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Dem Tod so nah

Verfasst: Samstag 1. Dezember 2007, 14:55
von Annalisa van Gwinheer
30. Rabenmond 250

Anwesen van Gwinheer.

Die Sonne, welche in den ersten Wintertagen des Jahres, kaum mehr Kraft hatte, verschwand langsam am Firmament. Mit ihr die kraftlosen, letzten Strahlen und auch das Feuer im Kamin - die einzige Wärmequeller zu dieser Jahreszeit - erlosch langsam. Die Arbeiten des Tages waren pünktlich zum Anbruch der Dunkelheit erledigt, so dass Annalisa nun mit einer langsamen, aber fließenden Bewegung aus den Ärmeln ihrer staubigen Arbeiterrobe schlüpfte. Sie war alleine, wie so oft in den letzten Tagen. Doch war es inzwischen schon lange kein Grund mehr, für die einst so in sich gekehrte Landwirtin, Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: Sie wollte in die heilige Stadt aufbrechen, um den Abend bei einem interessanten Gespräch ausklingen zu lassen. Als der zierliche Körper unter der weiten, wärmenden Robe zum Vorschein kam, wurden die blauen Flecken an Knien und Waden erst deutlich - ein Übel, dass die schwere Arbeit am Feld mit sich brachte. Geduckt, wie unter einem Joch, kroch sie stundenlang über das Feld. Die Sichel in der einen Hand, in der anderen Hand ein kleiner Korb aus Reisig. Doch es war ihre Passion, die Arbeit mit Tieren, das Beobachten der wachsenden, heiligen Saat - sie störte sich nicht an den begleitenden "Übeln". Die kleine, recht zierlich wirkende Hand, greift mit einer beherzigten Geste in Richtung der feinen Stadtkleider. Ja, Kleidung die dem Stand der Familie gerecht wurde. Kleidung, die über den teilweise so verpönten Stand der Bauern hinwegsehen ließ. Der letzte Handgriff galt den gepflegten Haaren, welche nun einmal sorgsam nach hinten gestrichen wurden. Dann verließ sie guter Dinge das Anwesen der Familie ...

Rahal - Das Treffen auf den Bergmann.

Die Straßen waren erstaunlicherweise relativ leer. Es schien als würden selbst die Anhänger des Einen, den Losverkäufern - welche angeblich durch das Land striffen - nacheilen. Sie machte sich nicht viel daraus, sicherlich würde sie nach einiger Zeit des Wartens, auf angenehme Persönlichkeiten treffen. Gemächlich setzt sie also einen Schritt vor den anderen, die Augen etwas gesenkt, um das Kopfsteinpflaster und den Füßen genau betrachten zu können. Das einzige Geräusch ging eine ganze Zeit von ihr aus und bald machte sie sich einen Spaß daraus, die Schritte bedacht so leise wie möglich zu setzen. Ja, der jugendliche Leichtsinn war selbst in ihrem Alter noch vorhanden. Wen sollte es im Moment auch stören? Es war niemand da, sie war alleine. Plötzlich aber mischte sich ein hallendes Geräusch, fremder Schritte, unter die beinahe lautlosen Klänge ihrer eigenen Bewegungen. Nein, Angst war es sicherlich nicht was sie fühlte, doch schaffte es das aufkommende Gefühl doch, sie in der Bewegung verharren zu lassen. Sirn Tylas. Sie stieß ein leises Seufzen aus, ehe sie bereits die Hauptstraße weiter entlang schreiten wollte, doch galt seine Anrede bereits Ihr: "Herrin!", erklang die männliche Stimme voller Respekt und Demut.

Rahal - das Treffen auf den Lethar.

Die nächste Zeit verbrachte sie also damit, sich mit einem scheinbar nicht allzu intelligenten Menschen zu unterhalten. Ja, es bereitet ihr Freude, mit so viel Respekt behandelt zu werden. Wann spürte sie dies schon, wenn sie mit den männlichen Familienmitgliedern unterwegs war? In diesem Fall, stand sie einmal nicht im Schatten, der geschätzten Templer, sondern konnte ihr Licht ohne jegliche Barriere auf den Bergarbeiter scheinen lassen. seine Kleidung war verschmutzt, genauso wie sein Gesicht - und doch schien er kaum älter als sie zu sein. Oder täusche der Eindruck? Nicht lange machte sie sich Gedanken darüber, als die Gestalt des Mannes plötzlich erstarrte und sich seine Augen angsterfüllt weiteten. Die Stille wurde ein zweites Mal durchbrochen, diesmal durch ein unangenehmes Knacken und Knirschen das scheinbar immer näher kam. Er schien das Geräusch bereits aus der Ferne deuten zu können und formte lautlos einige Worte. Schemenhaft konnte auch sie nun erkennen, wie sich schwächlich wirkende Lethar, auf dem Rücken der überdimensionalen Echsen, auf die Hauptstraße bewegt. Gefährlich wirkte es, wie er kränklich auf dem Rücken hin und herschaukelte. Es bedurfte wohl einiges an Anstrenung, sich auf dem glänzenden Schuppenkleid des Reittieres zu halten. Der Geruch von Geifer und Verwesung stieg den Anwesen langsam aber sicher in der Nase, und doch übte dieses unbekannte Wesen eine unglaubliche Anziehungskraft auf Annalisa aus. Ein Reittier, und doch unerforscht, voller Geheimnisse. Sie kannte den Lethar, bereits an einem der ersten Tage ihrer Ankunft, hatte sie ihn am Lagerfeuer vor den Ruinen der heiligen Stadt getroffen. Er war respektlos, nicht einmal den Templern zollte er den angemessenen Respekt. Als wenn dies nicht genug gewesen wäre, wollte er sogar Alva angreifen - sie erinnerte sie, und dennoch löste die Neugierde betreffend des unbekannten Reittieres, doch eine Welle der Naivität in ihr aus ...

Rahal - Der erste Angriff auf den Bergmann.

Der Grund war nicht ersichtlich, als sich die Echse ungeleitet des Letharen, auf den Bergmann stürzte, der bereits vorher versuchte das Tier mit einem Stück Kohle von sich zu locken. Es schien als hätte er bereits ein ähnliches Erlebnis gehabt. Der Geifer, der nun unaufhörlich auf das Pflaster tropfte, roch unerträglich und doch - das Interesse ließ nicht nach. Mit einer gewissen Spur von Amüsanz, beobachtet sie das Treiben, als Sirn mit den komischten Mitteln versuchte die Echse von sich abzubringen. Der Lethar selber, schien sich an dem Angriff weniger zu stören, er saß weiterhin buckelig und ohne jegliche Regung auf dem Rücken. War er überhaupt Herr seiner Sinne? Unnatürliche, quietschende Laute erklangen aus dem weitaufgerissenen Maul des Reittieres, als sich der Lethar nun etwas unbeholfen von dem Rücken bewegt. Noch immer unternahm er nichts gegen den Angriff, auf den inzwischen am Boden liegenden Bergmann. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit nun auf sie - Annalisa. Wieso hätte sie auch Angst haben sollen? Die Erfahrungen mit Letharen in der heiligen Stadt waren durchwegs positiv gewesen. Wieso also sollte es hier, bei diesem sowieso recht schwach wirkenden, Kind des Einen anders sein? So richtet sie also ihre ungenierte Neugierde in Richtung des Letharen. Er wurde gemustert, so dass das Treiben der nun unzügelbaren Echse außer Acht gelassen wurde. Erst der Schrei Sirn's: "N ... icht mei .. ne Kron .. ju .. !", lockte die hellen Augen der Frau wieder in diese Richtung. Der Anblick war grotesk. Das mit Schuppen besetze Bein der Echse, stand nun direkt auf den Weichteilen des Mannes, und dem geqüalten Gesichtsausdruck des Mannes zu Folge, mit nicht unbedingt wenig Druck.

Abseits der Stadt - der zweite Angriff auf den Bergmann

Nach den gescheiterten Hilfeversuchen Annalisas, schaffte es der Bergmann nun doch sich unter Schmerzen krümmend in die Höhe zu drücken. Die Echse selber jedoch, folgte ihm weiterhin - beinahe verspielt wirkend - mit bleckenden Zähnen, auf Schritt und Tritt. Es wurde inzwischen mehr als deutlich, dass der Lethar den Mann als Störfaktor ansah und nur darauf aus war ihn zu vernichten. Würde er es nicht selber machen, würde es die Echse für ihn übernehmen - es schien ihm egal zu sein auf welchen weg es passierte, die Hauptsache war, DASS es passierte. Wäre sie nur nicht so naiv gewesen wäre sie der Aufforderung "Mitkommen." des Letharen wohl kaum nachkommen. Doch so geschah es, dass sie wenige Minuten später unter Begleitung der Echse und ihres neuen "Spielgefährten" vor der heiligen Stadt zum Stehen kamen. Eine Grünfläche, nahe des Meeres, nur wenige Schritte von den Stadtmauern entfernt, und doch schien es so abseits zu liegen, dass die ganze Zeit kein Lebewesen vorrüber kam. Die Echse begann nun nach einer kurzen Zeit der Pause, wieder Sirn unter gezielten Schlägen anzugreifen. Die Krallen versuchten sich immer wieder in seinen Leib zu bohren, doch was nun geschah, sollte sowohl für Annalisa als auch für den Lethar weitaus bedeutsamer sein ...

Abseits der Stadt - der erste Angriff auf Annalisa.

Wieso sollte ihr ein Lethar etwas böses wollen? Beinahe ein jeder war sich bewusst, dass sie aus einer bekannten Templerfamilie stammte. Selbst wenn nicht, ihr selbstsicheres Auftreten, ließ noch immer selbst diese Geschöpfe ins Zögern kommen. Ganz anders schien es, als der zuvor noch so schwach wirkende Lethar nun mit einer gezogenen Kriegsaxt in ihre Richtung stapfte. Die Bewegungen, wie auch die Mimik selber wirkten gelangweilt. Er würde doch nicht ... ? Doch die Frage sollte erst gar nicht zu Ende gedacht werden, als die Axt bereits in ihre Richtung sauste. Ein einziger, gezielter Treffer und diese riesige Axt würden den zierlichen Leib der Frau in zwei Stücke teilen - das war inzwischen selbst Annalisa bewusst. So geschah es auch, dass sie sich zwar ungeschickt, aber effektiv zur Seite bewegte und dem ersten Hieb auswich. Bereits jetzt drehen sich ihre Gedanken nur noch um Alva, wo war er nur? Sie schien sich in einer auswegslosen Lage zu befinden. Ein irrer Lethar mit einer großen, gut gewetzten Axt und im Hintergrund eine blutlüsternde Echse, die spielerisch versuchte den Bergmann unter sich zu begraben. Panik stieg in ihr auf, und das war wohl auch der Grund, wieso sie nun den nächsten Hieb der Axt vollkommen überrascht entgegenahm. Hart, striff die Klinge ihren schützend angehobenen Unterarm um einen lange, tiefklaffende Wunde zu verursachen. Es dauert keine Sekunde, da strömte der warme Lebenssaft aus ihrem zerbrechlich wirkenden Arm. Der Schmerz war unbeschreiblich und doch war ihr bewusst, dass sie sich nichts anmerken lassen durfte. Dementsprechend setzte sie lediglich einige Schritte zurück, um in sicherer Entfernung erneut auf den Lethar einzureden. Er zögere, es war deutlich, denn auch die Echse des Herren, stockte zögernd in ihren Bewegungen.

Abseits der Stadt - der zweite Angriff auf Annalisa.

Aus welchem Grund auch immer, doch der Bergmann schien es nicht für nötig zu halten auch nur in irgendeiner Weise zu helfen oder Hilfe zu holen. Stattdessen raffte er sich, noch während dem zweite Angriff auf Annalisa, auf und stürmte davon. Er kehrte nicht mehr zurück. "Er wird mich nicht umbringen, warum auch? Er hat keinen Grund", mit diesem Gedankengang geschah es, dass sie erst zögerlich, aber Schritt für Schritt sicherer, direkt auf den immernoch bewaffneten Lethar zu ging. Nur wenige Zentimeter vor ihm, hielt sie inne um erneut auf ihn einzureden. Doch diesmal zögerte er nicht, ließ die Axt fallen und packte unsanft mit den knochigen Handschuhen nach ihrer Kehle. Der Druck war ebenso unbeschreiblich, wie der immernoch pochende Schmerz, des aufgeschnittenen Armes. Die Stacheln aus Knochen, bohrten sie unangenehm in die dünne Haut des Halses, und aus den enstandenen Wunden, began ebenso etwas Blut zu rinnen. Sie musste etwas unternehmen. Sie wehrte sich, indem sie die Hand ebenso um den Hals des Letharen legte, und die Nägel in das Fleisch bohrte, Tritte wurden in den Lendenbereich entsendet - ungeachtet der Tatsache, dass sie gar nicht wußte, ob Letharen dort eine empfindliche Stelle besaßen - und erst als sie die Nägel einmal quer durch das Gesicht des Letharen zog, um blutige Striemen zu hinterlassen, schien er etwas von ihr abzulassen. Sie röchelte, und erneut galten die Gedanken ihrem geliebten Bruder. Wo war er nur? Sie fühlte sich dem Tod so nah wie noch nie, selbst der letzte Schimmer Hoffnung schien zu erlischen, als der Verrückte abermals die Kehle zusammendrückte. Die Luftröhre wurde zusammengepresst, und er nahm ihr für einen langen - zu langen - Zeitraum die Luft. Die Augenlider flatterten, als er sie unsanft auf den Boden warf. Hatte er etwa das Interesse verloren? Schlußendlich raubten ihr die Schmerzen, und die immernoch spärliche Luftzufuhr, das Bewusstsein ...

Abseits der Stadt - dem Tod so nah.

Der vollkommen besessene Lethar, schleifte den zierlichen, leblosen Körper der Frau in Richtung der steil abfallenden Klippen. Es schien, als würde er sie in die tosenden Wellen werfen wollen. Ihm war anscheinend bewusst, dass sie ohne jegliches Bewusstsein, in dem Meer sterben würde. Es war seine Absicht: Die Vernichtung. Und tatsächlich, ein rauer Tritt gegen den Körper und schon wurde er von den kalten, unbändigen Wellen in Empfang genommen. Das Glück in diesem Fall schien zu sein, dass der Tritt nicht ausreichte, um sie weiter als in den seichten Grund zu befördern. So schwamm der Körper noch eine zeitlang oben, um zwar stetig aber langsam weiter unter die verschlingende Oberfläche gezogen zu werden. Ohne, dass Annalisa es mitbekam, kam Zakalwve. Der Grund war nicht bewusst, es schien einmal mehr so als würde der Allmächtige tatsächlich schützend seine Pranke über die Familie van Gwinheer halten. Stets zwischen der Ohnmacht und dem Bewusstsein, mit all den verbundenen Schmerzen, wurde sie gerettet - die nächsten Minuten wurden damit verbracht, sie zu verbinden und so gut wie möglich zu versorgen. Letztendlich lag der geschundene, vollkommen geschwächte Körper, in dem Anwesen der Familie van Gwinheer und wartet, mit den Gedanken der puren Rache, wohl nur darauf von einem der Familienmitgliedern entdeckt zu werden ...

Verfasst: Sonntag 2. Dezember 2007, 11:24
von Qan ap Cayia
30. Rabenmond 250 - in derselben Nacht...

Triefend nasse Kleidung, der aufdringliche Geruch von Meersalz in seiner Nase, kleine Schalentiere und Algen, die sich in den zahlreichen Rippen seiner Knochenrüstung verfangen hatten. Keuchend ließ er die bewusstlose Annalisa auf den nackten Holzboden niedersinken. Nirgendwo im Raume Anzeichen von Möbel zu sehen. Ein Fluch, geformt mit kraftlosen Lippen, der durch den leeren Raum des Bauerhofes hallte. Gesprochen aus dem Munde eines Mannes, dessen trockene Kehlen sich wegen des verschluckten Salzwassers förmlich zusammenschnürten.
Still beobachtete er die am Boden Liegende. Der Winter machte sich allmählich bemerkbar und die kalten Luftzüge, die durch die rabenschwarze Nacht strichen, nagten an jeder Fuge und Undichtheit des spärlich eingerichteten Holzbaus.
Zu aller Erst galt es, die junge Frau aus ihren nassen Kleidungsstücken zu befreien und etwas zum Anziehen zu besorgen. Und schon wurde er vor einem großen Problem gestellt: Wo zum Alatar bewahrt man in einer fast leeren Behausung seine Kleider auf? Die wenigen Truhen im Vorraum wurden durchwühlt, ein paar viel zu große Männerhemden und Hosen hervorgezerrt und unter dem Arm geklemmt. Das aufkommende Verlangen, auch noch die restlichen Kisten zu durchsuchen, wurde von einer noch nie zuvor verspürten Ernsthaftigkeit vertrieben, die ihm ein mulmiges Gefühl im Magen bereitete.

‚War er drauf und dran ein besserer Mensch zu werden?’

Widerwillig wand er sich aus dem Gedanken, verwarf ihn nur allzu bereitwillig. Mit frischen Kleidern, zwei große Laken trat er wieder in den Raum. Er hatte schon viele bewusstlose Frauen ausgezogen, aber noch nie eine, die ihm etwas bedeutet hatte. Auch die zielstrebigen routinierten Handgriffe brachten nur mäßigen Erfolg- nach einer halben Ewigkeit war die Tat vollbracht: Annalisa getrocknet und in viel zu weiten Männerklamotten verpackt. Er war selbst verwundert gewesen, dass er sich so leicht ein verruchtes Grinsen verkneifen konnte. Innerlich redete er sich ein, dass der stockdunkle Raum ohnehin keinen deutlichen Blick auf Annalisas zierlichen Körper zugelassen hatte.
Und sicherlich war der Feuerstein in seiner Tasche noch zu durchnässt, um damit ein Licht zu entzünden. ‚Jawohl, sicherlich war das so’ dachte er sich im Stillen, glücklich darüber eine Ausrede für sein ihm selbst ungewohntes Verhalten gefunden zu haben.

‚War er drauf und dran ein besserer Mensch zu werden?’

Noch einmal schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, diesmal mit einer bedrückenden Eindringlichkeit, dass er sich unbewusst auf die Zunge biss. Die immer noch bewusstlose Annalisa wurde in dem trockenen Laken eingeschnürt, so dass nur noch der blonde Kopf über der kleinen Nase hinter dem Rand des Lakens hervorschaute.
Ein letztes Mal beugte er sich über, um seinen Handrücken gegen ihre geröteten Wangen zu schmiegen. Dann schließlich trat er zielstrebig aus dem Hause. Die beißende Kälte sog an seiner nassen Robe, ließ seine Zähne unweigerlich klappern.

'Verschwinde!' hörte er noch ihre Stimme durch seinen Kopf hallen. Zu gerne wäre er ein wenig länger geblieben.

Verfasst: Sonntag 2. Dezember 2007, 15:44
von Q´in
Es war eine Farce, die Ihresgleichen suchte. Einer, dessen Gestalt den Segen des Allvaters verkörperte, sah sich mit dem Befehl konfrontiert, das Nutzvieh eben nicht als solches zu behandeln. Verständnis gab es dafür keines, nur stille Verachtung. Die Seuche verbreitete sich immer weiter – und sollte dafür gehegt und gepflegt werden? ‚Wessen Schaden kann es sein, wenn man den Bestand zumindest kontrolliert?‘

Q’ins Gedankenwelt war sehr einfach. Für ihn gab es wenig, was Existenzansprüche erheben durfte. Die Letharen zählten sich zu dieser kleinen Gruppe glücklicher Auserwählter. Nur die Letharen. Alles andere hatte bereits von Anbeginn der Zeit in den Augen des Kriegers keinerlei Recht auf Dasein – und eben dieser Gedankenansatz war es, welcher die verhängnisvollen Taten des Lethrixor an jenem Abend verschuldete. Zerstöre die Schöpfung Eluives, hieß es. Alles war die Schöpfung Eluives, alles, auch das Weibchen und das Männchen, welche sich in den leeren Gassen seiner heiligen Stadt ihm in den Weg stellten.

Er beobachtete sie, die Frau. Sie trug keine nennenswert gekennzeichnete Bekleidung. Der Kerl, dessen Verhalten die Reitechse scheinbar zu einem kleinen Spiel animierte, war in Lumpen gekleidet. Keine Hochrangigen – sie waren vom Befehl ausgeschlossen. Freude war es nicht, die durch die Gedanken des Lethrixor huschte, eher ein Pflichtbewusstsein, welches nun wieder laut aufschrie. Die Brut konnte getilgt werden, ein Weibchen sogar. Sie würde nicht werfen können, wenn sie tot war. Der Befehl des Lethorax Gry’laox wurde immer leiser und war kaum mehr in Q’ins Geist präsent. „Mitkommen.“ Doch er wollte seine Arbeit gut verrichten. Nicht in den Gassen, welche vielleicht durchschritten wurden von genau den Menschen, die unnahbar wurden durch die Anweisungen des Letharenritters. Der Lethrixor führte das Nutzvieh hinaus, vor die Stadt.

‚Innerhalb Rahals soll mein Werk nicht vollbracht werden…‘ Der Befehl wurde wörtlich genommen. Vor den Mauern fiel jeder Schutz von den unglücklichen Opfern ab, welche noch unwissend folgten. Es gab wenig zu tun, nur zwei, drei Streiche wären es geworden, doch die Langeweile des Lethrixor suchte nach etwas Beschäftigung. Sie war es, die dafür sorgte, dass sich der zierliche Leib der Frau in einen unfreiwilligen Sparringspartner verwandelte, welcher bereitwillig Schläge entgegennehmen sollte. Jedes Ausweichen, jeder Versuch, einem schlichten Schicksal zu entgehen, flammte eine fast jugendliche Lust in dem Leib des Kriegers an. Er liebte den Tanz, er vermisste ihn und steigerte sich immer weiter hinein in eine Abfolge spielerischer Hiebe. Als die Kriegsaxt, die wohl klobigste Alternative zur Pantherklaue, endlich Blut leckte, erlebte Q’in zum ersten Mal seit sechs Tagen wieder das Gefühl, etwas Richtiges zu tun.

Worte. Nichts hasste er mehr, als Sprache. Q’in wusste, dass sie mächtig sein konnte – aber eben nur bei jemandem, der den Worten horchte. Die Warnungen des Weibchens, ihre Rufe glitten von seinem Bewusstsein einfach ab. Es gab keinen Grund, einem so parasitären Etwas zu lauschen. Man zertrat den Schädling, unterhielt sich nicht mit ihm.

Als sie nähertrat, sich in mit ihrem eigenen Atem in Sicherheit gewogen hatte, beendete der Lethrixor ihren steigenden Mut. Die Hand, welche in einen fein geschmiedeten Schuppenpanzerhandschuh gehüllt war, sollte dieser Darstellung trauriger Unvollkommenheit das Ende schenken. Er drückte zu, nur langsam, dosierte seine Kraft perfekt. Ihre Augen waren es, die er sehen wollte.

Hochmut...
Zweifel...
Angst...
Panik.


Eine interessante Mischung von verfehlten Sinneseindrücken. Ihren Worten zum Trotz und nach nur mäßiger Gegenwehr, welche größtenteils an der Schuppenrüstung scheiterte, war ihr Blick gebrochen. Wie ein Sack aus Fleisch und Knochen glitt sie zu Boden. Hilflos, kraftlos – leblos. Q’in wollte keinen abschließenden Streich gegen sie führen, denn dieser Leib war ein Sinnbild der Schwäche. Das Wasser sollte erledigen, was es noch zu erledigen gab. Wilde Wellen, tosende Massen, scharfe Felsen – sie nahmen den Körper in Empfang.

Das Murren und Keifen der Echse sprach Bände. Sie hatte sich diesmal nicht von ihrem Herren entfernt und dafür ihre Beute eingebüßt, welche auf schnellen Beinen in lumpigen Stiefeln wieder gen Rahal gerannt war. Dass das Meer nun das zweite Herdentier verschlang, gefiel dem muskulösen Karnivoren umso weniger.

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 08:37
von Ryx´asar Lae´ras
Mit seiner Kurzsichtigkeit hatte Layth Sor'Thil Q'in leichtfertig alles aufs Spiel gesetzt wofür das Letharengeschlecht seit Dekaden hinausarbeitete. Die Bedrohung einer Templerfamilie, die mitunter wichtigsten Grundpfeiler des Glaubens an den König aller Götter und Verbreiter seines Namens, brachte Schande über das Zeichen der Lethrixoren. Schande über die Letharen. Ein Fehler das für den konservativen Letharfen Ryx von unverzeihlichem Ausmaßes war. Annalisa wäre der ideale Zugangspunkt zu ihrer Familie gewesen deren Einfluss auch grosse Macht gebracht hätte und selbst diese Arbeit hatte Layth Sor'thil Q'in in Gefahr gebracht, wenn nicht sogar vernichtet.

Seine Assasination zu fordern wäre für Ryx die einzige akzeptable Strafe für sein Fehlen. Der Lethyr hatte jedoch ganz anderes im Sinn. Als wäre es dem für letharische Verhältnisse maskulinen Krieger gleichgültig liess er die Strafe über sich ergehen, gab keinen Laut von sich. Sein Stolz war nicht wie erwartet gebrochen, doch würde dies gewiss noch folgen sobald Ryx die Zeit finden würde, sich um seinen fehlgeleiteten "Bruder" zu kümmern. Ein erhabenes Gefühl zu wissen, nun nicht länger unter einem Lethrixor stehen zu müssen der einfachste Befehle missachtet hatte. Doch zunächst musste dieser Auftrag zu Ende gebracht werden.

Ein Bein des Kadavers gepackt, während Abyranox das andere ergriff, schleifte man es mitsamt des Stückes Haut an dem noch blutendes Fleisch hing an die Oberfläche in Richtung des Anwesens der Familie van Gwinheer auf der Suche nach dessen Besitzern.

Verfasst: Montag 10. Dezember 2007, 15:23
von Annalisa van Gwinheer
Der Angriff des Letharen hatte tiefe Wunden bei Annalisa hinterlassen. Nicht alle waren äußerlich zu sehen. Nein - abseits der ungewöhnlichen, gerötete Stichwunden, die kleinen Löchern im Hals glichen und abseits der langen Schnittwunde über den gesamten rechten Unterarm hinweg, gab es noch die psychischen Wunden die sich tief in dem Innersten vergruben.

Erneut wurde sie mit der Nase direkt auf ihre Naivität gestoßen: Wieso dachte sie auch, dass _alle_ Letharen einander glichen und es keiner auch nur im Ansatz wagen würde ein Mitglieder der inzwischen hochangesehenen Templerfamilie tätig anzugreifen? Ein unverzeihlicher Fehler, der zugleich einen herben Rückschlag auf das neue Leben der Landwirtin ausübte. Fühlte sie sich etwa zu sicher in den Reihen der Anhänger des Allmächtigen? Ein jeder Fehltritt, würde dem Ansehen der Familie schaden. Sicherlich kein erstrebenswertes Vorgehen.

~~~~~~~~~

Es waren inzwischen einige Tage vergangen und die äußerlichen Wunden verheilten zusehends. Lediglich eine auffallende Röte, blieb an den Stellen der Stichwunden. Ein weiteres Andenken, überbracht von zwei ihr wohl bekannten Letharen, lag nun mitten auf dem Vorplatz des Familienanwesens: Der Kadaver des Reittieres, auf welchem der Lethar zuletzt noch saß und seine Spielchen mit ihr, wie auch dem Bergmann trieb. Die dunkle, ledrige Haut war eingefallen und ein derart penetranter Gestank ging von dem Viech aus, dass man nur mit sehr viel Überwindung einige Schritte näher an das ehemalige Reittier gehen konnte. Ein Andenken, wie auch ein ehrenwertes Geschenk sollte es darstellen. Doch waren damit alle aufgeworfenen Probleme tatsächlich aus der Welt geschaffen? Q'in wurde desweiteren die Rune, welche ihn als ehrenwertes Kind des Allmächtigen auszeichnete, ohne jegliche Mittel der schmerzmilderung aus dem Hals geschnitten. Und auch dieses ledrige Stück Haut, befand sich inzwischen in dem Besitzt der Familie van Gwinheer.

Doch war damit tatsächlich der Grundstein des Problems aus dem Boden gerissen worden? Oder war es nur eine kleine Schramme, die den Turm nicht gleich ins Einstürzen brachte? Seufzend strich Annalisa mit dem rechten Finger über den ledrigen, inzwischen konservierten, Hautfetzen hinweg. Es würden noch viele Tage der Unsicherheit folgen, denn Q'in würde trotz seines verlorenen Stolzes sicherlich nicht ruhen ... dessen war sie sich sicher. Und auch das Vertrauen, welches sie stets in die ehrenwerten Kinder des Allmächtigen gesetzt hatte, war verschwunden. Die Unsicherheit, wie man es so oft von ihr gewohnt war, kehrte zurück und nicht einmal den vertrauenswürdigsten Letharen konnte sie geraden Blickes entgegen sehen. Vielleicht würde sie schon bald das Opfer eines anderen Letharen werden? Die Opferrolle, vielleicht war sie ihr dadurch nun direkt auf den Leib gebrann? Denn wer weiß schon, wie die Letharen über sie und ihre ehrenwerte Familie denken.

Verfasst: Dienstag 11. Dezember 2007, 20:45
von Abyranox
Q’in war ein Narr gewesen. Er hatte so viel gefährdet, wahrscheinlich auch sehr viel von dem zerstört, das ihr Volk in mühevoller Arbeit aufgebaut hatte. Hatte er überhaupt verstanden, dass er einen Fehler begangen hatte? Nahm er seine Bestrafung nicht teilnahmslos entgegen?

Abyranox warf diese Gedanken beiseite und betrachtete aus sicherer Entfernung den Hof der Familie van Gwinheer. Der Letharf hatte es in den Augen des Menschlingweibes gesehen, dass sie erschüttet war. Vor nur kurzer Zeit hatte sie die Letharen noch mit Faszination betrachtet, eine nicht zu übersehende Neugier. Er erinnerte sich daran, als er mit einem seiner Brüder im Sammellager gesessen hatte und ihr Blick vor allem den Letharfen galt. Doch was war daraus geworden? Angst und Unsicherheit. Es war ärgerlich, dass er so etwas in den Augen eines Menschen sehen musste, der ihnen einst so viel Vertrauen entgegen brachte. Wäre es eine unbedeutende Familie gewesen, wären diese Ereignisse nur halb so ärgerlich. Aber eine Templerfamilie? Hätten sie nicht schnell gehandelt, hätte dies noch schlimmere Folgen haben können. Was hätten andere Gläubige gedacht, wenn es sich herumgesprochen hätte, dass ein Kind des großen Panthers anscheinend wahllos gläubige Menschen angreift? Wie hätte die Templerschaft reagiert, wenn sie der Familie nicht schnell den Ausgleich für die Vorkommnisse geliefert hätten?

Es würde Arbeit bedeuten, dass verlorene Vertrauen wieder aufzubauen. Ein Stück weit würde es vielleicht auch nie wieder dasselbe werden. Aber viel schlimmer wäre es, wenn ihr Glaube an Vater sinken würde. Zwar konnte er es sich kaum vorstellen, immerhin war es eine Templerfamilie. Aber sie selbst war keine Templerin und würde im schlimmsten Fall nach diesem Vorfall auch am Glauben zu Alatar zweifeln. Menschen waren doch so schwach. Dies durfte nicht geschehen. Er musste sie im Auge behalten und gegen diese unbequeme Möglichkeit agieren. Abyranox wusste auch schon genau, wer seine Augen und Ohren dafür sein würden. Wenn sie die geeignete für diese Aufgabe sein sollte, wusste er, wo er sie finden würde. Mit zügigem Schritt ging er dem Letharenunterschlupf entgegen. „Ja, wenn sie die richtige ist, werde ich sie auf unseren Feldern finden“, dachte sich der Letharf…

Verfasst: Mittwoch 12. Dezember 2007, 20:28
von Annalisa van Gwinheer
Mit der kleinen Bürste, fuhr sie langsam und beinahe liebevoll durch die lange, schwarze Mähne des van Gwinheer Mustangs. Ein stolzes, ehrenwertes Geschöpf unter dem Antlizt des All-Einen. Die Mühen hatten sich tatsächlich gelohnt. Ein weiteres Prachtstück, entsprungen der van Gwinheer Zucht. Die hellen Augen der Frau, glitten voller Stolz über das dunkelbraun, glänzende Fell, welches sie bereits zuvor in stundenlanger, sorgsamer Arbeit gestriegelt hatte. Sie spürte die Symphatien welche der Mustang seit seiner Zeit als Fohlen nach und nach für sie aufgebaut hatte. Sie war eine Mutter, welche die ihren sorgsam umpflegte und ihnen Schutz bot.

Symphatien. Ein Wort, welches schnell in Schall und Rauch entschwinden kann. Hatte sie nicht zuletzt noch Neugierde und Interesse gegenüber dem Volk der Letharen empfunden? Das jetzige Gefühl, wenn einer der Geschöpfe vor ihrem Hoftor stand, war unbeschreiblich. Stur und stets auf eine dienstliche Freundlichkeit bedacht, erfüllte sie alle noch so skurrilen Anliegen der Letharen, doch wo war die Hingabe gelieben? Die Hingabe, mit der sie sich einst an die Arbeit machte, um dem Volk so schnell wie möglich die besten Waren anzubieten. Die Neugierde, mit welcher ihre ungewohnt hellen Augen an den sehnigen Körpern der Letharen herabglitte. Ein jedes Detail hatte sie in sich aufgenommen und auf sich wirken lassen. Ein jeder Lethar war einzigartig - im Aussehen. Doch im Charakter, dessen war sie sich inzwischen beinahe sicher, glichen sie sich leider mehr als ihr lieb war.

Das protestierende Wiehern, riss Annalisa aus den Gedanken. Und rasch setzte sie die Bürste wieder an die Mähne, um sie in langsamen Zügen durch die inzwischen glatte Mähne zu führen. Ohne ein Hinderniss, ohne ein einziges Problem, kam die Bürste ihrem Ziel - dem Ende der Mähne - näher.

Ein Problem. Nein, nicht nur eines. Viele Probleme wurden durch den Angriff des Letharen aufgewirbelt. ZWar versuche sie sich so normal wie möglich gegenüber den Letharen zu verhalten, doch sie wußte, dass zumindest Rxy und Abyranox inzwischen gemerkt hatten, wie viel Angst und Unsicherheit sich in ihren Augen wiederspiegelte. Die Hülle könnte lügen, doch nicht die Seele, welche durch die Fenster der jungen Bäuerin sichtbar wurde. Sie bewegte sich auf dünnem Eis. Ein wahrlicher Zwiespalt. Sie wußte, dass die Letharen Respekt verdienen. Doch wußte sie es auch noch nach diesem, alles verändernden, Vorfall? Ein normalerweise ehrenwertes Kind des Panthers, griff wahllos einen höchst gläubigen Menschen an. Eine Tat ohne Sinn und jeglichen Nutzen. Oder etwa doch?

Ein abschließendes Tätscheln galt der Flanke des Mustangs, bevor sie sich auf den Rückweg in das Familienanwesen machte. "Es gibt noch eine Menge zu erledigen", mit dieser Aussage zwang sie sich selber dazu, all die Gedankengänge bezüglich der Letharen für den Moment zu verdrängen. Und als sie die Tür des Hauses schloß, blieben die Sorgen und Ängste tatsächlich für diesen Abend, außerhalb des Gebäudes.