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Ein neues Land
Verfasst: Samstag 24. November 2007, 23:47
von Kilian Auental
Es war früh am Tage da Kilian am Ufer saß, die Angel neben sich und Papier und Griffel in der Hand.
Er hatte am gestrigen Tag beschlossen doch einen Brief nach Hause zu schreiben. Es mochte wohl die herrliche Umgebung sein, die ihm die Worte so leicht von der Hand gehen ließen.
Liebe Mutter.
Ich weis wohl das ich dir mit meinem Fortgehen schmerz zugefügt habe, doch du weist selbst wie es um Vater und mich stand. So will ich dir wenigstens sagen dass ich am Leben bin und was ich tue. Ob du es dem Vater sagen willst oder nicht möchte ich dir überlassen, doch ich fürchte, dass er abermals in Zorn kommen wird und mich noch mehr als Nichtsnutz sieht, als er das nun schon tut.
Nach dem letzten Streit, bin ich mit meinen wenigen Habseligkeiten zum Hafen gegangen. Ich weis es war Leichtsinn, aber bei dem ersten Schiff das auslief trug ich mich als billiger Helfer an, nur um weg zu kommen. Ich möchte auch dir noch nicht sagen in welche Lande es mich verschlagen hat, doch ich glaube ich habe es gut getroffen.
Stell dir vor, ich wohne nun in einem Haus, das drei Zimmer hat, und nicht einmal mit vielen Leuten, sondern nur zu zweien. Auch hat sich seltsamerweise der Wunsch meines Vaters erfüllt, und ich bin auf dem Wege ein Krieger zu werden. In der kurzen Zeit die ich nun fort bin, habe ich über das Kämpfen mehr gelernt, als Vater mir jemals beigebracht hat. Du wirst es kaum glauben, aber mein Lehrer ist eine junge Frau. Es ist manches mal unfassbar wie schnell sie mit der Waffe ist. Trotzdem das ich mehr Kraft habe durch meine tägliche Arbeit, kann ich sie kaum beim üben in Verlegenheit bringen. Diese Frau hat mir auch Arbeit gegeben, und so verdiene ich mir auch was.
Ich muss gestehen, das ich diese Frau sehr mag, und sie mich wohl ebenso.
Das Land hier ist gutes Land, und ich habe noch keinen getroffen der Hungern musste. So bitte ich dich, sorge dich nicht, denn eines Tages werde ich dich besuchen kommen. Dann sollst auch du keine Armut mehr leiden müssen, und vielleicht komme ich auch nicht alleine. Ich hoffe dass es dir trotz der Sorge um meinen Verbleib sonst gut geht.
Grüsse mir bitte auch die Geschwister
Dein Kilian
Sorgfältig verschloss Kilian den Brief und schrieb den Namen des Hofes und den der Mutter darauf. Er würde ihn beim nächsten Besuch am Hafen auf den Weg in die Heimat bringen. Einen kurzen Augenblick dachte er noch darüber nach ob er wohl hätte mehr schreiben sollen. Wie er die Frau getroffen hatte, oder was er beim üben mit der Waffe für gar unglaubliches sehen durfte. Ihr schreiben das er sich an viele ihrer Lieder und Mären erinnerte und einen dankbaren Zuhörer hatte.
Nein, befand er dann, der Brief war für die Mutter schon aufregend genug, und würde sie doch gleichzeitig erfreuen, und so sollte er auch sein.
So schob er den Brief in seine Tasche und griff lächelnd wieder zur Angel.
Erlebnisse
Verfasst: Donnerstag 6. Dezember 2007, 01:15
von Kilian Auental
Kilian lies sich die vergangenen Tage noch mal durch den Kopf gehen. Er hatte Heute wenig Glück bei der Arbeit. Zuerst war seine Axt zerbrochen beim Brennholz machen, und nun bissen die Fische nicht.
Wie er zu Lia gesagt hatte war er auf der kleinen Insel gewesen und hatte gesungen. Ihm hatten die Wesen da unten so Leid getan, und da hatte er an etwas gedacht was seine Mutter mal zu ihm gesagt hatte.
„Solange noch jemand an dich denkt, solange noch ein Lied für dich erklingt, solange wirst du nie verloren sein.“
Er hatte dann auf den rechten Tag gewartet und war in der Dämmerung ans Ufer gegangen. Es war ein schöner Abend gewesen. Die Luft recht kühl, ein wenig windig, doch es war vollkommen still gewesen. Lediglich das sanfte Rauschen der Wellen die an das Ufer schlugen war zu hören. Und so hatte er das alte Lied gesungen, das in seiner Heimat bei Begräbnissen üblich war. Ein trauriges Lied, das den weggegangenen alles Gute wünschte und sie in Temoras Hand gab. Er hatte es leise gesungen, hatte die Töne vom Wellenschlag tragen lassen. Welch grausames Schicksal diese Armen ereilt hatte, nicht ruhen zu können. Bestimmt waren sie auch deshalb so Zornig und griffen die Menschen an.
Lange war er dann noch am Ufer gestanden, bevor er sich nach Hause aufgemacht hatte. Wie glücklich konnte er sein es so gut getroffen zu haben.
Dann, schon am nächsten Tage hatte er die Freundin von Lia kennen gelernt. Ebenso wie Lia, war dies eine hübsche Person, und auf den ersten Eindruck auch freundlich. Kilian hatte es auch verstanden, dass sie neugierig war und ihn sogleich nach seinen Absichten fragte.
Kilian berichtete ihr guter Dinge, das er sich bei Lia sehr wohl fühlte und sie auch sehr mochte. Auch das er Arbeit gefunden hatte und seinem Tagwerk nachging berichtete er.
Doch dann, kaum war Lia aus dem Raum, glaubte er seinen Ohren nicht zu trauen. Dieses Frauenzimmer erlaubte sich ihm zu drohen? Sie kam her als Gast und tat dies in dem Haus das nun auch seine Heimat war? Das war ungeheuerlich. Sicher, sie war wohl besorgt um Lia, aber eine derartige Verhöhnung des Gastrechts hatte er noch nie erlebt. Schon war er aufgesprungen im Zorn, und wollte ihr gleiches mit gleichem vergelten, da kam Lia wieder dazu. Gerade noch rechtzeitig das er sich besann, nicht genau so unhöflich zu werden. Nein er war dann vor die Türe gegangen um in der kühlen Nachtluft wieder ruhiger zu werden. Was für eine Begrüßung. Nein, dieses Land war wohl auch nicht anders als seine Heimat. Und was war dann das Ende des Abends gewesen? Ein schlechtes Gewissen hatte er gehabt, weil Lia traurig war. Dabei war er doch freundlich gewesen.
Es mochte ja Lia’s Freundin sein, doch ihm konnte sie gestohlen bleiben.
In diesem Augenblick ruckte es merklich an der Angel, und ein freudiges Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. Das würde ja doch noch ein gutes Nachtmahl geben. Schon als er dann den Fisch gerichtet hatte um ihn mit nach Hause zu nehmen, war der Unmut aus seinen Gedanken gewichen.
Voller Vorfreude sich diesen Fang zusammen mit Lia schmecken zu lassen, machte er sich auf den Heimweg.
Der Überfall
Verfasst: Freitag 7. Dezember 2007, 22:08
von Kilian Auental
Es war ein ruhiger Abend gewesen. Nein, viel mehr als ruhig, er war glücklich gewesen.
Nun stand er am Hafen und betrachtete die Schiffe die an und ablegten. Er war mit der festen Absicht hergekommen das nächste Schiff zu nehmen und in sein Bauerndorf zurückzukehren.
Erst hier als er die Schiffe sah wurde sein Denken wieder klarer.
Was war geschehen. Was hatte den Abend so ins Gegenteil verkehrt.
Kilian war Angeln gewesen. Die Fische hatten gut angebissen, und sein Korb war schon reichlich gefüllt. Dann waren sie gekommen. Zuerst hatte er sich nur über die beiden gewundert. Ein seltsames Paar. Der Mann wollte wohl Fischen, nahm aber keinerlei Köder. Doch sie waren freundlich und weil die Frau immer wieder seinen Fischkorb musterte hatte er ihnen sogar welche davon angeboten. Doch wie hatten diese darauf reagiert. Die Frau zog einen Dolch und der Mann eine gar seltsame Waffe. Davon hatte er gehört. Sie sollte mit einem lauten Krachen etwas verschleudern das einen niederstrecken konnte und er richtete sie auf Kilian. Vorbei war es mit der Freundlichkeit und er wurde aufgefordert seine Taschen zu leeren. So legte er die Habseligkeiten vor sich auf den Boden. Er war mehr als erschrocken, denn er hatte sich hier in Sicherheit gefühlt. Erst die Frage nach jemandem der ihn vermissen würde lies echte Angst aufkommen. Nicht nur um sein Leben, sondern viel mehr um die Sicherheit der Frau deren Name er hätte nennen können. So ergab er sich in sein Schicksal und nannte keinen Namen. Doch zum schlimmsten kam es dann doch nicht und sie ließen ihn Leben. Die Frau durchwühlte seine Sachen, und statt sie an sich zu nehmen weil sie von Wert waren, lies sie sie liegen. Die schönen Fackeln, die so wunderbar Licht gaben. Seine feinen Sandalen aus feinstem Leder. Die Öllampe und noch andere verschiedene Dinge. Nur das Gold nahmen sie an sich.
Das genügte ihnen aber nicht. Verwirrt und verängstigt wie Kilian war, schnitt ihm dieses Weib auch noch Haare ab und nahm diese augenscheinlich zu ihrer Sammlung.
Noch niemals zuvor hatte Kilian sich so hilflos gefühlt angesichts der seltsamen Waffe. Nicht einmal ein gerüsteter hätte sich dagegen wehren können. Gedemütigt bis aufs Blut musste er alles über sich ergehen lassen.
Als die beiden dann weg waren, war er einfach losgelaufen. Er hatte kein Ziel und er dachte nicht nach, bis er am Hafen angekommen war.
Hier stand er nun und begann haltlos zu zittern. Er klammerte sich an einen Pfosten um überhaupt auf den Beinen zu bleiben.
Er konnte nicht fahren. Nicht weil er nicht Heimkommen konnte. Seine Mutter würde ihn wieder willkommen heißen, und bei seinem Vater wäre er dann ein noch größerer Nichtsnutz, aber das hielt ihn nicht ab. Nein, es war sie. Er konnte nicht gehen, weil er es versprochen hatte, weil er liebte.
Er hatte sich schon immer lieber seinen Gefühlen überlassen als nachzudenken, und nun kam Zorn in ihm auf. Er floss durch seine Adern wie Feuer, verstärkte sein Zittern noch. War das nun seine Aufgabe? Hatte ihn Temora deshalb in dieses Land geführt? Er würde üben, er würde ein besserer Krieger werden und dann… seine Hände ballten sich zu Fäusten.
Er hatte noch nie so Gefühlt, und seine übliche Fröhlichkeit schien in diesem Augenblick gänzlich verschwunden. Es schien so, als wolle ihm hier wohl so mancher ans Leben. Erst diese Frau, dann nun die beiden bei dem Überfall.
Bei dem Gedanken daran, dass die Frau seine Sachen durchwühlt hatte drehte sich ihm fast der Magen um, und mit einer Bewegung riss er sich die Tasche von der Schulter und schleuderte sie ins Meer. Dann fuhr seine Hand zum Haar. Diese Frau hatte es berührt, hatte davon abgeschnitten.
Kilian wendete sich zum Haus. Eines war noch zu tun….
Verfasst: Sonntag 9. Dezember 2007, 15:53
von Constanza Aynina
Eigentlich nahm man sich nur vor ein wenig die Insel Lameriast zu begutachten. Einige brauchbare Stellen abzuschippern, an denen man anlegen konnte, wenn andere Ziele als der Hafen gebraucht wurden.
So kam es dazu, das der Seemann murrend vor sich hin brummte und an einer kleinen Insel, anhängend an Lameriast, anlegte und die beiden Reisenden hinaus boxierte, damit er sich eine Pulle Rum gönnen konnte, um zu verschnaufen.
So ein Saufkopf, dachte sich die junge Frau, ehe sie dem Piraten hinterher ging, welcher schon dabei war, die kleine Insel, welche wahrlich verzückend auf sie wirkte, begutachtete.
Bei näherer Betrachtung, konnte man meinen, jene kleine Insel, wäre der Ideale Treffpunkt für junges Glück. "Wenn du nen Mädel klarmachen willst, geh mit ihr uff die Insel!" Kaum merklich zucken die Mundwinkel Constanzas auf, als ihr die Worte durch den Kopf schossen.
Aber wo die Kerle recht hatten, hatten sie recht. Irgendwie stand doch jeder ein wenig auf diesen Kitsch.
Arr vermaledeite Gedanken. Schluß damit. Was war denn da hinten? Ein Schopf, ein länglicher Schatten und diese Geräusche.
Das wäre nun der Knaller gewesen, nen Liebespaar zu stören.
Der Gedanke daran, zauberte ihr gar ein Grinsen auf die Lippen.
Aye, das wäre doch ein perfekter Ausklang für zwei Liebende. Überfallen von zwei Piraten. Eine gute Gelegenheit für den Kerl den Held zu spielen oder für das Mädel festzustellen, das sie ihre Unschuld vielleicht doch noch behalten und nicht für jeden dahergelaufenen Schuft hergeben sollte.
Aber es war zu Conzis Enttäuschung nur ein Angler. Ein einsamer Kauz, der es genoß in der Dunkelheit, dem Klang der Wellen und das umher sausen des Windes zu lauschen.
Naja nun, besser als nix ne? Nimm einfach was du bekommen kannst.
Also los jehts.
Es wurden die üblichen Floskeln ausgetauscht. Da mal ein Lächeln. Da mal ein Augenaufschlag. Eine Frage überbrückte die andere bis der Pirat seine Waffe zog.
Ola, nun geht dem juten aber die Muffe. Niedlich anzusehen isser ja. Schade Schade, das ich zu wenig Zeit zum spielen habe.
Ihr Entermesser fand in den Minuten, in dem den jungen Mann klar gemacht wurde, was man wollte, ebenso seinen Platz in ihren Händen.
Langsam ging sie auf ihn zu.
Dennoch, auch wenn sie ihn nun seiner Habseligkeiten entledigen lies, wurde der freundliche Austausch gewahrt. Man musste es ja nun nicht übertreiben und das er ein netter Bursche war, zeigte sich schon am Anfang des Gespräches.
Nun gut, ein armer Kauz, das war er wohl. Seine Taschen zeigten mehr Plunder als Schätze auf, aber was wollte sie schon mit Plunder.
Gold spielte nun die größere Rolle. Gesagt getan. Sein kleiner, wahrlich kümmerlicher Goldbeutel, fand seinen neuen Besitzer und Platz bei Conzi.
"Hachja, das wars dann wohl ne? War nett mit dir zu Plaudern, haben leider net so die Zeit, um noch länger hier zu verweilen, auch wenn du nen schicker Kerl bist!" die Worte, die sie ansich innerlich zum Würgen brachten, huschten über ihre Lippen, dazu wie sooft das Lächeln, das spielen mit den Augen und Haaren und sie war drauf und dran sich umzudrehen.
Aber Moment! Da fehlte ja noch etwas.
"Liebchen, wenn du deinen Kopf magst, beugst den lieber mal selber zu mir vor, oder ich hol ihn mir einfach!"
Ein flotter Schwung mit dem Entermesser und eine braune Locke des jungen Mannes, fiel in die offene Hand Conzis.
Sie liebte Andenken. Es waren Erinnerungen an erlebte Dinge. Gut, wieso es ausgerechnet Haare waren, darüber würde man sich nun streiten können, es war etwas persönliches was sie ihrem Opfer abluchste und in ihre Tasche, zu den anderen steckte.
Jetzt, wo sie sich gemütlich zurück lehnen konnte, der Weg nach La Cabeza würde noch ein paar Stunden dauern, fühlte sie sich ausgesprochen wohl.
Es mag nicht nur der Überfall gewesen sein. Der ganze Abend war es wert, ernsthaft vor sich hin zu Lächeln.