Der Traum vom Delikatessenladen (Bajarder Schwank)
Verfasst: Sonntag 18. November 2007, 11:28
Wieder einmal saß Sarah Elisa so verbissen und grüblerisch in einer der Nischen des Bajarder Gasthofes. Die Wirtin nannte sich mittlerweile ihre Freundin und so konnte die rundliche Frau nicht anders, als sich dem jungen Mädchen mit einer Tasse Suppe zu nähern und zu ihr an den Tisch zu setzen. Das leise "Danke" hatte sie bald vernommen und kurz darauf betrachtete sie ihr "Sorgenkind" wie es am Becherrand nippte und wieder vor sich hinbrütete. Nach einigen stillen Momenten, fasste die Wirtin sich ein Herz und sprach Sarah Elisa direkt an.
"Hör mal, Lisel, ich weiß ja nicht was da bei dem Herrn Bürgermeister vorgefallen ist, aber zuerst wirkst du so glücklich und dann ziehst du eine Miene wie zehn Tage Regenwetter."
Verwundert hob die Angesprochene ihre feinen Brauen und begnügte sich damit ihre Freundin lange anzuglotzen, ehe sie seufzend den Blick auf die trübe Brühe in ihrer Tasse senkte und zu erklären begann:
"Ich hätte einfach nie, nie, nie nimmermehr erwähnen sollen, dass ich irgendwann einmal eine Schneiderausbildung begonnen habe..." gab sie kleinlaut zu und versuchte, auf den Verwunderungslaut der Wirtin hin, ihre Misere zu erklären.
"Eine sehr gute Lehrerin hatte ich ja, aber leider weder die Geduld, noch die Muse lange an der Schneiderkunst zu sitzen. Dann, als ich von meiner Reise zu Vater zurückkam, habe ich auch noch gehört, dass sie Varuna längst verlassen hatte. Mir tat es leid, denn ohne die liebe Meisterin war die große Stadt noch etwas kälter. Ich habe lange gegrübelt, lange überlegt was ich mache und dann bin ich auf meiner Reise in Bajard gelandet." Sie machte eine kleine Kunstpause und schon glühten die braunen Augen wieder begeistert auf.
"Es ist einfach so schön hier. Zwar nicht so ruhig, wie man glauben mag aber doch idyllisch. Einfache und tüchtige Leute überall um einen herum. Du zum Beispiel oder auch der gute Romain, der Fischer. Er war es auch, der mir über die letzten Wochen die Kunst des Fischens beibrachte. Harte Arbeit, egal bei welchem Wetter aber dennoch alles andere als uninteressant. Ich habe mich lange mit ihm unterhalten, ihm erzählt, dass ich nicht wissen würde, wovon ich nun leben soll. Er fragte mich, ob ich denn je in meinem Leben etwas gemacht habe, woran ich richtig Spaß hatte und halb weinend hab ich ihm von meiner glücklichen Zeit in einem großen Haushalt als Küchenlehrling erzählt."
Sie seufzte und schwelgte kurz in Erinnerungen, ehe sie sich etwas über den Tisch beugte und wisperte:
"Weisst du, was er mir geraten hat?"
"Nein... woher denn auch?"
"Er sagte, dass ich doch dann einfach Köchin werden solle. Rezepte habe ich im Laufe der Jahre regelrecht gehortet und der Hof der guten Frau Leanne hier, so versicherte auch er, liefere die beste Ware fürs weitere Kochwerk. Eine ausgezeichnete Idee: mein eigener, kleiner Laden voller Delikatessen. Kannst du dir vorstellen wie begeistert ich war?"
Ruhig nickte die Wirtin, ehe sie dann verwirrte zu fragen begann:
"Nun bist du es wohl nicht mehr? Haben sich deine Pläne so rasch geändert, Lisel?"
Entmutigt schüttelte Sarah Elisa den Kopf und erklärte fast schon wimmernd:
"Nein aber irgendwie glaube ich, hat der Bürgermeister mich nicht verstanden. Er sprach davon, dass es so viele Schneider schon in Bajard geben würde und dass es dabei Probleme und Konkurrenzgehabe geben könne. Ich habe ihm eigentlich nochmals erklärt, dass ich nicht die Bohne vorhabe eine Schneiderei zu eröffnen, das wäre mein Untergang... aber ich glaube nicht, dass er das verstanden hat. Irgendwie glaubte er wohl, dass ich als ehemaliger Schneiderlehrling nur auch Schneider werden kann. Ach, was passiert nun, wenn ich nicht hier wohnen darf oder keinen Laden bekomme, weil ich irgendwann Schneiderlehrling war und dies zugegeben habe?"
In die aufkommende Stille hinein prustete die Wirtin plötzlich lachend los und erntete damit gekränkte, irritierte Blicke ihrer Freundin. Sie beeilte sich um die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen, dann allerdings beeilte sie sich amüsiert zu versichern:
"Der Herr Bürgermeister hat dich doch nur ausgehorcht, du Dummchen. Was meinst du wer hier alles in unser Dörfchen spaziert und eine Bürgschaft haben mag. Nein, solche Leute müssen genau befragt und auch in einer Wartezeit beäugt werden. Hah, aber glaub mir, er hat deine Worte mit Sicherheit verstanden! Mach dir da mal keine Gedanken... und nun raff dich auf, du wolltest heute noch ein paar Forellen für mich fangen."
Brummelnd erhob das Mädchen sich und griff nach ihrer Angel, welche an der Wirtshauswand lehnte.
"Wir werden ja sehen!" maulte sie, jedoch war ihr ums Herz längst viel leichter.
"Hör mal, Lisel, ich weiß ja nicht was da bei dem Herrn Bürgermeister vorgefallen ist, aber zuerst wirkst du so glücklich und dann ziehst du eine Miene wie zehn Tage Regenwetter."
Verwundert hob die Angesprochene ihre feinen Brauen und begnügte sich damit ihre Freundin lange anzuglotzen, ehe sie seufzend den Blick auf die trübe Brühe in ihrer Tasse senkte und zu erklären begann:
"Ich hätte einfach nie, nie, nie nimmermehr erwähnen sollen, dass ich irgendwann einmal eine Schneiderausbildung begonnen habe..." gab sie kleinlaut zu und versuchte, auf den Verwunderungslaut der Wirtin hin, ihre Misere zu erklären.
"Eine sehr gute Lehrerin hatte ich ja, aber leider weder die Geduld, noch die Muse lange an der Schneiderkunst zu sitzen. Dann, als ich von meiner Reise zu Vater zurückkam, habe ich auch noch gehört, dass sie Varuna längst verlassen hatte. Mir tat es leid, denn ohne die liebe Meisterin war die große Stadt noch etwas kälter. Ich habe lange gegrübelt, lange überlegt was ich mache und dann bin ich auf meiner Reise in Bajard gelandet." Sie machte eine kleine Kunstpause und schon glühten die braunen Augen wieder begeistert auf.
"Es ist einfach so schön hier. Zwar nicht so ruhig, wie man glauben mag aber doch idyllisch. Einfache und tüchtige Leute überall um einen herum. Du zum Beispiel oder auch der gute Romain, der Fischer. Er war es auch, der mir über die letzten Wochen die Kunst des Fischens beibrachte. Harte Arbeit, egal bei welchem Wetter aber dennoch alles andere als uninteressant. Ich habe mich lange mit ihm unterhalten, ihm erzählt, dass ich nicht wissen würde, wovon ich nun leben soll. Er fragte mich, ob ich denn je in meinem Leben etwas gemacht habe, woran ich richtig Spaß hatte und halb weinend hab ich ihm von meiner glücklichen Zeit in einem großen Haushalt als Küchenlehrling erzählt."
Sie seufzte und schwelgte kurz in Erinnerungen, ehe sie sich etwas über den Tisch beugte und wisperte:
"Weisst du, was er mir geraten hat?"
"Nein... woher denn auch?"
"Er sagte, dass ich doch dann einfach Köchin werden solle. Rezepte habe ich im Laufe der Jahre regelrecht gehortet und der Hof der guten Frau Leanne hier, so versicherte auch er, liefere die beste Ware fürs weitere Kochwerk. Eine ausgezeichnete Idee: mein eigener, kleiner Laden voller Delikatessen. Kannst du dir vorstellen wie begeistert ich war?"
Ruhig nickte die Wirtin, ehe sie dann verwirrte zu fragen begann:
"Nun bist du es wohl nicht mehr? Haben sich deine Pläne so rasch geändert, Lisel?"
Entmutigt schüttelte Sarah Elisa den Kopf und erklärte fast schon wimmernd:
"Nein aber irgendwie glaube ich, hat der Bürgermeister mich nicht verstanden. Er sprach davon, dass es so viele Schneider schon in Bajard geben würde und dass es dabei Probleme und Konkurrenzgehabe geben könne. Ich habe ihm eigentlich nochmals erklärt, dass ich nicht die Bohne vorhabe eine Schneiderei zu eröffnen, das wäre mein Untergang... aber ich glaube nicht, dass er das verstanden hat. Irgendwie glaubte er wohl, dass ich als ehemaliger Schneiderlehrling nur auch Schneider werden kann. Ach, was passiert nun, wenn ich nicht hier wohnen darf oder keinen Laden bekomme, weil ich irgendwann Schneiderlehrling war und dies zugegeben habe?"
In die aufkommende Stille hinein prustete die Wirtin plötzlich lachend los und erntete damit gekränkte, irritierte Blicke ihrer Freundin. Sie beeilte sich um die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen, dann allerdings beeilte sie sich amüsiert zu versichern:
"Der Herr Bürgermeister hat dich doch nur ausgehorcht, du Dummchen. Was meinst du wer hier alles in unser Dörfchen spaziert und eine Bürgschaft haben mag. Nein, solche Leute müssen genau befragt und auch in einer Wartezeit beäugt werden. Hah, aber glaub mir, er hat deine Worte mit Sicherheit verstanden! Mach dir da mal keine Gedanken... und nun raff dich auf, du wolltest heute noch ein paar Forellen für mich fangen."
Brummelnd erhob das Mädchen sich und griff nach ihrer Angel, welche an der Wirtshauswand lehnte.
"Wir werden ja sehen!" maulte sie, jedoch war ihr ums Herz längst viel leichter.