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Der Wandel
Verfasst: Dienstag 11. Dezember 2007, 21:32
von Keriot
Keriot lag wach in seinem Zelt und lauschte dem Regen, der auf die Decke niedeprasselte. Es war ein langer Tag für ihn gewesen. All die Arbeiten mussten erledigt werden und dabei war an die Bücher gar nicht zu denken. Erst eben hatte er noch Holz gehackt und davor die Löcher im Stoff zu genäht und dies und das, da kam schon einiges zusammen und eigentlich war das alles auch schon viel zu spät. Es war kalt und bald würde es noch kälter werden und schneien. Der Regen machte ein trommelndes Geräusch. Keriot dachte sich, der Regen fällt von so weit oben und doch ist er so langsam, denn er fiel in keinem schnellen Takt und besonders laut war das Trommeln auch nicht. Ein Tropfen fiel ihm neben den Kopf. Er musste ein Loch übersehen haben, aber jetzt würde er es eh nicht mehr finden, wo alles dunkel war. Er drehte zur Seite und zog das Fell strammer um seinen Körper.
Keriot lebte nicht in der Wildnis, nein sein Zelt stand sogar dicht neben großen Fachwerkhäusern. Am Rande einer kleinen Wohnsiedlung, umgeben von Wald. Manchmal wünschte er sich weit weg zu leben, irgendwo in einem tiefen Wald, weit weg von allem Anderen. Eigentlich lebe er in der Wildnis, ging es ihm dann durch den Kopf. Er war umgeben von Menschen, die er gar nicht kannte. Nur manchmal, wenn er am Waldrand saß und sich die Siedlung so anschaute, sah er ihre Schatten an den Laden der Fenster zucken. Sie alle hatten Namen, er konnte sich bei gutem Licht an den Hausschildern ablesen, aber das es diese Menschen wirklich gibt, das konnte er nicht wissen. Diese Schatten waren die einzigen Zeugnisse ihrer Existenz: einfache Schatten, die bei Kerzenlicht an den Fensterladen flackerten.
Belustigend.
Verfasst: Mittwoch 12. Dezember 2007, 23:20
von Keriot
Wieder war ein langer Tag vorüber. Keriot saß auf einem Hocker an seinem kleinen Schreibtisch und schaute dabei zu, wie die Kerzenflamme mit dem leichten Zug, der von den Vorhängen kam, hin und hertanzte. Eigentlich wollte er dieses Buch noch zu Ende abschreiben, aber sein Tatendrang, kombiniert mit endloser Langeweile und entgegen dem allen seltsamer Lustlosigkeit hielten ihn davon ab. Auf das Bild der Flamme fixiert lehnte er seinen Kopf in die Hand und diese auf den Tisch.
Die Kerzenflamme hinterließ eine dünne Rauchspur, als gähe sie gleich aus, doch blieb sie. Wenn man seinen Kopf etwas neigte und in flachem Winkel über die Flamme schaue, konnte man erkennen, dass die Luft darüber Schlieren bildete und sich wie Wasser aufwellte. So nah waren sich die unterschiedlichsten Elemente, dass sie in seinem kleinen Zelte, sogar an seinem Schreibtisch, über seiner Kerze gemeinsam Platz fanden. War das die Zeit für Philosophie? Ein später Abend, an dem man nicht einmal Lust hat sein eigenes Buch abzuschreiben. Ein unschöner Gedanken, da will man doch das ganze Denken verspotten, weil es ohne Tugend ist.
Er schaute hinab von der Kerze und entdeckte das silberne Armband an seinem Handgelenkt. Als wäre er von seinen Gedanken benebelt fasste er es, drehte daran und spielte irgendwie unbewusst damit herum. Dann schlug er plötzlich die Bücher zu. Letzendlich siegte doch der Tatendrang in ihm und machte sich auf nach draußen. Schnell noch wurde eine Laterne entzündet und die Kerze ausgepustet. Die Nacht sollte jetzt erst beginnen.
Verfasst: Samstag 22. Dezember 2007, 23:48
von Keriot
Eine durchsichtige Welle schlug durch die dünne Luft. Keriot konnte sich kaum auf den Beinen halten und musste sich an der dicken und kalten Steinwand festhalten, auf der Wasser wie Tau in dünnen Streifen herunterfloss. Er sah an sich herunter und anders als er gedacht hatte, trug er keine Rüstung, sondern nur sein dünnen Lainenhemd. Auch sein Schwert, was ihm eigentlich an solcher Stelle immer sehr dienlich war, hing nicht an seiner gewohnten Stelle.
Als er aufschaute, schwebte das unbestimmte Ding wieder auf ihn zu, dieses Mal scheinbar Gestalt angenommen, als durchschimmernder Schemen mit einer Art Kapuze. Noch bevor es ihn erreichte hebte es seinen unmenschlichen Kopf und stieß den schrillen Schrei einer gequälten Seele aus...
Keriot wachte unsanft aus seinem Nachtmahr auf. Sein Schädel brummte schrecklich und Blut floss ihm aus der Nase herunter über sein Kinn und tropfte schon auf das Bärenfell, welches er als Decke nutzte. Zum Glück hatte er als gewissenhafter Krieger immer einige Stoffbandagen bei sich und schon kramte er in seiner Kleidung nach dem Schlüssel für die Truhe hinter ihm. Schnell war der kleine Schlüssel aufgefunden, immer an gleichem Ort aufbewahrt, doch der gute Ledermantel war nun schon bekleckert und versuhlt mit dünnem Nasenblut.
Keriot hielt sich eine Hand voll Bandagen an die Nase, als er in seinen Mantel schlüpfte und das Zelt verließ. An Schlafen war nun gar nicht mehr zu denken. Draußen saß sein Pferd schlafend da. Er wollte es nicht wecken und schlich sich langsam um das Zelt rum, auf die Wiese dahinter. Eine kurze Probe: Es waren keine Schatten an den Häusern zu erkennen. Überhaupt waren die meisten Lichter in der Siedlung erloschen, nur von weit hinten an den Palisaden des Krähenlagers schienen einige Laternen.
Verfasst: Montag 14. Januar 2008, 22:18
von Keriot
Die Sonne sandte ihre letzten Strahlen über die verschneiden Felder jenseits von Tirel und fiel auch in das kleine Zelt Keriots herein. Gedämpft durch die blauen Vorhänge, war das rötlich warme Sonnenlicht nicht mehr, als ein kühler, bläulich bis lilaner Schimmer. Keriot stand da, bereit aufzubrechen. Er hatte alles dabei. Sein Schwert prächtig hing an einem Gurt an seiner rechten Seite, eng an seinem Rücken anligend schaute der Griff seines recht kleinen Zweihänders über seine Schulter, dieser wurde, wenn man ihn von hinten ansah, durch das große Turmschild verdeckt. An seinem linken Bein gut angebunden hing ein silberner Morgenstern, mit dem er die skelettierten Untoten in den Grüften zu zerschlagen pflegte.
Er stampfte geradewegs aus seinem Zelt heraus und hinterließ mit seinen Plattenbeinen tiefe Spuren im Schnee. Hing seinen Helm an den Sattel seines Pferdes Peststurm undzog sich geschickt hoch auf den Rücken des Reittieres. Eigentlich war es nicht besonders klug zu so später Stunde noch in den Ruinen herumzustochern. Man konnte nie wissen, was für Wesen die Nacht in solche Gebiete gebären. Doch Keriot reichte die Tatsache, dass er noch Zeit hatte vor Anbruch der Nacht die Katakomben zu erreichen. Darin wäre es ja eh dunkel und er müsste seine Fackel entzünden um etwa zu sehen. Da machte es doch auch nichts aus, ob über der großen Schicht Erde Helligkeit oder Dunkelheit herrschte. Hätte er doch gewusst, was der Zyklus der Sterne und die Energie eines Vollmondes alles so anrichten kann, er wäre sicher nicht losgezogen.
Angekommen an einem kleinen Stall, stellte er sein Pferd in eine der Parzellen ab und reichte dem Stalljungen einige Münzen. Dieser war es gewohnt, dass vollgerüstete und ungewaschene Männer ihre Pferde bei ihm einstellten, um in alten Ruinen und verlassenen Katakomben nach dem ein oder anderen verlorenen Schatz zu suchen. Der Stalljunge wusste auch, dass er lieber keine Fragen stellen sollte und machte sich gleich daran etwas Heu in den Fotertrog zu befördern. Unterdessen setzte Keriot seinen Helm auf und schlenderte langsam in Richtung des Waldrandes. Die Sonne war nun schon fast hinter dem Horizont verschwunden und ein abendliches Blau füllte den Himmel. Der Wald war noch ungewöhlich hell für diese Zeit, was wohl an den kahlen Bäumen und dem hell reflektierenden Schnee lag. Keriot bahnte sich den Weg durch Sträuche, Geäst und Tannenzweige, bis er einige abgebrannte Wände unweit von ihm zu Gesicht bekam. Schnell die Lederschlaufe am Morgenstern gelöst und auch der Schild fand seinen Weg an den linken Arm. Beinahe tänzelnden Schrittes bewegte sich Keriot auf die Skelettkrieger zu. Der erste Schlag zerschmetterte die Wirbelsäule. Ein Festmahl, voll Freude genoß er diesen Augenblick. Der Kampf war für ihn ein Tanz, nur ohne Zwang und eingeübtem Ablauf. Es galt den Schlägen auszuweichen und selbst Treffer zu setzen, kein sinnloses herumhüpfen und drehen, nur das nötigste und dennoch das schönste. Schnell fiel auch das zweite Gerippe, ohne auch nur einen Treffer durch das spärrige Schild und den Flinken Schwertarm gelandet zu haben. Die Füße trugen ihn weiter und eine steile Treppe hinunter in einen steinernen Gang. Wieder kam ein Skelettkrieger auf ihn zu und wieder wurde er durch seine Hand auf den Boden geschickt. Nichts würde ihn hier unten aufhalten können, nicht einmal einer der großen Schätze, den er sich bei Reiseantritt sehnlichst gewünscht hatte. Jetzt läße er ihn liegen und folgte einfach dem Ruf seiner Waffen.
Dies sollte sich jedoch ändern, als der schwergepanzerte Recke eine kleine Halle mit tiefem Brunnen betrat. Eine Horde geflügelter affenähnlicher Wesen steuerte auf ihn zu und er musste den ersten mit seinem Schild abschlagen, um mit der anderen Hand den Morgenstern fallen zu lassen und das gute Schwert aus der Scheide zu ziehen. Eines der geflügelten Wesen hatte sich hinter ihn verirrt und versuchte vergeblich seine Rüstung aufzubekommen. Er drehte sich schwungvoll und begann damit diese Biester mit dem Schwert zu maltretieren, welches gelegentlich kleine Blitze zu schießen schien, die den dunklen Raum für kurze Zeit beleuchteten. Schnell war der Boden übersäht mit Teilen vom Flügeln, Beinen und den Körpern dieser erbährmlichen Missgestalten. Keriot nahm sein Schild ab und legte es zur Seite auf den Boden, gleich dahin, wo er meinte sein Morgenstern fallen gelassen zu haben. Dann zog er eine Fackel aus seinem Gürtel und entzündete diese.
Der Raum wurde nur spärlich und stark flackernd erleuchtet. Er schien das Licht förmlich zu verschlucken. Keriot versuchte sich umzuschauen, konnte aber kaum etwas entdecken. So entschloss er sich in den Brunnen herein zu schauen. Vielleicht war ja da etwas Reichtum zu erblicken, oder wenigstens ein Fortgang der Katakomben. Zu seinem Erstaunen, sah er aber nichts. Das bisschen Licht reichte bei weitem nicht aus, um den Boden des Brunnens zu beleuchten. Nicht einmal das magische Licht eines Konvent-Magiers würde ausreichen, um dieses Stück arkorinthischer Kunst zu erforschen.
Keriot stand also, halb über den Brunnen gebeugt, da und sah in diese schier unendliche Leere hinein, als ein schriller Schrei vom Boden herauf in seine Ohren drang. Dieser Schrei war nicht zu vergleichen mit allem, was er vorher gehört hatte. Er war defenitiv nicht menschlich und überschritt sogar alles die Eindringlichkeit und Schriller des Schreies einer gequälten Seele. Der Schrei brachte ihn ins Wanken und er hatte für einen Moment sogar Angst nach hinten herüber zu fallen, jedoch konnte er sich an einer Steinwand abstützen. Die Fackel verlor er auf dem Weg dahin und sie beleuchtete nun den sichtbaren Teil des Brunnens mit einem schwachen Zwielicht. Die Erde schien zu beben, als sich die Ursache des Schreies mit verblüffender Geschwindigkeit einen Weg aus dem Brunnen bahnte. Oben angekommen, schaute eine kapuzierte Fratze von tiefster Hässlichkeit auf ihn herab.
Ohen viel nachzudenken, ergriff Keriot sofort sein Schwert, musste zu seinem Übel jedoch feststellen, dass er gar kein Schwert dabei hatte. Er stand nackt vor einem riesigen, geistähnlichen Dämon und hatte nichts dabei, als ein altes Holzbein eines Schaukelpferdchens. Der Dämon stoß einen weiteren Schrei aus, diesesmal ähnlich einem kurzen Satz in einer unverständlichen Sprache, der die Wände beben ließ, weil er so tief und rau war. Die Fratze des Unwesens nahm schnell die Konsistenz dieses Schreies auf. Die Augen fuhren langgezogen fast bis auf den Hinterkopf und das Maul wurde riesig und unendlich, wie der Brunnen selbst. An den Seiten begann das Monstrum zu wachsen und machte sich langsam schwebend auf den Weg den ungebetenen Gast und Ruhestöhrer zu verspeisen. Von tiefster Angst erfüllt begann Keriot zu laufen, wie er wohl noch nie in seinem Leben gelaufen ist. Doch auch dies wurde ihm versagt, anstatt mit den Schritten vorwärts zu kommen, blieb er immer an der selben Stelle und wesso schneller er sich bewegte, desto wackeliger wurde seine Sicht und desto mehr stieg seine Panik. Und als der montröse Dämon ihn erreichte, blitzte es Schwarz auf.
Das nächste, was Keriot sah, war eine Kugel. Er konnte in sie hineinsehen. Das Zentrum war eine einfache Kugel und außenrum, sah er die einzelnen Schalen, alle reich faziert aus Gold und Edelsteinen. Diese Kugel drehte sich, dabei die äußerste Schale, es waren fünf an der Zahl, ganz langsam, die Geschwindigkeit steigend, bis sich die innere Kugel so schnell drehte, dass einem beim ansehen schlecht wurde. Er versuchte also möglichst auf die äußerste Schale zu sehen, und fragte sich, was wohl außerhalb dessen wäre und da erblickte er es und es war Nichts. Die äußerste Schale reibte sich mit unglaublicher Kraft an dieses Nichts und Keriot blieb nichts anderes übrig, als mit einem lauten, kräftigen Schrei aus diesem Albtraum aufzuwachen.