Seite 1 von 1

Rastlose Nächte...

Verfasst: Samstag 5. Januar 2008, 12:07
von Qan ap Cayia
Leise, ungleichmässig widerhallende Stiefelschritte, die in der Stille eines schlummernden Rahals lediglich von gelegentlichem Hundegejaule aus der Ferne begleitet wurden und die allmählich in den weiten verwinkelten Gassensystemen Rahals verklingen sollten.
Die winterliche Kälte machte sich vor allem nachts deutlich bemerkbar- zumindest mehr als ihm selbst angenehm war- und doch ließ er es sich nicht nehmen, das Zittern in seinen Beinen aus Trotz heraus mit bemüht gemessen gesetzten Schritten zu überspielen.
Ganze sieben Tage waren vergangen, seit er 'sie' das letzte Mal gesehen hatte und er hatte sich ein Wiedersehen mit 'ihr' wahrlich anders vorgestellt.

Tagsüber ertränkte er die eigene Sehnsucht nach 'ihr' in stupiden Erledigungen für die Stadtverwaltung. Teils um die befremdlich wirkenden Schuldgefühle vergessen werden zu lassen, teils aber auch um das aufkommende Bedürfnis, all dem ein jähes Ende zu setzen im Keim, zu ersticken.


Nachts jedoch...

... tat er nichts besseres, als rastlos den Weg zum 'van Gwinheer'-Hof abzuschreiten. Die ruhelosen Nächte, die er damit verbrachte, nach den richtigen Worten zu suchen, waren wohl vergebens gewesen, als er 'sie' beim spätnachmittaglichen Wiedersehen in der Taverne mit anklagenden Worten anfuhr, die ihm selbst wahrscheinlich mehr Qualen bereitet hatten als ihr.


Schon wollte er einen rustikalen Fluch in die sternenklare Nacht hinausschicken, doch blieb es nur beim einem nachdenklichen Umherkauen auf der Unterlippe. Ungeduldig mit sich selbst, zwang er sich dazu, nicht in Selbstmitleid zu versinken und zu klaren Gedanken zu kommen.

Er hatte 'ihr' zwei Versprechen gegeben und er hatte vor beide zu halten.

Schnell drängte er sich zu einer Entscheidung und kurz darauf schlug er den Weg zu Nedleyne's Behausung ein.

Sie würde ihm sicherlich keinen Vorwurf machen und das Begehrte für ihn bereitstellen...


Verfasst: Samstag 5. Januar 2008, 13:57
von Nedleyne Mwyn
Rastlos marschierte sie in ihrem bescheidenen Heim auf und ab. Die Treppen hoch und runter, um den Tisch ein paar tausendmal herum.
Konnte sie Qan wirklich keinen tröstenden Rat geben? Natürlich konnte sie das nicht, sie hatte doch nicht den leisesten Schimmer was seine Gefühlsprobleme anging. Natürlich, er war vielleicht ein Dummkopf, dafür aber hilfsbereit und liebenswürdig.
Ungeduldig musste sie auf ihrem Oberarm trommeln, ihr Fuß wippte dazu parallel mit. Immer öfter ertappte sie sich, wie sie auf die Wanduhr starrte. Kaum waren mehr als 5 Minuten vergangen, da rannte sie schonwieder hysterisch in ihrer kleinen Bleibe. Wieso machte er es sich so schwer?

'So Frauen wie die Clerica, Statthalterin und Du'..

Irgendwie beunruhigte sie diese geheimnisvolle Art von Qan plötzlich. Im selben Moment, als sie den Gedanken abschloß schalt sie sich selbst dafür. Sie würde ihm helfen, Rat und Tat - In dem Fall hoffte sie das nicht unbedingt alles auf dieses Sprichwort zutreffen würde. Nach einem tiefen Seufzer tappte sie niedergeschlagen ihre Treppen hoch, entblöste sich ihrer Kleider und lies sich in das heiße Wasser fallen. Jetzt würde sie sich nur entspannen, zumindest solange bis er sie aufsuchen würde.

Verfasst: Samstag 5. Januar 2008, 14:25
von Annalisa van Gwinheer
Man spielte nicht mit ihr. Ein Spielzeug das man nach bedarf aus der Wühlkiste holte - nein, dafür war eine Frau der van Gwinheer sicherlich nicht geschaffen. Wieso auch sollte sie sich so etwas von 'ihm' gefallen lassen? Diese Spielchen konnte 'er' mit anderen Frauen treiben, doch nicht mit ihr. Nicht mit Annalisa van Gwinheer..

Die Nacht war bereits weit fortgeschritten, als sie das Familienanwesen erreichte. Es lag still und verlassen in der Nacht, vermutlich würde sie niemandem begegnen. Weshalb auch? Alva, wie auch Lyam verbrachten sicherlich ihre Nacht wieder in den Aufenhaltszimmern der Templerschaft. Noch immer lag der Duft des Ahad in ihrer Nase. Die Ritterrobe ... sie trug einen vertrauten Geruch mit sich. Ein Geruch nach befremdlicher Männlichkeit, leichtem, unauffälligen Schweiß und .. eine Priese Sicherheit. Wie konnte es sein, dass eine Robe ihr mehr Vertrauen bot, als sie bei 'diesem' Mann in den letzten Wochen so vergeblich suchte? Rasch hob sie ihren Brustkorb, ließ die Lungenflügel ausbreiten, um die kühle Nachtluft in sich aufzunehmen. Sie musste diesen Geruch des Ahad und die damit verwirrenden Gedanken vertreiben.

Das letzte Glimmen der Hölzer im Kamin, tauchte den gesamten Aufenthaltsraum in einen warmen Rotton. Ein Rotton, der bald darauf im Keim ersticken würde. Erstickt von den Hölzern, welche ihn zuvor nährten und am Leben hielten. Es war, trotz der eisigen Kälte vor der Haustüre, angenehm warm in dem Zimmer und so sackte sie in einer gleichmässigen Bewegung in den großen Sessel. Auch hier verbrachten sie schon gemeinsame Stunden, Stunden in denen sie sich meist stritten und doch wieder versöhnten. Doch diesmal war 'er' zu weit gegangen. 'Er' war derjenige der sich möglicherweise im Geiste sicher war. Doch 'sein' Körper sprach' Bände. Diese grüne Frucht - ein Gegenstand des Spottes gegenüber Annalisa. Sie ließ nicht mit sich spielen, schon gar nicht auf diese Art und Weise. Ein verachtendes Keuchen verließ ihre Kehle, während sie das rechte Bein etwas näher gen des Kamins bewegte.

Triebe waren es die 'ihn' dazu zwangen, sie waren es die 'er' in Zaum halten wollte. Eine körperliche Reaktion, die das Verlangen in 'ihm' wiederspiegeln. Das Verlangen nach anderen Frauen und ihren Reizen, doch nicht nach der Frau die 'er' angeblich in sein Herz gelassen hatte. Die recht kleine Hand, ballte sich langsam aber sicher zu einer Faust, hierbei wurden die Knöcheln unter der Haut schnell ziemlich deutlich sichtbar. Ein Verlangen, welches 'er' nicht für sie empfand. Vermutlich hatte Alva Recht: 'Er' war der falsche Umgang für sie. Sicherlich hatte 'er' bereits Ersatz gefunden, um 'seine' Triebe zu stillen und 'seine' umgarnenden Worte erneut, gegenüber einer weiteren Frau, zu fassen...

Überraschend aprupt beendete sie diesen Gedankengang, keine weitere Minute wollte sie an diesem Abend daran verschwenden. Wieso auch? 'Er' spielte mit ihr. Niemand spielt mit einer van Gwinheer. Stattdessen senkte sie bereits instinktiv ihr Haupt herab, um mit der Nase am Kragen ihres Hemdes zu riechen. Dieser Geruch ... warum ließ er sie keinen klaren Gedanken mehr fassen? Es began alles mit einer einfachen Bitte: Ginseng und Äpfel - eine normale Anfrage. Das Geschäft verlief normal. Ein Preis wurde ausgehandelt, einige dienstliche Floskeln und schon war der Handel abgeschlossen. Ein Handel, der mit Faszination, Demut und ungestillter Neugierde Hand in Hand lief. Die blauen, kalten Augen lasteten auf ihrem Gesicht - doch auch hier war das Gefühl kaum genau zu definieren. War es Ehrfurcht oder ließ noch etwas anderers diese Faszination mehr und mehr in Mark' und Bein gehen? Ihre Nasenflügel bebten, so dass gleichzeitig ein, für sie unbekanntes, Zittern durch den zierlichen Leib ging. Die Hand, welche noch immer zur Faust geballt war, drückte sich weit in den Bezug des Sessels, ehe sie in einer fliessenden Bewegung aufstand und ferngesteuert in Richtung Schlafzimmer schritt. Sie hatte ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle, oder waren es die Gedanken welche ein Spielchen mit ihr Trieben?

Der Palast, die Führung durch die Oberstadt, Blicke, hier und da ein zögerliches Lächeln, prunkvolle Häuser, die Robe in welcher der zierliche Leib der Frau gänzlich versinken sollte, der Tempel, die Gebete, die heimlichen Blicke voller Neugierde und dann ... der Alka und diese Einladung. Ein Befehl an den Ahad und zugleich eine Bitte an Annalisa. Eine Bitte, welche nicht allzu gewöhnlich war und doch einen Schauer über ihren Rücken trieb. Die Zungenspitze glitt langsam über ihre hellen Lippen hinweg, sie waren ungewöhnlich trocken und nur schwer ließen sich die ersten Risse vermeiden. Sie tastete mit einer Hand, vollkommen orientierungslos, nach der Kante des Bettes. Es war kalt und verlassen, so als hätte noch nie irgendein Leib die Matratze berührt. An der Tafel, nahe des Alka und des Ahads, speißen. Eine Ehre, die nicht jedem erwiesen wurde, sie sollte stolz sein und dem Alleinen danken ... und doch - woher kam dieser negative Beigeschmack? Sein Verhalten zeugte nur noch von Zwang und Selbstbeherrschung. Was ließ ihn so handeln? War es der Gedanke daran, eine stets im Schatten stehende van Gwinheer, während eines Mahls mit dem Alka an seiner Seite zu wissen? Gewiss ...

Der rasche Rückweg in Richtung des Palasts, der Geruch der Ritterrobe an ihrem Leib, die innerlich elektrisierende Berührung der beiden Hände, die Übergabe des Geldes und stets diese Gedanken... - der Heimweg glich einer Flucht. Einer Flucht vor der eigenen Gefühlswelt und den damit verbundenen Gedanken, wie auch Menschen. Nun saß sie hier, aufgewühlt und in den wirrsten Gedanken verloren. Doch ...

... der Geruch des Ahad wich nicht aus der stets zuckenden Nase, so dass er unweigerlich mit den Gedankengängen die sich erneut um Zakalwve drehten verschmolz.

Verfasst: Montag 7. Januar 2008, 20:40
von Akela Kheldis von Varanor
Dort wo die Blutgeborene verweilte roch nichts nach dem herben süßlichen Geruch der Männer.

Kein Geschmack auf ihren Lippen, kein Lächeln in ihren Augen. Wie eine Furie zog die Kriegerin durch die Finsternis, suchte jede Erinnerung an Rayrrak Rasakar... und an Zak auszutreiben.

Die Untoten, die Knochenwesen, die nach ihr griffen halfen ihr dabei... bedingt... als sie sie schließlich überwältigt hatten und zu Boden rissen kam der fade Geschmack der Niederlage.

Hätte Akeka dem Ritter in diesem Moment eine Nachricht übermitteln können, wäre der Inhalt wohl gewesen, daß sie bereit wäre sich seinem Verhör zu beugen. Und Zak hätte vielleicht hätte sie ihm gesagt, daß...

Die Krypa am Hafen...

Vor wievielen Tagen war sie herabgestiegen? Hunger verspürte sie keinen... oder wie lange würde sie noch herumirren können, wenn sie nicht bald Wasser fand?

Der Wille zum Kampf darf nicht durch Schmerz gebrochen werden...

Und der Alka? Sicher hatte er sie schon vergessen... sie würde nie seine Truppen in den Heilen Kampf führen, oder? Wie nur wie konnte sie sich vor ihm beweisen?

Oh, nein, sie würde nicht brechen...

Bald schon bald, würde sie den Weg zur Oberfläche finden und dieser Knochenhölle entsteigen. Dann wäre sie zurück! Sie, die Kriegerin, die Blutgeborene des Hauses Varanor.

Akela.

Verfasst: Mittwoch 9. Januar 2008, 19:05
von Annalisa van Gwinheer
In einer letzten entschlossenen Bewegung striff sie auch das letzte Kleidungsstück von ihrem zierlichen Körper. Hierbei tasteten die ungewohnt hellen Augen langsam an eben jenem herab. Dünn war sie geworden, dünn und beinahe zerbrechlich würde sie auf andere wirken, hätte man sie in diesem nackten Zustand gesehen. Auch die gesunde, bräunliche Farbe welche ihre Haut über die warmen Monate hin angenommen hatte, war beinahe gänzlich gewichen. Lediglich die Füße wie auch die Waden schimmerten noch in einem seidigen Braunton. Insgesamt ein Anblick der ihr sicherlich nicht zusagte, verbunden mit den mangelnden weiblichen Rundungen, bildete sie sich neuerlich ihre Meinung: Eine Frau welche sicherlich für die männliche Bevölkerung sicherlich nicht begehrenswert war.

Nun hob sie die linke Hand in die Höhe, um mit jener zögerlich die hellblonden Haare zurück zu streifen und im Nacken zusammenzubinden. Markant, wie das Gesicht ihres Bruders, war auch ihres geschnitten. Vor allem die hellen Augen und die recht kleine Nase sollten ins Auge stechen. Eine Tatsache die ihr gefiel: Das Gesicht. Ausgefallen und einprägsam, würde man es wohl mit zwei einzigen, positiven Worten beschreiben können. Die Mimik stets distanziert und mit einer angemessenen Priese Skepsis, verlieh dem Komplettbild eine gesunde Mischung. Eine Mischung aus Neugierde und Desinteresse - Dinge die ein Mensch selten miteinander vereinen konnte, doch ihr war es gelungen. Die Augen, die Fenster zur Seele, gaben stets das wider was sie wirklich dachte und fühlte: Meist war es die unstillbare Neugierde, die dem Gemusterten entgegen gebracht wurde. Hierbei jedoch blieb die Mimik hart, hart und unnahbar, eine deutliche Gestik des Desinteresses.

Ein bittes Schmunzeln wanderte über die hellen und doch sinnlich geschwungenen Lippen. Ein weiterer, herber Rückschlag den sie seit ihrer Ankunf in Rahal hatte über sich ergehen lassen müssen. Doch wie hart musste ein Schlag sein, um eine van Gwinheer dermaßen aus der Bahn werfen zu können? Er war hart genug gewesen, hinterließ einen weiteren Riss in ihrem sowieso schon angeknacksten Herzen. Sei's drum: Die Hand wanderte von ihren zusammengebundenen Haaren in den Nacken, um in einer massierenden Geste darüber zu streichen. Verbunden mit dem Dampf der aufgesetzen Ölen, und der warmen Raumtemperatur eine angenehme Angelegenheit. Es war still, der Raum lag verlassen und bot genug Raum um sich frei entfalten zu können. Genau dies hatte sie vor: Entfernung zu all' den bereits passierten Dingen aufzubauen.

Vorsichtig bewegte sie die Zehenspitzen des rechten Fußes in das Becken, das Wasser hatte genau die richtige Temperatur. Es würde jegliche Verspannungen aus dem Körper der Frau lösen. Verspannungen, welche sich auf Grund der Probleme und Sorgen Tag für Tag, Stunde um Stunde verhärteten. Es war an der Zeit sich zu lösen. Den Zehenspitzen folgte nun der gesamte Fuß, der sich bis zum Knie weiter in das Becken herabbewegte, ehe nun auch der linke Fuß hineingetaucht wurde. Nur wenige Sekunden später, umschloß die wohltuende Wärme den nackten Leib. Annalisa nahm einen tiefen Atemzug, der ihre Augenlider zu fallen ließ. Entspannung, fernab von all den Sorgen und Problemen. Selbst die Arme zog sich nach einiger Zeit, in der sie als Stütze am Beckenrand dienten, in das Wasser hinein. Ihr gesamter Körper, mit Ausnahme des Hauptes, verschwand in der wärmenden Nässe.

Die seichten Wellen, welche durch das Paddeln ihrer Füße verursacht wurden, platschten leise gegen den Rand des Beckens. Eine jede Welle würde seinen Geruch von ihr nehmen. Der Geruch, welcher sie tagelang verfolgt hatte. Es war genau jener Geruch, der abermals von ihrer Naivität zeugte. Und erneut war es ihre Schuld: Sie hatte sich zu sehr fallen lassen, zu sehr die Gedanken schwirren lassen um in der eigenen Traumwelt zu schwelgen. Er war der Ahad, was nur hätte sie erwartet? Ihre Seele schien sich einem Moment aus dem Körper zu lesen und erneut verweilte sie an den Orten, welche sie gemeinsam mit ihm besucht hatte. Es war schön, zu schön. Sie hatte bereits hier zweifeln sollen. Doch sie tat es nicht, sie folgte weiter ihrem Bedürfniss nach Zuneigung und aufrichtiger Lieber. Doch er war der Ahad ... ein Mann, der eine Frau nur begehrte um Kinder zeugen zu können, so wie es der Allmächtige verlangte. Natürlich, der Ahad war unfehlbar - so ist es nunmal und wird es immer sein. Mit einer Hand glitt sie nun über ihr vom Schweiß nasses Gesicht, um die Gedanken zu vertreiben. Sie wollte sich damit nicht weiter quälen, denn eigentlich war sie sich doch nun sicher wer oder was ihr gut tun würde. Weshalb also unnötig Sorgen machen? Erneut paddelte sie nun mit den Füßen, welche sie im nächsten Moment vom Beckenrand hinfort in die Mitte des Beckens trugen. Rundherum nur warmes, dampfendes Wasser. Eine kurze Zeit der Freiheit und Unbeschwertheit.

Zakalwve. Erst jetzt wurde ihr bewusst wie sehr sie ihn gequält und verletzt hatte. Erst jetzt wurde sie sich gewahr, wie er fühlte. Der Gedanken an ihn, trieb ihr unbewusst ein ehrliches Lächeln auf die Lippen. Zwar hatte auch er sie verletzt, ja, er hatte es sogar so weit getrieben, dass sie inzwischen nicht mehr als gute Freunde waren. Doch.. erst jetzt wurde ihr bewusst, dass diese Handlungen seinerseits lediglich von der Unwissenheit und weiterhin vorhandenen Kindlichkeit verursacht wurden. Die Konzequenzen schienen ihm nicht bewusst, wieso also sollte sie ihn länger mit einer schlichten Freundschaft quälen? Das Lächeln auf den Lippen erstarrte, als ihr plötzlich ein neuer Gedanke in den Sinn kam: Ob sie für ihn überhaupt noch so viel Wert hatte, um sich erneut damit auseinander zu setzen? Im Schatten, sie stand nun einmal im Schatten der Familie. Egal was der Ahad und auch die Glaubensregeln bezüglich der Wichtigkeit aller Anhänger des Allmächtigen sagten. Die Templer ließen eine schlichte Bäuerin nunmal etwas in den Hintergrund gleiten. War es etwa genau das was er suchte? Ein Murren, und einige innerliche Schelten, bezüglich dieser neuerlich auftretenden Gedanken an Zakalwve ließen sie auch diese Denkprozesse für den Moment vertreiben.

Es wurde warm, und an Kohlebecken perlte bereits das Kondenswasser ab. Auch das Handtuch am Rand des Beckens schien bereits etwas klamm geworden zu sein. Zeit zu Gehen, Zeit sich erneut den Sorgen, Ängsten und Bedenken zu stellen. Man hatte keine Wahl, so man nicht zurückgezogen in irgendeinem Badehaus verweilen mochte. Als sie das Bad verließ und mit nassen, nackten Füßen über die Fließen ging, spürte sie die Verspannungen kaum mehr. Auch der Kopf schien frei von all den wirren Gedanken zu sein, während die Kälte sie langsam wieder umschloß.

Verfasst: Donnerstag 10. Januar 2008, 11:15
von Qan ap Cayia
"Aber ich musste ihr ja unbedingt die Wahrheit über die grüne Frucht beichten!"

...es war nichtmehr als ein beklemmendes Gefühl gewesen, sich der Monogamie gänzlich hinzugeben und auch wenn sein Herz sich sicher war, dass er nur diese eine Frau in seinem Leben lieben würde, konnten alte Gewohnheiten kaum ausgetrieben werden...



'So Frauen wie die Clerica, die Statthalterin und Dich'

.. hatte er Nedleyne gebeichtet, als sie ihm danach fragte, weshalb sein Herz immer noch rastlos nach der Nähe vieler Frauen suchte.
Wie konnte er auch standhaft sein, wenn der Glauben selbst vorpredigte, dass die Gelüste eines Mannes nicht im Widerspruch mit dem Werk des Herrn standen? War es nicht vielmehr ein Verlangen, so viele Diener für den Herrn in die Welt zu setzen, wie er nur konnte?

Er schämte sich beinahe selbst, dass er sich diese Frage stellte und seine eigenen Gelüste mit "seinem Werk" rechtfertigte, und noch mehr Unbehagen machte sich in ihm bemerkbar, als er daran dachte, wie er diese Gelüste mit Hilfe der Früchte zu unterdrücken versuchte...

Hatte er nicht das Beste für sie gewollt? Fraß er diese entsetzlich schmeckende Frucht nicht alleinig aus dem Grund, weil er sie nicht verletzen wollte? Doch anstatt seine guten Intentionen hatte er lediglich seine eigenen Charakterschwächen zu Tage gefördert.



"Nur ein schwacher Wille lässt sich zu irdischen Lastern verführen."

...hallte schon die Predigt der Tetrarchin in seinem Ohr wider, während die Schuldgefühle erneut auf sein verkümmertes Gewissen niederprasselten wie unbarmherzige Eishagelkörnchen.



Bedächtig lenkte er seine Schritte über die Anhöhe, während ein zaghafter Windzug über die sachten Erhebungen der Hügellandschaft strich, die sich jenseits der Höfe Rahals aufbaute und sich bis zum nahen Gebirge im Osten erstreckte.
Vor ihm lag still und geborgen der van Gwinheer-Hof- ein vertrauter Anblick, der in ihm Sehnsucht wie auch tiefsten Schmerz auslöste...
Es wurde Zeit ihr das zweite Kissen zukommen zu lassen, doch den Mut dazu hatte er noch nicht so richtig gefasst.



"Es ist schwierig sich zu öffnen, Annalisa..."

Noch allzugut konnte er sich an die kühle Berührung der Klinge erinnern, die bis auf wenige Fingerbreit bis zum Schaft in seinen Körper eingedrungen war. Nur wenige Zentimeter unterhalb der Stelle, wo sein Herz noch immer rasend für die Frau pochte, die sein einziger Lebensinhalt der letzten paar Wochen geworden war. Und auch wenn die Wunde längst durch das Zutun des Ahads geheilt war, verspürte er immer noch den dumpfen bedrückenden Schmerz, der sich jedes Mal bemerkbar machte, wenn er 'sie' sah.
Er hatte versucht 'sie' gänzlich aus seinem Herzen zu schneiden- 'sie' aus seinem eigenen Leben zu verbannen, um nicht in Ungewissheit sein restliches Dasein fristen zu müssen.
Stattdessen wurde er von diesem Ahad gerettet- 'dem erhabenen Ahad', dessen Name er nicht kannte und der für ihn auch keine weitere Bedeutung besaß, denn 'Namen haben für sein Werk keine Bedeutung'.



'Der Herr gibt mir eine zweite Gelegenheit, ihm gerecht zu werden..."

Neuer Enthusiasmus und Elan stellte sich ein, während ihm von Tag zu Tag klarer wurde, dass er dem Herrn mehr als ein Leben schuldete. Ein Leben mit selbstauferlegten Grenzen, um ihm gerecht zu werden.



'War es wahr, was der Ahad sagte? Die Liebe würde nur den Willen schwächen, sein Werk zu vollenden? War es nicht vielmehr die Angst vor dem Loslassen, die meine Sinne trübten und meine Gedanken mit Sorge lähmten?'

Die Schande des missglückten, halbherzigen Selbstmordversuch saß tief und ein stumpfes, belastendes Gefühl stellte sich ein, wenn er in "ihre" blauen Augen blickte und ihm klar wurde, dass er einen Teil von 'ihr' verloren hatte, und so lehnte er das Kissen- gut verpackt- an die Wand des Gestüts, in der Hoffnung sie würde schon bald die Stelle passieren und darauf aufmerksam werden...

Eine strenge Bö zog vom Süden heran, während sich die Kälte mit schleichendem Erfolg durch die Öffnungen seines enganliegenden Jackets kämpfte. Ob vor Kälte oder Anspannung erfasste ein kalter Schauer seinen Rücken, der all seine Nackenhäarchen in die Höhe trieb.



Starr vor Schreck wagte er es nicht einzuatmen, als ihm eine Tatsache bewusst wurde: Er wollte lernen loszulassen, doch er konnte nicht...

'Sie' würde seine einzige Schwäche bleiben...

'Warten... und noch einen Blick auf sie erhaschen...'

Verfasst: Donnerstag 10. Januar 2008, 18:05
von Akela Kheldis von Varanor
Dort wo die Blutgeborene verweilte gab es keinen warme Wasserdampf, keine Ruhe, keine Möglichkeit einen Moment zu verweilen, sich zu entspannen...

Knochen splitterten, ein Schädel barst, als der Knochenwicht vor Akeka auf die Knie brach. Ein kehliger triumpfartiger Laut entrann ihr, doch wurde gleich darauf wieder ersteckt. Den Weg hinaus... auf dieses Licht zu - was sie sich seit einiger Zeit einbildete zu sehen - einen anderen Gedanken erlaubte sich die Kriegerin nicht. Längst hatte sie jedes Gefühl für Zeit und Raum verloren. Es gab nur noch die Finsternis, das Splittern von Knochen...

Was würde Zak nur sagen, wenn er sie so hätte sehen können?

Der Weg vor ihr verengte sich. Der Kampf wurde heftiger. Ihr Element. Doch ihre Kräfte schwanden. Allein, daß sie sich noch immer auf den Beinen hielt, schien unglaublich.

Was würde Rayrrak Rasakar nur sagen, wenn er sie so hätte sehen können?

Der nächste Knochen der splitterte war der Schildarm der Blutgeborenen. Wäre sie einen Moment langsamer gewesen, wäre ihr die Schulter zertrümmert worden. Ein wütender Schrei, ein Aufbäumen, ein gepeinigter Körper der sich seinem letzten Feind entgegenwarf.

Ein riesenhafter Untote versperrte ihr den Weg zu dem Licht.

Alle Gedanken bündelten sich auf einen Punkt.

Alatar....

Die Kriegerin griff an.

"Alatar will es!"