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Frauenprobleme - eine Wissenschaft
Verfasst: Freitag 26. Oktober 2007, 06:41
von Adrian von Hohenfels
Der Abend endete weitgehend mit einem Blick auf ein Kissen, ausliegend im Arbeitszimmer. Kopfschüttelnd ging er hinaus. Ein gewöhnliches Kissen, dass für Wirrungen und Durcheinander sorgte. Mochte irgendjemand die Frauen verstehen. Er konnte es an diesem Abend kaum noch behaupten. Möglicherweise sollte man eine Akademie zur Ergründung weiblicher Seltsamkeiten gründen. Ein leichtes Schmunzeln legte sich auf seine Lippen, während er zu später Stunde die Treppe hinaufstieg. Es war wohl eher zu erwarten, dass eine derartige Akademie nach 2 Wochen befinden würde, dieses Problem sei unlösbar.
Seine Gedanken kreisten weiter um das Thema während er um den Schlaf rang, den er nach allen Geschehnissen nicht recht zu finden mochte. Frauenprobleme! Das Wort schob sich in seine Gedanken. Mit diesem hatte das ganze Durcheinander wohl mehr oder weniger begonnen. Rahel.. sie waren sich beide bewusst, dass hier nichts sein konnte, sein durfte. Wenigstens war man sich an besagtem Morgen einig geworden, dass die Etikette und ein freundschaftlich gelöster Umgang jeweils dort stattfinden würde, wo es entsprechend gebührlich war.
Freundschaft.. hiergegen sprach nichts hinter den Türen, wo man Masken ablegen konnte und durfte.
Masken, bei diesem Wort mochte er sich schon wieder die Haare raufen. Brachte doch dieses Wort unweigerlich einen Namen, ein Gesicht in seine ungeordneten abendlichen Gedanken... Darna! Ihr Benehmen.. gut sie hatte ihm einige Antworten gegeben. Eifersucht, auf die freundschaftliche Vertraulichkeit im Schloss, die sie ob ihrer neuen Aufgaben vermisste. Für sie mochte dies jeden Sinn ergeben. Für ihn nicht wirklich. Sie konnte jederzeit in das Schloss kommen, wenn ihre Zeit dies zuliess. Sicherlich war sie nicht mehr so häufig zugegen, wie in vergangenen Tagen. Sie bedeutete ihm viel, beinah die kleine Schwester, so konnte man es wohl bezeichnen.
Eifersucht... seine Gedanken kreisten um dieses Wort. Sie würde doch nicht etwa mehr empfinden als eben jenes, welches sie in ihre Worte gebracht hatte? Unsinn! Er musste sich selber schelten für den Gedanken.. sie vermisste Andrey, mochte sich letztlich eben aus diesem Umstand einsam fühlen. Er wünschte er hätte mehr sagen können als die längst abgedroschenen Floskeln, sie solle die Hoffnung nicht verlieren. Er selbst glaubte längst so wenig daran wie Darna. Wieder drehte sich alles um die Frage, warum Darna sich an diesem Abend so völlig unverständlich benommen hatte.
Es konnte doch nicht nur wegen eines Kissens ein solches Durcheinander geben....Er ersuchte zu ergründen, ob hier doch Gefühle waren, die über das geschwisterliche Miteinander hinausging, das einfach zwischen ihnen herrschte... Er schüttelte den Kopf. Allein der Gedanke war wie ein beleidigender Hieb gegen Darna. Er verdrängte ihn so schnell wie er gekommen war. Gab es auf diese Frage ohnehin nur eine Antwort: Es war Darna! In diesen drei Worten, steckten alle Antworten und es wäre beleidigend über eben diesen Fakt hinaus Gedanken zu hegen, die ihr nicht gerecht werden konnten.
Verfasst: Montag 29. Oktober 2007, 16:29
von Darna von Hohenfels
"Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft."
"Würde ich dich nicht besser kennen, würde ich sagen, du benimmst dich wie eine eifersüchtige Furie", haute Viola ihr um die Ohren und traf damit genauer ins Schwarze, als gut gewesen wäre. Darna stand bald platzend vor Wut auf der Terasse, und der zufällig vorbeireitende Thelor sah reichlich verwundert, wie zwischen den Efeuranken im ersten Stock des elbenauschen Anwesens ein goldfarbenes Kissen herauswirbelte und platschend im Stadtgraben landete. Dort gesellte es sich zu einem zweiten, das gerade vollgesogen unterging.
Eifersucht.
Bis heute morgen hatte sie nicht mal gewusst, was das ist. Hinterher hatte sie sich fragen müssen, wie um alles in der Welt sie den scherzhaften Wortwechsel zwischen Adrian und Rahel so in den falschen Hals hatte bekommen können. Frau de Winter hatte ihm ein Kissen überreicht, für's Büro, mit der Bemerkung, daß er es sich verdient hätte, daß sie ihm auch später noch zur Verfügung stünde... oder irgendwie so ähnlich. Plötzlich war da eine Empörung und eine Wut, die ihr die Eingeweide zu einem kleinen Ball zusammenrollte. Ein Blick Zuhause auf die Kissen vor dem Kamin, die einstmals gemütllicher Zweisamkeit hätten Platz bieten sollen, machten das Maß voll und unerträglich.
Eifersucht.
Dieses Gefühl knallte ihr allerdings auch unmißverständlich eine Erkenntnis vor den Latz, um die sie sich seit Tagen herumdrückte. Es hatte also einen recht klaren Grund, warum sie spätestens seit der Einladung zum Maskenball wie ein aufgescheuchtes Huhn reagierte, wenn ihr Adrian zu nahe kam: um derartig eifersüchtig sein zu können, musste sie wohl verliebt sein.
Ein Umstand, der ihren Plänen von beharrlicher Treue zu einem verschollenen Verlobten doch ein bißchen in die Quere kam. Dreck.
In was sie in den letzten Tagen alles hineingeriet, ließ sich gar nicht mehr aufzählen, aber ihr wurde mehr und mehr klar, daß es so nicht weitergehen konnte. Sie schlidderte von einem persönlichen Problem ins nächste - die Trauer um Andrey, die Zwiste zwischen Zyran, Savea und ihr Zuhause, jetzt das...
Sie hatte sich vor den Zierspringbrunnen auf der Terasse gesetzt, seit der Bepflanzung ihr erklärter Lieblingsort zum Wohlfühlen im Haus. Das Gesicht in den Händen vergraben und die Augen geschlossen, spürte sie, wie sich jemand leise und zögerlich neben sie setzte. Es konnte in dem Moment nur Shaya sein. Schon allein der Umstand, daß sie so neben ihr Platz nahm, ließ nur die Schlußfolgerung zu, daß sie sich auf ein weiteres Geuldsspiel gefasst machen musste um klarzustellen, daß sie einfach nur ihre Ruhe wollte.
Doch es kam völlig anders.
"Was hat man schon von einer gestandenen Paladin zu halten, die sich... mit... Gefühlsduseleien und angeblichen Problemen herumschlägt wie das nächstbeste Burgfräuleinweibsbild, das nichts Wichtigeres zu tun hat?"
Shaya nickte: "Eine gestandene Paladin hat sich um die Sorgen anderer zu kümmern und selbst keine zu haben, wie kann man sonst Vorbild sein und helfen, wenn man ständig seinen eigenen Problemen nachhängt."
"Richtig" - mochte Shaya auch schon die ganze Zeit eine sehr dezente Form von Ironie auffahren, für Darna war sehr vieles glatter Ernst, und so hörte sich ihre Bestätigung auch an.
Shaya blieb bei ihrer Methode: "Das wäre ja auch noch schöner, wenn jemand entdecken würde, dass hinter diesem Schild aus festem Glauben, Hingabe und Hilfsbereitschaft irgendwelche Gefühle sich verbergen könnten."
"Gefühlschaos", wurde sie korrigiert. Gefühle waren ja in Ordnung. Aber nicht mehr die Kontrolle über sie zu haben, den Überblick zu verlieren... brr.
"Ihr habt recht, verzeiht. Gefühlschaos. Das darf nun wirklich niemand entdecken, dass eine Paladin hin und wieder eigene Sorgen, Ängste oder Wünsche hat."
"Warum sollte man sich jemandem auch anvertrauen, wenn man von ihm den Eindruck gewonnen hätte, daß er genauso umherirrend alltäglichen Verstrickungen unterworfen ist? Jedenfalls darf sowas nicht lange währen."
Shaya ging vom Anlauf nehmen zum Angriff über: "Wer lehrt Euch eigentlich so einen Unsinn, Milady?", fragte sie plötzlich leise. Darna wendete unbeeindruckt langsam den Blick zu ihr. "Ihr mögt es für Unsinn halten, Shaya, doch es liegt durchaus Notwendigkeit darin."
"Das ist mir bewusst, aber diese Notwendigkeit sollte nicht jede Sekunde eures Lebens bestimmen..."
Shaya erzählen, in was für einen Schlamassel sie sich reingeritten hatte, vor welchen Widersprüchen sie stand, und welche weiteren Probleme sie heraufbeschwor?
Sie erzählte vieles, nur Eines erwähnte sie nicht: den Namen. Und dankenswerterweise bohrte Shaya auch nicht nach. Damit war sie immerhin unvoreingenommen und objektiv.
"Er hat mir gesagt, wieviel ich ihm bedeute - er empfindet die gleiche Freundschaft, wie Sir Aradan und ich sie füreinander hatten, nach meiner Ritterweihe. Geschwisterliche Freundschaft."
"So ein Unsinn. Geschwister sind nie befreundet. Das ist doch ein himmelweiter Unterschied ob man geschwisterlich oder freundschaftlich miteinander verbunden ist. Beides zusammen geht nicht. War er nüchtern, als er diesen Quatsch verzapft hat?"
Darna sah sie empört an. "Selbstverständlich."
"Dann solltet Ihr ihn abfüllen. Dann dürfte einiges klarer werden."
"Ich werd ihn sicher nicht abfüllen", weigerte sie sich entgeistert.
"Warum nicht? Das sind die Momente wo Männer klar und deutlich sich zu äußern vermögen."
"Das gehört sich nicht."
"Man muss es ja nicht mitten auf dem Marktplatz tun. Und man muss es ja nicht auffällig tun. Erst ein Gläschen, reden, scherzen, ein zweites, ein drittes. Nach dem dritten geht es von ganz allein weiter.
Will man einen Mann verstehen, muss man ihm zu trinken geben... ich bin sicher das funktioniert ausgezeichnet."
"Shaya...", versuchte sie mahnend zu widersprechen, doch sie wollte ihr nun auch nicht offen sagen, daß sie im Traum nicht daran denken würde, den Truchsess des Reiches abzufüllen, um rauszufinden, ob er mehr als Freundschaft für sie empfand.
"Ich kann nichts dafür, dass Männer anders sich nicht vernünftig äußern können", hob Shaya die Schultern.
Darna brummte: "Er kann sich sehr wohl vernünftig äußern."
"Und was wollt Ihr nun tun? Euch Tag für Tag ärgern? Euch vorstellen Ihr hättet alles kaputt gemacht? Euch verachten, weil Ihr Eifersucht empfinden könnt?"
Sie hatte ja recht, das war Unsinn... Es war zum Haare raufen.
Dennoch musste sie in die Gefahrenzone Schloß, wie sie kurz darauf bei der fortgeschrittenen Stunde entsetzt feststellte. Adrian durfte auf keinen Fall diesen verdammten Brief von Vincent auf der Rückseite seines Steckbriefes finden, in dem er höhnend Erinnerungen an Eileen provozierte.
Hoffentlich war es noch nicht Morgenstunde genug, damit er zum Frühstück runterkäme, aber es war knapp. In sein Büro reinzukommen, war kein Problem: sie ging mit einem Zettel in der Hand einfach hinein.
Tief durchatmend und mit einem blöden Gefühl in der Magengrube fing sie an, seinen Schreibtisch und die Morgenpost nach dem Steckbrief zu durchsuchen - himmelverflixt noch eins, sie kam sich vor wie ein Dieb...
Verfasst: Dienstag 30. Oktober 2007, 09:11
von Adrian von Hohenfels
Es verwunderte ihn nicht, dass die Wache ihn auf die Anwesenheit Darna's hinwies. Es war nun wirklich nicht das erste mal, dass sie derartig früh zum Schloss kam. Selbst jetzt nicht, da sie der Kirche diente. Viel mehr verwirrte ihn, dass er in ein offenbar leeres Schreibzimmer kam, hatte die Wache schließlich hingewiesen, sie seie dort. Ein vernehmliches Rascheln aus dem hinteren Teil des Zimmers verdeutlichte jedoch, wo sie sich befand, noch bevor er sich nähere Gedanken machen konnte.
Leise trat er an den Regalen vorbei und musterte ihr Wühlen in den Unterlagen einige Augenblicke nachdenklich. Was um aller lichter Götter Namen sollte dies werden? Erst ein Guten-Morgen Gruß liess sie von ihrem Suchen aufblicken. Er wusste nicht, ob er schmunzeln oder wütend sein sollte. Zusammenfahrend blickte sie auf und wurde deutlich blass. "Hast du den Drang meine Arbeit vorzusortieren?" Er erntete nicht mehr als einen völlig entsetzten Blick, während sie die Schriftstücke wieder auf den Tisch sinken ließ. " Im Grunde übernimmt dies bereits Richter de Dynal, vielleicht besprichst du derartige Hilfstätigkeiten mit ihm oder sagst mir gleich was der Grund ist?" Er wählte die Worte mit Bedacht derartig, dass man sie völlig harmlos oder auch als Drohung sehen konnte, ganz wie man es wohl sehen mochte.
"Nun, und ... wer... hm... naja, manchmal sollte man auch die Überprüfer überprüfen, nicht?" Darna versuchte offensichtlich, die Situation entschärfende Scherze, ihr deutlich schiefes Schmunzeln wirkte eher wie eine aufgesetzte Maske hierbei. Himmel nochmal stammel doch nicht so rum was ist mit dir los in der letzten Zeit? Unausgesprochene Fragen..
"Oh ja gewiss, und die Kirche gedenkt dies zu übernehmen?" Setzte er bohrend nach. Langsam zog sich ihre Hand von den Unterlagen zurück und es war wohl eher Glück als ihre Geschicklichkeit, dass sie nicht auch noch den Löschsand über die Unterlagen und den Boden verteilte. Warum nur tat sich ihm grad der Vergleich mit einer Raben-Dame auf. Für den Bruchteil einer Sekunde kam ihm das Bild einer auf seinen Unterlagen herumhüpfenden und Fußspuren hinterlassenden Darna in den Sinn und er musste sich zusammenreißen nicht zu grinsen.
"Nein, hm... es ist nicht, wie du denkst... wonach es aussieht..." Nun fängt sie auch noch an wie ein ertapptes Eheweib zu reden, deren Liebhaber ich eben im Schrank erwischte? Was geht hier vor?
"Es sieht aus als würdest du in meinen Unterlagen wühlen, aber vielleicht erklärst du mir ja meinen fatalen Irrtum." Der langsam aufsteigende zynische Unterton war kaum zu verbergen. Man brauchte kaum sonderlich lang in ihr Gesicht sehen, um zu erkennen, dass sie sich grad weit weg wünschte und äußerst ertappt fühlte.
"Ich... wollte...nur was... nachgucken." So benimmt sich doch Darna nicht, was soll dieses Gestammel, dieses ganze Benehmen? Was wenn dies nicht... Erinnerungen schossen durch seinen Geist und der Verdacht war kaum aufgekommen, als er schon das Schwert zog. "Vielleicht diskutieren wir das bei einer gedünsteten Schuhsohle?" Ein Scherz gefallen erst kürzlich im Keller des Hauses von Felicitas und Rafael. Sie würde hierauf sicher antworten können, wäre sie die Echte!
"Wwww...w..ww...was? Adrian!" Nicht, nein ganz gewiss nicht die Antwort, die auf einen solchen Test angemessen war. Darna war gefestigt genug, einen solchen zu erkennen und zu reagieren, statt derart auffällig herumzustammeln! "Den Schwertgurt ablegen... sehr langsam!" herrschte er sie streng an und erntete nur weiteres Gestammel mit nach seinem Geschmack viel zu langsamen Reaktionen.
"Hoheit... ich... Das.. das... brauchst du nicht... " deutlich rang sie nach Luft und starrte ihn mit großen Augen an, während er sie weiter anherrschte. "Haltet mich gefälligst nicht für völlig vernebelt, die Freifrau würde sich nicht so benehmen! Aber eure Arkorither Freunde würden sich sicher freuen von eurem Scheitern zu hören, während ihr am höchsten Baum hängt." Nur langsam begann sie den Schwertgurt zu lösen, während er die Klinge seines Schwertes nun genau vor ihren Hals hielt. Nichts riskieren, man wusste nie, was sie noch in der Hinterhand haben könnten. "Wagt nicht etwas anders zu tun, als den Schwertgurt fortzuwerfen!"
"Arko... was?" Verkauf mich doch nicht für dumm, indem du jetzt noch so tust als wüsstest du nicht worüber ich rede!"Hört dieses für Dumm verkaufen nun auf?" setzte er erneut streng nach und erstarrte im nächsten Augenblick selbst in Fassungslosigkeit, als sich ein goldenes Leuchten über ihren Arm ausbreitete und festigte, bis ihr schwertbedrohter Hals durch eine Rüstung verdeckt war, gegen die sein Schwert deutlich keinen Erfolg haben würde. Er runzelte die Stirn. Es war offensichtlich, dass eine höhere Macht die Situation zu klären suchte.. aber dies konnte nur eines bedeuten. Er starrte sie an. "Darna?"
Verfasst: Dienstag 30. Oktober 2007, 14:38
von Niana Kytarr
Bei Hofe ging es mit der üblichen Geschäftigkeit weiter und doch, etwas war anders als sonst. Sicherlich, Klatsch und Tratsch gab es immer und der Bediensteten liebste Beschäftigung war, diesen zu fördern und zu verbreiten, aber es fehlte etwas. Diese heitere Überschwenglichkeit und Unverfänglichkeit, sie waren verflogen und aus heiteren Neckereien war bitterer Ernst geworden. Zu viele triste Gesichter waren in den letzten Tagen ein und aus gegangen, zu viel wurde hinter verschlossener Tür besprochen und gleich wie lange die Besprechungen anhielten, wirklich froh oder erleichtert wirkte hiernach niemand. Es war, als hätte sich eine dunkle Aura über das Schloß gelegt, eine Aura, die für jederman spürbar und doch nicht greifbar war, ein idealer Nährboden für Gerüchte und Spekulationen und wo immer man konnte steckte man die Köpfe zusammen.
"Also mein Schwager, dem seine Tante der Nichte der Cousine zweiten Grades studiert am Konvent und die sagt, daß es in Rahal die Tage haushoch her ging. Aber was genau los war wollte mir keiner sagen. Ich sag Euch, die hecken mal wieder was aus, bestimmt diese Akrodingens, Arkoritter oder wie die heißen, die führen doch immer was im Schilde."
"So ein Humbug. Hat vielleicht jemand die Tage Baronin von Stolzenfels de Arganta gesehen? Also ich nicht. In der letzten Zeit wurden doch andauernd hochedle Herren entführt. Schaut doch bloß einmal wie trüb Graf de Arganta aus der Wäsche schaut. Bestimmt hat man seine Frau entführt und er will nicht, daß es die Runde macht."
"Die Baronin? Ach Du bist doch verrückt, da wären wir doch mit die ersten, die das erfahren würden. Nein das hat doch bestimmt noch etwas mit dem Überfall auf Bajard zu tun. Vielleicht steht uns bald wieder ein Krieg ins Haus?"
"Ach nun mal nicht den Dämon an die Wand. Ich sag Euch was, ich war neulich im Nordwald Pilze pflücken und was soll ich Euch sagen? An meiner Lieblingsstelle wo die Pfifferlinge sprießen wie Unkraut im Schloßgarten - eine wahre Armada von Untoten. Mindestens eine Legion."
"Was? So viele?"
"Naja es könnten auch weniger gewesen sein. Ist doch nicht so wichtig. Jedenfalls bestimmt haben die Knochenanbeter da ihre Finger im Spiel."
"Also ich weiß ja nicht. Erinnert ihr Euch von vor einigen Wochen, als diese geisterhaften Wölfe in der Stadt auftauchten? Ich möchte wetten, daß es etwas mit denen zu tun hat."
"Ach ihr habt doch alle keine Ahnung. Ihr solltet Euch schämen solche Ammenmärchen in die Welt zu setzen. Mein Mann ist nämlich zufällig beim Regiment und der weiß ganz genau, was da vor sich geht. Der Truchsess plant einen Angriff auf Rahal um unsere Königin zu befreien, so schaut es nämlich aus."
"Wenn hier irgendwer keine Ahnung hat, dann bist Du das Du alte Schnatterelse. Habt ihr denn alle schon vergessen, daß unsere Heiligkeit vor kurzem von uns gegangen ist? Ich denke das macht ihm noch zu schaffen. Außerdem wer weiß - vielleicht ist sie ja gar nicht so friedlich entschlummert wie man uns glauben machen will?"
"Sondern?"
"Dazu sag ich nichts. Nur so viel: Vielleicht hat sie ja jemand umgebracht?"
"Ach Du spinnst doch. Ich denke es ist etwas ganz einfaches. Vielleicht ist ja einfach nur der Kronprinz krank und man macht sich Sorgen um seine Gesundheit?"
"Das hätte uns gerade noch gefehlt. Nein, das glaub ich nicht und das will ich auch nicht glauben. Also wenn ihr mich fragt, ich glaub ja eher, daß das was mit diesen Seeräubern zu tun hat, die immer wieder die Küsten terrorisieren. Vielleicht planen die ja in Berchgard ein zu fallen?"
"Also fest steht nur eines, Schuld daran sind die Rahaler."
Das war wohl der einzige Punkt, in dem sich alle einig waren. Es brodelte im Schloß. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Gerüchteküche über schwappte.
Verfasst: Dienstag 30. Oktober 2007, 16:24
von Rahel de Winter
Sie saß daheim vor ihrem Kamin ein Bein angezogen, das Kinn sanft drauf abgestützt und schaute in die Flammen.
Diese Flammen hatten doch schon alles zerstört, wieso schafften sie es verdammt nochmal nicht, ihr auch diese Gefühle zu nehmen?
Dabei hatte alles so harmlos begonnen sie hatten sich nur gemeinsam Sorgen um Rafael gemacht, darüber waren sie das Mal ins Gespräch gekommen. Beim zweiten Mal war es die Sorge um Antares die sie ins Arbeitszimmer führte und dieses Gespräch hatte angefangen soviel zu verändern. Er hatte sie aufgezogen ihr Komplimente gemacht und sie hatte ihn zum lachen gebracht. Ein Lachen was sie ansteckte und was eines der Dinge wurde, die sie so sehr an ihm liebte. In diesem Gespräch hatte sie auch das erste Mal das Bedürfnis ihn in den Arm zu nehmen, als er ihr sagte was der Preis für Rafaels Freilassung aus Rahal gewesen war. Er schien auf einmal alles andere als der Graf zu sein, sondern ein Mann den man in den Arm nehmen und alles böse von ihm fernhalten wollte.
Das zweite Mal hatte sie den Impuls als er von seiner verstorbenen Frau sprach, die Trauer in seinem Blick und diese unendlich scheinende Traurigkeit waren es,die ihn auslösten.
Danach war alles so schnell gegangen ihre Gespräche wurden immer gelöster, um so mehr sie das wurden, um so mehr begann sie Wesenszüge an ihm zu lieben. Nur seine unendliche Neugierde würde wohl nie dazu gehören, sie hatte dazu geführt, dass sie nun hier saß und grübelte.
Wieso hatte er sie an dem Tag als ihr auf den Kopf zugesagt wurde sie wäre verliebt nicht einfach auf sie gehört und aufgehört zu bohren. Nein, er wollte es ja unbedingt wissen. Ohne ihr Zeit zu lassen sich selber über alles klar zu werden, drüber nachzudenken.
Ihr Gespräch darüber hatte wieder so viel verändert, sie gingen seitdem ganz anders miteinander um. Sie alberten, zogen sich gegenseitig auf lachten viel miteinander und auch wenn ihnen klar war das dies nicht sein durfte, so hatte er doch gequakt. Sie begann leise zu lachen, manchmal war er wirklich ein großer Junge. Sie dachte an die vielen Momente seitdem und daran, dass sie sie für nichts auf der Welt wieder eintauschen würde wollen. Naja, außer einige ihrer letzten Begegnung, aber nicht alle, die im Bad würde sie nie tauschen wollen und sein gequake auch nicht. Sie musste lachen, die Tage Abstand hatten ihr besser getan als sie dachte, sie hatten ihr gezeigt was wichtig war. Und das manches altbekanntes sich auch ganz neu anfühlen konnte.
Nun blieb nur abzuwarten wann das Feuer ihr endlich das Gefühl nehmen würde ein Trottel zu sein und das er diesem Trottel auch verzeihen kann.
Verfasst: Dienstag 30. Oktober 2007, 20:34
von Darna von Hohenfels
So konnte das alles nicht weitergehen. Sie war fix und fertig mit den Nerven, als er plötzlich vor ihr stand, hatte sie sich in kopfloser Panik nur noch im Kerker verrotten sehen. Blanke Furcht, es sich völlig entgegen ihrer eigentlichen Interessen mit ihm nun völlig verscherzt zu haben. Sie hatte es doch nur gut gemeint.
"Was hattest du erhaupt vor, den Brief vor mir verbergen?"
"Ich wollte nicht, da du dich über das Schreiben aufregst...", entgegnete sie kleinlaut.
"Oh... verstehe. Stattdessen soll ich mich lieber über stümperhafte Spionage einer Freundin aufregen ja?"
Freundin - und wieder dieses Wort, über das sie eigentlich dankbar wie nichts sein sollte und das trotzdem in ihr alles zerbröseln ließ. Das ging so nicht weiter. Sie wich einen Schritt zurück, instinktiv gedanklich wie auch körperlich; da war nur das Problem, daß sie in der gegenständlichen Welt deswegen drohte, rückwärts über seinen Schreibtischstuhl zu stolpern und erneut fuhr sie zusammen, als er sie haltend an den Armen packte.
"Verflucht noch eins!"
Sie sah, wie er sie seufzend wieder losließ und hätte sich erneut selber ohrfeigen können. Das durfte doch alles nicht wahr sein.
"Ich benehm mich wirklich wie eine dumme Pute..."
"Du benimmst dich zugegeben etwas verwirrend in den letzten Tagen... Aber dumm wäre das letzte Wort was ich für dich benutzen würde." Da war er von ihr gerade überzeugter als sie selber. Sie holte tief Luft - und schwieg.
"Ich höre? Sprich doch einfach einmal aus, was du ständig sagen willst."
Wie könnte sie? Sie sortierte den Sitz ihres Waffengurtes und wurde abwechselnd rot und bleich.
"Muß ich dich durchrütteln oder was könnte helfen?" Adrian schüttelte den Kopf. Währendessen graute ihr davor, daß er wieder anfing, nachzuhaken. War es mal aus Pflichtgefühl, mal aus Freundschaft, es fiel seit jeher unglaublich schwer, ihm irgendwas länger zu verschweigen. Ein Meister des Verhörs, auf seine ganz eigene Weise. Nur ausgerechnet das hier... nein.
Kurz rasten ihre Gedanken wieder in absurden Bahnen herum: "Es könnte viel einfacher sein, wenn ich ein Mann wär. Die dürfen um ihr Zielobjekt werben. Aber ich kann ihn schlecht vor einen Drachen werfen und ihn dann retten. Was machen diese Burgfräulein eigentlich, wenn er nichts rafft? Ist ja furchtbar. Wenn ich hier in seinem Büro jetzt mein Taschentuch liegenlasse, hält er mich genauso für bescheuert. Verdammte Zwickmühle!"
Der Vorschlag, frühstücken zu gehen, war mal wieder eine unverfängliche Rettung aus brenzligen Situationen. Als es dann auch noch zu einer spontanen Vorladung eines Kriegers, Arias Lasanar, kam und er Adrian ein Prunkschwert aus Letasts Nachlass als Geschenk darbot, konnte sie wieder gänzlich hinter die gewohnte Fassade von Adel, Paladin und gardistischer Gründlichkeit schlüpfen.
Das war es auch, was Adrian später wieder ins Büro zurückgekehrt feststellte: "Mir scheint, man muss dich nur mit Arbeit überschütten und schon wirst du gesund."
Gesund... ja, mit einer Krankheit ließ sich das wohl gerade gut vergleichen. Hieß es nicht auch "liebeskrank"? Wieder fing er mit diesem Thema an - welch Wunder - und sie hätte sich irgendwo wieder ein Loch im Boden suchen mögen. Für einen kurzen Moment rettete sie Rahel, als sie ihr ein Wasser und Adrian einen leichten Wein brachte.
"Abfüllen...", schoß es Darna durch den Kopf, gefolgt von einem "Zum Kuckuck nochmal, vergiß es!"
Wie kam sie hier nur raus? Er ließ immernoch nicht locker:
"Ich hoffe, diese Seltsamkeiten stehen nun nicht dauernd zwischen uns. Langsam machst du mir Angst, wo ich doch denke, ich kenne dich."
"Ist doch schön, wenn ich noch für Überraschungen gut bin?", wurde sie selbst kurz zynisch.
"Solang es Überraschungen sind, die ich verstehe, sicherlich. Noch dazu, wenn sich mir unsinnige Ideen auftun, daß ich fürchten muss, du forderst mich, wenn ich sie ausspreche und das zurecht."
Unsinnige Ideen? Wenn er weiterhin an ihr nur den zuverlässigen Freund sah, den er gewohnt war, würde... sich auch nie etwas ändern. Wieder die Frage, ob das nicht vielleicht sogar besser war. Wieder das Wissen, daß sie zumindest sich selber bereits entsetzlich viel dann kaputtgemacht hatte. "Ein Blinder, der sah, und sich wieder damit begnügen soll, blind zu sein", fuhr es ihr zum wiederholten Mal als Vergleich durch den Sinn. Demut? Wollte sie zuviel? Sie senkte den Kopf. Natürlich würde sie nichts von ihm verlangen, was er nicht zu geben bereit war. "Aber er weiß es ja nicht mal."
"Einiges dürfte dir zu überblicken schwer fallen. Weil es für dich nun mal nicht nachvollziehbar ist", erwiderte sie schließlich leise.
"Hmm aber wenn du wenigstens versuchen würdest es zu erklären."
"Ich habe eigentlich keine Lust, mich damit vor dir lächerlich zu machen. - Allerdings muß ich feststellen, das schaff ich trotzdem", stellte sie leicht entnervt fest. Er stand auf. "Darna..." Sie schloß die Augen. Es kam, was sie befürchtet hatte, er wollte sie beruhigen, indem er ihr die Hände auf die Schultern legte und erreichte genau das Gegenteil. "Vielleicht lernst du einmal, daß Freundschaft nichts mit lächerlich machen zu tun hat."
Sie legte eine Hand vor's Gesicht - absurderweise hatte er damit ja sogar recht... Er seufzte auf:
"Du machst dich nicht lächerlich, du verwirrst mich nur, aber was zählt das schon."
Hölle nochmal!
"Wie erklär ich's...?", murmelte sie, "Kannst du dir vorstellen, daß ich mir treulos vorkomme, wenn... ich mich wochenlang wegen Trauer um Andrey fast zerreiße und.." - sie lachte kurz bitter auf und machte mit der Hand eine wegschwirrende Geste, "sich gleichzeitig irgendwo in mir für jemand anderen Gefühle festsetzen, die eigentlich nicht sein sollten, wenn man von Treue predigen will?"
"Hmm wie soll ich es am besten ausdrücken...
Treue ist wichtig, ohne Frage, aber es ist menschlich irgendwann einmal vor Augen zu haben daß ein neuer Mensch ins Leben tritt, wenn die Hoffnung schon so zerrissen ist. Die Frage ist , besteht noch Hoffnung dann halte fest.. oder aber öffne dich dem neuen, er kann sich sicherlich genauso glücklich schätzen... Du wirst den richtigen Weg finden, und letztlich können Rafael und ich immer zuhören."
Sie presste die Zähne kurz zusammen. Wahrlich, Rafael und er waren die treuesten Freunde, die man sich vorstellen konnte. "Wieviel Hoffnung ist ohne Spur seines Verschwindens und ohne Beweis seines Todes denn angebracht, Adrian?", fragte sie bitter.
"Jede oder keine, es ist schwer, ich weiss", bestätigte er leise.
"Ich glaube selber, daß er tot ist, vielleicht hätte ich mich sonst auch nicht neu verliebt - hoff ich."
"Aber wenn .. nunja wenn er für dich ähnlich fühlt wird er warten, wenn er weiss, worum es dir geht."
Lustig. "Ich fürchte, er weiß nichts von seinem Unglück."
"Hmm ich nehme an, du wirst es mir nicht unter dem Mantel der Verschwiegenheit sagen, dass ich dir raten könnte?"
Unheimlich lustig, ja. "Glücklich...", sie schnaubte, "Offen gesagt, das ist mit eine der Sachen, die mir im Weg stehen. Ich weiß bis heute nicht, wie Andrey mich ertragen hat, und dabei ist er noch oft genug meinetwegen an die Decke gegangen."
"Darna, hör doch auf. Meinst du, wir würden dich derart mögen, wenn du so scheusslich wärst, das ist hier noch immer mein Part. Muss ich jetzt wirklich noch alles Gute betonen oder siehst du es selbst ein?"
Sie sah ihn an. Das Problem lebendig und greifbar vor sich. "An jemandem die menschlichen Qualitäten schätzen und jemanden... schlicht zu lieben... sind zwei unterschiedliche Dinge, Adrian", meinte sie langsam und widerwillig stockend.
"Das ist sicher wahr.. ich zumindestens kann behaupten, daß es über das Schätzen weit hinausgeht."
Ach ja?! Die Arglosigkeit, mit der er das sagte, tat ihr gerade so weh, daß sie ihn dafür hätte schlagen können.
Sie hatte das Spiel begonnen, sie führte es weiter:
"Ich stecke genau in diesem Problem. Ich nehme stark an, er... 'schätzt' mich... und warum sollte ich das kaputtmachen, wenn er eh zu einer Sorte Mensch gehört, die...", sie wurde immer langsamer und schüttelte schließlich seufzend den Kopf.
"Sprich doch einmal zuende, ich kann doch auch nur versuchen, dir zu helfen.."
"Ich hätte sicher keine dümmere Wahl treffen können. Es bereitet mir nichts als Probleme", bemühte sie sich um einen barscheren Ton. Sollte sie es sich nicht endlich aus dem Kopf schlagen?
"Hmm wer ist es denn überhaupt, vielleicht siehst du alles viel schlimmer als es ist. Verzeih aber manchmal neigst du dazu.. wohl nicht du allein."
"Nein, ich seh es nicht viel schlimmer, als es ist. Wenn ich es nüchtern betrachte, steht er auf dem Heiratsmarkt außer Konkurrenz. Er hat Einfluß und könnte jede haben", sprach sie zunehmend hastig und stürzte ihr Wasser herunter wie Schnaps.
"Verschluck dich nicht", meinte Adrian, während er deutlich grübelte, welche Personen in Frage kommen mochten.
"Außerdem ist es ungebührlich", setzte sie nach. Der Truchsess, ja... dem sie sonstwieviel zu verdanken hatt... sie musste nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.
"Aber unvergeben ist er? Warum ist es ungebührlich? Ich meine..."
"Ist es", verschärfte sie die vorige Feststellung, "Eigentlich brauch ich auch nur zu warten, bis sich das Problem von selbst löst, er heiratet, und gut. Dann kann ich irgendwo trostlose Minnegedichte aufschreiben, sie in ein Feuer werfen und Andrey treu bleiben." Sie konnte sich gerade selber nicht leiden. Und bekam kaum mit, wie Adrian an einem Gedanken hängengeblieben langsam die Hände von ihren Schultern nahm und murmelte:
"Du befürchtest du machst dich lächerlich, ich glaube im Moment bin ich viel eher im Begriff."
Er nahm wieder auf seinem Stuhl Platz und schien sich hinter seinem Weinkelch verkriechen zu wollen. "Ich hatte eben einen unsinnigen Gedanken, aber den spreche ich besser nicht aus, sonst fällst du noch lachend um."
Sie sah ihn vorsichtig kritisch an. War er auf einen Gedanken gekommen? Würde er ihn nicht aus guten Grund für ewig absurd halten, wenn nicht...?
"Pass auf... ich darf eine dusselige Frage stellen, und wenn ich nicht ins Schwarze treffe, vergessen wir beide sie einfach, und dann darfst du eine dusselige Frage stellen und ich versprech, sie zu vergessen, ist das ein Angebot?" Er nickte und sie nahm allen Mut zusammen: "Ziehst du bei Rahel in Erwägung, dich womöglich auf fast den gleichen Ärger einzulassen wie bei Eileen?"
Er hob eine Braue und schüttelte den Kopf. Bedächtig - ernst, wie es an ihm unverkennbar war, wenn er eben mal nicht herumwitzelte. "Nein ich würde Eileen zwar nie als Fehler bezeichnen, das war sie nicht..."
"Verzeih", sagte sie rasch - so hatte sie es auch nicht gemeint, doch das schien ihm klar, während er nickend seine Erklärung beendete: "aber ich würde den Adel nicht noch einmal so verärgern."
Er sah sie an: "Meine Frage ist mit Sicherheit weit dümmer."
"Aber du vergisst meine also, ja? Gut."
"Du sprachst bei dem Mann mit Einfluss nicht von mir oder doch?"
Sie schwieg - viel zu lange. Und er verkroch sich hinter seinem Wein.
Er setzte gerade an, etwas zu sagen, als sie doch herausbrachte:
"Siehst du, und da ist diese Schwierigkeit, daß ich eine solche Freundschaft nicht kaputt machen sollte... Es muß dir also kein Stück leid tun, wenn ich das einfach vergessen soll, es würde mir die Sache sehr erleichtern, denn dann... bräucht ich auch nicht mehr... selber völlig wirr... irgendwelchen... kindischen... Träumereien.. Zeit vergeuden."
Sie beendete ihr Gestammel in der Überzeugung, einen halbwegs sinnvollen Satz herausgebracht zu haben.
Er schweig eine Weile und stellte den Weinkelch langsam ab. "Eine klare Antwort.. naja halbwegs, und sicher erwartest du jetzt eine klare Aussage von mir...", erwiderte er, sie musternd.
Sie schnappte nach Luft. "Um Himmels Willen, bloß nicht! Ich meine - gute Güte, was soll ich denn erwarten, daß du mir jetzt plötzlich 'Darna, Schnuckelherz, ich hab dich schon immer geliebt!' um die Ohren haust? Und... bitte sag nicht einfach Nein. Hilfe!"
Doch bevor sie in der Art irgendein Wort hätte herauskriegen können, sprach er weiter: "Wenn du jetzt ein, um Himmels willen auf keinen Fall von mir hören willst, muss ich dich ebenso sehr enttäuschen wie mit einer Antwort, die ins andere Extrem fiele.
Diese Frage, dieser Gedanke stellte sich mir eben nie, es gab eben Andrey. Müsste ich nachsinnen, wenn ich den Charakter einer Frau beschreiben wollte, du würdest ohne Zweifel sehr viel davon vorweisen.. aber wie ich schon erwähnte, ich hegte diesen Gedanken nie... du warst eben vergeben im Herzen und im Wort. Wie soll man beantworten, worüber man sich ohnehin nie erlaubt hätte zu sinnieren."
Er blieb gerade dankenswerterweise offenbar völlig klar im Kopf. Sie atmete durch und ließ das Ganze ein paar Momente sacken, doch als er nochmal aufstand, kam sie nicht umhin, ihn schon wieder anzugucken wie ein Kaninchen einen hoffentlich satten Wolf.
"Würdest du mir bitte einen Gefallen tun?" Sie hob ratlos die Schultern und nickte stumm. "Hör auf mich anzusehen, als würde ich gleich über dich herfallen."
Das wäre ja eine Unterstellung... ächzend wandte sie den Kopf ab und schaute auf die Tischplatte. "Hmm gut, so war das nicht gemeint, dass du dann eben woanders mit dem Blick hinsiehst", seufzte er halb und legte ihr diesmal wissend behutsam die Hand auf die Schulter - und endlich konnte sie das wieder einfach hinnehmen.
"Wir müssen uns beide etwas bewusst werden...", meinte er gedämpft und langsam, "Du ob du wirklich damit leben möchtest, Andrey ziehen zu lassen... Und ich ob ich... erkennen kann, daß du jene bist, die nicht nur die Werte vertritt, die ich an meiner Seite suche.. sondern eben auch sie vertreten kannst...solltest... Himmel, jetzt fang ich auch schon an, Unsinn zu reden."
"Nein", widersprach sie rasch, doch ernst, "Ich verstehe sehr gut, was du meinst."
"Was verlange ich eigentlich von ihm? Egal. Eh zu spät. Und vielleicht gut so. Das konnte so nicht weitergehen. Sehen wir, was kommt." Er warnte sie offen vor, wie die Lage war... "Ich sollte das Gleiche tun."
"Adrian?", fragte sie also leise und versuchte, seinem Blick fest zu begegnen und nicht den Eindruck zu erwecken, nun einfach einen erschrockenen Rückzieher zu machen, "Nach all dem Rabbatz und Chaos die letzten Tage... vertrau ich mir selber nicht mehr. Herrje, das erste Mal, als ich bei dir leise 'hui' dachte, war als ich dich das erste Mal in einer Rüstung gesehen hab..."
"Weiß er eigentlich, daß er darin verboten gut aussieht? Aber damals war er so weit weg wie die Sterne Alathair... Mehr als ein 'hui' war es nie gewesen."
"Ich verlass mich nicht darauf, ob es nicht die sinnlosen Anhimmeleien eines naiven Frauenzimmers sind... und du solltest meinem Urteilsvermögen gerade auch nicht zu sehr trauen, ja? Wenn ich dich vor den Kopf stoße, geh ich." "Denn das könnte ich mir nie verzeihen, die wehgetan zu haben. Aber hab ich doch schon. Es fängt an, wie bei Andrey. Wieso eigentlich immer in einem verdammten Büro? Es gibt nettere Plätze." Sie schüttelte den Kopf, "Ich... ach verdammt, hör auf, mir zuzuhören."
"Lassen wir es einfach sacken und sehen, wie wir damit umgehen."
Das klang gut. Das klang nach solidem Krisenmanagement. Davon hatte sie wenigstens mehr Ahnung als von Liebesdingen.
Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2007, 09:56
von Adrian von Hohenfels
Er konnte nichts tun als ihr verwirrt nachblicken, als sie schließlich ging. Sich recht erklären konnte er es sich selbst nicht. Konnte hier mehr sein? Er wusste es doch selbst nicht. Er sollte vielleicht einfach lernen, nicht jedes Problem hinterfragen zu wollen. Manchmal konnte Unwissenheit so gnädig sein. Wie sollte es nun weitergehen?
Gute Frage wirklich. Sie einfach in den Arm nehmen und sich des Geständnisses erfreuen? Er schüttelte nur den Kopf, das beste war es immernoch Zeit verstreichen zu lassen. Vielleicht war es auch nur ein Aufflammen von Fehldeutungen. Trauer und Verzweiflung den einen verloren zu haben gepaart mit.. ja womit denn bitte? Er wusste es doch auch nicht zu beantworten.
Sacken lassen, nicht darüber nachdenken. Das herrschte letztlich vor dieser Tage die verstrichen. Sicher er sann schon darüber nach was sein konnte.. konnte es denn? Er kam sich beim Besinnen auf das Gespräch vor als hätte man einen über einen Schlachtplan sinniert. Krisensitzung.. das traf es noch eher. Sollte es dies sein? Woran lag überhaupt dieser Eindruck? Dieses steife um das Thema herumtänzeln wirkte schon beinah grotesk.
Man hätte ein Theaterstück daraus schreiben können. Es konnte nicht sein, was nicht sein darf? Durfte es denn nicht? Es war eben Darna! Wieder dieser Satz der so viel erklärte, sie war wie sie war... Darna eben! aber was hiess das eigentlich? Er war sich bis heute immer darüber bewusst gewesen, dachte er. Nie darüber nachsinnend dass hinter dieser Fassade aus Strenge, Glauben, Steifheit ... nein was waren das eigentlich für Schlagworte. Er hatte sie schließlich, so selten die Momente gewesen sein mochten, auch schon als Frau sehen dürfen. Aber es waren immer Momente, in denen er ohnehin nicht über mehr hatte nachdenken brauchen. Sie war vergeben in Herz und Wort. Dieser Satz wiederholte sich in seinem Geist.
Er rief sich das Bild im Geiste vor Augen.. Darna in seinem Dienstzimmer. Die Überreste des Kostümes, dass sie in seiner Begleitung getragen hätte wenn... ja wenn sie nicht in panischer Flucht gen Lameriast entschwunden wäre. Es war ihm nie vergönnt gewesen es in seiner vollen Pracht zu sehen, aber die Überreste die er hatte sehen durfen hatten sie hübsch aussehen lassen. Aber selbst da hatte er sie nicht als die Frau dahinter betrachtet..es sich nicht einmal erlaubt, wenn er es gewollt hätte. Vergeben in Herz und Wort!
Und nun saß sie vor ihm, man redete wieder über alles nur erdenklich mögliche nur nicht über dieses Thema. Es war wieder dieses Herumtänzeln um DAS Thema. Er selbst war es schließlich, der es wieder einmal ansprach. Er wusste selbst nicht zu sagen aus welchem Grunde. Keine Antwort.. nein nicht in Worten. Nur ein stummes Ablegen ihres Armbandes, eben jenes ganz besonderen Armbandes, auf seine Frage hin, ob sie noch einmal nachgedacht hatte, was sie wollte...
Es war deutlich, dass sie erleichtert war, gehen zu können, als Elnesta nebst ihres Mannes eintrat. Darnas Rückzug kam schon einer Flucht gleich. Er vermochte nicht zu sagen, wie er es beurteilen sollte, als Elnesta völlig unvermittelt diese Bemerkung fallen ließ: "Ich denke die Melodie der Freifrau und die Deinige klingen harmonisch miteinander." Er merkte noch wie er viel zu auffällig zusammenzuckte... Überspielen, nur überspielen. Er musste sich doch erst einmal selbst über alles bewusst werden, bevor die Welt hierauf schaute und es sich einer Lawine gleich entwickelte, die sie beide rettungslos überrollen würde.
Verfasst: Samstag 3. November 2007, 20:30
von Selissa von Appelthane
Langsam schlenderte Selissa den Gang der zu den Schlafgemächern des Schloßes führte entlang und legte sich dabei einen Plan zurecht.
Nicht auffällig verhalten, sonst schöpfen sie noch Verdacht..tu einfach ganz natürlich. Kurz bevor sie das Schlafzimmer des Grafens erreichte, legte sie einen forscheren Gang an, schritt auf den Wachmann zu der dort stand und sprach zu ihm:
"Der Graf möchte mit euch sprechen, es ist dringend...ja eilt euch besser.."
Selbst erstaunt darüber, dass der Mann tatsächlich kurz darauf davon schritt, um den Grafen aufzusuchen, zögerte sie einen Moment. Zugegeben, es war eine kleine Lüge, andererseits, kam ja keiner zu Schaden, außerdem war sie in geheimer Mission unterwegs und ein Wachmann der dumme Frage stellte, fehlte ihr hier gerade noch. Also gebot sich Selissa Eile, denn niemand sollte sie hier werkeln sehen. Rasch zog sie das Blatt Papier aus ihrer Tasche und schob es unter der Schlafzimmertür des Grafens hindurch und klopfte sich dann die Hände ab.
Erledigt.
Jetzt mußte der Graf es nur noch lesen, alles andere würde sich dann schon irgendwie fügen, dessen war sich Selissa sicher.
Ist es Pflicht?
daß wenn du weinst,
mein Herz mit bricht?
Ist es Loyalität?
daß jeder, der dich quält,
sich mir zum Feind gleich mit erklärt?
Ist es Gehorsamkeit?
daß jeder Wunsch von dir
nach Erfüllung durch mich schreit?
Ist es kumpelhafte Nähe?
daß ich bei dir bleib,
ob Wohl, ob Wehe?
Ist es Pflicht?
Sagst du es mir?
Ich weiß es nicht.
Verfasst: Montag 5. November 2007, 05:46
von Darna von Hohenfels
"Ich soll dir etwas vom Grafen ausrichten", sagte Selissa zu ihr, als sie gerade in ihrem Zimmer den Zustand alter Rüstungen überprüfte. Leicht furchte Darna die Stirn, als sie das blasse Gesicht ihrer Knappin registrierte. Eigentlich in dem Moment hätte sie es sich schon denken müssen, was passiert war, und die zitiert klingenden Worte gaben die letzte Bestätigung:
"Es wäre mir Hoffnung die besagte Person bald hier anzutreffen."
Ohoh. "Und er sagte das in dieser ... gestelzten Art, daß er mich sehen will, ja? War er .. wirkte er sauer?", fragte sie besorgt nach, nachdem Selissa in knappen Worten berichtet hatte, wie Adrian sie erwischte.
Erst ihr eigenes Gewühle in seinem Büro und dann ihre Knappin in "geheimer Mission", na hervorragend...
"Er vermutete zuerst ein Attentat auf ihn, als ich nicht sagen wollte warum ich dort war."
Darna ächzte. Und hatte es plötzlich sehr eilig, ins Schloß zu kommen. Wenn Adrian sauer war, ließ man ihn besser nicht auch noch warten. Allerdings galt es noch immer, die Fassung zu bewahren - als sie die Wachen fragte, ob seine Hoheit zu sprechen sei, trug sie ihre schönste Dienstfresse aus Gardezeiten zur Schau. Und als sie das Büro betrat, schloß sie sehr sorgfältig die Türen.
"Die Streitbare mit Euch, Euer Hoheit."
"Grüß dich", erwiderte er nur knapp. Ohoh. Es war selten, daß er sie prüfend musterte, selber dabei aber gar nichts einschätzbares zu seiner Laune lieferte. Und dafür kannte sie ihn nun lange genug.
"Ich nehme an du weisst um die Schritte deiner Knappin?"
"Sie scheint mir... in vielen Dingen nachzueifern", erwiderte sie nüchtern und vorsichtig. "Zum Beispiel darin, beim Versuch von Heimlichkeit gnadenlos und dämlich aufzufliegen. Wäre das eines Ritters nicht eigentlich durchaus angemessen, würd ich mich unheimlich darüber aufregen."
"Ich nehme an, sie hat dir von dem Vorfall berichtet?" Wieder musterte er sie prüfend. "Was will er wissen? Ob ich ihr diese Flausen in den Kopf gesetzt hab? Sie war nicht geschickt, aber eigentlich ist sie ganz klassisch vorgegangen. Irgendwas läuft hier schief."
"Ja. - Ich hätte es ahnen sollen", bewahrte sie einen nüchtern-distanzierten Klang ihrer Stimme, als ginge sie das Ganze nichts an, "Sie hat mir auch den Wortlaut des Her..bittens wörtlich übermittelt."
"Die Durchführung des Auftrags oblag ihr oder deiner Idee?"
Jetzt klingelte es: "Er will wissen, ob Seli das gegen meinen Willen getan hat. Oder ob das Spiel meine Idee war."
"Ich habe es ihr nicht verwehrt", entgegnete sie hölzern.
"Ich nehme allerdings nicht an, Ihr erwartet die Antwort auf ähnliche Weise überbracht...?"
Sie faltete die Hände auf der Tischkante und ließ sich zögerlich Zeit mit der Antwort. "Warum nicht? Jetzt wäre es absurd, ja - aber eigentlich, weil du es bist, der gegen die 'Regeln' verstößt." Adrian schien sich gerade fast schon die Haare auszuraufen, als sie langsam meinte:
"Euer Hoheit haben zunächst einmal keinen Knappen, und..." - sie verstummte. Was hatte er gerade gemurmelt? "Ja und weiter?", hakte er nach.
"Je nachdem, was.. Euer Hoheit davon denken sollten, ist es... eigentlich auch unüblich, nach... dem Fund eines solchen Schriftstückes die 'besagte Person' zu sich zu zitieren. - Es sei denn natürlich", fügte sie rasch an, "man wolle da... klare Verhältnisse schaffen. ... Meist auf einem 'Lasst das' beruhend." Erst mit ihren eigenen Worten fing sie an, sich darüber sogar Sorgen zu machen.
"Die Freifrau sollte mich nach all den Jahren gut genug kennen, um zu wissen, daß ich ein 'Lass das' auch entsprechend zeitig vorzubringen weiss und nicht erst daran erinnert werden bräuchte."
Der Konter saß. "Natürlich. Verzeihung."
Soviel also zur Sorge, daß er sie anfahren würde, was für ein Schwachsinn ihr nun wieder eingefallen war. Aber was wollte er dann? Mit ihr über ihr stümperhaftes Dichtwerk reden? Irgendwas lief hier grob verkehrt. "Ich weiß ja, daß ich mich in den Lehrstunden über Minne lausig angestellt habe. Aber Herr Graf scheinen gar keine bekommen zu haben, oder bist du seit deiner berüchtigten Junggesellenzeit aus der Übung, oder was soll der Käse hier?"
Sie blieb fein säuberlich hinter ihrem gedanklichen Schutzwall verschanzt ganz ruhig und belauerte ihn. Gleichzeitig beobachtete er sie, als müsse ihr irgendwas auf die Stirn geschrieben stehen. "Wie zwei Duellanten, die sich umkreisen und auf einen ersten Angriff des Gegners hoffen. Vergiss es, ich war schon forscher, als sich's für eine Dame gehört. Muß ich dir das noch als Antragsformular in zweifacher Ausfertigung geben? 'He du, beachte mich'? Wenn du nicht willst, dann sag es einfach und lass es."
"Würde die Freifrau mir wohl die Ehre eines Ausrittes gewähren?"
Die Frage kam dann doch irgendwie sehr unvermittelt. Genauso unvermittelt fiel ihr fast alles aus dem Gesicht.
"D..äh...i..äh... ja?" "Backfisch. Mach den Mund zu."
"Ich hoffe, ich bekomme noch die Zusammenfassung?"
"Ähm. Ja." Sie nickte. "Ich meine... ja, ..gern.. Hoheit." "Oh Himmel, das üben wir nochmal. Aber er will jetzt alleine irgendwo mit dir hin?" Plötzlich waren da wieder altgewohnte Denkmuster: "Soll ich am Kastell bescheidsagen?"
"Es wird nicht nötig sein, erhoffe ich. So Euch wohler ist mit einer zehnköpfigen Einheit auszureiten, werde ich natürlich entsprechen."
"Das kommt auf das... Ziel... des Ausrittes an", meinte sie etwas tonlos. "Wieso bin ich jetzt schon wieder so nervös?"
"Es dürfte sich auf sicherem Boden befinden."
Das klang unverfänglich. So unverfänglich, daß sie sich wieder zu sorgen begann, ob ihre Sorgen nicht eher Wunschdenken waren. "Wart's doch einfach ab, meine Güte!"
Er schwang sich auf seinen geliebten Fuchs wie zu einem lockeren Ausflug - sie saß auf, als gehe es in den Krieg. Und folgte ihm so stur hinterher, daß sie sich vorkam wie damals bei Andrey, als er sie das erste Mal nach Hause zu geleiten anbot... und sie sich vorkam, als werde sie ins Gefängnis abgeführt. "Das ist diesmal aber nicht seine Schuld." Sie traute sich nicht, an seine Seite aufzuschließen. "Was würden die Leute sonst auch denken?"
Berchgard. Bei "auf sicherem Boden bleiben" blieb auch fast nichts anderes übrig. Warum fiel ihr eigentlich erst jetzt auf, wie eingeschränkt er tatsächlich in seiner Bewegungsfreiheit war? "Mir geht es doch kaum anders, seit ich Paladin bin." Ein Gedanke, der ihr seit einer Weile nicht mehr neu war: "Wir sind uns nach und nach erschreckend ähnlich geworden."
Einigen bekannten Gesichtern, denen sie auf ihrem Weg begegneten: Herr Orm, Fräulein Salberg... dann hatten sie die Ortschaft auch schon hinter sich gelassen. Sie wäre gern in diesem kleinen Wäldchen am Zwischenstück geblieben - langsam hatte sie ein ungutes Gefühl, wo es hingehen sollte. "Ein Ort, an dem zu vieles geendet hat."
Er wurde selber unschlüssig, zögerte... doch dann lenkte er den temperamentvollen Mustang weiter, zur Küste hinter der Dornenfeste des Hauses Llastobhar, und schon von weitem sah sie die trotz der Jahreszeit noch immer belaubten Blätter des unter Elfenmagie gewachsenen Baumes. Die Gedenkstätte Eileens. Und der Ort, an dem sie immer meinte, Aradans Asche im Wind zu spüren. Sie schluckte. "Ein passender Ort, um mir vor Augen zu halten, daß zuviel hinter uns liegt, um es zu ignorieren und sich auf ein neues Wagnis einzulassen."
Er stieg ab, gab Garvagh einen Klaps, daß das Pferd begann, ein Stückchen zu traben und sich Gras zu suchen. Sie blieb sitzen, starrte auf den Baum. Dachte an das Bild, das in seinem Büro hing, genu hinter seinem üblichen Platz: 'Ewige Liebe'.
"Hält er mich für so eine Idiotin, daß er mir so aufzeigen will, daß seine Gedanken immernoch bei ihr sind, egal welche er ansieht?" Er musterte sie einen Moment, trat dann näher an ihr Pferd. "Oder tu ich ihm gerade wieder völlig Unrecht?"
Plötzlich saß sie doch ab und hörte gerade noch, wie er zu sprechen anfing: "Ich habe den Ort vielleicht nicht sonderlich weise gewählt.. aber..."
Sie sah ihn an. "Aber?"
"Ich wollte eben sagen, daß es an der Zeit wäre, sich zu entscheiden zwischen absteigen oder heimgaloppieren." Sie sah zum Baum. "Aber die Entscheidung scheint schon gefallen", stellte er sinnigerweise fest.
"Ja. Ich käme mir sonst vor, als würde ich kampflos davonlaufen", dachte sie nur und schwieg wieder.
"Es tut mir leid, wenn ich mit der Wahl einen unpassenden Ort...", er brach selber nun heillos stockend ab, schüttelte den Kopf.
"Unpassend? Wofür?" Sie zwang sich verbissen, den Mund zu halten. Die Worte wären ihr vermutlich in dem stolzen, fast hochnäsigen Ton entflohen, wie sie sie gerade in einem Anflug von Verärgerung dachte, und es wären Attacken gewesen, die er gerade nicht zu verdienen schien.
Überhaupt kam er ihre gerade selber fast... wie ein Backfisch vor. Wie ein Junge, der sich an einer unbeholfenen Einladung versuchte. "Ich .. würde vorschlagen, ich setze mich jetzt .. dorthin... und werde merken, ob du dich dazusetzt oder ich Hufschritte höre..."
Tatsächlich bewegte er sich langsam zu der hüfthohen Uferkante zum Meer und breitete im Gras seine Satteldecke aus. Widerwillig furchte sie die Stirn. "Hälst du das für romantisch? Oder entspannend??" Sie sah zum nahen Gedenkstein, auf dem eine kleine Pferdestatue als Zeichen der Galway-Zucht thronte. Wie konnte er sie hier ansehen, ohne an Eileen zu denken? Wollte er das überhaupt? Wenn nicht, was beabsichtigte er dann?
Statt ihm zu folgen oder nicht zu folgen, blieb sie dort, wo sie stand und schaute nachdenklich vor sich hin, gleichzeitig rieb ihre Rechte ihr linkes Handgelenk. Mit dem Ende des letzten Tages des Goldblatt-Mondes hatte sie das Kettchen zu den Erinnerungsstücken einiger Männer gelegt, denen sie unglaublich viel für ihr Leben verdankte: Ein Stück zerfetzter Wappenrock von Sir Hagen, die Halskette, die sie Sir Aradan geschenkt hatte... und daneben nun das Liebespfand, das Andrey ihr gegeben hatte. Wohl verwahrt in einem kleinen unauffälligen Fach im Sockel der Statue Zuhause. Und bald sollte auch das Wappen derer von Greifenbach sich zu den anderen beiden im Stein hinzugesellen, eingemeißelt in Stein, Symbol einer Erinnerung...
"Wir müssen uns beide etwas bewusst werden...", hörte sie erinnernd Adrians Worte erneut, "Du ob du wirklich damit leben möchtest, Andrey ziehen zu lassen..." Ahnte er, wie schwer ihr das noch fiel? "Ich habe überhaupt kein Recht darauf, ihm irgend etwas vorzuwerfen."
Ihr Blick ruckte hoch, als sie merkte, daß er aufgestanden und wieder in ihre Nähe gekommen war. "Wenn.. ich meine... ist es dir lieber, wortlos zurückzureiten?", fragte er etwas ratlos klingend. Sie sah wieder zum Gedenkstein.
"Sage ich, was ich denke, tu ich dir womöglich Unrecht."
"Haben wir je gedacht, daß wir einander nicht einmal sagen können, was wir denken?"
"Das schein ich mir gerade wieder zur Gewohnheit zu machen", dachte sie bitter und erklärte: "Du hast mir geraten, mir darüber klar zu werden, ob ich tatsächlich diesen Abstand von Andrey nehmen möchte." Sie zwang derartig energisch jeden Vorwurf aus ihrer Stimme, daß sie auf seltsame Art sanft klang, "Doch wenn ich diesen Ort als deine Wahl sehe, frage ich mich gerade, ob ein ähnlicher Rat dir nicht auch gelten muß - ich will... es liegt nicht in meinem Interesse, Eileen zu ersetzen." Plötzlich wurde ihre Stimme doch bitter: "Das will und kann ich nicht."
"Und es lag nicht in meinem Willen, den Eindruck zu erwecken, ich erwarte dies. Ich lag wohl falsch in meinem Überlegen.. verzeih."
Er wandte sich zum Meer um, schaute nachdenklich auf die Weite und schwieg. Sie erwartete irgendeine Erklärung, irgendeinen Vernichtungsschlag, der ihr ihre eigene Idiotie vor Augen führte, und blieb einige Momente fluchtbereit zum Pferd gewandt - nichts.
Langsam gab sie endlich ihre Haltung auf, löste den Blick endlich vom Baum, trat endlich näher, traute sich endlich, leise zu fragen: "Warum dann hier?"
"Ich dachte hier über alles reden zu können, würde aufzeigen, daß ich bereit wäre, Vergangenheit als fort ansehen zu können .. wenn ich es hier kann.. grad hier..
Aber wahrscheinlich drehen wir uns ohnehin nur im Kreis, hm?" Er wandte sich ihr wieder zu. Sie furchte leicht die Stirn.
"Es hilft dir auch nicht weiter, wenn ich jetzt sage 'Ich weiß nicht'...", murmelte sie halblaut und stopfte mißmutig die Hände in die Manteltaschen, sah auf's Meer. "Zumindestens scheint es dir dann nicht viel anders zu gehen als mir", erwiderte er ruhig, "Weisst du, daß ich mir grad seltsam vorkomme? Wie soll ich das nur erkälren, ohne dir vor den Kopf zu stoßen? Nein, frag nicht nach, es wäre unangebracht, das Warum zu beantworten."
Sie holte Luft und atmete lautlos seufzend durch. "Vielleicht erleichternd, wenn du mir vor den Kopf stößt, dann muß ich mir nicht selber dämlich vorkommen..."
"Vielleicht hilft es, wenn wir es ähnlich gestalten wie neulich mit der Frage..."
Kurz war sie versucht, zu schmunzeln, hätte sie sich nicht immernoch hier so unwohl gefühlt. Sie spielten Schach mit der ängstlichen Option, Züge zurückzunehmen. Sie musterte das Gras vor ihren Füßen. "So kommen wir nicht weiter."
Er schien ähnlich zu denken: "Ich werde etwas tun.. wenn du es hinnehmen kannst, tue dies.. ansonsten schleuder mir den Handschuh ins Gesicht und wir vergessen all dies, in Ordnung?" Sie furchte die Stirn. So oft, wie er ihr das inzwischen angeboten hatte, musste er unheimlich versessen darauf sein, von ihr verprügelt zu werden. Oder auch nicht. Sie wusste ihn da nicht mal einzuschätzen. "Wir haben nie die Klingen miteinander gekreuzt", stellte sie absurd abgelenkt fest. Währendessen erhoffte er sich vergeblich eine Antwort.
"Was hast du vor?", fragte sie vorsichtig und argwöhnisch.
"Manchmal sollte man einfach etwas auf sich zukommen lassen? Ich werde dir kein Essay der Vorwarnungen zukommen lassen."
"Du tust meist ohnehin, was dir gerade in den Sinn kommt", kommentierte sie ausweichend und mürrisch. Auf was ließ sie sich hier ein?
"Das meist trifft es, aber selbst ich weiss, daß man es nicht immer sollte."
Das half ihr auch nicht weiter. Zugeständnisse, ohne zu wissen, worum es ging? Unschlüssig hob sie nur die Schultern, weigerte sich, sich auf diesen seltsamen Handel diesmal einzulassen.
Sie machte es ihm wirklich nicht leicht, trotzdem gab er sich merklich einen inneren Ruck, trat etwas näher an sie heran: "Besser ich kleide es nicht in zu viele Worte.. das gibt dir die Gelegenheit, nicht zu lange warten zu müssen, bis mir dein Handschuh ins Gesicht fliegt."
"Du musst wirklich glauben, da lauer ich drauf...", gab sie inzwischen ärgerlich zurück. Was sollte er schon vorhaben, die Göttin zu beleidigen? Dachte er, sie werfe ihren Handschuh bei jeder Gelegenheit wie ein eitler Geck? Er suchte ihren Blick - vergeblich.
"Nein, ich hoffe nicht...", murmelte er und atmete tief durch, "Du erinnerst dich als du kürzlich das Kostüm vorführtest...?" Erst jetzt, dicht bei ihr, war der leise und schnelle Atem zu bemerken, einziges Zeichen von Aufregung. Sie nickte nur leicht. Oh ja, und wie sie sich erinnerte.
"Dann erinnerst du dich sicher auch all der gesprochenen Worte..." - zögerliches Nicken.
"Vor allem, daß ich nicht alles ausprechen wollte, der gebührlichen Zurückhaltung wegen..." - leichtes Schlucken.
Weiterhin suchte er ihren Blick - keine Chance.
"Es gibt nur eine unausgesprochene Wahrheit... Das Wenige, was mir vergönnt war, zu sehen.. lässt mich mehr als nur erahnen - nein, wissen - was ich verpasst habe. Du warst selbst in dem zerdrückten Kleid noch atemberaubend schön. Und", setzte er leise nach, "du bist sehr liebenswert, auch wenn ich mir nie erlaubte, dies auch nur zu denken."
Vorsichtig griff er nach ihrem Handgelenk, um widerstandslos die Hand aus der Manteltasche zu angeln und ihr einen Handkuß zu geben.
Sie stand noch immer wie festgewurzelt, gab keinen Ton von sich, und ließ ihn damit wohl genauso am Haken zappeln, wie es ihr für sich gerade vorkam.
"Wenn dies auszusprechen dir ungebührlich erscheint, verzeih", hörte sie seine Stimme noch wie durch Watte in den Ohren. Es war zu ihrem Leidwesen nicht das Meer, das darin rauschte, denn sie hätte sich grad gerne besser im Griff gehabt.
"Ich... ich... Ich weiß nicht, warum du den Handschuh fürchtest, aber wenn du... Ihr eine Ohrfeige verdient hättet, Hoheit..." - trotz der förmlichen Anrede wurde die Stimme sanfter und der Anflug eines Lächelns zeigte sich, "dann würdet Ihr das schon merken."
"Ich werde mich mühen, diesen Moment nicht herbeizuführen", erwiderte er leise und strich wie zufällig über ihren Handrücken, als sie sie vorsichtig zurückzog. "Himmelnocheins, das kann doch nicht so eine Gänsehaut machen!"
"Eine Frage scheint beantwortet, danke..." - sie musste sich dezent räuspern, um ihre Stimme wieder in den Griff zu kriegen, suchte dabei seinen Blick und fand ihn nur zu schnell. "Ich schätze, wäre es nur Pflicht, wären meine Knie nicht so weich...", brachte sie nur noch wispernd heraus. Es war schon peinlich, selber zu merken, wie ihre Wangen glühten. Sie verkam zum gewöhnlichen Frauenzimmer. Verdammter Kerl.
"Ist es Pflicht?
Sagst du es mir?
Ich weiß es nicht."
"Es ist niemals Pflicht, wenn man sich fühlt als wären die Knochen aufgeweicht... und das Herz schlimmer rast, als würde man davonlaufen - obwohl man es vielleicht manchmal möchte..."
"Ist es nicht?" Sie lächelte wie betrunken. "Du weißt auch gar nicht mehr, was du tust. Hau bloß ab, sonst geschieht doch noch ein Unglück", warnte sie eine pedantisch-übervorsichtige Stimme im Hinterkopf. "Dann sollte ich jetzt gehen", trug sie ihr Rechnung, "Alles andere wäre ungebührlich."
"Kannst du ihm gerade seine Zaghaftigkeit wenigstens mit gleichen Worten heimzahlen." Allerdings war sie zu glücklich, um an diesem Rachegedanken groß was zu finden.
"Ist dies denn wirklich, was du möchtest?", fragte er leise.
"Nein...", erwiderte sie noch leiser. "Und genau da liegt die Gefahr." Gedanklich riß sie sich los und trat einen Schritt zurück.
"Darna... ich weiss, was man mir nachsagt. Aber ich werde jetzt hier Eines ganz sicher nicht tun: irgend etwas, das ungebührlich wäre."
"Nein, sicher nicht", nickte sie. "Du nicht. Und ich fall bestimmt auch nicht gleich über dich her. Aber ich sollte weg. Ganz schnell weg. Ehe ich es bin, die auch nur einen Fitzel mehr will, und DAS wäre ungebührlich!"
In gestrecktem Galopp preschte sie von Berchgard nach Hause zurück.
Verfasst: Sonntag 2. Dezember 2007, 19:52
von Darna von Hohenfels
Küssen verboten?
Das war alles irgendwie peinlich. Es war ja erfreulich, daß die Aufmerksamkeit der gebeutelten Schloßwachen inzwischen groß genug war, um selbst ihr nicht mehr zu trauen, wenn sie sich völlig ungewöhnlich desorientiert benahm, aber es behagte ihr gar nicht, daß sie tatsächlich kaum wusste, wie und warum sie eigentlich zu so später Stunde noch hierher gekommen war.
Ja gut, vorhin hatte Lucenius also gesagt, eine Annäherung von Kirche und Reich wäre sehr wünschenswert und hatte sie und Adrian neben Rafael sogar als positive Beispiele genannt, wo man nicht bloß einander begegnete, wenn man vom anderen etwas wollte.
Naja, aber eigentlich wollte sie ja... also... ähm...
Sie saß also wieder in Adrians Büro und schaute auf ihre auf dem Schoß gehaltenen Hände - legte sie abrupt zurück auf die Tischkante, wie man es normal von ihr gewohnt war. Wie sollte das nur weitergehen? Seit wenigen Tagen, als sie einander hier bereits gefährlich nahe gekommen waren, nahm sie sich jedes Mal fest vor, nicht ohne Begleitung Saveas oder einer anderen Anstandsperson in seine Nähe zu kommen. Es wurde wirklich hochgefährlich, dieser ... Kerl... Graf... Er hatte ihr bloß in den Mantel geholfen und flüchtig ihren Nacken gestriffen, und wenn sie daran dachte, schien ihre Haut jetzt noch zu kribbeln - zwei Tage später. Wie hypnotisiert hatte sie seine sich zurückziehende Hand beobachtet, es war furchtbar.
"Du bist wirklich gut im Umsetzen von guten Vorsätzen. Anstandsdame wäre wirklich angebracht. Dir und ihm zuliebe. Und wieso sitzt du jetzt wieder alleine hier?"
Für einige Momente kam Sorge auf. "Er weiß es doch nicht etwa, oder?", fragte Adrian, als sie von Lucenius' Worten erzählte. Nein, woher sollte er auch? Sie benahmen sich schließlich anständig und unauffällig, ganz normal, sobald irgend jemand anderes in der Nähe war. Alles blieb innerhalb der vier Bürowände. Ja. Ganz bestimmt.
Wieso hatte sie so ein flaues Gefühl in der Magengrube?
"Ich hoffe sehr.. dass ich mich nicht zu offensichtlich benahm", meinte er vorsichtig.
"Wohl eher ich als du...", brummelte sie leise.
"Das denke ich nun wirklich weniger."
"Ah ja? Wie oft soll ich noch aufgegriffen werden, weil ich mich nicht wie ich selber benehme?"
"Schieb... es auf Müdigkeit."
"Aha...", meinte sie nur unüberzeugt. Müdigkeit. Zu früher Nacht, wo sie meist bekanntermaßen erst richtig aktiv wurde. Klar.
"Ich denke nicht dass es öfter.. und wenn, wer kommt schon auf solche Gedanken.. oder?"
"Kannst du dabei nicht etwas überzeugter klingen, bitte?", dachte sie mißmutig und suchte ein beruhigenderes Argument: "Sind ja nicht alle so hellsichtig wie Elnesta..."
Adrian strich sich fahrig durch die Haare, was sie aus den Augenwinkeln beobachtete. Diese edel silbrig glänzenden feinen Haare, genau wie die Schuppen dieser erhabenen Drachenwesen schimmernd, vereinzeltes Funkeln von Kerzenlicht wie aufglänzende Sterne vor hellen Wolken... "Wie haben wir Idioten es eigentlich immer wieder fertig gekriegt, ihm scherzend graue Haare zu unterstellen? Völliger Unfug."
Dreck, wie lange sah sie ihn jetzt schon wieder an? Sie senkte rasch den Blick. Er hatte zurückgeguckt, nicht? Wie lange? Jedenfalls räusperte er sich und starrte zur Abwechslung die Kerzenflamme an.
Sie suchte irgendein Gesprächsthema. Er auch. Seit wann war selbst das so schwierig? Nach ein, zwei Sätzen saßen sie dann wieder da, beobachteten einander verstohlen und schwiegen sich an. "Ich sollte besser gehen. Das muß unerträglich sein."
Sie legte jedes Mal viel Wert darauf, die Zeit mit ihm nicht - nur - mit irgendwelcher Tändelei zu verbringen, sondern Probleme zur Sprache zu bringen, ihm Informationen zukommen zu lassen, sich über seine Pläne und Absichten zu erkundigen. Gestern hatte sie ihn verbal massiv unter Druck gesetzt, was für die Belebung der Stadt zu tun, die fast nur noch aus Adel, Militär und Verwaltungsapparat zu bestehen schien.
"Wenn du nichts tust, tu ich was! Wer trägt hier eigentlich noch schwarz, ich oder du?", hatte sie ihm energisch provozierend entgegengeworfen und war insgeheim erschrocken gewesen, wie tief er tatsächlich schon pessimistisch schwarzsehend in einem Schneckenhaus verkrochen schien. "Und so benimmt sich die ganze Stadt. 'Du bist das Land', heißt es bei einem Herrscher - geht es ihm schlecht, kann es dem Land oft nicht lange besser gehen. Ich muß ihn da rausholen."
Doch momentan war das gar nicht so einfach, wenn es ihr allein schon in seiner Nähe schwer fiel, einen klaren Gedanken zu fassen. Ein altes Gedichtbuch, das bei ihm auf dem Tisch lag und ihr Interesse weckte, rettete eine Weile die Situation. Sie waren unterschiedlicher Qualität, doch teils durchaus angenehmer Güte, oft Werke über hehre Taten in geübterer Form als einige Gedichte, die von Liebe handelten.
"Von wem sind die?", fragte sie zum wiederholten Male, Adrian schien damit nicht so recht rausrücken zu wollen, doch kam dann doch eine Antwort: "Ach, ein auf diesem Gebiet nicht eben namhafter Mann... Mein Urgroßvater war es.. Reinbrecht von Hohenfels."
"Aha?", schmunzelte sie anerkennend, "Doch Künstlerblut in den Adern?"
"So scheint es wohl.. ich bin nur nicht sicher ob es bis zu mir vererbt ist."
Beide erinnerten sie sich mit Amusement gut über seinen abgebrochenen Dreizeiler vor dem Theater, als sie im Rahmen seiner Vermählung mit Eileen die Brautentführung organisiert hatte und Adrian quer durch die Stadt jagte, verschiedenen Prüfungen unterzog.
Sie stöberte rasch lieber weiter in dem Gedichtband, als sie sich zu fragen begann, ob er für sie je Poesie zustande brächte...
"Aha?"
"Aha? Was meinst du nun?"
"Mir scheint, mit der Zeit wurde er weiser...", sie lehnte sich schmunzelnd zurück und zitierte ein Gedicht, über das sie just gestolpert war:
"Hast, liebes Mädchen, frisch und jung,
Du jenen Mann gesehn,
Im heißen Durst nach Labetrunk
zur kühlen Quelle gehn?
Voll Sehnsucht bog er ihr sein Knie,
Und Göttin, Göttin nannt er sie."
Adrian hüstelte und musste sich deutlich zusammennehmen, nicht zu lachen. Es war ihr sehr lange schwer gefallen, Liebesgedichte überhaupt nachzuvollziehen, die kleinen Spitzen, anzüglich-heimlichen Vergleiche... doch für die Offensichtlichkeiten in diesem Werk war sie inzwischen auch ohne eigene nähere Erfahrungen beschlagen genug.
"Und als sie seinen Durst gestillt
Mit ihrem süßen Trank,
Und neubelebt und krafterfüllt
Er ihr zu Füßen sank,
Da schlief er ein und ohne Dank
Trug ihn hinweg ein loser Gang.
Oh Mädchen, wie die Quelle rein,
Unschuldig frisch und schön,
Ach laß es nicht dein Schicksal sein,
Laß nie dir's also gehn,
Daß, wenn du andere erfreust,
Du selbst die Tränenquelle seist."
(# Autor: Thomas Carew "Die Silberquelle")
Adrian schmunzelte - ob nun wegen des Gedichtinhaltes oder ihrer Leidenschaft für solche Dinge. "Ich bin sicher, du wirst es dir nicht nehmen lassen, es vollständig zu studieren." Vergnügt schüttelte sie den Kopf und er nickte nun: "Bring es einfach zurück, sobald du es gelesen und Abschriften getätigt hast.
...
Ich fürchte nur, mit ähnlichen Dreizeilern wie am Abend der damaligen Hochzeit werde ich kaum zu glänzen imstande sein." Sie lachte bei seinen Worten leise auf und er hob leicht eine Braue. "Ja ich weiss, ich werde mich wohl mehr bemühen müssen."
"Och, wofür denn?", fragte sie scheinheilig gleichgültig.
"Nun gut wenn du die Frage so stellst, irre ich mich wohl", provozierte er zurück. Ihre verschmitzt gekräuselten Lippen verrieten sie dabei genug, und sie sah immer wieder kurz zu ihm, senkte wieder verlegen den Blick, als er erneut deutlich zu lange währte.
"Nunja, du wirst gewiss erleben, welcherlei du ertragen musst..."
Sie krauste die Nase und konnte die Spitzen noch nicht lassen: "Meinst du, von Dragenfurt reimt so lausig?"
"Hmm.. ich weiß es nicht zu sagen, ich sollte es wohl hoffen", meinte er und fügte leiser an: "Zumindestens, wenn ich nicht euch zu eurem Glück gratulieren müssen will."
Ihre Brauen ruckten kurz zusammen und sie zog den Kopf leicht zurück.
Was sollte diese Bemerkung nun wieder? Sollte sie darauf etwa irgend etwas sagen? Abwiegelnd sich ihm bereits an den Hals werfen, Silvan weniger zugestehen, als er verdiente? Alles zur hohlen Farce erklären, egal wie von Dragenfurt sich anstellen mochte, daß Adrian nichts zu leisten brauchte? "Ist es denn mehr? Hast du dich nicht schon entschieden? Er verdreht dir den Kopf, na gut - reicht das denn schon, bist du so billig zu haben?"
Diffuser Ärger wallte auf, Silvans fast leichthin gesagte Worte brachten sich unangenehm wieder in Erinnerung: "Milady scheinen dem Fluch stetig zweier Werber zu unterliegen."
Adrian schüttelte nun selber unwirsch den Kopf. "Verzeih, ich gebe schon wieder nur Unsinn von mir."
"Ja, ziemlichen", kam es spitzzüngig und trocken zurück.
Wieder suchte er Ablenkung am Anblick der Kerzenflamme. Sie ertrug es immer weniger, auch wenn sie mit dem Angucken der Tischplatte kaum besser war.
"Das Gästezimmer steht dir im Übrigen wieder frei... du weisst ja um diese Zeit bin ich misstrauisch, wer da draussen lauert."
"Vor wem muß ich mich denn gerade mehr in Acht nehmen, meinen Feinden oder dir?" - sie senkte den Blick, atmete durch, stand auf: "Man erwartet mich diesmal Zuhause." Es tat ihr leid, als sie selber ihre Stimme hörte, die knapp und ablehnend klang, "Ich hatte ohnehin gesagt, ich sei nur kurz beim Kloster und käme wieder..."
"Himmel ja, jetzt hab ich Silvan und Seli sitzen lassen...", sie brummte mißmutig in Gedanken. Stattdessen saß sie hier herum, ganz klasse.
"Du meinst.. es könnte schon eine Armee auf der Suche sein?"
"Lass ich es besser nicht drauf ankommen", erwiderte sie nüchtern und griff nach ihrem Mantel.
"Es.. war kein Aufruf zu gehen.. aber nun.. wahrscheinlich wartet man?"
Sie schloß die Augen. Warum machte er es ihr so schwer? Dieses "Bitte bleib", das er nur nicht aussprach...
"Verzeih, wenn ich dich wieder verärgert habe", hörte sie leise von ihm, "Neuerdings beherrsche ich dies wohl recht gut.."
Da schien er nicht alleine, wenn sie an gestern dachte, und fast geistesabwesend wiederholte sie Worte, die sie Viola einst gesagt hatte, und deren Tragweite ihr gerade wieder mit gewisser Sorge klar wurden:
"Das ist normal... ist nun mal so... Es fällt jenen leichter, einen zu verletzen, die man näher an sich heranlässt."
"Du weisst genau dass ich das nicht möchte.. oder irre ich?" Er hob unschlüssig eine Hand, als er schräg neben ihr stand, zwang sie aber wieder herunter.
"Du kannst es nicht verhindern. Oder willst du... mir nicht näher kommen?" Stattdessen erwiderte sie: "So wenig wie ich."
Er ließ sich nun doch hinreißen, ihr vorsichtig einmal über den Arm zu streichen, bevor er umso vehementer einen Schritt zurücktrat. Sie schien überhaupt nicht darauf zu reagieren - bis klar wurde, wie sehr sie sich zusammenreißen musste, um wieder zu atmen, nur zu blinzeln und sich abzuwenden. Ihr Gesicht brannte wie Feuer. "Ich muß weg."
"Sch..schlaf gut."
"Du auch, komm sicher heim..."
"Ja, sicher..." - es war kaum deutbar, ob sie seinen Wunsch bestätigte oder wie ein Papagei nachplapperte.
"Ich sollte dich geleiten... aber würdest du es annehmen?"
"Länger mit deiner Nähe zurechtkommen? Puh..." - das war schon wieder so eine schwierige Frage. Wollte sie? Wollte er? "Solltest du...?", klang es von ihr eher hoffend als fragend.
"Ja... um sicher zu gehen - man weiß nie..."
Klar. Sicher. Sie hatte Schwierigkeiten, sich zur Tür umzudrehen, während er sich rasch eine schlichte Robe überwarf, dauernd hatte sie nun das Gefühl, als stünde er die ganze Zeit viel zu dicht bei ihr. Und, als hätte sie irgendwas vergessen.
"Ach, das Buch...", plötzlich drehte sie sich um und wollte zum Tisch, was darin resultierte, daß sie ihn mit der Schulter anrempelte, zuammenfuhr, er schaute kurz erschrocken.
"Verzeihung", sagten sie beide ziemlich gleichzeitig und er hangelte nach dem Buch, um es ihr zu reichen, einen seiner üblichen Kommentare auf den Lippen: "Nein, es war meine Schuld, was stell ich mich auch in den Weg nicht wahr?"
"Genau, wieso existierst du überhaupt, ist ja furchtbar" - sie brachte kein Wort heraus, sinnlos klappte der Mund einmal auf und zu. Vorsichtig fasste sie nach dem Buch... oder seiner Hand, das mochte man sehen wie man wollte, jedenfalls bekam sie beides unter die Finger. Und zum Glück ließ er es auch nicht los, denn es wäre sonst wohl ziemlich sinnlos und unschön runtergefallen.
Er sagte noch irgendwas, was sie nicht so ganz mitbekam, viel zu abgelenkt war sie damit beschäftigt, jeden Milimeter seiner Augenpartie zu studieren, dieses faszinierende Blau seiner Iris... Gänsehaut überzog ihren Handrücken, als er ihre Hand vorsichtig drehte, das Buch behilflich hinein legte, verharrte, seine Hände nicht wegnahm.
Sie waren ganz warm...
Ein Kribbeln glitt ihre Arme hoch, wie lange sie einander nun schon in die Augen sahen, war schwer zu sagen, er schien auf irgendwas zu warten, genau wie sie. "Worauf wartest du eigentlich noch? Er scheint dich wirklich nicht abstoßend zu finden. Vielmehr..."
Sie fühlte seinen warmen Atem, als ihrer beider Nasenspitzen etwa noch eine Handlänge voneinander entfernt waren, wie schwindelig davon schloß sie die Augen. T minus eine halbe Handlänge, als er sich behutsam noch etwas näherte.
"Eigentlich müsste Savea jetzt dazwischengehen, irgendwer protestieren - was tust du hier eigentlich? Hallo... Das ist... Das sollst du doch nicht!"
Hatte sie es gedacht, laut gesagt? "Was tust du hier, verflixt! Lass das!" Blinzelnd öffnete sie die Augen, hielt inne. "Das ist... VIEL zu dicht, was ihr hier macht! Und wie ihr steht! Weg! Pfui, aus!"
Wie zurückgestoßen riß sie ihren Kopf zurück und setzte einen halben Schritt nach hinten. "Verdammt noch mal...", entfuhr es ihr nun doch leise, und er öffnete die Augen, sah sie kurz an wie ein enttäuschter Junge, dem man etwas wegnahm.
"Wieso müssen Männer so gucken, sollte verboten werden", dachte sie wirr, während er sich räusperte und selber zur Räson zwang.
"Was tust du ihm eigentlich an? Du willst doch selber... gleich gibt er sich wieder die Schuld."
"Verzeih ... ich .. es.. ich wollte dich nicht bedrängen."
"Wusst' ich!"
"Tut mir leid", haspelte sie atemlos, schüttelte den Kopf, erst leicht, dann heftiger, als wolle sie wach werden. "Du kannst dich nicht so gehen lassen. Und wenn er noch so... anziehend ist. Diese Haare, Augen, weiß und blau... Himmel, HÖR AUF, ZU SCHWÄRMEN!"
"Nein, tut mir leid. Es tut mir leid." Sie hörte sich selber kaum, als sie fast schwankend umdrehte und eher zur Tür zu stolpern als zu gehen schien. "Du musst raus hier. Du kannst ihn nicht schon wieder so stehen lassen. Du bist letztens schon geflüchtet, was spielst du hier mit ihm? Immer wieder das Gleiche, er muß es doch leid werden. ICH bin es leid!"
"Nicht wieder weglaufen...", murmelte sie wie beschwörend zu sich, blieb stehen. Sie senkte den Kopf, dieses Hin und Her aus Anstand und Willen wurde unerträglich.
"Darna..." - seine Stimme. Zwei einfach Silben, und ein sachtes Vibrieren in ihrem ganzen Körper. "Verdammt noch mal...", hörte er sie leise murmeln, sie schien die Worte fast zu weinen und behutsam drehte er sie zu sich um.
"Ich verkomme zum... zickigen... sich zierenden... Frauenzimmer. Was will ich eigentlich?" Ihre Gedanken rasten und wieder sah sie ihn an, als er nun auch deutlich in der Absicht, es dabei zu belassen, ihr das Buch in die Hände legte.
"Es .. muss dir nicht leid tun, ich hätte mich zusammennehmen sollen, verzeih."
"Klar. Der Mann muß immer die Kontrolle haben, Fräulein hat nichts zu wollenl, und die halbe Welt muß erst absegnen... die sind aber alle nicht hier, so."
Etwas Trotziges flackerte in ihrem Blick auf.
Einen Moment stand er doch etwas überrumpelt da, als sie recht unvermittelt die letzte Distanz überbrückte und sich ihre Lippen auf seinen wiederfanden - lange ließ er ihr allerdings keine Chance, sich dann einfach wieder zu entziehen, nahm sie sanft, doch zunehmend fester in die Arme, den Versuch einer raschen Befreiung liebevoll unterbindend.
Sie hatte es auch eine geraume Weile nicht vor.
Die Hitze, die durch ihren Körper strömte, war eine zeitlang wahres Feuer gewesen, in dem sie jedesmal gemeint hatte, zu verbrennen, und das unglaubliche Glücksgefühl ließ sie fast erneut solches fürchten - doch nichts geschah, das Leiden lang vorbei, sie wusste, wem sie es zu verdanken hatte... und konnte doch den Mann vor sich liebestrunken ansehen.
"Darf es wahr sein?"
Verfasst: Dienstag 22. Januar 2008, 14:43
von Darna von Hohenfels
Savea und Shaya lagen zugedeckt auf ihren Betten, vorsichtig hatte sie sie vor demm erloschenen Kamin in der Küche aufgehoben und in ihr Zimmer getragen. Was ein Theater letzte Nacht, aber es schien geholfen zu haben. Luca schlief ebenso, offenbar mit seiner Machete in der Hand eingeschlafen, sie ließ sie ihm, seufzte nur leise bedauernd über die Ängste des Jungen. Wie mochte es Zoe im Moment gehen?
So viel zu tun... sie war nicht mal wirklich eingenickt, weil sie sofort hektisch wieder aufwachte und sich suchend umsah: jemand hatte nach ihr verlangt, ihre Aufmerksamkeit gefordert, nicht? Unruhe packte sie trotz Übermüdung. Nach einer Stunde sinnloser Grübelei stand sie wieder auf und zog sich an, wollte zum Schloß - sie musste endlich mit Adrian über die Anguren reden.
Für ihre Verhältnisse schlurfte sie schon fast aus dem Haus, als Orbert sie darauf aufmerksam machte, daß Post abgegeben worden sei. Sie wollte erst "später" sagen, doch irgendwas in seinem Tonfall machte sie stutzig und sie seufzte - bestimmt war es wieder dringend.
Sie öffnete den Behälter für die Post und schaute blinzelnd auf die Rose und den Brief daneben. Behutsam und verwundert nahm sie beides heraus. Keine Adresse. Die Rose in der Rechten locker unter dem Breif gehalten, begann sie mit wie üblich leicht gefurchter Stirn, zu lesen.
Und etwas später fragte sich Orbert, ob er nervös werden sollte oder sich ein Schmunzeln erlauben durfte beim Anblick der vor ihm stehenden Lady, die immer noch auf das Papier sah, wohl zum wiederholten Male las und zunehmend einfach glückselig gelächelt hatte wie ein junges Mädchen.
"Ich starre hinaus, in den Schnee,
mit schwerem Herzen.
Es ist das Ende der Welt in meinen Gedanken.
Dann holt mich plötzlich deine Stimme zurück,
wie ein Weckruf.
Ich suchte nach der Antwort
Irgendwo...
Ich konnte nicht sehen,
dass es direkt vor mir war
Aber jetzt weiss ich was ich
bis dahin nicht wusste!
Weil du lebst und atmest
Weil du mich an mich glauben lässt
Wenn niemand anders helfen kann
Weil du lebst,
Hat meine Welt doppelt so viele Sterne im Himmel
Es ist in Ordnung.
Ich habe überlebt.
Ich lebe wieder.
Wegen dir habe ich den Sturm überlebt.
Was bringt das Leben, was ist der Sinn?
Wenn du tot im Inneren bist
Ich bin so froh das ich einen Engel fand
Jemanden...
Der da war als all meine Hoffnung verschwand
Ich möchte fliegen, wenn ich in deine Augen sehe
Weil du Lebst
Gibt es einen Grund
Warum ich weiter mache
Wenn ich einen Kampf verliere
Ich möchte zurück geben was du mir gibst
Ewiglich..."
Die hohe Kunst - wie wiege ich eine Paladina in den Schlaf?
Verfasst: Mittwoch 23. Januar 2008, 07:06
von Adrian von Hohenfels
Sicher freute er sich Darna zu sehen, als sie an diesem frühen Nachmittag das Büro betrat. Beinah vergass er sogar seine neuesten Versuche in Poesie.... eilig begann er die Schriftstücke auf seinem Schreibtisch umzusortieren, es gewiss später bereuend, brachte er soeben als kleines Nebenwerk auch noch seine wichtigen Unterlagen durcheinander. Ein Blick auf Darna hätte ihm eigentlich eröffnen müssen, dass sie es nicht einmal bemerken würde, hätte er es offen liegen lassen. Himmel, sie schlief im Stehen, so schien es beinah. Mit einem erschöpften guten Morgen, trat sie ihm entgegen. Weiß sie überhaupt wie spät es ist? Nun gut 2 Uhr nachmittags, knapp daneben gegriffen, kaum der Rede Wert."Guten Morgen... nunja trifft es beinah."
Mit einem Lächeln kam er ihr entgegen. Wenngleich ihr Anblick an diesem Tage alles andere als schmeichelhaft wirkte. Übernächtigt, übermüdet, die Ringe unter den Augen waren unübersehbar. Schmeicheleien, Nettigkeiten, sie hätte sie verdient doch wollte sie so sicher nicht hören. Sicher, sag ihr sie sehe heute wieder wunderschön aus, dann glaubt sie dir nie wieder ein Wort! Hatte sie die kleine Nachricht gefunden? Ihre nächsten Worte liessen anderes vermuten. Ein Arbeitsgespräch, natürlich! Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten. Aber wer wäre sie denn wohl, zu schlafen, wo doch alle Welt umsorgt werden wollte? Das alte Problem, sie würde sich nie ändern. Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass die Tugend der Opferbereitschaft nicht bedeutet, dass du dich auffressen lassen sollst bis du vor Erschöpfung umfällst? Wem hilfst du damit?.. Unausgesprochene Gedanken, sie würde ohnehin nicht verstehen. Es war eben Darna! Ein Urlaub im Kloster war ihr kaum mehr anzuempfehlen, dort würde sie aufgrund ihres Standes alles finden, nur sicher keine Erholung.
Das übliche Arbeitsgespräch... was hätte er auch erwarten sollen? Berichte.. Zwei Anguren waren bedauerlicherweise ob ihres Zustandes noch verstorben. Er seufzte innerlich. Mochte ihre Stärke und ihr Stolz ihnen den Weg bieten, wieder aufzustehen. Die Stätte, die ihnen geboten worden war, ihren Toten das letzte Geleit zu geben, war angemessen gewählt. Möglicherweise fanden sie an dem Ort, so es möglich war angemessene Hütten zu errichten, an diesem Platz auch eine vorübergehende Unterkunft zu finden, welche ihnen gerechter wurde als in irgendwelchen eilig gewählten Notunterkünften der Stadt. Der Bericht über eine unschöne Begegnung mit einer Waldelfe, welche aufgrund ihrer Hautfarbe durch die Anguren für krank gehalten worden war, beunruhigte ihn doch. Es war zu hoffen, man würde sie eines besseren überzeugen können, auch wenn die Elfe offenbar schadlos entronnen war.
Erst jetzt wurde ihm gewahr, dass sie ja immer noch standen. Himmel, wie höflich. Man hätte Darna nur an eine Wand lehnen müssen und sie wäre eingeschlafen und er bot ihr nicht einmal Platz. Behutsam half er ihr aus dem Mantel, zog einen Stuhl für sie zurecht.. sie setzte sich auf einen anderen. Es nötigte doch ein Schmunzeln auf seine Lippen. Ja eindeutig, diese Frau arbeitete noch im Schlaf. Und sie redete und redete.. sicher er nahm die Worte auf, wusste sie überhaupt dass sie noch redete oder war sie schon eingeschlafen? Es war nicht mit anzusehen. Langsam erhob er sich, nahm hinter ihr Aufstellung und begann behutsam ihre Schultern zu massieren.. Muskeln, sind das noch solche oder versuche ich hier Drahtseile aufzulockern? Sie berichtete, dass Shaya und Savea sich nur langsam erholten. Ebenso wie Luca sich derzeit fühlte. Wie eingestreut fiel ein Dank über den Brief in ihren Bericht hinein. Er hätte es kaum mitbekommen. Sie hatte ihn also doch gefunden. Wieder musste er schmunzeln.
Leicht beugte er sich vor und flüsterte ihr während der kleinen Schultermassage zu: "Nur die Freifrau nimmt all ihre Last auf sich und findet selbst keine Ruhe." Sie begab sich offensichtlich nur zu gern in die kleine Massage, es waren wirklich Drahtseile.. man könnte meinen, seine Finger würden später gewiss schmerzen. "Silvan wollte mich auch schon ins Gasthaus auf Lameriast verfrachten." So arglos die Worte aus Darna's Mund kamen, so sehr versetzte es ihm doch einen Stich, welches sie zweifelsfrei spüren musste als sich seine Finger kurzzeitig schmerzhaft ihn ihre Schultermuskeln bohrten und er ein unwilliges leises Schnauben von sich gab und kaum hörbar murmelte: "Mag ich wetten!" Sich zur Ruhe zwingend mühte er sich weiter die völlig versteiften Schultern Darna's zu lockern, während sie mehr als deutlich stetig mehr in sich zusammensackte.
Es musste ihn wohl ein schelmischer Gedanke getragen haben, als er ob ihres Anblickes nun begann ein Schlaflied zu summen, während er behutsam die Schultermassage weiterführte. Er hätte erwartet, dass sie ihn scheltend anblicken würde. Das Gegenteil war der Fall. Sie schlief tatsächlich ein. Er musste sich mühen nicht zu lachen und sie damit möglicherweise wieder zu wecken. Bemüht leise, zog er die umstehenden Stühle zurecht, so dass er sie vorsichtig auf den Arm heben konnte. Ein kurzes "Mh?" ihrerseits liess vermuten, dass sie doch wieder erwachte, doch es war ein Irrtum.
War es Diensteifer oder Sorge eines Rüffels, dass keine Wache in diesem Moment Aufmerksamkeit auf die seltsame Szene legte, als er die eingeschlafene Darna in die Ritterquartiere trug? Es war wohl kaum zu beantworten. Nur wenige Augenblicke später war sie in einem der Betten niedergelegt. Nur nicht verweilen, jeder Augenblick zu lang, würde unangebrachte Fragen aufwerfen. Mochte sie sich ausruhen, sie hatte es sich wahrlich verdient. Er konnte nicht ahnen, dass sie schon sehr bald wieder auf unerfreuliche Weise aus unschönen Träumen erwachen würde.
Verfasst: Donnerstag 31. Januar 2008, 23:27
von Antarian von Weylenstein
Ein ungebetener Gast im Schloß von Varuna
Antarian war fast für 2 Monate in Weylenstein. Hat verschiedene Orte aufgesucht und sich zum erstenmal seit seiner Ernennung zum Freiherren eingehend über die Ihm übertragene Provinz Informiert. Es waren 2 kalte Monate. 2 Einsame Monate. 2 Monate der Harten Arbeit. Und vor allem 2 Monate mit viel Zeit um über seine Vergangenheit nachdenken zu können. Er der Sohn eines Großbauerns hat es Geschafft, über ein Amt als Richter zur Position eines Adeligen zu kommen. Ehrgeitz dem Reich zu dienen und Recht und Gesetz zu Verteidigen haben Ihm Gold, Einfluss und Macht bescherrt. Doch Macht macht Korrupt. Macht macht einen Einsam. Macht lässt einen Distanzierter werden. Lässt einen Vorsichtiger werden. Und man hat stehts die Angst im Hinterkopf sie Verlieren zu können. Denn mit Macht hat man auch einen schönen Angenehmen gehobenen Lebensstil. Macht lässt einen Vergeßen. Macht verleitet einem dazu vom Glauben abzuwandern. Sie hat so viele Schattenseiten und nur wenige besitzten die Stärke ihnen zu wiederstehe. Besitzt Antarian diese Stärke?
Und dann stehts diese Seitenhiebe im Leben. Diese schmerzen im Herzen. Er widmet sein Leben einzig und alleine dem Königreich. Frauen spielen nur eine zweite Rolle. Doch was ist wichtiger, sein eigenes wohl oder das wohlergehen aller? Wenn er eine Familie mit Ihren Kindern spielen sieht, dann erinnert es Ihn an den einen Verlorenen Sohn. An die eine Verlorene erste große Liebe. Und die zweite Liebe steht vor Ihrem aus. Wiedereinmal ist seine Arbeit der Liebe im Weg. Ihm fehlt die Zeit. Denn es gilt soviel unrecht zu bekämpfen. Also sollten kleine Vergnügungen doch nur Rechtens für Ihn sein so Sie kommen? Warum nicht? Keine Verpflichtung und er kann sich voll auf seine Aufgaben konzentrieren ohne stehts daran denken zu müssen ob Sie nun alleine und Einsam zu Hause auf Ihn wartet. Kein schlechtes Gewissen.
Es waren 2 Monate in dennen Antarian alle seine Gedanken Ordnen konnte und letztendlich zurückkehrte nach Varuna. Und was muss man dann direkt Erleben? Völliges Chaos. Kaum ist man dabei die Finanzberichte der letzten 2 Monate zu Sortieren, einen Überblick Verschaffen, muss man sehen das wohl ein völliger Schwachkopf hier seine Hände im Spiel hatte. Wiedereinmal lernt man hier das man lieber selbst Anpacken muss wenn die Arbeit richtig erledigt werden soll. Fast eine ganze Woche musste man Opfern um seine Alte Ordnung wieder Herzustellen. Und der Idiot der diese Unordnung in seine schöne Ordnung brachte, wurde Entlassen. Mal schaun wie lange die neue Sekretärin ihren Job behält. Antarian war ein Mensch für Deteil`s. Er ging die Finanzberichte genau durch. Und Ihm vielen einige merkwürdigen Ausgaben seines Lehnsherren auf. Zum Beispiel eine Goldene Halskette. Nach den Angaben musste diese Halskette wohl für eine Frau gefertigt worden sein. Aber was würde Er mit einer Frauenkette anfangen? Sie selbst Tragen? Gibt es da ein Deteil im Leben seines Lehnsherren die Antarian völlig Entgangen sind? Gibs da dinge und Deteils auf die er nach dem Tod von Eileen hätte achten sollen? Nein, dass konnte nicht sein. Antarian schüttelte seinen Kopf, diesen Gedanken wollte er nicht weiterführen und schon gar nicht bis zum Ende. Wahrscheinlicher ist das eine Frau im Spiel ist. Eine neue Liebschaft? Wer sie wohl Ist? Er erwähnte vor einigen Monaten eine Person. Ob sie es Ist? Wie sehr man Irren kann, musste Antarian noch am folgenden morgen miterleben. Denn auf ``SIE`` kam er nicht. Bei Temora. Das diese Frau überhaupt zu Liebe in dieser Form fähig ist hat Ihn schon bei Ihren leider Verstorbenen Vorgänger in regelrechtes Staunen versetzt. Eine Liebe nach Vorschrift witzelte er nun kurz in Gedanken.
Und nun, nichts Ahnend an diesen ruhigen morgen, völlig Unvorbereitet und nur seinen Täglichen Ablauf nachgehen wollend muss das nun Passieren. Wohin soll das Überhaupt führen? Bei Temora, Antarian war froh das diese Frau endlich sich Verabschiedet hatte in der Politik der Grafschaft. Und nun musste Sie auf die Bühne zurückkehren? Und auch noch auf diese Art und Weise? Wie soll man das Verhindern? Zuviel Ethik, Anstand und Moral ist schlecht für die Politik und für die Staatskasse. Bringt diese Frau schließlich halb tote Barbaren nach Varuna. Mein Gott, ein paar Tote Barbaren weniger die in einem harten Winter sterben. Wo ist das Problem? Und es hätte noch schlimmer kommen können. EIN KRIEGSSCHIFF wurde in diese Eisigen Wüsten gesandt. Es hätte untergehen können! Doch nun Ist Antarian klar warum man Ihr diese Expedition überhaupt erlaubte. Welcher Mann kann schon bei der Frau die er liebt Nein sagen wenn Sie bittet. Und Frauen haben nunmal Ihre Wege das zubekommen was Sie wollen. Nungut, Antarian klopfte an die Türe. Keine Antwort. Er klopft erneut, keine Antwort. Ein fragender Blick über die Schulter gen der Soldaten. Sie spielten die Dummen Ahnungslosen. Das konnten Sie sehr gut. Soviel Strafdienst wie die beiden hatt sicher noch keine anderer Soldat im Königreich auf sich nehmen mussten. Und Jetzt wo Antarian drüber nachdachte. Die Kerle stehen doch auch selbst zu Nächtlichen Stunden, Morgens, Abends, Mittags steht`s auf Position. Wie machen die das? Antarian nickte. Sicher Zwiellinge. Beide. Nunja, er Klopfte erneut. Und dann war da eine Stimme. Jemand hat Gekichert. Weiblich. Dann dachte Antarian schwer nach. Einwenig tiefer die Stimme. Mehr befehlsgewalt hinein. Irgendwoher kannte er die Stimme. Aber woher? Aufgehts, ein letztes mal Anklopfen. Keine Antwort. Die Stimme kam wohl von einem anderen Ort. Antarian zuckte letztendlich die Schultern und zog die Türe auf.
Und völliger Schock. Man hat Antarian wohl nicht wirklich wahrgenommen im ersten Augenblick. Das Klopfen scheinbar auch nicht? Naja, Antarian wollte nur die Dokumente in seinen Händen auf dem Schreibtisch von Ihm zurücklassen. Zum Unterschreiben. Ob die gut Versteckte Gehaltserhöhung in dem Antrag zur Verschönerung der Stadt wieder von Ihm gefunden wird? Irgendwann musste das doch klappen. Dann dachte Antarian nochmal schwer nach. Er ist doch nun Adeliger. Besitzt ein Lehen. Besitzt sogar Goldminen. Gut ein großteil des Goldes geht als Steuer ab, aber dennoch. Warum überhaupt noch eine Gehaltserhöhung? Nunja, schärft zumindest die Sinne des Lesers. Da standen Beide. Das Haar völlig durcheinander, die Kleidung sehr Unordentlich Getragen. Wurde noch notdürftig im letzten moment Gerichtet in der Hoffnung Antarian übersieht das Ganze. Sie standen nahe zu Einander. Dann ein kleiner Hoppser, soll wohl Andeuten das die beiden ganze Zeit über sehr fern zu einander standen und Gemühtlich geplaudert haben? Und dann noch dieser Satz. "Ich wollte der Lady nur die Haare richten" Antarian nickte daraufhin langsam. "Natürlich, was auch sonst" schoß Ihm durch den Kopf. Was denken die wer vor Ihnen steht. Der Blinde Bettler von nebenan? Was hier Passiert oder bereits wohl eher Passiert ist, war Antarian sofort klar. Warum auch nicht. Auch Diener des Licht`s und gerade Frauen gehen doch letztendlich auch nur den niederen Instinkten eines Menschen nach. Immer wieder kam etwas Gestottere hervor von den beiden. Da fragt man sich; "Wer von beiden Mitglied des Kronrates ist" Es schien fast so als wolle er sich für sein tun Erklären, vor Ihm Antarian. Amüsant. Aber mal Ehrlich, es gibt doch schönere Frauen. Warum ausgerechnet "DIE". "SIE" bedeutet doch nur Probleme! "SIE" bringt doch nur die ganze schöne Aufgebaute Ordnung von Antarian wiederdurcheinander. Besser noch, am Ende würde "SIE" hier auch wieder einziehen und Täglich ein und auslaufen? Mitsprache haben in die Handlungen? Und seinen Einfluss schmälern? Das ist doch Verrückt. Hier standen Sie, zu dritt im Raum. Und eines war klar, einer war zuviel. Und das war dieses Weibstück. Soll sie weiter Barbaren helfen aber Politik schön Ihm überlassen.
Letztendlich, ohne die beiden weiter zu Beachten, ging er auf den Schreibtisch zu. Hinterließ gut Geordnet die Schriftstücke. Sprach ein paar Oberflächliche Worte in Richtung der Regale wohinter die beiden wohl Ihre "Spiele" Getrieben haben mussten. Brachte der Dame noch einen Kamm. Er hatte den Kamm oben in der Kammer gefunden. Ein normaler Kamm der für Tiere benutzt wurde. Er machte es Augenscheinlich sehr gut sauber. Und brachte es der Dame. Nickte freundlich, Verabschiedete sich und Verließ denn Raum. Dann sein Blick zu den beiden Wachen. Ohja, die kamen Antarian nun sehr Recht. Die Wachen erhielten die Anweisung nach Dienstende sich bei Antarian zu melden. Anstatt weitere Sonderschichten erhielten Sie für Ihre "harte" Arbeit einen Bonus in Form von Gold. Als gegenleistung würde Antarian in Zukunft sehr gut bescheit Wissen was im Schloß noch so vor sich geht. Ja, Antarian ist ein strenger Gläubiger Temoras. Aber alles hat seine Grenzen .. .. und Grenzen verschieben sich mit der Zeit .. ..
Verfasst: Donnerstag 6. März 2008, 17:22
von Darna von Hohenfels
Frühling
Der Schnee schmolz, die Bäume trieben Knospen und junge Blätter, die Tage waren wieder länger geworden und sie hatte nicht nur für Alliestra einen Strauß erster Frühlingsblumen gepflückt, sondern bedachte bei dieser Gelegenheit auch Savea und Shaya in der stillen Hoffnung, daß sie sich darüber freuen würden.
Frühling... sie atmete tief durch. Hatte sie sich zumeist über das Ende des Winters und die frisch erwachende Natur gefreut, kreisten die Gedanken nun dauernd um die Tatsache, daß der Frühling Sinnbild verliebter Pärchen war. Vor der Sonne hing noch eine Gewitterwolke namens Silvan...
Noch immer steckte ihr das Gespräch mit Systra im Schloß in den Knochen - es schien kein Stück mehr zu verheimlichen oder Herunterzuspielen, daß sie einander zugetan waren, und sie hatte auch keine große Lust auf Mühen in dieser Richtung. Stattdessen schmunzelte sie noch immer über Hudgarrs gutmütig-tappsige Versuche, das Gesprächsthema von den beiden wegzulenken, doch da war es schon zu spät.
Versonen wurden es vier Sträuße statt drei. Und nur der vierte ans Schloß trug einen kleinen Brief mit bei:
Ich muß hinaus, ich muß zu dir,
Ich muß es selbst dir sagen:
Du bist mein Frühling, du nur mir
In diesen lichten Tagen.
Ich will die Rosen nicht mehr sehn,
Nicht mehr die grünen Matten,
Ich will nicht mehr zu Walde gehn
Nach Duft und Klang und Schatten.
Ich will nicht mehr der Lüfte Zug,
Nicht mehr der Wellen Rauschen,
Ich will nicht mehr der Vögel Flug
Und ihrem Liede lauschen.
Ich will hinaus, ich will zu dir
Ich will es selbst dir sagen:
Du bist mein Frühling, du nur mir,
In diesen lichten Tagen.
(#: Hoffmann von Fallersleben - "Liebe und Frühling")
Sie schmunzelte - mit dem Wunsch gegenseitiger Nähe war sie so eindeutig nicht alleine, daß er ihr eines Morgens gerade entgegengeritten kam, als sie zum Schloß wollte. In den östlichen Landen lagen noch dicke Flecken von Schnee, es regnete ständig... der erste Wunsch, den Sonnenaufgang am Fluß zu beobachten, war eine lausige Idee, und sie flüchteten in den Schutz der Berghänge am Nebelwald, genossen den weiten Auslauf für die Pferde über den halben Inselkontinent. Garvagh war laufsüchtig, am liebsten wäre das Pferd noch durch die Stadt geprescht, während Aarentrutz die Pause willkommen war.
Zwischen Berg, Wald und Küste angelangt, erwies es sich als nützlich, daß sie diverses Zeug irgendwie immer dabei hatte, so suchten sie Deckung vor dem hier etwas milderen Regen unter einigen Felsen, während eine verfilzte Decke aus der Satteltasche auf dem steinstaubigen Untergrund die Feuchtigkeit abhielt.
Eine Weile hatten sie darüber gewitzelt, was es zu bedeuten habe, daß Darna von ihm so oft einen Korb bekam, aber er beinhaltete nun mal am praktischten die nötigen Nahrungsmittel für ein Picknick.
Es war kühl, feucht, der Boden hart, die Sonne noch nicht richtig aufgegangen, es regnete immer wieder, ihre Mägen knurrten... und Ameisen begannen, das Bierwurstbrot wegzuschleppen, das ihr irgendwann achtlos aus der Hand gefallen war. Der restliche sechsbeinige Armeetrupp eroberte den Korb, während die rechtmässigen Besitzer viel beschäftigter damit waren, einander zu küssen.
"Frühstück wird völlig überbewertet", befand Adrian irgendwann murmelnd, und sie nickte stumm. Stattdessen hatte er es mal wieder nicht lassen können, ihr die Haare hoffnungslos zu zerzausen, seit einer Weile hatte sie ständig einen Kamm mit dabei, um das Chaos hinterher zu richten. Genauso wie er von der Entdeckung begeistert war, daß man sie in den Seiten kitzeln konnte. Das war ausgerechnet an diesem unseligen Tag gewesen, wo sie im Büro herumgealbert hatten und Antarian reingekommen war...
Nun rutschte sie unter Adrians Attacken lachend bis quietschend immer weiter gegen den Felsen, bis Adrian selber amüsiert und verwundert ihre seltsamen Verrenkungen beobachtete. Sie zog die Arme nach hinten, klopfte auf ihrem Nacken herum - es sah zu komisch aus. "Warum zerwühlst du dir jetzt selbst die Haare?", fragte er irritiert lachend, bis er die Antwort verstand:
"A.. ha.. haha..a..meisen! Ameisen!" Über die Felsen, an denen sie lehnte, waren die Biester auch hochgekrabbelt, auf den Mantel, in Haare und Nacken gelangt.
Die Invasion um sie herum wurde registriert, und die einzig vernünftige Lösung, das Heil in der Flucht zu suchen. Einen Tag später registrierte Savea stirnfurchend die fast verheilten Biß-, aber noch gut sichtbaren Kratzspuren, als sie sich behilflich ums Bad kümmerte. Ameisen. Im Nacken. Soso...
"Ameisen sind ja durchaus nützlich.. man muss nur nicht auf ihnen liegen."
Darna hielt inne. Liegen?! "Ich hab nicht auf den Ameisen GELEGEN!" - sie holte tief Luft. "Und wenn du das jetzt heftig dementierst, ist dir erst recht nicht zu glauben. Und wenn du erklärst, daß herumliegendes Essen... du hast eh schon zu lange gezögert, zu spät. Sag einfach nichts. Es wär ja eigentlich auch nichts bei all dem, wär das mit Silvan aus der Welt."
Noch trübte eine Wolke den Frühlingshimmel.
Schönheit - eine tiefe Quelle
Verfasst: Montag 10. März 2008, 09:10
von Adrian von Hohenfels
Ihre Worte klangen ihm immer wieder in den Ohren nach. Gesprochen, als sie beschämt das Gesicht von ihm abwandte, suchend die Blessuren des Kampfes mit Jall Mac Agrona vor ihm zu verbergen, als er sie einfach nur ansah. Behutsam hatte er gesucht, ihr Gesicht wieder zu sich zu drehen.
Warum diese Scham, diese Scheu er könnte diese sehen?
Ahnte sie nicht, dass es keine Bedeutung hatte?
„Ich muss aussehen wie der letzte Säufer nach einer Gossen-Schlägerei.“ Er konnte nur den Kopf schütteln über diese Aussage und suchte es gleich richtig zu stellen. „So ein Unsinn, es gibt nichts wofür du dich schämen musst. Hast du es schon vergessen? Ich liebe dich!“
„Ja sicher, Hoheit würden auch eine... alte, hässliche Vettel oder so heiraten. Hauptsache, sie kann nicht sticken.“ Es sollte wohl scherzhaft, ein wenig provozierend klingen. Aber war dort nicht auch eine Spur Bitterkeit in den Worten?
Nachdenklich hatte er sie angesehen und leise erwidert: „Du bist nun wirklich Welten davon entfernt dich mit solchem zu vergleichen. Ich würde dich ja küssen, um es zu beweisen, aber ich will dir nicht noch mehr weh tun.“Sie konnte keine Ruhe mit diesem Thema geben. Selbst auf seine Bemerkung hin, sie solle sich niemals vor ihm schämen, noch sich aus diesem Grund abwenden. „Ist es so schlimm, wenn ich dir etwas halbwegs ansehnliches als Frau wünsche?“ Was um alles in der Welt und Temoras Namen glaubte sie denn zu sein? „Das ist nett von dir, dann habe ich doch schon genau das rechte gefunden!“ Für einige Augenblicke war nachdenkliche Stille zwischen ihnen, bevor Darna es erneut nicht lassen konnte, mit diesem unsinnigen Thema fortzufahren.
„Du hast einen seltsamen Geschmack.“ Was wollte sie noch hören? Soviel Unsinn, soviel Selbstzweifel, das war vor kurzem noch sein Steckenpferd gewesen. Fing nun sie hiermit an, nachdem sie ihn aus diesem Loch eben erst hervor gezogen hatte? „Nein das denke ich nicht. Es gibt keine, die an dich heranreicht. Rede dir nichts anderes ein! Was bewegt dich, warum diese Zweifel?“ Sie schüttelte nur den Kopf und erklärte leise: „Nur die Skepsis, ob man träumt.“ Er antwortete ebenso leise: „Du träumst nicht!. Und falls doch, träumen wir eben beide. Also warum sich gegen Träume sträuben, die wir gemeinsam träumen?
....
Jetzt da er in der Stille des Schlosses über dieses Gespräch nachdachte, erwuchsen schon wieder neue Zeilen in seinem Kopf, die er sogleich niederschrieb. So sollte Darna alsbald, so sie wieder imstande sein würde nachzusehen, einen erneuten Brief vorfinden:
So schön bist du!
Ein Lieblingstraum, aus goldnen Nächten
Vortretend, schlank, in ernster Ruh,
Den Zauberschleier in der Rechten -
So schön bist du!
Mein Blick erstaunt und muss sich senken,
Mein Herz schliesst alle Tore zu,
Dem Wunder heimlich nachzudenken-
So schön bist du!
(#: Hermann Hesse - So schön bist du)
Zweifle nicht, Löwenbändigerin. Deine Schönheit ist einnehmend und ich trage deinen Anblick in meinen Gedanken. Sprich nicht, mein Geschmack sei seltsam. Ich benenne jenen mit seltsamen Geschmack, der deine Schönheit nicht zu erkennen vermag. Anmut und Stolz ist in dir und deine Schönheit ist mehr als nur Oberfläche und Maske. Deine Schönheit streckt sich fort bis in die tiefen deiner Seele und ist ewig unantastbar. Warum sollte ich mich mit Oberflächlichkeit zufrieden geben, wenn ich solch Schönheit erblickte und Liebe für sie empfinde? Lass weichen all jene, die nur Maskerade vorzubringen vermögen. In meinem Herzen lebst du!
Ein liebender Träumer