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Das versoffene Mädel aus dem nix wird nimmer mehr

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 17:48
von Lira Toran
„Sieh zu dass du davonkommst!“ ach verdammt wie bekannt und vertraut war diese Wortkonstellation doch für sie? Das junge Mädchen, nicht älter als 16 Lenze, sah zu dass sie Land gewann und rannte aus der kleinen Taverne im Dorf heraus, in der Rechten eine Flasche Schnaps in der Linken einen zerlumpten Rucksack. Die löchrigen und deutlich mitgenommenen Stiefel gaben unter den schnellen Schritten nach und es war schon beinahe ein kleines Wunder dass die Sohle nicht durchriss.

Sie rannte raus aus dem kleinen Dörfchen, lehnte sich an einen der Bäume außerhalb und schnaufte. Jemand wie sie war hier wohl nicht sonderlich gerne gesehen, aber wieso sollte man eine Gestalt wie sie auch irgendwo willkommen heißen? Zerfetzte Lumpenkleidung, dreckiges, blondes Haar und ein dünner Körper der deutlich machte dass es sich um nichts Gutes handeln konnte, das war ihr Äußeres und naja, so war dem nunmal so.
Sie sah grimmig in Richtung des Dorfeingangs, dann auf die Flasche in ihrer rechten und die Miene hellte sich kurz auf, wenigstens der Alkohol war noch da. Ein tiefer Zug aus der Flasche und die brennende Flüssigkeit rann ihre Kehle hinab, das Gesicht verzog sich ein wenig, es war wirklich fast schon mehr Lampenöl als ein genießbarer Schnaps aber wer nichts hatte durfte auch keine Ansprüche stellen.

Sowieso war dies eines der vielen Mottos des jungen Mädchens. Sie durchstreifte die Länder, erbettelte sich Gold, klaute auch mal und das Erbeutete wurde dann sinnvoll umgesetzt; in Alkohol. Vielleicht war es alles andere als klug sich fast jeden Tag mindestens eine Flasche aus Gerstensaft in den Magen zu kippen aber was sollte es schon? In ihren noch jungen Jahren war das Mädel zu einer Säuferin geworden ohne es wirklich selbst mitzukriegen.
Der Alkohol wurde meistens getrunken um Frust zu überwältigen, um mal auf einen guten Tag anzustoßen, weil ihr danach war … es fand sich immer irgendein Grund sich eine Flasche Schnaps zu besorgen und runterzukippen.

Wegen des nahenden Winters war es sogar ein praktischer Grund; wen man genug Alkohol trank dann ignorierte der Körper die Kälte die durch die kaum vorhandene Kleidung pfiff oder besser gesagt, ihr Verstand blendete die eisige Kälte und das taub werdende Fleisch einfach aus, was sollte es schon? Der Alkohol gab ihr genug Wärme um jeden noch so kalten Tag wie einen warmen fühlen zu lassen, was sollte man da noch groß drüber nachdenken? Die Nächte verbrachte sie meistens auf den Böden irgendwelcher Tavernen, in Scheunen oder auch mal im Freien, wobei letztere Nächte dann meistens in einer unangenehmen Schlaflosigkeit ausarteten.
„Mach mal was aus dir Mädel … wenn du so weiter machst wird aus dir nie was und du endest jung.“ Diese Worte hatte sie auch schon oft gehört aber Lira, so war ihr Name, dachte ja nichtmal dran. Dass die Dinge so liefen wie sie nun einmal liefen war Schicksal und die Götter hatten sich sicher irgendetwas dabei gedacht. Wieso dann also diese Vorbestimmung ändern? Ihr gefiel es so und sie hatte keine Probleme damit schief angestarrt zu werden weil sie manchmal etwas torkelte oder weil sie mit glasigem Blick ins Leere starrte. Ihr war es auch egal dass sie immer mal eins auf die Nase bekam weil sie aggressiv wurde und Leute anzupöbeln begann, sie kannte es nicht anders.

Wozu sich Gedanken machen? Wozu sich ändern? es lief doch alles Bestens wie es war und so würde es immer weitergehen. Ein letzter Schluck aus der Flasche und sie schritt pfeifend weiter, den wankenden Schritt gar nicht mehr bemerkend. Ihr nächstes Reiseziel war Varuna.

Verfasst: Freitag 28. Dezember 2007, 13:38
von Lira Toran
Was einem so eine Nacht doch alles bescheren konnte. Eigentlich hatte sie sich in Varuna nur umgesehen und war irgendwann in einem Gebäude gelandet das „Rad von Varuna“ hieß … wurden hier etwa Räder hergestellt? Irgendwie wirkte das Gebäude schon fast zu protzig als dass es ne Werkstatt war und als sie eintrat und sich umsah wirkte das alles auch mehr wie eine zu groß geratene Bürgerhalle … und als sie sich dann noch weiter umsehen wollte wurde sie sogar noch aufgehalten. Ein Mann in Rüstung, seinen Namen hatte sie nicht wirklich behalten, nur dass er Rafael hieß wusste sie noch. Und eben dieser verbat ihr den Zugang zu einen der abgeschiedenen und doch angenehm warmen Räume, dabei wollte sie es sich doch bequem machen, wann hatte man schonmal die Gelegenheit in einer warmen Hütte zu schlafen?

Der Plan ging im Nachhinein aber trotz allem auf, sehr zu Liras eigenem Entzücken. Hatte dieser Herr Rafael doch genug zu tun mit irgendwelchen anderen Besuchern in dieser Halle, die übrigens ein Ratsgebäude war wie man ihr erklärte (wobei Rat doch sehr ähnlich wie Rad klang …) , und so konnte sich Lira unbemerkt in die Nähe des Kamines in eine Nische schmuggeln und machte es sich dort bequem, an den Stein gelehnt und die Wärme genießend, so ließ es sich doch aushalten!
Als alle weg waren, irgendwie gingen sie nach oben, Lira verfolgte das auch nicht weiter, holte sie sich noch eine viertelleere Flasche aus dem zerlumpten Rucksack, genehmigte sich einige Schlucke und lehnte sich zurück. Die Wachen am Eingang hatten sie scheinbar schon längst vergessen und der Schnaps tat in Verbindung mit der Wärme sein Übriges, sie schloss nach einer Weile die Augen und gab sich dem Schlaf hin und bemerkte nicht einmal all das Drumherum um sie.

Als sie die Augen wieder öffnete hatte sie nicht schlecht gestaunt, neben ihr lag ein Mantel, ein richtiger Mantel aus Leder und all dem. Wie der dahin gekommen war? Das wusste sie nicht und die Wachen, die sie wohl stillschweigend ignoriert hatten oder was auch immer, sagten rein gar nichts bei ihrem Anblick, sollten sie auch gar nicht, sie wollte eh weiter. Der Mantel saß erstaunlich gut und er war sogar angenehm warm, vielleicht endlich mal eine kleine Glückssträhne und etwas dass sie für längere Zeit warm halten würde, aber das war vielleicht nur der blinde Optimismus der kurzen wachen Phase.
Noch am selben Nachmittag war sie auf den Weg nach Bajard gewesen, sie wollte sich etwas in dem Fischerdorf umsehen. Auf dem Weg friemelte sie nach ihrer Flasche doch zu ihrem Entsetzen war nichts da, kein Alkohol?! Es war an sich nichts Wildes, sie brauchte das Zeug ja nicht wirklich, jedenfalls sagte sie sich das immer wieder aber als sie so weiter schritt bemerkte sie immer wieder wie sie missgelaunt auf ihre Flasche starrte. Ihre Laune verschlechterte sich beinahe schlagartig, sie würde sich in Bajard mal wieder was kaufen müssen, jedenfalls war das so geplant. Das sture Gesicht des Wirtes war jedoch nicht so aufbauend als sie feststellen durfte dass sie nicht genug Gold für den simpelsten Schnaps hatte. „Hör mal ich brauch was … ich kann dir sicher was … geben … warte mal …“ und sie wühlte in ihrem Beutel aber da war ausser einem Feuerstein, einer leeren Flasche und einem Dolch nichts drin. Dann spürte sie plötzlich das Gewicht auf ihren Schultern, der Mantel! Aber Moment … in ihr protestierte etwas, dieser Mantel wärmte sie, er war ein Geschenk von jemanden, sie konnte sowas doch nicht weggeben … andererseits wärmte sie der Alkohol auch und sie würde den Mantel ja für etwas Sinnvolles nutzen … diese Denkweise in ihrem Kopf nahm immer mehr zu und dann sah sie zu ihm. „Wie viel Flaschen krieg ich für den Mantel? …“

Und so hatte sie das, was sie doch eigentlich gar nicht brauchte, gegen etwas Hoffnung eingetauscht. Aber das würde schon in Ordnung gehen, sie brauchte den Schnaps ja nicht dringender als den Mantel … es würde sich sicher wieder etwas ergeben und der Mantel war eh einige Nummern zu groß und zwickte und wahrscheinlich wäre sie eh ausgeraubt worden wenn sie ihn behalten hätte …

Es gab doch so viele fadenscheinige Argumente um wenigstens die eigene Seele etwas zu beruhigen.

Verfasst: Samstag 29. Dezember 2007, 17:40
von Lira Toran
Wo manche Tage einem ein unverhofftes Geschenk bringen konnten, so gab es dabei auch das pure Gegenteil, nämlich Tage die man verfluchte und sich nie wieder herbeiwünschte. Der heutige Tag war nunmal so einer und dabei hatte alles so schön angefangen. Sie war gerade aus Bajard gekommen, eine Flasche in der Hand und eine zufriedene Miene aufgesetzt. Der Himmel war wolkenlos, die Sonne schien und auch wenn es klirrend kalt war, sie hatte ja ihr Wärmemittel immer bei sich dass einen speziellen Namen hatte; Rum.
Sie hatte sich die Flasche des teureren Alkohols mühsam erbettelt beim Wirt und es hatte wirklich viel abverlangt dass sie jene am Ende auch in den Händen hielt aber der Genuss und das wundervolle Gefühl des Rausches würden ihr all diese Mühen tausendmal zurückzahlen. Dass so etwas nicht in Bajard getrunken werden wollte, war ja schon beinahe sicher; sie wollte sich in die Varuner Innenstadt begeben um sich dort in aller Ruhe den Rum hinter die Birne zu kippen, wie man so schön zu sagen pflegte. Da aber an diesem Tag der bereits vorher erwähnte schlechte Tag war, lässt sich wohl erahnen dass dem nicht so kommen sollte.

Vor Bajard hielt Lira inne, eine Meute Menschen, teils komplett in Grün gekleidet, stand mitten im Schnee und … ja … sie bewarfen sich mit Schnee. Verwirrt betrachtete sie die Szenerie, so viel hatte sie doch gar nicht getrunken oder? Wieso schmierten sich diese Dummköpfe denn mit Schnee ein? Bei dieser klirrenden Kälte? Die Verwunderung wuchs immer mehr, aber hey … sollten sie tun was sie wollten, sie hatte ein Rendezvous mit einem Herren Rum und damit wollte sie sich auch abwenden ehe ein „Nur zuschauen gilt nicht!“ hörte und dann den Schneeball fliegen sah. Er traf ihre Brust, eigentlich nichts Wildes wäre da nicht die einfache Verwunderung hinzugekommen und damit verbunden die schreckhafte Bewegung die sie dazu brachte die Flasche loszulassen die nun gen Boden klirrte.

Manche Menschen sahen in einem Mord ein Schwerverbrechen, andere in einem Einbruch oder Brandstifterei… für Lira war in dem Moment als sie der Flasche zusah wie sie in diverse Scherben zerbrach das Verbrechen der Jahre geboren. Fassungslos starrte sie auf die Überreste des Rums … ihres Rums … Rum! Dann sah sie sich um, wer war das? Wer hatte ihre Flasche auf dem Gewissen? Schnell war ein Man entdeckt der vermeintliche Schütze auf den sie zutrat, ihn anpflaumte was das solle, ihn schubste und sogar schon überlegte ihm einfach eine runterzuhauen als sie plötzlich von hinten ein zweiter Ball traf, diesmal geworfen von einer Frau. War die zerbrochene Flasche nicht schon genug? Wütend bückte sie sich, griff nach einem Stein und warf damit nach der Frau ehe sie wütend davon stapfte, weit kam sie jedoch nicht, die Frau war ihr gefolgt und warf ihr als Reaktion erneut einen Schneeball in den Rücken.

Lira konnte von sich vieles behaupten aber nicht dass sie wirklich geduldig war. Diese Frau wollte ärger? Sie würde ihn kriegen. Sie griff nach ihrem Dolch, wild entschlossen dieses Miststück eigenhändig abzustechen, was dann aber soweit verhindert wurde dass jemand dazwischen ging. Das Ende vom Lied war dass sie missgelaunt gen Varuna stapfte und drüber nachdachte was folgen würde. Der Rum war weg, es wurde kälter und die Sonne neigte sich mittlerweile auch dem Ende zu, wo war nur dieser wunderschöne Tag hin? Das Ende vom Lied war eine bitterkalte Nacht, kein Alkohol und die mieseste Laune seit Ewigkeiten.


Manche Tage sollten halt nie stattfinden.

Verfasst: Dienstag 1. Januar 2008, 21:20
von Lira Toran
Man lernt im Leben bekannter weise nie aus und man konnte immer wieder neue Dinge in Erfahrung bringen. Eine solche war die Tatsache, dass selbst der robusteste Geduldsfaden irgendwann zu reißen schien und heute war dies bei Aksel, dem Wirt der Bajarder Taverne, der Fall. Er hatte sie gepackt und vor die Tür geworfen, hinaus in den kalten Schnee. „Verschwinde du Schluckspecht! Es ist eines sich dauernd mit MIR zu streiten weil du kein Gold fürs Saufen hast aber es ist ne andere wenn du anfängst Gäste anzupöbeln! Komm nie wieder her!“

Klare Worte und die Tatsache dass sie grade recht unsanft in den kalten Schnee geworfen wurde gaben diesen klaren Worten auch einen sehr klaren Nachdruck. Wieso stellte sich der Kerl so an? Diese Frau neben ihr hatte es doch drauf angelegt als sie so übertrieben die Nase gerümpft hatte und etwas von „Schnappsleiche“ murmelte, das war eindeutig eine Beleidigung und auf eine Beleidigung hin folgten Prügel! Dass sie der Frau ein blaues Auge geschlagen hatte war nun recht zufriedenstellend gewesen, dass sie deswegen aber nun Hausverbot hatte, wobei der eher zeitabhängig war, sie kannte das ja, war nicht so toll. Aber wer brachte diesen verlausten Mistkerl und seinen billigen Mist denn? Sie ganz sicher nicht, sie hatte ja noch zwei, drei Flaschen und damit würde sie locker eine ganze Weile über die Runden kommen, sie musste es sich nur gut einteilen und vielleicht einmal einen oder zwei Tage nichts trinken. Sie brauchte das Zeug nicht und sie würde es auch beweisen und damit richtete sich auf und versuchte mit stolz erhobenem Haupte von dannen zu stapfen; dass das Ganze dann in einer Wankelorgie endete und sie dabei zwei-, fast dreimal umflog, war nicht wirklich erwähnenswert.


- Der nächste Tag, Abends -


Zwei Flaschen waren leer, die letzte hielt sie in der Hand und der Inhalt neigte sich auch so langsam dem Ende zu. Es war aber auch zum Mäusemelken, hatte sie sich doch etwas verschätzt beim Dosieren und Rationalisieren, konnte ja mal passieren, aber nun drohte eine kleine Existenzkrise; sie hatte zwar noch etwas Gold aber das würde niemals reichen um in Varuna oder in Tirell an Alkohol zu kommen und Rahal war grade auch nicht so wirklich das Fleckchen Land dass für seinen billigen, und äußerst schlechten, Schnaps bekannt war. Es blieb nur Bajard und sie zweifelte sehr stark daran dass Aksel sie nach einem Tag lächelnd empfangen würde und wenn sie ehrlich war wollte sie die Situation auch nicht großartig weiter verschlechtern.

Sie seufzte leise sah auf die Flasche und dachte nach, das würde nur noch für den heutigen Abend reichen, wenn überhaupt. Verdammt, es war aber auch kalt heute, so kalt war es die letzten Tage nie gewesen. Ihr Gesicht war rötlich gefärbt und ihre Wangen fühlten sich so an als ob man ein Ei darauf hätte braten können, der Körper zitterte fast schon so stark dass die Muskeln sich verkrampften und die Kälte schmuggelte sich durch die löchrigen Klamotten. Ein Schluck aus der Buddel und es würde ihr wieder besser gehen, oder es würde wenigstens nicht mehr so kalt werden, doch die erhoffte und eigentlich bekannte wärmende Wirkung blieb aus, sie fror erbärmlich und egal wie viel Alkohol sie auch hinunterkippte, das Ergebnis war nur ein aufkommendes Würgen und das Erbrechen des Alkohols in den Schnee. Was war nur los mit ihr? Sie hatte sich ewig nicht mehr übergeben müssen, schwächelte sie etwa

Der Blick war eine gute Stunde später nur noch fiebrig, sie stolperte etwas vorwärts aber es war eine förmliche Qual sich zu bewegen. Jeder Schritt schien eine förmliche Herausforderung zu werden, die Stirn glühte und die Lippen waren bereits leicht bläulich gefärbt. Nur ein Schluck … ein Schluck und es würde ihr besser gehen … nur einen. Aber die Flasche fiel zuerst auf den Boden, gefolgt von ihrem Körper der aufgab und zusammenbrach. Sie lag mitten im weißen Schnee und spürte die schneidende Kälte in ihrem Gesicht. Nur ein … ein einziger kleiner … Schluck.

Doch am Ende siegte das Fieber und sie sackte weg. Und was folgte waren die Fieberträume und der krampfhafte Überlebenskampf des Körpers der trotz dieses Armseeligen Daseins nicht aufgeben wollte.

Verfasst: Mittwoch 2. Januar 2008, 16:35
von Lira Toran
Überraschend ist etwas, wenn es passiert und man wirklich kein Stück damit rechnen würde und vielleicht nicht einmal darüber nachdenken würde. Überraschend war dahingehend auch die Tatsache dass sie irgendwann die Augen öffnete und keine Schuhe an den nackten Füßen spürte.
Nunja, vielleicht waren sie ihr ja verloren gegangen, sie zuckte innerlich die Schultern und drückte die Bettdecke etwas enger an sich … und da war schon Überraschung Nummer zwei; eine Bettdecke? Zweifelsohne, sie konnte den weichen und wärmenden Stoff nur allzugut spüren und dazu gesellte sich noch die Erkenntnis dass sie scheinbar etwas trug, was nicht zerrissen und diverse Löcher aufwies.
In Anbetracht der Tatsache dass sie das letzte mal mitten im eiskalten Schnee lag und weder aufstehen konnte noch sonst was, war Überraschung Nummer drei die Gesamtsituation, denn wo immer sie gerade war, es war weder kalt, noch nass noch konnte sie ihren Körper nicht spüren.


Wo immer sie war, sie war nicht mehr vor Bajard wo sie zusammengeklappt war und vielleicht sollte sie ihre neue Situation etwas genauer betrachten, ein Anfang wurde gemacht als sie ihre Augen schwerfällig öffnete und sich umsah. Tatsächlich lag sie in einem Bett und als sie sich zum Sitzen aufrichtete bemerkte sie auch dass sie über ihren nackten Körper eine Robe trug … nackter Körper? Wo zum Geier waren ihre Klamotten?
Sie sah sich um, sie befand sich in einem kleinen Zimmer, in dem sonst niemand war, sie war nackt, mit Ausnahme dieser Robe, und ihre Kleider waren weg und was ihr auch auffiel; ihr Schnaps war ebenso nicht vorhanden.
Ihre Stirn glühte immer noch aber das ignorierte sie gekonnt als sie sich ausmalte wo sie ganz bestimmt war; in einer Zelle für Sklaven! Es konnte gar nicht anders sein, man hatte sie geschnappt und sie bestimmt obszön betrachtet und sie nun hierher gesteckt um sie zu verkaufen. Alle anderen denkenden Lebewesen hätten ihr nämlich nicht den Alkohol weggenommen!


Ihr Gedankengang wurde jäh unterbrochen als sie Schritte vernahm die sich ihrem Zimmer, oder Zelle, was immer, näherten. Sie legte sich rasch wieder hin, schloss die Augen und mimte das schlafende Unschuldslamm als jemand eintrat. Entgegen ihrer Hoffnung betrat jene Person das Zimmer und schiel auch dort zu verweilen, oh Götter, nun würde man über sie herfallen … im Schlaf!
Sie war doch noch so jung … ihr Atem schien zu rasen als sie bemerkte wie sich die Schritte näherten und als die Person an ihrem Bett war, richtete sich Lira schleunigst auf und starrte auf den … Sklaventreiber?
Naja der Kerl vor ihr sah eher aus wie ein altgewordener Krieger, ein weißer Bart und ein ruhiger Blick … sahen so Sklaventreiber aus? Die hatten meistens lange schwarze Haare, unzählige Narben und sabberten … gut der hier hatte eine Nase die so aussah als ob man sie zu oft gebrochen hätte aber ansonsten wirkte er nicht ganz so gemeingefährlich … eine gute Ausgangsbasis.


Der Fremde hörte auf den Namen Kassius und wie es sich herausstellte hatte er sie vor Bajard gefunden und mit hergeschleppt, nach Lameriast. Nachdem Lira sicher stellen konnte dass er keine Hand an sie gelegt hatte, war sogar ein halbwegs normales Gespräch möglich und nachdem er ihr auch noch ne Flasche Schnaps gab, war die Welt wieder in Ordnung.
Mit mehreren Zügen wurde die Flasche angebrochen und sie fühlte sich gleich viel entspannter und ruhiger, wie schön selbst die überraschendste Situation mit einem guten Schluck sein konnte.
Kassius schien ein recht wortgewandter Kerl zu sein auch wenn er aussah als ob er mit einem Bein schon im Grab stand und er bewies diese Schlagfertigkeit gleich mal indem er Lira auf eine recht subtile Art und Weise klar machte, dass das Mädel am heutigen Tag nicht das Haus verlassen würde, weil es ihr noch nicht gut genug ginge.

Wer war der Kerl? Ihr Vater? Ne, der hätte sich sowas nie getraut … diese Memme.
Aber alles argumentieren half im Moment wenig bei Kassius, nichtmal der „Ich bin Mitglied der blutigen Axtblätter“-Trick wollte so richtig funktionieren, der Kerl war sehr selbstsicher und so blieb ihr auch nichts anderes übrig als das zu tun was sie in Situationen tat wenn sie mal gar nicht weiterkam; sie schmollte und ignorierte den Kerl und drehte ihm den Rücken zu.
Irgendwann erledigte die Erschöpfung des Fiebers den Rest und sie schlief ein, was folgte waren einmal mehr diese weniger angenehmen Träume.


Als sie die Augen öffnete fühlte sie sich nass. Und als sie die Nase kurz arbeiten ließ roch es nach Schweiß.
Sie richtete sich auf und stellte fest dass das ganze Bett vollgeschwitzt war, anscheinend hatte ihr Körper dem Fieber getrotzt und sie fühlte sich auch schon etwas besser.
Von Kassius einmal mehr keine Spur und diesmal würde sie die Chance nutzen. Sie richtete sich auf und sah sich um, im Raum lag ein Hemd welches sie sich überschmiss und verließ dann ihre Schlafstätte.
Wie erhofft war Kassius scheinbar gar nicht im Haus und so erspähte sie auch bald ihre Hose die wohl zum trocknen über einen Stuhl gehängt war und auch ihre Stiefel, die nur so vor Löchern trotzten, aber sie würden ihr Werk tun.
Schnell schlüpfte sie in die Sachen, sah sich um und zog sich die Robe wieder über. Es war nicht so dass sie undankbar gewesen wäre, aber sie wollte hier nicht länger bleiben als sie musste; also gar nicht. Und mit diesem Gedanken machte sie sich daran das Haus zu verlassen, jedoch nicht ohne noch die Flasche vom Vorabend mitzunehmen und noch eine zweite, sie würde etwas Proviant für den Weg brauchen.


So stapfte sie nun also voller Tatendrang durch die Gegend und folgte einen der Wege vor Kassius Haus der angeblich in Richtung Dorf führte, dort würde sie mal nach einem Weg nach Bajard fragen, konnte ja nicht so weit sein.
Tatsächlich traf sie auch eine Anwohnerin die ihr bereitwillig erklärte dass die nächste Fähre nach Bajard bald ablegen würde und sie diese noch erwischen konnte.
Was sie Lira nicht erzählte war die Tatsache, dass der Fährmann Gold wollte, Gold dass sie nicht hatte. Sie saß also auf dieser Insel fest … verflucht! Sie würde zurück zu Kassius und Gold von ihm verlangen, er hatte sie hergebracht, er sollte sie zurück bringen. Vorher würde sie aber noch ein wenig etwas trinken um sich die Zeit zu vertreiben.


Später, und eine Flasche weniger, machte sie sich torkelnd auf den Weg zu kassius Hütte oder besser gesagt; dorthin wo sie diese vermutete. Doch eine falsche Abzweigung kann schon viel bewirken und so irrte sie irgendwo in der Fremde von Lameriast umher, ohne Gold für die Rückfahrt, ohne Ortkenntnisse aber wenigstens mit etwas Alkohol …

Verfasst: Donnerstag 3. Januar 2008, 02:03
von Lira Toran
Wieder zurück auf Gerimor. Endlich. Es war ja schon fast eine Tortur zurück zu kommen. Sie war sicherlich den halben Tag in der Kälte gesessen und hatte darauf gewartet dass sich jemand bequemte wenigstens anzuhalten und ihr vielleicht etwas Gold für die Überfahrt zu geben.
Doch irgendwie schien der Platz vor dem Hafen eine verfluchte Stelle zu sein. Nicht nur dass die meisten Passagiere die von den Schiffen gingen, Reiter waren.
Nein, sie preschten auch immer wie die besengten Säue von eben diesem, so schnell dass Lira nicht mal das Wort erheben konnte und wenn mal jemand zu Fuß an ihr vorbei schritt; nun ja dann schienen die Leute plötzlich an einer grässlichen Taubheit zu leiden oder sie wurden blind für alles was nicht direkt vor ihrer Nase war.
In jedem Falle hatte sie noch eine ganze Zeit abzusitzen und der Alkohol neigte sich auch dem Ende zu.
Das Glück war ihr dann aber doch Ausnahmsweise einmal hold und zeigte ihr dies in Form eines jungen Herren der ihr eine Überfahrt bezahlte. Er schien zwar aus irgendeinen Grund ernsthaft an ihr interessiert zu sein, doch schon in Bajard machte sie ihm recht schnell klar dass sie eine Jungfrau war und bereits jemanden versprochen war … eine Lüge sicherlich, in beiderlei Fällen, aber eine die ihr diesen Kerl von der Pelle rücken ließ.

Da sie nun aber endlich wieder auf vertrautem Boden war und auch wusste wo sie hier eine Taverne finden konnte, war wenigstens wieder eine Grundlage für einen regelmäßigen Alkoholkonsum gegeben. Dieser wurde auch erstmal gedeckt als sie in die Taverne schlenderte und den verärgerten Aksel in Form von ein paar wenigen Münzen begrüßte und mit zwei weiteren Flaschen abzog; wie einfach man einen Schankwirt doch wieder zu einem gezwungenen Lächeln bringen konnte.
Sie tat ihm sogar den Gefallen und verließ die Schankstätte wieder, sie wollte es ja nicht provozieren, Bajard hatte halt immer noch den billigsten Schnaps von allen Städten und diese Tatsache war doch recht wichtig für Lira.
Also machte sie sich gut gelaunt auf in Richtung Varuna, die Stadt hatte sie schon länger nicht mehr besucht und der Abend würde sicher ganz entspannt ausklingen … dachte sie.


„Hast du Pläne für die Zukunft?“, „Du kannst deine Wege selbst leiten, du hast einen freien Willen.“, „Was machst du denn den Tag über?“, „Das behaupten viele wenn sie trinken …“ … es waren nur einige der Worte die sie an diesem Abend zu hören bekam.
Sie war in der varunesischen Taverne gesessen und ein wenig etwas getrunken, als sie von dieser Frau angesprochen wurde. Zoe war ihr Name und sie bat Lira etwas warmes zu Essen an, völlig ohne Haken und allem … wer sagte da nein wenn der Magen knurrte?
Aber hätte sie sich auch hingesetzt wenn sie gewusst hätte in welche Richtung dass alles wandern würde? Ja, bestimmt … denn es gab ein gratis Essen und sie war recht gut in der Lage die oft gehörten Worte förmlich auszublenden.
Natürlich hatte sie sich öfters Gedanken an die Zukunft gemacht aber was brachte es? Sie hatte nichts und niemand, sie konnte nichts, rein gar nichts.
Und außerdem, was hatte ein Mädchen wie sie denn schon werden sollen? Der Vater ein Versager von Händler, dass ihn ein jeder auslachte und die Mutter eine Dirne … eine Berufung der sie nicht nachgehen wollte, nicht wenn es sich irgendwie vermieden ließ.
Zoe redete die Worte die sie schon dutzende male gehört hatte, die gleichen altklugen Worte dass das Trinken schlecht sei (und Lira musste auch oft genug betonen dass sie nicht viel trank), dass sie mehr aus sich machen könne als das was sie jetzt tat und, und, und …. es war jedesmal das Gleiche und jedesmal interessierte es sie wenig.


Lira war der felsenfesten Überzeugung, dass die Götter sich irgendetwas gedacht hatten bei alle dem und sie sollte nicht diejenige sein, die solcherlei Dinge in Frage stellte. Zoe war besorgt, mochte sie auch sein wenn sie wollte, aber Lira kam schon zurecht. Seit vier Jahren war sie nun alleine, fort von Daheim und bisher hatte sie noch jeden Winter überlebt. Und ihre Trinkgewohnheit … bei den Göttern, sie trank ab und zu ein kleines Schlückchen, und?
Sie war nicht eine von diesen Säufern die den ganzen Tag Alkohol in sich hineinschütteten und das bewies sie als sie die ganze Unterhaltung lang nichts trank … dass ihre rechte Hand dabei so stark zu zittern begann dass es fast auffällig wurde ignorierte sie gekonnt. Erst als sie sich nach einer Weile verabschiedet hatte und vor der Tür stand, wanderte der Griff wieder zur Flasche und ein kräftiger Zug aus eben jener wurde genommen.
Sie hatte es einmal wieder gezeigt, sie brauchte den Alkohol gar nicht so dringend, aber für diese kalte Nacht heute würde sicher zwangsläufig eine weitere Flasche nötig sein, da war sie sich sehr sicher.


Die Medizin die ihr Zoe mitgegeben hatte verschwand in der Robentasche, sie würde sie sicherlich später nehmen.
Nun galt es ein Schlafplätzchen zu finden und sich noch etwas von Innen her zu wärmen, man wollte ja gut vorbereitet sein auf die Nacht.
Und so schlief sie, wie in der letzten Zeit öfters, im Bajarder Tierstall und die Worte von Zoe verblassten bald wie die ganzen anderen Ratschläge. Sie selbst wusste letztendlich immer noch am Besten was gut für sie war … jawollja.

Verfasst: Freitag 4. Januar 2008, 12:55
von Lira Toran
„Na warte du Bastard! Jetzt gibt’s eins aufs Maul!“ und mit den Worten rannte sie fluchend auf den Kerl vor sich lachend vor ihr aufgebaut hatte. Es war ja eine Sache sich als Säuferin beschimpfen zu lassen, da konnte sie drüberstehen dass es völlig haltlos war, aber wer sie als Dirne oder sein „Hoppelhäschen“ bezeichnete, der brachte sie zur Weißglut.
Sie stürmte förmlich auf das lachende Muskelpaket zu, holte mit der Rechten aus und verpasste ihm eine ins Gesicht mit einer solchen Wucht dass es selbst zehn Bergtrolle mit umgehauen hätte … jedenfalls gefühlte zehn Bergtrolle, denn den Kerl interessierte das nicht.

Der Schlag schien nicht wirklich so fest gewesen zu sein wie erhofft, denn anstelle dass er wimmernd zu Boden sank und um Verzeihung flehte, holt er mit der rechten Handfläche aus und verpasste ihr eine Ohrfeige dass sie zurücktaumelte und auf dem Weg landete. Ihr Kopf dröhnte und kurz verschwamm alles vor ihren Augen, sie hörte nur das dumpfe Lachen des Kerls und sie nahm nur die regungslosen Blicke einiger Umher stehenden wahr.
Als sie sich aufrappelte dachte sie einen kurzen Moment darüber nach dem Kerl ihre Schnapsflasche über den Schädel zu ziehen, aber das war er nicht wert, nicht ihren Schnaps. Mühsam richtete sie sich zum Stehen auf, ihre Beine zitterten und der Mistkerl lachte sie immer noch aus, ehe er sich amüsiert wegdrehte.
Kaum hatte sich der Kerl verzogen wurde sie auch schon wieder uninteressant für alle anderen und man ging wieder dem eigenen Tageswerk nach, wieso auch eine Vagabundin fragen wie es ihr ging? Allesamt Mistkerle, jeder einzelne von ihnen und feige dazu. Sie schnaufte einmal tief durch und griff nach ihrer Flasche, die das ganze Gerangel heil überstanden hatte.
Schnell war sie entkorkt und ein Schluck gegen die Schmerzen in ihrem Gesicht war genommen, sie brauchte dringend was Stärkeres für solche Momente, dieses billige Gesöff betäubte kaum, aber das war ja das Problem, anderer Alkohol war zu teuer und an Gold kam man schwer. Natürlich konnte sie mal wieder Dinge sammeln gehen und verkaufen aber die Mühe war es meistens nichtmal wert und Leute beklauen war auch so eine Sache.

Natürlich, diesen Magier, den sie in Varuna beklaut hatte, der war ein leichtes Opfer gewesen weil er sich gerade unterhielt aber das war nicht die Regel und erwischt zu werden war meistens nicht wirklich gut, im Kerker war es zwar warm aber die Begleiterscheinungen in Forme von fehlendem Alkohol waren es meistens nicht wert , also musste sie zusehen wie sie sich etwas Gold erbettelte … es würde sich schon was finden.


Der geneigte Leser mag sich fragen ob diese Zustände die Regel waren. Der gläserne Blick, das blasse Gesicht, der schwankende Gang und die angeschlagene Stimme. Nun diese Frage mit einem Nein zu beantworten wäre eine dreiste und glatte Lüge aber es gab auch andere Momente. Sie waren selten, doch sie waren da, jene Zeitabschnitte in denen sie aus völlig nüchternen Augen die Welt betrachte, das Verlangen einfach kurz ignorieren konnte und auch klar sprechen konnte, etwas weiter denken konnte und etwas … normaler wirkte.

Einer jener Momente war gerade als sie gegenüber diesem Mädchen saß, Leace war ihr Name und sie war kaum älter als Lira.
Es war mittlerweile Abend geworden und sie hatte nur ein wenig an ihrer Flasche genippt, seit der Schlägerei war ihr schlecht gewesen wenn sie das Zeug nur gerochen hatte und sie wollte das bisschen Essen in ihrem Magen nicht noch hinauskatapultieren indem sie sich übergab.
Nun saß sie also vor dieser jungen Schneiderin die sich einfach vor sie gesetzt hatte und ihr einen Krug Apfelwein zugeschoben hatte und scheinbar nur jemanden zum Reden suchte, Ironie dass sie sich dafür gerade jemanden aussuchte der verfilztes Haar hatte und zerschlissene Kleidung (ja die Robe die sie von Kassius hatte war mittlerweile bereits in Mitleidenschaft gezogen worden) trug.
Aber Lira war dankbar, Wein war etwas was sie nicht oft trinken konnte, es war teurer als der einfache Schnaps und der Geschmack gegorener Äpfel war etwas, was die geschmackstaube Zunge schon etwas aufweckte.

Im Gegensatz zu Lira schien Leace das Trinken nicht sonderlich gewohnt, schon während sie nur diesen einen krug trank wurden ihre Wangen rot, sie fing an zu kichern, albern zu werden und auch ihre Sprache zog es schon in Mitleidenschaft, Symptome gegen die nur frische Luft half. Doch Lira betrachtete das Mädchen nachdenklich, wie sie sich benahm, wie sie wankte … war sie auch so? Benahm sie sich die meiste Zeit so? Gab sie auch so einen jämmerlichen und hilflosen Anblick her? Es waren jene wenigen komplett klaren Momente die ihr diese Wahrheit knallhart vor Augen führten und sie wusste sie musste etwas dagegen tun.


Später hatte sie sich von Leace verabschiedet und schritt aus Bajard hinaus, der Blick nachdenklich vorangerichtet, sie würde nicht mehr trinken, nicht mehr soviel. Es musste doch machbar sein, ja, sie war fest entschlossen. Doch der Abend brachte Kälte in der sie saß und in den sternenklaren Himmel starrte.
Der Wind zog unangenehm und in ihren Kopf hämmerten die Vorwürfe gegen sie selber, es waren jene Worte die sie sonst immer ignorierte, die Anschuldigungen dass sie nichts aus sich machte, dass sie eine ewige Säuferin war und nun, da sie klar war, bombardierte ihr Verstand sie selbst damit.

Sie fröstelte und sah zur Tasche … nur einen kleinen Schluck gegen diese Kälte … und dann noch einen gegen diese Depression … und noch einen auf diesen klaren Abend den sie hatte … und als die Flasche fast leer war trank sie auf die zerschellten Vorsätze … einmal wieder.

Verfasst: Sonntag 6. Januar 2008, 19:41
von Lira Toran
So ein Schicksal konnte sich gut und gerne mal um 180° drehen und dass es das konnte wurde Lira am heutigen Tag mehr als eindrucksvoll bewiesen. Eigentlich saß sie nur, wie die letzten Tage immer, am Ortsausgang von Bajard, beobachtete die Leute, trank dabei ab und an ein kleines Schlückchen und verbrachte so ihren Tag. Die ganze Zeit durch die Kälte zu stapfen war ihr mittlerweile doch deutlich zu anstrengend geworden und sie hatte wenig Interesse dann großartig etwas zu erleben, lieber beobachtete sie die ganzen Geschehnisse am Eingang des kleinen Dorfes und das gestaltete sich als ungemein interessant. Schon alleine wie oft diese seltsamen dunkelhäutigen Spitzohren hier waren um Streit zu beginnen, und wie es dann oftmals zu eskalieren drohte, war schon mehr als interessant.

Auch heute hatte sie wieder so einen Kerl beobachtet der sich für allzu stark und allzu überlegen fühlte, seine Rederei von Alatar wieder nicht für sich behalten konnte und allen Anschein nach Streit suchte, doch er suchte ihn bei einer Elfe und das war das interessante. Lira hatte schon zweimal einen Elfen und eine Elfe gesehen aber diese Gestalten hoben sich immer wieder hervor, sie waren wie lebende Märchenfiguren und auch die nun hier vor ihr stand und mit ihr sprach, war genau so, jung, wunderschön und anmutend, es verschlug ihr für einen Moment sogar den Rausch, doch diese anmutende Schönheit musste sich diesem Unruhestifter widmen, es kam zu einem Wortgefecht, einer kurzen Machtdemonstration und dann rückte der Unruhestifter auch ab, zum Glück.

Zurück bleib die Elfe und ein Mann der neben ihr stand. Wieso auch immer sie es tat, sie gab Lira Gold, und das nicht gerade wenig, sowie eine frische Robe. Und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, forderte sie Lira auf, ihr zu folgen, was sie auch schulterzuckend tat. Der Alkohol neigte sich dem Ende und sie würde eh bald zur Taverne müssen. Die Elfe schritt mit ihr zur örtlichen Herberge und … ja sie mietete ihr ein Zimmer, ein Zimmer! Mit einem Bett und einem Schrank, einfach so? Sie erwartete eigentlich schon eine Predigt, die Bitte mit dem Trinken aufzuhören aber nichtmal das. Im Gegenteil, die Elfe sagte sogar noch, dass sie ihren Schnaps besser auch im warmen trinken solle … und das war eine kleine Sensation für Lira. Sie hatte doch schon immer gewusst dass die Elfen die besseren und klügeren Menschen waren.

Die Wege trennten sich letztendlich, Lira saß alleine in ihrem kleinen Zimmer in der Bajarder Herberge und sah auf das Gold der Elfe. Es würde genügend sein für mindestens drei Monde … sie würde den Winter ohne Probleme durchstehen können … allerdings war direkt neben ihr ja nun auch die Taverne und nur geizig sparen war auch nicht das Wahre. An so einem Tag musste man feiern … und das würde sie tun; mit richtigem Rum und gutem Whiskey …

Hach war das Leben doch schön!

Verfasst: Sonntag 20. Januar 2008, 21:29
von Lira Toran
Wie tief kann man eigentlich sinken? Nun die Antwort war ganz simpel; so tief wie man nur wollte. Sie hatte an ihrem Plan das Gold für das Zimmer zu benutzen eisern in die Tat umgesetzt und nur ein kleiner Teil des Goldes der Elfe war letztendlich für Speis und Trank draufgegangen, der Rest ging an die Herbergsdame welche ihr versprach das Gold für die Miete der nächsten Monde zu verwahren.

Die Problematik des Goldes wiederholte sich jedoch nun wieder, denn Lira hatte nicht mehr viel, es reichte für ein paar Laibe Brot und einige Flaschen Schnaps die sie über die Tage und Wochen geleert hatte und nun …. ja nun war sie wieder pleite. Das wäre nichtmal das Problem gewesen, sie hatte immerhin ein Dach überm Kopf aber der Magen knurrte und was viel schlimmer war, der Alkohol war nun endgültig alle gewesen. Sie brauchte dringend Gold für Nachschub, denn die letzte Flasche neigte sich gen Ende ihrer Existenz und der Wirt würde ihr sicher nicht einen Vorschub geben, nicht schon wieder.


Da blieb nun die Frage des Goldbeschaffens. Klauen war eine Möglichkeit, sicherlich, aber das Problem daran war, dass es zum Einen recht gefährlich war und zum Anderen auch nicht sonderlich rentabel, die meisten Leute die sich beklauen ließen waren nicht die reichsten Personen und genauso wenig war sie gut darin Leuten wirklich viel von ihrem Hab und Gut abzunehmen, also fiel dieser Punkt nur ins Erdenkliche, aber was sonst tun?
Bajard war ja ein hübsches Dörfchen, viele Besucher, unterschiedliche Menschen und die Straßen waren fast täglich gefüllt, da musste man doch etwas draus machen können.
Sie betrachtete sich kurz in dem kleinen Spiegel der in ihrem Zimmer stand; das verfilzte Haar hing ihr mittlerweile weit über den Nacken hinaus, die lumpige Kleidung, ihre Robe hatte sie verloren bei einer alkoholreichen Exkursion in den Wald, und letztendlich die beiden blauen Augen, die ihr leicht glasig entgegen blickten.
Es gab hier so viele Menschen … wieso nicht einfach mal über den eigenen Schatten springen und die Not ausnutzen? Und so war es beschlossen, sie würde betteln gehen.


Die Ausbeute des ersten Tages konnte sich sogar sehen lassen. Die Menschen waren gar nicht so verschieden. Eigentlich konnte man sie in drei Kategorien einteilen. Zum einen waren da diejenigen, die einen ignorierten und taten als wäre man Luft. Diese Zeitgenossen musste man aber selbst auch keine große Beachtung schenken, sie waren es selten wert.
Dann waren da die hilfsfreudigen die bei ihrem Anblick mitleidig lächelten und dem armen jungem Kind etwas Gold gaben damit sie sich etwas zu essen kaufen konnte, sie waren dann diejenigen die auch am Großzügigsten waren.
Und letztendlich war da die Gruppe der Genervten, die einem Gold gaben damit man sie ja nicht belästigte und so schnell wie möglich abhaute, diese gaben mal mehr, mal weniger, je nachdem wie sehr sie Ruhe wollten.

Als sie das erbettelte Gold zählte grinste sie zufrieden, es würde reichen um sich den Magen für heute vollzuschlagen UND das Schönste daran war auch; sie konnte sich sogar eine Flasche Rum oder Whiskey kaufen, ordentlicher Stoff der einen wenigstens noch angenehme Wärme verschaffte.

Es ging weiter, und wieso nicht so? Ihr konnte es nur recht sein … sie hatte was sie wollte.

Verfasst: Sonntag 17. Februar 2008, 22:48
von Lira Toran
Sie rieb sich die aufgeschürften Knie als sie auf ihrem Bett saß. Das kleine Zimmer in der Bajarder Herberge war uneingerichtet wie eh und je, nur die leeren Flaschen die überall standen zeugten davon, dass das Zimmer tatsächlich bewohnt war.
Lira sah auf die aufgescheuerten Knie, die rissige und dünne Hose war an dieser Stelle komplett aufgerissen und sie fluchte leise. Das würde problematisch werden in den nächsten Tagen, eine kaputte Hose durfte nicht unterschätzt werden.

Das alles war so oder so nur die Schuld von diesem Fatzken aus Varuna. Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? Sie hatte sich nur etwas zu Trinken bestellt und dann die Flasche angefangen auszutrinken.
Gut, zugegeben, sie trank etwas schnell aber ihr war schließlich kalt gewesen und sie hatte grade etwas Durst. Vielleicht waren das nicht die besten Gründe fast eine halbe Flasche Schnaps nur förmlich in sich reinzustürzen aber dieser Kerl hatte eindeutig überreagiert. Erst hatte er ihr gedroht sie ins Waisenhaus zu bringen, was ja noch schöner gewesen wäre, und dann versuchte er es auf die übliche Art.
„Du kannst dein Leben doch ändern … du bist noch jung …“ bla, bla, bla … es war immer dasselbe und immer ging es in das eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus, sie konnte es nicht mehr hören. Dieser reiche Pingel hatte doch keine Ahnung vom Leben und als er ihr noch dumm kam, war es wirklich genug; erst folgte ein Schlag ihrerseits in den Magen, worauf er überraschenderweise kaum reagierte, und danach folgte ein Schneeball an den Kopf … auf diesen reagierte er unglücklicherweise alles andere als gut gelaunt.

Das Ende vom Lied war dass dieser Kerl sie zu Boden geschickte hatte, ihr klar machte sie solle sich nicht wieder blicken lassen und … ja … sie war abgezogen. Varuna war für sie erstmals gestorben, diese Stadt hatte einfach nichts für ne Bettlerin und Vagabundin übrig. Und nun saß sie hier auf dem Bett und trank die Flasche komplett leer.
Wieso sie das tat? natürlich weil ihr kalt war … und auch wenn sie im Warmen saß redete ihr eine Stimme in ihr drin ein dass es kalt werden würde und sie noch einen „Warmmacher“ brauchen würde … und vielleicht noch einen … und irgendwann dachte sie nicht mehr wirklich an den Vorfall, hatte der Kerl sie doch eine kurze Weile nachdenklich gestimmt aber nun … wie teuer war nochmal der Fusel in der Taverne?

Verfasst: Montag 17. März 2008, 13:27
von Lira Toran
Es war späte Nacht und ganz Bajard schlief tief und fest, ganz Bajard? Nein! Aus einem Zimmer in der Herberge drangen immer wieder Würggeräusche heraus gefolgt von einem Fluchen, dass den restlichen Besucher der Herberge wohl weniger Ruhe gönnte. Der Wirt musste sogar aufstehen und die junge dame bitten etwas stiller zus ein, doch ob des bleichen Gesichts und der gleichzeitig zornigen Grimasse suchte er lieber das Weite. Er wusste ja schon zu gut dass dieses Fräulein Lira recht seltsam sein konnte und immer wieder betrunken war aber so wie heute hatte er sie noch nie erlebt. Letztendlich rannte das junge Mädchen jedoch aus der Herberge raus und stiefelte durch die Nacht.

Das verfilzte, ungepflegte, lange Haar hing ihr wie ein Vorhang ins Gesicht, die Reste des letzten Erbrochenen waren gerade entfernt und der Geschmack in ihrem Mund ließ beinahe alles wieder hochkommen, Augenringe zeichneten die sonst eigentlich jungen und wachen Augen ab. Sie stolperte durch Bajard, unterdrückte ein Fluchen, das war alles seine Schuld! Was hatten diese beiden Bastarde mit ihr angestellt? Diese Söhne von herumtreibenden Dirnen! Silvan und dieser Riese, wer immer er war, sie hatten sie verhext, sie hatten sie verändert und ihr das genommen was eine Grundlage für sie war.
Es hatte alles so ruhig angefangen, sie war zu Silvans Anwesen, hatte den Adligen daran erinnert dass er ihr noch Schnaps schulden würde, den er ihr versprochen hatte. Dieser willigte auch ein und war auch bereit ihr eine Flasche von dem guten Himbeergeist zu geben, allerdings nur wenn sie ihn auf ein Stück begleiten würde. Vielleicht hätte sie da schon misstrauisch werden sollen, aber die Neugier nach dem Schnaps und die Tatsache dass ihr eigener langsam zu Neige ging, sprachen dafür Silvan zu folgen.
Was folgte war ein Ritt, sie war noch nie in ihren Leben geritten, auf einigen seltsamen Echsen die Silvan wie aus dem Nichts rief, Magier waren halt schon etwas Seltsames. Doch dies alles wäre noch zu akzeptieren gewesen, wäre da nicht ihr Reiseziel gewesen. Von außen sah das Lager wie ein Lager für Ausgestoßene an, von Innen her ertönte aber Lachen, Feiergeräusche … wollte Silvan hier mit ihr anstoßen? Nunja, wieso auch nicht, auch wenn das Lager etwas seltsam anmutete und seine Bewohner sich letztendlich als Riesen herausstellten.

Jall war sein Name gewesen, daran konnte sie sich nun erinnern. Dieser riesige Angure, dieser Dreckshexer. Silvan hatte mit diesem Riesen gesprochen, so getan als wäre sie gar nicht da und schon dort brüllte irgendeine kleine Stimme in ihr sie solle doch umdrehen, aber der Alkohol der ihren Verstand benebelte und die Tatsache, dass sie diese Flasche wollte, hatten dafür gesorgt dass sie in ihr vermeintliches Ende folgte. Silvan hatte dem Riesen klar gemacht sie wolle einen Suchtdämon aus ihr austreiben, Suchtdämon?!
Sie war nicht süchtig und selbst wenn, sie war gar nicht so unzufrieden mit dieser Sucht, was bildete sich Silvan eigentlich ein? Er wollte diesen Hünen tatsächlich dazu bringen dass er irgendwas dagegen tat, verdammt sie sollte das aber nicht?! Was mischte sich dieser vermessene Magier in ihr Leben ein? In ihr begannen alle Alarmsirenen zu läuten, irgendetwas tief in ihr schrie förmlich auf, sie wollte das nicht aufgeben, die Trinkerei war alles was sie noch hatte, ja sie war süchtig, verdammt sie trank nicht um der Kälte zu entgehen sondern weil damit alles besser war, der Alltag, die Menschen, ihre Gedanken, die Welt, ihr ganzes Leben, einfach alles und sie wollte nicht auf einmal diese Sicherheit, diese Zufluchtsmöglichkeit loslassen, auf keinen Fall!
Letztendlich war es aber egal wie sehr sie sich wehrte, Silvan stellte sich als der Stärkere heraus und letztendlich blieb es Lira nur noch zu hoffen, dass dieser Hüne nicht mehr als ein Quacksalber war der seine Tränke für wirksam hielt, sie sollte es nur kurze Zeit später rausfinden. Jall hatte ihr einen kleinen Trinkschlauch gereicht, ihr gesagt sie solle trinken und nach einigen guten und recht einleuchtenden Argumenten hatte sie auch getrunken und damit war es um sie geschehen, der Durst nach Alkohol er war …. Immer noch da!
Sie wusste nicht ob sie laut aufbrüllen sollte vor Freude aber sie tat bescheiden, spielte mit und nahm dafür auch die versprochene Flasche Himbeergeist entgegen. Sie würde einen dezenten Schluck nehmen, so tun als würde er nicht schmecken und dann abhauen, Silvan würde sie nie wiedersehen diesen verdammten Mistkerl und Bajard würde sie auch nicht mehr verlassen, immerhin hatte sie nun diesen Himbeergeist.

Ein kurzer Zug folgte und sie wollte den angenehmen Geschmack des Alkohols genießen der schon so gut roch, doch was da ihre Kehle hinunterfloss, hatte nichts mit dem angenehmen Geruch zu tun; es war beinahe so als ob sie vergorene Milch trank, ein Geschmack der sie würgen ließ und kaum hatte der Alkohol ihren Magen erreicht schien dieser ihn sofort wieder hoch zu würgen, mitsamt dem ganzen Rest an essen was sie heute zu sich genommen hatte. Sie starrte die Flasche mit geweiteten Augen an, was war hier los? Vielleicht war der Alkohol nur nicht gut? Aber er ROCH gut … sie nahm noch einen Schluck, nur um festzustellen dass der zweite Schluck nur ekelhafter schmeckte und sie das letzte bisschen Galle herauf würgte. Was war das für ein Trank gewesen?! Was hatten diese beiden Mistkerle ihr gegeben?!

Sie wusste nicht mehr ganz was sie danach direkt getan hatte, sie erinnerte sich nur daran dass sie nach Bajard gerannt war als wäre der Teufel hinter ihr her und hatte aus ihren eigenen Alkoholreserven eine Flasche Schnaps gesucht, es musste der Himbeergeist gewesen sein, ihr eigenes Zeug war gut, sie hatte heute Morgen noch davon getrunken. Doch ein Schluck aus der Pulle ließ sie nur wieder würgen, der Geschmack war der Gleiche, es war keine Frage, was immer in diesem Trank drinnen gewesen war, es wirkte.
Nun irrte sie durch die Straßen Bajards, sie fluchte, sie schrie, sie weinte, eine tiefe Verzweiflung kam in ihr auf. Sie hatte erst gehofft der Trank würde nach ein paar Stunden vergehen, doch seit der Einnahme waren nun fast neun Stunden vergangen, er wirkte immer noch. Sie starrte auf das Meer hinaus, sie war aufgekratzt, sie musste irgendwas dagegen finden, ihre Augen waren glasig und benommen, das verfilzte lange Haar legte sich nun wie ein Vorhang vor ihr Gesicht, sie sah auf die Flasche in ihrer Rechten. Sie warf sie mit ganzer Wucht gegen die nächstbeste Hauswand und hämmerte schreiend auf diese ein.

Diese beiden Mistkerle hatten ihr alles geraubt was sie noch hatte … die Trinkerei.

Verfasst: Samstag 22. März 2008, 14:12
von Lira Toran
Tage war es nun her seitdem sie den Trank geschluckt hatte. Sie hatte ihr Zimmer nicht mehr großartig verlassen, nur wiederwillig aß sie ab und an ein Stück Brot oder Wurst dass ihr der Wirt besorgt gab. Der innere Drang, das Verlangen nach dem Alkohol wurde immer stärker, ihr Kopf schmerzte, sie fühlte sich leer und ausgelaugt, ihr Körper zitterte seit dem gestrigen Tage immer wieder und sie hatte in dieser bisherigen Zeit bereits einiges an Gewicht verloren.
Das verfilzte Haar hing ihr vors Gesicht, sie hatte sich nicht mehr gewaschen, was sie ab und an wenigstens getan hatte früher, und sie starrte auf eine der Flaschen Alkohol die in ihrem Zimmer standen.
Zittrig streckte sie die Hand danach aus, ergriff sie und setzte die Öffnung an die Lippen, schon der bloße Geruch fing an die Übelkeit in ihr aufkeimen zu lassen, aber sie konnte nichts dagegen tun, sie musste etwas trinken, sie brauchte den Schnaps.
Doch kaum hatte sie nur einen Schluck getrunken stürzte sie aus dem Fenster und übergab sich aus eben diesem, das Ergebnis war immer noch das gleiche und sie wusste es würde sich nicht ändern.

Ihr Blick starrte an die gegenüberliegende Wand, in ihrem Kopf begann es zu arbeiten, eine unglaubliche Wut stieg in ihr auf, gebündelt auf eine Person die an all ihrem Elend schuld war; Silvan von Dragenfurt. Dieser Mistkerl würde bezahlen, noch heute Abend, sie würde ihn die Tracht Prügel seines Lebens verpassen und er würde sich wünschen niemals geboren worden zu sein.
Zittrig richtete sie sich auf, griff nach dem zerschlissenen Umhang und machte sich daran, Herberge und Bajard zu verlassen, nicht ohne noch einen nachdenklichen Blick des Wirtes zu ernten.


Als sie Varuna erreichte, steuerte sie direkt einen bestimmten Kurs an, sie wusste wo die Villa dieses selbstgefälligen Bastards war und dort würde sie ihn aufsuchen. Tatsächlich erreichte sie das Grundstück der Dragenfurts recht schnell und innerhalb kürzester Zeit hatte sie Silvan auch mit Erfolg und viel Gebrüll aus seinem Haus raus gelockt. Nun stand er da, nur eine Hecke trennten die beiden und Lira fühlte den extremen Hass auf diesen Mann.
Sie verlangte dass er es rückgängig machte, was immer er getan hatte, dass er sich nicht in ihr Leben einmischen solle, dass er sich um seinen eigenen Kram kümmern möge und sie bei den Göttern, endlich in Ruhe lassen solle. Die Antwort fiel weitaus nüchterner aus als sie gedacht hatte; ein schlichtes und kühles „Nein“, welches dann aber auch zu viel des Guten war.
Lira mochte zwar schwach und kränklich sein aber sie konnte dem Kerl immer noch eine reinhauen und genau das wollte sie nun tun. Mit einem Satz war sie über die Hecke gesprungen und stürmte auf Silvan zu. Der erste Schlag traf etwas Hartes unter seiner Robe, ihre Faust schmerzte sofort auf, doch sie ignorierte es, der zweite Schlag sollte sein Gesicht treffen aber der Magier war etwas flinker, trat einen Schritt beiseite und Lira beförderte sich durch ihren eigenen Schwung zu Boden.


Was nun folgte war für das Mädchen fast schon Hohn. Silvan wollte sich mit ihr duellieren, er warf ihr ernsthaft eine Waffe vor die Füße die sie nutzen sollte. Was glaubte dieser Kerl eigentlich wer er war?!
Sie wollte gerade zum nächsten Schlag ausholen doch dann kam etwas nicht gänzlich Unbekanntes, mit einem male versagten ihre Muskeln und sie erstarrte in ihrer Bewegung, Magie in ihrer fiesesten Art. Lira konnte nichts anderes tun als in das Gesicht Silvans zu starren wie er zu seinem Gehilfen, oder was immer er war, Arenvir etwas sprach und ihm eine Flasche zuwarf.
Da stand er nun, Arenvir, ehemalige Justiziar Bajards. Er sah Lira seufzend an, die beiden kannten sich aus Bajard und sein Blick glitt auf die Flasche, welche er dem Mädchen einflössen sollte und als er dies tat wuchs der Hass in ihr nur noch mehr. Sie erkannte den Geschmack, das widerliche, ölige Aroma dieses Trankes.
Es war der gleiche Trank den ihr dieser Hüne gegeben hatte … sie verlängerten ihr Leiden also noch weiter, dieser Bastard wollte sie zerbrechen und mit dieser Erkenntnis zerbrach auch etwas in ihr, statt Hass und Wut war da nur noch Resignation.


Als der Zauber nachließ stand sie vor Arenvir, welcher sie wegschaffen sollte, Lira starrte auf seinen Gurt, sie sah den Rapier und einen Dolch dort. Es ging alles sehr schnell, sie macht einen kleinen Sprung vor, tauchte unter Arenvirs Griff weg und zog den Dolch aus seinem Gurt und richtete die Spitze vor.
Ihr Gegenüber schien wütend zu werden, dachte sie würde ihn bedrohen, aber der Dolch war nicht für ihn bestimmt. Niemals hätte sie gedacht so Etwas tun zu können, niemals hätte sie erwartet dass dieser Moment kommen würde, aber die Leere, die Tatsache dass das, was sie am meisten wollte fern und unerreichbar war von diesem Moment an, gaben ihr die nötige Kraft die Dolchspitze in die eigene Richtung zu drehen und zuzustechen.

Sie fühlte wie das Metall die Haut ihrer Brust durchstach, sie konnte noch Arenvirs Gefluche und Gebrüll hören, dann fiel sie vorneüber und alles begann sich zu verschwimmen.
Sie hatte nicht getroffen, sie war nicht tot, ihr Herz schlug immer noch, sie hatte es verfehlt, Arenvir kniete hektisch neben ihr nieder, sie versuchte ihm etwas zuzuhauchen, er möge es beenden, er sollte ihr einfach nur den verdammten Gnadenstoß geben, doch er tat es nicht. Sie konnte sich nicht mehr an vieles erinnern, nur an die Gestalt Silvans die auftauchte und dann fiel sie in Ohnmacht.
Als sie das nächste mal die Augen aufschlug war dies nicht aus Wachheit oder der Tatsache dass sie sich erholt hatte, nein, heißes Metall begann sich durch ihre Haut zu bohren, ein gleißender Schmerz machte sich quer über ihren ganzen Körper breit. Sie schrie, sie schrie aus ganzer Leibeskraft als man ihr die verunreinigte Wunde säuberte und zunähte, sie schrie vor Schmerzen, bäumte sich immer und immer wieder, bis sie wieder in die Ohnmacht versank.


Sie schlief, sie wusste es. Sie war nicht tot, sie hatte versagt. Sie würde weiterhin mit dieser Leere leben müssen, sie würde weiterhin merken wie das, was sie am meisten begehrte, unerreichbar wurde und sie würde bis ans Ende ihrer Tage Leiden. War es das, was Silvan wollte? Sie leiden lassen? War dieser Sadist daran erfreut zuzusehen wie sie zu Grunde ging? Wieso schenkte man ihr nicht den erhofften Tod? Wieso ließ man sie nicht einfach verschwinden, ein Niemand im Nichts? Sie schlief noch lange, sehr lange, sie wollte die Augen nicht öffnen. Wenn es denn ginge, nie wieder.

Verfasst: Montag 7. April 2008, 12:38
von Lira Toran
Wochen später


Was war nicht alles geschehen in den letzten Wochen? Sie hatte ihren Versuch, ihr Leben zu beenden, überlebt, Arenvir hatte nicht gerade wenig dazu beigetragen und sie war aus dem Schneider, ob ihr dies passte oder nicht, interessierte den ehemaligen Justiziar von Bajard in keinster Weise. Er hatte ihr klargemacht dass er sich um ihre Bedürfnisse, ihren Willen alles aufzugeben, einen Dreck scherte und dass er ihr helfen würde, ob sie das nun wollte oder nicht.
Natürlich wollte Lira all dies nicht, sie wollte sich entweder an die nächste Flasche hängen oder, und das war Anbetracht der Tatsache dass sie eh keinen Alkohol trinken konnte dank des Trankes, sich ein Messer schnappen um den Ganzen wieder ein Ende zu machen aber da war halt wieder Arenvir der dem Ganzen irgendwie dazwischenfunkte. Lira selbst war geschwächt, sie hatte die letzten Tage eh kaum etwas gegessen und war schon recht ermüdet aber die Wunde und deren Folgen setzten dem Ganzen noch eines obendrauf.

Arenvir hatte ihr auch schnell deutlich gemacht dass sie das Zimmer in welchem sie erwacht war, eindeutig ein Herbergszimmer, nicht wieder verlassen würde bis sie nicht endlich wieder zu Kräften gekommen wäre und vor allem keinen Versuch wagen würde sich in den Tod zu stürzen. Dass es ebenso sein Ziel war, sie von der Trinkerei fortzukriegen war sicherlich kein Geheimnis aber das würde der Trank erledigen, dessen war er sich sicher.
Lira selbst war alles andere begeistert, wieso sollte sie sich erholen? Dieser Mistkerl von Silvan hatte ihr alles genommen, wozu dann noch weiterleben? Sie hatte nichts mehr außer der Übelkeit, den Kopfschmerzen und dem Verlangen nach Alkohol das sie niemals stillen würde können dank dieses Trankes. Eines war jedenfalls sicher; sie würde ganz sicher nicht mitspielen, wenn es sein musste würde sie sich zu Tode hungern, sie würde nicht auch noch für diese Mistkerle gegen ihre Sucht kämpfen.

Aber auch fernab ihres zickigen Widerstands machte sie Arenvir, der regelmäßig nach ihr sah, das Leben recht schwer. Entweder brüllte sie manchmal aus dem Fenster, beleidigte ihn, versuchte ihn aus der Reserve zu locken, ja sie hatte sogar überlegt ihn niederzuschlagen und zu fliehen aber letztendlich war der kerl zu stark für sie und dumm war er auch nicht. Sie mochte ihn nicht wirklich, aber wer konnte schon jemanden leiden der einen einsperrt und einen „für das eigene Wohl“ verschließt?
Zu allem Überfluss hatte dieser Mistkerl Arenvir ihr einen Abend dann sogar noch all ihre Haare abgeschnitten. Natürlich, sie waren verdreckt, verfilzt und stanken tierisch, aber sie waren das einzige was Lira noch hatte, die einzige Erinnerung an ihre Mutter und nun waren diese Haare ab, nur noch kurzes Haar und sie fühlte sich abgrundtief hässlich und nackt, sie war nicht mehr sie selbst.

Doch trotz allem versuchte Arenvir mehr über Lira zu erfahren, über ihre Vergangenheit, über den Grund ihrer Trinksucht und wenn er fragte antwortete sie ihm meistens nur trotzig oder schnippisch. Doch es gab auch Momente da wurde sie schwach, da war jede Ablenkung gegen die Kopfschmerzen und die Übelkeit recht, die ihren Körper kontrollierten und sie erzählte ihm von früher, über den Tod ihrer Mutter, über den Versager von Vater der nicht damit umgehen konnte dass er niemanden mehr hatte und die Tatsache dass sie weggerannt war. Und mit der Einsamkeit und den falschen Freunden kam der Alkohol der immer mehr zu einer angenehmen Lösung aller Probleme wurde und später zu ihrem allerbesten und einzigen Freund.
Arenvir hatte ihr gelauscht, hatte ab und an genickt aber keine Wertung abgegeben. Immer wieder sagte er zu Lira, sie könne was aus sich machen aber dass dies nicht ginge das wusste sie selbst, sie war ein versoffenes, wertloses Stück das nichts auf die Reihe bekommen konnte. Wie sollte da eine Zukunft aussehen? So ganz ohne den Alkohol, ohne Rückzugsmöglichkeit? Nein … das war eine Welt in der sie nicht mehr leben wollte.


Mit der Zeit jedoch änderten sich die Dinge etwas. Die Kopfschmerzen wichen, die Übelkeit trat zurück und die Haare wuchsen langsam wieder. Sie hatte mehr gegessen, der Hunger hatte am Ende über den Trotz triumphiert und sie hatte seit jenem Abend als der Dolch ihre Brust durchstieß wieder einige Kilo zugenommen, wie hatte Arenvir gesagt? Sie wurde langsam zu einer Frau. Der Alkohol und das Verlangen nach ihm geisterten immer noch durch den Verstand doch war all dies zurückgewichen, hatte sich weiter entfernt und gepaart mit dem Wissen dass der Trank noch in ihr drin war, wusste sie auch, dass der Alkohol nicht im Magen bleiben würde.

Sie hatte in diesem Zimmer lange nachgedacht, viel überlegt. Arenvir hatte es geschafft sie wieder aufzupäppeln und sie hatte auch einen vernebelten Dunst beiseite geworfen, sie dachte viel mehr nach als früher, auch was ihre Zukunft anging. All jene Ereignisse schlossen ab mit einem Spaziergang zusammen mit Arenvir, wo er ihr die Schlüssel zu dem Herbergszimmer in die Hand drückte und ihr sagte sie seie frei zu tun was sie wolle, er habe getan was er wollte und nun läge es an ihr.
Doch was würde sie nun tun? Sich wieder umbringen? Nein, war vor Wochen noch ein Leben fernab des Schnaps undenkbar gewesen, so war er nun eine mögliche Alternative. Sie war nun die Schmiedin ihrer eigenen Zukunft und sie hatte viele Möglichkeiten, Arenvir hatte ihr nur einige davon aufgetan und eine hatte er ihr direkt angeboten. Die Frage war letztendlich ob sie dieses Angebot annehmen würde.

Letztendlich saß sie nun in Bajard auf einer der Bänke und betrachtete die Hauptstraße, jenen ort den sie immer nur mit glasigen und benommenen Blick betrachtet hatte, wo die Leute sie naserümpfend angesehen hatten, den Kopf schüttelten und verächtlich niederblickten. Und nun? Man grüßte sie freundlich, lächelte ihr zu … und so war da doch etwas Wahres an Arenvirs Worten gewesen, nicht alles war von Vornherein zum Scheitern verdammt.

Und nun saß sie hier, das versoffene Mädel das dachte aus ihm würde nichts und nimmer mehr … und sie begriff das erste mal in ihrem Leben dass sie sich geirrt hatte.