Gastfreundschaft auf angurisch
Verfasst: Montag 17. Dezember 2007, 13:58
Drei oder vier Fasane hätten es sein sollen und etwas Tanne.
Angesteckt von der Geschäftigkeit Miladys hatten Shaya und Savea beschlossen, auch in das Elbenau’sche Anwesen winterliches Grün zu bringen, einige Zweige hier, einige Zweige dort, versehen mit ein paar Schleifen und Windlichtern.
Als hätten die Fasane von ihren Absichten gewußt, zogen sie es vor, sich zu verstecken und ohne, dass sie auch nur einen von ihnen zu Gesicht bekommen hätten, setzte die Dunkelheit ein und leichter Schneefall.
Um die Bogensehnen zu schonen, suchten sie zunächst Schutz unter einer gut gewachsenen Tanne und wärmten sich an einem kleinen Feuer. Die mitgenommenen Äpfel hingen an Stöcken in den Flammen und färbten die Apfelschale braun. Der aufsteigende Geruch erinnerte an Kindertage, längst vergessene Zeiten.
Sie waren guter Dinge, scherzten, lachten. Dicht an der Tanne knackten Zweige und zwei Fellberge schoben sich in ihr Sichtfeld. Es war an sich nichts Ungewöhnliches mehr auf dem Festland Angurern zu begegnen, der erste Schreck jedoch ließ die Äpfel von den Stöcken purzeln und verbrennen.
Die beiden Fellbekleideten setzten sich zu ihnen ans Feuer und trotz der Verständigungsschwierigkeiten schienen alle vier guter Dinge zu sein, Savea bot ihnen zwei ungebratene Äpfel an, die sie offensichtlich erfreut entgegen nahmen und verspeisten.
Die Zeit schritt voran, das Feuer brannte langsam herunter und langsam kristallisierte sich das Anliegen der Angurer heraus. Sie hatten Arbeit anzubieten und suchten Freiwillige.
In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der spürbar werdenden Kälte lehnten Shaya und Savea das Angebot dankend ab.
Beinahe fürsorglich schälte sich der Hüne aus seinem Fell und legte es um Saveas Schultern und wickelte sie darin ein, einschließlich der Arme. Ein freundschaftlich anmutendes Schulter tätscheln des Riesen, während Shaya an der umständlichen Kommunikation mit der Angurin verzweifelt und Savea auffordert, es nochmal zu versuchen. Aus dem Fell stiegen Duftnoten, die sie derart konzentriert noch nie zuvor hatte riechen dürfen, das Gesicht nahm eine vornehme Blässe an, der Atem konzentriert flacher.
„Wenn du dir das Fell umlegen läßt, bekomme ich vielleicht genügend Luft, um sprechen zu können.“ Kam es gedämpft von Savea.
Während Shaya und Savea abwogen, wer es nun besser könne, hatten sich die beiden Kälteresistenten wohl dazu entschlossen, ihrem Angebot eine künstlerische Einlage hinzuzufügen, so begann der Angure eine recht einfache, wie eintönige Melodie zu brummen, die er mit Händeklatschen in wirrem Takt untermalte, während die eigentliche Künstlerin begann sich dazu im Takt zu wiegen.
„Vielleicht suchen sie keine Arbeiter, sondern Arbeit im hiesigen Theater.“ Raunte Savea Shaya zu.
„Ich weiß nicht, ob das wirklich ankommt.“
„Nicht, wenn sie ihre Felle ans Publikum verteilen.“ Sich bemühend, die Nase höher zu halten, um nebst Fellgeruch etwas der frischen Winterluft einzuatmen, fügt sie dann nach einigen Powacklern und anderen Verrenkungen der Angurin mit etwas Galgenhumor an:
„Sie will dich bezirzen Shaya.“
„Da muß sie dann aber noch dran üben, das ist doch eher albern, denn wirkungsvoll?“
Was Savea hierauf hätte antworten wollen, bleibt im verborgenen, denn Der Hüne machte sich daran, das Fell ein drittes Mal um sie zu schlingen, was ein Stoßgebet ihren Lippen entgehen ließ: „Temora hilf.. lieber frieren, als ersticken!“
Vermutlich deutete der Angure die Worte falsch und stülpte ihr seinen Bärenfellschädel auf den Kopf. Es mochte dem Umstand zu verdanken sein, dass dieser für Saveas Kopf reichlich groß war und ihr somit nicht nur den Atem, sondern auch die Sicht nahm.
Nach Luft ringend versuchte sie ihm zu versichern, dass ihr inzwischen warm genug wäre und derart großzügige Fürsorge wirklich nicht nötig sei.
Sie erhob sich aus der Hocke und hüpfte herum, in der Hoffnung, das Fell würde sich etwas lockern. Während die Angurin und Shaya nun eifrig über Tänze plauderten, wähnte Savea die Hand des Hünen auf ihrer Schulter als zu Hilfe kommenden und verharrte still.
Bereits im nächsten Moment fühlte sie sich gepackt und spürte seine Pranke auf ihrem Mund, die jede verbale Abwehr zunichte machen sollte.
Er schleifte sie Abseits des Geschehens und verschnürte sie mit Hilfe eines Seils zu einem Paket. Zu einer anderen Zeit, in einem anderen Land hätte es den Eindruck machen können, hier würde ein gerollter Fellteppich zum Verkauf geboten.
„Sha...“ nutzte sie den Moment, der ihren Mund von seiner Hand befreite, brüllend aus, nur um kurz darauf einen ledernen Lappen im Mund zu spüren. Ab sofort hatte sie ausreichend zu tun, den Brechreiz nieder zu kämpfen.
Pure Angst kroch durch ihre Eingeweide und lähmte selbst die Gedanken für eine Weile.
Ihr halber Ruf war jedoch gehört worden. Shaya wurde aufmerksam, suchte nach ihr, die Angurin ihr stetig auf den Fersen. Als anzunehmen war, dass Shaya sie entdecken könnte, überredete die Angurin mit schlagfertigen Argumenten Shaya, die Suche einzustellen.
Sie schlug sie bewußtlos.
Durch die Fellmütze hörte Savea gedämpft, wie sich eine Frau und ein Mann dem Geschehen näherten. Während die Frau versuchte, ihnen zu Hilfe zu kommen, erklärte sich der Mann bereit, das Saveabündel für eintausend Münzen zu tragen, wohin die Anguren sie haben wollten. Seine Stimme brannte sich in ihr Gedächtnis.
Die Schritte der Frau und es Hünen entfernten sich schnell, unklar, ob sie weglaufen konnte, oder ob sie einen schnellen, aber frühen Tod erlitt.
Viele Stunden später fanden sich Shaya und Savea in einem, durch hohe Holzzäune und ein großes Eisentor geschützten, Winterlager wieder. Hier durften sie sich frei bewegen. Ein großes Zelt aus Lederlagen, der Boden mit Fellen ausgelegt. Draußen ein Lagerfeuer, Felle auf dem verschneiten Boden boten Sitzgelegenheiten. Sie wurden schnell gewahr, dass sie nicht die einzigen waren, die das Lager bewohnten und nun von der schier rührenden Gastfreundschaft der Anguren profitierten.
Wenn man etwas geschenkt bekommt, gebieten gute Sitte und Anstand, entgegengebrachte Gaben zu erwidern. So versprühte Savea ihren angeborenen Liebreiz unter den Anguren, so manch Blick wollte Löcher in deren befellte Rücken brennen.
Der hilfsbereite Bündelträger wurde nicht gleich wieder nach Hause geschickt mit seinen verdienten Münzen, sondern ebenfalls eingeladen, noch zu verweilen.
Savea erkannte seine Stimme und unterdrückte den aufsteigenden Wunsch, ihm gleich mitten ins Gesicht zu springen.
„Ihr seid schon länger hier?“
„Nein, erst seit heute.“
„Dann könnt Ihr uns wohl auch nicht sagen, was uns hier erwartet.“
„Tja kann ich eben doch.. kostet aber wat.“
Für den Moment kostete es Savea den Rest an Selbstbeherrschung, dem Mistkerl nicht zu zeigen, dass sie genau wußte, wer er war und was er getan hatte.
„Und an was dachtet Ihr da?“
„Fürs erste.. Wasser.“
Sie dachte überhaupt nicht daran, ihm ihren Wasserschlauch zu überlassen, höchstens, ihm jenen um die Ohren zu hauen.
„Wir haben kein Wasser.“
„Gut... dann weiß ichs auch nicht.“
Die Nacht war kalt, trotz der Felle.
Sie sahen sich im Lichte das Lager genauer an. Zweifellos würde eine Flucht nicht ohne weiteres möglich sein. So überhaupt würde es gut durchdachter Planungen bedürfen.
Die Waffen waren allen abgenommen worden, wenngleich bei den Frauen auf eine Taschenkontrolle und Leibesvisitation verzichtet worden war. So war der Dolch ihr geblieben.
Die Zäune waren recht hoch, wie viele Wachen und ob überhaupt welche die Umzäunung bewachten war ungewiß. Bei den Toren jedoch ließen sich immer zwei, oder gar drei Wachen ausmachen.
Das Feuerholz wurde feucht und sie deckten es notdürftig mit Fellen ab. Das Feuer war wichtig, denn zum Teil bekamen sie rohes Fleisch, was sie selber braten mußten.
Sie wußte nicht, ob sie erfreut, erstaunt oder wütend sein sollte, als sie den ihr schon länger bekannten Anguren erblickte. Zunächst beschwor sie ihn, er solle dafür Sorge tragen, dass alle nach Hause dürften. Die abgehackte aber unmißverständliche Auseinandersetzung mit der augenblicklichen Situation ließ sie wissen, dass an dem Umstand vorerst nichts zu ändern sei.
„Wie lange?“
„Fhen all'z guttha, all'z guttha.“
„Wie lange?“
„Fhen thu makn fil, ni'k fil Zait hiarr. Fhen mak'n ni'k...“
Er brauchte den Satz nicht zu beenden, um zu verdeutlichen, was sie alle erwarten würde, sollten sie nicht die Arbeit erledigen, die ihnen aufgetragen werden würde.
Wenig tröstend erschien ihr auch der Umstand, dass es nicht im Sinne des alten Anguren war, Shaya und sie hier zu sehen.
„Chieftain spräckh, Clan mak'n. Mi thu spräckh, Schwea - ap'r mi ni'k känn'nzs spräckh fi mi folln. Mi hiarr sak'n thu: Makn guttha. Thus mak'ns all's guttha - all's guttha.“
Das Einzige was hier gerade gut war, war die Tatsache, dass er Fleisch, Fisch und Honig mitgebracht hatte und die kleine Genugtuung, dass er dem Hünen, der recht unsanft mit allen Gästen umging, eine Abreibung verpaßte und Savea den Auftrag gab, sollte der Kerl sich den Frauen nähern und sie anfassen, es dem Alten mitzuteilen.
Sie waren sich also untereinander nicht einig? Daraus ließe sich doch vielleicht etwas machen.
Am Abend versuchte sie ein weiteres Mal aus Ben, wie sich ihr Träger nannte, etwas heraus zu bekommen.
„Ihr wolltet einen Lagebericht geben.“
„Was wills'u wisse?“
„Alles vom Schiff bis hierher.“
„Dat sag ich nich. Ihr sollt mir nich alleine abhaun'. Wichtig is: Frostriesen und Wache am Hafen.“
„Die Wache am Hafen kennen wir! Die Wache vor dem Tor auch! Die Riesen waren gestern deutlich zu hören! Und nun redet!“
„Ney... dat ist meine Lebensversicherung.“
„Was sollte uns wohl hindern, Eurem jämmerlichen Leben ein Ende zu setzen und die anderen zu fragen, wie sie hergekommen sind?
„Ick weiß es wie die her sind... im Sack.“
Er wollte eine Lebensversicherung? Er wollte Wasser als Bezahlung?
Er sollte mehr Wasser bekommen, als er sich wünschen würde.
Sie füllte Krüge mit Schnee, stellte sie ans Feuer zum Auftauen. Als Ben schlief, nahmen sie die nun mit Wasser gefüllten Krüge mit ins Zelt und begossen, um seinen Körper herum, das Fell auf dem er lag...
Angesteckt von der Geschäftigkeit Miladys hatten Shaya und Savea beschlossen, auch in das Elbenau’sche Anwesen winterliches Grün zu bringen, einige Zweige hier, einige Zweige dort, versehen mit ein paar Schleifen und Windlichtern.
Als hätten die Fasane von ihren Absichten gewußt, zogen sie es vor, sich zu verstecken und ohne, dass sie auch nur einen von ihnen zu Gesicht bekommen hätten, setzte die Dunkelheit ein und leichter Schneefall.
Um die Bogensehnen zu schonen, suchten sie zunächst Schutz unter einer gut gewachsenen Tanne und wärmten sich an einem kleinen Feuer. Die mitgenommenen Äpfel hingen an Stöcken in den Flammen und färbten die Apfelschale braun. Der aufsteigende Geruch erinnerte an Kindertage, längst vergessene Zeiten.
Sie waren guter Dinge, scherzten, lachten. Dicht an der Tanne knackten Zweige und zwei Fellberge schoben sich in ihr Sichtfeld. Es war an sich nichts Ungewöhnliches mehr auf dem Festland Angurern zu begegnen, der erste Schreck jedoch ließ die Äpfel von den Stöcken purzeln und verbrennen.
Die beiden Fellbekleideten setzten sich zu ihnen ans Feuer und trotz der Verständigungsschwierigkeiten schienen alle vier guter Dinge zu sein, Savea bot ihnen zwei ungebratene Äpfel an, die sie offensichtlich erfreut entgegen nahmen und verspeisten.
Die Zeit schritt voran, das Feuer brannte langsam herunter und langsam kristallisierte sich das Anliegen der Angurer heraus. Sie hatten Arbeit anzubieten und suchten Freiwillige.
In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der spürbar werdenden Kälte lehnten Shaya und Savea das Angebot dankend ab.
Beinahe fürsorglich schälte sich der Hüne aus seinem Fell und legte es um Saveas Schultern und wickelte sie darin ein, einschließlich der Arme. Ein freundschaftlich anmutendes Schulter tätscheln des Riesen, während Shaya an der umständlichen Kommunikation mit der Angurin verzweifelt und Savea auffordert, es nochmal zu versuchen. Aus dem Fell stiegen Duftnoten, die sie derart konzentriert noch nie zuvor hatte riechen dürfen, das Gesicht nahm eine vornehme Blässe an, der Atem konzentriert flacher.
„Wenn du dir das Fell umlegen läßt, bekomme ich vielleicht genügend Luft, um sprechen zu können.“ Kam es gedämpft von Savea.
Während Shaya und Savea abwogen, wer es nun besser könne, hatten sich die beiden Kälteresistenten wohl dazu entschlossen, ihrem Angebot eine künstlerische Einlage hinzuzufügen, so begann der Angure eine recht einfache, wie eintönige Melodie zu brummen, die er mit Händeklatschen in wirrem Takt untermalte, während die eigentliche Künstlerin begann sich dazu im Takt zu wiegen.
„Vielleicht suchen sie keine Arbeiter, sondern Arbeit im hiesigen Theater.“ Raunte Savea Shaya zu.
„Ich weiß nicht, ob das wirklich ankommt.“
„Nicht, wenn sie ihre Felle ans Publikum verteilen.“ Sich bemühend, die Nase höher zu halten, um nebst Fellgeruch etwas der frischen Winterluft einzuatmen, fügt sie dann nach einigen Powacklern und anderen Verrenkungen der Angurin mit etwas Galgenhumor an:
„Sie will dich bezirzen Shaya.“
„Da muß sie dann aber noch dran üben, das ist doch eher albern, denn wirkungsvoll?“
Was Savea hierauf hätte antworten wollen, bleibt im verborgenen, denn Der Hüne machte sich daran, das Fell ein drittes Mal um sie zu schlingen, was ein Stoßgebet ihren Lippen entgehen ließ: „Temora hilf.. lieber frieren, als ersticken!“
Vermutlich deutete der Angure die Worte falsch und stülpte ihr seinen Bärenfellschädel auf den Kopf. Es mochte dem Umstand zu verdanken sein, dass dieser für Saveas Kopf reichlich groß war und ihr somit nicht nur den Atem, sondern auch die Sicht nahm.
Nach Luft ringend versuchte sie ihm zu versichern, dass ihr inzwischen warm genug wäre und derart großzügige Fürsorge wirklich nicht nötig sei.
Sie erhob sich aus der Hocke und hüpfte herum, in der Hoffnung, das Fell würde sich etwas lockern. Während die Angurin und Shaya nun eifrig über Tänze plauderten, wähnte Savea die Hand des Hünen auf ihrer Schulter als zu Hilfe kommenden und verharrte still.
Bereits im nächsten Moment fühlte sie sich gepackt und spürte seine Pranke auf ihrem Mund, die jede verbale Abwehr zunichte machen sollte.
Er schleifte sie Abseits des Geschehens und verschnürte sie mit Hilfe eines Seils zu einem Paket. Zu einer anderen Zeit, in einem anderen Land hätte es den Eindruck machen können, hier würde ein gerollter Fellteppich zum Verkauf geboten.
„Sha...“ nutzte sie den Moment, der ihren Mund von seiner Hand befreite, brüllend aus, nur um kurz darauf einen ledernen Lappen im Mund zu spüren. Ab sofort hatte sie ausreichend zu tun, den Brechreiz nieder zu kämpfen.
Pure Angst kroch durch ihre Eingeweide und lähmte selbst die Gedanken für eine Weile.
Ihr halber Ruf war jedoch gehört worden. Shaya wurde aufmerksam, suchte nach ihr, die Angurin ihr stetig auf den Fersen. Als anzunehmen war, dass Shaya sie entdecken könnte, überredete die Angurin mit schlagfertigen Argumenten Shaya, die Suche einzustellen.
Sie schlug sie bewußtlos.
Durch die Fellmütze hörte Savea gedämpft, wie sich eine Frau und ein Mann dem Geschehen näherten. Während die Frau versuchte, ihnen zu Hilfe zu kommen, erklärte sich der Mann bereit, das Saveabündel für eintausend Münzen zu tragen, wohin die Anguren sie haben wollten. Seine Stimme brannte sich in ihr Gedächtnis.
Die Schritte der Frau und es Hünen entfernten sich schnell, unklar, ob sie weglaufen konnte, oder ob sie einen schnellen, aber frühen Tod erlitt.
Viele Stunden später fanden sich Shaya und Savea in einem, durch hohe Holzzäune und ein großes Eisentor geschützten, Winterlager wieder. Hier durften sie sich frei bewegen. Ein großes Zelt aus Lederlagen, der Boden mit Fellen ausgelegt. Draußen ein Lagerfeuer, Felle auf dem verschneiten Boden boten Sitzgelegenheiten. Sie wurden schnell gewahr, dass sie nicht die einzigen waren, die das Lager bewohnten und nun von der schier rührenden Gastfreundschaft der Anguren profitierten.
Wenn man etwas geschenkt bekommt, gebieten gute Sitte und Anstand, entgegengebrachte Gaben zu erwidern. So versprühte Savea ihren angeborenen Liebreiz unter den Anguren, so manch Blick wollte Löcher in deren befellte Rücken brennen.
Der hilfsbereite Bündelträger wurde nicht gleich wieder nach Hause geschickt mit seinen verdienten Münzen, sondern ebenfalls eingeladen, noch zu verweilen.
Savea erkannte seine Stimme und unterdrückte den aufsteigenden Wunsch, ihm gleich mitten ins Gesicht zu springen.
„Ihr seid schon länger hier?“
„Nein, erst seit heute.“
„Dann könnt Ihr uns wohl auch nicht sagen, was uns hier erwartet.“
„Tja kann ich eben doch.. kostet aber wat.“
Für den Moment kostete es Savea den Rest an Selbstbeherrschung, dem Mistkerl nicht zu zeigen, dass sie genau wußte, wer er war und was er getan hatte.
„Und an was dachtet Ihr da?“
„Fürs erste.. Wasser.“
Sie dachte überhaupt nicht daran, ihm ihren Wasserschlauch zu überlassen, höchstens, ihm jenen um die Ohren zu hauen.
„Wir haben kein Wasser.“
„Gut... dann weiß ichs auch nicht.“
Die Nacht war kalt, trotz der Felle.
Sie sahen sich im Lichte das Lager genauer an. Zweifellos würde eine Flucht nicht ohne weiteres möglich sein. So überhaupt würde es gut durchdachter Planungen bedürfen.
Die Waffen waren allen abgenommen worden, wenngleich bei den Frauen auf eine Taschenkontrolle und Leibesvisitation verzichtet worden war. So war der Dolch ihr geblieben.
Die Zäune waren recht hoch, wie viele Wachen und ob überhaupt welche die Umzäunung bewachten war ungewiß. Bei den Toren jedoch ließen sich immer zwei, oder gar drei Wachen ausmachen.
Das Feuerholz wurde feucht und sie deckten es notdürftig mit Fellen ab. Das Feuer war wichtig, denn zum Teil bekamen sie rohes Fleisch, was sie selber braten mußten.
Sie wußte nicht, ob sie erfreut, erstaunt oder wütend sein sollte, als sie den ihr schon länger bekannten Anguren erblickte. Zunächst beschwor sie ihn, er solle dafür Sorge tragen, dass alle nach Hause dürften. Die abgehackte aber unmißverständliche Auseinandersetzung mit der augenblicklichen Situation ließ sie wissen, dass an dem Umstand vorerst nichts zu ändern sei.
„Wie lange?“
„Fhen all'z guttha, all'z guttha.“
„Wie lange?“
„Fhen thu makn fil, ni'k fil Zait hiarr. Fhen mak'n ni'k...“
Er brauchte den Satz nicht zu beenden, um zu verdeutlichen, was sie alle erwarten würde, sollten sie nicht die Arbeit erledigen, die ihnen aufgetragen werden würde.
Wenig tröstend erschien ihr auch der Umstand, dass es nicht im Sinne des alten Anguren war, Shaya und sie hier zu sehen.
„Chieftain spräckh, Clan mak'n. Mi thu spräckh, Schwea - ap'r mi ni'k känn'nzs spräckh fi mi folln. Mi hiarr sak'n thu: Makn guttha. Thus mak'ns all's guttha - all's guttha.“
Das Einzige was hier gerade gut war, war die Tatsache, dass er Fleisch, Fisch und Honig mitgebracht hatte und die kleine Genugtuung, dass er dem Hünen, der recht unsanft mit allen Gästen umging, eine Abreibung verpaßte und Savea den Auftrag gab, sollte der Kerl sich den Frauen nähern und sie anfassen, es dem Alten mitzuteilen.
Sie waren sich also untereinander nicht einig? Daraus ließe sich doch vielleicht etwas machen.
Am Abend versuchte sie ein weiteres Mal aus Ben, wie sich ihr Träger nannte, etwas heraus zu bekommen.
„Ihr wolltet einen Lagebericht geben.“
„Was wills'u wisse?“
„Alles vom Schiff bis hierher.“
„Dat sag ich nich. Ihr sollt mir nich alleine abhaun'. Wichtig is: Frostriesen und Wache am Hafen.“
„Die Wache am Hafen kennen wir! Die Wache vor dem Tor auch! Die Riesen waren gestern deutlich zu hören! Und nun redet!“
„Ney... dat ist meine Lebensversicherung.“
„Was sollte uns wohl hindern, Eurem jämmerlichen Leben ein Ende zu setzen und die anderen zu fragen, wie sie hergekommen sind?
„Ick weiß es wie die her sind... im Sack.“
Er wollte eine Lebensversicherung? Er wollte Wasser als Bezahlung?
Er sollte mehr Wasser bekommen, als er sich wünschen würde.
Sie füllte Krüge mit Schnee, stellte sie ans Feuer zum Auftauen. Als Ben schlief, nahmen sie die nun mit Wasser gefüllten Krüge mit ins Zelt und begossen, um seinen Körper herum, das Fell auf dem er lag...