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Von Kokosnüssen und Kulleraugen

Verfasst: Mittwoch 12. September 2007, 23:32
von Jolinn Hinrah
"NEY! Komm schon, fall schon um!" Der letzte Pfeil traf den Troll und ließ ihn zu Boden fallen. Sorgsam sammelte sie die Pfeile ein, zog die Pfeile aus dem festen Fleisch und wischte das Blut am Kilt ab. So lange trug es sie heute schon auf den Beinen, lange genug, dass sie sich nun den Feierabend redlich verdient hatte.

Zuhause angekommen fand sie niemanden vor, keiner weit und breit in der ganzen Festung. Eigentlich wollte sie noch nach Kadlin Ausschau halten in der Hoffnung, das genau selbige noch Interesse an einem kleinen Übungs- und Ausbildungskampf hatte. Vielleicht war sie bei Leif. Jolinn machte sich auf den Weg.

Die Feste der Bunjams war durchaus gefüllt. Arnulf, Olaifjur, Runa und Falk waren neben Kadlin anwesend. Als die durch die Tür trat, gab es zuerst schallendes Gekicher, Kadlin stammelte etwas von "Ich setz mich mal zu Runa und mach für Jolinn Platz!". Jolinn verstand nicht. Nachdem sie sich vorgestellt hatte, erhob sich Falk und ging zu ihr, drückte ihre Hand und hieß sie willkommen.

Sie unterhielten sich alle, hier und da trank und aß Jolinn ein wenig. Runa hatte wirklich ein Händchen dafür zu kochen. Nach einer Weile fiel Falk Jolinns Haarpracht auf, die deutlich über ihren Hintern hinabreichte. Sichtlich begeistert war er davon nicht. Jolinn musste innerlich grinsen. Sie hatte sich die Haare lange nicht mehr abgeschnitten, sie waren ein Teil von ihr geworden, kein wichtiger Teil, aber ein Teil von ihr. Aber sie reichte Falk eine Schere, sollte er sie doch abschneiden, schließlich war er Jarl des Clans. Er umfasste ihren Zopf und schnitt etwa zwei Handbreit von ihren Haaren ab und hielt sie dann in seiner Hand. Immer wieder beäugte Jolinn Kadlin und Runa, die auf der gegenüberliegenden Seite wild tuschelten. Als es um die Strafe für Jolinn ging, wegen ihrer langen Haare, erschrak sie zuerst ein wenig, als sie dann aber vernahm, dass sie Falks Wäsche waschen musste, konnte sie nur grinsen. Als ob dies so schlimm wäre.

Vielleicht war auch der anstrengende Tag Schuld daran gewesen, daß Jolinn sehr schläfrig wurde, es hätte aber auch am Erdbeerschnaps liegen können, welchen Falk ihr netterweise in die Hand gedrückt hatte. Sie schlief ein. Zuerst lehnte sie an dem Pfosten, bis sie von diesem abrutschte. Hätte Falk nicht reagiert und sie gestützt und aufgefangen, hätte sie sich womöglich rückwärts von der Bank auf den Holzdielen gebettet. Stattdessen sank sie langsam zu Falk und schmatzte und murmelte weiter. Sanft bettete er sie in seinem Schoß und ließ sie dort schlafen. Er streichte ihr eine Sträne ihres Haares aus dem Gesicht und lächelte sie an. Viel bekam sie selbst davon nicht mit, war sie in ihrem Halbschlaf versunken.
Es war nicht so gewesen, dass Jolinn sich nicht wohl gefühlt hätte, aber als sie aufwachte, schrekcte sie fürchterlich hoch, so wie sie sich auf dem Schoß von Falk liegend befand.

Erst nach einer langen Weile und einem gelungenen Abend voller Gelächter und schönen Momenten. Jolinn lernte etwas über Kokosnüsse, die sich perfekt zum werfen eignen würden, große Scheunentore die man mit Pfeil und Bogen verfehlte, Schnecken die sich ganz schnell verkrochen wenn Falk sich danach bückte und darüber, einen Jarl mit großen Kulleraugen um den Finger zu wickeln.

Verfasst: Donnerstag 13. September 2007, 09:32
von Yasemeen Zaina Yazir
...

Verfasst: Donnerstag 13. September 2007, 09:36
von Kadlin Bunjam
Ein langer Tag ist verstrichen, wieder einmal viel Arbeit. Eine Menge Holz für den Clan zusammengetragen, Runa auf dem Hof geholfen. Ein wenig mit Trollen Ogern und Zweiköpfen auseinandergesetzt. Und ihre Fähigkeiten mit dem Bogen werden immer genauer, zielsicherer und schneller. Zielstrebig ruhig, mit leisen schnellen Schritten schleicht sie sich ran. Ihre Konzentration bewegt sich zum Ziel. Mit ihrem Gefühl, dem ,,inneren Auge" fühlt sie ihr Ziel, versucht es zu sehen, wie der Pfeil den Troll, den Oger oder anderes Ungeziefer trifft. Tief atmet sie durch, dann öffnet sie die Augen, führt den Bogen ins Ziel, hält den Atem an und löst den Pfeil. Ein kurzer Moment der genauestens gewählt sein muss.

... Wie sagte Aurora zu ihr ... "Wenn Du nah genug bist und dich bereit fühlst, sollst Du nur an den Bogen, den Pfeil und das Ziel denken. Wenn Dein Geist bereit ist, wird Dein Körper folgen und wenn dein Geist und dein Körper diese Harmonie finden, dann wirst du den Moment des perfekten Schusses entdecken!"

Worte die sich Kadlin einprägte und Worte die immer wieder ihre Erinnerung fanden, wenn sie sich als "Eines" mit dem Pfeil und Bogen fühlte. Worte, die sie auch an Jolinn weitergab, wenn sie trainierten oder gemeinsam auf der Jagd waren. Jolinn musste noch einiges lernen, doch auch sie selbst merkte, wie sich ihre Art und ihre Bewegung veränderte. Mit jedem Mal, steigerte sich auch ihr Können. Doch irgendwann musste auch mal Schluß sein. "Ich muss auch mal ausruhen, was anderes tun, der Tag heute war lang genug!" sagte Kadlin zu sich selbst und sie machte sich wieder auf den Weg zurück, in Richtung Hof. Sie wollte zu Runa, doch Runa war auf dem Hof nicht vorzufinden. Und wo konnte Runa sein, wenn sie nicht auf dem Hof war. Aye, in der grossen Halle, im Clanshaus der Bunjams. Dort angekommen, freute sie sich, Runa zu sehen und Kadlin war ganz überrascht, auch Falk in der Halle der Bunjams begrüssen zu können. Schliesslich war es mehr oder weniger ihr zu Hause geworden. Nur der wichtigste Kerl in dieser Halle, wie auch in ihrem Herzen war nicht da. "Wissen die Ahnen wo der schon wieder steckt?!" fragte sie sich in Gedanken, enttäuscht für einen Moment, doch ließ sie sich sicher nichts anmerken, denn sie wusste es ja besser: "Er kann ja nich immer da sein, is ja nicht umsonst Jarl und wehe er denkt ney an mich" führten ihre Gedanken sie mit einem weichen Lächeln im Gesicht weiter.

Falk forderte sie auf, sich zu ihm zu setzen, und wie konnte sie es ihrem Jarl ausschlagen, denn auch ihn kriegt man kaum zu Gesicht. Runa murmelte nur was von Verräterin zu Kadlin und sie konnte nur breit Grinsen und sich gegen Falks Schulter lehnen, um dann mit treuen Augen umherzublicken.

Falk erzählte von Wolf ... vieles ist Geschehen ... was nicht unachtsam liegen bleiben sollte. Nachdenklich wurde sie. Hedwig wollte alleine sein, um mit den Geistern zu sprechen, herauszufinden was vorging, warum Wolf Falk Schmerzen spüren lies ... Sie musste Augen und Ohren offenhalten, wachsam die Wälder durchstreifen, wer weiss was noch kommen wird. Nach einer Weile wurde das Gespräch etwas lockerer, das Angespannte verlor sich und sie scherzten alle miteinander, bis Runa schliesslich feststellte, dass der Jarl der Hinrahs ein Weib an seiner Seite brauch und Kadlin daraufhin meinte, dass die nächste, die zur Tür reinkäme geeignet wäre, wobei sich die Idee, als nicht sonderlich gut herausstellte, wäre es Systra oder gar Keikya gewesen, die zur Tür reingekommen wären, wär die Wahl nicht ganz so gut gewesen. Aber ney, wie der Zufall es wollte, es war Jolinn und alle anwesenden brachen in Gelächter aus, was wahrscheinlich sehr merkwürdig auf Jolinn wirken musste. Grinsend räumte Kadlin sogleich den Platz neben Falk, man sollte ja nichts versperren, was möglicht gemacht werden konnte und sie ging rasch auf die andere Seite des Feuers, sich zwischen Runa und Arnulf setzend. Sie zwinkerte Runa verschwörerisch zu. Dann bekam sie auch noch einen Anschiss von Falk, sie hätte Jolinn nich beigebracht, wie sie ihr Haar zu tragen hätte, dass es von Faulheit zeichnete, so langes Haar zu haben. Schliesslich drückte Jolinn ihm die Haarschere in die Hand und das Geschehen nahm seinen Lauf. Dann brummte Falk Jolinn noch eine Strafe auf und alle warteten gespannt darauf, was es denn sei. Und dann, eine wahrlich harte Strafe: "Meine Wäsche waschen!"

Mit einem Mal lief Kadlin ein ähnliches Bild vor den Augen ab und sie musste lachen, den Kopf schütteln und lachen. Runa verstand nicht, was daran eine Strafe sein sollte, sie und Systra würden das ganz ohne Strafe für den Clan machen ... und Kadlin konnte ihr es in diesem Moment einfach nicht erklären. Falk zwinkerte ihr noch verschwörerisch zu und Kadlins Gedanken schweiften zu ihren ersten Begegnungen mit Leif. Es zauberte ihr ein sanftes Lächeln ins Gesicht.

So nahm der Abend seinen Lauf ......

Verfasst: Donnerstag 13. September 2007, 21:43
von Jolinn Hinrah
Wo war ihre Konzentration hin? Sie beschoss und beschoss die Trolle mit Pfeile, aber komischerweise traf nicht einer ihr Ziel. Gestern sprach sie noch großkotzig davon, dass sie nicht einmal Scheunentore traf. Sie musste sich wohl reagieren, ihre Pfeile trafen nicht mal den dicken Hintern eines noch dickeren Trolls. Ein Glück, dass Kadlin fast zeitgleich ums Eck bog.

"Wenn Du nah genug bist und dich bereit fühlst, sollst Du nur an den Bogen, den Pfeil und das Ziel denken. Wenn Dein Geist bereit ist, wird Dein Körper folgen und wenn dein Geist und dein Körper diese Harmonie finden, dann wirst du den Moment des perfekten Schusses entdecken!"

An das Ziel denken...... das Ziel, an welches sie dachte, hatte sie gerade aber gar nicht im Visier. Und das war auch ganz gut so. Kadlin reagierte auf die Misere relativ schnell und zerrte Jolinn zurück in die Festung der Hinrah. Übungskampf. Nach und nach trafen immer mehr ein. Lynn, die recht ruhig schien, selbst Falk kam noch und Systra, dicht gefolgt von Leif. Auch Keikya lernte sie kennen, Argos kam zu späterem Zeitpunkt auch noch hinzu. Es war einiges los und Jolinn und Kadlin kamen recht selten dazu, gegeneinander zu kämpfen. Stattdessen schlug Kadlin Leif aus den Latschen, auch Falk ging einmal zu Boden. Es war amüsant und auflockernd, dem ganzen zuzusehen. Irgendwann verschwanden die Ersten und Falk forderte Jolinn heraus, - oder nein, eher Jolinns freches Mundwerk brachte sie in die Misere, gegen Falk antreten zu müssen. Hätte sie doch nicht gesagt, dass Falk ein alter Mann war. Nichts desto trotz machte sie keinen Rückzug. Sie wusste, sie hatte keine Chance. Noch war sie nicht so geübt. Aber als Feigling würde sie sich nicht abstempeln lassen. Also ließ sie die Schläge auf sich einprasseln. Es tat weh, aber den Schmerz hielt sie aus und biss die Zähne zusammen. Nach dem letzten Kampf zwischen Falk und Keikya verließen auch Leif und Kadlin die Festung, dicht gefolgt von Keikya. Nun standen nur noch Falk und Jolinn auf dem Übungsplatz. Erst hatte sie überlegt, auch noch ein wenig auf die Jagd zu gehen, aber irgendwas hielt sie zurück. Irgendwas in ihr sagte ihr, dass sie bleiben sollte. Falk ging auf sie zu und sah sie an. Sie unterhielten sich, wobei Jolinn dann für einen Moment traurig wurde. Sie war niemals ein Clansschwert, auf welches Falk momentan stolz sein konnte. Er hatte mit dem Ausdruck "Mücke" wohl recht. Er legte einen Finger an ihr Kinn und zwang sie mehr oder minder, ihn anzusehen. Erst als sie den Grund nannte, dass sie niedergeschlagen war, weil sie nicht allzu gut war, heiterte er sie durch Worte auf. Übung war alles, das hatte sie verstanden und ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken, als er ihre Wange kurz streichelte. Danach führte er sie durch die Festung, nachdem sie Falk darum gebeten hatte. Sie hatte sich selbst noch nicht allzu sehr umgesehen und selbst wenn, einige Dinge hätte sie selbst nie zu sehen bekommen. Erst, als sie mit dem Rundgang fertig waren und in einem der vielen Räume standen trat er wieder auf sie zu. Jolinn fühlte sich wohl, sie fühlte sich zuhause, aber das war wohl normal!?! Sie sah ihn an und lächelte. Aber Falk war müde, entkräftet. Irgendwas machte ihm zu schaffen. Jolinn wollte nicht nachfragen, das war nicht ihr Recht. Und doch sagte er ihr, dass er manchmal zu viel Zeit für Langeweile und zu viele Gedanken hatte. Sie schmunzelte sacht und entgegnete ihm, dass er sich etwas suchen sollte, was ihn ablenkt und glücklich macht. "Das tue ich doch!" sprach Falk wiederum. Was war es für eine Ablenkung? Das Buddeln des Kellers? Aber das verneinte er und meinte, er würde es ihr wann anders erzählen. Sie nickte. Er schickte sie aus dem Raum, er brauchte Ruhe.
"Brauchst du noch etwas?" war ihre letzte Frage. Aber sie bekam keine Antwort und verließ den Raum. Dann setzte sie sich in die große Halle. Die Tür öffnete sich nochmals und Falk sah sie mit einem Grinsen an. "Zu dem ob was ich brauche, da reden wir ein andermal drüber!" und das Grinsen wurde schelmischer und die Tür flog zu. Sie musste ebenso grinsen und schüttelte nur den Kopf.

Verfasst: Samstag 15. September 2007, 19:19
von Jolinn Hinrah
Der folgende Abend war amüsanter, als sie es zuerst gedacht hatte. Zuerst saß Jolinn stundenlang alleine in der großen Halle. Alles schien wie ausgestorben, viel zu ruhig wenn es nach ihr ging, als das sie nicht hätte nachdenken können. Keiner da, der sie nur ansatzweise ablenken konnte. Dabei hatte sie gehofft, wenigstens Kadlin anzutreffen. Aber sie war vermutlich noch jagen. Doch da ging die Türe auf und Kadlin kam zur selbigen herein. "Endlich!". Jolinn musste sich unbedingt alles vom Herzen quatschen. Aber wie es die Ahnen wohl so wollten öffnete sich auch die nächste Tür und Falk trat, verschlafen wie er war, durch die Tür.
Alles in allem folgte irgendwann auch noch Leif, der sich erstmal daran machte, seine alten Ordnungen wieder einzuführen und verlangte nach Whiskey. Zuerst sprachen sie ein wenig, bis die Idee fiel, dieses Städterspiel namens "Wahrheit oder Tat" zu spielen. Es war ein einfaches, Jolinn sowie Falk blieb nicht viel übrig als fast nur Wahrheit zu nehmen, Leif und Kadlin hingegen hatten größere Auswahl. Sie hatten wohl schon ihren zweiten Segen, Jolinn freute es für die beiden und für einen Moment drohten ihre Gedanken wieder abzurutschen, doch fing sie sich im nächsten Moment.
Das Spiel war durchaus interessant, schon allein der Anfang begann mit einem besonderen Amusement für Jolinn. Leif sollte beginnen, doch war Falk sehr ungeduldig und wollte seine erste Frage an Jolinn richten. Ein Glück, dass er nicht dran war, so hatte sie genügend Zeit, genau dieser Frage auszuweichen. Es ging immer hin und her, hier und da waren die Fragen wirklich nicht sonderlich schwer zu beantworten. Von Leif wurde Jolinn gefragt, wieviele Welpen sie einmal haben wolle und sie konnte darauf zügig mit "Mindestens zwei!" antworten. Erst als Falk sie mit seiner vorhergehenden Frage erwischt hatte, kam sie ins Grübeln. Kadlin, Leif, Falk und auch Calla starrten sie an und wollten wissen, ob es nicht jemanden gab, den Jolinn toll fand. Natürlich gab es den und, wie es der Zufall wollte, er saß sogar im gleichen Raum. Letztendlich durfte sie ihn beschreiben, was Jolinn ein Grinsen auf die Lippen legte und sie einfach antwortete, dass er groß und blond wäre und gerne mal Met trinken würde. Eine herrliche Antwort, passte auf jeden Kerl im Clan. Aber sie forderten eine Beschreibung, die nur auf ihn passen würde. Jolinn dachte nach. "Müde...!" war ihr einziger Kommentar, aber er sollte Bestätigung bringen, dass es sich dabei um einen ganz alleine drehte: Falk.

Irgendwann wurde ihr in den Hallen doch alles etwas zuviel. Sie musste kurz durchschnaufen, ihre Gedanken sammeln und dann würde sie wieder reingehen. Sie entschuldigte sich bei den Anwesenden kurz und trat dann durch die Tür nach draußen. Unmittelbar neben der Tür lehnte sie sich an die Wand und versank in ihren Gedanken. Die kühlere frische Luft tat verdammt gut. "Mey... ney... Jolinn...!" murmelte sie zu sich selbst, bis die Türe aufgestoßen wurde und Falk neben ihr stand. Was los war, wollte er wissen. Jolinn druckste ein wenig herum, ehe sie ihm erklärte, was mit ihr los war. Und dann hörte sie Worte, von denen sie nicht dachte, dass sie diese Worte an diesem Abend noch hören würde. Die Nähe, die sie bei Falk gefunden hatte, und wenn er doch noch einige Handbreiten von ihr weg stand, zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen, von welchem es sich herausstellte, das es so hartnäckig war und auch die kommenden Tage nur noch selten von ihren Lippen wich. War das ein Traum gewesen?

Der nächste Tag brachte die Bestätigung, daß es eben kein Traum war. Zwar sah sie Falk an diesem Tag sehr selten, aber die Gespräche, die sie mit Kadlin führte rückten Jolinns Gedanken in ein ganz anderes Licht. Es tat gut mit jemandem sprechen zu können. Abends wollten sie die Gespräche fortführen, aber sie wurden von Argos gestört. Er schien ziemlich müde zu sein und blinzelte auch nur selten unter seinem viel zu großen Hut hervor. Er erzählte von Evja und ihm, Kadlin und Jolinn hörten ihm dabei zu und standen ihm mit Rat und Tat zur Seite. Zumindest so gut, wie sie es konnten. Drei Frauen hatte Argos verloren, da war es verständlich, dass er Angst hatte, wenn er sein Weib eine Weile nicht sah. Irgendwann war es dann soweit, dass Argos einschlief vor den Thrönen in den Fellen. Resultierend daraus hatten Kadlin und Jolinn aus Langeweile Argos' Gesicht mit einer roten Erdbeerpaste bemalt. Aber irgendwann war es wirklich Zeit für die Felle, trotz der gemütlichen Athmosphäre.

Verfasst: Dienstag 18. September 2007, 11:45
von Jolinn Hinrah
Es war schon komisch, der Tag war so fürchterlich anstrengend gewesen. Nicht, dass es ihr etwas ausgemacht hätte, wenn es körperliche Kräfte gekostet hätte, aber es waren ihre Nerven, die am Anfang des Abends flach lagen. Oftmals wusste sie sich nicht mehr zu helfen. Was war nur los? Ihre sonst so klare Linie schien ins Wanken zu geraten - und das nur wegen einem Kerl?
Nein, zumindest nicht zwangsläufig wegen diesem einen Kerl. Aber es sorgte für Aufregung. Es hatte alles damit angefangen, dass aus Scherz gesagt wurde, die Nächste, die zur Tür hereinkommen würde, wäre das perfekte Weib für Falk. Jolinn wusste damals nicht, was ihr blühte als sie ein paar Minuten später durch die Türe trat. Vielleicht war auch das der Grund, warum Falk und Jolinn momentan ein so starkes Gesprächsthema waren. Wenn sie dran dachte musste sie wirklich grinsen. Jolinn, die doch eigentlich so schnell keinen Mann an sich heranlassen wollte, auch wenn sie es sich irgendwo doch so sehr wünschte. Aber unverhofft kommt oft. Das hatte sie schon öfters von mehreren Menschen vernommen - und es kam noch viel unverhoffter. Und nichts desto trotz fühlte sie sich manchmal so, als wäre sie nicht genug. Falk hielt ihre Hand, legte den Arm um sie, stand demonstrativ zu ihr, was nicht immer jedem Freude bereitete. Ganz im Gegenteil. Erst gab es eine lange Diskussion mit Systra über die Definition des ersten und zweiten Segens, danach drehte Elina in den Hallen der Bunjams durch. Jolinn konnte es verstehen, zumal Jolinn es schon geahnt hatte, dass Elina mehr für Falk empfand als in ihm nur ihren Jarl zu sehen und sie konnte es – verdammt noch mal - nachvollziehen. Und doch….. sie sah sich das ganze Schauspiel weiter an. Sie konnte es verstehen - und sie schwieg. Schwieg über das, was in diesem Moment in ihr vorging, es tat nichts zur Sache. Jetzt war es an der Zeit Elina zu beruhigen und ihr zu sagen, dass jemand, der vergeben ist, nicht der Richtige für sie sein kann und auch für sie der Richtige kommen würde. Aber sie wollte nicht verstehen, stattdessen ging sie. Und das auch noch gemeinsam mit Falk, um mit sich reden zu lassen. Jolinn konnte die Gefühle nicht einordnen, die sie nun hatte, aber es fühlte sich nicht gut an. Dieses Ziehen in der Magengegend, dieses beklemmende Gefühl auf dem Herzen als sie sah, wie die beiden die Halle verließen. Sie war die letzten Tage eh schon so skeptisch gewesen, aber hatte Falk nicht zu Elina noch gesagt, dass er nicht wüsste, ob Jolinn die Richtige für ihn wäre, aber er es gerne herausfinden würde? Waren das nicht die Worte, die zählen sollten? Aye, so war es. Nichts desto trotz, sie brauchte Luft. Zum zweiten Mal für diesen Tag. Was verdammt war nur mit ihr los? Sie war nicht allen ernstes verliebt? Es war schwer sich dies einzugestehen, aber es war so. Es ging ihr gut, wenn Falk bei ihr war. Es ging ihr gut, wenn er ihre Hand nahm und sie anlächelte mit einem Lächeln, wie kein anderer Lächeln konnte. Er wärmte IHR Herz.
Systra stand mit ihr vor den Hallen auf der Plattform und spähte mit ihr über die Palisade. Jolinn wollte gerade ansetzen und ihr Herz ausschütten, wie auch schon zuvor, da kam Falk angerannt. Sichtlich verwirrt und ausser Atem fragte er, ob irgendwer Elina gesehen hatte. Sie sei davon gelaufen und hatte Falk nicht versprechen können, dass sie sich nichts antun würde. Jolinn seufzte. Innerlich wurde sie wütend, wütend darüber, dass sie hier stand und die Dumme war. Sie wollte nur ein paar Minuten mit Systra, aber selbst das schien nicht zu gehen. Es war ihr klar gewesen, dass einige Weiber hinter Falk her waren, aber es war ihr nicht klar, dass es solche Ausmaße nehmen würde. Alle Anwesenden versammelten sich und suchten nach Elina, die verschwunden blieb. Jolinn machte sich Gedanken und Vorwürfe, vielleicht sollte sie in den nächsten Tagen ein Gespräch mit Elina führen. Vielleicht war es genau jetzt an der Zeit mit ihr zu sprechen. Sie war einiges jünger als Jolinn und vielleicht konnte Jolinn etwas in ihr ausrichten, auch, wenn gerade Jolinn das Weib war, welches Elina wohl als allerletztes sehen wollte. Aber sie hoffte und die Hoffnung verflog auch nicht. Nicht einmal, als Elina sich ein paar Tage danach immer noch nicht zeigte, um die Futtertröge in Grimwould zu füllen.

Im Laufe des Abends hatten sich einige dann doch nochmal in den Hallen der Bunjams eingefunden, wobei sie auch sehr schnell wieder weg waren. Falk saß Jolinn gegenüber und sah sie an. "Komm mal mit!" Und sie ging mit. Sie hatte keine Ahnung, was sie erwarten würde, allerhöchstens eine Vorahnung, aber selbst bei der lag sie falsch. Vielleicht wollte Falk einfach in Ruhe mit ihr reden. Vielleicht auch über Elina. Sie wusste es nicht und sie ging ihm mit gemischten Gefühlen nach, sogar ihre Sarah, die Kaltblüterstute hatte sie vor lauter Aufregung vergessen.
In Grimwould angekommen folgte sie Falk durch die Tore, den kompletten Hof hindurch bis zu den Treppen, die zur großen Halle führten. Gemeinsam mit Falk erklamm sie diese und blieb an der Stelle stehen, an welcher Falk bat, dass sie warten sollte. Hedwig, Schamane des Clans, saß am Feuer und sah zu den beiden auf. Jolinn wusste noch nicht, dass eben genau dieser der Schamane des Clans war. Aber als Falk schon förmlich ansetzte, er wollte Hedwig Jolinn vorstellen und er solle sich dazu erheben, konnte sie sich insgeheim vorstellen, was passieren würde. Und so geschah es auch. Jolinn stand da, sah zu, wie Falk Hedwig nach dem ersten Segen bat. Sie konnte nichts sagen, in ihr war auf einmal alles so flau vor Nervosität, sie konnte kaum klar denken. War das normal? Aye, sie glaubte fest, dass das, was sie gerade fühlte, durchaus normal war. Die Anspannung und Hoffnung, die unendliche Ruhe, die gerade herrschte, bis Hedwig ausholte und Falk mit deutlicher Kraft eine mitgab. Jolinn konnte immer noch nichts sagen. Aber eines stand fest: Falk und Jolinn hatten in diesem Moment ihren ersten Segen bekommen und Jolinn strahlte innerlich wie äußerlich. Falk ging auf sie zu, überrumpelte sie, nahm ihre Hände in seine Hände und drückte ihr einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen. Sie erwiderte diesen, nachdem sie sich langsam fasste, so gut es in ihrer Macht und ihrem Wissen stand. Ein unglaubliches Gefühl, welches sich in ihr abspielte. Sie konnte ihren Dank an Hedwig gar nicht in Worte fassen, so glücklich war sie für diesen Moment.

Die Nacht hatte sie richtig gut geschlafen. Ihr Herz schlug Purzelbäume, ihr Puls fuhr Karussell und ihre Gedanken noch immer Achterbahn, aber das hielt sie nicht davon ab, im Land der Träume zu versinken. Am nächsten Tag war sie recht bald auf den Füßen und lief auch prompt mit einem äußerst breiten und auffälligen Grinsen in die Arme von Kadlin. „Warum grinstn du so?“ Jolinn schob viele Gründe vor: Vielleicht lag es daran, dass sie gut geschlafen hatte, dass sie schon gefrühstückt hatte, dass ihr Pferd sie ausnahmsweise einmal nicht abgeworfen hatte oder daran, dass Falk und sie den ersten Segen hatten oder doch an anderen Dingen. Kadlin registrierte erst gar nicht, was Jolinn da gesagt hatte, aber dann weiteten sich ihre Augen und sie strahlte fast genauso stark wie Jolinn das tat, wobei dies fast nicht zu übertreffen war. Lange saßen sie in den Hallen der Bunjam, aßen Kuchen und tranken Met, bis sich Jolinn irgendwann auch auf dem Heimweg zurück nach Grimwould machte und ein wenig Ruhe suchte.

Die Nähe und die Momente, die mittlerweile zwischen Falk und ihr entstanden war heiterte Jolinn sehr auf. Auch wenn sie von fast allem, was stören konnte, in ihrer Zweisamkeit gestört wurden genoss es Jolinn, wenn sich seine Hände in ihren Haaren verirrten oder sie nur in seinen Armen saß. Systra verbrachte an diesem Abend sehr viel Zeit mit den beiden, wenngleich sie auch erst recht geschockt war durch die Tür zu treten und Jolinn in den Armen von Falk und Falks Lippen an Jolinns Lippen hängen zu sehen, bis sich für sie herausstellte, dass Falk und Joli seit dem vorhergehenden Abend den ersten Segen genießen konnten.
Der Abend schritt voran und Jolinn bemerkte wohl, dass mit Systra etwas nicht stimmte. Sie ließ Falk und Jolinn allein, ganz wohl war Jolinn dabei nicht. Aber sie kam wieder, sie hatte sich wieder herverirrt und war sichtlich verwirrt. Sie setzte sich ans Ende der Tischreihe, ehe sich Falk von Jolinn löste und zu Systra ging, auch Jolinn setzte sich zu ihr, neben ihre andere Seite und legte einen Arm sacht auf ihre Schulter. Systra ging es ganz und gar nicht gut, standen ihr die Tränen in den Augen, die sie letztendlich auch rauslassen wollte und auch raus ließ. Sie sprachen sehr lange miteinander, über das, worüber sich Systra Gedanken machte. Jolinn hätte nicht gedacht, dass sie die sonst so starke Systra, die für jeden ein Ohr hatte, auch einmal weinen sah. Und es tat Jolinn im Herzen weh.
Erst als Leif durch die Tore trat, im Schlepptau den Städter, der Falk und Jolinn schon zuvor gestört hatte, weil er ein Pferd kaufen wollte, heiterte sich die Stimmung wieder auf. Falk schickte Systra mit Leif mit, um noch ein paar Momente in trauter Zweisamkeit mit Jolinn zu haben.

Das Scheppern aus der Küche war deutlich zu vernehmen, scheinbar war doch noch jemand wach und Jolinn hoffte, dass es Systra war. Sie hatte Glück, es war so und sie ging ganz eilig zu Systra in die Küche, die Luft wurde durchstoßen von dem Geruch von Alkohol. Systra drückte ihr einen Becher mit Rum in die Hand, der wirklich sehr lecker roch. Sie hatten sich lange in der Küche aufgehalten, bis sie sich letztendlich in die große Halle setzten und redeten. „Meinst du, du kannst Falk lieben?“ Die Frage benickte Jolinn, schließlich fühlte sie sich schon jetzt so wohl. Systra schmunzelte und meinte zu Jolinn, dass es einen großen Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe gab. Verliebtheit war wie eine Schwärmerei, man fühlte sich wohl, man bekam Schmetterlinge im Bauch, wenn das Gegenstück da war. Dieses Verknallt sein, die übertriebene Schwärmerei über einen Menschen, zu der auch Jolinn momentan sehr neigte. Liebe würde sich erst rauskristallisieren, wenn man sein Gegenstück kannte und mit ihm all seine Fehler und Macken und auch diese schätzen und lieben lernen würde. Das Bedingungslose „Ich bleib bei dir, egal was kommt!“. Jolinn nickte, wobei Systra ihr aber auf den Schenkel klopfte und meinte, dass sie die besten Voraussetzungen dafür habe.
Die Erzählungen über Beltaine hatten Jolinn dennoch so sehr geschockt irgendwo, aber sie versuchte zu verstehen, was es sich damit auf sich hatte. Sie verstand es kaum, aber sie setzte alles daran es zu versuchen, was sich ihr die nächste Frage auferlegen ließ. Wie ging DAS? Und es sollte nach dieser Frage noch eine lange Nacht voller Erklärungen werden, die nicht zu enden schien. Erst am frühen Morgen ließ sie sich neben Systra in die Felle fallen, blieb sie diese Nacht bei den Bunjams, ihre Füße würden sie einfach nicht mehr nach Hause tragen. Sie war froh, Systra wenigstens für einen kurzen Moment das Gefühl zu geben, auch wichtig zu sein, selbst mit ihren Problemen und für sie da zu sein, sie in den Arm zu nehmen und sie einfach zu stützen. Mit den letzten Gedanken an Falk vor dem einschlafen kuschelte sie sich in die Felle.

Verfasst: Dienstag 18. September 2007, 13:15
von Falk Hinrah
Lange Zeit war ihm kalt gewesen, so furchtbar kalt. Noch so viele Felle, noch so warme Kamine und Kleidung hatten die Kälte aus seinem Herzen nicht vertreiben können. Der Verlust Cailleans hatte Falk in eine tiefe Depression geworfen, auch wenn er kaum jemals in der Lage war diese zu zeigen. Wie die Traditionen es verhiessen war die Trauer am dritten Tag nach ihrem Ableben vorbei, doch die Kälte war geblieben, eine tiefe Gleichgültigkeit allem ausser seinem Sohn gegenüber.
Das Feuer war schon beinahe erloschen gewesen, das Zittern hatte bereits seinen gesamten Körper erfasst, da bewieß sich einmal mehr, dass der ewige Kreis des Lebens auf ewig Freude in Leid und Leid in Freude verwandeln konnte.

Es war am Anfang nur ein Scherz gewesen, auf seiner Seite hauptsächlich angetrieben von normaler männlicher Begierde. Er wollte Runa und Kadlin den Spass lassen ein wenig mit der Frau an zu bändeln die durch diese Tür kam. Doch viel zu schnell war es mehr geworden. Jolinn hatte eine eigenartige Wirkung auf ihn, das Zittern verschwand und ein kleiner Funken Wärme keimte tief in ihm auf als sie auf seinem Schoss einschlief. Er konnte nicht anders als ihr eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen und dabei fest zu stellen wie weich ihre Haut, wie samtig ihr Haar war. Jolinn machte ihn wieder zu einem kleinen Jungen der sogar wieder so etwas wie Verlegenheit empfand, auch wenn diese durch seine Erfahrungen natürlich abgemindert wurde.
Er kam sich vor wie ein dummer Junge der für ein hübsches Mädchen schwärmte, ihr strahlendes Lächeln ließ sein Herz hüpfen und der Blick ihrer Augen sagte ihm dass sie genauso empfand. Ihre Berührung war warm und weich, ihr zerbrechlicher Leib schmiegte sich an seine starke Brust. Sie war Wildkatze und liebliche Fee zugleich. Es war wie ein Traum.

Lächelnd schloss er die Augen, und rief ihr Bild in seine Gedanken. Ja, sie hatten erweckt was in ihm schlief. Und nun würde er im Wachen weiter träumen, von warmen Lippen, weichen Armen, sanften Finger und strahlenden Kulleraugen.

Verfasst: Sonntag 23. September 2007, 03:12
von Jolinn Hinrah
25 Winter bist du jetzt alt, Jolinn. 25 Winter, die durch die Lande zogen und dich zu dem gemacht haben, was du nun bist. Eine reife, erwachsene, ansehnliche junge Frau, die ihren Weg hart gemeistert hat. Ich erinnere mich an den Tag, als ich gemeinsam mit Svenja von Bord stieg. Wir waren irgendwo, keiner wusste genau wo. Niemand konnte uns damals weiterhelfen, wie wir da standen, so blutjung wie wir waren. Aber wir blieben eine Weile dort, sahen uns um, lebten in den Wäldern. Letztendlich waren wir bekannt als "Die wilden Zwei". Aber unsere Wege trugen uns weiter und weiter, bis wir letztendlich bei der letzten Überfahrt nach Lameriast getrennt wurden. Ich hatte Svenja einfach aus den Augen verloren und sehr gehofft, dass sie es einfach noch auf das Schiff geschafft hatte. Immerhin hatten wir uns genau dieses Schiff ausgesucht. Ich vermisse meine Zwillingsschwester sehr. Gerade jetzt fühle ich mich, als habe man mir einen Teil von mir genommen. Es ist doch was anderes, ob man nur Bruder und Schwester ist oder ob man sich über Monate hinweg den gleichen Leib zur gleichen Zeit geteilt hatte.
Der Tag heute war so zermürbend für mich, er zerrte so an meinen Nerven. Wenn ich daran denke, frage ich mich: Was würde Svenja tun? Aber ich weiß genau, sie hätte alles so gemacht wie ich. Ob sie sich für mich freuen würde, wenn sie erfahren würde, was ich gerade tat? Kochen, Waschen, Putzen, den Kerlen nachräumen, all das, was Mah damals für Dah getan hat. Ich kannte meine Mah nicht, aber sie war wohl eine wundervolle Frau. Was freue ich mich darauf, wenn ich Dah einmal sagen darf, dass ich in freudiger Erwartung stehe und einen Welpen bekommen werde. Ich glaube, das könnt ihn durchaus glücklich machen.
Meine Schläfen pochen, irgendwie sitzt meine Erkältung immer noch zu tief und der Ärger und Frust über den Tag verteilt..... heut war viel zu viel los. Ich habe heute nach so langer Zeit Dah gegenüber gestanden. Anfangs hat er mir gar nicht geglaubt, dass ich seine Tochter bin. Er hat nicht damit gerechnet, dass ich noch am Leben bin. Aber ich lebe. Dah, schau mich an, ich lebe und ich stehe vor dir. Ich bin wieder bei DIR! Es tat so gut von Nethard in den Arm genommen zu werden und es gab so viel zu erzählen, aber Nethard konnte es nicht abwarten, alle wachzubrüllen. Ich habs ja verstanden, ich wär vermutlich auch mehr als froh, wenn meine totgeglaubte Tochter zurück wäre. Ich hörte die Stimme von Falk rufen, als ich mit Nethard noch in der Werkstatt stand. Am liebsten wär ich sofort hochgerannt und Falk um den Hals gefallen, aber ich musste mich noch zusammenreissen, schließlich wusste Dah ja noch nicht, dass Falk und ich den ersten Segen hatten. Und sie wollte Nethard das auch nicht ohne Falk erklären. Aber dann kam doch alles anders. Es nahm alles ganz fürchterlich schnell seinen Lauf. Leif und Skallagrim fühlten sich von den Weibern der Bunjam hintergangen und suchten bei Falk Einhalt. Ich wurde weggeschickt von Leif, wobei Falk meinte, dass das nun nicht sein könne, da ich gerade wieder auf Nethard gestoßen war und man uns zwei nun nicht trennen konnte. "Dann soll se bei Nethard bleyben und runter gehn!" - Genau in dem Moment wusste ich genau, was Systra meinte. Wie konnte Leif nur so kalt sein und absolut außen vor lassen, um was es sich gerade drehte? Um den Moment, an dem Falk und ich Nethard vielleicht die Wahrheit sagen wollten. Aber das war egal und es tat so weh und war so enttäuschend, als Falk mich die Treppen hinabgeschickt hat. Ich hörte von oben nur Stimmengemurmel, hier und da ein paar Wortfetzen, aber das, was ich gehört hatte, hat mir wirklich gereicht. Aber nicht, dass das genug war, nein. Ich erzählte Dah selbst davon, dass Falk und ich den ersten Segen bekommen hatten. Er war enttäuscht oder wütend, ich konnte es nicht einschätzen, es viel mir wahnsinnig schwer. Irgendwo konnte sie es verstehen. Da hatte er gerade seine kleine Tochter wieder und dann erzähl ich ihm, dass ich an der Seite eines Mannes sein will und sein werde um zu prüfen, was sich vielleicht ewig binden möchte. Letztendlich führte es dazu, dass ich die Treppen mit Nethard hochgezogen wurde und Skallagrim und Leif versucht habe zu erklären, warum ihre Weiber sowas machen. Als einzige Frau gegen viele Kerle ankämpfen, soviel Mut hatte ich mir bisher auch noch nie zugeschrieben. Aber ich war so wütend und so enttäuscht. Irgendwann kam auch Falk wieder dazu und ich lächelte ihn sanft an, genauso wie er mich anlächelte. Aber es hielt mich nicht davon ab, die Kerle weiter in Grund und Boden zu schimpfen und ihnen alles zu erklären. Ich wusste nicht, was Falk in dem Moment dachte. Ich konnte es auch nicht an seinen Gesichtszügen erkennen, aber er blieb neben mir stehen und streichelte mir sogar kurz über den Rücken. Vielleicht war er auch verblüfft darüber, dass ich doch so laut werden konnte? Ich wusste es nicht. Irgendwann kamen dann auch noch Keikya, Runa und Systra und es wurde miteinander gesprochen. Die Worte, die Systra wählte um den Kerlen zu erklären, was sie wollten, was sie forderten, hätte ich nicht besser wählen können. Und obwohl mein Blick meist auf den Bunjam-Männern lag konnte ich es mir nicht nehmen lassen, immer mal wieder zu Falk zu blicken. Es war ein schönes und gutes Gefühl, ihn da auf seinem Thron sitzen zu sehen. Die breiten Schultern, der stählerne und geübte Körper, das Strahlen in seinen Augen... ich bin total verrückt danach. Jeder Moment, jeder Augenblick den wir gemeinsam haben ist für mich soviel mehr. Aber jetzt war es nicht an der Zeit sentimental oder verträumt zu wirken, schließlich ging es um wichtigeres. Selbst ich hatte in der Diskussion teilweise vergessen, dass es mir wirklich auch nicht gut ging in der letzten Zeit. Das sich niemand zu mir gesetzt hatte und mich mal gefragt hatte: Was ist los? Vielleicht sahen es einige schon viel zu eng, dass ich die Frau an der Seite von Falk war. Aber auch die "Frau" an der Seite von Falk hat Gefühle und nebenbei erwähnt: Sehr ausgeprägte noch dazu.
Irgendwann nahm die Diskussion ein Ende, Systra ging davon, Falk ging ihr hinterher. Alles löste sich irgendwie auf und letztendlich saß ich mit Keikya und Leif alleine da. Die Gedanken prasselten nur so durch meinen Kopf und ich konnte mich nicht mehr zurückhalten. Ich ging die Stufen nach unten in die Werkstatt und knallte die Tür hinter mir zu. Unten angekommen sprach ich mit Argos. Wir redeten erst über den Streik der Weiber, dann aber fing ich an zu weinen. Erst stiegen mir nur die Tränen in die Augen, ich konnte einfach für den Moment nicht mehr. Ich wollte nur noch weinen. Ich war Argos zu dank verpflichtet, dass er da war. Das liebe ich an dem Rudel, hier, bei den Hinrah, war man eine Familie. Irgendwann kam auch noch Hedwig dazu und sah mich an wie ich Tränen in den Augen hatte. Es war alles in den letzten Tagen zuviel geworden. Ich mache mir Vorwürfe, dass Elina weg ist, ich habe das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr zur Ruhe komme. Ich schlafe kaum, weil ich mir Sorgen mache. Wo steckt sie? Was macht sie? Ist sie überhaupt noch am Leben? Manchmal wünsche ich mir einfach nur Gewissheit, egal in welche Richtung diese Gewissheit geht. Und zeitgleich merke ich immer deutlicher, wie wütend ich über alles werde. Und ich setzte mich wieder nach oben, wobei Hedwig mir ziemlich schnell nachging und Calla wieder alleine mit ihrer Arbeit lies. Ich hatte die Hoffnung längst aufgegeben, dass Falk irgendwann eine ruhige Minute mit mir hatte. Oder eher, dass ich irgendwann eine ruhige Minute mit ihm hatte. Aber da schneite er auch schon zur Tür herein, mein Liebster. Schnell war der Streit und Streik der Weiber vergessen und sie plauderten alle wieder fröhlich los. Leif hatte so gute Laune, dass er sogar Hedwig baden wollte. Kadlin saß, genauso wie ich, eher anteilslos daneben. Scherze, mir war da gerade gar nicht nach Scherze. Zwar saß ich in den Armen von Falk, was wie immer ein unsagbar schönes Gefühl war, aber ich konnte mich nicht darüber freuen. Ich verließ die Hallen, ging zu meinem Pferd. Eigentlich wollte ich nur ein wenig ausreiten, mich nochmals auf die Suche nach Elina machen. Vielleicht fand ich sie. Aber als ich die Stalltore aufmachte hab ich schon die Schritte hinter mir gehört und als ich im Stall stand spürte ich deutlich, dass Falk hinter mir stand. Er war mir also doch nachgelaufen, hatte er also bemerkt, dass irgendwas nicht stimmen würde? Ich vergötter ihn dafür, wenn ich ganz ehrlich bin. Er ist sofort da, wenn man ihn benötigt. Und er hat es sogar bei mir gesehen, wobei ich die Hoffnung aufgegeben hatte. Er fragte mich, was los sei und kniete sich vor mich, wobei er erst meine Hand und dann meinen Bauch küsste und sich an diesen schmiegte. Kaum zu glauben, wie unglaublich dieser Moment war. Für einen Moment hätte ich glatt ins Schwelgen kommen können, wie ich da stand in einem der schönsten Kleider und Falk ..... Ein inneres Seufzen durchzog meinen Körper und ich riss mich aus den Sekunden meiner Tagträume. Ich konnte nicht anders als ihn anzulächeln, hatte er doch wieder mein Herz erwärmt. Aber ich wollte nicht mit ihm hier sprechen, was wir auch nicht taten. Wir zogen uns zurück in Falks Zimmer, welches gleich an die große Halle angrenzte. Er bettete mich in seinem Schoß und ich rollte mich zur Seite, zog die Beine an meinen Körper. Ich fühlte mich wie ein kleines, hilfloses Welpen, welches einfach nur für diesen Moment nach Liebe bettelte. Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich dort in seinem Schoß lag und er mir eine Sträne aus dem Gesicht strich und mich mit einem so ehrlichen und liebevollem Lächeln entgegenblickte. Wie hatte sie nur einmal an ihm, an ihnen zweifeln können? Und ich erzählte ihm von meinen Sorgen und Ängsten. Davon, dass ich mir Vorwürfe machte, dass Elina weg war. Ich war doch der Grund, warum sie ging. Ich war die Frau an Falks Seite oder zumindest die Frau, die er an seiner Seite haben wollte. Aber Falk versuchte mich zu beruhigten, sagte mir, dass nicht ich der Grund gewesen wäre, selbst wenn ich nicht gewesen wäre, wäre Elina nicht seine Art von Frau gewesen, die er interessant fand. Ich stieß einen schweren Seufzer aus. Irgendwie beruhigte es mich ein wenig, aber die Angst blieb trotzdem. Ich erzählte ihm ebenso davon, wie Nethard reagiert hatte, aber auch dafür hatte er eine perfekte Erklärung. Was würde ich nur manchmal ohne ihn tun. Beim letzten Thema saß ich in seinen Armen. Man glaubt es nicht, wie gut es tut wenn man von solch starken Armen umarmt und festgehalten wird, wenn man den warmen Atem auf der Haut spürt und die zärtlichen und leidenschaftlichen Küsse wahrnimmt. Ich wollte ihn eigentlich noch gar nicht darauf ansprechen, aber die Atmosphäre passte besser, als jede andere. Ich erzählte ihm davon, dass ich Angst davor hatte, was man nach dem zweiten Segen machen würde. Das Systra es mir erklärt hatte, aber ich meine Angst noch immer nicht ablegen konnte. Aber Falk sah mich nur an, streichelte mir über die Wange und flüsterte mir leise ins Ohr, dass ich davor keine Angst haben müsse und wir uns dann, wenn es soweit wäre, Stück für Stück vortasten würden. Ich schloss die Augen und ein Kribbeln durchzog meinen Körper. Womit hatte ich diesen Mann nur verdient?
Aber die traute Zweisamkeit blieb nicht lange, da rief Tjarlf, dass Besuch da war. Shaja hieß sie, war wohl ehemaliges Clansschwert von Falk. Ich freute mich sie kennenzulernen, schien mein Liebster doch so froh, sie nach so langer Zeit wiederzusehen. Shaja sah Falk und mich als Mann und Frau an, wobei Falk ihr erklärte, dass ich noch nicht seine Frau wäre. Aber Shaja meinte darauf nur, dass es so wäre, sie würde es in unseren Augen sehen, ich wäre Falks Frau. Ich sah ihn in diesem Moment eine Weile an. Ich kann nicht beschreiben, was ich fühlte. Er weckte in mir etwas, was ich noch nie gespürt hatte. Diese Begierde, dieses Verlangen danach, immer an seiner Seite zu sein. Dieses Gefühl, die ganze Welt umarmen zu können und diese Faszination von seinem Wesen. Er konnte so schroff sein und tierisch auf den Tisch hauen, wenn etwas nicht so lief, wie es sollte... und dann sah sie wieder in seine Augen und sah den weichen Kern, spürte, wie es immer mehr um sie geschehen war. Ein Mann, der für sie so viel mehr war als nur irgend ein Mann........

Verfasst: Dienstag 25. September 2007, 19:13
von Jolinn Hinrah
"Ich lass dich nie mehr allein, es sei denn du willst es so!"


Sie lag in ihren Fellen, ließ den Tag Revue passieren. Angefangen damit, dass sie mit Runa, Systra, Falk, Kadlin, Arnulf und Tjarlf im Sand gebuddelt oder geangelt hat bis zur Rückkehr nach Grimwould. Ihre Fingerspitzen streichelten über ihren Hals, dort, wo diese feingliedrige Kette ruhte. Sie führte ihre Hand bis hin zu dem schweren, eingearbeiteten Diamanten. Sie sah zu der goldenen Bluse, griff nach ihr und kuschelte sich an jene. Sie war so glücklich, sie konnte ihr Glück kaum in Worte fassen. Der Geburtstag Violas' war wohl eher nur ein kurzer Anflug ihrer Euphorie, wobei sie sich sehr darauf freute, Falk zu überraschen und ein Kleid zu tragen. Dazu ihre beiden Geschenke, die Falk ihr überreicht hatte. Womit hatte sie das nur verdient? "Weil du dich in mich verliebt hast..." Die Worte drangen durch ihren Kopf. Die Worte, die Falk in letzter Zeit immer wieder zu ihr sprach. Und das Kribbeln in ihrem Bauch hörte nicht auf, es setzte sich nicht einmal nachts zur Ruhe, wenn sie ihre Augen geschlossen hatte. Es hatte ihr Herz fast zerrissen, als Falk sie wegschickte, als sie vor dieser Blaufratze standen. Der Lethar hatte Falk an der falschen Stelle erwischt, dort, wo Falk vermutlich momentan am verletzlichsten war - mitten im Herzen. Jolinn selbst schluckte, als der Lethar damit drohte, ihren Körper aufzuschlitzen und sie verstand Falks Reaktion, dass er Jolinn sofort nach Hause schickte. Aber sie konnte nicht gehen, sie konnte anfangs einfach nicht gehen, sie wollte bei Falk bleiben. Ihr würde schon nichts passieren. Aber er sagte ihr wieder, sie solle gehen. Für Sekunden dachte Jolinn daran, was passieren würde, wenn ihr etwas geschehen würde und sie gab nach. Sie zog sich zurück, aber ihr jaulen war über ganz Lameriast zu hören. Sie wollte nur nach Hause, aus dem Kleid raus und wieder zurück nach Bajard. Und sie ging auch zurück. Genau in dem Moment, als sich der Lethar wieder vom Boden aufraffte. Ihr Herz schlug schneller, sehr viel schneller, als sie Falk sah und er so gut wie keinen Kratzer abbekommen hatte.

Zuhause standen sie noch eine Weile im Hof. Der Mond umschmeichelte ihre beiden Shilouetten und tauchte die Nacht in ein sonderbares Licht. Jeder Kuss, jede Berührung, jeder Gedanke an und von ihm durchsetzten ihren Körper mit kleinen Stromschlägen. Jeder Herzschlag, jeder einzelne, war ein Geschenk an ihn. Hatte sie wirklich ihr Gegenstück gefunden? Es war noch so unglaublich, so neu für sie. Sie sah ihn an. Er nahm ihre Angst von ihren Schultern.

"Ich lass dich nie mehr allein, es sei denn du willst es so!"
Ihre Stimme durchdrang die Nacht kaum, einzig allein für Falk und Jolinn war dieser Moment bestimmt. Die Hand an ihrer Wange, dieser liebevolle Blick, dieser Moment, an welchem um sie herum alles verschwand und Falk auf ihre Worte hin einfach nur den Kopf schüttelte, als wäre es das letzte, an was er denken würde. Solche Momente erwärmten ihrer beider Herz... und es würden noch mehr von diesen Momenten beginnen und enden. Und wieder beginnen, ebenso wie sie auch ihr schönes Ende fanden. Allein, Arm in Arm, mittten auf dem Hof, geküsst vom hellen Mond, der die Nacht geleitet hatte.

Verfasst: Mittwoch 26. September 2007, 23:26
von Jolinn Hinrah
In ihrem Kopf hämmerte es wie wild. Sie stand mit Systra in der Küche, als Skallagrim und Leif wohl vieles versuchten, um die beiden dort hervorzulocken. Aber Jolinn konnte für diesen Moment einfach nicht hinaustreten. Zu sehr lag ihr der Abend noch in den Knochen, als sie einfach fortgeschickt wurde. Als es egal war, dass sie ihren Vater nach 20 Jahresläufen wiedergesehen hatte. Es egal war, dass Falk und sie ihrem Vater gemeinsam erzählen wollten, was geschehen war. Das sie sich in Falk verliebt hatte - und er sich in sie.

Systra hörte ihr zu, wobei Jolinn nicht wirklich sprechen konnte. In ihrem Kopf drehte sich alles und der sonst so standhaften jungen Frau drohten die Füße vom Boden gerissen zu werden. Gedanken und Gedanken und Gedanken.

Jolinn, sieh dich an. Du bist eine wunderschöne Frau! Ihre Gedanken hämmerten weiter in ihrem Schädel und sie versuchte sich auf Systra zu konzentrieren. Aber ihre Gedanken schweiften wieder ab. Wo war sie? Wo hatte sie sich versteckt? Ihr Magen krampfte, wenn sie dran dachte, dass Elina etwas passiert sein konnte.

Trollköppe, Kindsköppe. Was anderes konnte man manchmal nicht sagen, wenn es um die Kerle des Clans ging. "Wieviele Kinder werden Falk und Jolinn wohl bekommen?" Sie hörte die Stimmen deutlich durch die Vorhänge, auch wenn sie die letzten Sätze nur noch verschwommen wahrnahm. "Jolinn... fetter Hintern... kaum Brüste!" Jolinn konnte es nicht mehr hören. Auch, wenn es in dem Moment einfach nur Spaß war, es zerriss ihr Herz und sorgte dafür, dass es bis zum Anschlag schlug. Raus, einfach nur raus. Es sollte eine Flucht ins Freie werden und eine Nacht unter dem klaren Sternenhimmel. Sie starrte lange in die Sterne, ehe ein paar Tränen von ihrem Kinn abperlten. Mach dich nicht lächerlich, Jolinn.

Sie blickte in das Dunkel der Nacht. "Wo bist du, Svenja?"

Verfasst: Samstag 29. September 2007, 04:20
von Jolinn Hinrah
Die Sehnsucht nach ihrer Schwester stieg ins Unermessliche. Es war so schwer, wenn man nicht wusste, ob sie den Weg zu den Ahnen beschritten hatte oder nicht. Es quälte sie so sehr; selbst Nachts tat sie kaum ein Auge zu. Wenigstens hatte sie die Beruhigung, daß Elina wieder da war. Sie hatte sich schwere Wunden zugezogen, aber sie lebte. Und eine Wölfin, selbst, wenn es noch eine so junge Wölfin war, würde das schaffen und sich von ihren Wunden, ob äußerlich oder innerlich, erholen. Jolinn sah spät nachts nach Elina, als alle schon schliefen. Sie streichelte der kleinen, ruhenden, von Schmerzen geplagten Wölfin über die Haare. "Es wird alles wieder gut werden..." Und sie schloss die Tür leise hinter sich.
Jolinn zog es vor, ihre Ruhe derzeit in den Wäldern zu suchen. Ihre Gedanken, ihre Gefühle trieben sie dazu, sich die Ruhe zu suchen. Sie ruhte nicht weit von der Festung entfernt, aber sie musste die dunkle Nacht und den ruhigen Wind um sich herum spüren, fühlen und für sich genießen. Für sich ganz allein. Sie lies ihre Gedanken schweifen.

Falk. Ein Kerl wie kein anderer und ein Kerl, der es geschafft hatte, sich ihr Herz zu erbeuten. Vom ersten Moment an, als er ihr in der Halle der Bunjams gegenüberstand, ihr die Haare abschnitt und sie auf seinem Schoß ruhte, fand sie ihn sympathisch. Und seither hatten beide einen Narren an sich gefressen. Anfangs konnte sie kaum glauben, dass Falk anfing, sich wirklich für sie zu interessieren. Aber es machte sie so unglaublich glücklich. Jeder Moment, jeder Augenblick, den sie gemeinsam hatten führte dazu, dass ihr Herz noch viel mehr an ihm hing. Jedes Problem, dass sie bedrückte, versuchte er gemeinsam mit ihr zu lösen. Jeden Wunsch, den sie im tiefsten Inneren hegte laß er von ihren Lippen ab und tat es auch immer noch. Er verblüffte sie immer wieder. Und sei es mit einem Geschenk, mit welchem sie gar nicht gerechnet hatte. Sie hatte sich Hals über Kopf verliebt und sie genoss das Gefühl, erst Recht, weil sie es mit ihm teilen konnte. Sie liebte es, wenn er seine Arme um sie schlang sobald ihr kalt war und ihr Leib zitterte. Sie liebte es, wenn er sie ansah, mit diesen unheimlich ungewöhnlichen, blauen Augen. Sie liebte es, wenn er auf sie zuging und sie küsste, leidenschaftlich und doch mit soviel Würze, dass sie stundenlang an diesen einen Kuss denken musste. Zweifelsfrei: Sie hatte gefunden, wonach sie innerlich gesucht hatte - ihren Ruhepol an ihrer Seite. Verträumt starrte sie in die Sterne, als sie sich Falks Worte in ihre Gedanken rief: "Ich liebe dich, Jolinn, wie nichts anderes auf der Welt!" ...

Nethard. Sie hatte ihren Dah nach so langer Zeit endlich wieder gefunden. Es brachte ihr Herz zum Strahlen und sie konnte endlich wieder richtig glücklich sein. Auch, wenn sie ihn nicht oft sah, seitdem er sie in den Arm genommen und so sehr gedrückt hatte, dass ihr fast die Luft zum Atmen wegblieb, spürte sie die tiefe Verbundenheit, die zwischen ihrem Dah und ihr herrschte. Einen besseren Dah konnte man sich nicht wünschen. Einen Dah, der immer Verständnis gezeigt hatte und immer für sie da war. Und so war es auch bis jetzt noch. Sie liebte ihren Dah von ganzem Herzen und nichts und niemand konnte sie jemals wieder von seiner Seite reissen.

Kadlin. Sie war ihre Ziehschwester, aber sie fühlte sich zu ihr hingezogen, wie eine Schwester zu einer Schwester. Für Jolinn war sie die große Schwester, die ihr fehlte. Sie konnte mit ihr über alles sprechen, konnte sich ihr anvertrauen und sah in ihr eine Art Seelenverwandte. Manchmal mussten sie nicht einmal miteinander sprechen, sie verstanden sich auch so. Und sie teilten ihre Leidenschaft für Runas eigenhändig geformten und gebackenen Kuchen. Sie war so herzlich und gemeinsam mit Runa und Systra gab sie ein perfektes Zusammenspiel ab. Aber was sollte man auch erwarten, schließlich würde sie bald an der Seite von Leif sein und eine Wölfin der Bunjam werden.

Systra. Wie wundervoll sie war. Sie kümmerte sich so rührend um alle, so dass man manchmal sogar den Anschein bekam, sie würde sich selbst für das Wohl Anderer einfach aufgeben. Sie wirkte immer so stark, dabei war sie selbst so zerbrechlich und verletzlich wie eine kleine, schöne Blume. Wenn Jolinn ein Problem hatte wusste sie genau, sie konnte zu Systra gehen ohne Gefahr zu laufen, dass irgendwer anderes von ihrem Problem erfahren würde. Wie oft stand Systra schon vor Jolinn, rüttelte sie und versuchte sie aufzubauen, wenn ihr Köpfchen wieder einmal Richtung Boden zeigte wie eine verwelkte Blume. Sie hatte Systra richtig, richtig gern und das zeigte sie ihr auch. Sie liebte ihr offenkundiges und vertrauensvolle Wesen, wobei sie zeitgleich so liebevoll sein konnte, was man nicht glauben würde, wenn man ab und an ihren Worten Gehör schenkte. Für Jolinn war Systra ihre private Beschützerin ihrer Seele.

Und zeitgleich gab es noch Runa. Die nächste Verbündete Jolinns'. Jolinn bewunderte Runa, wie sie die Arbeit auf dem Hof verrichtete, mit den Tieren umging und sich um die Kaltblüter kümmerte. Die ruhigen Worte Runas beruhigten die Tiere, brachten sie zur Vernunft und bändigten sie. Runa war ein ganz besonderes Weib, welches allein durch ihre Backkünste die Herzen mindestens zweier Thyrenweiber höher schlagen lassen konnte. Kadlin, Runa und Systra gaben gemeinsam mit Jolinn selbst ein äußerst starkes und freches Quartett ab. Vier Weiber, die sich wohl gefunden haben und in ihren hübschen Köpfchen einen Streich nach dem Anderen ausheckten. Egal ob Runa, Kadlin, Systra oder Jolinn, sie waren sich alle so fürchterlich ähnlich und doch grund verschieden.

Jolinn seufzte und starrte in den tristen Himmel. Die letzten Gedanken an diesem Abend schenkte sie Falk und ein langes Seufzen durchzog die Nacht. Sie quälte sich noch immer damit, was sie schon immer gequält hatte. Dabei hatte er ihr doch gesagt, dass er sie liebt und nur sie, allein sie, an seiner Seite sehen wollte. Sie legte das Fell um ihre Schultern und kuschelte sich in dieses. "Dabei will ich nur wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehst und nicht davor zurückschreckst..."

Jetzt fehlte nur noch Svenja an ihrer Seite und der zweite Segen mit Falk und ihr Glück wäre so gut wie... perfekt.

Verfasst: Montag 1. Oktober 2007, 04:05
von Jolinn Hinrah
Hedwig hatte sie alle gewarnt, aber Jolinn blieb bei ihrer Entscheidung. Sie hätte nicht gedacht, dass es so viel Kraft kosten würde. Aber die Wolfsmörder mussten gefunden werden ...

Als alles vorbei war und die Seelen wieder zu ihren Körpern gefunden hatten ließ sie sich in die starken und stützenden Armen von Falk fallen. Sie spürte deutlich, dass es mehr an seinen Kräften gezerrt hatte, als er zugab. Und dennoch hielt er sie in seinen Armen und wiegte sie hin und her. Aber ihr warh so komisch zumute. Abertausende an Jagden wären einfacher gewesen als das, was ihnen passiert war. Sie hatten eine Fährte, aber sie mussten ihre Zeit sinnvoll nutzen und dieser nachgehen, allzu lange konnten sie das Ritual nicht aufrecht erhalten. Es war nicht von ewiger Dauer.
Jolinn beschlich ein Gefühl, dass sie zuvor schon oft gespürt hatte, aber niemals so deutlich wie in diesem Moment. Sie hatte ihr Gegenstück gefunden, definitiv. Sie ruhte in den Armen des Mannes, den sie liebte und der sie liebte, dessen Welpen sie gebähren wollte und an wessen Seite sie alt werden wollte. Aber genau das machte sie auch so traurig und sie schlich sich davon. Weit kam sie nicht, wo Falk ihr doch dicht an den Fersen klebte. "Was ist los?" Sie konnte es ihm nicht sagen, dass er ihr nachts fehlte. Es war noch viel zu früh, darüber nachzudenken, auch wenn sie sich so wohl bei ihm fühlte und es kein Zurück mehr für sie gab. Aber für alles gab es eine Lösung, so auch dafür. Zwar verstand sie nicht, noch nicht, aber Falk versprach ihr, dass es eine geben würde. "Sie ist die Frau die ich liebe und deren Nähe mein Herz mit Freude erfüllt." Die Worte zogen an Jolinn vorbei und doch wärmten sie ihr Herz so dermaßen. "Ihre Abwesenheit erfüllt mich mit tiefem Schmerz und auch wenn ich nicht gekommen bin um dich um den zweiten Segen zu bitten so ist meine Bitte doch gravierend und getragen von meiner unendlichen Liebe zu dieser Frau die einst meine Welpen gebren wird." Sie spürte den entschlossenen Tonfall von Falk, spürte tief in ihrem Herzen, wie ernst es ihm war. "Ich bitte dich nun, eine Last von uns zu nehmen die unsere Herzen mit Schmerz erfüllt und unsere Augen mit Tränen, denn nimmer mehr will ich von ihr scheiden bis in den Tod hinein." ......
Sie hatten Systra ihr beider Wort gegeben. Nicht nur Systra, auch Grimwould hatte ihre Worte vernommen, ihren Schwur gehört. Den Schwur, dass Falk neben Jolinn und Jolinn neben ihrem Liebsten nächtigen durfte. In gemeinsamen, doch getrennten Fellen mit einem Fell zwischen ihnen. So, wie es die Traditionen vorschrieben und nur so, wie es die Traditionen zuließen. Die Euphorie der Beiden war so groß, daß sie fast die letzten Worte Systras überhörten. "Falk? Du liebst sie wirklich, nicht wahr?" Nach den letzten Worten verließ Systra die große Halle und Falk und Jolinn legten sich schlafen. Es war ungewohnt, die Treppen hinabzusteigen und durch den Vorhang zu schreiten. Aber sie konnte von nun an in seiner Nähe einschlafen, unmittelbar neben ihm. Und das war das, was zählte.

Ruhig und erschöpft schlief sie ein, schließlich musste sie für den morgigen Tag ausgeruht sein.

Verfasst: Sonntag 7. Oktober 2007, 03:26
von Jolinn Hinrah
Es war ein schönes Gefühl, jeden Morgen aufzuwachen und den Geruch von Falk oder ihn selbst um sich zu haben. Selbst wenn die Traditionen es besagten, dass mindestens ein Fell sie trennen musste konnte sie so in seiner Nähe schlafen. War es die Sehnsucht oder die Angst, ihr könnte doch etwas passieren, die Liebe zu ihr, die Falk dazu verleitet hatte zu bitten, Jolinn dürfe bei ihm in seinen Fellen schlafen? Vermutlich war es von allem etwas.

In den letzten Tagen war in beiden Clans sehr viel passiert. Firnya und Kjaran hatten sie am Hafen Lameriasts aufgelesen. Anfangs waren sie sehr verstört, hatten sogar Angst vor Falk und den anderen, die sich ihnen näherten. Aber langsam gewöhnten sie sich ein. Sie waren Zwillinge, insofern Jolinn das erkennen konnte. Zwillinge - wie sehr sie ihre Svenja doch vermisste.

Aber der Tag sollte gleich danach kommen, an dem sie nichtsahnend zum Hafen wollte. Sie nahm ihre Sarah an den Zügeln, führte sie aus dem Stall. "Na meyne Hübsche? Zeyt für eynen Ausritt, aye?"
Als sie schon eyne Weyle unterwegs war, der Weg zum Hafen war ja ney der kürzeste, hielt sie inne. Sie traute ihren Augen kaum, als sie sich selbst in die Augen sah. Es war keyne Halluzination und auch die Ahnen spielten ihr keinen Streich. Es war, wie sie vermutete, Svenja. Sie hatte ihre Schwester endlich wieder an ihrer Seite. Jolinn war so überglücklich, umarmte und drückte Svenja, ehe sie sie mit nach Grimwould nahm und ihr erstmal vernünftige Kleidung und Essen und Trinken gab. Danach machten sie noch einen kleinen Ausflug zu Runa und mit Runa gingen sie in den Clan, wo sie auf den Rest trafen. Arnor, Leif, Systra - aye. Auch Elina und Hrefna kamen irgendwann, Arnulf und Brunnolf waren auch da, selbst Falk, von dem Jolinn sehr überrascht war, tauchte in den Hallen der Bunjam auf. Sie unterhielten sich dort, bis sie sich alle aufmachten, um sich um den heiligen Baum zu versammeln.

Nachdem sie alle wieder vor dem heiligen Baum erwachten und zurück von ihrer Reise waren begaben sich einige in die große Halle und es wurde noch ein schöner Abend. Es war mal wieder an der Zeit, Wahrheit oder Tat zu spielen, was sich aber als ein gemeines Spiel herausstellte mit gemeinen Fragen und noch viel gemeineren Taten. Jolinn, Falk, Systra, Olaif, Firnya, Kjaran, Leif, Kadlin, Hrefna, die aber bald wieder weg war... so viele waren mit von der Partie, die sich das Spiel und den geselligen Abend nicht entgehen lassen wollten.

Nachdem Falk sich ins Bett verabschiedet hatte, brachte Jolinn Olaifur und Finya noch ein wenig tanzen bei, war es doch Finyas Aufgabe für die Wahl "Tat", mit Olaif zu tanzen. Kadlin und Leif summten im Hintergrund, während Jolinn leise zu singen begann, um die beiden musikalisch zu unterstützen. Aber irgendwann war auch damit Schluss und sie stieg müde die Treppen zu Falks Räumlichkeiten hinab. Als sie die Falltür öffnete sah sie die rote Rose, die auf der Treppe gebettet dort lag. Sie nahm sie in ihre Hand und schnupperte daran. Ein wunderschönes und liebevolles Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

[img]http://tn3-2.deviantart.com/fs9/300W/i/2006/034/3/c/red_rose_on_a_grave__in_Bellu_by_schwarzeKatze18.jpg[/img]

Glücklich ließ sie sich in die Felle sinken, zog ihr Fell bis zum Kinn, gab Falk einen zärtlichen Kuss auf die Schläfe und schlief mehr als glücklich an Falks Seite ein. Sie war so froh, dass ihre Schwester Svenja endlich wieder bei ihr war.

Verfasst: Sonntag 14. Oktober 2007, 14:38
von Jolinn Hinrah
Sie hatte sich nachts aus den Fellen geschlichen und ging nochmal zum Clan Bunjam, in der Hoffnung, dort vielleicht jemanden anzutreffen. Tjarlf und Olaif saßen dort und tranken Met. Wenn man den Boden ansah, ... einiges an Met. Jolinn setzte sich dazu und trank mit, zwar nicht so viel wie die Männer, hätte sie soviel doch niemals geschafft, aber genug um ihn im Kopf zu merken. Es war ein wirklich gemütlicher Abend, oder eher eine gemütliche Nacht, die erst mit dem Morgengrauen enden sollte. Jolinn hatte noch ein wenig mit Tjarlf gesprochen, als sie zurück in Grimwould waren. Sie versuchte ihm gut zu zu reden, auch wenn sie nicht wusste, ob es eine Chance für das gab, was er ihr erzählte.
Jolinn selbst lag noch eine Weile wach, dachte über das nach, was sie Tjarlf selbst gesagt hatte. Es gab nicht immer nur positive Seiten, wenn sich zwei Herzen gefunden hatten. Auf einmal tat alles so viel mehr weh. Und doch waren die positiven Seiten so viel schöner. Die Gefühle, die einen umgaben. Man schloss die Augen und sah den Menschen im Inneren der Augenlider, man öffnete die Augen und man sah diesem direkt ins Gesicht. Jede Umarmung waren Streicheleinheiten für die Seele, jeder Kuss ein Kuss fürs Herz. Und doch dieser elendige Beigeschmack der Liebe. War man die Richtige? War es richtig, dass sich genau diese zwei Herzen gefunden hatten? War sie stark genug, an der Seite eines Jarls zu sein? Sie dachte oftmals an die Ängste, die Kadlin hatte. Würde einen die Vergangenheit einholen? Jolinn war vielleicht die Einzige, die sich diesbezüglich in Kadlin hineinversetzen konnte. Manchmal war es eine Qual zu wissen, was vorher war. Und auch, wenn Jolinn nicht wirklich viel wusste schmerzten manche Worte in ihren Ohren als würde man einen Dolch durch den Arm ziehen. Aber es gab einen großen Unterschied. Einen Unterschied, den sie Kadlin hätte ersparen wollen und auch, wenn es hart war: Jolinn hatte die Sicherheit, dass Falk mit der Vergangenheit nicht mehr konfrontiert werden konnte. Umso überraschter war sie, als sie mit Falk nach Hause ging und er ihre Hand in seiner bettete. Als er sie ansah, mit seinen ungewöhnlich blauen Augen... vor ihr auf die Knie ging und sie das fragte, was er fragen wollte. Das, was Jolinn in diesem Moment gefühlt und gedacht hatte, konnte sie nicht beschreiben. Es umhüllte sie soviel Glück und all ihre Zweifel waren auf einmal fort, alles war Geschichte für diesen einen Abend. So geschwächt wie sie auch von den letzten Tagen war, in denen sie so viel unterwegs waren, so stark fühlte sie sich im nächsten Moment wieder. Ein Gefühl, welches sich auch noch über die nächsten Tage hinwegzog. Jetzt war es nur noch an der Zeit, ihren Dah zu sehen...

Verfasst: Montag 15. Oktober 2007, 17:08
von Jolinn Hinrah
Sie sah in die betrübten Augen von Falk und es tat weh, ihn so zu sehen. Einsam, verlassen standen sie hier in Grimwould, kaum etwas rührte sich. Alle waren ausgeflogen. Zuvor noch hatten sie ein wenig über Welpen diskussiert, vielleicht eher scherzhaft, und doch sicherlich mit einem Funken Wahrheit dahinter. Falk sah es kommen, wie sie sich mit zwei Mädels an ihrer Seite gegen ihn verschwören würde. Allein die Vorstellung ließ Jolinn schmunzeln. Und doch trieb es den betrübten Ausdruck zurück in Falks Augen. Sie sah ihn an.

"Dann muss ich dir halt nicht nur zwei oder drei Welpen schenken...
... sondern sechs oder sieben, dann ist hier auch wieder Leben angesagt!"


Er sah sie an und musste grinsen. Genau das, was sie erreichen wollte. Er streichelte ihr über den Rücken und flüsterte ein leises "Danke", bis sich auch der Innenhof der Hinrahs mit Leben füllte. Erst Elina, dann Hedwig und zuletzt Auriane, bis auch der Rest eintraf. Schließlich war es heute an der Zeit, die Arkorither ein erneutes Mal heimzusuchen und ihnen Angst und Respekt einzujagen. Angst vor dem, was sie getötet hatten.

Das Ritual war das Gleiche wie immer. Hedwig und Systra versanken im heiligen Baum, gaben sich hin, damit die Seelen befreit wurden und in die schemenhaften Körper der Wölfe übergehen konnten. Sie wurden befreit um sie zu rächen. Und die Hetzjagd sollte erneut losgehen. Nicht weniger geschafft kamen sie auch von jener Jagd zurück, sanken wieder in ihre Körper zurück. Es waren viele Wölfe gewesen. Arnor, Arnulf, Auriane, Elina, Falk, Firnya, Hedwig, Hrefna und Isibel, wie auch Leif, Olaif, Runa, Systra, Tjarlf, Trystjarn und natürlich sie selbst.

Alle blieben sie noch versammelt, unter dem heiligen Baum, als Falk das Wort erhob. Sein Wort richtete er an Hedwig. Jolinn wusste, was passieren würde. Jolinn wusste, was nun kam.

Falk streckte seine Hand nach Jolinn aus - und sie ging zu ihm.

Falk wandte sich an Hedwig, sprach, erklärte, erzählte und bat, ja, er bat Hedwig um die Hand von ihr - Jolinn, Tochter des Nethard. Er forderte eine Belohnung, seine Belohnung, die er für einen gewonnenen Kampf gegen einen Auserwählten bekommen sollte. Hedwigs Blick ging langsam durch die Reihen, Leif straffte sich wohl, als würde er sich fast freiwillig stellen wollen. Doch Hedwig übersah ihn zuerst absolut. Erst dann ertönte Hedwigs donnernde Stimme:

"Ich bestimme.... LEIF!"

So nahm es seinen Lauf. Unweit von dem heiligen Baum formten sie eine Arena, um die beiden den Kampf austragen zu lassen und nur die Ahnen konnten entscheiden, wer diesen Kampf gewann. Würde Falk gewinnen, waren ihm die Ahnen gut gesonnen. Würde er verlieren, waren Jolinn und Falk nicht füreinander bestimmt.

Jolinn achtete nur auf Falk, Leif und Hedwig. Alles um sie herum vergaß sie. Sie bekam nicht mit, wie Isibel wohl aufgeregt zu Runa tuschelte. Sie bemerkte nicht, wie Auriane in die Felle gebracht wurde, sie realisierte nicht einmal, dass irgendwer um sie herumstand, geschweige denn, wer um sie herum stand.

Der Kampf sollte beginnen.
Jolinn sah zwischen Falk und Leif hin und her und sie hoffte. Sie hoffte auf die Ahnen und sie hoffte, dass keiner von beiden schwere Verwundungen erlitt. Sie wusste, Falks Wunden würden schnell heilen, aber was war mit Leif? Sie sah zwischen beiden hin und her, wie die Klingen aufeinander trafen und sie sich gegenseitig verletzten, bekämpften. Ein Ritual, das so in dieser Form stattfinden musste. Die rhytmischen, trommelnden Schläge von Trystjarn auf das seinige Schild untermalte das ganze Spektakel positiv. Jolinn bebte innerlich. Sie realisierte kaum noch etwas um sich herum. Immer ferner schien sie mit ihrem denken, ihr blick fokussierte nur noch Leif und Falk. Bis sie Leif zu Boden gehen sah.

Sie wusste, was das bedeutete, aber sie realisierte es nicht.

Systra eilte zu Hedwig und Leif, Hedwig kümmerte sich um die Wunden von dem auf dem Boden liegenden Leif. Systra half. Falks Wunden hingegen schlossen schnell, auch wenn das Blut unter dem Helm über sein Gesicht lief, Jolinn machte sich weniger Sorgen, dass es ihm schlecht ging. Die Gratulation von Runa nahm sie noch einigermaßen war, als jene sie umarmte und ihr einen Kuss auf die Wange drückte.

"Wir feyern die Tage!"

Mit diesen Worten verschwand Runa, gefolgt von anderen.
Nachdem Leif versorgt war, trat Falk auf Hedwig zu, der doch auch schon deutlich ausgelaugt vom Ritual war.

"Ich fordere meinen Preis, Hedwig!"

- "Den sollst du haben!"


Und Hedwig ging auf Falk zu, hob die Faust donnernd an und ließ sie in die Richtung von Falk saußen. Kurz, bevor die Faust Falk treffen konnte, versank Hedwig in einem tiefen Schlaf. Im Stehen schlief er, murmelte etwas vor sich hin. "Tjarlf, bring ihn in seine Felle!" Tjarlf nickte. Schon recht bald waren Falk und Jolinn alleine. Elina schlich noch herum, ebenso wie Hrefna, aber von beiden war auch relativ baldig keinerlei Spur mehr.

"Wir haben den zweiten Segen!"

Sie hörte die Worte immer noch weit weg von sich, sehr weit weg von sich, bis sie endlich aus ihrer Träumerei gerissen wurde. Sie hatten den zweiten Segen.

"Und weisst du was? ..."

- "Ney!"
Sie sah ihn mit großen Augen an.

"Innerhalb von sechs Mondläufen müssen wir handfasten!"

Mit einem Schmunzeln sah sie ihn an. Jetzt hatte sie alles, was sie sich immer erträumt hatte. Alles...