Erinnerung an die Vergangenheit – Briefe an + aus der Heimat
Verfasst: Sonntag 23. Dezember 2007, 21:13
Als Vandalore eines Tages schon früh wieder in seiner Unterkunft war, da er am Abend noch zu einer Lehrstunde für Schützen in der Akademie zu Schwert und Kunst wollte, nutzte er die noch verbleibende Zeit bis dahin und begab sich in den ersten Stock. Dort gab es eine gemütliche Sitzgruppe mit Tisch, an welchem er sich niederließ, nachdem er etwas zu trinken, eine kleine Mahlzeit, sowie Feder, Tintenfaß und Papier bereitgelegt hatte. Dann begann er zu schreiben.
Gasthof zu Tirell, am zwanzigsten Tag Alatners, im Jahr 250
Ich grüße Euch, mein Vater,
meine liebe Mutter.
Ich bin im Monat Eluviar von Hetzenfeld aufgebrochen, da mich dort nichts mehr gehalten hat. Und an der Hochzeit von Eloise und Markus wollte ich nicht teilnehmen – wozu auch. Nur damit Markus die Möglichkeit bekommt, mich auch noch mit der Hochzeit zu erniedrigen? Nein!
Es tut mir aber leid, das ich seither nichts habe von mir hören lassen. Schließlich ist nun bereits Alatner und das Jahr ist bald zu Ende, wie mir vor kurzem am Tag des Schenkens hier klargeworden ist.
So will ich Euch jetzt zumindestens Wissen lassen, das ich noch lebe und es mir gutgeht. Ihr braucht Euch wegen mir keine Sorgen zu machen.
Ich habe mir ein Zimmer in der Nähe von den Ruinen Tirells gemietet. In diesen Ruinen gibt es Monster, von denen uns Großvater zu Hause immer an den kalten Wintertagen erzählt hat. Ich hätte nie gedacht, das es solche Wesen wirklich gibt.
Mein Zimmer im Gasthaus von Tirell ist größer als die kleine Stube, die ich mir damals mit Laro und Ramin geteilt habe. Und ich wohne dort alleine! Und habe sogar eine Kommode und einen Schrank dort – nur für mich! Ihr seht also – es geht mir wirklich gut.
Deswegen würde ich Euch gerne unterstützen, in dem ich Euch eine Teil meines Einkommens mitschicke. 2 Kronen sind noch nicht die Welt – aber in Zukunft hoffe ich, Euch noch mehr schicken zu können. Ihr seht, man KANN also mit dem Bogen Geld verdienen. Und wenn man in der Natur immer schön die Augen offenhält, dann findet man auch genug, mit dem sich Gold verdienen läßt.
Eloise wollte mir das einfach nicht glauben... Ach, lassen wir das. Ich hoffe, sie ist glücklich mit ihrem Markus... und wenn nicht – na, dann wäre mir das auch recht!
Vandalore muß nach diesen Zeilen erst wieder zur Ruhe kommen. Er sitzt am Tisch im ersten Stock, die Feder und das Blatt vor sich und die Hände flach rechts und links neben dem Blatt auf dem Tisch liegend. Die Augen geschlossen, atmet er ein paarmal tief ein und aus, bevor er die Feder wieder aufnimmt und weiterschreibt.
In der Zeit, seit der ich von Zuhause weg bin, habe ich einiges erlebt.
Die Grafschaft von Hohenfels mit ihrer großen Stadt Varuna ist nicht weit entfernt von hier. Die erste Zeit war nicht so leicht für mich, wie man das anhand der Zeilen vielleicht erwarten könnte. Die Schiffspassage hierher – das Meer ist übrigens wirklich so groß und weit, wie es der Vater von Marius immer erzählt hat – war so teuer, das ich dafür meinen guten Bogen verkaufen mußte. Inzwischen habe ich mir hier einen anderen gebaut – aber Eibe gibt es hier nicht, von daher sind das hier alles schlechte Alternativen.
Vor einiger Zeit – das war im Saerum, glaub ich – da habe ich beim Pilze sammeln tatsächlich eine Elfe getroffen. Genauer war es sogar eine Elfin. Meine Überraschung könnt Ihr Euch vorstellen. Aber Ihr könnt Rema sagen, das Elfen nicht Fingerklein sind und Flügeln haben. Da muß sie dann etwas anderes meinen.
Was kann ich Euch sonst noch so berichten, damit Ihr einen kleinen Eindruck habt, was ich hier so alles erlebt habe und erlebe?
Anfang Ashatar wurde Varuna von der Pest heimgesucht. Inzwischen heißt es, das diese Seuche absichtlich hervorgerufen wurde. Mir ist aber nichts passiert, da ich damals länger nicht in Varuna gewesen bin. Da ich aber noch an die Erzählungen über die Pest von vor einigen Jahren denken mußte, habe ich zumindest versucht, die Heiler mit verschiedenen Zutaten für Arzneien zu unterstützen, die ich zu dem Zeitpunkt gesammelt hatte. Man wollte mir dafür sogar Gold geben – aber das habe ich abgelehnt.
Vor 2 Monaten mußte ich mal wieder einige Zeit nur im Wald verbringen. Als ich wieder zurück kam, lag Bajard, der nächste Ort von hier, in großen Teilen in Schutt und Asche, da sich wohl eine Armee Rahals dort ausgetobt hatte. Die Zusammenhänge über das wie und warum konnte ich zwar nicht in Erfahrung bringen, aber nur die Tatsache als solches fand ich nicht gut.
Rahal ist die zweite große Stadt in der Umgebung.
Wir haben damals bei uns in Hetzenfeld höchstens mal in der Taverne über den Glauben diskutiert –wobei der alte Jossip ja immer seinen Glauben an Alatar vertreten hat. Das haben zwar alle anderen, die an Eluive, Temora, Horteras und was weiß ich wen noch glauben, nie verstanden –angegriffen haben sie ihn aber auch nicht dafür. Schließlich ist Jossip ja einer aus unserem Ort – da kann man über den Glauben ja mal hinwegsehen. Auch bei unseren Schlägereien hat er nicht mehr abbekommen als andere.
Hier dagegen sieht es ein wenig anders aus. Rahal ist fest in der Hand der Alatar-Gläubigen, während Varuna den Anhängern Temoras gehört. Und während wir trotzdem miteinander auskamen, da sich die Götter eh nicht für so ein kleines Dorf interessieren, ist das hier ein ständig schwelender Konflikt zwischen Rahal und Varuna.
Als ich neulich abends in Varuna Fundstücke verkauft habe, war ich Zeuge, wie eine junge Frau an den Pranger gestellt wurde. Ich unterhielt mich zu diesem Zeitpunkt gerade mit einer jungen Bardin, die mich darüber aufklärte, das es sich bei dieser jungen Dame um eine Adlige Abtrünnige handelt, die erst an den Pranger gestellt und dann geköpft werden sollte. Später hörte ich dann noch, das es sich dabei um eine Alatargläubige aus Rahal handelt. Ich weiß jetzt zwar nicht, ob das Urteil schon vollstreckt wurde – aber eigentlich hoffe ich es nicht. Vielleicht konnte sie ja doch noch begnadigt werden. Bei Adeligen ist das ja möglich. Aber jemanden wegen seines Glaubens zu töten würde ich als barbarisch bezeichnen. Schließlich hat mich Mutter immer Toleranz gelehrt.
In letzter Zeit nehme ich nun an freiem Unterricht an der Akademie zu Schwert und Kunst auf Lameriast, einer Insel in der Nähe, teil. Dieser Unterricht dient als Hilfe für Kämpfer und Schützen. Und es ist immer gut, auch mal etwas theoretisch durchzudenken. Vorgestern behandelte mein Lehrer Thoran Wynther das Thema Tränke. Nachdem ich das jetzt so gehört habe, muß ich sagen, das ich jetzt nicht mehr ganz verstehe, warum wir Zuhause so strikt gegen Tränke waren. Zumindest Heiltränke und Gegengifte sind doch sehr nützlich. Und bei mancher schweren Arbeit wäre ein wenig mehr an Kraft auch nicht schlecht. Nun ja, wie dem auch sei.
Heute abend ist wieder Schützenunterricht beim Leiter der Akademie, Herrn Talmar. Da bin ich auch schon sehr gespannt darauf. Deswegen muß ich diesen Brief jetzt auch beenden, da ich mich bald auf den Weg machen muß. Mit meinem Pferd geht das zwar schneller als zu Fuß – ach ja, ich hab mir ein Pferd gekauft. Regentropfen, ein zartes Tier, und sehr lieb. – aber ich brauche doch etwas Zeit. Ich melde mich dann wieder im neuen Jahr. Vielleicht könnt ihr mir ja auch antworten. Ich wohne im Gasthaus von Tirell, und Stephen, mein Hauswirt, wird mir euren Brief sicherlich weiterleiten.
Nun, dann lasset es Euch wohl ergehen.
Grüßt alle von mir, die Ihr trefft.
Es geht mir gut – und wenn ich ein gemachter Mann bin, komme ich wieder.
Ihr seid immer in meinem Herzen,
Vandalore
Als er den Brief beendet hatte, machte er sich auf den Weg nach Lameriast zur Unterrichtsstunde.
Ein paar Tage später war er mit dem Brief in Bajard, um bei den ankommenden Schiffen zu fragen, ob eines vielleicht in die Nähe seiner Heimat fährt.
Dabei traf er einen Mann, der in die Nähe von Hetzenfeld, nach Buchensee, kommen würde, welcher sich bereit erklärte, den Brief und das kleine Säckchen mit dem Gold gegen eine kleine Entlohnung zu überbringen.
Schnell ging Vandalore in die Bank, um das Gold für seine Eltern und für den Boten zu holen. Dann setzte er sich mit diesem noch kurz in der Taverne zusammen, um dort noch ein kleines Nachwort zu verfassen.
Bajard, am dreiundzwanzigsten Tag Alatners, im Jahr 250
Nachschrift
Liebe Eltern,
ich habe hier in Bajard einen Reisenden getroffen, der in Buchensee zu tun hat. Er wird für mich diese Zeilen an Euch mit sich nehmen und Euch überbringen.
Auch hat er die versprochenen zwei Kronen bei sich.
Das Schreiben wird Euch wohl nicht mehr in diesem Jahr erreichen, dennoch wünsche ich Euch, das Ihr gut durch die dunkle Jahreszeit kommen möget. Möge das bißchen Gold Euch wenigstens ein wenig dabei helfen. Meine nächsten Schreiben werden mehr Gold enthalten, da ich mich auf einem guten Weg sehe. Gestern habe ich endlich meinen ersten Weidenbogen fertig bekommen – dank eines Bogens aus der Akademie, der mir als Beispiel gedient hat.
Nun bleibt mir nur noch mal, Abschied zu nehmen. Hier ist heute der erste dauerhafte Schnee gefallen – die Landschaft ist weiß und ruhig. Ich hoffe, bei Euch ist auch alles ruhig.
Mögen die Götter Euch auf all Euren Wegen beschützen.
Euer Euch liebender Sohn,
Vandalore
Anschließend verschloß er den Brief endgültig mit Wachs und gab ihm seinen Boten, genau wie den Sack mit den Goldmünzen.
Anschließend gab er ihm noch den vereinbarten Lohn und begleitete ihn zum Schiff, welches auch alsbald in See stach.
Einige Zeit blickte Vandalore dem Schiff noch nach, dann wandte er sich mit einem Seufzen um und stapfte durch den Schnee wieder seiner Unterkunft und seiner Zukunft entgegen. Der Vergangenheit hatte er vorerst genug gedacht.
Gasthof zu Tirell, am zwanzigsten Tag Alatners, im Jahr 250
Ich grüße Euch, mein Vater,
meine liebe Mutter.
Ich bin im Monat Eluviar von Hetzenfeld aufgebrochen, da mich dort nichts mehr gehalten hat. Und an der Hochzeit von Eloise und Markus wollte ich nicht teilnehmen – wozu auch. Nur damit Markus die Möglichkeit bekommt, mich auch noch mit der Hochzeit zu erniedrigen? Nein!
Es tut mir aber leid, das ich seither nichts habe von mir hören lassen. Schließlich ist nun bereits Alatner und das Jahr ist bald zu Ende, wie mir vor kurzem am Tag des Schenkens hier klargeworden ist.
So will ich Euch jetzt zumindestens Wissen lassen, das ich noch lebe und es mir gutgeht. Ihr braucht Euch wegen mir keine Sorgen zu machen.
Ich habe mir ein Zimmer in der Nähe von den Ruinen Tirells gemietet. In diesen Ruinen gibt es Monster, von denen uns Großvater zu Hause immer an den kalten Wintertagen erzählt hat. Ich hätte nie gedacht, das es solche Wesen wirklich gibt.
Mein Zimmer im Gasthaus von Tirell ist größer als die kleine Stube, die ich mir damals mit Laro und Ramin geteilt habe. Und ich wohne dort alleine! Und habe sogar eine Kommode und einen Schrank dort – nur für mich! Ihr seht also – es geht mir wirklich gut.
Deswegen würde ich Euch gerne unterstützen, in dem ich Euch eine Teil meines Einkommens mitschicke. 2 Kronen sind noch nicht die Welt – aber in Zukunft hoffe ich, Euch noch mehr schicken zu können. Ihr seht, man KANN also mit dem Bogen Geld verdienen. Und wenn man in der Natur immer schön die Augen offenhält, dann findet man auch genug, mit dem sich Gold verdienen läßt.
Eloise wollte mir das einfach nicht glauben... Ach, lassen wir das. Ich hoffe, sie ist glücklich mit ihrem Markus... und wenn nicht – na, dann wäre mir das auch recht!
Vandalore muß nach diesen Zeilen erst wieder zur Ruhe kommen. Er sitzt am Tisch im ersten Stock, die Feder und das Blatt vor sich und die Hände flach rechts und links neben dem Blatt auf dem Tisch liegend. Die Augen geschlossen, atmet er ein paarmal tief ein und aus, bevor er die Feder wieder aufnimmt und weiterschreibt.
In der Zeit, seit der ich von Zuhause weg bin, habe ich einiges erlebt.
Die Grafschaft von Hohenfels mit ihrer großen Stadt Varuna ist nicht weit entfernt von hier. Die erste Zeit war nicht so leicht für mich, wie man das anhand der Zeilen vielleicht erwarten könnte. Die Schiffspassage hierher – das Meer ist übrigens wirklich so groß und weit, wie es der Vater von Marius immer erzählt hat – war so teuer, das ich dafür meinen guten Bogen verkaufen mußte. Inzwischen habe ich mir hier einen anderen gebaut – aber Eibe gibt es hier nicht, von daher sind das hier alles schlechte Alternativen.
Vor einiger Zeit – das war im Saerum, glaub ich – da habe ich beim Pilze sammeln tatsächlich eine Elfe getroffen. Genauer war es sogar eine Elfin. Meine Überraschung könnt Ihr Euch vorstellen. Aber Ihr könnt Rema sagen, das Elfen nicht Fingerklein sind und Flügeln haben. Da muß sie dann etwas anderes meinen.
Was kann ich Euch sonst noch so berichten, damit Ihr einen kleinen Eindruck habt, was ich hier so alles erlebt habe und erlebe?
Anfang Ashatar wurde Varuna von der Pest heimgesucht. Inzwischen heißt es, das diese Seuche absichtlich hervorgerufen wurde. Mir ist aber nichts passiert, da ich damals länger nicht in Varuna gewesen bin. Da ich aber noch an die Erzählungen über die Pest von vor einigen Jahren denken mußte, habe ich zumindest versucht, die Heiler mit verschiedenen Zutaten für Arzneien zu unterstützen, die ich zu dem Zeitpunkt gesammelt hatte. Man wollte mir dafür sogar Gold geben – aber das habe ich abgelehnt.
Vor 2 Monaten mußte ich mal wieder einige Zeit nur im Wald verbringen. Als ich wieder zurück kam, lag Bajard, der nächste Ort von hier, in großen Teilen in Schutt und Asche, da sich wohl eine Armee Rahals dort ausgetobt hatte. Die Zusammenhänge über das wie und warum konnte ich zwar nicht in Erfahrung bringen, aber nur die Tatsache als solches fand ich nicht gut.
Rahal ist die zweite große Stadt in der Umgebung.
Wir haben damals bei uns in Hetzenfeld höchstens mal in der Taverne über den Glauben diskutiert –wobei der alte Jossip ja immer seinen Glauben an Alatar vertreten hat. Das haben zwar alle anderen, die an Eluive, Temora, Horteras und was weiß ich wen noch glauben, nie verstanden –angegriffen haben sie ihn aber auch nicht dafür. Schließlich ist Jossip ja einer aus unserem Ort – da kann man über den Glauben ja mal hinwegsehen. Auch bei unseren Schlägereien hat er nicht mehr abbekommen als andere.
Hier dagegen sieht es ein wenig anders aus. Rahal ist fest in der Hand der Alatar-Gläubigen, während Varuna den Anhängern Temoras gehört. Und während wir trotzdem miteinander auskamen, da sich die Götter eh nicht für so ein kleines Dorf interessieren, ist das hier ein ständig schwelender Konflikt zwischen Rahal und Varuna.
Als ich neulich abends in Varuna Fundstücke verkauft habe, war ich Zeuge, wie eine junge Frau an den Pranger gestellt wurde. Ich unterhielt mich zu diesem Zeitpunkt gerade mit einer jungen Bardin, die mich darüber aufklärte, das es sich bei dieser jungen Dame um eine Adlige Abtrünnige handelt, die erst an den Pranger gestellt und dann geköpft werden sollte. Später hörte ich dann noch, das es sich dabei um eine Alatargläubige aus Rahal handelt. Ich weiß jetzt zwar nicht, ob das Urteil schon vollstreckt wurde – aber eigentlich hoffe ich es nicht. Vielleicht konnte sie ja doch noch begnadigt werden. Bei Adeligen ist das ja möglich. Aber jemanden wegen seines Glaubens zu töten würde ich als barbarisch bezeichnen. Schließlich hat mich Mutter immer Toleranz gelehrt.
In letzter Zeit nehme ich nun an freiem Unterricht an der Akademie zu Schwert und Kunst auf Lameriast, einer Insel in der Nähe, teil. Dieser Unterricht dient als Hilfe für Kämpfer und Schützen. Und es ist immer gut, auch mal etwas theoretisch durchzudenken. Vorgestern behandelte mein Lehrer Thoran Wynther das Thema Tränke. Nachdem ich das jetzt so gehört habe, muß ich sagen, das ich jetzt nicht mehr ganz verstehe, warum wir Zuhause so strikt gegen Tränke waren. Zumindest Heiltränke und Gegengifte sind doch sehr nützlich. Und bei mancher schweren Arbeit wäre ein wenig mehr an Kraft auch nicht schlecht. Nun ja, wie dem auch sei.
Heute abend ist wieder Schützenunterricht beim Leiter der Akademie, Herrn Talmar. Da bin ich auch schon sehr gespannt darauf. Deswegen muß ich diesen Brief jetzt auch beenden, da ich mich bald auf den Weg machen muß. Mit meinem Pferd geht das zwar schneller als zu Fuß – ach ja, ich hab mir ein Pferd gekauft. Regentropfen, ein zartes Tier, und sehr lieb. – aber ich brauche doch etwas Zeit. Ich melde mich dann wieder im neuen Jahr. Vielleicht könnt ihr mir ja auch antworten. Ich wohne im Gasthaus von Tirell, und Stephen, mein Hauswirt, wird mir euren Brief sicherlich weiterleiten.
Nun, dann lasset es Euch wohl ergehen.
Grüßt alle von mir, die Ihr trefft.
Es geht mir gut – und wenn ich ein gemachter Mann bin, komme ich wieder.
Ihr seid immer in meinem Herzen,
Vandalore
Als er den Brief beendet hatte, machte er sich auf den Weg nach Lameriast zur Unterrichtsstunde.
Ein paar Tage später war er mit dem Brief in Bajard, um bei den ankommenden Schiffen zu fragen, ob eines vielleicht in die Nähe seiner Heimat fährt.
Dabei traf er einen Mann, der in die Nähe von Hetzenfeld, nach Buchensee, kommen würde, welcher sich bereit erklärte, den Brief und das kleine Säckchen mit dem Gold gegen eine kleine Entlohnung zu überbringen.
Schnell ging Vandalore in die Bank, um das Gold für seine Eltern und für den Boten zu holen. Dann setzte er sich mit diesem noch kurz in der Taverne zusammen, um dort noch ein kleines Nachwort zu verfassen.
Bajard, am dreiundzwanzigsten Tag Alatners, im Jahr 250
Nachschrift
Liebe Eltern,
ich habe hier in Bajard einen Reisenden getroffen, der in Buchensee zu tun hat. Er wird für mich diese Zeilen an Euch mit sich nehmen und Euch überbringen.
Auch hat er die versprochenen zwei Kronen bei sich.
Das Schreiben wird Euch wohl nicht mehr in diesem Jahr erreichen, dennoch wünsche ich Euch, das Ihr gut durch die dunkle Jahreszeit kommen möget. Möge das bißchen Gold Euch wenigstens ein wenig dabei helfen. Meine nächsten Schreiben werden mehr Gold enthalten, da ich mich auf einem guten Weg sehe. Gestern habe ich endlich meinen ersten Weidenbogen fertig bekommen – dank eines Bogens aus der Akademie, der mir als Beispiel gedient hat.
Nun bleibt mir nur noch mal, Abschied zu nehmen. Hier ist heute der erste dauerhafte Schnee gefallen – die Landschaft ist weiß und ruhig. Ich hoffe, bei Euch ist auch alles ruhig.
Mögen die Götter Euch auf all Euren Wegen beschützen.
Euer Euch liebender Sohn,
Vandalore
Anschließend verschloß er den Brief endgültig mit Wachs und gab ihm seinen Boten, genau wie den Sack mit den Goldmünzen.
Anschließend gab er ihm noch den vereinbarten Lohn und begleitete ihn zum Schiff, welches auch alsbald in See stach.
Einige Zeit blickte Vandalore dem Schiff noch nach, dann wandte er sich mit einem Seufzen um und stapfte durch den Schnee wieder seiner Unterkunft und seiner Zukunft entgegen. Der Vergangenheit hatte er vorerst genug gedacht.