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Auf den Spuren der Vergangenheit

Verfasst: Dienstag 27. November 2007, 18:15
von Tajara Nair
Lameriast, 27. Rabenmond

Es war noch dunkel als Tajara sich leise aufmachte, um die geheime Stelle ausfindig zu machen, in der sie "es" sorgfältig versteckt, behütet und daran herumgetüftelt hatte. Es war soweit!

Schwer hing der Nebel über den Wäldern der friedlichen Insel. Kaum ein Tier regte sich. nur ab und zu kam verschleiert der abnehmende Mond zum vorschein, der den Nebel in ein silbriges Licht tauchte. Die Sterne waren weitgehend verhüllt und vom Meer her kam mehr von dieser stickigen kalt-feuchten Suppe hereingeströmt.

Tajara war bewandert genug um zu wissen, dass sich so weit südlich der Nebel mit den ersten Sonnenstrahlen auflösen würde. Und somit war es kein Problem gewesen, diesen Zeitpunkt auszuwählen.

Am Vortag hatte sie viele Dutzend Baumstämme mit Hilfe einiger eingeweihter Schwestern zum Meer hin ausgelegt und das Konstrukt hochgehievt. Es war nun eine Sache von wenigen Stunden, ihre Schöpfung zum Meer zu bringen. Der Strand war nicht sehr weit entfernt.

Endlich erreichte sie die Stelle und das Boot, welches sie über Monate hinweg aus Stämmen, Zweigen, Bambus und Seilen gefertigt hatte war endlich fertig. Sie bekam das angeforderte Segeltuch mit dem Wappen, welches nun angebracht war und aufgespannt werden konnte, endlich konnte sie testen, ob ihre monatelange Plackerei in aller Heimlichkeit früchte trug. Es sollte eine Überraschung für die anderen werden, wohl auch Ronya, die nichts davon wissen durfte. Tajara wollte sich die Genugtuung ihres baffen Gesichtsausdrucks nicht entgehen lassen.

Sie gab den Schwestern einen Wink und die Halterungen wurden gelöst. Tajara stand am Bug um das Boot zu stützen - die anderen positionierten sich links und rechts sowie hinten. Langsam rumpelte das Schiffsgefährt die Stämme in Richtung Meer entlang. Tajaras herz pochte vor Spannung und Vorfreude.

Langsam graute der Morgen in einem blassen Licht, kaum mehr als eine Erhellung der Konturen im dichten Nebel während sich das Boot, in welches wohl gerade mal so 3 Schwestern hineinpassten, um halbwegs Platz zu haben auf des Meer zu. Der Sand unter Tajaras Stiefel war kalt und schlammig - die Wellen rauschten gegen den Strand - und dann war der letzte Baumstamm erreicht ehe sich das Boot in die Fluten des Meeres begab und Tajara mit einem Satz in das Boot sprang. Den Gezeiten sei dank war das Meer gerade in der richtigen Höhe, es war Flut.

Es hielt! Kein Wasser ging durch, dem Wachs sei dank. Das Boot war soweit seetüchtig. Der provisorische Mast war einladend und als sie 20 meter zurücklegte wurde das Segel endlich im Halbgrau des Morgens gehisst während ihr die anderen Schwestern gebannt nachstarrten.

Es wurde entfaltet - die gekreuzten Speere der Gefährtinnen flatterten mit der kühlen Morgenbrise im Wind als Tajara langsam ins unendliche Grau des Nebels hinausfuhr und sich den Blicken ihrer Schwestern entzog.. Sie würde die Insel umfahren müssen, von Süden um die Halbinsel der Ureinwohner herum bis hin zum Dock des Dorfes Sturmwipfel.

Tajara stieß einen Jubelschrei aus. Es war ein freudiges Johlen über ihren Erfolg. Das kleine Boot war Sinnbild ihrer ganzen Arbeit, vielmals unterbrochen durch Krieg, Krankheit und Leid - doch sie gab nicht auf und endlich war sie fertig geworden, zwar mit monatelanger Verspätung, aber schließlich fand es ein Ende.

Irgendwo hinter den Nebeln der Welt ging die Sonne auf und als Tajara die Nebelbank verließ bar der Ozean in goldenes Licht gehüllt - die Sonne brach sich in kleinen Strahlen. Kurz blickte sie nach rechts. Das Festland nur undeutlich in nebel gehüllt - die Sonne hinter ihr, die sich über die dampfenden Schwaden erhob. Selten hatte sie soviel Schönheit gesehen. Glück! Das war es was sie in diesem Moment empfand, als sie - eine einsame große Frau unter einem Segel mit dem Banner am offenen Meer - so dastand und sich mit leuchtenden Augen umblickte.

Schließlich beschrieb sie eine Kurve nach rechts. Zu ihrer rechten waren die endlosen Dschungel der südlichen halbinsel zu erkennen. Langsam löste der Nebel sich auf und gab Lameriast ihr Preis. Es war ein erhebender Anblick.

Endlich - nach einigen Stunden - erreichte sie in den späten Vormittagsstunden ihr Ziel. Das Dock der Gefährtinnen. Sie war angekommen. Die Schwestern, die inzwischen zurück zum Lager gelaufen waren, um ihr Kommen zu erwarten, winkten ihr zu, und mit einem breiten strahlenden Lächeln winkte sie zurück. Das kleine Boot war am Ziel angekommen. Und viele neue Wege würden sich ihr so offenbaren.

Sie wusste noch nicht, dass ihr nächster Weg entscheidend sein würde für so vieles, was das Schicksal der Gemeinschaft anging...

Verfasst: Donnerstag 13. Dezember 2007, 12:44
von Tajara Nair
Lameriast, 13. Alatnar

Die Sonne versank im Westen und steckte den unendlichen Horizont der Weite in einen grellorangen Brand. Wellen tanzten in der Ferne und bildeten herrliche Muster im Sonnenlicht. Tajara stand grübelnd am Pier und wendete den Blick von der untergehenden Glut ab und starrte auf das Boot in stiller Nachdenklichkeit. "Soll ich...?", überlegte sie halblaut denkend und trippelte auf der Stelle. Dann wandte sie den Blick wieder nach vorne gen Westen. In wenigen Augenblicken würde die Sonne im Meer versinken.

Dann wurde sie plötzlich etwas gewahr, von dem sie zwar schon gehört - aber es noch nicht erlebt hatte. Das grüne Leuchten! Ein jäher grünlicher Lichtblitz stach direkt nach Oben - einige Momente nur, da wo die Sonne gerade den Horizont küsste und verschwand nach wenigen Augenblicken wieder jäh. Die Nacht würde nun langsam über dem Klaren Himmel hereinbrechen und die Wiesen des Himmels würden von einem Meer silbriger Blüten überzogen werden. Eine Winternacht auf Lameriast, kalt und klar würde heute Folgen.

"Wer das grüne Leuchten sieht irret in der Liebe nie" hieß es. Das war nicht falsch. Ihre Bindung zu ihren Schwestern war stark, stärker als alles andere, das ihr im Leben je etwas bedeutet haben mochte. Vielleicht fiel es ihr deshalb so schwer, eine Entscheidung zu treffen, die sie allerdings treffen sollte.

Später am Abend saßen Ronya, Torina und Xinthra am Feuer. Es war ein glücklicher Zufall, dass eben jene Schwestern noch wach waren während die anderen bereits schliefen. Langsam und noch etwas zögernd trat sie auf das Feuer zu, ehe sie unvermittelt die Frage an die Anwesenden richtete.

"Wie weit fährt man eigentlich auf die Insel eurer alten Gemeinschaft? Und habt Ihr Land- und Seekarten davon?"

Es wurde ein langer Abend...