Verirrungen... und das Grauen aus den Tiefen der Finsternis
Verfasst: Sonntag 13. Februar 2005, 11:55
„Das Kloster befindet sich im Nordwesten von hier.“ So die Worte der netten Frau.
„Hier“ bezieht sich auf den leerstehenden Bauernhof, in dem ich die letzte Nacht zugebracht habe, nachdem ich Ihre Heiligkeit, die Erztemplerin im Gedränge aus den Augen verlor.
Nun stehe ich auf dem Weg davor und sehe unschlüssig erst in die eine Richtung und dann in die andere. Wo in aller Welt liegt Nordwest?
Unwissend schlage ich zunächst zwar die richtige Richtung ein, jedoch wähle ich an einer Weggabelung den falschen Abzweig.
Als sich der Tag dem Ende neigt, erblicke ich hohe Mauern. Hier muß es sein!
Ich bin am Ziel! Jedoch erblicke ich statt des erwähnten Klosters, die Stadtmauern Bajards.
Zwar bin ich müde und hungrig, aber lasse mich doch vom Treiben der bunten kleinen Stadt anstecken und sperre Mund und Ohren auf, um nur ja keines der vielen herum schwirrenden Gerüchte zu verpassen. Ein Magier soll in der Stadt Varuna gewesen sein, der nach dem Leben vieler trachtet, so wird gemunkelt. Der König sucht tapfere Männer, um die Garde zu stärken, so wird geflüstert. Nur der Orden Tirells kann dem Magier Einhalt gebieten und ihn vernichten, klingt es raunend aus den Mündern der Leute, die sich nach solcherlei Geflüster hastig umsehen, als könne Jener jeden Augenblick neben ihnen auftauchen.
Ich muß vom Glück gezeichnet sein, denn der Magier taucht nicht neben mir auf, was vielleicht auch daran liegen mag, daß mein Magenknurren lauter ist, als es mein Flüstern sein könnte... und mir ein freundlicher Herr, ob dessen etwas Obst in die Hand drückt, welches ich gierig verschlinge.
Ein weiterer Herr gesellt sich dazu und es dauert nicht lange, bis die Beiden sich in einem Wortgefecht verlieren, von dem ich nicht ein Wort verstehe. Nur soviel... es geht um Macht und magische Kräfte. Ehe sich der zweite Herr abwendet, läßt er seinen Blick an mir herab gleiten und er läd mich ein, ihn zu besuchen in seiner Stadt... Rahal.
Ich solle dort nach dem Richter fragen und es würde mir an nichts mehr mangeln... nie mehr!
Ich erkläre ihm, daß ich von ihrer Heiligkeit im Kloster erwartet werde, was ihn zum Lachen reizt und mich wütend macht. Die Bemerkung, ich würde im Kloster eingesperrt werden, reißt mich in einen Strudel von Angst, Trotz und Unschlüssigkeit.
Der Trotz überwiegt jedoch am Ende: Ha! Das wäre doch gelacht! Schließlich hat auch ein Kloster Fenster... oder?
Als die Sonne noch nicht ganz aufgegangen ist, krieche ich heimlich unter einer der Sitzbänke einer Kutsche, die, so hörte ich, in der Nähe des Klosters halten soll. Die Müdigkeit übermannt mich und die schaukelnden Bewegungen der Kutsche lassen mich einschlafen.
Ich werde erst wieder wach, als die Kutsche an ihrem Zielort angekommen ist und ich stelle schnell fest, daß auch hier sich keineswegs das Kloster befindet.
Es heißt, der Kutscher kenne den Weg. Den meinen nicht und so stehe ich vor den Mauern Rahals. Für einen Moment erwäge ich, mir die Stadt anzusehen, um das Angebot des Richters anzunehmen und sei es nur für ein Abendessen.
Als mich jedoch der musternde, fast lüsterne Blick eines Mannes trifft und er mir zusäuselt,
„Kommt mit mir.. wir können uns etwas in der Stadt vergnügen... es hat sich noch keine Frau beschwert.. ich bin ein wahrlich guter Gastgeber...“, nehme ich meine Beine in die Hand und laufe so schnell sie mich tragen können davon.
Erst in der Nacht wage ich mich zurück und verstecke mich erneut in der Kutsche, die mich zurück bringt nach Bajard.
Ich wußte nicht, daß dort das Grauen auf mich wartet.
Das Grauen in Form und Gestalt des Magiers. Zum Greifen nah, gekommen aus dem Nichts.
Gehüllt in eine schwarze Robe, aus der schwarzer Schatten wabert, der sich zu einer Klinge formt. In der rechten, skelettierten Hand ein abgeschlagener Kopf, von dem das Blut tropft und so das Bild zu einem formvollendeten Grauen macht, welches wohl in der Lage sein dürfte meinen Verstand auszuschalten und mich in die Finsternis des Wahnsinns zu ziehen.
Wie durch einen Nebel höre ich meine eigene Stimme, einem Wispern gleich, während sich in meiner Kehle ein Würgen breit macht und es ein Wunder ist, daß sich mein Magen nicht von innen nach außen stülpt. Klar und deutlich vernehme ich jedoch seine Stimme, die meine Worte nachäfft und seinen Hohn, den er über mich schüttet, begleitet von einem Lachen, welches wohl aus den Tiefen der Finsternis geboren, wie er selbst.
Seine Absicht, uns für unsere Einfältigkeit mit dem Tode zu bestrafen löst einen gellenden Schrei aus, von dem ich nicht sicher bin, ob er überhaupt meiner Kehle entweicht und ebenso unsicher bin ich, ob der Tod in diesem Moment nicht gar eine Erlösung sei.
Der Magier jedoch scheint das Spiel zu lieben, denn mit den Worten,
„Doch noch nicht heute..“,
löst er sich auf und verschwindet wie ein Schemen im Nebel, wie er gekommen war.
Ich muß unter einem äußerst günstigen Stand der Sterne geboren worden sein, denn anders kann ich mir nicht erklären, daß ich tatsächlich noch bei Verstand bin.
Jedoch herrscht ein Gedanke nun vor: Ich muß das Kloster finden!
Ich weiß nicht, wie viele Tage vergangen sind, seit ich ihre Heiligkeit verloren habe im Gedränge.
Ich weiß nicht, ob sie mich im Kloster erwartet.
Ich weiß nicht, ob ich mir ihren Zorn zugezogen habe, weil ich nicht aufgepaßt habe.
Ich weiß aber eines genau:
Lieber eingesperrt, als das Grauen noch einmal sehen zu müssen!
„Hier“ bezieht sich auf den leerstehenden Bauernhof, in dem ich die letzte Nacht zugebracht habe, nachdem ich Ihre Heiligkeit, die Erztemplerin im Gedränge aus den Augen verlor.
Nun stehe ich auf dem Weg davor und sehe unschlüssig erst in die eine Richtung und dann in die andere. Wo in aller Welt liegt Nordwest?
Unwissend schlage ich zunächst zwar die richtige Richtung ein, jedoch wähle ich an einer Weggabelung den falschen Abzweig.
Als sich der Tag dem Ende neigt, erblicke ich hohe Mauern. Hier muß es sein!
Ich bin am Ziel! Jedoch erblicke ich statt des erwähnten Klosters, die Stadtmauern Bajards.
Zwar bin ich müde und hungrig, aber lasse mich doch vom Treiben der bunten kleinen Stadt anstecken und sperre Mund und Ohren auf, um nur ja keines der vielen herum schwirrenden Gerüchte zu verpassen. Ein Magier soll in der Stadt Varuna gewesen sein, der nach dem Leben vieler trachtet, so wird gemunkelt. Der König sucht tapfere Männer, um die Garde zu stärken, so wird geflüstert. Nur der Orden Tirells kann dem Magier Einhalt gebieten und ihn vernichten, klingt es raunend aus den Mündern der Leute, die sich nach solcherlei Geflüster hastig umsehen, als könne Jener jeden Augenblick neben ihnen auftauchen.
Ich muß vom Glück gezeichnet sein, denn der Magier taucht nicht neben mir auf, was vielleicht auch daran liegen mag, daß mein Magenknurren lauter ist, als es mein Flüstern sein könnte... und mir ein freundlicher Herr, ob dessen etwas Obst in die Hand drückt, welches ich gierig verschlinge.
Ein weiterer Herr gesellt sich dazu und es dauert nicht lange, bis die Beiden sich in einem Wortgefecht verlieren, von dem ich nicht ein Wort verstehe. Nur soviel... es geht um Macht und magische Kräfte. Ehe sich der zweite Herr abwendet, läßt er seinen Blick an mir herab gleiten und er läd mich ein, ihn zu besuchen in seiner Stadt... Rahal.
Ich solle dort nach dem Richter fragen und es würde mir an nichts mehr mangeln... nie mehr!
Ich erkläre ihm, daß ich von ihrer Heiligkeit im Kloster erwartet werde, was ihn zum Lachen reizt und mich wütend macht. Die Bemerkung, ich würde im Kloster eingesperrt werden, reißt mich in einen Strudel von Angst, Trotz und Unschlüssigkeit.
Der Trotz überwiegt jedoch am Ende: Ha! Das wäre doch gelacht! Schließlich hat auch ein Kloster Fenster... oder?
Als die Sonne noch nicht ganz aufgegangen ist, krieche ich heimlich unter einer der Sitzbänke einer Kutsche, die, so hörte ich, in der Nähe des Klosters halten soll. Die Müdigkeit übermannt mich und die schaukelnden Bewegungen der Kutsche lassen mich einschlafen.
Ich werde erst wieder wach, als die Kutsche an ihrem Zielort angekommen ist und ich stelle schnell fest, daß auch hier sich keineswegs das Kloster befindet.
Es heißt, der Kutscher kenne den Weg. Den meinen nicht und so stehe ich vor den Mauern Rahals. Für einen Moment erwäge ich, mir die Stadt anzusehen, um das Angebot des Richters anzunehmen und sei es nur für ein Abendessen.
Als mich jedoch der musternde, fast lüsterne Blick eines Mannes trifft und er mir zusäuselt,
„Kommt mit mir.. wir können uns etwas in der Stadt vergnügen... es hat sich noch keine Frau beschwert.. ich bin ein wahrlich guter Gastgeber...“, nehme ich meine Beine in die Hand und laufe so schnell sie mich tragen können davon.
Erst in der Nacht wage ich mich zurück und verstecke mich erneut in der Kutsche, die mich zurück bringt nach Bajard.
Ich wußte nicht, daß dort das Grauen auf mich wartet.
Das Grauen in Form und Gestalt des Magiers. Zum Greifen nah, gekommen aus dem Nichts.
Gehüllt in eine schwarze Robe, aus der schwarzer Schatten wabert, der sich zu einer Klinge formt. In der rechten, skelettierten Hand ein abgeschlagener Kopf, von dem das Blut tropft und so das Bild zu einem formvollendeten Grauen macht, welches wohl in der Lage sein dürfte meinen Verstand auszuschalten und mich in die Finsternis des Wahnsinns zu ziehen.
Wie durch einen Nebel höre ich meine eigene Stimme, einem Wispern gleich, während sich in meiner Kehle ein Würgen breit macht und es ein Wunder ist, daß sich mein Magen nicht von innen nach außen stülpt. Klar und deutlich vernehme ich jedoch seine Stimme, die meine Worte nachäfft und seinen Hohn, den er über mich schüttet, begleitet von einem Lachen, welches wohl aus den Tiefen der Finsternis geboren, wie er selbst.
Seine Absicht, uns für unsere Einfältigkeit mit dem Tode zu bestrafen löst einen gellenden Schrei aus, von dem ich nicht sicher bin, ob er überhaupt meiner Kehle entweicht und ebenso unsicher bin ich, ob der Tod in diesem Moment nicht gar eine Erlösung sei.
Der Magier jedoch scheint das Spiel zu lieben, denn mit den Worten,
„Doch noch nicht heute..“,
löst er sich auf und verschwindet wie ein Schemen im Nebel, wie er gekommen war.
Ich muß unter einem äußerst günstigen Stand der Sterne geboren worden sein, denn anders kann ich mir nicht erklären, daß ich tatsächlich noch bei Verstand bin.
Jedoch herrscht ein Gedanke nun vor: Ich muß das Kloster finden!
Ich weiß nicht, wie viele Tage vergangen sind, seit ich ihre Heiligkeit verloren habe im Gedränge.
Ich weiß nicht, ob sie mich im Kloster erwartet.
Ich weiß nicht, ob ich mir ihren Zorn zugezogen habe, weil ich nicht aufgepaßt habe.
Ich weiß aber eines genau:
Lieber eingesperrt, als das Grauen noch einmal sehen zu müssen!