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Ein neuer Feind
Verfasst: Samstag 15. Dezember 2007, 03:52
von Arbaal Cane
Es war ein kalter Morgen und die Sonne war schon geraume Zeit zur Gänze aufgegangen „Pünktlichkeit war noch nie seine Stärke. Aber das er sich für diesen Kampf so viel Zeit lassen würde, hätte ich nicht gedacht“ murmelte er halblaut und starrte auf seine Axt. Sie schimmerte schwarz und schien das Licht selbst zu verschlucken. Er hatte aus der Vergangenheit gelernt. Sein Bruder mochte zwar mit Gift arbeiten, aber auf seiner Axt lag des EINEN Segen. „Ob er noch kommen würde? … Nein er würde hier auf ihn warten…“ Vögel schreckten auf und der galopierende Hufschlag eines Pferdes war zu vernehmen. „Na endlich!.. er wird’s nie lernen, selbst zu seinem Tod kommt er zu spät…“ irgend etwas trübt seine Vorfreude, etwas passt nicht. Die Gestalt zwar groß kam auf ihn zu doch konnte es nicht sein verfluchter Bruder sein. „Zu schmal, zu flink, ein Schild und ein Schwert… sein Bruder ein Schwert – niemals!“ Da kam auch schon etwas auf ihn zugeflogen – ein Kopf. Er drehte ihn mit seinem Plattenstiefel zurecht so dass er ihn erkennen könne. Eine Wutverzerrte Fratze schneeweißes Haar und Augen in denen noch immer der Wahnsinn brannte – „Cyron!“ Hier lag tatsächlich der Kopf seines Bruders. Er trat benommen einen Schritt zurück, riss den Blick los und war ihn wutschnaubenden auf die Gestalt. Eine Frau!? „Viviane?!“ er hatte sie schon nicht mehr gesehen seit sie … egal sie würde sterben wie sein Bruder! Einen Atemzug lang hielt er inne, ging in sich und sammelte seine Wut seinen Hass. Erhobt festen Griffes seine Axt und stürmte unter lautem Gebrüll auf sie los.
Verfasst: Samstag 15. Dezember 2007, 18:15
von Viviane Cane
Eigentlich hätte es eine ruhige Nacht werden sollen, aber irgendwer mußte auf dem Weg heimwärts wieder einmal Streit suchen. Seufzend fasste sie an ihre linke Seite, das Schwert halb hervorziehend versuchte sie die bullige Gestalt ihr gegenüber zu erkennen. Schneeweißes Haar, das wahnsinnige Brüllen gleich dem eines Tieres, blutgieriger Blick, der axtschwingende Hüne ihr gegenüber, dies konnte nur ihr Bruder Cyron sein.
"Viviane!" entgegnete ihr dieser lautstark. "Welch Überraschung dich hier zu treffen! Eigentlich wollte ich mich auf den Weg ostwärts machen um meinen widerwärtigen Bruder zu richten! Doch trotz allem kommst du nicht ungelegen! Ich werde dich töten, dir deine Eingeweide rausreissen, an die Hunde verfüttern und dein Blut Alatar opfern!" brüllte er.
"Cyron. Nun, ich habe dich lange nicht gesehen, doch nach wie vor setzt es mich in Erstaunen, das du es schaffst aufrecht auf zwei Beinen zu stehen. Deinem Verstand nach zu Urteilen müßtest du eigentlich längst auf allen Vieren laufen." erwiderte Viviane seufzend und zog die Klinge zur Gänze.
Mit einem neuerlichen Brüllen erhob Cyron die Axt und griff an. Treffen lassen durfte sie sich nicht von dieser gewaltigen Axt, selbst ihr Schild wäre von nur zweifelhaftem Vorteil gewesen, also verzichtete sie darauf. Schnelligkeit war in diesem Fall nun alles was zählte. Geschickt schlüpfte sie zwischen seinen Hieben hindurch, immer und immer wieder gelang ihr es ihm kleinere Wunden zuzufügen. Doch schien das er weder den Schmerz noch Erschöpfung wahrnahm, im Gegenteil, es schien ihn nur rasender zu machen, wild um sich schlagend deckte er sie mit heftigen Schlägen ein. „Ich muss was tun lange halt ich das nicht mehr durch“ kam es ihr in den Sinn. Mit einer Selbstsicherheit holte Cyron nun zum entscheidenten Schlag aus, doch übersah er einen Fehler in seiner Deckung. In der darauf folgenden fließenden konternden Bewegung trennte Viviane ihm schließlich das Haupt von den Schultern.
Schnaufend blickte sie auf den leblosen Körpers ihres Bruders. So war er also gefallen, ein Ende, das dem eines Tieres würdig war. Nie wieder sollte er die Menschheit mit seiner erbärmlichen Existenz quälen.
Er wollte sich also auf den Weg ostwärts machen, um seinen Bruder zu richten. Nun gut, wenn sie die Gelegenheit hatte, auf einen ihrer anderen Brüder zu treffen würde sie jene nutzen. Sie begab sich etwas nach hinten, zu ihrem Pferd und stieg auf, um denjenigen ihrer Brüder zu finden, mit dem sich Cyron treffen wollte.
Nach einiger Zeit fand sie ihn schließlich. Der Kriegsaxt an seiner Seite nach zu urteilen konnte es nur Arbaal sein, denn Vardek bevorzugte das Schwert, ausserdem wäre jener einer solchen Aufforderung Cyrons kaum nachgekommen. Sie griff zu dem Haupte Cyrons, das sie mitgenommen hatte, und warf jenes ihrem anderen Bruder zu.
"Sieh ihn dir an, Arbaal! Sieh, wozu sein Weg ihn führte, und erkenne das Schlechte, das..." begann sie, doch sie sollte nicht weiter zu sprechen kommen, denn Arbaal griff zu der Axt und nahm den Schild vom Rücken, sodaß sich Viviane gewzungen sah, vom Pferd zu steigen und ebenfalls die Waffen zu ziehen. „Der Wahnsinn seines älteren Bruders wohnt wohl in ihm mittlerweile genauso inne“ dachte sie bei sich, hob das Schild an und ging in Kampfstellung.
"Arbaal, ich bin nicht hier um dich zu töten..." versuchte sie noch einmal, ihren Bruder zur Vernunft zu bringen, doch jener beachtete sie nicht, mit zornerfülltem Gesicht griff er schließlich an. Er hatte zwischenzeitlich beträchtlich dazu gelernt und deckte sie mit gut kombinierten und kurzen Hieben ein sodass es ihr nicht möglich war seine Deckung zu durchdringen. Es war erst der zweite Schlag, den sie mit der Klinge abfing und schon splitterte sie. Innerlich verfluchte sie in diesem Moment Canor, ihren Oheim, das er ihm solch hervorragende Waffe geschmiedet hatte. Sein Gewicht nach vorne verlegend, den Schild an ihren pressend konnte sie sogar sein wütendes Schnauben hören, verzweifelt versuchte sie so gut es ging stand zu halten. Aber genau das sollte ihm zum schlußendlich zum Verhängnis werden. Wich sie doch unerwartet zurück und lies ihn in ihre gebrochene Klinge stolpern. Direkt in den Sichtschlitz seines Helmes fand die Klinge ihren Weg, lediglich das Parriergestänge gebot Einhalt. Aus der Hand der Kriegerin gerissen verweilte die Klinge schließlich in dem leblosen Körper. Mit einer Mischung aus Bedauern und Erleichterung atmete sie aus. Noch eine Zeit lang stand sie über den Körper bevor sie sich entschieden hatte was sie mit ihm tun wolle, schließlich beschloß sie ihn zu begraben, in der Hoffnung das er doch noch seinen Weg in Eluives Kreis finden würde. Seine Axt und Cyrons Kopf nahm sie mit heimwärts und begann eine Nachricht zu verfassen.
Verfasst: Sonntag 16. Dezember 2007, 13:47
von Vardek Cane
Es war früh am Morgen, er hatte vor kurzem das morgendliche Gebet vollendet und die schwarze Plattenrüstung angelegt als er ein leises Pochen von unten vernahm.
So begab er sich nach unten und öffnete die Tür, der beißende Geruch des Gemisches von Regen und Nebel lag in der Luft. Ein kleiner, in schlichte braune Straßenkleidung gehüllter Botenjunge mit einer verzierten Truhe in der Hand befand sich schlotternd vor dieser. Mißtrauisch begutachtete Vardek jenen abschätzend, aufgrund der Nervosität des Jungen vor ihm zu schlußfolgern konnte es sich wohl kaum um einen Boten handeln der aus der heiligen Stadt stammte.
"I-ich habe da eine Truhe für Ha-haus Cane" begann der Junge mit zittriger Stimme, dabei versuchend den verzierten Behälter dem Manne ihm gegenüber in die Hände zu drücken.
"Von wem ist diese Truhe?"
"Nun, dies wurde mir nicht mitget...." stammelte der Junge, ehe er von einem kräftigen Arm gepackt und in den Raum gezerrt wurde.
"Gut, du kommst mit." entgegnete Vardek und schloß die Türe.
"Aber..."
"Stelle die Truhe auf dem Thresen ab und setz dich auf den Stuhl dort!" befahl Vardek dem Jungen.
Eilig tat dieser wie geheissen und ließ sich ängstlich auf den Stuhl sinken.
"Ich..."
"Schweig. Und nun, wie hat denn dein Auftraggeber ausgesehen? Ein maskierter, großer, bulliger Hüne mit schneeweißem Haar?" sprach Vardek weiter, während er die Truhe öffnete.
"Nein, es war eine Da..a..a..". Die Worte des Jungen verwandelten sich schließlich in Wimmern, als der Krieger ihm gegenüber unbeeindruckt einen blutleeren Kopf und eine blutverschmierte, reichlich verzierte Axt aus der Truhe zog.
Vardeks Blick schweifte kurz über die beiden Gegenstände und dann neuerlich in die Truhe, um einen Aufschluss über den Versender von jener zu finden. Der Blick fiel dabei auf eine einzelne Lilie in einem roten Umhang, eine Lilie, die ach so geliebte Blume von seiner älteren, erbärmlichen Halbschwester Viviane, sie mußte demnach wohl noch am Leben sein. Arbaal mußte wohl einen der unzähligen Briefe von Cyron in die Hände bekommen haben und sich aufgemacht haben, um jenen zu richten. Dabei hatte er wohl kaum überraschend den Tod gefunden, und Viviane war dazu gestossen und hatte Cyron gerichtet. Nun hatte sie Vardek diese Lilie geschickt, um ihm den Tag zu ruinieren, doch sie irrte sich.
Cyron, dieser gewaltätige, von der Familie verstoßene Schlächter ohne Sinn und Verstand, und Arbaal, der nie verstand das Eifer und Fanatismus für seinen Gott bedeuteten, das Bestmöglichste für diesen zu erreichen und nicht darin, immer und jederzeit die Waffe zu ziehen, ja ihr Verlust war äußerst befriedigend für den Krieger.
Zwar war eine Totgeglaubte zurückgekehrt, aber Zwei waren gegangen. Wahrlich, dieser Tag schien ein guter Tag zu werden. Ja, ein hervorragender Tag. Für einen kurzen Moment verweilte Vardeks Blick noch auf dem Kopf und der Axt, ehe er sie achtlos in eine Ecke schleuderte und beschloß, sich wichtigeren Dingen zuzuwenden. Sollte Canor doch die Abfälle beseitigen. Ein Tölpel hatte vor kurzem die Haustürglocke beschädigt, und nun hiess es, einen Feinschmied zu finden der sie wieder reparierte. Und danach mußte er sich noch in die Stadtverwaltung begeben, das Problem mit den streunenden Hunden, die überall ihre Ausscheidungen hinterließen wurde schließlich immer entnervender.
Sichtlich gut gelaunt griff er in eine Seitentasche seiner Robe. Der Junge auf dem Stuhl begann daraufhin, wieder zu zittern und überaus nervös die Augen durch den Raum schweifen zu lassen, auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit, sich wohl bewußt zu sein etwas unglaublich Wichtiges gesehen zu haben und jetzt dafür mit dem Leben bezahlen zu müssen.
Erstaunt verharrte sein Blick schließlich ungläubig auf die Goldmünze, die ihm der Krieger hinreichte. "Hier, nimm dies und zieh deiner Wege!"
Der Botenjunge zögerte für einen Moment, eher er eiligst nach der Münze griff und zur Tür eilte, um so schnell wie möglich zu verschwinden.