Seite 1 von 1

Aus der Not kommen Erfindungen

Verfasst: Sonntag 6. Januar 2008, 19:05
von Shirina Arbryn
Verdammt, was musste dieser Margon de Loran auch eine so winzige Schrift in seinen Büchern verwenden. Und zu einem Überfluss noch diese wirklich schreckliche Stift. Zwar mochte dieser Mann ein wirkliches Genie gewesen sein, gerade was die Eigenschaften von Wasserdampf betrifft – aber musste er dann gleich eine Schrift verwenden, bei der man 5 Minuten für jedes einzelne Wort braucht, bis es entziffert ist?

Murrend legte Shirina das Buch zur Seite und blickte erst einmal aus dem Fenster. War es schon so spät geworden? Der Mond hing groß und breit über den Baumwipfeln des Waldes und tauchte die gesamte Umgebung in ein schwummrig seichtes Licht.

‚Warum müssen die klügsten Köpfe immer die schrecklichste Schreibschrift verwenden, um ihre Bücher anzufertigen?’ Die Kerze auf dem Schreibtisch war fast schon völlig runter gebrannt. Eigentlich war es inzwischen Zeit, ins Bett zu gehen. Aber bei allen Göttern, es konnte doch nicht so schwer sein, zumindest das Kapitel heute noch fertig zu lesen?
Entschlossen griff die junge Tüftlerin wieder zu dem Buch und schlug dieses auf.

‚Wird die Schrift etwa von Seite zu Seite kleiner?’ Murmelte sie kaum einen Augenblick später, nachdem sie wieder umgeblättert hatte. Um mehr sehen zu können, ging sie mit ihrem Kopf immer näher heran. Näher ... noch näher, ein kleines Stück noch ...
Ihre Nase berührte jetzt die Seiten des Buches, resignierend hob Shirina wieder den Kopf an. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, die Schrift größer zu bekommen. Größer!
Ha, das war doch ein Stichwort, sie hatte doch noch irgendwo dieses Fernglas, das sie auf dem Varuna Markt letzte Woche erstanden hatte.

Nach einiger Zeit des Kramens und Suchens hatte sie endlich den Gegenstand ihrer Begierde wieder gefunden. Ein wirklich kleines Fernglas, na ja, der Händler hatte auch gesagt, es sei extra für Frauen gefertigt worden, eben leichter und handlicher. Warum sie auf dieses Gesülze herein gefallen war, wusste sie zwar immer noch nicht, aber egal – für ihre Zwecke würde es perfekt funktionieren.

Ha! Margon de Loran du hast nicht mit dem Erfindergeist von Shirina Arbryn gerechnet! Dir werde ich es schon zeigen, du mit deiner verflucht kleinen und verhunzten Schrift. Mit einem kleinen Surren zog sie das Fernglas auseinander und hielt es an ihr Auge. Na ja, ein wenig weiter weg musste sie noch mit dem Kopf .. noch etwas .. noch ... RUMMS.
Sie war inzwischen soweit mit dem Stuhl zurück gerückt, das sie gegen die Rückwand gedonnert war. Mist! Die Vergrößerung war zu groß.

‚Nagut’ murmelte sie für sich, ‚Heute wird das nichts mehr’ und legte alles zurück auf den Schreibtisch. Die Kerze wenig später auspustend, legte sie sich in ihr Bett um den Schlaf der Gerechten zu träumen.



(Fortsetzung folgt)

Verfasst: Dienstag 22. Januar 2008, 12:40
von Shirina Arbryn
Ein dumpfes Hallen konnte man im Flur, kurz vor dem Labor von Shirina hören. Mit nachdenklicher Mine wanderte diese von der einen Seite des Raums zur anderen. Die letzte Nacht hatte sie wieder kaum geschlafen, viel zu lange war sie mit dem entziffern des Buches beschäftigt gewesen, welches sie nun seit Wochen quält. Eine Lösung musste her.

Entrüstet lies sie sich auf den Stuhl nieder sinken und ihr Blick wanderte durch den Raum, bis er wieder an dem Fernglas hängen blieb. Eigentlich war es ja fast schon eine gute Idee gewesen, wäre die Vergrößerung des Fernglases nicht viel zu hoch und das Bild dann zu unscharf, hätte sie damit vielleicht diese Krakelschrift entziffern können.

Ob man das irgendwie ändern könnte?
Mit dem Zeigefinger tippte sie sich gegen das Kinn – aber wie funktioniert so ein Fernglas. Am besten wird es wohl sein, wenn ich es erst einmal öffne, dann kann ich sicher meine Schlüsse daraus ziehen, warum man alles viel näher sieht. Wo war noch gleich das Werkzeug? Verdammt, wie konnte sie in einem so kleinen Raum nur derart schnell den Überblick verlieren. Sie brauchte wirklich dringend ein Ordnungssystem.

Nach etwa 10 Minuten dann wurde sie fündig, Werkzeug und Fernglas lagen auf dem Arbeitstisch. Nur Shirina befand sich nicht mehr im Labor – eine heiße Milch, ohja das wäre nun etwas schönes. Denn so warm war es in dem Schloss nun wirklich bei weitem nicht.
Wie kam man auch nur auf die Idee Räume aus Steinen zu bauen? Zumindest innen hätte man doch alles mit Holz verkleiden können, dann wäre es nicht dauernd so kalt.
Kälte! Sowieso ihr Erzfeind ..

Ein warmer Dampf ging von dem Krug aus, als Shirina jenen ebenfalls auf den Arbeitstisch stellte. Wunderbar! Nun konnte sie sich ernsthaft an das erforschen von diesem Gerät machen.
Hämmern, Klopfen und gelegentlich ein Schlürfen an der Milch drang aus dem Zimmer der Tüftlerin, während sie mit mehr oder minder geschickter Genauigkeit Teil für Teil der Apparatur löste.

Was hatte sie da nun? Verschiedene Gläser die ein wenig geneigt waren und ein Gehäuse, eigentlich gar nicht viel. Dann musste das ganze wohl logischer Weise von den Gläsern her rühren. Eines dieser Runden Objekte nahm sie wenig später prompt zwischen die Finger und hielt es über den Text. Das durfte doch nicht .. wirklich! Zwar noch ziemlich unscharf, aber man konnte die Zeilen wesentlich besser und größer sehen, als zuvor.
Aber woran lag das? Ein Buch! Ohja, ein Buch musste her von jenem, der dieses Fernglas erfunden hatte. Sicher wären dort einige interessante Dinge zu finden.

Rasch machte sie sich auf zur Bibliothek, sie war dem Rätsel auf der Spur.


(Fortsetzung folgt)

Verfasst: Freitag 1. Februar 2008, 17:19
von Shirina Arbryn
Beim Barte der Zwerge, das durfte doch einfach nicht wahr sein!
Das Gerücht stimmte wirklich, je genialer der Kopf, desto schrecklicher ihre Schrift.
Wer in aller Welt sollte im Stande sein, dieses verkrakelte Wirrwarr zu entziffern?
Zwar waren die Worte in einer relativ normalen Größe geschrieben, dennoch stellten die Zeilen abermals ein Problem da. Sie hätte wirklich Schriftgelehrte werden sollen.. und all das nur um ein anderes Buch entziffern zu können.

Vier Tage und drei Nächte dauerte es, bis Shirina endlich das erste Kapitel über Ferngläser und die Lichtbrechung gelesen hatte. Besonders einleuchtend war es jedoch nicht geschrieben, aber vielleicht würde die Erkenntnis in den hinteren Kapiteln auf sie warten. Die Sonne ging langsam am Horizont unter, als sie aus dem Fenster im Schloss hinaus blickte.
Noch immer alles schneebedeckt. Wann würde diese schreckliche Jahreszeit endlich vorüber gehen? Wenn es etwas gab, das sie noch weniger mochte als Krakelschriften, dann war es die Kälte. Allein der Gedanke ließ sie schon frösteln. Zumindest hier im Schloss ging es, die Kamine in den einzelnen Räumen halfen doch deutlich dabei, nicht sofort zu erfrieren.

Mit einem leisen Seufzen ließ sie sich zurück in den Stuhl fallen. Da lag noch einiges an Arbeit vor ihr. Mit gesenktem Kopf zog sie sich noch die Obstschale näher heran – es würde wieder eine lange Nacht werden.


Unruhige Träume suchten die junge Tüftlerin in den folgenden Nächten heim. Große Bücher mit einer krakeligen Schrift hetzten ihr hinter her, stellten der jungen Frau nach. Einmal, so glaubte sich Shirina zumindest zu erinnern, war sie in einem Labyrinth aus sonderbaren Schriftzeichen gefangen und fand einfach den Ausgang nicht.

Was ein Spuk!
Einige Tage der Arbeit waren nun vergangen und so langsam verstand sie auch, wie ein Fernglas genau funktionierte, das das Glas dafür verantwortlich war, Dinge zu vergrößern. Interessant, die Krümmung und Dicke waren also dafür verantwortlich, in wie weit sich etwas entfernen oder nähern sollte. Wenn man nun also dem Glas eine andere Krümmung verleiht, würde man ‚Nahe’ Dinge größer sehen.

Das war doch genau das was sie brauchte! „Ha! Euch Krakelgelehrten werde ich es zeigen!“
Bei dem lauten Aufruf der Tüftlerin zuckte die Bedienstete zusammen, die gerade den Boden in ihrem Labor wischte. „Ups.. tschuldigung.“ Naja .. so langsam war man von ihr ja einiges gewohnt. Bald.. ohja bald würde sie dem Geheimnis des Glases auf die Spur kommen, es juckte sie schon in den Fingerspitzen – die Lösung nahte.


(Fortsetzung folgt)

Verfasst: Montag 11. Februar 2008, 13:04
von Alina Urwen
Sie saß an dem großen Tisch in ihrem Haus, eine große Kanne mit frischem Tee neben sich und starrte wieder einmal auf diese Pläne.
Shirina hatte ihr diese gegeben, eine Idee die die hatte, um kleine Dinge größer scheinen zu lassen. Nun, die Idee war gut, doch wie sollte sie dies umsetzen?
Sie seufzte etwas und trank einen Schluck Tee, ehe ihr Blick wieder auf diese Pläne zurück ging.
Mit der Verarbeitung von Glas hatte sie Erfarhung, dies sollte das kleinere Problem sein. Doch wie schliff man Glas, ohne daß dieses zerbrach und man zudem den gewünschten Effekt erzielte?
Die Zeichungen von Shirina kannte sie mittlerweile ausweding, doch noch immer ging ihr Blick darauf, ohne jedoch wirklich die Zeichungen zu sehen.
Es mußte recht dünnes Glas sein... jedoch dicker als jenes, welches man für die Verarbeitung von Flaschen brauchte.... bog man das Glas etwas, so daß eine Krümmung entstand...

Sie stand entschlossen auf, wohl etwas zu schnell, denn der Stuhl fiel hinter ihr mit lautem Gepolter um.
Sie hob ihn wieder genervt auf und stieg die Stufen hinunter um zu ihrer kleinen Schmiede zu gelangen.
Was brachte es, immer nur vor solchen dummen Zeichnungen zu sitzen? Dies war nciht ihre Welt. Sie war eine Frau der Tat und so würde sie auch auf die Lösung dieses Problems kommen. Kein Buch und kein Plan konnte so gut sein die die Erfahrung und das ausprobieren. Es gab nun mal keine besseren und auch keine härteren Lehrer.

In ihrer Schmiede nahm sie einige Glasbrocken hervor, die sie immer auf Lager hatte. Wie sollte sie beginnen?
Nun, am besten so, als würde sie eine Flasche herstellen, doch durfte die Krümmung des Glases nicht zu doll werden... das Viertel einer Flasche etwa sollte genügen. Und etwas dicker mußte es sein...

So machte sie sich an die Arbeit, wohl wissend, daß es Tage, wenn nciht Wochen dauern würde, bis sie diese Aufgabe zu ihrer Zufriedenheit erfüllt hatte.

Verfasst: Dienstag 12. Februar 2008, 15:12
von Alina Urwen
So geschah es auch. Des Tages über ging sie ihrer Arbeit im Kontar nach, arbeitete in der Mine in Berchgard oder in der Sandgrube, um genug Material für das ganze Glas zusammen zu bekommen. Des Abends begab sie sich in ihre Schmiede, an der Aufgabe tüftend, die Shirina ihr überlassen hatte. Schlaf fand sie kaum, denn selbst wenn sie sich kurz vor Morgengrauen zur Ruhe legte, so waren Ihre Gedanken noch immer bei diesen Plänen... sie durfte sich nicht so viel Zeit lassen.... sie mußte eine Lösung finden... diese Dinge waren für den Grafen...dies hatte Priorität vor allem anderen.
So wälzte sie sich jede Nacht herum, die wenigen Stunden, die sich Zeit nahm, stand dann wieder auf und die Arbeit begann erneut.

Sie hatte schon viele gebogene Gläser geformt, doch wenn sie hindurch sah, dann war es, als würde sie durch eine normale Flasche schauen, nur nicht so klar, eher verschwommen wirkte das Bild dahinter. Dies lag wohl, so überlegte sie, daran, daß das Glas einfach zu dick war. Sie besah sich das Stück Glas in ihrer Hand. Es war fast fingerdick.... sie schüttelte den Kopf und warf das Glasstück zurück in eine Form, welche in der Glut stand. Sie würde es wieder einschmelzen müssen.
So machte sie sich an die Arbeit, ein weiteres gekrümmtes Glas zu formen. Doch auch dabei stellte sie keine veränderung der Sicht fest. Nur, daß es, sah man von der Mitte zur Seite, ein leicht verzerrtes Bild ergab. Sie überlegte. Es ward doch ein ähnlicher Aspekt wie ein Teleskop...nur daß man auf den Spiegel im inneren verzichtete...
So mußte sie gleichsam eines Fernrohres eine konvexe Linse herstellen... so würden Gegenstände vergrößert... doch wie stellte man so etwas her? Man mußte das Glas schleifen, so daß es diese Form bekam, so wiel war klar... die machte sich an die Arbeit ein Glasstück zu formen, welches die Größe der späteren Linse hatte. Dann begann sie vorsichtig, dieses Stück zu schleifen um ihm die beabsichtigte Form zu geben. Die Gedanken waren gut, die Ausführung schlecht. Schon nach kurzer Zeit zersprang das Glas in ihren Fingern und zerschnitt ihr die Hand, mit der sie das Glas gehalten hatte. Ein verärgerter Laut kam über ihre Lippen und sie versuchte es erneut.
Es sah wahrlich leichter aus, als es war. Stück um Stück zersprang das Glas in ihrern Händen, ehe sie die entgültige Form heraus geschliffen hatte.
Schon war die Nacht fast um und der Scherbenhaufen in ihrer Schmiede wuchs. Als die nächste Linse in ihrern Händen zersprang, entfuhr ihn ein nicht gerade damenhafter Laut und die schmiß die Reste der ehemaligen Linse auf den Boden zu den anderen, die dort lagen. Wütend auf sich selbst begann sie in der Schmeide auf und ab zu gehen, eilig, als würde sie ihre Wut am Boden auslassen wollen. dabei stieß sie an eine Kiste, auf der Ein Brocken Glas auf seine weitere verarbeitung wartete. Durch diesen Stoß fiel auch dieser zu Boden und zerbrach mit lautem Geschäpper.
Wie erstarrt blieb Alina stehen und sah auf die Scherben. Mit einem seufzen begann sie dann, die Reste aufzusammeln und in die Form zum einschmelzen zu geben. Sie war nun mal selber schuld. Sie war nicht vorsichtig genug... vielleicht zu ungeduldig. Doch da konnte sie auch nciht aus ihrer Haut.
Nun lächelte sie, als sie die letzten Scherben aufsammelte.....
"Wir werden sehen, wer mehr Ausdauer hat.. das Glas, oder ich."

Mit einem Grinsen warf sie auch die letzten Brocken in die Schmelze und machte sich erst einmal eine große Kanne Tee.
Mit dieser ging sie wieder hinunter in die Schmiede um sich erneut an die Arbeit zu machen.

Verfasst: Sonntag 17. Februar 2008, 22:44
von Shirina Arbryn
Was für seltsame Tage und Nächte waren das nur in letzter Zeit? Große und kleine Buchstaben suchten sie in ihren Träumen heim. Erst gestern hatte sie fast sogar schon etwas wie Angst gehabt, wieder eines der Bücher aufzuschlagen, von denen sie doch genau wusste, das die Schrift viel zu klein sei’ um sie ordentlich lesen zu können. Aber konnte das sein? So langsam machte sie sich ernsthafte Gedanken um ihre eigenen Augen, es war doch ziemlich unwahrscheinlich das derart viele Wissenschaftler eine so kleine Schrift hatten, das sie sie nicht lesen konnte. Nur mit dem gebogenen Glas des Fernglases war es möglich, zumindest das gröbste zu lesen. So was umständliches...

‚Das macht mich irgendwann noch wahnsinnig’ Murmelte Shirina zu sich selbst, dabei mehr oder minder laut ein Buch zuschlagend, welches noch vor ihr lag. Ein Ausflug, oh genau das war es was sie brauchte. Aber nicht irgendwo hin, nein, ein Ort an dem es warm war. Ohja warm! Wie sie doch Winter hasste, wirklich hasste. Es war keinerlei Übertreibung in diesen Gedanken, nichts war schlimmer für sie als Kälte. Und für nichts anderes stand’ eben der Winter – einfach nur schrecklich Kalt.

‚Ich glaube, ich werde mal wieder meine Freundin Shanna besuchen, die Dornenfeste hat doch einen so großen schönen Kamin, das ist genau das richtige. Hoffentlich ist die Kutschfahrt nicht wieder so unangenehm.’ Die Bücher, Schriften und Aufzeichnungen liegen lassend, verließ sie ihr Labor im Schloss, schlenderte durch die steinernen Gänge.

Stein .. zwar robust, aber auch so was von kalt. Wenn sie einmal ein Haus haben würde, dann wäre es zumindest innen mit Holz verkleidet, damit es warm blieb’ auch mitten in diesen furchtbaren Wintern. Und im Zentrum einen großen Kamin, ein richtig großer. Und.. darum wohl einen großen Keller, irgendwo musste ja das Holz gelagert werden, das sie verbrennen würde. Ach.. das tat gut, endlich keine Gedanken mehr über zu kleine Buchstaben.

Mal sehen.. auf dem Rückweg würde sie einfach mal bei Alina vorbei schauen. Wie weit sie wohl schon war?

Verfasst: Freitag 22. Februar 2008, 09:27
von Alina Urwen
Die Tage vergingen, und so langsam, ganz langsam, sah sie Fortschritte. Sie hatte die Kümmung des Glases geschaffen, auch die Schleifversuche führten nicht mehr andauernd dazu, daß der Boden ihrer Schmiede mit Scherben bedeckt wurde. Doch das Ergebnis, welches sie eigentlich erreichen wollte, stellte sich nicht ein.

Die nahm das zuletzt geschliffene Glasstück zur Hand und betrachtete es. WEnn sie es zwischen ihr Auge und einem anderen Gegenstand hielt, vergößerte es leicht, dies war schon richtig. Doch das Bild war verzerrt, so daß es noch schwieriger wurde, etwas zu erkennen.

Sie seufzte auf und wieder einmal warf sie das Stück Glas in die Schale in der Esse, um es erneut einzuschmelzen.
Ein neues Stück wurde geformt, gebogen..es erkaltete und anschließend betrachtete die junge Schmiedin das Stück: lange sah sie darauf und überlegte. Wenn...wenn der letzte Verusch vergrößerte, aber dabei verzerrte, dann war sie auf dem richtigen Weg. Der Schliff mußte minimal verändert werden und zwar, indem....

Die Erkenntnis war auf einmal da. So klar, daß sie sich mit der freien Hand gegen die Stirn schlug. Wie hatte sie nur so dumm seinm können? Hatte sie in den Jahren ihrer Arbeit denn nichts gelernt, daß sie solche Dinge übersah? Verärgert über sich selbst, aber dennoch eifrig machte sie sich wieder an die Arbeit. Sie schliff das Glas, prüfte es, schliff wieder weiter, prüfte...

HA! Das war es! Sie hielt das gebogene Glas in der Hand und hielt es sich zwischen ihr Auge und den Amboss. Die Macken und Kanten traten scheinbar aus dem Glas hervor, als wären sie groß und der Amboss nicht mehr zu gebrauchen. Erst etwas erschreckt prüfte sie das Herzstück ihrer Schmeide, dann mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht lehnte sie sich an die Wand und schloss die Augen.

Dies war geschafft. Die hatte es gepackt. Diese Entwürfe Shirinas hatte sie umgesetzt und es funktionierte wirklich. Wieder öffnete sie die Augen und sah auf das Glas in ihrer Hand. Davon mußte sie noch mehr herstellen. Und dann... ihr Grinsen verbreitete sich noch etwas. Ntürlich mußte sie auch selber etwas beisteuern. Und nicht nur Pläne von anderen ausarbeiten. So mußten Halterungen her. Es wäre doch sehr müßig, dieses Glas immer vorsichtig zwischen den Fingern halten zu müssen.

Fröhlich pfeifend machte sie sich an die Arbeit. Bald wäre es geschafft.