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Fäden der Vergangenheit

Verfasst: Sonntag 23. Dezember 2007, 11:48
von Demoar Llastobhar
Als Demoar das Tor der Akademie öffnete, blieb er kurz stirnrunzelnd stehen. Das vertraute Quietschen von Metall auf Metall blieb wider Erwarten aus, und er sah sich kurz um. Nachdem die Akademie bis auf die Grundfesten zerstört worden war, hatte man sie in neuerlichem Glanz mit einer derartigen Schönheit und Geschwindigkeit wieder aufgebaut, dass er nicht selten darüber nachdachte, ob Aldred nicht den ein oder anderen geheimen Kniff kannte, wie man solche Dinge vermittels Magie beeinflussen konnte.
Nun also stand er vor den neuen Gemäuern und sah sich noch einmal um. Nachdem er einige Zeit fort gewesen war, wartete sicher eine Menge Arbeit auf ihn; er ließ ein selbstmitleidiges Seufzen vernehmen und stapfte auf die Eingangspforte zu. Dort empfing ihn bereits Nelrim mit einer überschwänglichen Empfangsgeste. Aldred hatte ihren neuen Akademieverwalter offenbar ausgewählt. Hoffentlich würde er seine Sache gut machen… ganz gleich wie gut, Demoar würde Sephraim wohl nie vergessen.
Sogleich drückte Nelrim ihm einen gewaltigen Stapel Briefe, Kuverts, Pakete und Eilzusendungen in die Hand mit der Anmerkung, dass ihre Beantwortung schon einige Zeit auf sich warten ließe. Voll bepackt wankte er als zum nächst besten Stuhl und ließ seine Last auf den Tisch fallen.
Nachdem alle Anfragen an die Akademie beantwortet waren, erhob er sich wieder, überreichte Nelrim die abzusendenden Antwortschreiben und ging hoch in sein Büro. Im Inneren hatte sich kaum etwas geändert und Nelrims Aussage zu Folge hatte der Arcoveneficus Eluicius auch schon einige Zeit nichts von sich hören lassen. Gerne hätte Demoar ihm ein Schreiben zugesandt, doch im Grunde wusste er überhaupt nicht, wohin er das Schreiben hätte senden sollen, hatte Amphion doch nichts Genaueres über das Ziel seiner Reise Preis gegeben.
Als Demoar so Gedankenversunken den Blick durch den Raum wandern ließ, bemerkte er die wohl versiegelte Truhe in der Ecke. Dort befanden sich die mächtigen und zum Teil mehr als gefährlichen Artefakte, die er im Laufe der Zeit angesammelt hatte und im Keller der Akademia ausstellen wollte. Mit einer fließenden Handbewegung deutete er auf die Kiste und ein leises Klicken kündigte das darauf Folgende Öffnen der Truhe an. Im Inneren lagen mehrere kleine Kästchen aus den verschiedensten Materialien. In einem schlichten Metallkästchen, so wusste er, lag dieser ominöse Pilz, auf den er vor geraumer Zeit von einem Scolaren aufmerksam gemacht wurde. Er hatte sich all die Zeit vorgenommen, ihn genauer zu untersuchen, aber hatte nie die Zeit dafür gefunden. Vielleicht sollte er dies nun endlich einmal in Angriff nehmen…
Er nahm die Kiste heraus und ging wieder zurück und ließ sich auf den Stuhl sinken…

Verfasst: Dienstag 25. Dezember 2007, 11:56
von Demoar Llastobhar
Ein leises Klopfen riss Demoar aus seinen Gedanken. Mit einer beiläufigen Handbewegung öffnete sich die schwere Tür und Venefica Lypsan trat ein. Nach einer kurzen förmlichen Begrüßung wandte sich das Interesse der geöffneten Kiste vor Demoar zu.

Interessiert wandten die beiden sich daraufhin dem schwarzen Pilz zu, den Demoar inzwischen auf eine drachenhautüberspannte Platte auf seinem Schreibtisch gelegt hatte. „Wollt ihr das vielleicht machen?“, fragte er, als er ihr einen Dolch entgegenhielt. „Ich habe da nicht wirklich Erfahrung in solchen Dingen“. Nickend nahm Reika den Dolch entgegen und begann ihn mit zittriger Hand zu sezieren.
Demoar indes wirkte einen einfachen Hellsichtzauber, um dem alchemistischen Prozedere der Magistra folgen zu können. Gerade als sie die Klinge an den Hut des Pilzes angesetzt hatte, drang schwarze tintengleiche Flüssigkeit heraus und quoll über die Drachenlederplatte. Erschrocken stand Reika auf und wich zurück. Als die Flüssigkeit sich auch ihren Weg Richtung Demoar zu bahnen drohte, sprang er ebenso auf und machte einige hastige Schritte zurück, bis die Wand hinter ihm jegliches weitere Vorrankommen verwehrte. Unschlüssig tauschten die beiden Blick aus, während der Quell schwarzer Flüssigkeit langsam versiegte und sie sich auf dem Tisch ausbreitete.

Jäh trat ein beklommener Gesichtsaufdruck auf Reikas Züge und Demoar unterzog sie einer kritischen Musterung. Ihr Rücken hatte sich eigenartig durchgebeugt, gerade als würde die Last hohen Alters mit aller Macht die gerade Haltung der Magistra überwinden und ihren Blick unterwürfig auf den Boden richten. Erst jetzt bemerkte Demoar eine eigenartige Veränderung im Lied, die offenbar ihren Ursprung in eben jenem Pilz hatte, der in seinem Büro auf dem Tisch lag. Nach wenigen Minuten begannen deutliche runzlige Falten auf ihre Gesichtszüge zu treten und Altersflecken begannen, ihr sonst so jugendliches Äußeres auf grausamste Weise zu pervertieren. Von all diesen Entwicklungen bekam Demoar jedoch nicht das Mindeste mit; viel zu sehr war er damit beschäftigt, hilflos mit anzusehen, wie um ihn herum die Wände wuchsen und er Sekunde für Sekunde mehr in seine Robe versank. Wenige Minuten später war ihm die Robe so lang geworden, dass er darin hätte zweimal stehen können und der Raum war zur doppelten Höhe angewachsen. Gerade als er Reika fragen wollte, was hier geschehe, erstarrte er vor Schreck, als dort keine Reika mehr vor ihm stand, sondern ein alter zausseliger Mann, mit fettigen Haaren, einem durchgebeugten Rücken und fleckiger Haut.

Eben dieser Mann starrte Demoar ebenso überrascht, wenn nicht gar schockiert an. „De.. Demoar?“, fragte er vorsichtig. „Ja natürlich..“, jäh hielt er inne, als ihm bewusst wurde, dass er diesen Mann sehr wohl kannte. „Reika?“ Sie nickte nur beklommen. „Du siehst aus wie ein alter Greis!“, rief Demoar ihr fassungslos entgegen. Als sie sich zu einem befangenen Lachen hinreißen ließ, entgegnete sie, dass er seinerseits ein Mädchen von kaum mehr als zehn Jahren sei … und es dauerte keine zwei Sekunden, dass beiden bewusst wurde, was geschehen würde, wenn man sie so sah.


Ihre Blicke wanden sich nach einiger Zeit, nach der sie genug Gelegenheit hatten, ihr verändertes Äußeres zu begutachten, wieder dem Tisch zu, auf dem, nunmehr vollkommen friedlich, der aufgestochene Pilz in der Lache schwarzer Flüssigkeit lag. Entschlossen ging oder vielmehr humpelte der Alte zum Tisch hinüber und packte den Pilz und warf ihn in die Schachtel zurück. Als Demoar erkannte, was sie vorhatte, schloss er sofort die Schatulle, nachdem der Pilz in ihrem Inneren versenkt worden war und riegelte sie auf magischem Wege ab. Keuchend griff der Mann sich an die Brust und sank auf der Bank zusammen.

Als die Kiste ruhig verschlossen auf dem Tisch stand, verebbte alle eigentümliche Präsenz im Lied und die beiden blickten sich abermals unschlüssig an. „Wir müssen das rückgängig machen“, hörte Demoar sich mit einer quiekigen Mädchenstimme rufen, in seinen Augen zuckte Panik. Ein Nicken war die einzige Antwort zu der der Greis Reika sich durchringen konnte, ehe er sich erhob und nach Atem ringend zur Tür hinüber ging. Demoar folgte ihr mit hastigen kleinen Schritten aus der Akademie hinaus.

Verfasst: Dienstag 25. Dezember 2007, 12:25
von Reika Lypsan
Die plötzliche Wandlung war erschreckend schnell vor sich gegangen. Den Rücken gebeugt und die Stimme dunkel aber krächzend zeigte ihr, dass etwas nicht mehr stimmen konnte. Zumal sie eindringlich Liedmerkmale verspührte, die sie zuvor niemals verspührt hatte. Offensichtlich vergeblich hatte sie versucht sich gegen die Macht der Strukturveränderung zu wehren. Sie griff sich ans Herz, was eigentümlich und unregelmäßig zu schlagen schien. Statt der altbekannten Rundungen... ihr Atem stockte.. WAS WAR DAS?? HAARE??.. entsetzt blickte sie zu Demoar in der Hoffnung dort Hilfe zu finden, und sah ihn kaum, war er doch sozusagen in seiner Robe ertränkt und seine Gesichtszüge gerundet zu einem Mädchengesicht.

Es war klar. So konnten sie auf keinen Fall bleiben. Sie bat Demoar ihr die Stelle zu zeigen, an der er auf diese Pilze gestoßen sei.

Demoar aber, nun im jungen weiblichen Körper hüpfte mit einer Leichtigkeit davon, die sie an sich von sich selbst kannte. War sie doch immer eine große Jägerin gewesen und hatte sich ihren Körper durch Bewegung straff erhalten. Nun im Körper dieses dicklichen alten Mannes viel es mehr als schwer Schritt zu halten. Keuchend stolperte sie mit dem ungewohnt massigen Körper humpelnd, und pfeifend um Luft ringend, hinter dem kleinen Mädchen her, was fröhlich durch den Schnee zu hüpfen schien.

"WARTE! NICHT SO SCHNELL!", rief sie hinterher. Die kleine piepsige Stimme antwortete nur "Nun mach alter Zausel!", und sie hoffte inständig, dass wenigstens Demoars Geist nicht auf dem Stand einer 10 jährigen zurückgefallen sei. War sie in ihrem neuen Körper doch allein zeitlich größeren Risiken ausgesetzt.

Diese Strukturveränderung musste schleunigst erkundet und beendet werden, sonst war sie nicht mehr, obwohl erst 25 Jahre alt im Körper eines wohl knapp 70 jährigen, dass war ihr klar.

Nach - ihrer Meinung nach - endlosen Stunden, die wahrscheinlich nur wenigen Minuten waren, kamen sie zu dem Standort der Pilze. Sie standen in einer Gruppe am Wegesrand und glitzerten mit ihren schwarzen Kappen irgendwie unnatürlich durch den weißen Schnee. Vorsichtig betrachtet sie diese und forderte Demoar auf einen Schutzzauber über sie zu legen oder sie einzufrieren, damit man sie ohne Austreten des Saftes schneiden konnte.

Wenigstens seine magischen Fähigkeiten waren offenbar die gleichen geblieben, so konnten beide erleichtert feststellen, doch gelang der Versuch nicht, ging doch eine starke spürbare Veränderung des Liedes davon aus.

Ja hatte Alatar selbst vielleicht eingegriffen? Und mit Hilfe seiner Kinder eine Art neue Weise gefunden auf Magie einzuwirken? Reika nahm all ihren Mut zusammen und trat näher. Immerhin hatte sie keine Wahl als alter Zausel konnte sie nur eins... Sterben.. so oder so!

Sie konzentrierte sich auf eine Decke.. ein dichtes Vlies was hermetisch war... riss die Arme hoch und gab all ihre Kraft in dieses Vorhaben. Der Schnee wirbelte auf!! Wie eine Art NEbel legte er sich sodann über die Gruppe Pilze die dann sanft eingepackt erschien. Schnell schnitt sie ein weiteres Exemplar ab und packte es in das magische Flies. Die Hände waren sauber, offenbar hielt dieses Vlies was sie sich erhofft hatte.

Demoar war in entsprechendem Sicherheitsabstand geblieben, schien doch die Gefahr groß, dass eine weitere Veränderung ihn noch weiter verjüngen würde. Und Sprache war wichtig!

Sie atmete auf und zeigte Demoar, in Mädchengestalt ,ihre sauberen Hände. Zum Glück hatte alles funktioniert. Demoar hingegen piepste mädchenhaft: "Venefica! Schaut... er ist nachgewachsen!!"

Wie vom Donner gerührt drehte sich der alte Zausel der nun nur im inneren Reika war um und starrte auf die vermeintliche Schnittstelle!

WAS WAR DAS NUR FÜR EIN DING!

Verfasst: Dienstag 25. Dezember 2007, 13:00
von Demoar Llastobhar
Wenn Demoar allein daran dachte, wie Scolar Vastolan auf sein und Reikas Erscheinungsbild reagiert hatte. Reika konnte mit ihrem Auftreten ja zumindest entfernt dem eines Magiers gleichkommen, doch Demoars Gestalt entbehrte jeglichem Respektsanspruch und gab seine Person eher der Lächerlichkeit Preis.


Seufzend saß die kleine kindliche Gestalt auf einem Stuhl in der Bibliothek der Academia, die Beine gute zehn Zentimeter über dem Boden baumelnd.
Konnte er allen ernstes erwarten, dass seine Schüler aufmerksam dem Unterricht folgten, wenn vor ihnen am Lehrpult ein Kind von gerade elf Jahren saß, dass seine liebe Not hatte, über den Tisch zu schauen? Und die Prüfung des Scolaren Vastolan, die anstand?

Nun zumindest würde es eine wunderbare Prüfung sein, um die Schüler auf ihr Fassungsvermögen und ihren Anstand selbst im Angesicht einer solch obskuren Begebenheit zu prüfen. Man würde sehen, welche der Schüler die Fassung verlor.
Mochten Demoar und Reika in eher lächerliche Gestalten geraten sein, so waren die dennoch Magister der Academia und hatten damit volle Entscheidungsbefugnis … auch für Strafen.

Inzwischen stapelten sich schon die Bücher über alchemistische Erkenntnisse eigenartige Pflanzen und Pilze betreffend auf seinem Pult und um den Stuhl herum lagen weitere Stapel über magische Veränderungszauber. Doch es schien kein einziger dokumentierter Fall zu existieren, in dem eine Person Opfer einer derartigen Gestaltsveränderung geworden war.
Wenn sich also weder in der Bibliothek der Academia noch in der Privatbibliothek des Hauses, in der er schon den ganzen Morgen verbracht hatte, etwas finden ließ, dann würde dieses Problem wohl offenbar doch etwas ernstzunehmender sein, als er es zuerst hatte annehmen wollen.



Seufzend sprang das kleine Kind von dem hohen Stuhl, ließ die Bücherstapel gerade so, wie sie standen und lagen stehen und liegen und machte sich die Treppe hinauf in die Akademie. Gerade als er die letzten Treppenstufen erklommen hatte, kam Nelrim mit gewohnt sachlicher Miene auf ihn zu und überreichte ihm ein Schreiben.

Gestern hatte er sich ihm noch in den Weg gestellt mit der abfälligen Bemerkung, Kinder haben in der Bibliothek nichts zu suchen. Und dann… einige Zeit später, als Demoar ihm die gesamte Geschichte offenbart hatte, nickte Nelrim, ohne eine Wimper zu verziehen und machte sich wieder an seine Arbeit. Eine derartige Reaktion konnte er von den Schülern wohl kaum erwarten, deshalb war es umso wichtiger, alsbald seine alte Gestalt wiederzuerlangen.
Er entfaltete kurzerhand das Schreiben und ihm offenbarte sich ein Prüfungsgesuch des Scolaren Vastolan. "Also gut, dann wird ein Kind ihn prüfen", meinte er eher zu sich und konnte sich dabei eines süffisanten Grinsens nicht erwehren.

Wenn er nur daran dachte, wie am vergangenen Tage Rolosin Vadebor reagiert hatte, als er das kleine Mädchen Demoar im Schnee mit dem alten Greis Reika hatte stehen sehen, wie sie die dunklen Pilze begutachteten.


Es würde sicher nicht lange dauern, bis die Gerüchte über ein fehlgeschlagenes Experiment an der Academia die Runde machen würden, doch wie hatte Reika es so treffend ausgedrückt: „Ein Experiment ist erst fehlgeschlagen, wenn man keinen Weg findet, den entstandenen Schaden zu beheben“. Wahrlich. Nur dieser Weg wollte erst gefunden werden….

Verfasst: Mittwoch 26. Dezember 2007, 10:53
von Demoar Llastobhar
Der abendliche Spaziergang hatte Demoar durch das Nordtor Varunas hinaus durch den Gebirgspass zum Wegekreuz geführt. Nicht selten war er die Ereignisse der vergangenen Tage in Gedanken noch einmal durchgegangen, hatte die Geschehnisse ein ums andere Mal Revue passieren lassen und doch konnte er nicht, seinen Zügen ein Lächeln zu gestatten. Es war schon eigenartig, wie sehr die Äußere Erscheinung den Menschen ein Verhaltensmuster diktieren konnte und wie sehr man sich von ihr vereinnahmen ließ.

Gerade als er den Gebirgspass abermals durchquerte, um durch die Straßen Varunas den Weg zur Academia anzutreten, hielt ihn eine Frau und ein Mann auf einem Pferd auf. Beide schienen mehr als beunruhigt darüber, ein kleines Kind durch diesen Pass zu solch nachtschlafender Stunde wandern zu sehen. Die Frau führte sich dergestalt kindisch auf, dass Demoar dankbar dafür war, in Wirklichkeit schon lange kein Kind mehr zu sein. Doch wie konnten sie es besser wissen.

„Ich bin Demoar Llastobhar, bin vierunzwanzig Jahre alt und habe den Rang eines Magisters, des Veneficus und des stellvertretenden Leiters der Academia Arcana inne“, stellte er sich kurz angebunden vor. Nachdem die Frau einen kurzen unsicheren Seitenblick zu dem Mann hinübergeworfen hatte, brauch sie in schallendes Gelächter aus und lobte ihn dafür, nicht nur überaus mutig zu sein, traue er sich doch – als kleines Kind – durch dieses Gebirge, sondern auch über eine gehörige Portion Humor zu verfügen. Unwillkürlich entfuhr Demoar ein Seufzen. Man möchte meinen, jegliche Autorität, die seine Robe symbolisieren sollte, hing genauso schlapp herunter, wie es momentan die viel zu große Robe tat…


Wieder und wieder versuchte er sich, aus der Unterhaltung herauszumanövrieren, aber es wollte partout nicht gelingen. Offenbar war der Frau aufrichtig etwas am Wohlergeben des Kleines Kindes gelegen und sie hatte Sorge, ihm würde etwas zustoßen. Als sie Demoar vor den Gefahren dieses Passes warnte, meinte er schlicht, dass alles, was in diesem Pass lauerte, ihm nicht lange standhielte.
Abermals blitzte ein erstauntes Lächeln über die Züge der Frau und sie lobte den Mut des kleinen Mädchens. Als sie dann fragte, wie sie das anstellen würde, dass die Monster Reißaus nähmen, grinste Demoar vorfreudig und meinte lakonisch: „So“ und hob dabei die Hand und ließ vor sich einen Feuerelementar erscheinen.

Mit einem inbrünstigen Schrei war die Frau jäh auf einige Meter davon gesprungen und das Pferd des Mannes bäumte sich widerspenstig auf. Amüsiert verfolgte er das Treiben der beiden. „Ich sagte ja, dass ich Magier bin und auf mich aufpassen kann“, meinte er, während er den Feuerelementar fortschickte. „Ich wünsche einen geruhsamen Abend“, piepste die kindliche Stimme hinauf, ehe er die Robe zusammenraffte, um nicht über die vielen geworfenen Falten zu stolpern und endlich unentwegt grinsend seinen Weg Richtung Varuna fortführte.

Verfasst: Mittwoch 26. Dezember 2007, 13:15
von Reika Lypsan
Unendlich lang schien der Weg für den Greis gewesen zu sein. Als er endlich die Tür zur Akadmie aufstieß kam von Nelrim ein Stirnrunzeln. "Nelrim ich bins.. Reika", krächzte der alte dickliche Mann schwer atmend und klopfte sich den Schnee von der Robe. Nelrim blickte verwundert, war aber offenbar auch durch den Anblick von Demoar in Mädchengestalt nicht mehr allzu misstrauisch.

"Mach mir bitte einen Salbeitee, ja? Meine Knochen mögen dieses Wetter nicht sonderlich," meinte Reika tattrig und begab sich in das neu eingerichtete Labor.

Nelrim wanderte leich kopfschüttelnd in Richtung der Akademieküche um zu tun wie ihm geheißen.

Leicht ächzend ließ der alte Zausel sich dann auf einem der Hocker im Labor nieder. Endlich sitzen!!

Die Hand griff in die Tasche und holte das Exemplar des abgeschnittenen Pilzes hervor. Die Händee sorgsam in Handschuhe verpackt, die etwas zu klein für die alte dickliche Hand war. Er murmelte leise: "nun kann ich mir auch noch neue Sachen anschaffen!" und legte das Exponat auf den Tisch auf eine Marmorplatte.

Kaum war das geschehn griff er erneut zu seinem Dolch, aber bevor überhaupt ein Schnitt erfolgen konnte..... Spontan Griff er sich an den Kopf..

SCHWINDEL! ÜBELKEIT!... Was konnte das....?? Nelrim betrat mit dem Tee das Labor und sah nun wie sich der alte Mann in ein Fass übergab.

"Ihr werdet doch nicht krank werden?", meinte er besorgt und stellte das heisse Getränk auf dem Alchemietisch ab.

"Nelrim, bring mich hier raus,,,, SCHNELL!", kam es nur keuchend zurück.

Schnell fasste Nelrim Reika unter den Arm und half ihm aus dem Labor heraus. Eine gute halbe Stunde später schien es ihm weitaus besser zu gehen.

Nein, dies konnte wohl kaum eine alchemistische Herangehensweise ermöglichen, zu deutlich hatte Reika gespürt, dass dort Liedstrukturen versuchten in sie einzudringen. Strukturen die sie noch nie empfunden hatte, starke Strukturen. Obgleich... vielleicht konnte man ein zusammen wirken feststellen. Sie würde noch einmal mit einer Maske versuchen an das Innere dieses Pilzes zu gelangen. Doch allein war es zu gefährlich in ihrem gebrechlichen Zustand.

Mit der leeren Tasse in der Hand ging Reika nach kurzem Überlegen zu Nelrim.

"Gib dieses Schreiben bitte dem Veneficus Llhastobar so er eintrifft. Wir haben einen Versuch zu unternehmen!, eher flüsternd setzte sie dann hinzu: "und danke Nelrim.. wegen vorhin.. du weisst schon!" Damit machte der alte Mann sich auf um etwas zu ruhen.

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 14:13
von Demoar Llastobhar
Es war schon ein obskurer Anblick, wie das kleine Mädchen auf den hohen Steinstuhl kletterte und von ihm auf die Sitzfläche des Benachbarten, um direkt neben dem Alten Greis zur Ruhe zu kommen. Daraufhin richtete sich beider Blick in gewohnt neutraler Manier auf den Prüfling vor ihnen.

"Scolar Vastolan", piepste die Mädchenstimme, "Ihr möchtet heute Eure Prüfung zum Discipulus ablegen." Und so begann eine ganz gewöhnliche Prüfung mit zwei... nicht ganz so gewöhnlichen Prüfern.
Am Ende der Prüfung, nachdem der Prüfling den Raum verlassen hatte, ließen sich beide Magister von Nelrim einen warmen Tee aufbrühen und setzten sich vor den Kamin in der Academia. Es dauerte nicht lange, bis Reika von ihrem desaströsen Erlebnis des letzten Tages berichtete. Nickend verfolgte das Kind die Schilderung des Geschehenen und wachsendes Unbehagen keimte in ihm auf.
"Wir sollten versuchen, diese ganze Misere so schnell wie möglich zu beenden. Mir ist nicht wohl dabei, diese Pilze noch lange in meiner Akademie zu wissen. Außerdem möchte ich mich endlich wieder auf einen Stuhl setzen können, ohne umständliche Kletterübungen vollbringen zu müssen.", fügte er lakonisch an.
Auf das kurze Schmunzeln der Magistra hin, verdüsterten sich wieder beider Mienen. "Wir sollten unseren nächsten Versuch im Ritualraum wagen. Dort können wir einen Bannkreis ziehen und so sind wir hoffentlich geschützt.", schlug die Magistra vor. Nickend sprang Demoar vom Stuhl und eilte ins Büro, um die wohl versiegelte Schatulle zu holen. Gemeinsam gingen sie hinab in den Keller, passierten die Bibliothek und traten in den Ritualraum ein.

Mit dem letzten Rest Kreide aus dem Beutel in der Ecke des eher spärlich beleuchteten Raumes begannen sie ein Pentagramm und einen Bannkreis zu ziehen. Immer wieder huschten unruhige Schatten über die tiefen Fugen in der Wand und ließen die Statuen der Elemente unnatürlich echt wirken. Die Schatulle in der Mitte des Pentagramms wussten sie sie wohl verwahrt, als der Bannkreis geschlossen wurde.
Als Demoar die Hand erhob und auf die Schatulle deutete, begann abermals ein feiner blauer Schimmer am Verschluss entlang zu wandern, ehe ein vertrautes Klicken zu hören war und die Schachtel sich öffnete. Es dauerte kaum einige Sekunden, ehe abermals die vertraute, verderbte Präsenz im Lied zu spühren war. Immer wieder blinkten unruhige Lichter am Rand der vom Bannkreis geschaffenen Barriere auf, als versuche etwas die Barriere zu durchbrechen.
Nachdem sich Demoar und Reika davon überzeugt hatten, dass die Barriere hielt, beobachteten sie das Spektakel im Inneren. Wirre Schatten stiegen aus der Schatulle hervor und wabberten durch den vom Bannkreis begrenzten, kuppelartigen Raum. Wie ein dichter Nebel verschlangen die Wirbel einander, um sich kurz daraus aus ihrer eingegangen Einigung wieder selbst neu zu gebären und in wirrem Wandel die Wirklichkeit um sich herum in ihren Bann zu ziehen.

Ein dünnes rotes Leuchten am Hals des Kindes zeugte davon, dass Demoar abermals Verbindung zum Lied suchte, als er den Blick mitten hinein in sich wandelnden Nebel gerichtet hatte. "Irgendwie...", murmelte er und kniff die Augen zusammen, als erhoffe er, in der Ferne eine Feinheit zu erspähen. Ein winziges Detail nur, dessen einzigartige, unverkennbare Besonderheit es als das fehlende Puzzelteil auszeichnet, auf dessen Spur sie schon so lange ziellos wanderten. "Irgendwie...?", hörte er neben sich die tiefe, kehlige Stimme Reikas, was ihn aus seinen Überlegungen riß, wo er diese Strukturen bereits einmal gesehen hatte. "Irgendwie.. kommen diese Strukturen mir bekannt vo..." und abrupt hielt er inne, als er endlich in seinen Erinnerungen den Schleier über der Erinnerung lüftete, die er die ganze Zeit gesucht hatte. "Amphion hatte einmal eine ähnliche Illusion gewirkt. Einen Zauber mit sehr ähnlichen Strukturen." Auf die Frage, wie und was genau er getan hatte, konnte Demoar ihr zwar keine Auskunft mehr geben, doch allein die beinahe Gewissheit, es handele sich um eine Illusion, brachte die beiden einen gehörigen Schritt weiter.


Nachdem sie die Schatulle geschlossen, Bannkreis und Pentagramm durchbrochen und alles wieder verstaut hatten, saßen die beiden abermals vor dem Kamin und beratschlagten, wie sie nun vorgehen sollten. Für das folgende Ritual würden sie wohl alle Kraft benötigen, die die Academia entbehren konnte. So ließ Demoar Nelrim umgehend einen Aushang anfertigen.
Während sie sich beratschlagten, sah Demoar immer wieder den Blick des Alten auf seine Kette huschen, bis Reika schließlich darauf zu sprechen kam. "Vielleicht sollten wir beide uns sehr wichtige Dinge austauschen, um die Beziehung zum jeweils anderen nicht zu verlieren", meinte sie zögernd, während sie ihrerseits an einem goldenen Ring um ihren Finger fummelte.

Unwillkuerlich wandte Demoar den Blick auf die Kette, die nun viel zu lang um den Kindlichen Hals hing. Wollte er seine Kette weggeben? Das Artefakt, das er zu seiner Veneficusprüfung geschaffen hatte? Aber, wenn es nur eine Möglichkeit gab, ihre Chancen auf eine Beendigung dieses Desasters zu erhöhen gab, dann würde ihm kaum eine andere Wahl bleiben, als diese zu ergreifen. Erst als Reika ihm beteuerte, dass er die Kette alsbald wieder bekäme und ihn damit aus seinen Gedanken riß, die unterdess schon fortgewandert waren, hin zu der Prüfung, die er damals abgelegt hatte, nickte Demoar zögernd. Ein dünner Finger berührte den Verschluss der Kette und ein roter Funke huschte durch das Silber, ehe ein leises Klicken ertönte und ihm die Kette in die Hand fiel. Er reichte sie ihr und erhielt im Austausch den Ring, der mit einer Inschrift von ihrem Bruder versehen war. Nickend betrachtete er ihn.
"Hoffen wir, dass das was wird..."

Verfasst: Freitag 28. Dezember 2007, 11:01
von Reika Lypsan
Der alte Zausel saß sichtlich irritiert in den Hallen der Akademie. Nach und nach trafen die Scolaren und Discipuli ein.

Nelrim und er hatten alles sie betreffende für das Ritual gerichtet und besorgt.

Wo blieb nur der Veneficus??

Die Schüler blickten abwartend in die Runde und er sah immer wieder einen auffordernden Blick in seine Richtung.

Er versuchte seine Konzentration zu behalten, doch merkte er minütlich wie seine Stimmung selber andere Töne annahm.

Dieser vermaledeite alte Körper nahm so langsam auch seinen Geist in Anspruch!. Unwirsch reagierte er auf Fragen der Schüler wie er sich denn fühle in dieser Gestalt.

Nach einem lauten Ausbruch entschuldigte er sich bei den Schülern. Sie konnten ja nichts dafür, dass der Veneficus offenbar verhindert zu sein schien. Hoffentlich war ihr nichts zugestoßen.

Eine Kindsentführung wohlmöglich??

Reika seufzte und der behaarte Brustkorb hob und senkte sich deutlich.

Er entschuldigte sich bei den Schülern murrte Nelrim noch ein "Danke" zu und begab sich in seine Gemächer.

Morgen würde er sich auf die Suche begeben.

Er musste aus diesem Körper heraus... und das ging nur mit Hilfe des kleinen Mädchens in was sich Demoar verwandelt hatte.