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Jahre des Saphirs

Verfasst: Montag 26. November 2007, 07:30
von Ylea

~ Jahre des Saphirs ~


Ylea's Traum der letzten Nacht, vorm Aufbruch am Morgengrauen:

Die ersten Strahlen der Morgensonne scheinen in vielen kleinen Lichtern. Der Wald verströmt den gewöhnlichen Geruch nach nassem Holz, Moos und Kräutern.

Die Stimme des Vaters erklingt in friedvoller Umgebung, während Ylea mit geschlossenen Augen an einem Baum gelehnt, auf dem Waldboden sitzt. :

"Ein Saphir bedeutet Treue und Gerechtigkeit Ylea. Er ist ein Symbol für Frieden und Beständigkeit, seine Gaben sind Seelenfrieden, Klugheit und gute Vernunft. Heute an Deinem ehrenvollen Tage, überreichen wir Dir dieses kostbare Geschenk, diesen Schmuck. Soll Dir dieser Saphirstein stets Treue und Gerechtigkeit bringen, wie er es uns und unseren Ahnen brachte, vom heutigen Tage an und für alle Zeit."


Einige Momente der Stille vergehen.
Die Augen weiterhin geschlossen, beginnt Ylea mit sanfter, ruhiger Stimme zu sprechen:


Ich weiss das ich träume, wenn ich Deine Stimme höre, Ahte...
Immer wieder höre ich diesen, - Deinen Satz zu Beginn meines Traumes..
Was würde der Stammesrat oder Ihr, meine Familie, mir nun sagen? Mir nun wünschen?
Unser Volk .. wir waren soviele und nun.. schon solang.. - niemand Vertrautes mehr.
Soviel Zeit ist vergangen.. seit dem großen Beben, dem Feuer..
Ich habe nichts vergessen. Weder Dich, noch Ina', noch alle anderen.
Den Seelenfrieden finde ich nur wenn ich von Dir .. von Euch träume.
Oder unseren heiligen Wald betrete.
Wie ich es so oft ich tat, so ich konnte, in all den Jahren, seid Eure Seelen dem Pfad der Götter folgten..
Klugheit und Vernunft.. es ist so schwer, Vater..
Die Dunkelheit umgibt mich.. und doch sehe ich Dinge die mir Angst bereiten..
Kein Wiesengrün, kein Sonnenlicht, kein Lächeln erreichte mehr mein Herz.. seit jenem Tage als ich mein Augenlicht verlor.
Keine Erklärung für alles Geschehene.. Vielleicht eine auferlegte Prüfung unserer Erdenmutter?
Mein Dasein ist so sinnverwirrend, wie nie zuvor..
Es fällt mir immer schwerer, ohne meine Stute wieder aus unserem Wald zu finden..
Ich kann den Unserigen auch dort nicht mehr so nahe wie früher sein.. Darf dort nicht aus reinem Herzen zu Euch sprechen.

Ich werde beobachtet. Sie wissen, das ich Sehnsucht nach Euch hege. Sie wissen, das ich Euch in diesem Wald aufsuche, um Dir, unseren Ahnen und unserer tiefen Verbundenheit, näher zu sein. Gestern war es das letzte Mal, dass ich den Wald und Eure Gräber betreten habe.
Ich rede nun hier mit Dir, in meinem Traum, meiner letzten Nacht an diesem Ort, mit offener Vertrautheit, wie wir es früher konnten.. Ich weiss, das Du mich hören kannst. Dein Sanftmut und die Herzlichkeit im Klang Deiner Stimme erhellt noch heute meine Seele.. immer wenn ich an Euch denke und von Dir träume, Ahte..

Es ist ein schöner, friedvoller Traum.. der einzige Traum, der mir dieses Gefühl der Geborgenheit beschert.
Ihr habt mir Geduld gelehrt.. doch ist es zu schwer .. in diesen Zeiten, die Welt ehrbar und mit aufrechtem Gang zu erleben.

Hier am Gutshof ist die Welt nicht so, wie sie scheint. Ich lernte nicht nur ihre Sprache, ihre Ziele. Denn nicht nur von den Früchten der Bäume und der Saat der Pflanzen allein kostete ich, auch alles andere wurde verwandelt vom Geist in mein Fleisch und mein Blut. So spüre ich, wie ich schwächer werde.. Sie weichen meinen Fragen aus und sie strafen mich mit Lügen. Sie schüren ein immer tiefer währendes Misstrauen in alles, was mich umgibt.. und vergiften fortwährend meine Seele. Einfache Bauersleute sind sie nicht, das waren sie auch nie. Ich finde dennoch keine Antworten. Irgendetwas hat mich meiner Erinnerung beraubt, denn dort wo ich lebe, fällt es mir immer schwerer, klare Gedanken zu formen und zu fassen.

Sie sagen, meine Träume wollen mich verwirren, mich nur mit Unwahrheiten, Illusionen ängstigen. Doch Du hast uns anderes gelehrt Vater.. Wer seine Träume versteht, erkennt sein Leben. - Oh welch Argwohn treibt mich zu diesen Träumen, die mich ängstigen und mir unerklärlich sind? Ich sehe oft eine grausame Welt, wenn ich träume, Ahte.. Soviele Zweifel und keine ehrliche Antwort findet den Weg in mein Herz..

Euch zu verlieren war eine schmerzvolle Erfahrung, doch liess mich die Erinnerung und die Umgebung des Waldes stets mit Liebe an Euch denken. So verlebte ich all die Jahre und .. nach harter Arbeit auf dem Felde und sanftmütigem Wissen um das Wohl der Tiere auf dem Gehöft, verlor ich meine Sehkraft. Doch nie verlor ich meinen Willen, an den Aufgaben die mir gestellt wurden, zu wachsen. Die anderen Sinne sind nun um so ausgeprägter, sie führen mich. Ebenso meine Intuition, mein Instinkt. Das hören, riechen, schmecken .. fühlen .. es hilft mir mich in der Welt zurecht zu finden. Doch nun... nun ist es anders.

Mein Gefühl trügt mich.. ebenso mein Verstand.
Die Kette mit dem Saphir erwärmt mein Herz, wenn ich an Dich denke, strahlt Ruhe aus und warnt mich in richtigen Momenten vor Gefahr. Dieser wundervolle Stein ist zu mein Augenlicht geworden, wie auch meine Stute und mein Stab. Hier, an dem Ort an dem ich lebe, erwärmt der Stein jedoch seit geraumer Zeit zu oft... Ich kann nicht mehr erkennen wodurch. Gefahr der Gegenwart.. oder Vertrautheit des Vergangenen.
Ich bereite nun einen anderen Pfad für mich vor. Ich muss fortgehen, um wieder "sehen" zu lernen. Um zu spüren, was richtig ist und was falsch .. um die Zeichen wieder richtig deuten zu können.

Ich werde das mir gelernte Vertrauen wieder suchen, mit voller Hoffnung es zu finden. In die Menschen, in unsere Kultur und in unsere Welt. Wie Du es doch auch tun würdest, Vater..? Ich habe Angst, dass sie mir folgen, mich finden werden. Habe kein Wort über meinen Fortgang erwähnt.. Sie werden nicht damit rechnen, dass ich nun, wo bald die Winterkälte anbricht, meinen eigenen Weg suchen werde. Ohne Habe, aber mit starkem Willen. Mancher Weg wurde angelegt, damit er nie betreten wird. Doch dieser hier, er fühlt sich richtig an, Ahte..

Denn sollte ich nicht der Treue und Gerechtigkeit dienen, wie Ihr es mir gelehrt habt? Ich möchte wieder in einer Gemeinschaft leben können ohne listige Worte, ohne Zweifel. Gib auch Du ein wenig mehr Acht auf mich, auf Deine Ylea.. die ihren Weg nun allein beschreiten wird.. Hilf mir einen Weg zu finden, fernab von Misstrauen und Angst. Schenk mir das so vertraute Licht, das mein Leben erhellte, als Du an meiner Seite warst.