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Verschollen oder Gefangen?

Verfasst: Donnerstag 8. November 2007, 17:13
von Lanaya Shevanor
Wehmütig glitt der Blick über jedes der staubigen Bücher. Alle waren sie unbezahlbare Schätze die im Grunde gehegt und gepflegt sein wollten. Monate schon war niemand hier. Dunkle Scheite zeugten von dem längst erkalteten Feuer und die Leere machte ihr zu schaffen. Sorge zeichnete sich auf den blassen Zügen ab für sie durchaus ungewöhnlich. Die letzten Nächte hatte sie hier verbracht, eingehüllt in einen dicken Mantel mehr auf einem provisorischem Lager denn in einer bequemen Stätte. Es war Zeit, Zeit etwas zu unternehmen. Stets hatten sie ihre kleinen, geheimen Wege gehabt sich einander mitzuteilen doch wo suchen wenn es längst in der Vergangenheit lag?

Nein es reichte, er war ohnehin nicht da dann würden ihn gewisse Dinge auch nicht stören. Ordnung wurde geschaffen. Zwei volle Tage ertrug sie das lästige Keckern der kleinen Flügeldiener ehe kein Staubkorn mehr zu finden war und ein gemütliches Feuer im Kamin prasselte. Nur mit einer leichten Robe bekleidet Schritt sie durch das Haus. Unruhig, vom Schlafzimmer in den Keller durch die Bibliothek und schließlich in ihr altes Zimmer. Vieles hatte sich verändert doch noch mehr erschien vertraut. Nach kurzer Zeit fand sie sich hier wieder zurecht als wäre sie niemals fort gewesen. Allerdings war die herbeigesehnte Ruhe nach kurzer Zeit unerträglich und in ihr machte sich eine Ruhelosigkeit breit die bislang tief verborgen lag.

Mittel und Wege gab es viele ihn zu suchen doch schließlich hatte er es so gewählt. Was auch immer er ergründete es war sicherlich wichtig und es war keine Seltenheit das Mitglieder des Ordens über Monate verschwanden. Dennoch, etwas störte sie, etwas war 'falsch'. Lanaya begann zu suchen und stöberte in seinen Werken. Berichteten sie von seinen Plänen und lieferten ihr die Antworten jene sie zu finden hoffte oder waren es schlichte Erfahrungsberichte? Langsam hoben sich die Mundwinkel zu einem unergründlichen Lächeln. Selbst die Schrift spiegelte einen Teil seines Wesens wieder. Nach geraumer Zeit wurden die Augen geschlossen und sie dachte Nach. Verwirrende Gedanken die durcheinander wirbelten. Vieles hatte man erlebt durchgestanden und dennoch stand man sich nahe. Nein, sie hatten einander nicht umbringen können. Doch reichte es, konnte man es wagen derlei Umstand als etwas zu bezeichnen das in ihrem Umfeld kostbarer war als jeglicher weltliche Bezug?

Ja, es reichte ihr. Nur einen Mann gab es dem sie mehr Vertrauen schenkte als ihm und bis es soweit war hatte es gedauert, wahrlich. Energisch wurde der Kopf geschüttelt als sie bemerkte wie sehr sie sich ablenken ließ. Weiterlesen... ergründen... verstehen... war es denn so schwer? Interessant wie er manche Begebenheiten auffasste doch bislang wurde sie nicht fündig.


Wo bist du..?


Wie weit kann ich gehen dich zu finden?



Wie ein zartes Flüstern klangen die Worte durch den Raum. Würde sie die Möglichkeiten nutzen die sie hatte konnte sie zerbrechen was sie hart erarbeitet hatten. Nein, sie musste einen anderen Pfad wählen. Noch hatte er sich nicht gefestigt und war umwoben von grauen Schleiern die jegliche Gabelung verbissen verborgen. Vorerst würde sie warten müssen und sich gedulden. Mit einem dumpfen Ton wurde das Buch zugeklappt und an seinen Platz gestellt. Es zog sie in den Keller, warum nur? Waren es die Sinne der Arkoritherin oder schlichtweg etwas das nicht gegeben war?

Verfasst: Sonntag 11. November 2007, 22:23
von Iloiss Tso´al
Dunkle Nebelschwaben umhüllten ihn und mit jedem Schritt durchschnitt seine raue Atmung die Stille. Der leuchtende Mond spiegelte sich wellenförmig auf dem dunklen Wasser des Flußes wider. Ab und an vermochte man den Schatten vorbeifliegender Fledermäuse auf den Wellen erblicken. Eine Ewigkeit schon durchquerte er diesen Wald und er war noch längst nicht zu Hause angekommen.

zu Hause

Das Wort hatte sich schon beinahe aus seinem Wortschatz gelöst. Er wollte eine Reise mit Wiederkehr antreten. Das Schicksal hatte ihn jedoch für eine ganz andere Sache bestimmt. Mit verdeckten Augen ging er den Schleichweg weiter hinauf und hoffte bei jedem Schritt das Ziel zu erreichen. Die Augen mussten geschützt bleiben, sonst sah er wieder alles von vorne beginnen. Das viele Blut, zerbrochene Gliedmaßen, zerquetschte Organe und die verbrannten Überreste menschlicher Kinder. Iloiss ekelte sich nicht vor dem, was er getan hat, viel mehr vor dem, was noch kommen könnte. Der alte Arkorither hatte schon unzählbare Menschen seelisch gefoltert oder langsam und schmerzvoll hingerichtet, aber die jüngste Vergangenheit hatte Narben hinterlassen, die er sein ganzes restliche Leben lang tragen würde. Wie weit war er denn noch von zu Hause entfernt?

zu Hause

Unglaublich wie er sich verändert hatte. Früher hätten ihn keine zehn Dämonen in seinem Heim halten können, doch nun würde er alles gegen einen ruhigen und gemütlichen Abend vor dem Kamin eintauschen wollen. Wie es wohl Lanaya geht? Diese Frage hatte er sich seit dem Kontaktabbruch täglich gestellt. Aber er konnte ihr nicht schreiben, es war eine Sache, die er alleine verarbeiten muss. Es gab so viel zu erzählen, wie viele Abende würde es dauern? Da! Diese Strophe, er kannte sie. Er näherte sich seinem Haus. Innerlich begann er zu lächeln, es war geschafft! Er fuhr sich noch ein Mal mit seinen vernarbten Händen über die kaputten Lippen, hinauf zur blutkrustigen Nase, über die vom Schweiß genässte Augenbinde bis zu den goldfarbenden Haaren und zog vorsichtig die Kapuze vom Kopf. Forschend glitt er mit seiner Handfläche über die Runen an seiner Haustür und öffnete diese mit einer dreiecksförmigen Handbewegung. Endlich war er da...

zu Hause.