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Politik und seine Waffen...
Verfasst: Mittwoch 7. November 2007, 14:54
von Sephira von Tecklenstein
Der Mond ragte kalt und drohend an dem dunklen Firmament.
Wolken, vom Herbstregen getränkt, zogen vorbei und kündeten den baldigen Regen an.
Sie hatte wieder festen Boden unter den Füßen, hatte die Trümmern Rahals gesehen, ehe sie sich mit müden Schritten auf den Weg zum Lager machte.
Ihr Körper zitterte bei jedem feinen Windhauch, der die zierliche Silhouette umfing.
Sie fühlte sich schwach, ausgelaugt und unheimlich erniedrigt.
Die Politik ist wirklich ein schmutziges Geschäft...
Die Reise in die alte Heimat war ein gefährliches Unterfangen gewesen. Jeden Moment hätte man sie entdecken können; jedes Treffen mit wichtigen Personen konnte auch den sofortigen Verrat bedeuten.
Viel hatte sie eingesetzt, um ihre Ziele zu erreichen.
Für einen Moment verzog sie die Miene, wenn sie daran zurückdachte.
Männer sind so leicht steuerbar. Ein richtiger Schwung mit der Hüfte, dort ein wenig zu nah herangetreten oder sich zu ihm herabgebeugt....und schon fressen sie jedem Weib aus der Hand.
Doch welchen Preis geht man selbst dabei ein?
Das Lager wirkte trostlos auf sie. Ein Zelt glich dem anderen, ein Gesicht dem anderen. Hier sollte sie die nächsten Nächte verbringen? Wieder verzog sich das Gesicht, der Umhang wurde enger um die schlanke Figur geschlungen.
Der Hauptmann der Armee....wenn ich das habe, was ich will, muss er büßen!
Die Maske war von ihrem Gesicht gefallen und alles was geblieben war, war das junge Mädchen, was noch in ihr so lange verborgen war. Nicht heute, nicht an diesem Abend fand sie die Kraft, stark zu sein und sich nicht zu verraten.
Ihr Streifzug endete an der provisorischen Palisade des Lagers, wo sie eine Lichtquelle ausmachte. Das Seitenprofil der Baronin zeichnete sich deutlich in dem flackernden Schein der Laterne aus.
Gesellschaft....vielleicht lenkt es mich ab; vielleicht zerstreuen sich so die Gedanken und lassen mich vergessen. Vielleicht....
Langsam trat sie näher, ehe sie sanft die Stimme erhob:
„Guten Abend Baronin...Möge der Eine euch schützen.“
Verfasst: Mittwoch 7. November 2007, 15:38
von Lanaya Shevanor
Warm war es unter dem schweren Leder des Mantels. Genießend waren die Augen geschlossen während sie im Lichtschein der Lampe verweilte. Das nahe Lager und die vielen Menschen um sich herum störten keinesfalls. Vielmehr war es eine Freude dem langsam verklingendem Abendlärm zu lauschen der der Nachtruhe wich. Wie so oft störten jedoch Schritte die Einsamkeit und ihre Gedanken. Lanaya sah nicht auf als die Adlige das Wort erhob. Lange war es her seit sie diese Stimme vernommen hatte – zu lange?
Auch euch einen wohlen Abend Blutgeboren.
Jetzt erst festigte sich ihr Blick auf Sephira. Nachdenklich, musternd die Veränderung auf den Zügen durchaus wahrnehmend. Wo sie bereit war einer anderen ihres Standes zu vertrauen herrschte bei Sephira eine beständige Vorsicht. Misstrauen? Sicherlich hatte sie ihr gewisse Möglichkeiten gewährt doch würde sie die Chance jedem bieten der bereit war sich zu beweisen. Nichts besonderes in ihren Augen. Warum nur kam ihr eine andere Frau in den Sinn während sie die Blutgeborene betrachtete. Sie glichen sich nicht, in keinster Weise und dennoch – etwas hatten sie gemein. Mit einem zuckrigen Lächeln brach sie die Gedankengänge ab sich auf das Gespräch konzentrierend. Politik, wahrlich was sonst? Das junge Ding war ganz versessen darauf gewisse Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Sie strebte geradezu danach und wer konnte es ihr in diesem Umfeld verübeln?
Beiläufig strich sie die hellen Haare zurück und wandte den Blick zur Seite. Ah, weitere Gesellschaft.. es dauerte nicht lange ehe der Tisch sich füllte. Zu fünft saß man letztendlich da und mit Ruhe und Einsamkeit schien es vorbei. Interessiert zogen sich die feinen Brauen zusammen als das Gespräch sich Sephira's Onkel zuwandte. Ihre Angelegenheiten hatte Blutgeboren alleine bewältigt und dem Gebaren nach hatte sie eingesetzt was eine Frau einsetzen konnte. Sie selbst richtete sich etwas auf der Blick war nun fast etwas lauernd. Diese Art und Weise mochte durchaus effektiv sein und annehmbar zu einem gewissen Grad. Inzwischen hatte die Baronin vieles erlebt das gründlich mit der Etikette brach jene sie in jungen Jahren eingebläut bekommen hatte. Doch schließlich heiligt der Zweck die Mittel. Noch während sie Sephira betrachtete konzentrierte sie sich merklich. Der Blick wanderte nicht mehr ab und was war leicht, so überraschend leicht sich mentalen Zugang zu verschaffen. Keine lästige Mauer wie bei den Geschulten, keine kleinen Fallen und Hindernisse die es zu überwinden galt... enttäuschend.
So scheint es an den Damen eurer Blutlinie die Geschicke zu lenken nicht wahr?
Wie ein verblassendes Echo würde sie die verräterischen Gedanken in ihrem eigenen Kopf aufklingen hören. War sie sich des Fremden bewusst? Reaktionen die es nicht eindeutig aufzeigten waren nicht Antwort genug. Lanaya beschloss zu spielen, es war erfrischend diese Irritation im Blick zu beobachten. Das Hochziehen der Schultern und der Griff zum Umhang als könne ein krampfhaftes schließen vor der Brust alles schädliche fern halten. Die Baronin musste an sich halten nicht leise zu kichern. Amüsant waren die folgenden Ansichten und endlich sprach das junge Ding. Gewählt erschienen die Worte hier in dieser Gesellschaft hielt sie sich bedeckt. Bedauerlich.
Abermals gab sie ihr einige, lenkende Gedanken ein und vermutlich war nur einer der beiden Arkorither in der Lage dem Ansatzweise zu folgen. Dann jedoch ließ sie den Blick schweifen. Hier saß eine Verbündete und noch hatte sie keinen Grund ihr zu zusetzen. Vielmehr war sie neugierig geworden und ihre Exzellenz durfte sich sicher sein etwas mehr Aufmerksamkeit zu genießen. Vorerst jedoch würde sie ihr etwas zum Denken geben und die Gesprächswendung mit dem Diplomaten war überaus willkommen. Würde ihre Blutgeboren von Tecklenstein den Wink erkennen? War sie fähig derlei Spielchen zu spielen? Die Maga war geduldig, sie hatte Zeit. Nun galt es abzuwarten.
Verfasst: Samstag 17. November 2007, 16:15
von Sephira von Tecklenstein
Die ersten Lektionen...
Das Feuer knisterte ruhig in dem kleinen Kamin, in dessen Nähe sie sich gesetzt hatte. Lange, nachdenklich lag der Blick auf die zuckenden Flammen, die sich mehr und mehr den Holzscheiten bemächtigten.
Die neue heilige Stadt erschien nun vollends in neuem Glanze und sorgte dafür, dass sie sich mehr und mehr einzuleben begann.
Ein Schmunzeln legte sich auf die fein geschwungenen Lippen und die Hand wanderte, ohne den Blick von dem Kamin abzuwenden, zu dem kleinen Tisch neben sich, ein kleines schwarzes Büchlein ergreifend.
Die Tage in der neuen Stadt hatten ihr Vorhaben nur bestätigt.
Ihr Wille, gestärkt von den neuen Eindrücken, begann sich mehr und mehr zu festigen.
Kenne die Schwächen deines Gegenübers und seine Ängste...
Das Buch wurde langsam geöffnet, die zarten, schlanken Finger blätterten sachte die Seiten um, bis sie zu einer unbeschriebenen Seite ankam.
Die Feder war rasch in Tinte getaucht und langsam fanden die Worte ihren Weg auf das Papier:
Die Zeit wird es bringen, wer stark und wer schwach,
wer schneller als andre und immerzu wach.
Die Zeit wird es bringen, mein Freund du wirst sehn,
dass ich steh ganz oben und du wirst vergehn`!
Mein Blick wird sich weiten, werd bald schon verstehn,
was Gut ist für mich, für mein Forstbestehn!
Mein Blick wird sich weiten, wird wacher denn je‘,
klar sind die Ziele, die ich so nah vor mir seh!
Bald weiß ich zu nutzen, mein Wissen um dich,
all deine Ängste sind so kostbar für mich.
Bald weiß ich zu nutzen, zu erreichen was mein,
und du wirst gebrochen, wirst nicht mehr derselbe sein.
Und wenn ich es weiß, wie der Mensch ist gestrickt,
werd ich es nutzen, jedes Wort, jeden Blick.
Und wenn ich es weiß, wie der Mensch funktioniert,
werd ich den Weg gehen bis das Ziel ist forciert.
Ein undeutbares Lächeln huschte über die Lippen, als der Blick prüfend über die sich langsam trocknende Tinte huschte. Die Worte hatten ihren Weg auf das Blatt gefunden....Nun mussten den Worten nur noch Taten folgen...
Verfasst: Samstag 1. Dezember 2007, 19:26
von Sephira von Tecklenstein
Was versprecht ihr euch davon, Sephira?
Das Meer peitschte rauh und erbarmungslos an die Klippen des Felsvorsprunges, an dem sie gedankenverloren stand.
Die dunklen Augen fixierten einen unbestimmten Punkt, während wieder und wieder die Gedanken wirr durch ihren Kopf rasten.
Wie würdet ihr euch vorstellen, jenes zu bekommen, was ihr euch zuvor so sehr gewünscht hattet, in der Taverne...?
Ungeduld breitete sich in dem zierlichen Körper aus. Ein schieres Verlangen trat hinzu und verwandelte sich in Trotz.
Sie wollte so weit kommen, sie wollte so vieles erreichen.
Sie bräuchte eine Chance, eine Möglichkeit! Sie hatte schon fast darum gefleht....
Die Arme schlangen schützend den Mantel um die schlanke Figur, während die Gedanken weiter rasten; der Blick weiter auf die unbändigen Wellen lag.
Sie hatte einen Strohhalm bekommen, an dem sie sich nun festhalten müsste...
Entledigt euch dessen, was euch Nahe steht. Vertraut keinem und frönt der Einsamkeit.
Der Mond gab ihr den Schutz im Schatten, ohne große Aufmerksamkeit wieder in die heilige Stadt und in die schützenden Wände des Heimes zu gelangen.
Oh ja, sie wollte sich entledigen; von dem, was sie einmal geglaubt hatte zu lieben und dem, was sie als wichtig empfand. Mittel und Wege müssten in Bewegung gesetzt werden. Wege, die kein Zurück mehr erlauben würden und sie für immer zu etwas machen würde, was sie nicht mehr ablegen könnte.
Die Baronin hatte Recht. Und auch wenn sie sich so in Schweigen hüllt...auch wenn sie mir immer noch unfassbar erscheint. Die ersten wahren Worte wurden heute Abend gesprochen... Die Zeit wird es bringen, wie sehr sie sich in mir verinnerlichen...
Rastlos flanierte sie durch die Räume, ehe sie sich an das Kaminfeuer setzte. An Schlaf wäre nicht mehr zu denken. Gedanken ordnen und Kraft sammeln. Eine neue Kraft, die alles verändern könnte. Routiniert griff die Hand nach dem schwarzen Büchlein auf dem Tisch neben ihr, ein wenig darin blätternd. Sie verharrte an einigen Zeilen, ehe sie es wieder zuklappte. Ein weiterer Spaziergang würde sicher Ruhe bringen....
Ich habe bereits so viele Masken getragen,
so viele Rollen gespielt.
Ich bin mir selbst fremd geworden...
Verfasst: Sonntag 3. Februar 2008, 18:06
von Sephira von Tecklenstein
Zuhause ist es am Schönsten....
Lange stand sie vor den knisternden Flammen des Kamines, die sich mehr und mehr um das Holz schlungen. Eine innere Unruhe hatte sie ergriffen und durchfuhr den gesamten Körper.
Sie war so nah an dem Ziel, an dem süßen Ziel, was sie schon eine ganze Weile nun verfolgt hatte: Der Moment der Rache.
Die Lippen zuckten zu einem Lächeln herauf, als sie an den Abend denken musste. Sie hatte sich wohl genau die richtige Person ausgesucht; so voller Eifer schien der Kerl gewesen zu sein, sich ihr zu beweisen. Sie musste an seine Worte denken, an seine Blicke... und wieder zuckten die Lippen auf und verharrten einen Moment zu einem kalten Lächeln.
Ihr täuscht euch...nicht ihr habt die Fäden in der Hand. Nein, die Marionette kann sich selbst nicht spielen, sondern nur der Puppenspieler.
Es galt, sich an die eigenen Regeln zu halten und das Spiel weiter durchzuziehen, wie sie es von Anfang an geplant hatte. Die Informationen waren einfach zu wichtig für sie, als dass sie es nun abbrechen könnte. Sie müsste sich vorbereiten, hier und da Nuancen des eigentlichen Weges, den sie einschlagen wollte, nun verändern. Dafür galt es, Vorbereitungen zu treffen.
Die raschen Schritte führten sie in das nächste Stockwerk und an den Schreibtisch. Ein feines Pergament zur Hand nehmend, sowie Tinte und Feder, setzte sie sich an das alte Möbiliar und die geschwungenen Buchstaben fanden nach und nach ihren Weg auf dem Papier. Nur einen Moment wartete sie, dass die Tinte trocknete, faltete es zusammen und schrieb den Namen desjenigen auf das Papier, wem die Nachricht bestimmt war: Thyralos Shabir.
Er würde es finden, war es doch allzu offensichtlich auf der Arbeitsplatte des Tisches liegen geblieben, als sie ihr Zimmer aufsuchte.
Sobald das Blatt den Weg in seine Hände fand und er es entfaltete, mag er folgenden Inhalt erblicken:
Deine Fähigkeiten werden benötigt, Thyralos.
Ich erwarte dich in den nächsten Tagen zu einer Unterredung.
Verfasst: Montag 3. März 2008, 15:05
von Sephira von Tecklenstein
Wieder ein Moment, in denen der Körper sich anspannte und die zuvor geschlossenen Augen wachsam in der Dämmernis herumwanderten. Der wievielte Schrei war es bereits, der durch das Gemäuer gedrungen war? Wie oft hatte sie den Ruf nach Gnade, das Wimmern vernehmen müssen? Die schlanken, rissigen Finger fuhren durch das dunkle Haar, lösten den Zopf, nur um ihn in der nächsten Bewegung wieder zu einem Flechtwerk zusammenzubinden.
Mit dem Nachdenken hatte sie bereits vor geraumer Zeit aufgehört und an dessen Stelle trat die Resignation.
Sie hatte es verpatzt, trotz allem Nachdenkens, trotz der Fäden, die sie sich in der Hinterhand behalten hatte. Mehr und mehr Augen würden nun ihr Tun im Auge behalten, würden jegliche Entscheidung ihrerseits in Frage stellen; zumindest diejenigen, die den wahren Grund ihres Wegseins kannten. Eine Welle des Zorns durchfuhr den Körper und bebte eine Weile brodelnd auf. Wie konnte man ihr nur solche Worte an den Kopf werfen, wie konnte man solche Vorhaltungen machen, wenn man nicht wusste, wie es dazu gekommen war?!
Hass schürte ihr Herz, Hass und Verachtung.
Kein Wort würde sie derzeit in sich aufnehmen wollen. Sollten sie reden, sollten sie doch glauben, was ihnen richtig schien. Innerlich sah sie bereits den Blick des Bruders und war auf die nächste schallende Ohrfeige gefasst.
Sie wollten ein Kind, dass trotzig dem tadelndem Blick begegnen würde? Sie würden ein Kind bekommen; doch der Verstand und die Hintergedanken ihrerseits sprachen eine andere Sprache. Nach aussen hin wäre das Kind da... doch nur sie selbst konnte in sich hineinsehen und die junge Frau einsperren, die neue Pläne schmied. Pläne, die es allen beweisen sollte, wozu sie fähig sei.
Langsam schloss sie die Augen und versuchte, die hallenden Schreie zu ignorieren. Hoffentlich würde man sie alsbald herauslassen, wurde ihr die Bettrolle doch etwas unangenehm. Sie würde Reue zeigen; wenn es zu ihrem Vorteil war...
Verfasst: Mittwoch 5. März 2008, 12:58
von Lanaya Shevanor
Sanft war der Schlag sicherlich nicht doch immerhin ertrug sie zumindest dies ohne verweichlicht zu wimmern. Bislang hatte sie nicht bestanden und war den Ansprüchen nicht gewachsen die man an sie stellte.
Ihr habt gut reden mit all eurer Macht!
Grinsend wandte die Arkoritherin den Kopf zur Seite. Durchaus, das hatte sie – warum auch nicht? Jahrelange Arbeit, Strebsamkeit und Übung verbargen sich dahinter. Man war in Rahal, hier bekam man nicht den Allerwertesten gepudert wie es Blutgeboren vielleicht erwartete. Derweil würde sie die Frau sicherlich nicht hinaus lassen. Sollte sie die Gastfreundschaft einige Tage genießen und sich besinnen.
Gelassen scheuchte sie die jungen Adepten durch die Burg. Vermutlich sahen sie wenig Sinn und Zweck die schwächliche Fremde überhaupt am Leben zu lassen. Fakt war das an ihrem Versagen ein anderes Leben hing. Derweil war es zu nützlich um es schlicht wegzuwerfen oder eine Änderung im derzeit existierenden Hierarchiegefüge zu riskieren. In einem halbwegs menschlichem Zustand fand sie sich später am Tisch ein und führte ihrem Körper die bislang entbehrte Flüssigkeit und neue Kraft in Form von Nahrung zu. Nach all der Zeit hatte sie sich nicht überlegt welche Schritte sie nun gehen würde, welche Pfade sie einschlagen sollte. Vielleicht jedoch zog sie es auch lediglich vor diese nicht mitzuteilen. Was machte es schon für einen Unterschied? Wer nicht verstehen wollte der konnte auch nicht.
Innerlich fand sie es durchaus amüsant was Bruder Marcos dazu anzumerken hatte doch in Gesellschaft galt es sich zurück zu nehmen. Alle Anwesenden wurden dazu verdonnert seine abendlichen Übungen zu begleiten. Herzerfrischend wie sie ihren Atem verschwendete dagegen anzugehen doch immerhin – alle hatten die sieben Runden geschafft. Außer Atem stütze sich die Blutgeborene an der Mauer ab während die Herren noch nicht am Ende waren. Lanaya holte sie zu sich und teilte ihr abermals nur wenige Worte mit. Ob sie jedoch die Zusammenhänge je begreifen würden die ihr während ihres Aufenthalt geliefert worden waren – die Arkoritherin zweifelte. Wie auch immer, ein längerer Aufenthalt war der Sache nicht dienlich. Sollte ihr Bruder sich mit ihren Fehlern befassen und in die richtige Richtung lenken, ehe ein weiteres Mal Salz und Eis gereicht wurden.
Verfasst: Mittwoch 5. März 2008, 15:32
von Gillian von Tecklenstein
Er schritt die Treppenstufen herunter, hatte er Geräusche gehört und bekannte Stimmen..Unten angekommen verharrte er am Treppenabsatz blickte jene Person an welche zurückgekommen war, welche endlich wieder im Hause war..
Er hatte überlegt wie er am besten ihr zeigen könnte das sie nicht nur sich selbst in Gefahr brachte, sondern auch die Familie, nicht der Ruf war ihm wichtig sondern das Vertrauen was er in sie gesetzt hatte..
Liebe empfand er für sie, angemessen einer Schwester und dies hatte sie aufs Spiel gesetzt..Kein äusserlicher Schlag, die Bestrafung sollte ganz tief innen erfolgen und ihr einen Stich im Herzen versetzen..
Wusste er doch das sie um einiges aufgetaut war als er nun heimkam, in die Stadt des Einen..
In das heilige alatarische Reich..
Verflucht hatte er sich in den Wochen ihrer Abwesenheit, Unfähigkeit sich selbst gegenüber das er es nicht schaffte sein Ein und Alles, sein Blut und Wichtigstes zu beschützen..
" Du hast mich enttäuscht..", die Reaktion war nicht gespielt, zumindest hoffte er dies, seine Schwester war ein Naturtalent etwas vorzuspielen, das hatte er schon früh gemerkt und stets im Hinterkopf behalten..
Ihr Blick senkte sich, der Griff um den Steinstuhl festigte sich und er war sich sicher, sie würde daraus lernen und wachsen..
Vielleicht war dieser kleine Ausflug gar nicht so schlecht gewesen..Sie würde, da war er sich sicher, alles daran setzen diesen Fehler schnellstens ungeschehen zu machen..
Verfasst: Freitag 19. Dezember 2008, 17:54
von Sephira von Tecklenstein
Das Aufsetzen neuer Masken
Sorgsam fuhren die schlanken Finger durch das nasse, dunkle Haar, ordneten Strähne für Strähne. Kein Rest der ausgewaschenen Farbe durfte noch zu sehen sein oder der Verdacht aufkommen, dass die Baronin etwas zu verbergen hatte...doch war dem nicht so? Kurz hebte sich ein Mundwinkel schwach in die Höhe, als sie in der Bewegung verharrte und das Spiegelbild betrachtete. Das dunkle Augenpaar war um einiges ruhiger geworden, nur noch ab und an flackerte es unstet auf. Nur dann, wenn sie unruhig wurde oder sich unwohl fühlte. Doch bald würde sie ihre ganze Maske wieder kontrollieren können, wieder die Farce weiterführen, die man von ihr verlangte: Die stets perfekte, unnahbare Baronin von Tecklenstein.
Sie hatte viel gesehen, gelernt in den letzten Tagen. Hatte Menschen gesehen und mit ihnen geredet. Menschen, die nichts weiter als eine unscheinbare Wanderbardin vermutet hatten; jemand, der nirgends daheim war oder Anwesende als Familie bezeichnen, gar als Freunde betiteln würde. Wie nah und fern zugleich sie doch mit dieser Annahme waren! Die Rechte wanderte zu der Schublade der Kommode vor sich und zog jene auf, um den Kamm herauszuholen und das Haar vorsichtig zu kämmen. Selbst der kleinste Mann verstrickt sich in Lügen...Die ganze Welt schien ein einzigstes Lügengeflecht, ein goteskes Schauspiel einer höheren Macht. Jeder auf Erden belog den Nächsten...es war unwichtig, ob sie nun als Adlige oder Wanderbardin vor einem stehen würde...nur wusste sie, dass sie noch mehr Lügen ernten würde, wenn man bei ihr den Status kannte.
Gescheiterte Existenzen...Lügen, um sich zu schützen; Lügen, um zu überleben; lügen, um nicht ganz so viel Schmerz und Angst zu empfinden. Vertraue niemanden, sonst wirst du am Ende enttäuscht. Sie konnte es immer noch nicht begreifen, wie in dieser „Auffangstation“ so viele falsche Hoffnungen geschürt werden konnten. Wenn sie es gewollt hätte, sie hätte mit wenigen Worten jegliche Hoffnung wieder dem Erdboden gleich machen können. Es war zu verlockend...dieses eine Mädchen. Es wäre so ein einfaches Spiel gewesen. Rasch fuhren die schlanken Finger hinauf und banden das noch feuchte Haar zu einer einfachen Hochsteckfrisur, während sie sich erhob und zum Kamin ging. Das Weinglas im Vorbeigehen mitnehmend, ließ sie sich auf eines dedigesr Kissen nieder und beobachtete ruhig die Flammen. Die Flammen sorgten für ein merkwürdiges Schattenspiel auf der blassen Miene, die gepflegt wirkte. Kurz schürzte sie die Lippen, als sie an die Tage des Schauspiels denken musste. Der Dreck im Gesicht und der unordentliche Zopf...es war eine gewisse Überwindung dabei gewesen.
Doch sie wollte wissen, ob sie wieder bereit war...bereit zum Spielen...und leben.
Sie hatte viel gelernt, viel beobachten können. Den einfachen Mann, die einfache Frau...wie sie dachten und lebten. Was sie als Glück empfanden und was als hoffnungsvoll. Kleine Dinge...oder unerreichbare. Vielleicht wird man einst über jene ein Lied singen...Ein leichtes Lächeln bildete sich bei dem Gedanken. Oh ja, sie hatte ihre Rolle bis zum Schluss durchgehalten, auch wenn sie mehr als einmal nicht nachgedacht hatte. Sie konnte wohl froh sein, dass keiner dieser Menschen sich auf Rhetorik verstand, sonst hätte man zu rasch nur gehört, dass man solch Talente nicht auf der Strasse erlernte. Den Wanderbarden soll mir einer mal vorstellen...
Ich habe bereits so viele Masken getragen,
so viele Rollen gespielt.
Und sie würde wieder damit anfangen...