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An Jahwarah

Verfasst: Donnerstag 6. September 2007, 14:04
von Raniya Sahar
Die Nacht nahm bereits Einzug in Menek'Ur, als ein Schatten im Haus von Jahwarah und Raniya, genauer gesagt in der Wohnstube,
auf und ab schlich.
Nachdenklich, sichtlich überlegend wirkte die Miene der jungen Menekanerin, welche ein Pergament in ihrer Hand hielt und ihren Blick nur auf jenen ruhen lies.
Das Kerzenlicht tanzte zu jeder Bewegung der jungen Frau spielerisch hin und her, bis jene sich doch dazu bereit sah sich dem Licht zu erbarmen und sich auf die vielen, ordentlich angerichteten Kissen niederzulassen.
Langsam strich die zarte Hand durch das volle, pechschwarze Haar, der Kopf neigte sich nachdenklich von einer Schulterseite auf die andere, das Unwohlsein, wie das Gefühl des Unbehagens nahm deutlich auf der Mimik der jungen Menekanerin einzug.
Sie hatte die Wahl. Lügen oder es einmal mit der Wahrheit zu versuchen.
Ein innerer Konflikt, welcher noch Stunden nach dem Gespräch in ihr auflebte.
Lügen oder die Wahrheit. Immer wieder kehrten beide Worte in ihren Kopf.
An sich würde jeder zur Wahrheit tendieren, zumindestens jeder, welcher ein reines Gewissen hatte oder einfach keinen Sinn darin sah,
eine Lüge aufzutischen.
Nicht mehr eine Hand verschwand im dichten Haar der jungen Frau, die andere tat selbiges, während sich der Körper vor und zurück wiegte.
Es verstrichen die Minuten, Stunden, während sich die Pose der jungen Frau nicht änderte, erst als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster hineinlangten, hobt sich der Blick der Menekanerin.
Entschlossen.
So würde jeder diesen Blick deuten, wenn ihm die Ehre zu teil wurde in ihre Augenpaare blicken zu dürfen.
Flink wie sie war, wurde der naheliegende Kohlestift, welchen Jahwarah wohl am Vortag vergessen hatte wegzuräumen in die Hand genommen.
Recht zügig, fließend ging Zeile in Zeile über, bis schlussendlich das Pergament beschrieben war und seinen Platz auf dem Eßtisch fand, so das Jahwarah ihn um keines Preises hätte übersehen können.
Nochmals schweifte der Blick prüfend, einprägend durch die Wohnstube, ehe die Tür zu fiel und das Haus gänzlich aus dem Sichtfeld der jungen Frau verschwand, welche sich den Schatten suchte um ihren Weg zu gehen.
Die Wahrheit schien dieses Mal gewonnen zu haben.


Salam Jahwarah,

verzeih mir, das ich es nicht über mich brachte, dich in deinem tiefen Schlaf, welchen Eluive mit Sicherheit mit wunderschönen Träumen besetzte, hinaus zu reißen.
Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, das ich nicht darauf warte dir alles im Angesicht zu berichten, scheint die Zeit es in den letzten Tagen nicht gut mit uns zu meinen, was die aufeinander Treffen anbelangt.
Ich werde heute auf das Festland übersetzen, um meinen Blick weiter zu öffnen und es ebenso einmal kennenzulernen.
Ich werde jenen Ausflug dazu nutzen, um den ein oder anderen Kontakt zu knüpfen, welcher unserem Hause sicherlich zum Nutzen sein wird.
Deine Sorge, die dir sicherlich nun im Kopfe herumgeistern wird, das mir etwas passieren könnte oder gar ich auf merkwürdige Weise verschwinden sollte, möchte ich dir nehmen.
Ich habe die Möglichkeit Ishaaq aus dem Hause der Masari zu begleiten.
So wirst du merken, das mir nichts passieren kann, vor allem da du doch weißt, wie flink meine Linke ist und ich mich zur Wehr setzen kann.
So mach dir bitte keine Gedanken und verbringe schöne Stunden, in denen du das Haus nur für dich alleine hast, ohne einen Schatten zu spüren, der dir über die Schulter blickt.
Ich freue mich auf den Abend, an dem wir beide die Zeit finden, um uns mit den neuesten Tratsch und Klatsch auszutauschen.
Fühle dich umarmt und achte gute auf dich.

Möge Eluive dich die Tage genauer unter ihre Augen nehmen und über dich wachen,
da meine vorerst ihre Sicht auf andere Dinge legen.


Raniya

Verfasst: Samstag 8. September 2007, 19:34
von Jahwarah Bashir
Die frühen zaghaften Strahlen der Sonne krochen über den Horizont und küssten die ersten Steine, aus denen die Wüstenstadt errichtet war. Noch eine ganze Weile würde es dauern bis die Schatten der Nacht und die damit verbundene Kälte vertrieben waren und die Hitze sich wieder als alleinige Herrscherin des Tages behaupten würde.

Auf nackten Sohlen stahl sich Jahwarah aus dem Schlafzimmer, möglichst leise um Raniya nicht zu wecken. Während Jahwarah die frühen Stunden des Tages zu schätzen gelernt hatte, alleine aus der alltäglichen Gewohnheit heraus, zog es die Ältere der beiden Cousinen vor sich in der Wärme der Bettdecke zu aalen bis die Sonne weit genug am Himmel stand um es mit dieser aufzunehmen. So blieb das leere Bett am anderen Ende des Raumes unbemerkt und für Jahwarah nahm ein ganz normaler Morgen mit all’ seinen Alltäglichkeiten seinen Lauf.

Erst als sie sich mit einem Glas Dattelsaft an den Esstisch setzte, bemerkte sie das gefaltete Pergament, welches die übliche Anordnung auf dem Tisch brach. Mit dem hämischen Grinsen einer unguten Vorahnung bleckte es seine Zähne.

Sie las sie Zeilen einmal, zweimal, dreimal. Dann ließ sie das Schriftstück in den Schoss hinab sinken und atmete einige Mal tief durch. Die Neugierde ihrer Cousine war schon seit Kindesbeinen an sehr ausgeprägt gewesen, vor allem wenn es Dinge und Gegebenheiten betraf, die nicht unmittelbar zu erreichen waren. So wie das Festland. Aus Gründen des Handels hatte es auch Jahwarah schon das ein oder andere Mal dorthin geführt, doch war sie stets froh gewesen es nach einigen Stunden wieder verlassen zu können. Auf Raniya übte das Land offensichtlich eine größere Faszination aus. Ja, in der Tat beschlich sie Sorge, Raniya hatte es ganz richtig vorausgesehen. Auch das Beisein des Ishaaq aus dem Hause der Masari konnte ihr diese nicht nehmen, Jahwarah konnte sich nicht erinnern, dass er kämpferische Fähigkeiten sein Eigen nannte mit denen er seine Cousine schützen konnte. Ganz im Gegensatz zu seinen Augen, diese waren der jungen Salzschürferin noch gut im Gedächtnis. Sie hoffte inständig, dass diese nun gut über Raniya wachen würden.

Ein Seufzen perlte von den mit Dattelsaft benetzten Lippen als sie sich erhob und zurück ins Schlafzimmer ging. Das Pergament wieder ordentlich zusammen gefaltet, hauchte sie jenem einen Kuss auf, ehe sie es dann in der Schublade ihres Nachttisches verschwinden ließ.

Komm’ bald wieder, Raniya.