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Die Marter der Kyr'xia

Verfasst: Sonntag 16. Dezember 2007, 22:59
von Xorudryr
Ihr vor einigen Tagen noch so geschundener Körper ließ kaum noch auf den von ihm initiierten Übungskampf gegen ihre Schwester Vevlyr’tae schließen. Dem schlanken gar grazilen Körper Kyr’xias ermangelte es allerdings noch immer an gestählten Muskelpartien. Es würde seine Aufgabe sein dafür Sorge zu tragen und wenn er sie mit einer Peitsche vor sich hertreiben müsste. Ein letzter inspizierender Blick, als stände er auf dem Markt und überprüfe die frische Ware auf vermeidliche Mängel hin, ehe er sein Wort erhob. Die Stimme kaum merklich die Grenze zum Leisen überschreitend, er war sich sicher diese Lethra würde ihm zu hören: „Ihr seid bereit für eure erste Unterweisung, Lethra?“ Der Unterton der seiner Stimme mitschwank offenbarte, dass dies lediglich eine rhetorische Frage und ihre bejahende Antwort fast schon als überflüssig dastehen ließ.
In bogenhaftem Schwung warf er der Kyr’xia das hölzerne Übungsschwert entgegen, das bis zu jenem Zeitpunkt noch ruhig an seiner Seite herabhing. Linkisch oder einfach nur konsterniert über die plötzliche Reaktion fing selbige es mit beiden Händen noch auf. „Eure Schmach im Kampf war ja kaum zu übersehen, Lethra. Wir beginnen mit den Grundlagen, diese sollten selbst für euch, nicht zu schwer sein.“ Mit gesenktem Blick und stoischer Beherrschung empfing die Lethra all die kleinen versteckten Spitzen. Abrupt tauchten die spinnenbeingleichen Finger aus seinen Robenärmeln hervor und umschließt ihre Hand auf dem Waffenknauf. Penibel werden ihre Finger gewissenhaft zurecht gerückt, hier ein Finger, dort ein Finger. „So hält man ein Schwert, merkt es euch... ein für alle mal!“ Die feingliedrigen Finger Xorudryrs Hand lösten sich von ihr, während seine Lethra den verordneten Griff in den unterschiedlichsten Handbewegungen zu überprüfen und einzuprägen schien. Urplötzlich klatschte die flache Hand gegen die Übungswaffe, die Lethra nicht verunsichernd und weiterhin die Waffe sicher in ihrer Hand haltend, ein knappes aber anerkennendes Kopfnicken. Die Angespanntheit auf ihrem Gesicht wich für einen Wimpernschlag dabei aufgrund seiner Befürwortung ihres Griffes. Als wolle er nicht zu viel Zeit auf Lob verschwenden fuhr er mit ruhigem Ton zum nächsten Punkt fort: „Eure Beinarbeit war ja fast genauso grässlich, wie eure Schwerthaltung.“ Kyr’xias Mimik zog sich unwillkürlich wieder angestrengt zusammen. Ohne Vorwarnung schoss sein bestiefelter Fuß unter der aufwallenden Robe hervor, abzielend auf die Innenseiten eines ihrer Füße. Die schlanken Beine der Lethra gaben ein wenig nach, für einen Moment so aussehend als knicke sie ein. Mit dem Körpergewicht leicht zur Seite neigend fängt sie den abrupten Druck ab und lässt das weitere auseinanderspreizende Zurechtrücken ihres Standes anstandslos über sich ergehen.
Man konnte nicht von der Hand weisen, dass sie begierig war zu lernen, sie würde vermutlich jedes Worte aus seinem Mund gewissenhaft aufsaugen und verinnerlichen.
Die zu ihnen herüber klingenden Fußschritte und dessen Quell ließen die weitere Übungsstunde aussetzen. Die Laune Mory’taels schien chronisch miserabel, als der Erzlethyr in Xorudryrs Unterweisung der Lethra Kyr’xia hineinplatzte, es war als brauchte es nur einen unbedachten Funken, um den greisen Lethyr aufs Bitterste erzürnen zu lassen. Und prompt war es als hielte jemand ein lichterlohes Streichholz an das Sprengfass Mory’tael. Ein unbedachtes Wort war es nur: „Bruder“ – als seine Lethra den Erzlethyren in ihrer Begrüßung so anmaßend betitulierte, sah er schon vor dem geistigen Auge ihren Tod. „Bruder?“, echote die zornige Stimme klang in der ganzen Höhle nach. „Welches deiner Augen war so schwach und erkannte seinen Meister nicht auf Anhieb?“ Die demütigen Beteuerungen und Entschuldigungen der Lethra schienen den Erzlethyr nur noch mehr anzustacheln. Seine erste Unterweisung der Lethra, seit er sich vor einigen Tagen ihrer Ausbildung angenommen hatte, und schon kam es zu diesem Fauxpas. Xorudryrs Augenpartie zog sich einschärfend zusammen und die aufflackernden Augen warfen Kyr’xia einen warnenden Blick zu, er strebte nicht danach sich durch ihr weiteres Verhalten auch noch den aufschäumenden Zorn des Erzlethyren zuzuziehen und gleich wohlmöglich nach einem Tag die Lethra durch einen verbalen Fehltritt zu verlieren, ließ ihn auch nicht im Glanzlicht dastehen. Seine Lethra ließ die weitere Peinigung durch Mory’tael ausgeliefert über sich ergehen.
Sollte ich dir jemals wieder die Gnade erweisen dich anzusprechen, wirst du mir von deinen großen Taten berichten und dich als Lethrixae bewiesen haben oder ich sehe dich als das was du jetzt bist: nutzlos und Futter für die Ara`thrax. Also stähle dich, Lethra.“, der Mund des greisen Mory’taels spuckte die Worte nur so vor Groll heraus. Der Wunsch danach nicht in der ihm anvertrauten Lethra zu versagen, ließ Xorudryr die auf den zweiten Blick wohl unbedachte Beteuerung verlauten, er würde dafür Sorge tragen, dass sie sich ändere. Es war als hätte er lediglich ungewünscht die Aufmerksamkeit von der Lethra auf sich gezogen, der fauchende Seitenblick des Erzlethyren ließ ihn jedoch augenblicklich wieder verstummen. Er hätte es besser wissen sollen. Die aus der inquisitorischen Abstrafung entlassenden Worte Mory’taels ließen wie eine Ewigkeit auf sich warten: „Nun geh mir aus den Augen und mehre deinen Zorn Lethra!
Er würde sie lehren, solch einen Fehltritt nicht noch einmal zu setzen. Wenn er sich schon ihrer Ausbildung annahm und sein Schicksal eng mit dem ihren verknüpfte würde so etwas nicht noch einmal passieren. Damit war die erste unglückliche Unterrichtsstunde vorerst beendet.