchte“ flüsterte in ihr Haar. „Ich weiß, es muss für Dich sein, als sei ich ein Fremder.“
„Nein.. nicht wirklich“ erwiderte sie genauso leise, als wolle sie den Zauber des Momentes nicht zerstören. „Es ist.. als ob mein Körper Dich kennt“ gestand sie zögernd. „Nur... fehlt mir die Erinnerung.“
Zärtlich strich Kelan’s Daumen über die Tränenspur in ihrem Gesicht, während er sie mit einem warmen Blick bedachte. „Lerne mich kennen.. Lina“ flüsterte er.
„Willst Du das denn wirklich? Es ist so viel Zeit vergangen.. ich bin doch nicht mehr die, die Du geliebt hast.“
„Angie... unsere Seelen waren eins! Tief in deinem Herzen, in deiner Seele bist du die, die du damals schon warst. Wir alle verändern uns, doch nicht das, was uns ausmacht. Ich... nein wir... wir haben uns geliebt, Angie. Mehr als du dir vielleicht vorstellen kannst.“
„Wirst du mir helfen, mich wiederzufinden?“ fragte sie kläglich.
„Mit allem was mir möglich ist“ sagte er fast beschwörend.
Angelina lehnte sich nach vorn, die Stirn an seiner Brust abstützend.
„Nur du kannst mir die Zeit zurückbringen, die mir fehlt.“

Eine Weile sprachen sie noch leise miteinander. Angelina bat darum, dass Kelan ihr Zeit lassen solle, ihm zu vertrauen und er sicherte ihr diese Zeit zu.