Vermesse dich die Pforten aufzureißen...
Verfasst: Donnerstag 10. Januar 2008, 00:43
Vermesse dich die Pforten aufzureißen...
Ja, kehre nur der holden Erdensonne
Entschlossen deinen Rücken zu!
Vermesse dich die Pforten aufzureißen,
Vor denen jeder gern vorüberschleicht.
[Goethe – Faust I]
„Nun so wirst du sicher auch wissen durch wessen Hand Korow letztlich fiel?“
Er wusste es nicht und so hatte er diese Bildungslücke spätestens bis zum nächsten Treffen mit seinem Bruder zu schließen.
Endlich sein erster Auftrag für den Orden. Es war nichts Besonderes, nur eine Information, die leicht zu beschaffen sein sollte. Trotzdem war er voller Elan. Zu selten war er in den letzten Tagen bei seinen Brüdern und Schwestern gewesen. So sah er diese Aufgabe als willkommene Möglichkeit etwas Sinnvolles für den Orden zu tun. Dass die Information nicht neu sein würde und somit keinen großen Nutzen hat, tat seinem Elan keinen Abbruch.
Ob dies eine Prüfung seiner Leistungsbereitschaft oder eine sonstige Probe sein sollte, ob diese Aufgabe einen Nutzen habe oder ob sie nur dazu diente ihn zu beschäftigen, all das wollte er gar nicht wissen. Er sah die Aufgabe als ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Wissen und damit zu mehr Macht. Voller Eifer wollte er den Weg nun bestreiten.
Nachdem sein Ordensbruder die Taverne verlassen hatte, wartete er nicht lange und verließ sie ebenso. Gedanklich schon auf dem Weg nach Bajard -wo er diese Information bekommen sollte- warf er seinen Blick gen Himmel. Die Nacht hatte eben erst begonnen. Wenn er sich nun auf den Weg machen würde, dann würde er noch in dieser Nacht das kleine Fischerdorf erreichen. Zu einer solchen Zeit würde er sicherlich keinen Einlass finden und nur unnötig auffallen. Er beschloss noch etwas zu Ruhen.
Die Wache am Tor zur Oberstadt musterte den jungen Mann skeptisch in der Dunkelheit. Vor ihr stand ein klein geratener Mann von zwanzig Sommern. Hager und wenig muskulös. Seine Hände waren beinahe knochig, unter seiner blassen Haut bildeten seine Adern sichtbare Erhöhungen. Dazu war er noch völlig unscheinbar gekleidet. Wie Darius es gewohnt war, öffnete die Wache nach eingehender Betrachtung und Nennung des Losungswortes zögerlich das Tor.
Im Turm angekommen, kleidete er sich um, ehe er völlig in schwarz gekleidet durch das das Portal schritt. An der Burg angekommen zeichnete er mit seinem Zeigefinger geschwungen eine Rune auf die Tür, die sich wie von Geisterhand öffnete. Ruhig schritt er durch die schwarzen Hallen. Seine Schritte hallten dumpf an den hohen schwarzen Wänden wieder. Er ging die Treppe hinab. Nur noch wenige Schritte über die völlig schwarzen Fliesen und er stand in seinem Zimmer.
Zielsicher ging Darius zur Matratze in der weniger eingerichteten Hälfte seines Zimmers.
Kurz schweifte sein Blick durch das Zimmer. Alles so wie er es hinterlassen hatte. Was hätte sich auch verändert haben sollen? In einer der Ecken des Zimmers befand sich ein langer Tisch an der Wand, nur wenige Stühle davor, drei wenig gefüllte Regale und unter jeder einzelnen Kerzen stand eine Bank, damit er jene Kerzen gut entzünden und auch wieder löschen konnte. Kurz spielte er mit dem Gedanken die Kerzen zu löschen, die das Zimmer in ein schummriges Licht tauchten. Jedoch verwarf er den Gedanken schnell. Er streifte seine schwarze Kleidung ab, legte sie sorgsam zusammen, ließ sich auf die Matratze fallen und zog die Decke über sich. Es dauerte nur wenige Augenblicke und er schlief bereits.
Hätte man an diesen entlegenen Ort eine Glocke hören können, man hätte nur wenige Schläge vernehmen können, ehe Darius wieder aus seinem Schlaf erwachte. Es dämmerte noch nicht einmal. Die Kerzen waren ausgebrannt. In der Dunkelheit war nicht mehr zu erkennen, als die Silhouette eines Regals, welches sich von den schwarzen Boden, Wänden und der schwarzen Decke abhob.
Im Dunkel tastete er nach seiner Kleidung, die mit der Dunkelheit verschmolzen schien. Etwas länger als üblich tastete er nach ihr, ehe er sie erfühlte und sich überstreifte.
Er ging wenige Schritte, ehe er seine flache Hand an die Tür legte und zielsicher zum Griff führte. Als er die Tür öffnete kiff er kurz die Augen zusammen. Vor seiner Tür von der Wand warf eine Fackel flackerndes Licht in sein Gesicht. Es war nur ein mattes Licht, doch der Kontrast zu dem Dunkel seiner Kammer reichte aus um ihn für einen Augenblick die Augen verschließen zu lassen. Leise zog er die Tür hinter sich zu und verließ die Burg, so leise es ging, um seine Brüder und Schwestern nicht zu wecken.
Zurück durch das Portal zog er wieder unauffälligere Kleidung an. Ohne viel nach zu denken, machte er sich auf den Weg in Richtung Stadttor. Quer durch die Stadt, während es zu dämmern begann.
In Rahal war es ruhig, nur vereinzelte Menschen liefen durch die Gassen. Umso verwunderter war er, als er am Stadttor beinahe mit einem Boten zusammen stieß und dieser auch noch eine Nachricht für ihn hatte. Für das Anliegen, welches der Bote ihm übermittelte hatte er jetzt keine Zeit. Besonders, da in dem Augenblick eine Kutsche aus dem Nebel gefahren kam. Darius gab eine knappe Antwort, wartete ungeduldig, bis die Leute aus der Kutsche ausgestiegen waren und warf dem Kutscher einen kleinen Beutel mit klimpernden Goldmünzen zu. Viel mehr Überzeugungsarbeit war nicht nötig, damit die Kutsche sich auf den Weg nach Bajard machte.
Ein paar Minuten schaute er aus dem Fenster, wie im Nebel erst die Höfe und dann die ersten Bäume am Wegesrand vorbeizogen. Dann zog er die Gardine vor das Fenster und versuchte noch etwas zu schlafen. Dies gelang ihm auch recht gut, bis die Kutsche durch eine tiefe Pfütze fuhr und ihn aus dem Schlaf riss. Der Rest der Fahrt verlief ereignislos.
Obwohl er aus einem kleinem Dorf stammte, fühlte er sich in Rahal immer wohler, als in Bajard. Auch wenn ihm eine große Stadt fremd war und er noch ab und an Probleme hatte, sich dort zurecht zu finden. Nun stand er vor Bajard und setzte sein freundlichstes Lächeln auf. Einmal atmete er tief durch, ehe er das Dorf betrat. Es roch wie immer nach Fisch und die Wege waren matschig. Ein paar Möwen kreisten kreischend über den Booten, die am Hafen an- oder ablegten. In dem Augenblick kam ihm der Gedanke, dass er eine ruhige Schifffahrt hätte machen können, anstelle der Kutschfahrt mit Schlaglöchern und Pfützen. Sein Ärger darüber hielt sich nur kurz, bis er plötzlich und unerwartet vor einem Schild „De Lopasz - aus aller Welt - Bücher, Rezepte, Schriftrollen“ stand.
Langsam schob er die Tür auf. Die Bibliothek hatte bereits geöffnet. Er blickte sich noch einmal um. Die Morgensonne hatte das Dorf in ein Orange getaucht. Er trat ein. Den unverkennbaren Geruch einer Bibliothek sog er gierig ein. Der wunderbare Geruch von alten Pergamenten, Leder und Staub von Generationen füllte diese kleine hölzerne Hütte.
Sein Blick schweifte über einen Buchrücken nach dem Nächsten. Ein Buch nach dem Anderen zog er hinaus, blätterte interessiert, überflog einzelne Seiten, doch kein Buch schien ihm die eine Antwort zu geben, nach der er gierte. Viele interessante Werke schob er wieder zurück in die Schränke. Einige mit Staub bedeckt, andere schienen wenige Tage zuvor zuletzt gelesen worden zu sein.
Es gefiel ihm dort, ohne Frage. Doch hatte er keine Zeit jene Bücher zu lesen, bevor er den Namen den er suchte, nicht gefunden hatte.
Gegen Mittag betonte sein Magen mit Nachdruck, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen oder getrunken hatte. Seufzend schob er das Buch in das Regal zurück und verließ die Bibliothek um am Hafen einen frischen, gebratenen Fisch zu essen. Dazu trank er etwas Wasser aus seinem Wasserschlauch und blickte in die Ferne der See. Dem Rauschen des Meeres und dem Schreien der Vögel lauschte er und genoss die frische Seeluft. Dabei schweiften seine Gedanken ziellos, bis sie abrupt ein Ende fanden.
Seine Gedanken fanden wieder zum vorherigen Abend und der rhetorischen Frage, die er verneinen musste. „Nun so wirst du sicher auch wissen durch wessen Hand Korow letztlich fiel?“
Mit einem schnellen Schütteln des Kopfes vertrieb er alle störenden Gedanken und es verging keine Minute, bis er wieder in der Bibliothek stand.
Wieder zog er ein Buch nach dem Nächsten hervor, überflog es, las ein paar Seiten oder gar nichts und schob die Bücher vorsichtig, achtlos, mit Desinteresse, Neugierde, Ehrfurcht, Kopfschütteln oder sogar Interesse zurück, doch immer war die Enttäuschung dabei. Ein Buch beschrieb dies Geschichte Varunas, ein anderes die der Triellmagier, weitere Bücher behandelten beide Themen oder viele anderen Themen. Doch in Jedem fehlte das entscheide Kapitel. Der entscheidende Satz. Das entscheidende Wort. Der entscheide Name.
Der Abend hatte schon begonnen. Darius wollte ursprünglich zum späten Nachmittag bereits mit seiner Suche fertig sein. Er sah an den endlos wirkenden Bücherreihen entlang. Wieder und wieder zog er Bücher hervor und stellte sie zurück, bis etwas seinen Blick fing. Ein Buch schien zu fehlen, das war nichts außergewöhnliches, aber die nebenstehenden Bücher kippten nicht. Er ging näher und betrachtete das Phänomen. Ein Buch wurde gut und gerne fünf Fingerbreiten nach hinten geschoben, so dass es weder ohne Mühe greifbar, noch sichtbar war. Die Nachbarbücher wurden schnell herausgezogen und Darius zog das versteckte Buch hervor. „Die Arkorither“ hieß es. Er musste schmunzeln, als er einen von vielen Bänden über Temora sah. Er legte das Buch beiseite und schob den Temoraband etwas nach hinten. Das Buch war eigentlich zu dick um nicht aufzufallen aber die Geste zählt, dachte er sich. Er nahm das Buch über die Arkorither auf und setzte sich an einen der Tische.
Das Buch war dünner, als die Meisten anderen, dunkel eingeschlagen, aber trotzdem recht ansehnlich verziert. Er begann zu lesen. Neugierig verschlang er eine Seite nach der Anderen. Das Buch neigte sich zum Ende und als Darius schon gar nicht mehr damit rechnete, las er den Namen:
„Cherom“
[img]http://www.onlineexchange.de/alathair/Cherom.jpg[/img]
Erleichtert lächelte er auf und reckte sich etwas. Einen Augenblick lang gönnte er es sich den Blick ziellos umher schweifen zu lassen, dann las er die verbleibenden Seiten des Buches.
Zufrieden, aber sichtlich erschöpft reckte er sich und stellte das Buch gut sichtbar in das Regal zürück. „Cherom“ wiederholte er noch einmal für sich, ehe er aus der kleinen Hütte trat. Die Nacht war angebrochen, er blickte verwundert zurück. Niemand hatte ihn hinausgeworfen. Hätte er letzte Nacht ebenso lesen können?
Gähnend setzte er sich langsam in Bewegung in Richtung Kutsche, sich dabei die Hand vor den Mund haltend. Er wendete seinen Blick zum wolkenfreien Himmel und betrachtete die Sterne. Der Dunkle Himmel erinnerte ihn an sein Zimmer mit der schwarzen Decke. Nun dachte er an seine Matratze und beschleunigte seinen Gang zur Kutsche.
In dem Augenblick, als er die Kutsche erreicht hatte und unter seinen Umhang griff, um ein paar Münzen hervor zu holen, erinnerte er sich wieder an den Boten, den er am Morgen getroffen hatte. Jemand wollte ihn noch sprechen. Seufzend zog er seine Hand ohne Inhalt wieder unter dem Mantel hervor und nicht nur der Kutscher war enttäuscht, dass die Fahrt nach Rahal verschoben werden sollte.
„Etwas essen könnte ich auch mal wieder.“, dachte er sich, ehe er sich zu Fuß auf den Weg machte...
Ja, kehre nur der holden Erdensonne
Entschlossen deinen Rücken zu!
Vermesse dich die Pforten aufzureißen,
Vor denen jeder gern vorüberschleicht.
[Goethe – Faust I]
„Nun so wirst du sicher auch wissen durch wessen Hand Korow letztlich fiel?“
Er wusste es nicht und so hatte er diese Bildungslücke spätestens bis zum nächsten Treffen mit seinem Bruder zu schließen.
Endlich sein erster Auftrag für den Orden. Es war nichts Besonderes, nur eine Information, die leicht zu beschaffen sein sollte. Trotzdem war er voller Elan. Zu selten war er in den letzten Tagen bei seinen Brüdern und Schwestern gewesen. So sah er diese Aufgabe als willkommene Möglichkeit etwas Sinnvolles für den Orden zu tun. Dass die Information nicht neu sein würde und somit keinen großen Nutzen hat, tat seinem Elan keinen Abbruch.
Ob dies eine Prüfung seiner Leistungsbereitschaft oder eine sonstige Probe sein sollte, ob diese Aufgabe einen Nutzen habe oder ob sie nur dazu diente ihn zu beschäftigen, all das wollte er gar nicht wissen. Er sah die Aufgabe als ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Wissen und damit zu mehr Macht. Voller Eifer wollte er den Weg nun bestreiten.
Nachdem sein Ordensbruder die Taverne verlassen hatte, wartete er nicht lange und verließ sie ebenso. Gedanklich schon auf dem Weg nach Bajard -wo er diese Information bekommen sollte- warf er seinen Blick gen Himmel. Die Nacht hatte eben erst begonnen. Wenn er sich nun auf den Weg machen würde, dann würde er noch in dieser Nacht das kleine Fischerdorf erreichen. Zu einer solchen Zeit würde er sicherlich keinen Einlass finden und nur unnötig auffallen. Er beschloss noch etwas zu Ruhen.
Die Wache am Tor zur Oberstadt musterte den jungen Mann skeptisch in der Dunkelheit. Vor ihr stand ein klein geratener Mann von zwanzig Sommern. Hager und wenig muskulös. Seine Hände waren beinahe knochig, unter seiner blassen Haut bildeten seine Adern sichtbare Erhöhungen. Dazu war er noch völlig unscheinbar gekleidet. Wie Darius es gewohnt war, öffnete die Wache nach eingehender Betrachtung und Nennung des Losungswortes zögerlich das Tor.
Im Turm angekommen, kleidete er sich um, ehe er völlig in schwarz gekleidet durch das das Portal schritt. An der Burg angekommen zeichnete er mit seinem Zeigefinger geschwungen eine Rune auf die Tür, die sich wie von Geisterhand öffnete. Ruhig schritt er durch die schwarzen Hallen. Seine Schritte hallten dumpf an den hohen schwarzen Wänden wieder. Er ging die Treppe hinab. Nur noch wenige Schritte über die völlig schwarzen Fliesen und er stand in seinem Zimmer.
Zielsicher ging Darius zur Matratze in der weniger eingerichteten Hälfte seines Zimmers.
Kurz schweifte sein Blick durch das Zimmer. Alles so wie er es hinterlassen hatte. Was hätte sich auch verändert haben sollen? In einer der Ecken des Zimmers befand sich ein langer Tisch an der Wand, nur wenige Stühle davor, drei wenig gefüllte Regale und unter jeder einzelnen Kerzen stand eine Bank, damit er jene Kerzen gut entzünden und auch wieder löschen konnte. Kurz spielte er mit dem Gedanken die Kerzen zu löschen, die das Zimmer in ein schummriges Licht tauchten. Jedoch verwarf er den Gedanken schnell. Er streifte seine schwarze Kleidung ab, legte sie sorgsam zusammen, ließ sich auf die Matratze fallen und zog die Decke über sich. Es dauerte nur wenige Augenblicke und er schlief bereits.
Hätte man an diesen entlegenen Ort eine Glocke hören können, man hätte nur wenige Schläge vernehmen können, ehe Darius wieder aus seinem Schlaf erwachte. Es dämmerte noch nicht einmal. Die Kerzen waren ausgebrannt. In der Dunkelheit war nicht mehr zu erkennen, als die Silhouette eines Regals, welches sich von den schwarzen Boden, Wänden und der schwarzen Decke abhob.
Im Dunkel tastete er nach seiner Kleidung, die mit der Dunkelheit verschmolzen schien. Etwas länger als üblich tastete er nach ihr, ehe er sie erfühlte und sich überstreifte.
Er ging wenige Schritte, ehe er seine flache Hand an die Tür legte und zielsicher zum Griff führte. Als er die Tür öffnete kiff er kurz die Augen zusammen. Vor seiner Tür von der Wand warf eine Fackel flackerndes Licht in sein Gesicht. Es war nur ein mattes Licht, doch der Kontrast zu dem Dunkel seiner Kammer reichte aus um ihn für einen Augenblick die Augen verschließen zu lassen. Leise zog er die Tür hinter sich zu und verließ die Burg, so leise es ging, um seine Brüder und Schwestern nicht zu wecken.
Zurück durch das Portal zog er wieder unauffälligere Kleidung an. Ohne viel nach zu denken, machte er sich auf den Weg in Richtung Stadttor. Quer durch die Stadt, während es zu dämmern begann.
In Rahal war es ruhig, nur vereinzelte Menschen liefen durch die Gassen. Umso verwunderter war er, als er am Stadttor beinahe mit einem Boten zusammen stieß und dieser auch noch eine Nachricht für ihn hatte. Für das Anliegen, welches der Bote ihm übermittelte hatte er jetzt keine Zeit. Besonders, da in dem Augenblick eine Kutsche aus dem Nebel gefahren kam. Darius gab eine knappe Antwort, wartete ungeduldig, bis die Leute aus der Kutsche ausgestiegen waren und warf dem Kutscher einen kleinen Beutel mit klimpernden Goldmünzen zu. Viel mehr Überzeugungsarbeit war nicht nötig, damit die Kutsche sich auf den Weg nach Bajard machte.
Ein paar Minuten schaute er aus dem Fenster, wie im Nebel erst die Höfe und dann die ersten Bäume am Wegesrand vorbeizogen. Dann zog er die Gardine vor das Fenster und versuchte noch etwas zu schlafen. Dies gelang ihm auch recht gut, bis die Kutsche durch eine tiefe Pfütze fuhr und ihn aus dem Schlaf riss. Der Rest der Fahrt verlief ereignislos.
Obwohl er aus einem kleinem Dorf stammte, fühlte er sich in Rahal immer wohler, als in Bajard. Auch wenn ihm eine große Stadt fremd war und er noch ab und an Probleme hatte, sich dort zurecht zu finden. Nun stand er vor Bajard und setzte sein freundlichstes Lächeln auf. Einmal atmete er tief durch, ehe er das Dorf betrat. Es roch wie immer nach Fisch und die Wege waren matschig. Ein paar Möwen kreisten kreischend über den Booten, die am Hafen an- oder ablegten. In dem Augenblick kam ihm der Gedanke, dass er eine ruhige Schifffahrt hätte machen können, anstelle der Kutschfahrt mit Schlaglöchern und Pfützen. Sein Ärger darüber hielt sich nur kurz, bis er plötzlich und unerwartet vor einem Schild „De Lopasz - aus aller Welt - Bücher, Rezepte, Schriftrollen“ stand.
Langsam schob er die Tür auf. Die Bibliothek hatte bereits geöffnet. Er blickte sich noch einmal um. Die Morgensonne hatte das Dorf in ein Orange getaucht. Er trat ein. Den unverkennbaren Geruch einer Bibliothek sog er gierig ein. Der wunderbare Geruch von alten Pergamenten, Leder und Staub von Generationen füllte diese kleine hölzerne Hütte.
Sein Blick schweifte über einen Buchrücken nach dem Nächsten. Ein Buch nach dem Anderen zog er hinaus, blätterte interessiert, überflog einzelne Seiten, doch kein Buch schien ihm die eine Antwort zu geben, nach der er gierte. Viele interessante Werke schob er wieder zurück in die Schränke. Einige mit Staub bedeckt, andere schienen wenige Tage zuvor zuletzt gelesen worden zu sein.
Es gefiel ihm dort, ohne Frage. Doch hatte er keine Zeit jene Bücher zu lesen, bevor er den Namen den er suchte, nicht gefunden hatte.
Gegen Mittag betonte sein Magen mit Nachdruck, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen oder getrunken hatte. Seufzend schob er das Buch in das Regal zurück und verließ die Bibliothek um am Hafen einen frischen, gebratenen Fisch zu essen. Dazu trank er etwas Wasser aus seinem Wasserschlauch und blickte in die Ferne der See. Dem Rauschen des Meeres und dem Schreien der Vögel lauschte er und genoss die frische Seeluft. Dabei schweiften seine Gedanken ziellos, bis sie abrupt ein Ende fanden.
Seine Gedanken fanden wieder zum vorherigen Abend und der rhetorischen Frage, die er verneinen musste. „Nun so wirst du sicher auch wissen durch wessen Hand Korow letztlich fiel?“
Mit einem schnellen Schütteln des Kopfes vertrieb er alle störenden Gedanken und es verging keine Minute, bis er wieder in der Bibliothek stand.
Wieder zog er ein Buch nach dem Nächsten hervor, überflog es, las ein paar Seiten oder gar nichts und schob die Bücher vorsichtig, achtlos, mit Desinteresse, Neugierde, Ehrfurcht, Kopfschütteln oder sogar Interesse zurück, doch immer war die Enttäuschung dabei. Ein Buch beschrieb dies Geschichte Varunas, ein anderes die der Triellmagier, weitere Bücher behandelten beide Themen oder viele anderen Themen. Doch in Jedem fehlte das entscheide Kapitel. Der entscheidende Satz. Das entscheidende Wort. Der entscheide Name.
Der Abend hatte schon begonnen. Darius wollte ursprünglich zum späten Nachmittag bereits mit seiner Suche fertig sein. Er sah an den endlos wirkenden Bücherreihen entlang. Wieder und wieder zog er Bücher hervor und stellte sie zurück, bis etwas seinen Blick fing. Ein Buch schien zu fehlen, das war nichts außergewöhnliches, aber die nebenstehenden Bücher kippten nicht. Er ging näher und betrachtete das Phänomen. Ein Buch wurde gut und gerne fünf Fingerbreiten nach hinten geschoben, so dass es weder ohne Mühe greifbar, noch sichtbar war. Die Nachbarbücher wurden schnell herausgezogen und Darius zog das versteckte Buch hervor. „Die Arkorither“ hieß es. Er musste schmunzeln, als er einen von vielen Bänden über Temora sah. Er legte das Buch beiseite und schob den Temoraband etwas nach hinten. Das Buch war eigentlich zu dick um nicht aufzufallen aber die Geste zählt, dachte er sich. Er nahm das Buch über die Arkorither auf und setzte sich an einen der Tische.
Das Buch war dünner, als die Meisten anderen, dunkel eingeschlagen, aber trotzdem recht ansehnlich verziert. Er begann zu lesen. Neugierig verschlang er eine Seite nach der Anderen. Das Buch neigte sich zum Ende und als Darius schon gar nicht mehr damit rechnete, las er den Namen:
„Cherom“
[img]http://www.onlineexchange.de/alathair/Cherom.jpg[/img]
Erleichtert lächelte er auf und reckte sich etwas. Einen Augenblick lang gönnte er es sich den Blick ziellos umher schweifen zu lassen, dann las er die verbleibenden Seiten des Buches.
Zufrieden, aber sichtlich erschöpft reckte er sich und stellte das Buch gut sichtbar in das Regal zürück. „Cherom“ wiederholte er noch einmal für sich, ehe er aus der kleinen Hütte trat. Die Nacht war angebrochen, er blickte verwundert zurück. Niemand hatte ihn hinausgeworfen. Hätte er letzte Nacht ebenso lesen können?
Gähnend setzte er sich langsam in Bewegung in Richtung Kutsche, sich dabei die Hand vor den Mund haltend. Er wendete seinen Blick zum wolkenfreien Himmel und betrachtete die Sterne. Der Dunkle Himmel erinnerte ihn an sein Zimmer mit der schwarzen Decke. Nun dachte er an seine Matratze und beschleunigte seinen Gang zur Kutsche.
In dem Augenblick, als er die Kutsche erreicht hatte und unter seinen Umhang griff, um ein paar Münzen hervor zu holen, erinnerte er sich wieder an den Boten, den er am Morgen getroffen hatte. Jemand wollte ihn noch sprechen. Seufzend zog er seine Hand ohne Inhalt wieder unter dem Mantel hervor und nicht nur der Kutscher war enttäuscht, dass die Fahrt nach Rahal verschoben werden sollte.
„Etwas essen könnte ich auch mal wieder.“, dachte er sich, ehe er sich zu Fuß auf den Weg machte...